Was man tut oder besser lässt

Was darf man tun, wenn man krank ist, wenn man im Job fehlt – und was nicht? Was schon bei “normalen” Arbeitnehmern oftmals schwierig zu beurteilen ist, vor allem für Außenstehende, wird bei öffentlichen Personen wie einer Bürgermeisterin nicht einfacher. Ist ein Herbstspaziergang förderlich für die Gesundheit? Oder nicht? Hier lernt jeder auch jeden Tag hinzu, auch Bürgermeisterinnen. Und auch, wenn niemanden konkret die Erkrankung als Grund der beruflichen Pause angeht, entscheidend ist bei solchen Dingen imgrunde die erzielte Wirkung – der Eindruck, der bei anderen entsteht. Um den soll’s hier gehen.

Screenshot 29.09.2013.

Screenshot 29.09.2013.

Denn ein Foto, gepostet am 29. September auf der Facebook-Seite des damaligen CDU-Landratskandidaten Dr. Bernd von Garmissen, hat bei manchen durchaus für Irritationen gesorgt. Es zeigt Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek neben Dr. Bernd von Garmissen mit dessen Wahlkampf-Smart mitten auf dem Einbecker Marktplatz. Von Garmissen kommentiert das Foto “mit gegenseitigen guten Wünschen”. Beide sind CDU-Mitglieder, das ist bekannt. Und dass der eine gute Besserung, die andere viel Erfolg bei der Stichwahl wünscht, ist nicht überraschend und auch nicht der springende Punkt. Der ist, dieses zufällige Treffen bei blauem Himmel und Sonnenschein fotografisch festzuhalten – und vor allem, es aktuell zu posten. Denn die Bürgermeisterin war nun einmal krankheitsbedingt nicht im Dienst. Es zählt der Anschein, der entstehende Eindruck für einen unbedarften Betrachter.

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek sieht in dem Foto, das sie – zugegeben – nicht selbst veröffentlicht hat, indes kein Problem. Sie würde das auch wieder machen, sagte sie mir. Denn entstanden sei die Situation am Sonnabend Vormittag, als sie für einen Tag aus der Reha zuhause sein durfte. “Es ging mir gut und tat mir gut, mal wieder in Einbeck über den Marktplatz zu gehen.” Da sei man sich über den Weg gelaufen, habe natürlich miteinander gesprochen. Und dabei sei dieses Foto entstanden.

Was also ist richtig, was falsch? Eigentlich kann das nur der bzw. die Betroffene selbst entscheiden. Aber sollte dabei auch immer eine potenzielle Wirkung im Auge behalten.

Nicht nur, dass einige Ratsmitglieder und selbst Fraktionsvorsitzende offenbar erst aus den Medien erfahren haben, dass die Bürgermeisterin ihre Amtsgeschäfte im Rathaus wieder aufgenommen hatte. Für Irritationen soll bei einigen ebenfalls gesorgt haben, dass sich die Bürgermeisterin als ersten offiziellen Termin nach mehrwöchiger krankheitsbedingter Abwesenheit ausgerechnet einen über zehn Stunden dauernden Tripp mit dem Zug auf den Brocken zum Winterbockbier-Anstich ausgesucht hat.

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