Multifunktionshalle nun auch offiziell eingeweiht

Die neue Multifunktionshalle am Kohnser Weg neben Haus der Jugend und Jugendgästehaus in Einbeck ist nun auch offiziell eingeweiht. Nach monumentalen Klängen griffen Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek und Jugendausschuss-Vorsitzender René Kopka zu den Scheren und schnitten das rote Band symbolisch durch. Danach fand in der Halle die Ausschuss-Sitzung statt.

Mit seiner jüngsten Sitzung hat der Fachausschuss für Jugend, Familie und Soziales des Einbecker Stadtrates die neue Multifunktionshalle auch offziell eingeweiht, ein öffentliche Einweihungsfeier soll noch folgen.

Die rund 1000 Quadratmeter große Multifunktionshalle (MFH), die gut 2,5 Millionen Euro gekostet hat, war in den vergangenen Wochen nach der Bauabnahme im Juni bereits für Abibälle, Fotoshootings und andere Zwecke hie und da genutzt worden, jeweils mit Ausnahmegenehmigungen. Nun ist die Halle offiziell in Betrieb. Nächste Woche wird sich dort das gewählte erste Einbecker Jugendparlament konstituieren und im August sind dann auch die ersten sportlichen Events in der multifunktionalen Halle vorgesehen. Eine öffentliche Einweihungsfeier ist zu einem späteren, noch nicht bestimmten Termin vorgesehen.

Stadtjugendpfleger Henrik Probst, der die MFH zusammen mit Pepe Ziegler leitet, zeigte sich bei der Einweihung stolz. „Ich habe immer an den Traum geglaubt“, sagte er und erinnerte an erste Visionen und Ideen vor mehr als zehn Jahren. Alle Pläne hätten sich erfüllt. „Jeder ist begeistert, der die Halle betritt“, sagte Probst. Es habe aber auch schwierige Situationen während der Bauphase gegeben, erinnerte er. Die Halle habe kurz vor dem Aus gestanden, als die Kosten stiegen und Planungsfehler korrigiert werden mussten. Von den 2,5 Millionen Euro zahlt das Land Niedersachsen durch Fördermittel zwei Drittel.

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek blickte bei der Eröffnung auf die Entstehung der Halle zurück, da seien durchaus „auch mal steinige Wege zu gehen“ gewesen. Man habe das Land bei der zusätzlichen Finanzierung überzeugen müssen, als die Kosten davon gelaufen seien. Auch die Kommunalpolitik habe dankenswerterweise noch einmal „draufgelegt“. Bei einer Tagung kommunaler Unternehmen vor einigen Tagen in der MFH sei sie um diese Halle beneidet worden, berichtete Michalek. Sofort seien Kontakte ausgetauscht worden, vielleicht kann die MFH noch zum Vorbild in anderen Kommunen werden.

Die Bürgermeisterin dankte allen für die Geduld und die Durchhaltezeit, jetzt sei die Multifunktionhalle eine für die gesamte Jugend, vom Schulalter bis zu jungen Erwachsenen. „Es hat sich wirklich gelohnt“, sagte Michalek dankbar. „Ich wünsche allen, die hier sein werden eine schöne Zeit und dass sie ganz viel für ihre persönliche Entwicklung mitnehmen dürfen.“

Die Multifunktionshalle werde nun mit Leben gefüllt, Ziel sei die Jugendlichen dort abzuholen, wo sie stehen, sagte Pepe Ziegler. Die Offenheit und Diversivität zeige auch das Logo der MFH, die verschieden farbigen Vielfalt-Pegel.

Friede, Freude, Freundschaftsverstärker

Karl-Heinz Rehkopf mit "Freundschaftsverstärker". So richtig entgegen nehmen wollte das Präsent niemand.

PS-Speicher-Stifter Karl-Heinz Rehkopf mit „Freundschaftsverstärker“.

