Der Dritte im Bunde

Die FDP in Dassel schickt bei der Bürgermeisterwahl in der Sollingstadt auch einen Mann ins Rennen: Michael Spallek (36) ist der dritte junge Kandidat im Bunde der Bewerber um die Nachfolge von Gerhard Melching (SPD), der nicht wieder kandidiert. Wie die Freien Demokraten erst heute offiziell mitteilen, haben sie Michael Spallek bereits im Mai bei der Mitgliederversammlung des FDP-Ortsverbandes Dassel einstimmig für die Bürgermeisterwahl am 12. September nominiert. Der 36-Jährige ist stellvertretender Vorsitzender, Mitglied der FDP seit 2017. Die FDP Dassel stellt am kommenden Sonnabend, 12. Juni, in Wellersen die Kandidatenlisten zur Kommunalwahl auf und will in diesem Zusammenhang die Nominierung von Michael Spallek zum Bürgermeisterkandidaten durch Wahl bestätigen, teilte die Partei am heutigen Sonntag Nachmittag mit.

Michael Spallek (36) möchte Bürgermeister in Dassel werden. Foto: FDP
Michael Spallek (36) möchte Bürgermeister in Dassel werden. Foto: FDP

Michael Spallek ist neben dem von der SPD unterstützten Sven Wolter (29) und dem von der CDU nominierten Elias Kreuzinger (27) der dritte Kandidat für die Bürgermeisterwahl in Dassel. Der 36-Jährige FDP-Bewerber lebt seit seiner Geburt in der Sollingstadt, nach eigenen Angaben seit 35 Jahren mit kurzen Unterbrechungen in der Erholungsheimstraße. Von der Krabbelgruppe im Gemeindehaus, dem Kindergarten und der Grundschule in Dassel führte ihn sein Bildungsweg über die damalige Orientierungsstufe bis zum Schulabschluss an der Rainald-von-Dassel-Schule. Nach der Bundeswehr folgte eine Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker in Einbeck und eine darauf folgende Weiterbildung zum Fahrlehrer in Braunschweig. 2018 ließ sich Michael Spallek in Hamburg zum Systemisch-Konstruktivistischen Einzel- und Teamcoach im Management ausbilden.

„Unsere schöne Stadt, mit ihren 17 Ortsteilen im Herzen von Deutschland gelegen, ist der beste Ort, den ich mir zum Arbeiten und Leben vorstellen kann”, wird Spallek in der Pressemitteilung der FDP zitiert. Der Fahrlehrer möchte mit seiner Kandidatur für das Bürgermeisteramt politische Verantwortung für die Stadt Dassel mit ihren Bürgerinnen und Bürgern übernehmen. “Denn wer seine Heimat liebt, der gestaltet sie mit“, sagt der Kandidat zu seinen Beweggründen, sich am 12. September zur Wahl zu stellen.

Michael Spallek engagiert sich bei der FDP auf verschiedenen Ebenen der Kommunal- und Landespolitik. Neben seinem Amt im Ortsverband ist der 36-Jährige Mitglied im FDP-Kreisvorstand sowie Mitglied im liberalen Mittelstand. In den Landesfachausschüssen seiner Partei für Umweltpolitik und Wirtschaft, Arbeit und Verkehr setzt sich Spallek seit Jahren für Themen ein, die er auch immer mit Blickrichtung Dassel sehen möchte. „Viele Weichen für die Kommunen werden schon in Hannover gestellt, und auch die Entscheidungen auf Kreisebene haben einen direkten Einfluss auf die Gestaltung in Dassel“, lässt sich Spallek zitieren. „Es ist daher wichtig, die verschiedenen Ebenen zu kennen und zu nutzen, um eine bestmögliche Ausgangsposition für ganz konkrete Belange in Dassel zu schaffen. Als
Beispiel sei hier die Abschaffung der Straßenausbaubeiträge genannt, für die ich mich als freier Demokrat auch auf Landesebene im Fachausschuss einsetze.“

Bei aller Digitalisierung dürfe man nicht vergessen, in verschiedenen Bereichen auch analoge Lösungen noch einige Jahre vorzuhalten, mahnt der FDP-Mann. „Das hat sich doch deutlich bei der Impfkampagne gezeigt, bei der man sich über ein Internetangebot des Landes auf eine Warteliste setzen lassen konnte, und dann gerade in der höchsten Priorisierungsstufe vielen älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern der Zugang erschwert war. Sei es durch fehlende Netzanbindung oder aufgrund der Tatsache mit den nötigen digitalen Vorgängen noch nicht genug vertraut zu sein.“ Daher sei er auch über die Lösung der ortseigenen Impfkampagne in Dassel begeistert gewesen, bei der Senioren sowohl für einen Termin angerufen als auch direkt ein Fahrdienst angeboten wurde.

Foto: FDP Dassel
Der Bürgermeisterkandidat im Kreise seiner Parteifreunde des FDP-Ortsvorstandes Dassel (v.l.): Marcel Bufi, Dieter Böhlke, Michael Spallek, Hans-Martin Glasing, Nicole Langer und Helmut Hesse. Foto: FDP Dassel

Gestalten, nicht verwalten

Dassel hat die Wahl: Am 12. September wird in der Sollingstadt ein neuer Bürgermeister gewählt, Amtsinhaber Gerhard Melching (SPD) kandidiert nicht wieder. Und seit heute ist klar, dass die Wahlberechtigten eine Auswahl haben werden. Nach Sven Wolter (29), der von der SPD unterstützt wird, geht mit Elias Kreuzinger ein fast Gleichaltriger ins Rennen um den Spitzenjob im Rathaus, der von der CDU nominiert wird. Der 27-jährige gebürtige Schwabe ist einstimmig vom Vorstand der Christdemokraten vorgeschlagen worden und soll im Juni bei einer Mitgliederversammlung offiziell aufgestellt werden. 2014 war für die CDU noch der Einbecker Marc Hainski ins Rennen gegangen.

