Start des Modellprojekts „Öffnen mit Sicherheit“ wird zunächst verschoben

Die Stadt Einbeck muss den für den 17. April geplanten Start der testbasierten Öffnung der Innenstadt verschieben. Das sagten Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek und die Geschäftsführerin der Einbeck Marketing GmbH, Anja Barlen-Herbig, heute in einem Online-Pressegespräch. „Wir bedauern das, sind aber vorbereitet und hätten am Sonnabend guten Gewissens starten können“, sagte Michalek. Die Landesregierung hatte sich am Sonntag Abend mit den kommunalen Spitzenverbände darauf verständigt, mit dem Beginn der Modellprojekte in Niedersachsen noch zu warten, bis die geplanten bundeseinheitlichen Regelungen im neuen Infektionsschutzgesetz umgesetzt sind. Davon war auch Einbeck am Sonntag überrascht worden, räumte die Bürgermeisterin ein. Klar sei aber unter den Modellkommunen gewesen, entweder gemeinsam zu starten oder eben nun gemeinsam noch nicht zu beginnen. Bei dem Vorhaben seien immer die Vorsicht auf der einen Seite und die Perspektiven auf Öffnung, auf die viele Einzelhändler und Gastronomen seit Monaten warten, auf der anderen Seite abzuwägen.

Einbecker Marktplatz mit Historischem Rathaus und Eulenspiegelbrunnen.

Bei den zurzeit in Berlin diskutierten neuen bundeseinheitlichen Regelungen geht es im Bezug auf die Modellkommunen im Kern um die Grenze des Inzidenzwertes, ab dem ein Modellversuch abgebrochen werden müsste. Diese liegt jetzt bei 100, im Landkreis Northeim gab es am Montag einen Sieben-Tage-Inzidenzwert von 54,4. „Wenn wir mit dem Öffnen beginnen, dann wollen wir auch drei Wochen durchziehen“, sagte die Bürgermeisterin. Der Ministerpräsident wolle sich jetzt für einen Sonderregelung für Modellkommunen im Infektionsschutzgesetz einsetzen. Das bleibe nun abzuwarten. Wie lange der Start in allen Modellkommunen verschoben werden müsse, lasse sich aktuell nicht sagen, erklärte Michalek.

„Wir hoffen, dass die Inzidenzwerte jetzt nicht weiter hochgehen“, sagte die Bürgermeisterin. „Wir müssen und wollen auch vorsichtig sein, die Gesundheit der Bevölkerung nicht gefährden und das Gesundheitssystem nicht überlasten.“ Ziel bleibe allerdings, möglichst rasch mit dem Modellprojekt „Öffnen mit Sicherheit“ in Einbeck beginnen zu können und wissenschaftlich begleitet durch Medizinische Hochschule Hannover und Helmholtz-Institut Braunschweig Erkenntnisse zu gewinnen, wie die Rückkehr zur Normalität trotz Corona gelingen könne.

Einbeck beschäftigt sich seit Anfang März mit dem Modell-Projekt und freute sich über den Zuschlag als Modellkommune in der ersten Runde. Entsprechend „schweren Herzens“ habe man jetzt zunächst erstmal gestoppt, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek heute. Sie dankte allen Beteiligten für die intensiven Vorbereitungen, bei denen viele Details zu beachten gewesen seien. „Das muss man im Kopf mehrmals durchdenken und sieben Nächte drüber schlafen.“

„Es steckt viel Vorbereitung nicht nur bei der Stadtverwaltung und bei Einbeck Marketing in dem Projekt“, sagten Michalek und Barlen-Herbig. Auch die Unternehmen, Betriebe, Kultureinrichtungen und der Betreiber einer geplanten privaten Teststation hätten in den vergangenen Wochen viel Vorbereitungsarbeit geleistet. Einbeck Marketing wird bei dem Modellprojekt das Marketing mit einer Werbekampagne übernehmen und auf verschiedenen Kanälen den Menschen erläutern, wie das Modellprojekt funktioniert, sagte Anja Barlen-Herbig.

Antworten auf häufige Fragen

In welchem Gebiet soll das Modellprojekt stattfinden?

