Fünf Jahre waren seit dem bis dato letzten Sommerempfang in Einbeck vergangen. Höchste Zeit also, in diesem sommerlichen Rahmen in der Rathaushalle allen Danke zu sagen, die sich in verschiedensten Ehrenämtern freiwillig und unentgeltlich für andere und für die Gesellschaft engagieren. Rund 120 Menschen waren der Einladung gefolgt. Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek verband mit dem Dankeschön der Stadt Einbeck aber auch einen Appell: „Ich wünsche mir mehr Achtsamkeit in der Wortwahl und mehr Respekt vor dem jeweiligen Gegenüber in der politischen Auseinandersetzung.“ Im alltäglichen Umgang seien Verständnis, Toleranz und Offenheit wichtige Werte. Begegnungen und Gespräche untereinander seien hilfreich, auch deshalb solle es den Sommerempfang künftig wieder regelmäßig geben, sagte Michalek. Und dann sollen dort auch wieder konkret Menschen gewürdigt werden, „die im Ehrenamt Verantwortung für ihre Nächsten und die Gesellschaft übernehmen und damit ihre Haltung durch Mitmenschlichkeit und Solidarität klar zum Ausdruck bringen“, wie es Michalek formulierte. In diesem Jahr gab es keine namentlichen Ehrungen mit der Silbernen Ehrennadel der Stadt Einbeck, die muss der Stadtrat zuvor beschließen. Die Bürgermeisterin warb für die Ehrenamtskarte, die ein kleines Danke fürs Engagement sein könne, bislang 134 Karten habe die Stadt ausgeben können, weitere seien gerade in der Prüfung.
Statt Ehrungen nannte die Bürgermeisterin beispielhaft einige Projekte und Menschen und betonte, dass diese stellvertretend für alle anderen stehen würden. Jeder Einzelne, der oder die sich ehrenamtlich engagiere, sei eine Säule in einer demokratischen Gesellschaft. Und wenn man zwischen diesen Säulen ein Seil spannen würde, dann würde ein dicht gewebtes, stabiles Netz sichtbar, das die Gesellschaft stütze und halte. „Wer sich für andere engagiert, der entscheidet sich jeden Tag neu fürs Miteinander, der entscheidet sich für eine Haltung der Verantwortung gegenüber seinen Mitbürgerinnen und Mitbürgern“, würdigte die Bürgermeisterin. In der Vergangenheit habe man erleben können, dass das Vertrauen in das Engagement füreinander nicht enttäuscht werden, wenn Not herrsche. Michalek: „Gerade in Krisenzeiten zeigt sich zuverlässig, wie hilfsbereit und zugewandt unsere Gesellschaft ist.“ Die Pandemie nannte sie beispielhaft, ebenso das jüngste Weihnachtshochwasser.
Nicht die Ellenbogen seien wichtige Körperteile, sondern Herz und Verstand. Ohne engagierte Menschen mit Tatkraft und den Blick für den anderen würde das Land kulturell veröden, sagte Michalek. „Mit Kultur meine ich dabei nicht nur Musik oder Theater. Es gibt ja auch eine Kultur des menschlichen Miteinanders. Ein Land, in dem diese Kultur nicht mehr gepflegt wird, wünsche ich mir nicht.“ Es vergehe leider kaum ein Tag, an dem nicht irgendwo in Deutschland Polizisten oder Rettungskräfte angepöbelt oder gar tätlich angegriffen werden. Gleiches gelte inzwischen für Bürgermeister, Stadt-, Gemeinde- und Ortsräte oder Verwaltungsmitarbeiterinnen und Verwaltungsmitarbeiter. „Das macht mir Sorgen“, sagte Michalek.
Die Tonalität untereinander insbesondere in sozialen Netzwerken habe sich verändert, Hassparolen und Hetzkommentare seien alltäglich geworden, kritisierte die Rathauschefin. Gerade populistische Kräfte bauten ihre Politik auf vereinfachten Sachverhalten und dem Hass gegenüber einer Minderheit auf. Populisten nutzten gezielt Metaphern, um sich bei den Zielpersonen im Bewusstsein zu platzieren. Mit diesem so genannten Framing solle das Handeln einer Gesellschaft und des Einzelnen beeinflusst werden. Es mache eben einen Unterschied, ob man das Glas als halbvoll oder halbleer beschreibe, ob man von Geflüchteten spreche oder von hereinbrechenden Flüchtlingsströmen. Michalek: „Es macht auch einen Unterschied, ob ich ein Bauprojekt mit ‚Neugestaltung eines Stadtplatzes‘ beschreibe oder als ‚Millionengrab‘ und ‚Bausünde‘, es macht einen Unterschied, ob ich eine Abstimmung im Rat beschreibe als ‚mit Mehrheit abgelehnt‘ oder als ‚abgebügelt‘.“ So genannte Wahrheiten in der Politik könnten mit Metaphern geschaffen werden, die das individuelle und gesellschaftliche Handeln bestimmten, warnte sie. „Wir alle, besonders wir, die in politischer Verantwortung stehen, sollten uns über die Wirkung von Sprache bewusst sein.“
„Ich will nicht Konformismus oder dem Abschaffen politischer Auseinandersetzung und Diskurs den Weg bahnen“, betonte die Bürgermeisterin beim Sommerempfang. „Ich wünsche mir jedoch mehr gegenseitige Achtung der Argumente für und wider, das Zuhören und das Lesen von Sitzungsunterlagen im Vorfeld und eine inhaltliche Auseinandersetzung damit.“


Die sachliche Auseinandersetzung in der Politik ist ein Wunsch , dennoch darf die Beziehungsebene und Themenzentrierte Interaktion (TZI) nicht ganz ausgeblendet werden. Zur Politik gehören immer Vereinfachung und Zuspitzung, insbesondere mit Blick auf die Unterscheidbarkeit. Die bloße Konzentration auf Verwaltungsvorlagen wird der Rolle der Kommunalpolitik nicht gerecht.
Denn sie ist das Bindeglied zwischen Verwaltung und Bevölkerung. Natürlich hört die politische Auseinandersetzung dort auf, wo es in das Persönliche, Verunglimpfungen und zu Beleidigungen übergeht. Aber Bewertungen und Vereinfachungen sind in der Kommunikation mit der Bevölkerung legitim und notwendig. Und die sozialen Medien leisten ihren Beitrag dazu, denn leider wird auch viel in etablierten Medien ausgeblendet.