Möchte Bürgermeister in Dassel werden: Elias Kreuzinger, hier auf dem Hof Ilmeaue in Dassel.

Elias Kreuzinger soll nach dem Willen der Christdemokraten Dassel aus bekannten Pfaden auf neue Wege bringen, sagte heute Stadtverbandsvorsitzender Joachim Stünkel bei der Vorstellung des Kandidaten auf dem Hof Ilmeaue. Der blicke nach vorn und schaue nicht auf alte Grabenkämpfe. Dass Kreuzinger bislang so gut wie keine kommunalpolitische Erfahrung hat, sei eher ein Vorteil, meint Stünkel, so könne er unbefangen an die Sache herangehen.

Elias Kreuzinger (27).

Elias Kreuzinger reklamiert für sich einen Gestaltungswillen. Der sei stärker als das reine Verwalten. „Dassel entfaltet sich noch nicht so wie es sein könnte“, sagt der Kandidat, der seit 2013 Mitglied der Jungen Union ist, aber nicht der CDU. Es gelte, schlummernde Potenziale zu heben und Chancen für einen neuen Schwung zu nutzen. Dassel dürfe sich nicht abhängen lassen.

Geboren in Göppingen in Baden-Württemberg („Wie Jürgen Klinsmann“) lebt Elias Kreuzinger erst seit kurzem in Dassel. Im Bundestag lernte er seine heutige Ehefrau Franzi (28) kennen und lieben, die aus Dassel vom Golze-Hof an der Ilmeaue stammt. So kam der 27-Jährige auch mit dem Sollingort in Berührung. Nach seinem Studium der Politikwissenschaft in München, Heidelberg und Göttingen hat sich der werdende Vater mit seiner Frau nun bewusst für Dassel als Lebensmittelpunkt für die junge Familie entschieden. Die Sorgen und Nöte junger Menschen und junger Paare auf dem Land möchte Kreuzinger in der Blick nehmen, dabei aber auch Wissen und Erfahrung der älteren Generation nutzen.

Nach dem Abitur verbrachte Elias Kreuzinger ein halbes Jahr in Australien und leistete Bundesfreiwilligendienst. Zwischen seinem Bachelor- und Masterstudium war der Konrad-Adenauer-Stipendiat für ein Jahr freiwillig Wehrdienstleistender. Inzwischen ist der 27-Jährige, der noch auf seine Abschlussnote des Masterstudiums wartet, Projektmanager in einem Start-up in Kiel und gleichzeitig als Hilfskraft am Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung an der TU Dresden beschäftigt. „Beides lässt sich vom Homeoffice in Dassel aus prima vereinbaren“, erzählt Kreuzinger über die Vorteile der Digitalisierung.

Er habe sich auch deshalb gegen eine Parteimitgliedschaft entschieden, weil er ein Bürgermeister für alle sein möchte. Der CDU stehe er zwar nah, aber es gebe auch einige Aspekte, die er eher mit anderen Parteien teile. “Mir geht es um Dassel und konkrete Vorhaben und Projekte, nicht um Parteiprogramme”, sagt Elias Kreuzinger. “Gerade aufs diplomatische Aushandeln verschiedener Ansichten im Stadtrat habe ich Lust.”

Die Dasseler CDU steht hinter Elias Kreuzinger als Bürgermeisterkandidat, hier in der Mitte mit Ehefrau Franzi.

SPD: Kaum möglicher Wahlkampf verhinderte Erfolg

Ein kaum möglicher Wahlkampf mit erschwerten Bedingungen in der Corona-Pandemie und das anhaltende bundespolitische Meinungstief der SPD haben nach Auffassung der Einbecker Kernstadt-SPD einen Erfolg bei der Bürgermeisterwahl in Einbeck verhindert. Das schreiben die beiden Vorsitzenden Rita Moos und Peter Traupe in ihrem Weihnachtsbrief an die Mitglieder.

Vor diesem Hintergrund sei das Ergebnis von Dirk Heitmüller von mehr als 43 Prozent in der Bürgermeister-Stichwahl durchaus positiv zu bewerten, schreiben die Sozialdemokraten. Es stelle eine gute Ausgangslage für die Kommunalwahl am 12. September 2021 dar. “Viele Menschen in Einbeck bekennen sich zu unserer Partei und unseren Ideen. Sie werden wir nicht enttäuschen.”

Mit Dirk Heitmüller habe die SPD “einen sehr sympathischen und im Umgang mit den Menschen gewinnenden Kandidaten gehabt”, schreiben Traupe und Moos. “Wir hätten uns keine andere Person für diese Kandidatur vorstellen können, die so offen und ehrlich mit den Menschen in unserer Stadt umgeht.” Es habe gute Gründe für einen Wechsel im Rathaus gegeben, das Ziel aber habe die SPD nicht erreicht.

Die Vorsitzenden bedanken sich bei Dirk Heitmüller und allen Mitgliedern, die sich auf unterschiedliche Art und Weise und entsprechend ihrer Fähigkeiten in die Wahlkampagne zur Bürgermeisterwahl eingebracht haben. Einen Wahlkampf in der üblichen Form habe es wegen Corona nicht geben können, schreiben die Vorsitzenden. Großveranstaltungen seien ebenso wenig möglich gewesen wie ein intensiver Kontakt mit den Wählerinnen und Wählern bei Begehungen, Info-Ständen und anderen möglichen Aktivitäten.

