Update | Wegen Akustikwand ist stadthistorischer Artefakt abgehängt: Wo soll künftig der Diekkäfig hängen?

(c) Foto: Frank Bertram

Kaum eine touristische Stadtführung durch Einbeck kommt ohne ihn aus, schließlich ist der Stadtbrand von 1540 das einschneidendste historische Datum in der Geschichte der Stadt und der Metallkäfig für den Brandstifter aus dem 16. Jahrhundert ein anschauliches Artefakt. In dieser Woche wurde der Diekkäfig abgehängt, weil an dieser Seite der Rathaushalle eine weitere Akustikwand eingebaut wurde. Kein Problem, möchte man meinen: Sobald die Wand installiert ist, kann der stadthistorische Artefakt, in dem angeblich der Brandstifter vom 26. Juli 1540, Heinrich Diek, eingesperrt wurde, ja doch wieder aufgehängt werden. Ja, aber, lautet die Antwort aus dem Rathaus auf meine Nachfrage: „Die Akustikwand ist nicht dafür ausgelegt, mit schwereren Objekten wie dem Käfig behängt zu werden“, sagt Baudirektor Jens Ellinghaus. Gleiches gilt übrigens für die Gedenktafel „Unseren toten Mitarbeiten zum Gedenken“, die ebenfalls an dieser Wand angebracht war.

„Es muss ein anderer Standort in Erwägung gezogen werden“, erklärte der Baudirektor auf meine Anfrage. „Derzeit kommt die Einbindung im Rahmen der musealen Nutzung im Obergeschoss des Alten Rathauses durchaus in Frage. Aber auch das Stadtmuseum wäre ein geeigneter Standort. Die finale Klärung steht noch aus.“ Im Obergeschoss soll mittelfristig eine Kurz-Ausstellung über die Stadtgeschichte als Außenstelle des Museums entstehen. Wann das sein kann, steht aber noch in den Sternen, jedenfalls nicht kurzfristig. Die kommende Tourismussaison müsste dann ohne den Diekkäfig als anschauliches Objekt der Stadtgeschichte auskommen. Bislang jedenfalls hat sich noch kein Fachausschuss der Ratspolitik mit dem Thema befasst.

„Für die Gedenktafel muss ebenfalls ein neuer Standort gefunden werden“, sagt Ellinghaus. „Es handelt sich um eine schwere Metalltafel, die nicht an die Akustikwand gehängt werden kann. Hier kommt ein anderer Standort im Rathausgebäude in Frage. Dieser Standort wurde ebenfalls noch nicht final entschieden.“ Bevor ein neuer Ort für diese Tafel im Alten Rathaus gefunden werden soll, sollte aber vielleicht auch mal politisch diskutiert werden, ob solche Gedenktafeln aus der Zeit nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg noch zeithistorisch angezeigt sind. Jedenfalls, wenn Kulturpolitik noch ein Thema für Kommunalpolitiker ist. Eine Diskussion auch über dieses Thema ist ebenfalls noch aus keinem Ratsausschuss bekannt.

Derzeit sind Diekkäfig und Gedenktafel zwischengelagert. Ob die Bildtafel (neben dem Käfig) oder der Käfig erneuert bzw. saniert werden sollen, werde geprüft, sobald ein neuer Standort feststehe, erklärte der Baudirektor. „Eine grundlegende Sanierung des Käfigs ist derzeit nicht erforderlich und somit nicht eingeplant.“

(c) Foto: Frank Bertram
So sah die westliche Wand der Rathaushalle vor dem Einbau einer Akustikwand aus, der Diekkäfig mit Bildtafel und die Gedenktafel mussten weichen, wo sie in Zukunft einen Platz finden, ist bislang offen. Zurzeit laufen noch letzte Feinarbeiten für die neue Akustikwand, die Ende kommender Woche abgeschlossen sein sollen.