In großer Harmonie ist vor einer Woche das neue Haus der Jugend in Einbeck eröffnet worden – unspektakulär, ohne als Eröffnungsgeste ein Band durchzuschneiden, einen Startknopf zu drücken oder einen symbolischen Schlüssel zu überreichen. Einfach nur durch die Kraft der Worte der Einbecker Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek (Video). Die Jugendlichen haben ihr neues Jugendzentrum an dem Tag eingerockt und eine vorbereitete Rede dann doch nicht gehalten, waren offensichtlich einfach nur froh, dass sie ein „Schmuckstück“ (O-Ton Bürgermeisterin) nach gut einem Jahr Bauzeit und noch viel längerer Planungsphase in Besitz nehmen konnten – als ihren neuen Ort zum Treffen, Musik machen, Freizeit genießen. Kaum ein Wort war zu hören zur holprigen Historie, die monatelang emotional und hitzig die Kommunalpolitik in Einbeck beherrscht hatte. Die Eröffnungsveranstaltung sei nicht der richtige Ort dafür gewesen, hieß es anschließend von vielen. Mag sein. Die Bürgermeisterin erinnerte an die Standortsuche, okay. Die Stadt hat für den Umbau eines aus den 1990-er Jahren stammenden einstigen Flüchtlingswohnheims unter dem Strich etwas mehr als den Erlös aus dem Verkauf von Grundstück und Gebäuden am Tiedexer Tor an die Kulturstiftung Kornhaus in Höhe von 560.000 Euro investiert. Dazu bei der Eröffnung: kein Wort. Nur, dass (hoffentlich bald) durch Multifunktionshalle und Jugendgästehaus am Kohnser Weg ein Jugend- und Sportzentrum mit landesweiter Beachtung entstehen werde. Durch eine Spende der AKB-Stiftung zum 90. Geburtstag von Johanne Büchting von 100.000 Euro konnte weitere Einrichtung für das Haus der Jugend angeschafft werden. Das erwähnte die Bürgermeisterin, richtig. Einzig Jugendausschuss-Vorsitzende Margrit Cludius-Brandt (SPD) traute sich, den Weg vom alten zum neuen Haus der Jugend wenigstens „holprig“ zu nennen. Indes: ihre Kritik war schon mal schärfer.

Sehr deutliche, offene Worte (die durch die Zurückhaltung der Politik keine Replik oder Einordnung erfuhren) erlaubte sich dagegen Karl-Heinz Rehkopf, Stifter des PS-Speichers, als Gast der Veranstaltung. Die Debatte um das Haus der Jugend hatte 2012 begonnen, weil das damals gerade entstehende Oldtimer-Ausstellungshaus im ehemaligen Kornhaus die Fläche des Jugendzentrums zunächst für das Hotel, dann für den Parkplatz reklamierte. Tierisch geärgert habe er sich, wie in Bildzeitung-Jargon ihm unterstellt worden sei, er habe etwas gegen die Einbecker Jugend. Das habe ihn „abmotiviert“, er sei kurz vor dem „dann lassen wir das“ mit dem PS-Speicher gewesen. Die Facebook-Gruppe „Rettung der Einbecker Jugend“ sei bei ihm so angekommen wie „rettet die Jugend vor Karl-Heinz Rehkopf“. Man habe ihn beruhigt damals, das seien nur Wichtigtuer und Effekthascherei. Er habe ja nichts gegen Besorgnis, sagte Rehkopf. Es habe doch aber niemand ernsthaft glauben können, dass die Stadt und die Kornhausstiftung die Jugendlichen in Einbeck hängen lassen würden. Rehkopf erlaubte sich unverblümt den Hinweis, dass es ein neues Haus der Jugend heute nicht geben würde, es sich die Stadt nicht hätte leisten können, wenn nicht der PS-Speicher gewesen sei und das Grundstück kaufen wollte. Nun ja, ganz hat ja der Verkaufserlös bekanntlich nicht gereicht für das neue Jugendzentrum. Eine Freundschaft mit der Einbecker Jugend müsse nicht mehr geschlossen werden, meinte Rehkopf, sie beweise der PS-Speicher täglich und in Zukunft auch als außerschulischer Lernort. Wobei es „die Jugend“ ja nicht gibt. Als Geschenk überreichte Karl-Heinz Rehkopf einen „Freundschaftsverstärker“, ein modernes Sound-Gerät. Die Tante, die Klavier spielt, ist ja bekanntlich nicht so beliebt wie der Onkel, der Geschenke mitbringt.

Neuer Ort für Jugendarbeit in Einbeck: Mit einem vielfältigen Programm für Kinder und Jugendliche, mit Konzerten und einem Tag der offenen Türen ist das neue Haus der Jugend am Kohnser Weg eröffnet worden.

Neuer Ort für Jugendarbeit in Einbeck: Mit einem vielfältigen Programm für Kinder und Jugendliche, mit Konzerten und einem Tag der offenen Türen ist das neue Haus der Jugend am Kohnser Weg eröffnet worden.

Viele Jugendliche packten beim Umbau mit an: Jugendzentrum-Leiterin Kerstin Hillebrecht bedankte sich stellvertretend dafür bei Alexandros Mizythras, Dany Kurtanovic und Kevin Kluge.