2021 ist nicht nur das Jahr der Kommunalwahl, die Kernstadt-SPD wird auch ihre Doppelspitze verlieren. Künftig soll Rita Moos durch eine Veränderung in der Führungsstruktur allein die Abteilung führen, kündigen die Sozialdemokraten an. Peter Traupe soll neuer stellvertretender SPD-Ortsvereinsvorsitzender werden, neben dem Vorsitzenden Marcus Seidel. Bei der dafür notwendigen Versammlung sollen auch die Ehrungen für langjährige Mitgliedschaft durchgeführt werden, die im ablaufenden Jahr wegen der Pandemie verschoben werden mussten.

Bürgermeisterwahl: Das Rennen nimmt Fahrt auf

Rund drei Wochen vor der Bürgermeisterwahl in Einbeck am 1. November nimmt das Rennen um den Chefsessel im Rathaus an Fahrt auf. Die Zahl der Mitteilungen, die die drei Kandidierenden produzieren und in die Redaktionen schicken, nimmt jedenfalls deutlich zu, ebenso wie die Terminankündigungen, die Kandidaten persönlich bei ihren Touren zu treffen. Von den Aktivitäten der drei auf den Social-Media-Kanälen ganz zu schweigen. Da wird über den Gartenzaun gesprochen, beim Kaffee die Meinung gesagt oder Gulaschsuppe gegessen. Und Plakate sind nun auch von allen drei Bewerbern im Stadtbild zu sehen. Eine Momentaufnahme.

“Schnack mit Sabine”: Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek stellte bei einer CDU-Versammlung ihr Programm vor. Links Vorsitzende Beatrix Tappe-Rostalski.

Richtig große Veranstaltung gibt es Corona-bedingt eigentlich keine in diesem Wahlkampf vor der Bürgermeisterwahl, allenfalls wenige mittelgroße. Sabine Michalek hatte zum Schnack bei einer Gulaschsuppe im Saal des “Panorama” geladen, Dirk Heitmüller sorgte auf dem Salinenplatz in Sülbeck für Musik und hatte Umweltminister Olaf Lies zur Diskussion im “Landhaus Greene” zu Gast. Das war’s dann bislang auch schon. Auffällig ist, dass die Amtsinhaberin auf Ministergrößen aus ihrer politischen Heimat CDU zur Unterstützung bislang verzichtet. Dirk Heitmüller hatte bereits den Ministerpräsidenten, den Bundestagsvizepräsidenten und nun noch den Umweltminister bei sich zu Gast. Auch Claudius Weisensee bietet bislang keinen großen Namen seiner Partei. Er verzichtet ebenso auf die strapaziöse Tour durch alle 46 Ortsteile, wissend, dass das als spät eingestiegener Kandidat terminlich ohnehin kaum noch sinnvoll leistbar wäre. In vielen Dörfern ist er dennoch präsent, nur halt nicht in allen.

Dirk Heitmüller (l.) spricht auf dem Salinenplatz in Sülbeck, da war noch Sommer. Neben ihm begrüßt Abteilungsvorsitzender Andreas Filipps die Gäste.

Statt großer “Kundgebungen” können die Wählerinnen und Wähler wie selten zuvor direkt und persönlich mit den drei Kandidaten sprechen. Dirk Heitmüller hat die Gartenzaun-Plauderei seiner Parteifreundin, der Bad Gandersheimer Bürgermeisterin Franziska Schwarz, für gut befunden und adaptiert, zieht mit anderen Sozialdemokraten und Dackel Rudi durch die Straßen der Kernstadt und die Ortschaften und führt “Gespräche über den Gartenzaun”. Auf solche persönlichen Begegnungen setzt auch Sabine Michalek, die sich nach ihrer Radtour durch die Dörfer und die Kernstadtviertel nun auf einen Kaffee mit einigen Menschen verabredete. Zum Auftakt saß sie mit Rebecca Siemoneit-Barum zusammen, und es dürfte kein Zufall sein, dass die Schauspielerin und Zirkus-Tochter in diesem Gespräch mitteilte, sie komme zurück nach Einbeck. Das ist eigentlich die Karte, die Claudius Weisensee spielen will: Einer, der auszog, um zurückzukehren.

Das plakatiert Weisensee jedenfalls medienwirksam auf seine Werbewände und erzählt dieses “Narrativ”, wie das im Politiksprech neuerdings immer so unschön heißt. Er war bei den Plakaten zweiter Sieger, denn Herausforderer Dirk Heitmüller von der SPD hatte da längst seine Wahlposter überall an den Laternen platziert. Die Bürgermeisterin war lange zurückhaltend in der Plakatfrage, erst am vergangenen Wochenende waren die ersten brombeerfarbenen Großflächen-Transparente von ihr zu sehen. Mit einem interessanten Detail übrigens: Die Einzelbewerberin firmiert auf den Bannern als “Kandidatin der CDU” – eine Zuschreibung, die sie eigentlich bislang konsequent vermieden hatte.

Seit dieser Woche ist auch die Briefwahl gestartet, die ersten Stimmen sind im Neuen Rathaus schon eingeworfen in die Urne – mit Abstand und Mund-Nase-Schutz. Unterlagen kann jeder Stimmberechtigte hier online beantragen. Aktuell sind insgesamt 25.839 Wahlberechtigte im Wählerverzeichnis gelistet.

Wahlplakate der drei Bürgermeister-Kandidaten Dirk Heitmüller, Dr. Sabine Michalek und Dr. Claudius Weisensee in drei verschiedenen Größen.

