Kunst im Park

(c) Foto: Frank Bertram

Der Stukenbrokpark, einst von Kommerzienrat August Stukenbrok der Stadt Einbeck geschenkt mit der Auflage, das Grundstück an der einstigen Bahnhofstraße nie (mit Gebäuden) zu bebauen, wird nach seiner gärtnerischen Neugestaltung zum Kunstpark. Neben der bereits seit 2022 auf dem Areal positionieren Skulptur „1 und 1“ sollen nun auch die Fahrrad-Skulptur von Henry Schwerdtfeger sowie eine Sertürner-Büste in dem Park an der Stadtbibliothek aufgestellt werden.

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Sertürner-Bronzebüste von Ilsedore Peters-Sertürner 1942, gefertigt nach Fotos, die 1917 bei der Öffnung des Sarges von dem mumifizierten Leichnam des Morphium-Erfinders gemacht worden waren. Foto: Stadt Einbeck

Um Friedrich Wilhelm Sertürner (1783-1841) stärker ins öffentliche Bewusstsein zu holen, hat eine Initiativgruppe um Stefan Jentsch (aktueller Präsident des Lions-Club Einbeck) und Elke Heege (Vorsitzende des Einbecker Geschichtsvereins) der Stadt vorgeschlagen, eine Büste des Morphium-Entdeckers im Stukenbrokpark aufzustellen. Dabei soll auf eine bereits vorhandene Bronze-Büste aus dem Bestand des Stadtmuseums zurückgegriffen werden. Diese Büste soll am Parkeingang zum Fußweg an der Dr.-Friedrich-Uhde-Straße, wo die Sertürnerstraße beginnt, auf einer kleinen gepflasterten Fläche auf einem etwa 1,40 Meter hohen quaderförmigen Sockel platziert werden. Ergänzend zur Büste soll eine Erklärungstafel aus Aluminium auf einem Edelstahlgestell mit Informationen und Abbildungen zu Sertürner und seiner Zeit in Einbeck aufgestellt werden, die dem Muster der bereits in der der Stadt mehrfach vorhandenen Tafeln entspricht, beispielsweise über „Unternehmer und Mäzene“ direkt an der Bibliothek. Der Lions-Club und der Einbecker Geschichtsverein haben angekündigt, die Kosten für den Sockel und die Beschriftungstafel vollständig zu übernehmen; eine Summe wurde dabei nicht genannt. Friedrich Wilhelm Sertürner wurde nach seinem Tod 1841 nach Einbeck überführt und in der Bartholomäus-Kapelle (auch Sertürner-Kapelle genannt) vor dem Altendorfer Tor im Familiengrab der Familie von Wernher (Geburtsname seiner Frau) bestattet. Am Standort der ehemaligen Rats-Apotheke an der Langen Brücke wird bereits durch eine Gedenktafel auf Sertürner und sein Wirken in Einbeck hingewiesen, außerdem ist seit 1911 die frühere Molkereistraße nach ihm benannt. Eine weitere Sertürner-Büste steht vor dem Eingang zum Einbecker Krankenhaus.

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Erläuterungstafel am Rande des Stukenbrokparks.

Nach langen, intensiven Diskussionen scheinen Standort und Aufstellungsweise für die Fahrrad-Skulptur des Künstlers Dirk Höller nach einem Entwurf des verstorbenen Goetheschülers Henry Schwerdtfeger nun gefunden. Bei einem Ortstermin Ende April wurde entschieden, das Kunstwerk auf der großen Wiese an der Einmündung des Weges von der Stadtbibliothek zum Hauptweg (zwischen Ostertor und Busbahnhof) auf einem 1,80 Meter hohen zylinderförmigen Metallwand-Sockel mit tragendem Betonkern aufzustellen. Weil die Gesamthöhe von Skulptur und Sockel bei etwa fünf Metern liegt, ist eine Baugenehmigung erforderlich, außerdem zunächst ein Gutachten zur Statik. Der Verwaltungsausschuss hat Ende April beschlossen, für das Projekt Fahrradskulptur im Stukenbrokpark Dirk Höller für die Planungs- und Statikerleistungen bis zu 10.000 Euro zur Verfügung zu stellen. Sobald die Unterlagen vom Künstler vorliegen, wird der Bauantrag vorbereitet, eingereicht und durch die Bauaufsicht geprüft. Die Gesamtkosten für die Skulptur werden mit 25.000 Euro angegeben. Hinzu kommen weitere Kosten für den Betonkern des Sockels und für Arbeiten zur Aufstellung der Skulptur. Im Haushalt sind die vom VA bewilligten maximal 10.000 Euro bereits eingeplant. Die Sparkasse Einbeck hat darüber hinaus weitere 10.000 Euro aus der Walter- und Waltraut-Schmalzried-Stiftung innerhalb der Bürgerstiftung Einbeck fest zugesagt. Weitere Spenden sind angekündigt, müssen aber noch vom Stadtrat angenommen werden.

