SPD erhebt Personalansprüche

Marcus Seidel. Foto: SPD

Marcus Seidel. Foto: SPD

Frank Doods. Foto: SPD

Frank Doods. Foto: SPD

Zwei Tage vor der konstituierenden Sitzung des am 11. September neu gewählten Einbecker Stadtrates (Mittwoch, 2. November, 17 Uhr, Rathaushalle) hat die SPD-Fraktion heute ihre Kandidaten für zwei Spitzenämter öffentlich benannt. Als größte Fraktion im bunter gewordenen Stadtrat hat die 19-köpfige SPD-Mannschaft ihren Anspruch auf den Ratsvorsitz reklamiert. Nachfolger von Bernd Amelung (SPD), der nicht wieder kandidiert hatte, soll Frank Doods aus Kreiensen werden, erklärte heute Fraktionschef Rolf Hojnatzki. Mit der Nominierung des 55-jährigen Juristen und Staatssekretärs im Niedersächsischen Finanzministerium in Hannover wollen die Sozialdemokraten nach eigenen Angaben auch ein Zeichen für das Zusammenwachsen der Stadt Einbeck mit der ehemaligen Gemeinde Kreiensen setzen. Für einen der drei stellvertretenden Bürgermeister schlägt die SPD ihren Parteivorsitzenden und stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Marcus Seidel vor. Der 46-jährige kaufmännische Angestellte gehört seit Juli 2007 dem Rat der Stadt Einbeck an und möchte im kommenden Jahr Bundestagsabgeordneter werden. Damit würde der heutige ehrenamtliche Vize-Bürgermeister der SPD, Alexander Kloss, nicht mehr zum Zuge kommen. Wer die anderen zwei Bürgermeisterin-Stellvertreter stellen wird, dürfte klar sein: Zum einen die CDU als zweitstärkste Fraktion, zum anderen die neue Gelb-Grüne-Gruppe. Die GfE, die bislang eine Stellvertreterin gestellt hatte, würde damit leer ausgehen.

Beobachter befürchten vor der konstituierenden Ratssitzung, bei der viele Personalien und Formalien zu klären sind, dass einige ansonsten unstrittige Entscheidungen aus eher grundsätzlichen Erwägungen in geheime Abstimmungen und in Kampfkandidaturen gezwungen werden sollen. Das alles mag grundsätzlich demokratisch legitim sein, würde jedoch die Arbeitsatmosphäre in dem Selbstverwaltungsgremium gleich zu Beginn der Wahlperiode extrem belasten. Und zwar völlig unnötig. Auf der anderen Seite würde es sofort klären, wem es von den 44 Ratsmitgliedern um die Sache geht und wem nur darum, Prinzipien zu reiten, weil man es seit kurzem kann.

Danke, Herr Vorsitzender, Frau Bürgermeisterin…

Noch bevor der Stadtrat gestern die mit 30 Punkten umfangreiche Tagesordnung abgearbeitet hat, erlaubte sich Ratsvorsitzender Bernd Amelung (SPD) in Absprache mit Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek „eine Anregung“, wie er sagte: Die Ratsmitglieder könnten ja in Zukunft auf die formelle Anrede bei Wortbeiträgen verzichten und statt „Herr Vorsitzender, Frau Bürgermeisterin, meine Damen und Herren“ zu Beginn nur „meine Damen und Herren“ sagen. Was allgemein positiv aufgenommen und von den meisten auch umgesetzt worden ist, selbst wenn es anfangs ungewohnt war, wie einige einräumten. Da sage ich doch einfach einmal Danke, denn diese Anregung hatte ich bereits im Juli gegeben. Die Bitte, bei den Wortbeiträgen doch sitzen zu bleiben, um besser verständlich ins Mikrofon sprechen zu können, haben gestern übrigens alle Ratsmitglieder erfüllt. Nochmals Danke. Schauen wir mal, wie lange die Anregungen umgesetzt werden…

Mister Stadtwerke geht in den Ruhestand

Horst Diercks, Aufsichtsratsvorsitzender Bernd Amelung, Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek.

Abschied: Horst Diercks (l.), Aufsichtsratsvorsitzender Bernd Amelung, Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek.