Im Video: Fragen an die drei Bürgermeisterkandidaten

Drei Kandidaten stellen sich zur Wahl bei der Bürgermeisterwahl in Einbeck am 1. November. Im Video antworten sie auf meine Fragen. Die Filme sind sortiert in der Reihenfolge, wie die Kandidaten auf dem Wahlzettel stehen.

Dr. Sabine Michalek (53), Bürgermeisterin, ist Einzelbewerberin, wird von der CDU unterstützt.

Dr. Sabine Michalek.

Dirk Heitmüller (51), Mediaberater, ist der Kandidat der SPD.

Dirk Heitmüller.

Dr. Claudius Weisensee (40), Oberregierungsrat, ist der Kandidat der FDP, der von Bündnis 90/Die Grünen, “Gemeinsam für Einbeck” (GfE) und Bürgerliste Kreiensen unterstützt wird.

Dr. Claudius Weisensee.

Auch GfE/Bürgerliste unterstützen Weisensee

Auch “Gemeinsam für Einbeck” (GfE) und Bürgerliste Kreiensen unterstützen Bürgermeisterkandidat Dr. Claudius Weisensee. Das hat GfE-Vorsitzender Georg Folttmann heute auf meine Anfrage erklärt. Gestern Abend hatten sich alle drei Bürgermeisterkandidaten einer Urwahl bei einer Mitgliederversammlung im Hotel “Panorama” in Einbeck gestellt. Bislang hatte Weisensee bereits die Unterstützung der FDP und der Grünen. Vor acht Jahren hatte die GfE noch Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek unterstützt.

Die GfE und die Bürgerliste Kreiensen hatten Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, SPD-Kandidat Dirk Heitmüller und Dr. Claudius Weisensee (FDP/Grüne) eingeladen, sich persönlich und ihr Wahlprogramm bei einer Mitgliederversammlung zu präsentieren. Nach den jeweiligen Vorstellungen und Fragerunden haben sich die anwesenden Mitglieder der GfE und der Bürgerliste Kreiensen zunächst in einem offenen Wahlgang dafür entschieden, überhaupt einen Bürgermeisterkandidaten bzw. eine Bürgermeisterkandidatin zu unterstützen, berichtete Folttmann.

Anschließend wurde darüber abgestimmt, dass es vor den zwei angesetzten geheimen Wahlgängen keine Aussprache mehr im Plenum geben soll. Die Mitglieder wollten sich bewusst ohne Einflussnahme der Fraktionen oder des Vorstands entscheiden, erläuterte Folttmann. In zwei geheimen Wahlgängen wurde Dr. Claudius Weisensee mit großer Mehrheit der anwesenden Mitglieder beider Wählergemeinschaften gewählt. Nach meinen Informationen waren zuletzt Weisensee und Michalek in der Stichwahl.

Der Vorsitzende der GfE, Georg Folttmann, bedankte sich bei allen drei Kandidaten, sich einer Urwahl der Wählergemeinschaften gestellt zu haben. Besondere Anerkennung verdiene die Tatsache, dass man sich überhaupt um das Amt des Bürgermeisters der Stadt Einbeck bewerbe, erklärte er. In Zeiten stetig zunehmender unqualifizierter Angriffe auf Kommunalpolitiker – insbesondere in Online-Medien – sei dies eine außerordentliche Belastung für die Kandidaten und ihre Familien; dies verdiene den Respekt und eine hohe Wertschätzung der Einbecker Bürgerschaft, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der GfE/BL. Bürgerliste-Vorsitzender Frank-Dieter Pfefferkorn erklärte, dass die Politik der Wählergemeinschaften auch künftig ausschließlich an der Sache orientiert ausgerichtet werde.

Hat jetzt die Unterstützung von FDP, Grünen und GfE/Bürgerliste: Dr. Claudius Weisensee.

Grüne unterstützen FDP-Bürgermeisterkandidat Weisensee

Die Einbecker Grünen unterstützen die Bürgermeisterkandidatur von FDP-Mann Dr. Claudius Weisensee und rufen zu seiner Wahl auf. Entsprechende Informationen hat die Partei bestätigt. Im Einbecker Stadtrat bilden Grüne und FDP bereits seit Jahren eine Gruppe. Die Grünen sind optimistisch, mit Weisensee als Bürgermeisterkandidat einen politischen Wandel in Einbeck für eine zukunftsfähige, lebenswerte Stadt anzustoßen.

Der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen hatte sich bemüht, einen eigenen Kandidaten zu finden. Drei qualifizierte Persönlichkeiten hätten jedoch abgelehnt, heißt es. Daraufhin hat der Ortsverband Dr. Sabine Michalek, Dirk Heitmüller und Dr. Claudius Weisensee zu Gesprächen eingeladen. Nur FDP-Kandidat Weisensee sei bereit gewesen, auf die wichtigsten Anliegen der Einbecker Grünen einzugehen und hatte diese in sein Programm bereits aufgenommen, heißt es. Dabei handelt es sich insbesondere um eine Reduzierung der Flächenversiegelung, den Wegfall der Straßenausbaubeiträge und um die Genehmigung von Windkraftanlagen an besonders windgünstigen Standorten außerhalb der ausgewiesenen Flächen.

Die Grünen halten Dr. Claudius Weisensee “politisch für sehr qualifiziert”, wie sie es ausdrücken. Auch mit Blick auf die Leitung der Verwaltung sei er äußerst kompetent. Weisensee ist Jurist, der sich im Verwaltungsrecht theoretisch und praktisch auf den verschiedenen Ebenen sehr gut auskenne, meinen die Grünen. Sein Job am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe erschließe ihm einen bundesweiten Horizont, heißt es von den Grünen.