Viele Jugendliche haben beim Umbau mit angepackt: Jugendzentrum-Leiterin Kerstin Hillebrecht bedankte sich stellvertretend dafür bei Alexandros Mizythras, Dany Kurtanovic und Kevin Kluge.

 

Haus der Jugend: Was lange währt…

Ortstermin des Jugendausschusses auf der Baustelle: Henrik Probst (l.) erläutert das Vorhaben.

Ortstermin des Jugendausschusses auf der Baustelle: Stadtjugendpfleger Henrik Probst (l.) erläutert das Vorhaben.

Das neue Haus der Jugend soll am 11. Juni mit einer Eröffnungsfeier seinen Betrieb aufnehmen. Das sagte Stadtjugendpfleger Henrik Probst bei einem Ortstermin des Jugendausschusses auf der Baustelle am Kohnser Weg. Das neue Jugend- und Sportzentrum würde damit gut zwei Jahre nach der Standortentscheidung an den Start gehen. Wann östlich des ehemaligen Flüchtlingswohnheims eine Multifunktionshalle angebaut wird, hängt von der Finanzierung ab. Von den Kosten in Höhe von rund 1,2 Millionen Euro sollen 800.000 Euro aus Fördermitteln bezahlt werden, wann und ob diese fließen, entscheidet sich laut Probst im Mai. In den nächsten zwei bis drei Jahren soll dann außerdem noch das zweite der ehemaligen Wohnheime zu einem Jugendgästehaus umgebaut werden. Der Stadtjugendpfleger zeigte beim Ortstermin auf der Baustelle den Kommunalpolitikern und interessierten Bürgern die Räume und erläuterte die Arbeiten, die bereits erledigt worden sind – und die, die bis zur Eröffnung in den nächsten acht Wochen noch folgen müssen. Außer einem großen, multifunktional nutzbaren Café im Erdgeschoss mit Küche (die Theke soll die Optik einer Lkw-Kühlerhaube bekommen) gibt es im neuen Haus der Jugend verschiedene Räume für Vereine, Fitness und Sport. In mehreren Räumen mit einem benachbarten Tonstudio können verschiedene Bands proben. Neben den beteiligten Handwerkern sind auch die späteren Nutzer auf der Baustelle aktiv gewesen: Musiker, Zierfischfreunde, Kickboxer und Amateurfunker haben Tapeten abgerissen und damit geholfen Kosten zu senken. Großzügig sind die Toilettenanlagen im neuen Haus der Jugend dimensioniert. Sie wurden allerdings gleich so geplant, dass sie auch von Besuchern der vorgesehenen Multifunktionshalle mit genutzt werden können.

Im neuen Haus der Jugend (v.l.): Dr. Wolfgang Auer, Margrit Cludius-Brandt, Rolf Hojnatzki, Henrik Probst, Bettina Hillmer, Eunice Schenitzki, Gitta Kunzi. Foto: SPD

Im neuen Haus der Jugend (v.l.): Dr. Wolfgang Auer, Margrit Cludius-Brandt, Rolf Hojnatzki, Henrik Probst, Bettina Hillmer, Eunice Schenitzki, Gitta Kunzi. Foto: SPD

Bevor sich der Jugendausschuss des Einbecker Stadtrates vor Ort einen Eindruck von den auf der Zielgerade befindlichen Bauarbeiten für das neue Haus der Jugend verschaffte, hatte bereits am Nachmittag des 10. März die SPD-Ratsfraktion die zwischenzeitlichen Fortschritte der Baumaßnahme in Augenschein genommen. Die Grundstrukturen seien fertig, Heizung und Licht installiert, teilen die Sozialdemokraten via Presseinfo mit. Die Jugendlichen und die im Haus untergebrachten Gruppen hätten sich nach ihren Möglichkeiten an den Vorarbeiten der Renovierungsmaßnahmen beteiligt und seien nach Aussagen des Stadtjugendpflegers mit Eifer dabei. „Auch wenn noch etwas Phantasie nötig war, sich den fertigen Bau und die Einrichtung vorzustellen, gelang es Stadtjugendpfleger Henrik Probst den anwesenden Politikern in plastischen Schilderungen die einzelnen Räumlichkeiten und den zu erwartenden Endzustand zu beschreiben“, schreibt die SPD. Gerade die vorgesehene Außenterrasse und der Balkon werde den strengen Baukörper auflockern, waren sich die Anwesenden einig. Bis zur geplanten Eröffnung im Mai müsse allerdings noch viel passieren. Auch das Außengelände sei noch eine Herausforderung für alle Akteure. Nach dem langen Weg bis zum neuen Haus der Jugend könne man jetzt Fortschritte erkennen und sich auf den Umzug und die Eröffnung freuen, meint die SPD.