Nachtrag 21.02.2026: Ratsherr Alexander Kloss (parteilos) hat als Reaktion auf die Berichterstattung einen Antrag gestellt, bis zur endgültigen Festlegung eines neuen Platzes für den Diekkäfig diesen als Anschauungsobjekt für Stadtführungen in der Rathaushalle auf einem mobilen Gestell zu zeigen, das für Veranstaltungen in einen Seitenraum gefahren werden kann. Alternativ könnte er auch im historischen Gewölbekeller des Alten Rathauses aufgebaut bzw. aufgehängt werden, beantragt Kloss, der auch langjähriger Gästeführer ist. „Das Alte Rathaus ist einer der wenigen Startpunkte für Stadtführungen. Gerade bei schlechtem Wetter ist die inhaltliche Ausgestaltung der Rathaushalle mit Diekkäfig, Hochzeitstruhe, historischer Geldtruhe mit 13 Schließen und dem Holzmodell der Altstadt eine wertvolle Hilfe, um Touristengruppen erste stadtgeschichtliche Basisinformationen in einem geschützten Umfeld zu vermitteln“, erklärt Kloss in seiner Antragsbegründung. „Bevor der Diekkäfig nun monatelang irgendwo uneinsehbar eingelagert wird, sollte er weiterhin für Stadtführungen vorzeigbar bleiben. Für einen Verbleib in der Rathaushalle rege ich ein mobiles Gestell an. Wir haben in Einbeck verschiedene metallverarbeitende Betriebe, die eine solche Halterung sicher gut herstellen können. Noch charmanter wäre es, wenn der Diekkäfig künftig im Gewölbekeller eine neue und dauerhafte Bleibe findet. Die Gästeführer können den Keller mit einem Schlüssel begehen und dort gut auf die Verbindung zwischen Diekkäfig/Stadtbrand und Rathauskeller (im Jahr 1540 befand sich dort das Pulvermagazin Einbecks, was explodierte und das Alte Rathaus zerstörte) eingehen. Der Käfig wäre dort zudem sicher aufbewahrt, da nur Befugte einen Zugang erhalten.“

Nachtrag 26.02.2026: Der Diekkäfig soll in der Rathaushalle links neben der Akustikwand am Eingang zum Trauzimmer wieder aufgehängt werden. Darüber hat gestern der Verwaltungsausschuss diskutiert, wie Bürgermeisterin-Stellvertreter Dr. Florian Schröder anschließend berichtete. Der momentan zwischengelagerte Käfig wird aufgehängt, sobald die letzten Arbeiten an der Wand und der Holzeinfassung des Durchgangs erledigt sind, informierte heute Baudirektor Jens Ellinghaus.

Nachtrag 20.03.2026: Seit heute ist der Diekkäfig wieder in der Rathaushalle zu sehen. Er ist samt erläuternder Tafel im östlichen Bereich der Südwand aufgehängt worden, wenige Meter vom Fenster in Richtung Hallenplan entfernt. Die in diesem Wandbereich bislang hängende Erinnerungstafel an Heinrich Keim (langjähriger erster Stadtdirektor nach dem Zweiten Weltkrieg) ist übrigens jetzt aus bislang unbekannten Gründen dort abgehängt worden und im Neuen Rathaus zu sehen, wie Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek bestätigte. Platz genug für Beides wäre gewesen, vielleicht wollte man Keim die Nähe zu Diek nicht zumuten, gilt Keim doch als einer der „Retter“ Einbecks vor dem zerstörerischen Beschuss im April 1945.

(c) Foto: Frank Bertram
Neue Standort für alten Käfig: der Diekkäfig hängt jetzt an der Südwand der Rathaushalle. Rechts geht es in den Sitzungssaal, in der Tür links daneben zum Hinterausgang Hallenplan bzw. zum Treppenhaus ins Obergeschoss.
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Akustikwand an der Westseite der Rathaushalle mit Raven-Truhe, Skulptur „No Exit“ und Stadtmodell.

5 Kommentare zu „Update | Wegen Akustikwand ist stadthistorischer Artefakt abgehängt: Wo soll künftig der Diekkäfig hängen?

  1. Hallo Frank, warum muss denn diese Akustikwand gebaut werden? Doch sicher nicht als Schallschutz.
    Ich lese deine Beiträge hier in Thailand mit großem Interesse, danke dafür und sonnige Grüße, Editha

    1. Hallo Editha, die Akustikwand soll die Akustik in der Halle verbessern, mit Schallschutz hat das nichts zu tun, eher damit, den Schall und Hall zu brechen. Es gibt ja schon eine Akustikwand auf der gegenüberliegenden Seite (siehe Beitrag vom 12.02.26). Grüße nach Thailand!

  2. Herzlichen Dank für die Darstellung dieser weiteren Schelmerei in Einbeck. Wer denkt sich so etwas aus? Über den offenen, sichtbaren Ausstellungspunkt historischer Artefakte, die auch Bestandteil der Gästeführungen sind, machen sich Verantwortliche doch vorher Gedanken und plazieren ohne Einlagerungsphase direkt um. Sollte man meinen.

  3. Es sollte doch möglich sein, eine Durchführung, sprich verlängerter Kragarm, durch die Akustikwand zu erstellen, die dann den Käfig wieder aufnimmt und ebenso für die Tafel.

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