Außerdem verfügt der Bewerber nach Aufassung der Grünen über sehr gute und genaue Kenntnisse der Verhältnisse in Einbeck, da er hier von der ersten Klasse bis zum Abitur zur Schule gegangen sei, mehrere Jahre im Rat der Stadt Einbeck und im Kreistag gewesen sei und sich auch hier am Ort beruflich betätigt habe. Die Grünen halten ihn zudem für vertrauenswürdig, weil sie weiland in der Koalition CDU/FDP/Grüne („Jamaica-Koalition“) mit ihm gute Erfahrungen gemacht hätten.

Dr. Claudius Weisensee (40) war bei einer Versammlung der Freien Demokraten vergangenen Freitag in geheimer Wahl mit 13 Ja-Stimmen offiziell zum FDP-Bürgermeisterkandidat gewählt worden, es gab eine Enthaltung und eine Gegenstimme. Der 40-Jährige betonte gegenüber den Mitglieder der FDP laut Pressemitteilung, er wolle Gräben zwischen den politischen Lagern überwinden und mit einem umfangreichen Programm ein Angebot für alle machen. Der FDP-Vorstand hatte den Verwaltungsjuristen vorgeschlagen.

Nachtrag 15.09.2020: FDP-Bürgermeisterkandidat Dr. Claudius Weisensee hat sich bei den Grünen für die erklärte Unterstützung inzwischen persönlich bedankt. Er gab bei dem Treffen einen Ausblick auf die kommenden Wahlkampfwochen und die Themen, die er im „Wettstreit der Ideen“ zu setzen gedenke. Seit gemeinsamen “Jamaika”-Tagen im Stadtrat (2006 bis 2011) passe die Chemie zwischen Bündnis 90 / Die Grünen und Freien Demokraten in Einbeck, heißt es in einer Pressemitteilung. Als GGG oder bilden die Vertreter der beiden Parteien im Stadtrat eine Grün-Gelbe-Gruppe. Gemeinsamkeiten gebe es beim Thema Straßenausbaubeiträge, für deren Abschaffung die Gruppe plädiert. Weisensee erklärte, er wolle „die politischen Gräben in Einbeck zuschütten und wählbar für alle sein“. Ein Lagerdenken sei ihm fremd. Es gebe viele Aufgaben, die unabhängig von der politischen Farbenlehre angegangen werden müssten: Lebenswichtig sei der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und des Klimas, für den auch die lokale Ebene einen Beitrag leisten müsse. Das Erscheinungsbild der Stadt müsse sich verbessern, damit der Einkaufsbesuch in der Innenstadt ein Erlebnis bleibe. Die Integration der Neu-Einbecker müsse gelingen und die Stadt und ihre Ortschaften müssten für Rückkehrer attraktiver werden, heißt es in der Pressemitteilung.

Grüne und FDP v.l. Ute Helmke, Manfred Helmke, Marion Christ, Dr. Claudius Weisensee, Maurice Christ, Günter Rönpagel, Dietmar Bartels und Dr. Marion Villmar-Doebeling. Foto: FDP Einbeck

Sie hat Lust auf Zukunft

Jetzt ist auch die Titelverteidigerin ins Rennen um die Spitzenposition im Einbecker Rathaus eingestiegen, hat gestern ihr Wahlprogramm offiziell vorgestellt. Wobei sich die Bürgermeisterin selbst lieber als “Erste unter Gleichen” sieht. „Ich hab‘ Lust auf Zukunft“, lautet der Slogan von Dr. Sabine Michalek für die Wahl am 1. November. Ihre Website, die sie als zentral für ihren Wahlkampf sieht, ist ganz im Brombeer-Ton gehalten. Vieles habe sie seit 2013 gemeinsam mit vielen Menschen anschieben können, positive Veränderungen seien sichtbar. „Wir sind auf dem richtigen Weg, ich kann auf Erfolge zurück greifen und habe gezeigt, dass ich’s kann.“ Dr. Sabine Michalek bewirbt sich voller Überzeugung bei der Bürgermeisterwahl am 1. November um eine weitere Amtszeit im Einbecker Rathaus. Sie sagt aber auch heute bereits: 2026 werde sie dann definitiv nicht ein weiteres Mal antreten.

“Sabine on tour”: Mit dem Fahrrad ist die Bürgermeisterin unterwegs in den 46 Ortschaften.

Dr. Sabine Michalek kandidiert bewusst wieder wie schon vor acht Jahren als Einzelbewerberin. „Bürgermeister ist kein parteipolitisches Amt“, sagt die 53-Jährige. Die CDU bleibe ihre politische Heimat und unterstütze auch ihre Kandidatur. Mit den Grünen habe sie ebenso Unterstützungsgespräche geführt, genauso wie mit der GfE, die Mitglieder von “Gemeinsam für Einbeck” entscheiden am 22. September darüber, ob sie einen Kandidaten unterstützen wollen. Die Grünen werden sich in den nächsten Tagen äußern.