(Aktualisiert: 23.03.2016, 19:15 Uhr)

Am Rande der Stadt: Im Gebäude links der einstigen Flüchtlingswohnheime am Kohnser Weg entsteht das neue Haus der Jugend.

Am Rande der Stadt Einbeck: Im Gebäude links der einstigen zwei Flüchtlingswohnheime am Kohnser Weg entsteht das neue Haus der Jugend.

Nachtrag 06.04.2016: Laut einer Pressemitteilung des zuständigen Ministeriums in Hannover bekommt die Stadt Einbeck für das Jahr 2016 Städtebau-Fördermittel aus dem Programm „Kleine Städte und Gemeinden“ in Höhe von einer Million Euro. Wie Bauamtsleiter Frithjof Look heute in einer Pressemitteilung (PM_KSG_06042016) ergänzte, wird das Geld für die beantragten Maßnahmen „Jugendgästehaus (Umnutzung/Ergänzung einer Bestandsimmobilie)“ und „Multifunktionshalle Einbeck (Neubau)“ bereitgestellt – allerdings erst, wenn „in den nächsten Monaten“ der offizielle, schriftliche  Erlass im Rathaus vorliegt. Außerdem werde erfahrungsgemäß das Fördergeld auf mehrere Haushaltsjahre verteilt, dies müsse bei der Realisierung bedacht werden, erklärte Look. Zudem sei die Multifunktionshalle noch nicht ausfinanziert. Eine erneute Anmeldung für die restlichen Fördermittel (22.000 Euro) sei für das Programmjahr 2017 zu stellen. Damit dürfte es unterm Strich noch einige Zeit dauern, bis die Bagger anrücken und eine Multifunktionshalle bauen.

Im März kommt der Maler

Das wird das neue Haus der Jugend, die Arbeiten im Innern laufen.

Das wird das neue Haus der Jugend am Kohnser Weg, die Arbeiten im Innern des einstigen Flüchtlingswohnheimes laufen, rechts die Fundamentierungen für Balkon und Fluchttreppe.

Bald am Kohnser Weg.

Ein Transparent weist den Weg.

Eine (politische) Langzeitbaustelle neigt sich dem Ende zu: Die Arbeiten am neuen Haus der Jugend am Kohnser Weg gehen laut Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek planmäßig voran. Geplant sei, im März mit den Malerarbeiten zu beginnen. Anschließend folge die Schlussmontage bei Heizung, Sanitär und Elektro. Es könnte also beim Zeitplan Eröffnung im April 2016 bleiben. Zurzeit werden von Jugendlichen aus dem Jugendzentrum im ehemaligen Flüchtlingswohnheim in sämtlichen Räumen die alten Tapeten entfernt. Die Verwaltungschefin dankte für diese tatkräftige Unterstützung. Die erforderlichen Grundleitungen für das neue Haus der Jugend, dessen Standort der Stadtrat bereits im Mai 2014 (also vor fast zwei Jahren) beschlossen hatte, sind verlegt und auf Dichtigkeit geprüft, sagte Michalek in ihrem Baurapport vor dem Stadtrat. Die Heizung sei in Betrieb, Fenster und Außentüren seien eingebaut. Begonnen haben laut Bürgermeisterin auch die Ausbauarbeiten im Innenbereich (Stellung von Trennwänden, Verlegung von Elektrokabel und Sanitärleitungen). Zurzeit laufen die Fundamentierungsarbeiten für Balkon und Fluchttreppe.

Haus der Verzögerung

Das städtische Jugendzentrum am Standort Kohnser Weg in einem der ehemaligen Flüchtlingswohnheime wird später eröffnet als geplant. Das neue Haus der Verzögerung, pardon Haus der Jugend, soll dort erst im Mai 2016 seine Pforten für die Jugendlichen öffnen. Und warum? Noch immer liegt keine Baugenehmigung für den Umbau vor, als Grund für notwendig gewordene Veränderungen der Planungen nannte heute die stellvertretende Fachbereichsleiterin Angelika Winkler im Jugend-Ausschuss des Stadtrates Auflagen des Brandschutzes. Man hoffe aber, bis Ende der Woche alle Unterlagen beisammen zu haben für die Baugenehmigung. „Das ist für uns alle unbefriedigend“, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. Und erntete immerhin allgemeine Zustimmung. Zwischenzeitlich konnte man als Beobachter den Eindruck gewinnen, das im Frühjahr vergangenen Jahres so emotional diskutierte Thema interessiere niemanden mehr so wirklich – niemanden in der Politik, und auch niemanden in der Jugendarbeit. Die Auflagen der Brandschutzes seien nicht absehbar gewesen für das beaufragte externe Ingenieurbüro, sagte Michalek, die jüngste Verzögerung dort wegen Urlaubs jedoch ärgerlich. Klaus-Rainer Schütte (SPD) möchte geprüft wissen, ob von dem Honorar für das externe Büro nicht ein Teil einbehalten werden könnte, wenn Unterlagen nicht vollständig gewesen seien und die Angelegenheit sich daher verzögere.