Ein Drittel der 1865 begonnenen Stadtwerke-Geschichte in Einbeck hat er beruflich miterlebt, Jahrzehnte davon maßgeblich selbst gestaltet: Horst Diercks. 50 Jahre lang war der gebürtige Einbecker beim Energieversorger beschäftigt, hat dort am 1. April 1965 seine Lehre begonnen und scheidet Ende Juli als Geschäftsführer aus, Mister Stadtwerke geht mit 65 Jahren in den Ruhestand. „Das hätte ich mir selbst nicht träumen lassen“, sagt Horst Diercks, wenn er auf fünf Jahrzehnte Berufsleben zurück blickt. „Es war immer spannend.“ Und in der Tat dürfte es in Zukunft immer weniger Menschen geben, die 50 Jahre von der Lehre bis zur Rente bei ein und demselben Unternehmen arbeiten. Wenn überhaupt. „Sie müssen jetzt nicht mehr das tun, was sich rentiert, sondern das, was sich lohnt“, verabschiedete Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek den Stadtwerke-Geschäftsführer.

Als Horst Diercks seinen Schreibmaschinenkursus absolviert hatte, zu dem er von seinem späteren Arbeitgeber 1965 aufgefordert worden war, und pünktlich seine Lehre zum Industriekaufmann antrat, nahm er noch auf einem ungepolsterten Küchenstuhl Platz, berichtete er. Und musste die Bleistifte anspitzen und für alle an jedem Arbeitstag vor Beginn im Büro die Kalender weiterstellen. Damals waren die Stadtwerke ein Werksbetrieb der Stadt Einbeck. Diercks‘ erstes großes eigenes Projekt war die Erfassung aller installierten Gas-Geräte im Versorgungsgebiet der Stadt im Jahr 1971. Ein Jahr später stellten die Stadtwerke von selbst produziertem Stadtgas auf Ferngas aus Salzgitter um. „Ich hatte gute Ausbilder und Vorgesetzte, die mich gefördert und geformt haben“, dankte Diercks. „Und tolle Kollegen und eine gute Belegschaft, die loyal zur Seite gestanden haben.“

Mister Stadtwerke hat den Energieversorger, der mit Schwimmbad, Parkhaus, Windrädern und Stromtankstelle längst mehr als das ist, geprägt wie kaum jemand zuvor. Seit 1985 war Horst Diercks kaufmännischer Abteilungsleiter, seit 1995 kaufmännischer Werksleiter der Stadtwerke, die im Jahr 2000 zur GmbH wurden. Innerhalb von nur einem Vierteljahr hat vor 15 Jahren die Kommunalpolitik die Weichen gestellt und den städtischen Eigenbetrieb zur 100-Prozent-Tochter der Stadt umgewandelt. Allein hat das damals Politik nicht geschafft. Alle politischen Entscheidungen der vergangenen Jahrzehnte, von der Auseinandersetzung um die Abwasserbeseitigung in den Norddörfern Mitte der 1990-er Jahre über die ersten Windkraftanlagen bis hin zur Übernahme des Strom- und Wassernetzes nach der Fusion mit Kreiensen 2013, tragen seine Hand- und Unterschrift. „Wir machen ganz schön viel“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Bernd Cranen heute.

Klug hat Mister Stadtwerke vorgesorgt und sein Haus zeitig bestellt. Seit 2012 läuft intern die Stärkung der zweiten Ebene, die es erlaubt, künftig mit nur noch einem Geschäftsführer die Stadtwerke zu steuern. Eine freundliche Bitte waren Horst Diercks‘ Abschiedsworte, mancher mag sie gerne auch als Warnung verstehen: „Passt mir auf die Stadtwerke auf.“

Innovativ bis zum Schluss: Horst Diercks (links) mit Bürgermeisterin und Geschäftsführer-Kollege Bernd Cranen bei der Freigabe der Einbeck-App.

Innovativ bis zum Schluss: Horst Diercks (links) mit Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek und Geschäftsführer-Kollege Bernd Cranen bei der Freigabe der neuen Einbeck-App während der Feierstunde zu 150 Jahre Gas- und 125 Jahre Wasserversorgung.