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Stukenbrokpark mit der 2022 errichteten Skulptur „1 und 1“ von Hartmut Stielow, im Hintergrund die Stadtbibliothek.
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Ihn zu finden ist mühsam: der zugewachsene, verwitterte Gedenkstein für den Stifter des Parks, August Stukenbrok. Zustand am 9. Juni 2024.

Nachtrag 12.06.2024: Die CDU-Ratsfraktion, die sich ebenfalls an dem zugewachsenen, verwitterten Stukenbrok-Gedenkstein gestört hatte, hat auf Nachfrage aus dem Rathaus mittlerweile erfahren, dass der Bauhof den Stein in diesen Tagen – wie regulär üblich – freischneiden wird und den Gedenkstein mit Seifenlauge reinigt. Dieser Bereich des Stukenbrokparks soll ohnehin noch umgestaltet werden (letzter Bauabschnitt der Park-Neugestaltung). Die Knallerbsen und die Brombeeren, die den Stein regelmäßig zuwuchern sowie einige überalterte Koniferen sollen im Rahmen der Unterhaltung vom Bauhof gerodet und alles neu bepflanzt werden (Sichtschutz- und Solitärgehölze sowie flächige Staudenmischpflanzung mit Rindenmulch). Dann soll auch der Gedenkstein von einem Fachbetrieb aufgearbeitet und eventuell näher an den Weg umgesetzt sowie die Fläche neu befestigt werden.

Nachtrag 13.06.2024: Der Stukenbrok-Gedenkstein ist erkennbar geputzt und freigeschnitten worden, nun ist es nicht mehr so mühsam, den Stein für den Stifter des Parks zu finden. Und er ist wieder gut lesbar.

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Jetzt wieder gut zu lesen. 1966 wurde der Gedenkstein gesetzt.
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Freigeschnitten und geputzt: der Stukenbrok-Gedenkstein. Zustand am 13. Juni 2024.

3 Kommentare zu „Kunst im Park

  1. Ihn zu finden ist mühsam: der zugewachsene, verwitterte Gedenkstein für den Stifter des Parks, August Stukenbrok …
    Genau das ist der Punkt, den wir auch schon bedauert haben. Es sollte uns nicht zu teuer oder zu schwierig sein, unsere Gedenksteine und Skulpturen mit einfachen Mittel wie Erreichbarkeit über schmalen Plattenweg und Heckenscherenschnitt jederzeit touristisch attraktiv zu halten.

  2. Viel Chichi ist was Einbeck kann, dazu immer wieder viel Archäologie und Denkmalschutz; wenig echte Bürgerbeteiligung, wenig Fokussierung und wenig Planungs- und Umsetzungskompetenz. Mit den schlechtesten kommunalen Finanzen im Landkreis, aber die Großen als Maßstab, verliert Einbeck den Anschluss bei Zukunftsthemen durch selbstgemachte Langsamkeit und Bürokratie und wird von der eigentlichen „Peergroup“, den anderen Kommunen im Landkreis, pragmatisch überholt und abgehängt.
    P.S.
    Unter touristischen Aspekten gehört die Sertürnerbüste vor das Sertünerhaus in die Fussgängerzone, dort sind Touristen interessiert und dankbar, wenn man sie auf das Schild am Sertürnerhaus hinweist.

  3. Ich kann nur sagen, richtig,was hier gesagt wird, Büste vor das Haus. Und die Fahrradskulptur ist fein, aber die Vorgehensweise wieder überdimensoniert. Ginge auch eine Etage kleiner, aber nicht in Einbeck. Vor Allem Auflagen, Auflagen und Absicherungen, lachhaft. Kosten natürlich immer außer Plan. Gibt ja genug Spender?! Und dieser Roststein, Kunst? Naja. Ich weiß, dies durfte ich eigentlich nicht schreiben, aber ich finde, es ist ein Stein des „Anstoßes“

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