Nachtrag 20.07.2015: Laut Sitzungsprotokoll ist eine Honorar-Reduzierung rechtlich nicht durchsetzbar. Ein Verzug könne nur geltend gemacht werden, wenn es eine Terminierung gegeben hätte. Es sei aber versäumt worden, die Beauftragung mit einem Fixtermin für die Vorlage zu versehen. Zusätzliche Kosten für die Änderung entstehen laut Stadt nicht, es sei schriftlich zugesichert worden, dass alle im Genehmigungsverfahren erforderlichen Änderungen im Rahmen des Gesamthonorars geleistet würden.

Schnellstmöglich

Äußerlich sichtbar hat sich noch nichts getan am ehemaligen Flüchtlingswohnheim am Kohnser Weg, das zum Haus der Jugend werden soll.

Äußerlich sichtbar hat sich noch nichts getan am ehemaligen Flüchtlingswohnheim am Kohnser Weg, das zum Haus der Jugend werden soll.

Das Thema Haus der Jugend steht nicht mehr auf der politischen Agenda. Und eilig hat es offenbar niemand der Beteiligten. Diesen Eindruck musste gewinnen, wer die jüngste Jugendausschuss-Sitzung verfolgt hat – so schnell und diskussionslos war der Tagesordnungspunkt „Sachstandsbericht“ abgehandelt. Vor einem Jahr war das noch anders, da wogte die kontroverse Debatte hin und her zwischen möglichen neuen Standorten für das städtische Jugendzentrum, bis im Mai 2014 der Einbecker Stadtrat die Grundsatzentscheidung getroffen hat, eines der zwei ehemaligen Flüchtlingswohnheime am Kohnser Weg zum neuen Haus der Jugend umzubauen. Seitdem hört man immer nur, dass es später würde mit dem Umzug, ursprünglich war einmal der April 2015 als Termin genannt worden, was allerdings schon schnell wieder Makulatur war – weil das städtische Bauamt länger benötigte und Planungsarbeiten nicht extern vergeben werden sollten.

Und so war auch in dieser Woche im Jugendausschuss von Verzögerung die Rede: Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek teilte mit, dass alle erforderlichen Unterlagen für das Baugenehmigungsverfahren mittlerweile beisammen seien. Es gebe aber Probleme, den Zeitplan einzuhalten, der bislang einen Umzug im September/Oktober 2015 vorgesehen habe. Angestrebt werde aber eine „schnellstmögliche Umsetzung“, so die Verwaltungschefin, ohne neue Termine zu nennen. Keine Nachfrage aus den Reihen der Politik. Stadtjugendpfleger Henrik Probst steuerte noch eine Präsentation bei, wie es künftig in den umgebauten Räumen aussehen könnte. Und weiter ging’s zum nächsten Thema.

Das vor Jahresfrist noch so emotionale und für dringlich erachtete Thema Jugendzentrum scheint niemanden so wirklich mehr zu interessieren – jedenfalls vor den Kulissen. Politische Priorität genießt das Haus der Jugend schon länger nicht mehr – zumindest vor den Kulissen nicht. Ich stelle da gerne noch einmal die Frage, ob das Haus der Jugend überhaupt noch umziehen muss, wenn es doch – wie bekundet – auch am heutigen, alten Standort irgendwie geht. Und der PS-Speicher scheint das Gebäude und HdJ-Gelände (mit einem Mal?) ja auch nicht mehr allzu dringend zu benötigen. Eine Antwort erwarte ich nicht…

Es wird Herbst…

Nach allem, was man so hört, wenn man überhaupt etwas hört, dürfte das neue Haus der Jugend im ehemaligen Flüchtlingswohnheim am Kohnser Weg erst im Herbst kommenden Jahres eröffnen. Auch wenn die Vorsitzende des Ausschusses für Jugend, Familie und Soziales, Margrit Cludius-Brandt (SPD), heute nochmal nachfragte, ob man das beschleunigen könne, bleibt es nach den Worten von Fachbereichsleiter Albert Deike bei dem bereits vor Monaten genannten Zeitplan: September/Oktober 2015. Das habe ihm auch der Fachbereich Bau nochmal aktuell bestätigt. Die Baugenehmigung werde in Kürze erteilt. Die statische Berechnung sei beauftragt und Anfang des neuen Jahres vorliegen.