Wahlkampf unter Corona-Bedingungen ist nicht einfach, aber so gut es geht möchte Dr. Sabine Michalek mit den Menschen vor Ort ins persönliche Gespräch kommen. Online-Talks etwa via Skype oder bei Instagram hat sie bislang nicht geplant, telefonisch steht sie jeden Montag zwischen 20 und 21 Uhr unter einer speziellen Telefonnummer zum Gespräch bereit. Sie will lieber in persönlichen Gesprächen erläutern, was sich seit ihrem Amtsantritt vor inzwischen sieben Jahren bewegt hat und welche Pläne sie für die nächsten fünf Jahre im Bürgermeisteramt hat. Seit einer Woche ist die 53-Jährige an den Wochenenden außerhalb der Dienstzeit unterwegs, „Sabine on tour“: Die passionierte Radfahrerin besucht die 46 Einbecker Ortschaften. Im Anhänger dabei hat sie alkoholfreie Erfrischungen aus der Bierstadt, corona-konform in verschlossenen Flaschen und mit Info-Anhängern versehen. Für jeden dieser abgegebenen Anhänger spendet Michalek 1 Euro für den Wiederaufbau des Salzderheldener Salinen-Förderturms und die Aktion „Alarmstufe Rot“ des Vereins Stadtpartie.

Erster Stopp der zweiten Tour am kommenden Sonntag, 6. September, ist Holtershausen. Dort wird sich Sabine Michalek von 10.45 bis 11.30 Uhr am Holzkreuz, Auf der Mönchelieth, aufhalten. Den nächsten Stopp wird sie von 12 bis 12.30 Uhr vor der Fahrzeughalle der Feuerwehr in Naensen machen. In Stroit wird sie sich von 12.45 bis 13.15 Uhr vor der ehemaligen Bäckerei Mataika aufhalten. An der „Einheitseiche“ in Brunsen hält sie von 13.30 bis 14 Uhr. In Voldagsen wird sie von 14.15 bis 14.45 Uhr am Ortsausgang Richtung Hallensen, pausieren. Dann geht es weiter nach Hallensen, wo ein Stopp von 15 bis 15.30 Uhr auf dem Hof Hermann Kass, Hallensen 17, geplant ist. Von da geht es weiter nach Wenzen zum „Dorfplatz“ Hillebach / B 64. Dort wird Sabine Michalek von 15.45 bis 16.15 anhalten. Die letzte Station der zweiten Tour ist in Bartshausen auf dem Hof Jörg Buschbohm-Helmke, Birkenfeld 1, von 16.45 bis 17.15 Uhr geplant.

Persönliche Gespräche, wenn auch corona-konform mit Abstand: Darauf setzt die passionierte Radfahrerin bei ihrer “Sabine on tour”, hier in Ahlshausen.

Zwei weitere Gesprächsformate hat Dr. Sabine Michalek in Planung, neben Infoständen auf dem Marktplatz in kleiner Besetzung im Oktober. Die Bürgermeisterin bietet den Bürgern an, sich individuell mit ihr zum Kaffee zu verabreden, jeweils bei den Menschen vor Ort. Als einzige „Großveranstaltung“ mit maximal 50 erlaubten Teilnehmern gibt es am 21. September „Auf nen Schnack mit Sabine“ Informationen und Gulaschsuppe im Hotel Panorama.

Auf ihrer neuen Website präsentiert sich Sabine Michalek persönlich, ohne privat zu werden. Die 53-Jährige beschreibt sich abseits der Politik als Kulturbegeisterte, Gartenfreundin und Familienmensch, der den ehrlichen Austausch im Freundeskreis schätzt. Besucher der Seite können erfahren, dass Gartenarbeit für die promovierte Gartenbauwissenschaftlerin Ausgleich zum Bürgermeisterin-Job ist, der zwar bereichernd, aber auch fordernd und anstrengend sein kann. Und dass Musik mit ihrer Violine Sabine Michalek gleichermaßen ermöglicht, vom Alltag abzuschalten und Kontakte zu knüpfen. Das Titelfoto der Rubrik “Familienmensch” zeigt schön, dass Ehemann Wolfgang und die Söhne Lorenz und Kilian sie zwar tragen und unterhaken, dass sie aber selbst nicht gerne im Vordergrund stehen.

Inhaltlich hat Sabine Michalek sieben Standpunkte in ihrem Wahlprogramm auf ihrer Website formuliert und jeweils aufgelistet, was sie erreicht und was sie vor hat. Aus der Fülle der Themen von Wirtschaft über Familie und Bildung bis zur Infrastruktur hier mal nur ein paar Beispiele: Die Wirtschaftsförderung und Einbeck Marketing möchte Michalek noch besser verzahnen und für das dringliche Thema Leerstandmanagement in der Innenstadt die Position eines City-Managers schaffen. Nach Ende des Zukunftsvertrages 2021 will die Bürgermeisterin auch wieder mehr in die Bereiche Tourismus und Kultur investieren, die bislang unter den Sparzwängen litten. Sie möchte weiter mehr Krippenplätze schaffen, um die steigende Nachfrage befriedigen zu können. Auch weitere Kita-Gebäude müssten modernisiert werden. Mit dem Projekt „Pimp your town“ möchte Michalek Jugendliche stärker für Kommunalpolitik interessieren. Michalek räumt selbstkritisch ein, bei der Reaktivierung der Bahnstrecke anfänglich skeptisch gewesen zu sein. Heute könne man sagen, dass die Bahnstrecke sich lohne, die Fahrgastzahlen liegen deutlich über den Erwartungen. Deshalb müssten in Zukunft auch Züge bis zum PS-Speicher/BBS durchfahren. Michalek möchte stärker auf die Wasserstofftechnologie als Antriebstechnik setzen, den geplanten ZOB zur Mobilitätszentrale weiterentwickeln, an der nicht nur Züge und Busse halten, sondern jeder auch beispielsweise E-Bikes leihen kann. Die neuen Eigentümer des Einbecker Bürgerspitals möchte Michalek unterstützen, für einen Neubau Fördermittel zusammen zu tragen. “Ich bin sehr zuver­sichtlich, dass wir mittel­fristig auch hier erfolg­reich sein werden”, sagt die Bürgermeisterin als Kandidatin. Bürgerschaftliches Engagement liege ihr am Herzen, möchte sie weiter fördern, ihre Idee eines Bürgerpreises möchte sie weiter verfolgen. Nicht nur aktuell gelte es dabei, die Freiwilligen Feuerwehren zu unterstützen. Michalek: “Das, was sie leisten, ist mit Geld nicht zu bezahlen, aber mit Anerkennung und dem zur Verfügung gestellten ausreichenden Material.”

