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Einbecks erste Fahrradstraße am Neuen Markt eröffnet

Foto: Frank Bertram

Einbecks erste Fahrradstraße ist seit heute eingerichtet – und schon bei der offiziellen Eröffnung und ersten wenigen Gesprächen mit Anliegern wurde deutlich, wie emotional dieses Thema diskutiert werden kann. Sobald sich eingeübte Verkehrswege verändern, stehen immer Routinen und Gewohnheiten auf dem Spiel, die unter Umständen überdacht werden müssen. Das verursacht Unsicherheit und Ungewissheiten. Die Herausforderung wird jetzt sein, im kommenden halben Jahr der Testphase diese Diskussion professionell zu moderieren und dabei Grautöne zu Wort kommen zu lassen. Denn: Weder hat jeder Fahrradfahrer immer zu 100 Prozent Recht noch ist dies bei Autofahrern so. „Wir hoffen auf eine gute Akzeptanz“, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek zur Eröffnung.

Eröffneten Einbecks erste Fahrradstraße: Vertreter der Arbeitsgruppe Nahmobilität.

Eine Arbeitsgruppe Nahmobilität, bestehend aus Verwaltung, Politik und weiteren Beteiligten (Polizei, Freiwillige Feuerwehr, Verkehrswende-Initiative, Verkehrswacht, ADFC) hat den Neuen Markt für die Testphase ausgesucht und befürwortet – formal beschlossen wurde die Fahrradstraße von der gewählten Politik nur indirekt (im November 2022), als diese allgemein grünes Licht für Maßnahmen aus dem Nahmobilitätskonzept gab und das später im nicht-öffentlich tagenden Verwaltungsausschuss bestätigt wurde. Eine dieser Maßnahmen ist eine Fahrradstraße. „Wir haben eine Straße mit hoher Akzeptanz gesucht“, sagte Michalek. Dass der Neue Markt auch vorher bereits entgegen der Einbahnstraße von Radfahrern befahren werden konnte, erleichtert unter Umständen die Probephase. Der Test läuft bis zum Jahresende zunächst als so genannte Lernphase. „Die Fahrradfahrenden bestimmen das Tempo“, sagte Michalek. Aus den gesammelten praktischen Erfahrungen und Erkenntnissen sollen sich laut Stadtverwaltung dann weitere Schritte und Maßnahmen ergeben.

An der Einmündung der Wolperstraße auf den Neuen Markt wurde (für Autofahrer) die Richtung der Einbahnstraße umgedreht.

Durch die Einrichtung der Fahrradstraße ändert sich die Verkehrsführung der an den Neuen Markt angrenzenden Straßen:

Ursprünglich sollte auch in der Hohen Münsterstraße die Fahrtrichtung für Autofahrer umgekehrt werden, davon hat die Stadt auf den letzten Metern jedoch Abstand genommen.

Ein Banner über dem Neuen Markt soll auf die veränderte Verkehrsführung aufmerksam machen.

Durch die Kennzeichnung als Fahrradstraße wird die Fahrbahn ausdrücklich dem Radverkehr zur Verfügung gestellt. Hier haben Radfahrende Vorrang und dürfen auch nebeneinander fahren. Autos, Motorräder, Busse und Lkw dürfen die Fahrradstraße zwar befahren (deshalb das Zusatzschild unter „Fahrradstraße“), müssen sich aber unterordnen. Der Radverkehr dürfe weder gefährdet noch behindert werden, heißt es aus dem Rathaus. Spannend wird sein, wie Verkehrssituationen ganz praktisch gelöst werden, wenn z.B. einem den Neuen Markt in Richtung Möncheplatz fahrenden Stadtbus zwei oder drei nebeneinander radelnde Radfahrer an der Engstelle Kanalstraße entgegen kommen. Hier wurde zwar die Situation der Parkplätze so verändert, dass die Straße breiter geworden ist. Ob das Konflikte zwischen unterschiedlich kräftigen Verkehrsteilnehmern auflöst, bleibt zu beobachten.

Es gilt auf der neuen Fahrradstraße eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometer (übrigens auch für E-Bikes oder Lastenräder). Allerdings galt auch bislang schon Tempo 30. Über der Einfahrt in die Fahrradstraße am Ostertor ist ein Banner aufgehängt, das auf Einbecks erste Fahrradstraße und die geänderte Verkehrsführung hinweist. Ein Faltblatt sollte vergangene Woche in den Briefkästen der betroffenen Anwohner rund um den Neuen Markt landen. Heute stellte sich heraus, dass dieser Flyer offenbar nicht überall ankam.

Hinweis: Der Autor dieses Blogs wohnt in dem Stadtviertel und ist damit von der Änderung der Verkehrsführung unmittelbar betroffen.

(c) Stadt Einbeck
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