Wie bereits geschrieben, hätte man den ursprünglichen Termin April 2015 nur halten können, wenn man die weitere Bauplanung mit Ausschreibungen extern vergeben hätte und nicht im durch andere Projekte belasteten Bauamt. Das dadurch nicht ausgegebene Geld möchte die Stadt lieber für eine Multifunktionshalle und ein neues Jugendgästehaus ansparen, die dann bei gewährten Zuschüssen eventuell 2016 realer werden könnten.

 

Positionen gefragt

Podium

Acht auf dem Podium (v.l.): Fachbereichsleiter Albert Deike, Stadtjugendpfleger Henrik Probst, Haus-der-Jugend-Mitarbeiterin Kerstin Hillebrecht, Fachausschuss-Vorsitzende Margrit Cludius-Brandt, Polizeichef Peter Volksmar, Kirchenvorstand Thomas Borchert, Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, Superintendent Heinz Behrends.

Das war – wie gesagt bzw. hier bereits beschrieben – eine denk- und merkwürdige Diskussion bei der „Informationsveranstaltung“ zum Haus der Jugend. Jugendliche nahezu ausschließlich als Störfaktor mit Lärmpotenzial zu beschreiben, den man nicht in seiner Nähe haben möchte, ist für eine sachliche Debatte nicht förderlich gewesen, hat ja auch zu vielfachen Emotionen geführt und hat Jugendlichen gezeigt, welche Wertschätzung sie von einigen erfahren. Hoffentlich bedenken die Jugendlichen, dass nicht alle so denken. Die Frage ist ja auch: Sind die Kritiker, die sich zu Wort melden, die Mehrheit der Nachbarn, oder nur eine lautstarke Minderheit? Wohltuend sachlich hat Polizeichef Peter Volkmar ein Vorurteil zerstört: In den vergangenen fünf Jahren ist die Polizei nach seinen Worten zu zehn Einsätzen am Tiedexer Tor (jetziger Standort Haus der Jugend) gewesen, eine angesichts der Gesamtkriminalität in Einbeck verschwindend kleine Zahl, polizeilich „uninteressant“. Alkohol und Drogen spielten dort keine Rolle, sagte Volkmar.

Was ich bei der „Informationsveranstaltung“ noch besonders auffällig empfand: Das Podium war mit acht Personen sehr üppig besetzt, da konnte bei einer zwei Stunden dauernden Diskussion imgrunde keiner einen ähnlich großen Redeanteil haben wie die anderen. Dass jedoch die Bürgermeisterin vor allem ihrem Fachbereichsleiter und außerdem dem Stadtjugendpfleger verbal oftmals den Vortritt ließ, fiel nicht nur mir negativ auf, wie ich nach mehreren Gesprächen inzwischen weiß. Da ist mehr Führung und Positionsbestimmung durch die Chefin gefragt, wenn sie denn schon auf dem Podium vertreten ist. Nicht nur ein „im Dialog den besten Standort finden“ und eine Vertrauensaussage, die beste Entscheidung für die Stadt zu finden. Zumal ihre Verwaltung das Gemeindezentrum favorisiert. Auch die – wenn man so will – einzige Politik-Vertreterin auf dem Podium, die Fachausschuss-Vorsitzende Margrit Cludius-Brandt (SPD), war an dem Abend verhalten in ihren Äußerungen und widerstand der Versuchung, die (viel zu) lange dauernde Standortsuche-Debatte zu geißeln, Verantwortliche dafür zu benennen und den Finger in die politische Wunde zu legen. Das mag richtig gewesen sein, weil es ja eine „Informationsverstaltung“ sein sollte. Von Politik erwarte ich aber noch vor der Entscheidung eine deutliche Positionierung. Wer hat was wann angekündigt, wer hat welchen Standort wann favorisiert? Vielleicht folgt diese politische Diskussion ja aber auch erst am 14. Mai in der Stadtratssitzung…

Emotion statt Information

Ein Podium mit sehr unterschiedlichem Redeanteil (v.l):

Ein Podium mit sehr unterschiedlichem Redeanteil vor interessierten Bürgern in der Neustädter Kirche (v.l): Moderator Dennie Klose, Fachbereichsleiter Albert Deike, Stadtjugendpfleger Henrik Probst, Haus-der-Jugend-Mitarbeiterin Kerstin Hillebrecht, Fachausschuss-Vorsitzende Margrit Cludius-Brandt, Polizeichef Peter Volkmar, Kirchenvorstand Thomas Borchert, Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek und Superintendent Heinz Behrends.