Kandidiert wieder bei der Bürgermeisterwahl in Einbeck am 1. November: Dr. Sabine Michalek, hier vor der Skulptur „Mobilität“ von Hans-Werner Kalkmann am PS-Speicher.

Wenn erst der Zug bis zur Sachsenbreite fährt…

Bei seinem Besuch bei der Ilmebahn GmbH machte SPD-Bürgermeisterkandidat Dirk Heitmüller sozusagen eine Reise von der Realität in die Zukunft. Während mit der Reaktivierung der Bahnstrecke bis Einbeck-Mitte die Fahrgastzahlen die Erwartungen deutlich übertreffen, gehört am Endpunkt Sachsenbreite unweit des Klapperturms noch viel Phantasie dazu, sich auf dem Maisacker einen Holzladeplatz und vielleicht sogar einen Park&Ride-Pendlerparkplatz vorzustellen. Beides ist in komplizierter, langwieriger Planung, informierte Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel gemeinsam mit Aufsichtsratsvorsitzender Landrätin Astrid Klinkert-Kittel und Ilmebahn-Prokurist Dr. Hartmut Heuer.

Ein Foto an der Sachsenbreite mit SPD-Kandidat Dirk Heitmüller.

Bis zum Bahnkilometer 7,72 machte sich Dirk Heitmüller am Bahnhof Einbeck-Mitte, auf dem Betriebshof der Ilmebahn sowie am Haltepunkt Fichtestraße am PS-Speicher kundig über den Sachstand mehrerer Projekte. Am Bahnhof Einbeck-Mitte wurde dem Salzderheldener Ortsbürgermeister bestätigt, dass die reaktivierte Strecke sehr gut angenommen werde, die Zahlen über den Erwartungen liegen. Deutlich sogar. Gerne würde die Ilmebahn auch noch, vor allem im nahen Winter, ihr Bahnhofsgebäude für Zugreisende öffnen, man zögere aber ob der zahlreichen Beschmierungen und Vandalismus-Ereignisse in jüngster Zeit auf dem Bahnsteig-Areal, schilderten Geschäftsführer Christian Gabriel und Prokurist Dr. Hartmut Heuer unisonso. Vielleicht lasse sich in Verbindung mit den laufenden Planungen der ZOB-Umgestaltung eine Unterstand-Lösung für beide Seiten finden und gleichzeitig Doppelstrukturen vermeiden.

Dirk Heitmüller an der grünen Ilmebahn-Lok.

Auf dem Betriebshof der Ilmebahn erfuhr der SPD-Bürgermeisterkandidat, dass dort drei Mechaniker und ein Meister in der Werkstatt arbeiten, die 30 Busse und zwei Lokomotiven warten. Die Ilmebahn würde gerne weitere moderne Diesel-Hybrid-Busse anschaffen, das Problem sei bei Gesamtkosten von 246.000 Euro und einer 40-Prozent-Förderung der verbleibende hohe Eigenanteil, informierte Gabriel seinen Gast.

Auf dem Bahnsteig Fichtestraße zwischen PS-Speicher und Hotel Freigeist (v.l.): Dirk Heitmüller, Christian Gabriel, Astrid Klinkert-Kittel, Dr. Hartmut Heuer.

Begründete Hoffnung macht sich die Ilmebahn, in Zukunft einige Züge bis zum bestehenden Haltepunkt Fichtestraße am PS-Speicher durchfahren lassen zu können. Die Strecke dafür ist jedenfalls bereits ausgerüstet. Die bislang eher ablehnende Landesnahverkehrsgesellschaft beginne auch umzudenken. Ende September habe man die nächsten Gespräche, sagte Ilmebahn-Aufsichtsratschefin Astrid Klinkert-Kittel, man könne vorsichtig optimistisch sein. Heute stehen einige Zugverbindungen länger in Einbeck-Mitte, diese Züge könnte man auch stattdessen bis Fichtestraße weiterfahren lassen. Es müssten ja gar nicht alle Züge durchfahren, aber morgens und mittags zur Schulzeit der nahen BBS Einbeck und am Wochenende für den PS-Speicher würde ein durchgehendes Schienenangebot bis zur Fichtestraße gut nachgefragt, ist Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel sicher.

Auf dem Bahnsteig Einbeck-Mitte (v.l.): Andreas Filipps, Peter Traupe, Dirk Heitmüller, Christian Gabriel, Dr. Hartmut Heuer (verdeckt) und Astrid Klinkert-Kittel.

Ein politischer Rückkehrer

Angeblich war der Ort ja reiner Zufall, die politische Symbolik aber war an diesem Spätsommertag unübersehbar. Die FDP stellte ihren Kandidaten für die Bürgermeisterwahl auf dem Dohrenberg vor, mit Panoramablick auf Heldenburg, Salzderhelden und auch Einbeck. Und als Dr. Claudius Weisensee dann auch noch von der FDP-Vorsitzenden Dr. Marion Villmar-Doebeling ein Blumenbukett mit einer großen Sonnenblume überreicht bekam und man weiß, dass der Naturerlebnisraum Dohrenberg ein Herzensprojekt von GfE-Grandseigneur Albert Thormann ist und Weisensee bei ihm anschließend zur Weinprobe war, dann ist das politische Angebot des FDP-Kandidaten an die Grünen und “Gemeinsam für Einbeck” offenkundig. Die Parteien wollen über ihre Unterstützung in den nächsten Tagen entscheiden.

