Die SPD im Landkreis Northeim will bei der Landratswahl 2026 mit Simon Hartmann ins Rennen gehen. Der Unterbezirksvorstand der Sozialdemokraten hat den 48-jährigen Northeimer gestern Abend einstimmig für die Wahlkonferenz vorgeschlagen, die am 21. Februar stattfinden soll. Den Vorstandsvorschlag für die Nachfolge von Landrätin Astrid Klinkert-Kittel, die am 13. September 2026 gewählt wird, machte die SPD heute Mittag bei einer Pressekonferenz im Northeim Hotel „Zur Schere“ öffentlich. Über die Landratskandidatur Hartmanns, der seit 2018 Bürgermeister in der Kreisstadt ist, war hinter den Kulissen seit Monaten spekuliert worden. Die Northeimer SPD will noch im November eine Kandidatin oder einen Kandidaten für die Bürgermeisterwahl 2026 in Northeim vorschlagen, über den oder die im Dezember entschieden werden soll, kündigte der Northeimer SPD-Chef Sebastian Penno heute an.
„Ich möchte Landrat im Landkreis Northeim werden“, sagte Simon Hartmann. Dafür werbe er zunächst um das Vertrauen seiner Partei und dann auch der Einwohner im Landkreis. „Ich bin einer von hier“, machte der 48-Jährige deutlich. Die tiefe Verbundenheit mit seiner Heimat Northeim präge seine Arbeit und seine Politik. Er gehe die Kandidatur mit großem Respekt an und sei dankbar für die Unterstützung des SPD-Vorstandes. Er spüre eine gute Atmosphäre und eine Aufbruchstimmung in seiner Partei, deshalb freue er sich auf die nächsten Monate.
„Ab sofort“ sei er bei den Gesprächen mit den Menschen im Landkreis in einer anderen Rolle, der des Landratskandidaten. In einem langen Prozess der Überlegung habe er zunächst auch erwogen, noch einmal als Bürgermeister in Northeim anzutreten, doch nachdem Landrätin Astrid Klinkert-Kittel imgrunde schon mit ihrer zweiten Amtszeit erklärt hatte, 2026 aus dem Amt zu scheiden, habe sich für ihn „eine neue Tür geöffnet“, sagte Hartmann heute. Er möchte seine berufliche Erfahrung nun im gesamten Landkreis einbringen. In Northeim habe man bereits vieles erreicht. „Meine Arbeit in der Stadt Northeim habe ich immer auch als Teil der Entwicklung für eine starke Region Südniedersachsen gesehen“, sagte Hartmann. Seine Motivation sei es, den Landkreis Northeim gemeinsam mit den Beschäftigten der Kreisverwaltung, mit den Städten und Gemeinden und allen „die täglich hart für die Gestaltung der Lebensrealität der Menschen arbeiten, zu einem der besten Lebens-, Wohn- und Arbeitsorte für alle Generationen zu machen“. Die SPD werde in den nächsten Monaten Themenforen veranstalten, aus denen sich auch das Wahlprogramm speisen werde.
„In den vergangenen acht Jahren als Bürgermeister habe ich wertvolle Erfahrungen sammeln können, die es für die Position des Landrates braucht – die Führung einer großen Verwaltung ebenso wie den Aufbau eines belastbaren Netzwerkes im Landkreis, in der Region, nach Hannover und nach Berlin“, machte Simon Hartmann deutlich. Als Landrat möchte er für eine gute Zukunft arbeiten. „Der Landkreis hat seine besten Jahre noch vor sich“, davon sei er absolut überzeugt.
SPD-Chefin Frauke Heiligenstadt hatte Hartmann als politisch erfahrenen, empathischen, gut vernetzten, „sehr geeigneten“ Kandidaten mit Verwaltungserfahrung gelobt, der politisches Gespür und „das richtige Alter“ habe. Der 48-Jährige war mehrere Jahre Referent Heiligenstadts, als diese Kultusministerin in Hannover war. Der gebürtige Northeimer ist verheiratet und Vater zweier Kinder, war Mitglied des Kreistages (2006 bis 2018), die letzten drei Jahre davon als Fraktionsvorsitzender. Nach seiner Ausbildung zum Verwaltungsfachwirt bei der Stadt Northeim und beim Landkreis Northeim hat sich Simon Hartmann zum Betriebswirt (VWA) und Bachelor of Arts in Betriebswirtschaftslehre qualifiziert und in der SPD-Landtagsfraktion als Referent gearbeitet. Seit März 2018 ist er hauptamtlicher Bürgermeister in Northeim. In der SPD ist Hartmann seit 1993 Mitglied, war Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Northeim (2004 bis 2016) und stellvertretender Unterbezirksvorsitzender im Landkreis (2007 bis 2023).
Mehrfach (vielleicht einmal zu oft) haben SPD-Vertreter heute in der Pressekonferenz dementiert, ihren Kandidaten jetzt vorzustellen, weil die Kreis-CDU vor gut einer Woche vorgelegt hatte. „Wir lassen uns nicht treiben“, sagte Simon Hartmann heute. „Wir haben keinen Grund, in Stress zu verfallen.“ SPD-Chefin Frauke Heiligenstadt verwies darauf, jetzt umgehend nach der gestrigen Vorstandssitzung zu informieren, ansonsten sei man in der normalen Zeitplanung für die Kommunalwahl. Damit die Gliederungen ihre Delegierten wählen können, findet die Landratswahl-Nominierungskonferenz am 21. Februar statt. „Wir laden nicht eine Woche vorher die Mitglieder ein, um einen Kandidaten zu beschließen“, sagte sie mit unüberhörbarem Seitenhieb auf die CDU. Am 30. Mai will die SPD in einer Kreiswahlkonferenz ihre Kandidaten und ihr Programm für die Kreistagswahl beschließen. Heiligenstadt sieht den Hartmann-Vorschlag als Initialzündung, mit einem guten Spitzenkandidaten ließen sich auch andere zu einer Kandidatur für den Kreistag motivieren. Ziel der Sozialdemokraten am 13. September 2026 ist es, wieder größte Fraktion im Kreistag zu werden und im Landkreis wieder so viele SPD-Bürgermeister wie heute zu stellen, sagte Heiligenstadt. Dafür werde man jetzt ein Jahr lang engagiert kämpfen.