Wer nach einer zweistündigen Veranstaltung mit rund 180 Menschen und lebendiger Debatte ein Fazit ziehen möchte, muss sich seine Erwartungen vor Beginn des Abends bewusst machen. Und genau hier liegt meiner Meinung nach das Problem der als Informationsveranstaltung von Stadt und Kirche angekündigten Diskussion über das Gemeindezentrum am Sülbecksweg, das als möglicher neuer Standort für das Haus der Jugend (wieder) im Gespräch ist. Gab es Informationen? Neue, bisher unbekannte Fakten in der Diskussion Zukunftstandort Haus der Jugend? Selbst für diejenigen, die die seit fast eineinhalb Jahren dauernde, quälend lange Debatte auch nur teilweise verfolgen, tendierte der Informationsgehalt der Veranstaltung in der Neustädter Kirche gegen Null.

Die Fakten liegen längst auf dem Tisch, lange genug hat es ja gedauert, aber spätestens seit der Fachausschuss-Sitzung am 1. April ist alles bekannt (und für jeden nachlesbar), was für eine Entscheidung notwendig ist. Selbst die Erkenntnis, dass beide in Rede stehenden Lösungen in etwa gleich viel Geld kosten würden, ist so taufrisch nicht. Und dass viele Anwohner rund um das Gemeindezentrum am Sülbecksweg gegen eine gemeinsame Nutzung des Kirchengeländes durch die Jugendkirche Marie und das städtische Jugendzentrum Haus der Jugend sind, ist auch keine Erkenntnis dieses Abends, das konnte jeder in den vergangenen Tagen in den Leserbriefspalten bereits lesen. Man muss diese dort und gestern Abend angeführten Argumente nicht teilen, aber man muss sie zur Kenntnis nehmen.

Wie so manches in dieser Debatte war die Informationsveranstaltung gut gemeint, aber mehr leider auch nicht. Wenn ich Anwohner frühzeitig informieren will, wenn ich ihre Wünsche und Anregungen ernsthaft aufnehmen will, wie dies als Ziel des Abends gestern so noch einmal erklärt wurde, dann darf ich nicht erst dann zuhören, wenn der Fachausschuss bereits empfohlen und der Verwaltungsausschuss entschieden hat. Dann ist es zu spät, dann sind die (Vor-)Urteile gefasst. Jugend-Fachbereichsleiter Albert Deike gab denn auch zu, die Diskussion „ein Stückchen unterschätzt“ zu haben, eigentlich habe man gedacht, so der Verwaltungsmann, für das Stadtviertel etwas Positives zu schaffen, wenn man das Haus der Jugend an den Sülbecksweg in die Nähe der Jugendkirche Marie verlege.

Und wenn ich als VA doch noch eine Infoveranstaltung möchte, weil ich weiterhin den vom Fachausschuss schon beiseite geschobenen Standort im Rennen halten will (und um ein Alibi zu haben), dann doch bitte aber eine Diskussionsveranstaltung über die beiden, politisch aktuell noch zur Debatte stehenden möglichen Standorte: Sülbecksweg und Kohnser Weg. So hatte der Abend in der Neustädter Kirche eine Schieflage, die ein Fazit nicht erleichtert.

Großes Interesse hatten die Anwohner rund um das Gemeindezentrum am Sülbecksweg, rund 180 Menschen waren gestern in der Neustädter Kirche.

Großes Interesse hatten die Anwohner rund um das Gemeindezentrum am Sülbecksweg, rund 180 Menschen waren gestern in der Neustädter Kirche.

Wenn die Veranstaltung gestern Abend schon keine neuen Fakten geliefert hat, so hat sie Emotionen dokumentiert. Falls auch nur die Hälfte von dem richtig ist, was die sich zu Wort meldenden Anwohner vorgebracht haben, dann herrscht offenbar zwischen den Nachbarn und der Jugendkirche Marie nicht immer eitel Sonnenschein. Und hat die Kirche vor allem dringenden Handlungsbedarf, was die Fremdvermietung ihrer Räumlichkeiten anbetrifft. Dieses deutlich zu machen, war jedoch überhaupt nicht der Sinn der Veranstaltung. Und das hat auch mit dem Haus der Jugend nichts zu tun. Akzeptanz und Toleranz sind Bausteine für jede gute Nachbarschaft. Diese Bausteine müssen aber auf beiden Seiten verwendet werden: Jugendliche ausschließlich als Lärm-Faktoren zu sehen, ist schon eine ziemlich reduzierte Sicht der Dinge.