Schmeckt’s?

Schmeckt’s? Zu wenig auf dem Teller? Den Preis wert? Antworten auf diese und andere Fragen will die SPD mit einem Fragebogen (Schulmittagessen Fragebogen der SPD) herausfinden. Es geht den Sozialdemokraten im Einbecker Stadtrat um das Schulmittagessen, das für die Ganztags-Grundschulen an zwei Unternehmen vergeben worden ist. In den nächsten Wochen will SPD-Ratsfrau Gitta Kunzi mit den Schulleitungen und Eltern Kontakt aufnehmen und Erfahrungen mit der Mittagsverpflegung erfragen, heißt es in einer Pressemitteilung (Wortlaut: PM SPD Schulmittagessen 190115). Man höre unterschiedliche Meinungen, erklärte SPD-Ratsherr René Kopka: „Die Kritik reicht von mangelnder Qualität, zu wenigen oder kleinen Portionen bis hin zur Essensausgabe“. Die SPD möchte darauf achten, dass gesunde und kindgerechte Speisen angeboten werden, zudem dürfe niemand aus finanziellen Gründen ausgegrenzt werden.

Schön gerechnet

Transparenz in Richtung Zuhörer? Zufall? So saßen sich jedenfalls die Politiker in zwei langen Tischreihen frontal gegenüber.

Transparenz in Richtung Zuhörer? Zufall? So saßen sich heute jedenfalls die Politiker in zwei langen Tischreihen frontal gegenüber.

Die neue Sitzordnung hatte natürlich nichts mit alldem zu tun. Sie war rein zufällig, aber sie war symptomatisch: Auf der einen Seite die CDU- und GfE/Bürgerliste-Fraktion, frontal gegenüber SPD, FDP und Grüne. Wobei eigentlich mindestens FDP und GfE die Plätze hätten tauschen müssen, um die Fronten zu klären. „Bei der Sitzordnung sitze ich wohl in der falschen Ecke“, sagte dann auch Dr. Reinhard Binder (FDP), als der Ratsvorsitzende seine Wortmeldung fast übersah. Denn so verlaufen offenbar die Haltungen in der zum handfesten politischen Streit eskalierten Auseinandersetzung über die Nachfolge des Ende Oktober in den Ruhestand ausscheidenden Baudirektors Gerald Strohmeier.

Wie erwartet hat der nicht offiziell auf der Tagesordnung genannte Streit um die Neubesetzung der Fachbereichsleiter-Position im Bauamt die Stimmung während der Debatte geprägt. Diese hat auch einen Weg erkennen lassen, der in Zukunft deutlich nicht zu mehr Heiterkeit im Stadtparlament führen wird, um es zurückhaltend auszudrücken. Es tun sich zwei Lager auf, wobei das eine offener als bislang auf Konfrontation zu Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek geht. Frei nach dem Motto: Früher habt ihr „unseren“ Bürgermeister Ulrich Minkner (SPD) ins politische Sperrfeuer genommen, heute machen wir das mit „eurer“ Bürgermeisterin. Welche Rolle dabei die GfE spielt, die einst Dr. Sabine Michalek gemeinsam mit CDU und FDP mit aufs Schild gehoben hatte, ist bislang nebulös, da sich „echte“ GfE-Ratsmitglieder nicht in der Debatte äußern, allein Gruppensprecher Frank-Dieter Pfefferkorn (Bürgerliste Kreiensen).

Eines scheint nach heute klar: Die SPD wird künftig jede sich bietende Gelegenheit nutzen, der Rathauschefin vorzurechnen, was alles nicht funktioniert, wer wen wann nicht informiert hat, wo sie bzw. ihre Verwaltung nicht richtig, nur zäh oder nicht transparent genug agieren. Technische Probleme beim Ratsinformationssystem (und weil diese nicht manuell beispielsweise durch aktualisierte Beschlussvorlagen auf Papier behoben worden waren) spielten den Sozialdemokraten dabei heute in die Hände. Als dann auch noch die Mikrofonanlage im Ratssaal fast komplett ausfiel, kam mir Murphys Gesetz in den Sinn.

