Modell-Magazin

Doris Schröder-Köpf. Foto: SPD

Doris Schröder-Köpf. Foto: SPD

Die Zusage des Eröffnungsgastes zeigt die Bedeutung, die über die Tatsache von zwei schlichten Magazinräumen im Einbecker Stadtarchiv deutlich hinaus geht: Doris Schröder-Köpf, die Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, wird zur Einweihung am 15. Juni in Einbeck erwartet. Im Anschluss an die Einweihung ist ein Austausch von Betreuern von Heimatsammlungen geplant. Die bisherigen Aufgaben des Landesbeauftragten für Spätaussiedler und Heimatvertriebene werden von der 50-jährigen SPD-Landtagsabgeordneten als Teilbereich ihres neuen, ehrenamtlichen Aufgabenspektrums mit übernommen.

Für rund 56.000 Euro wurden auf dem Dachboden des Museums- und Archives zwei Räume geschaffen, die die Überlieferung ostdeutscher Vertriebener und Flüchtlinge, zunächst vor allem aus dem schlesischen Patschkau, dauerhaft sichern und auch der Forschung eröffnen sollen. Finanziert wird die Summe vor allem durch das Land Niedersachsen, den Heimatverein Patschkau und Umgebung sowie die Kultur- und Denkmalstiftung des Landkreises Northeim. Der Heimatverein wird sich altersbedingt in naher Zukunft auflösen und ist seit 2010 bestrebt und in Verhandlungen, die umfangreiche Sammlung (bisher zum großen Teil im Privathaus des Vorsitzenden Leo Schiller archiviert) der Nachwelt zu erhalten.

Im Einbecker Stadtmuseum gibt es bereits seit 2007 einen Ausstellungsteil über Patschkau (Video), seit 2011 wird, gespeist aus einem Erinnerungsprojekt mit ehemaligen Schlesiern und Gymnasialschülern, unter dem Titel „Angekommen – Aufgenommen. Die Integration der ehemaligen Schlesier in Einbeck“ die Erinnerung an die Ankunft und die Veränderung der Stadt durch die umfangreiche Zuwanderung thematisiert.

Ich kann es nur begrüßen, dass die Landesregierung das Konzept verfolgt, die Erinnerungskultur am Ort der neuen Heimat zu belassen. Denn in der Tat ist es so, dass Schüler über die eigene Familiengeschichte einen leichteren Zugang zur Nachkriegsgeschichte bekommen können. Diejenigen, die nach dem Zweiten Weltkrieg beispielsweise aus Schlesien nach Einbeck kamen, haben die Stadt mit aufgebaut und zu einer wirtschaftlich starken Stadt gemacht, sind eine bis heute prägende Bevölkerungsgruppe und gehören nach 60 Jahren längst zu eingesessenen Einbecker Familien, aus denen bis vor wenigen Monaten zum Beispiel der Einbecker Bürgermeister (Ulrich Minkner) stammte. Es ist gut, dass die Sammlung in Einbeck nicht wie andersorts verloren geht, das sollte Modellcharakter haben.

Seit 1954 besteht eine Patenschaft der Stadt Einbeck mit den ehemaligen Einwohnern der schlesischen Stadt Patschkau (Heimatverein für Patschkau und Umgebung e.V.). Seit 1992 wird sie ergänzt durch eine Partnerschaft mit der heutigen polnischen Stadt Paczkòw.

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