Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast besucht KWS

Ein breites Themenspektrum bestimmte den Besuch der niedersächsischen Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Barbara Otte-Kinast (CDU), beim Einbecker Saatzuchtunternehmen KWS. Mit dabei im Landtagswahlkampf waren auch der örtliche CDU-Kandidat Dr. Andreas Kroll und weitere Christdemokraten. Otte-Kinast, die selbst im benachbarten Kreis Hameln-Pyrmont kandidiert, war erstmals bei KWS in Einbeck zu Gast. Nach einem Gespräch mit KWS-Vorstandssprecher Dr. Hagen Duenbostel konnten die Besucher in den modernen Leo-Gewächshäusern noch Eindrücke von verschiedenen Züchtungsprojekten gewinnen.

Dr. Anja Matzk und Stephan Krings von KWS erläutern Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) und CDU-Landtagskandidat Dr. Andreas Kroll Projekte im Gewächshaus.

Ob bei Farm-to-Fork-Strategie, Carbon-Farming-Emissionsmanagement oder neuen Züchtungsmethoden wie CrisprCas – bei allen Themen wurde das Denken in Generationen bei KWS deutlich, ebenso die mit großer Verantwortung getroffenen langfristigen Entscheidungen oder die langen Entwicklungszyklen von neuen Sorten, die mehr als zehn Jahre betragen. Politik denkt da oftmals kurzfristiger, möchte schnellere Lösungen, den nächsten Wahltermin im Blick.

Landwirtschaftministerin Barbara Otte-Kinast sprach sich gegen das von der EU geplante Verbot von Pflanzenschutzmitteln in Landschaftsschutzgebieten aus. „Da muss nochmal nachgebessert werden.“ Mit dem Vorstoß gefährde Brüssel die beim „Niedersächsischen Weg“ von den Natur- und Umweltschutzverbänden akzeptierten Vereinbarungen. KWS-Chef Hagen Duenbostel sprach sich auch für Ausnahmen aus, für Züchtung und Saatgutentwicklung benötige man diese Vergleichsflächen. Gute Pflanzenzüchtung mache den Einsatz von chemischem Pflanzenschutz jedoch überflüssig.

CDU-Ministerinnen-Besuch bei KWS (v.l.): Kreisvorsitzender David Artschwager, Dr. Imke Hering und Dr. Anja Matzk (KWS), Ministerin Barbara Otte-Kinast, CDU-Ratsfrau Maren Root, CDU-Landtagskandidat Dr. med. Andreas Kroll, Jürgen Nitsche (CDU Seesen), Stephan Krings und Dr. Hagen Duenbostel (KWS).

Nächster Halt: Otto-Hahn-Straße

Ab 15. Dezember halten Züge am neuen Haltepunkt Otto-Hahn-Straße.

Die Regionalbahn zwischen den Bahnhöfen Einbeck-Mitte und Salzderhelden wird ab dem 15. Dezember regelmäßig einen Zwischenstopp einlegen: Zum Fahrplanwechsel geht am Sonntag der neue Haltepunkt Otto-Hahn-Straße auf der erst vor einem Jahr wieder eröffneten Bahnstrecke der Ilmebahn ans Netz. Am Sonntag (15. Dezember) bietet die Deutsche Bahn AG einen kostenfreien „Adventszug“ an, der zur Einweihung des neuen Haltepunktes mit weihnachtlich-musikalischem Programm um 11:51 Uhr einen Zwischenhalt an der Otto-Hahn-Straße einlegen wird, kündigte die DB Regio an.

Bahnsteig mit KWS-Hallen am Haltepunkt Otto-Hahn-Straße.

„Der zusätzliche Halt im Stadtgebiet von Einbeck wird die Attraktivität der Schienen-Infrastruktur weiter erhöhen“, sagt Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel. Er freut sich, dass das Projekt innerhalb kürzester Zeit realisiert werden konnte. Nur nachts nach Betriebsschluss konnte im Oktober das Fundament für die Bahnsteigkanten erstellt werden, weil diese Arbeiten nur ohne Zugbetrieb durchgeführt werden konnten. Die vor einem Jahr wieder eröffnete Verbindung zwischen Einbeck-Mitte und Salzderhelden werde sehr gut angenommen. Der etwa 85 Meter lange Bahnsteig bei Bahnkilometer 2,9 ist ein Gemeinschaftsprojekt der KWS und der Ilmebahn. Der Haltepunkt liegt in unmittelbarer Nähe des Betriebsgeländes des Saatzuchtunternehmens.