Besonders krawallig gebürstet präsentierte sich Marcus Seidel (SPD), dicht gefolgt von seinem Fraktionskollegen Rolf Hojnatzki, der unter anderem erklärte, „Bürgernähe ist in der Verwaltungsspitze noch nicht angekommen“. Diese Äußerung „ist gelinde gesagt eine Frechheit“, keilte Dirk Ebrecht (CDU) postwendend zurück.

Für die beschlossene Neuausschreibung der Fachbereichsleiter-Stelle für Bauen, Planen und Umwelt im Einbecker Rathaus hat der Stadtrat kein zusätzliches Geld bereit gestellt. Die ursprünglich vorgesehenen 13.000 Euro sind im beschlossenen Nachtragshaushalt nicht enthalten. Da die Position ohnehin nicht mehr wie geplant zum 1. November, sondern voraussichtlich erst zum 1. Januar 2015 besetzt werden könne, spare die Stadt nun mindestens zwei Monate die Gehaltszahlung rechnete Rolf Hojnatzki (SPD) vor, nach seiner Berechnung sind das für den A14-Bauoberrat rund 15.000 Euro. Und da ja eigentlich die Personalie schon zum Oktober entschieden sein sollte (mit Einarbeitungszeit), seien es gar drei Monate Gehalt, also 22.500 Euro, die für das zweite Bewerbungsverfahren eingesetzt werden könnten, kalkulierte Hojnatzki.

Wie schön auch immer man es sich rechnet, selbst wenn man die Rechnung mitgeht: Auch dieses Geld ist und bleibt Steuergeld. Von dem mancher Bürger träumt, es innerhalb eines Jahres für seinen Lebensunterhalt verbrauchen zu dürfen. Steuergeld, das man eigentlich für die Arbeitsleistung eines Baumtschefs bezahlen sollte, und nicht für Stellenanzeigen. Dass gerade Sozialdemokraten – wie bereits beschrieben – jede Gelegenheit nutzen und Transparenz anmahnen, die Diskussion über 13.000 Euro für die Stellenneuausschreibung aber als „unangemessenen Versuch“ (Hojnatzki) kritisieren, sich öffentlich über Stellenbesetzungen zu äußern, ist schon enttäuschend und will für mich nicht recht zusammenpassen. Nicht viel besser war da die Einlassung von Frank-Dieter Pfefferkorn (GfE/Bürgerliste), die Bürger könnten schon darauf vertrauen, dass man mit Personalentscheidungen verantwortlich umgehe. „Es juckt einen in den Fingern“, aber über Personalia äußere man sich nicht öffentlich.

Für die im ersten Durchgang missglückte Stellenbesetzung gaben sich die Fraktionen erwartungsgemäß gegenseitig und die einen am Ende der Bürgermeisterin die Schuld. Es sei „unverschämt, anderen Zeitverzögerung vorzuwerfen“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzende Margrit Cludius-Brandt. Die wichtigste Stelle im Rathaus nach der Bürgermeisterin hätte einfach früher ausgeschrieben werden müssen, das habe man auch mehrfach angemahnt. Den Bewerbermangel habe man auch dadurch verursacht, da zeitgleich ähnliche Positionen ausgelobt gewesen seien, beispielsweise in Northeim.

CDU-Fraktionsvorsitzender Dirk Ebrecht nannte es „leichtfertig“, dass die Stelle noch einmal und mit identischer Beschreibung ausgeschrieben werde. Da seien nicht mehr Bewerber zu erwarten, die bundesweit überschaubare Zahl von Kandidaten mit entsprechender geforderter Qualifikation habe man bei der ersten Ausschreibung ja gesehen. Außerdem ständen noch immer die zwei Bewerber aus dem ursprünglichen Verfahren zur Verfügung, eine Neuausschreibung sei daher „rausgeschmissenes Geld“, sagte Ebrecht.

„Voll daneben“ nannte es FDP-Fraktionsvorsitzender Dr. Reinhard Binder, die mit A14 dotierte Bauoberrat-Stelle erneut auszuschreiben. Die Chance, dass der bisherige Stelleninhaber seinen Nachfolger hätte einarbeiten könne, habe man leichtfertig verspielt.

