Die Abwärme von zwei Nachklärbecken der Einbecker Kläranlage wird im neuen Elitespeicher der KWS nutzbar gemacht. Nach dem ersten Winter ist klar: den Wärmebedarf der so genannten Schatzkammer, in der hochwertiges Zuchtmaterial aufbereitet und gelagert wird, kann das Pilotprojekt von KWS und Stadtentwässerung Einbeck zu 100 Prozent decken. Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) ließ sich die Idee und Umsetzung heute erläutern und erfuhr dabei, dass KWS die Kläranlage gerne auch zur Kühlung im Elitespeicher nutzen würde, wogegen jedoch die Behörden Einwand hatten aus Sorge, das in den Fluss eingeleitete Kühlwasser würde im Sommer das Temperatur-Gleichgewicht der Leine durcheinander bringen. Meyer sagte zu, sich in dieser Frage noch einmal einschalten zu wollen, denn KWS wäre ja bereit, bestimmte Temperaturwerte einzuhalten und bei extremem Wetter auf die Nutzung zu verzichten. Die meiste Zeit jedoch, war sich auch der Minister sicher, könnten die Werte eingehalten werden. Der Eingriff in die Natur sei hier jedenfalls vertretbarer als eine Wärme/Kälte-Erzeugung durch fossile Energie.

Gemeinsam mit Grünen-Parteifreunden aus Einbeck sowie dem SPD-Landtagsabgeordneten René Kopka aus Einbeck besuchte der Umweltminister aus Holzminden die zentrale Abwasserbeseitigungsanlage in Einbeck am Uweweg. Hier wird die Abwärme von zwei Nachklärbecken genutzt, mittels Wärmetauscher wird Wasser in 700 Meter langen wirbelnden Rohrleitungen übertragen, mit dem eine 900 kW-Wasserwärmepumpe am Elitespeicher angetrieben wird. Diese kann die Wärme erzeugen, die bei der individuellen Aufbereitung/Trocknung von 1,3 Millionen Saatgutpartien notwendig wird.
Die Besucher erfuhren, dass ursprünglich 2018 das Energiekonzept für den KWS-Elitespeicher noch von Gas gespeist war, bis es zur Idee mit der Abwärme der Kläranlage in unmittelbarer Nähe kam, nachdem auch eine Geothermie-Probebohrung keinen Erfolg brachte. Über drei Jahre wurde in Zusammenarbeit von Stadtentwässerung und KWS das Projekt weiterentwickelt und umgesetzt, der Elitespeicher vor einem Jahr eröffnet. Weil die Kühlung über diesen Weg nicht erlaubt wurde, wird diese zurzeit durch Strom mechanisch gewährleistet. Es gebe auch die technischen Möglichkeiten, im Sommer die Kühlung durch die Kläranlagen-Abwärme zu speisen, hieß es, da war jedoch die Furcht davor, bestimmte Temperaturwerte in der nahen Leine zu übersteigen.
Umweltminister Christian Meyer lobte den energetischen Ehrgeiz, die Idee mit der Kläranlagen-Abwärme sei eine gute, bei der man KWS nur bestärken könne. Beim Thema Kühlung könne es sicherlich eine pragmatische Lösung geben, dafür wolle er sich gerne einsetzen. Bei seinem Besuch bei KWS erfuhr der Minister, dass das Saatzuchtunternehmen bis 2030 seine CO2-Emissionen um 50 Prozent reduzieren will. Ab 2027 möchte KWS in seinem Energiekonzept Erdgas komplett gegen Biomethan ersetzen. Auch von ersten Gedanken und Planungen eines Pyrolyse-Projekts erfuhr Meyer bei KWS, mit dem sich 30 bis 40 Prozent des Wärmebedarf decken ließe. Dabei würden Reststoffe aus der Zuckerrüben-Saatgutproduktion für eine Pyrolyse genutzt, also für eine themo-chemische Umwandlung. Für ein solches Projekt wären kurze Wege wichtig, KWS sucht dafür aktuell ein passendes Grundstück.