Claudius Weisensee mit Verlobter Adriana Rodrigues und den symbolträchtigen Blumen.

Seine Kandidatur hat frischen Wind in die beginnende Positionierung der Bewerber um das Bürgermeisteramt in Einbeck gebracht, ohne Zweifel. Die FDP sieht in Claudius Weisensee einen politischen Rückkehrer, der nach ersten beruflichen Erfahrungen andernorts nun wieder in seine Heimatstadt kommt, in der er aufgewachsen ist, auch politisch. Und der nach einem politischen Ausflug zur SPD (“Das war nicht die beste Idee meines Lebens”) nun wieder zurückkehrt und bei der FDP Politik machen möchte, wie schon in den vergangenen 24 Jahren. Er habe sich im Februar massiv geärgert, dass Lindner, Kubicki & Co. die Wahl von Thomas Kemmerich (FDP) mit Stimmen der AfD nicht sofort verdammten. Spontan ist Weisensee deshalb damals bei den Freien Demokraten ausgetreten. Weil er sich schon immer als sozialliberal sieht und auch familiär eher sozialdemokratisch geprägt war, wurde Weisensee Mitglied bei der SPD. Er sei dort in Karlsruhe freundlich aufgenommen worden, habe aber schnell gemerkt, dass seine politische Heimat doch die FDP sei und sei wieder bei den Sozialdemokraten ausgetreten. In den nächsten Tagen ist der 40-Jährige dann zurück bei den Freien Demokraten.

Die Einbecker FDP-Mitglieder entscheiden über die Kandidatur formal am kommenden Freitag. Eine breite Zustimmung gilt jedoch als ausgemacht: Die FDP geht mit Dr. Claudius Weisensee ins Rennen, der Vorstand hat den 40-Jährigen schließlich als einzigen vorgeschlagen. Neben Amtsinhaberin Dr. Sabine Michalek (CDU) tritt bislang Dirk Heitmüller (SPD) bei der Direktwahl an. Bei beiden hatte die FDP überlegt, diese zu unterstützen, und sich nach den Gesprächen mit ihnen dann doch für einen eigenen Kandidaten und Dr. Claudius Weisensee entschieden, wie Einbecks FDP-Vorsitzende Dr. Marion Villmar-Doebeling sagte. 

Im Kandidatenfeld könne er eigene Akzente setzen, sagte Weisensee. Er bringe den Blick von Innen und Außen mit. Auch wenn er seit zehn Jahren nicht mehr hier lebe, sondern jetzt im fünf Autostunden entfernten Karlsruhe, sei er immer mit einem Auge und Ohr in Einbeck gewesen, „und mit dem Herzen sowieso“, sagte der 40-Jährige. Sein Ziel ist, zunächst in die Stichwahl zu kommen. “Ich möchte Bürgermeister werden”, macht er deutlich, für eine reine Zählkandidatur wäre er nicht zu haben gewesen, als ihn FDP-Kreisvorsitzender Christian Grascha im Juli angerufen hat. „Wir freuen uns, dass Claudius Weisensee zurückkehrt“, sagte Grascha. “Er ist einfach ein guter Typ.” Er kenne ihn seit gemeinsamer Zeit bei den Jungen Liberalen vor 23 Jahren. Und er habe Weisensee nicht nur wegen seiner Verwaltungs- und Fachkompetenz gefragt, sondern weil er ein echtes Angebot für alle Bürger und alle politischen Lager des demokratischen Spektrums sei, mit seiner positiven Art Menschen zusammenführen und sich blockierende parteipolitische Grabenkämpfe beenden könne. Christian Grascha: „Für Einbeck ist seine Kandidatur eine echte Chance.“

Claudius Weisensee hat sein Wahlprogramm selbst geschrieben, möchte den Wahlkampf zu einem Wettbewerb der Ideen machen, wie Einbeck 2030 aussehen soll. “Eine Stadt, 46 Ortschaften, 37 Seiten, 719 Zeilen voller Ideen”, hat der Volljurist sein Programm überschrieben und bereits auf seiner Website hochgeladen.

Sich selbst wählen wird Claudius Weisensee nicht können. Der zurzeit als Oberregierungsrat in der Verwaltung des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe arbeitende promovierte Verwaltungsjurist kann bis zur Wahl nicht mehr fristgerecht seinen Wohnsitz nach Einbeck verlegen, um hier selbst seine Stimme bei der Wahl abgeben zu können. Für den Wahlkampf hat der Bundesbeamte sich freimachen können, wird den gesamten Oktober in Einbeck sein, außerdem die zwei Wochen bis zur möglichen Stichwahl am 15. November. Im September werde er, wie schon zuletzt, an den Wochenenden in Einbeck weilen und für sein Ziel kämpfen. Auch wenn der Wahlkampf in Corona-Zeiten anders aussehen wird und viele Online-Angebote auch aus Karlsruhe möglich wären. Als bislang einziger Bürgermeisterkandidat hat Weisensee die Vorstellung seiner Kandidatur live bei Facebook ins Internet übertragen, die komplette Aufzeichnung ist dort weiterhin abrufbar.

„Ich möchte Bürgermeister werden“: Dr. Claudius Weisensee (r.) mit der Einbecker FDP-Vorsitzenden Dr. Marion Villmar-Doebeling und FDP-Kreisvorsitzenden Christian Grascha.