P.S.:
In der nächsten Ratssitzung soll wieder die alte Tischordnung gelten – falls nicht automatisch, dann „stellen wir die Tische halt um“, sagte Ratsvorsitzender Bernd Amelung (SPD) ganz pragmatisch. Ob damit die sich gebildeten Fronten auch wieder beseitigt sind, darf getrost bezweifelt werden.

Langer Bahn-Atem

Der Ilmeblitz am PS-Speicher mit dem Ratsvorsitzenden (und ehemaligen Ilmebahn-Geschäftsführer) Bernd Amelung.

Der Ilmebahn-Ilmeblitz am PS-Speicher mit dem Ratsvorsitzenden (und ehemaligen Ilmebahn-Geschäftsführer) Bernd Amelung.

Als Signal, dass auch die Bürger hinter den Plänen stehen, die Bahnstrecke Einbeck-Mitte bis Salzderhelden für den Personenverkehr zu reaktivieren, wollen die Grünen die jetzt einstimmig vom Stadtrat verabschiedete „Resolution“ zu dem Thema verstanden wissen. Eine aktive Bahntrasse entspreche den verkehrs-, wirtschafts- und energiepolitischen Zielsetzungen der Grünen, erklärte Fraktionsvorsitzender Dietmar Bartels. Der Rat beschloss nicht nur, alle Bestrebungen zu unterstützen, die zur wieder befahrbaren Strecke Salzderhelden bis Einbeck-Mitte und darüber hinaus zum PS-Speicher führen. Der Rat hält nicht nur eine so genannte Durchbindung (also Verlängerung) der sonst in Kreiensen stehenden Züge bis Einbeck-Mitte für zielführend, sondern auch eine weitere Verbindung direkt zur Kreisstadt Northeim für wünschenswert. Der Rat hat sich mit der Abstimmung auch bereit erklärt, sich finanziell an einer Reaktivierung der Strecke zu beteiligen, wenn das Land Niedersachsen 75 Prozent bezahlt. Beschlossen hat der Stadtrat, sich im zuständigen Fachausschuss weiter mit dem Thema zu beschäftigen.

Ulrich Minkner (SPD) fühlt sich durch die Pläne bestätigt. Es zeige, sagte der Altbürgermeister, dass man manchmal einen langen Atem haben müsse. Minkner erinnerte daran, dass der frühere Oberkreisdirektor als Gesellschafter der Ilmebahn schon vor Jahren die Strecke habe stilllegen wollen. Dagegen habe sich die Stadt gewehrt. Die Schiene endet heute wenige Hundert Meter hinter der Stadtgrenze in Richtung Solling an der so genannten Sachsenbreite, in Richtung Salzderhelden ist sie ohne Mühe und Aufwand voll befahrbar. Minkner: „Schade, dass Dassel diesen langen Atem nicht hatte.“

Beim Eulenfest in wenigen Tagen kann jeder selbst ausprobieren, von Einbeck nach Salzderhelden mit dem Zug zu fahren: Die Ilmebahn GmbH setzt dann wieder ihren historischen Ilmeblitz-Triebwagen ein.

Die Kiste ist weg

Ratsvorsitzender Bernd Amelung ohne Pult.

Ratsvorsitzender Bernd Amelung ohne Pult.

Ratsvorsitzender Bernd Amelung an der "Kiste". Archivfoto

Ratsvorsitzender Bernd Amelung an der „Kiste“. Archivfoto

Freie Sicht auf seine Ratskollegen hatte Ratsvorsitzender Bernd Amelung jetzt erstmals beim jüngsten Treffen des Einbecker Stadtrates. Die „Kiste“, wie es Amelung genannt hatte, war erstmals weg. Der SPD-Politiker hatte das Holzpult vor ihm als unpraktikabel gegeißelt. Weiterer Vorteil: Er musste nicht mehr die gesamte Sitzung über stehen. Eine weitere Neuerung hat sich eher klammheimlich im Rat eingebürgert: die sich zu Wort meldenden Ratsfrauen und Ratsherren bleiben mittlerweile sitzen, wenn sie sprechen. Dann sind sie nämlich besser zu verstehen, weil sie einfacher ins Mikro sprechen können. Der einzige, der bei der jüngsten Ratssitzung (wahrscheinlich aus alter Gewohnheit) weiterhin jedes Mal bei Wortmeldungen aufstand, war übrigens CDU-Fraktionschef Dirk Ebrecht. Akkustisch zu verstehen war er trotzdem…

