Die Christdemokraten im Landkreis Northeim benötigten kaum eine halbe Stunde, um ihren Kandidaten für die Landratswahl im kommenden Herbst aufs Schild zu heben. Emotionale Regungen im Saal werden selbst wohlmeinende Beobachter kaum attestieren können, es war eher eine kühle Kandidatenwahl. Thorsten Kühn aus Echte stand als einziger Bewerber zur Verfügung. Die im Gasthaus Tappe in Opperhausen anwesenden 57 CDU-Mitglieder wählten den 58-Jährigen mit 56 Ja-Stimmen, es gab eine Nein-Stimme. Artigen Applaus, keine Blumen oder sonstigen Präsente, dafür aber Glückwünsche per Handschlag erhielt Kühn, nachdem er die Wahl nach Bekanntgabe der 98,25-Prozent-Zustimmung ohne große Regungen angenommen hatte. Als erster gratulierte CDU-Landtagsabgeordneter Christian Frölich aus Duderstadt, dann folgte CDU-Kreisvorsitzender David Artschwager, der Kühn selbst vorgeschlagen hatte. Später folgten weitere Gratulanten, unter anderem Kreisbrandmeister Bernard Krzepina.

„Unser Landkreis Northeim braucht frischen Wind, unternehmerisches Denken und den Mut, neue Wege zu gehen“, sagte Thorsten Kühn bei seiner achtminütigen Vorstellungsrede. Fragen an den Kandidaten aus der Versammlung gab es keine. Thorsten Kühn ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Er sei kein Berufspolitiker, engagiere sich aber seit Jahren im Ortsrat, im Gemeinderat und im Kreistag, sagte der Echter. „Ich kenne die Herausforderungen unseres Landkreises somit aus erster Hand.“ Er sei jemand, der anpacke. Der gelernte Speditionskaufmann leitet seit Jahren als IT-Fachmann große Teams bei Volkswagen und verantwortet dort Millionen-Budgets. Diese Erfahrungen hätten ihn gelehrt, wie man Prozesse effizient gestalte, Teams motiviere und Herausforderungen meistere.
„Ich kandidiere, weil ich glaube, dass Northeim mehr verdient hat als bloße Verwaltung, es braucht Führung mit Herz und Verstand, es braucht jemanden, der zuhört, der gestaltet, der auch mal querdenkt“, sagte Kühn. „Ich bringe die Erfahrungen, die Methoden und die Leidenschaft mit, um diesen Landkreis zukunftsfähig aufzustellen.“
Inhaltlich nannte Thorsten Kühn mehrere Themen, die nach seiner Meinung „im Argen liegen“. Der Schulbauplan beispielsweise stocke, Ergebnisse erst Mitte nächsten Jahres sei ein viel zu weiter Weg. Das müsse schneller und besser gehen, forderte der Landratskandidat. Der Bevölkerungsschutz brauche klare Konzepte. Die CDU-Kreistagsfraktion sei für das vorgeschlagene Multifunktionszentrum, das privat finanziert werden soll. Doch weil die CDU derzeit nicht die Mehrheit im Kreistag habe, befinde man sich jetzt in einer Ortssondierung, danach in einer Ausschreibung – und irgendwann könne man dann wahrscheinlich auch ein Katastrophenschutzzentrum bauen. „So ein Thema dürfen wir nicht auf die lange Bank schieben“, warnte Kühn. Die sicherheitspolitische Lage habe sich verändert. Es sei nicht weniger als ein Paradigmenwechsel notwendig.
Eine Haushaltskonsolidierung sei kein schönes Thema, aber als Finanzpolitiker im Kreistag könne er sagen, die CDU sei bestens aufgestellt, solche Themen voran zu bringen und in die richtige Richtung zu treiben. Die Sozialkosten seien der größte Einzelposten im Landkreis-Haushalt, der zum 48-Millionen-Haushaltsloch beitrage. „Ohne die strukturelle Änderung und die Unterstützung vom Land wird die Finanzierung dieser Aufgaben im Landkreis zunehmend schwierig werden.“ Die freiwilligen Leistungen habe man schon längst auf ein Minimum reduziert. „Da ist nichts mehr rauszuholen“, sagte Thorsten Kühn.
Der Landkreis brauche einen „echten Digitalisierungsschub“, sagte der CDU-Landratskandidat. Die Verwaltung müsse endlich digitaler, schneller und bürgerfreundlicher werden. „Wir dürfen nicht länger hinterher hinken.“ Digitalisierung sei der Schlüssel für mehr Service, weniger Bürokratie und eine moderne Verwaltung. „Ich bringe meine Erfahrungen und Methoden mit, um diesen Wandel gemeinsam mit der Verwaltung zu gestalten“, sagte Thorsten Kühn. „Wir brauchen Klarheit, Transparenz und den Willen, Dinge zu Ende zu bringen.“ Es reiche nicht, immer neue Projekte zu starten. „Wir müssen auch den Mut haben, alte Zöpfe abzuschneiden und endlich einmal Projekte zu Ende zu bringen.“
In der heutigen Zeit komme es auf die CDU-Werte Verantwortung, Verlässlichkeit und Solidarität an sowie den festen Wille, das Gemeinwohl in den Mittelpunkt zu stellen. „Wir stehen für eine Politik, die auf christlichen Werten, sozialer Marktwirtschaft und dem Miteinander der Generationen basiert.“ Der Zusammenhalt der CDU als Partei sei die größte Stärke. „Nur gemeinsam mit Respekt, Offenheit und gegenseitiger Unterstützung können wir die Herausforderungen gemeinsam meistern und Northeim nach vorne bringen“, sagte Kühn. „Lassen Sie uns gemeinsam Northeim bewegen, für starke Familien, sichere Perspektiven und eine Verwaltung, die für die Menschen da ist.“