Vereinfacht gesagt umfasst das Projektgebiet die unmittelbare Innenstadt: Vom Ostertor, Neuen Markt, Lange Brücke bis zur Altendorfer Straße/Marktstraße/Maschenstraße, Auf dem Steinwege und einen schmalen Bereich westlich der Tiedexer Straße, um den PS-Speicher mit seiner Halle und das Hotel Freigeist einzubeziehen. Im abgegrenzten Bereich liegt ein guter Querschnitt an Einzelhandelsgeschäften, Gastronomiebetrieben, Fitnessstudios, größere und kleinere Museen, Galerien, eine Veranstaltungshalle und ein Kino. Auch Konzerte im Alten Rathaus sind Teil des Konzeptes. Das Gebiet wird nicht abgesperrt, aber erkennbar ausgeschildert und es finden dort durch die Ordnungsdienste regelmäßige Kontrollen statt. Es ist nicht möglich, mehr als ein zusammenhängendes Gebiet auszuweisen. „Ich hätte sonst gerne auch noch Kreiensen einbezogen“, sagte die Bürgermeisterin.

Wer will teilnehmen?

Grundsätzlich können alle Betriebe des Einzelhandels, der Außenbewirtschaftung von Gastronomie, der Kultur (Kino, Galerien, Museen, Kulturzentren) und des Fitnessbereichs teilnehmen. Die Betriebe schließen eine schriftliche Selbstverpflichtung mit der Stadt Einbeck ab, sich an bestimmte Regeln zu halten und zu dokumentieren. Von rund 70 Betrieben, die sich im geplanten Gebiet am Modellprojekt beteiligen könnten, haben sich bereits 21 angemeldet. Weitere Interessenten können sich weiterhin bei der Wirtschaftsförderung im Rathaus anmelden. Einzelhändler, die aktuell das System „Click & Meet“ nutzen und im Projektgebiet liegen, können dies weiterhin nutzen, können aber nicht gleichzeitig auch am Modellversuch teilnehmen.

Wie läuft ein Besuch für die Kunden ab?

Besucher von Betrieben im Modellgebiet müssen einen negativen, personalisierten Schnelltest vorlegen, dessen Ergebnis nicht älter als zwölf Stunden sein darf. Im Stadtgebiet werden dafür mehrere Teststationen eingerichtet, einige sind auch bereits vorhanden, zum Beispiel in der BBS Einbeck oder in Apotheken. Im ehemaligen Modegeschäft hinter der Marktkirche will ein privates Start-Up-Unternehmen aus Hamburg ein Testzentrum einrichten. Die Schnelltests sind für die Besucher kostenlos. Nach Lesart der Modellkommunen bietet das Infektionsschutzgesetz „mindestens einen Bürgertest wöchentlich, sofern die Kapazitäten zur Verfügung stehen“. Das ist laut Stadt Einbeck mit den verschiedenen Testzentren gegeben, die Betonung im Gesetz liegt auf „mindestens“. Über die negativen Schnelltest-Ergebnisse erhalten die Besucher ein Ticket auf Papier, das in den beteiligten Betrieben am Zugang kontrolliert werden muss.

Wie werden die Kontakte nachverfolgt?

Besucher von teilnehmenden Betrieben im Projektgebiet müssen aus Gründen der Kontaktnachverfolgung die Luca-App auf ihrem Smartphone nutzen, mit der sie sich einchecken können. Neben der App gibt es auch bald einen Schlüsselanhänger mit dem notwendigen QR-Code. Als digitales System zur datenschutzrechtlich zulässigen Verarbeitung von personenbezogenen Daten und deren Übermittlung an das Gesundheitsamt des Landkreises Northeim kommt diese Handy-App zum Einsatz. Seit dem heutigen Montag haben die Gesundheitsdienste des Landkreises Northeim das notwendige Zertifikat der Luca-App vorliegen. „Danke an alle Verantwortlichen beim Landkreis Northeim, dass dieser wichtige Baustein des Modellprojektes so schnell umgesetzt werden konnte,“ sagte die Bürgermeisterin.

Wie läuft das Modellprojekt ab?

Die aktuellen Planungen sehen – sobald es losgehen kann – eine Öffnung in zwei Stufen vor: In der ersten Woche dürfen nur Personen, die ihren Wohnsitz im Landkreis Northeim haben oder gemeldete Gäste im Landkreis Northeim sind, an dem Modellversuch teilnehmen. Ab der zweiten Woche auch Personen, die ihren Wohnsitz in den angrenzenden Landkreisen Holzminden, Göttingen, Hildesheim und Goslar haben – wenn deren Inzidenzen nicht höher sind als die Inzidenz im Landkreis Northeim.

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