Im Namen der Bürgermeisterin

Fachbereichsleiter ohne Bürgermeisterin: Christa Dammes, Gerald Strohmeier, Ratsvorsitzender Bernd Amelung, Albert Deike.

Fachbereichsleiter ohne Bürgermeisterin: Christa Dammes, Gerald Strohmeier, Ratsvorsitzender Bernd Amelung, Albert Deike.

Das war eine neue Situation gestern in der Sitzung des Stadtrates: Ohne die erkrankte Bürgermeisterin hatten die Fachbereichsleiter der Einbecker Stadtverwaltung sich noch stärker als sonst auf Aufgabenteilung verständigt. Gerald Strohmeier war als Allgemeiner Vertreter fürs Generelle zuständig, Albert Deike vor allem für alles Schulische.

Die Fachbereichsleiterin für Finanzen, Christa Dammes, trug die Haushaltsrede von Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek vor, mit der diese den Etatplan 2014 in die nun folgenden Beratungen einbrachte. Nur die aktuell guten Steuererträge ermöglichen einen ausgeglichenen 45-Millionen-Euro-Haushalt; dafür muss eine Rücklage in Höhe von vier Millionen Euro in den nächsten Jahren aufgelöst werden. Allein die etwa 1000 Einwohner weniger, die der jüngst veröffentlichte Zensus der Stadt Einbeck bescheinigt hatte, führen zu Einnahmeverlusten von rund 530.000 Euro. Äußerste Sparsamkeit und sorgfältige Planungen jeder einzelnen Ausgabe sei das Gebot der Stunde. Jede einzelne Leistung gehöre auf den Prüfstand, um Einsparpotenziale nutzen zu können. „Dabei sollten wir uns allein von Sachargumenten leiten lassen und nicht von politischen oder gar ideologischen Ränkespielen“, heißt es in der Haushaltsrede der Bürgermeisterin. In Anlehnung an ihre Worte für den Haushalt 2013, den Wind könne man nicht ändern, aber die Segel richtig setzen, um das Schiff Einbeck wieder dauerhaft seetüchtig und wetterfest zu machen, appellierte Sabine Michalek jetzt: „Lassen wir uns durch den aufkommenden Gegenwind nicht verunsichern, sondern kreuzen wir gemeinsam als geschickte Seeleute gegen den Wind und bleiben auf unserem eingeschlagenen Kurs der Konsolidierung.“

Zu Beginn der Haushaltsrede geht Dr. Sabine Michalek selbst auf ihr krankheitsbedingtes Fehlen ein, sie sei in Gedanken bei den Beratungen des Stadtrates. Michalek dankte für die zahlreichen Genesungswünsche. „Sie tragen ganz wesentlich zu meiner fortschreitenden Genesung bei. Ich möchte Ihnen auch versichern, dass ich mich – nach meiner Genesung und wenn die ärztliche Freigabe erfolgt ist – mit großer Freude wieder meinen Aufgaben als Bürgermeisterin widmen werde. Der Genesungsprozess wird aber noch einige Wochen andauern.“ Die Bürgermeisterin bedankte sich fernschriftlich bei allen, die sich bereit erklärt haben, während ihrer Erkrankungszeit noch mehr Verantwortung als sonst zu übernehmen, „insbesondere denke ich hier an mein Sekretariat, die Fachbereichsleiter, die stellvertretenden Bürgermeister und die Fraktionsvorsitzenden. Das ist keineswegs selbstverständlich!“

Ratsvorsitzender Bernd Amelung hatte zu Beginn der Sitzung das krankheitsbedingte Fehlen der Bürgermeisterin erläutert und im Namen des gesamten Rates – von zustimmendem Tischklopfen begleitet – die Grüße des Rates und die Wünsche für einen erfolgreichen Kuraufenthalt ausgesprochen.