Für kein Ratsmitglied ist die Entscheidung am 14. Mai in der Sondersitzung leicht, das wurde mehrfach betont. Beide Standorte, die jetzt noch zur Wahl stehen, haben Vor- und Nachteile, auch das wurde mehrfach erwähnt. Vieles mag für die inhaltliche Verbindung von kommunaler und kirchlicher Jugendarbeit sprechen. Vieles mag für einen Standort in freier Lage mit Erweiterungspotenzial sprechen.

Wer hat den politischen Mut, gegen den geballten Anwohner-Zorn zu entscheiden?

Gemeindehaus als Chance?

Die Sache ist entschieden. Der Drops gelutscht. Dass der Fachausschuss für Jugend des Einbecker Stadtrates in seiner nächsten Sitzung am 1. April ohne Scherze mit Mehrheit die Zukunft des dem PS-Speicher weichenden Jugendzentrums Haus der Jugend im bisherigen Gemeindezentrum der Neustädter Kirchengemeinde St. Marien am Sülbecksweg suchen wird, ist klar, weil nach der ewig langen Debatte inzwischen längst die normative Kraft des Faktischen zugeschlagen hat. Über ein Jahr lang quälte sich die Standortsuche durch den Fach-Fachbereich im Rathaus, dann durften drei Monate die Bauexperten rechnen, und am Ende hatte die Politik nur noch drei Wochen Zeit, über etwas zu entscheiden, was imgrunde durch die vorgelegten Zahlen und Fakten entschieden war. Darüber ist hier schon ausreichend geschrieben worden. Im Bürgerinformationssystem der Stadt sind für die April-Fachausschuss-Sitzung (17 Uhr, Rathaushalle) jetzt alle Unterlagen hinterlegt worden, die im Rathaus entstandenen Überlegungen mit Zahlen, Plänen und Kosten können von jedem eingesehen werden.

Interessant wird nun am 1. April nur noch sein, wie sich die Fraktionen zu dem Thema positionieren werden. Und ob über alle Diskussionen der vergangenen Monate der politische Mantel des Schweigens gelegt wird. Oder ob das Haus der Jugend doch noch als Thema genutzt wird, politische Gefechte zu führen. Zwischen den Fraktionen und auch zwischen Politik und Rathaus(-Spitze).

Die SPD hat zwar bereits einmal aufgemuckt, aber im grunde nur zaghaft die Standortsuche kommentiert und das Handeln der Akteure im Rathaus kritisiert. Die CDU hatte sich früh auf einen Standort im Herzen der Stadt, an der Stadtbibliothek festgelegt, war dann offenbar (und ohne große öffentliche Kommentierung) zuletzt auf eine Variante am Baudenkmal Walkemühle umgeschwenkt, die aber nicht finanzierbar scheint. Ich bleibe auch dabei: Die Stadtbibliothek mit einem Anbau wäre die optimalste Lösung gewesen. Bücherei und Haus der Jugend hätten gemeinsam das Jugendzentrum in Einbeck werden können. Die für eine solche Lösung notwendigen Steine, die vorher aus dem Weg geräumt hätten werden müssen, wären nicht unüberwindbar, wenn es dafür Zeit gegeben hätte. Davon bin ich fest überzeugt.

Wenn es denn nun das Gemeindehaus der Neustädter Kirchengemeinde St. Marien wird, dann sollten alle Beteiligten sich langsam, aber sicher damit anfreunden, diese Variante als Chance zu begreifen. Als inhaltliche Möglichkeit, Jugendarbeit ganz neu zu denken, vielleicht Vorreiter zu sein. Kirchliche (Jugendkirche Marie) und kommunale (Haus der Jugend) Jugend wären dort nicht nur räumliche Nachbarn, sondern Partner bei der sinnvollen Freizeitgestaltung für junge Menschen in Einbeck. Dass darauf die Kirche großen Wert legt und sogar ihren Kaufpreis für das Gemeindezentrum spürbar senkt, ist abseits aller pädagogischer Lyrik (AngebotKirchenkreisLeine-Solling) ein unmissverständliches Zeichen, dass die Hand der Einbecker Kirchengemeinde und des Kirchenkreises Leine-Solling ausgestreckt ist.

Was in jedem Falle aber bleibt, ist ein fader Nachgeschmack, dass diese (und nur diese) Lösung am Sülbecksweg mit 100.000 Euro von interessierten Dritten bezuschusst wird.