Wetten, dass Politiker Platten haben?

Falco, Thomas Anders, Frank Zander und Nino de Angelo an einem Tisch auf dem Hallenplan.

Falco, Thomas Anders, Frank Zander und Nino de Angelo an einem Tisch auf dem Hallenplan.

Ivan Rebroff im Interview mit NDR-Mann Ludger Abeln.

Ivan Rebroff im Interview mit NDR-Mann Ludger Abeln.

Kommunalpolitiker wetten ungern. Zumindest beim Ausgang der nächsten Wahl. Da sind sie überzeugt davon, dass natürlich ihre Partei sehr gut abschneidet und gewinnt: 40 Prozent plus X. Als der NDR bei seiner Sommertour durch Niedersachsen gestern in Einbeck Station machte, war bei den Protagonisten der Stadtwette die Politikerdichte relativ hoch. Sie wetten also doch.

Alles klar, Herr Kommissar? Falco alias Sabine Michalek mit Ludgern Abeln.

Alles klar, Herr Kommissar? Falco alias Sabine Michalek mit Ludgern Abeln.

Roger Whittaker liberal.

Roger Whittaker liberal.

Dass vergangene Woche ein bisschen vom Normalbetrieb unter die Räder gekommen ist, hat Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek offenbar erkannt und sich dafür auch entschuldigt. In ihrem wöchentlichen Newsletter bestätigt sie meine in der Freitagskolumne gemachte Beobachtung, dass einige Termine verschoben bzw. von ihr nicht wahrgenommen werden konnten. Im Auge habe ich ganz konkret ein Richtfest des Naturerlebnisraums Dohrenberg in Salzderhelden und die Premiere der Veranstaltungreihe „After Work Impulse“. Bei beiden Veranstaltungen war die Bürgermeisterin angekündigt, und sie habe auch zugesagt dabei zu sein, hieß es, das war sie dann aber nicht. Enttäuschte Gesichter waren die Folge.

Interessant wäre noch die Frage zu klären, was eine solche Sendung wie die gestern kostet und wer was bezahlt. Von Personalkosten für Mitarbeiter während der Vorbereitungswoche wollen wir mal nicht reden, aber die Anzeige der Einbeck Marketing GmbH in der heutigen Ausgabe der Sonntagszeitung in Einbeck mit dem Dank an mehrere Sponsoren legt den Schluss nahe, dass es wohl nicht allein der NDR war, der (Gebührenzahler-)Geld aufbringen musste, damit eine halbe Stunde Live-Fernsehen aus Einbeck gesendet wurde. Auch wenn ich gerne einräume, dass mit der Begleitberichterstattung in Radio, TV und Online mehr als 30 Minuten „Werbung“ bzw. Präsenz für Einbeck zusammen kommen.

Kiste weg, bitte!

Ratsvorsitzender Bernd Amelung an der "Kiste".

Ratsvorsitzender Bernd Amelung an der „Kiste“.

Die Akustik in der Rathaushalle ist seit jeher besonders. Nur eingeschränkt hilft da die Mikrofonanlage weiter. Voraussetzung: Man muss ins Mikro hinein sprechen, um von allen im großen Saal gehört werden zu können.

Ratsmitglied Dr. Ursula Beckendorf (GfE) hat bei der jüngsten Sitzung eine Anregung gegeben: Alle Ratspolitiker sollten doch bitte sitzen bleiben, wenn sie sprechen wollen, dann könnten sie direkt ins Mikro reden, und würden sich durchs Aufstehen nicht automatisch vom Mikro entfernen…

Ratsvorsitzender Bernd Amelung (SPD) konnte diesen Vorschlag nur unterstützen – und ergänzte ihn prompt. Er habe die Frau Bürgermeisterin gebeten, dass in Zukunft „die Kiste hier“ nicht mehr aufgestellt werde (er meinte das hölzerne Rednerpult). Wenn er nämlich sitze, sehe er im Ratsrund wegen der Holzkiste niemanden mehr… Vom Hören ganz zu schweigen.