Mehr als zwei Drittel der Projektkosten in Höhe von insgesamt 350.000 Euro wurden von KWS getragen. Am Firmenhauptsitz in Einbeck arbeiten rund 1500 Mitarbeiter, jährlich werden circa 7000 Besucher empfangen. „Uns ist es wichtig, die Anbindung über die Schiene weiter zu verbessern. Zum Beispiel können Pendler aus Göttingen die Direktverbindung mit der Bahn in nur 30 Minuten Fahrzeit nutzen und nun in direkter Nähe des Firmengeländes aussteigen“, erklärt Georg Folttmann, unter anderem verantwortlich für das Baumanagement bei KWS. „Dienstreisende von KWS wiederum können ihren Pkw auf dem Firmengelände abstellen und ihre Reise an der Haltestelle Otto-Hahn-Straße antreten. Das wird die Parksituation am Bahnhof Salzderhelden spürbar entlasten.“

Fahrkartenautomat am Haltepunkt Otto-Hahn-Straße.

Auf dem Bahnsteig gibt es einen Wetterschutz, eine Uhr, Sitzgelegenheiten und einen Fahrkartenautomat, jedoch keine Parkplätze für Bahnkunden in der Nähe. Pendler werden hier auf die Bahnhöfe Einbeck-Mitte und Salzderhelden verwiesen.

Haltepunkt Otto-Hahn-Straße, Blickrichtung Osten.

Der neue Haltepunkt liegt außerdem in unmittelbarer Nähe des Lkw- und Bus-Depots des Oldtimermuseums PS-Speicher auf dem ehemaligen Feierabend-Gelände. Noch offen ist, wann die komplette Innenstadtstrecke bis zum PS-Speicher am Tiedexer Tor wieder regelmäßig befahren wird. Die technische Infrastruktur jedenfalls ist bereits vorhanden, wurde von der Ilmebahn schon bei den Reaktivierungarbeiten bis Mitte gleich mit erledigt. Den Verkehr auf den restlichen Bahnkilometern von Bahnhof Mitte bis PS-Speicher muss die Landesnahverkehrsgesellschaft bestellen, dafür ist ein politischer Auftrag notwendig. Beobachter erwarten, dass dieser kommen wird, zumal der PS-Speicher für 2020 die Öffnung aller bislang noch geschlossenen Depots angekündigt hat, wodurch noch mehr Besucher in Einbeck erwartet werden.

Das PS-Depot des Oldtimermuseums PS-Speicher auf dem ehemaligen Feierabend-Gelände (im Hintergrund) ist in unmittelbarer Nähe.

Nachtrag 15.12.2019: Mit einem rappelvollen „Adventszug“ der DB Regio (mit dem Namen „Stadt Northeim“) ist der neue Haltepunkt heute offiziell eingeweiht worden.

Offiziell eröffnet haben den neuen Haltepunkt (v.r.) Michael Fischer (DB Regio, Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel und Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek.

Bahn-Signale bis BBS

Die Einbecker Innenstadt-Bahnstrecke (hier am Neuen Rathaus) soll wieder regelmäßig befahren werden, der RB 86 bis zur BBS und zum PS-Speicher verkehren.

Damit das Signal wieder auf Grün springt, sendet die SPD ein politisches Signal: Wie schon ähnlich im Einbecker Stadtrat auf ihre Initiative hin im April einstimmig beschlossen, haben die Sozialdemokraten jetzt im Northeimer Kreistag einen Antrag eingebracht, damit die bereits technisch dafür modernisierte Innenstadt-Bahnstrecke der Ilmebahn in Einbeck regelmäßig bis zum PS-Speicher von der Deutschen Bahn AG bedient wird. Dafür sollen sich die Landrätin und die hiesigen Landtagsabgeordneten bei der Landesnahverkehrsgesellschaft für eine Aufnahme des Haltepunktes am PS-Speicher in den Fahrplan der Regionalbahn 86 einsetzen, um die Reaktivierung des Schienenpersonennahverkehrs in Einbeck zu vervollständigen, wie es in der Beschlussvorlage heißt.

Da der Triebwagen der Regionalbahn 86 von Salzderhelden kommend nach der Ankunft im Bahnhof Einbeck-Mitte sowieso eine halbe Stunde Aufenthalt hat, kann diese Zeit auch für eine Fahrt zum Haltepunkt am Tiedexer Tor genutzt werden, meint die SPD-Kreistagsfraktion, die ihren Antrag zusammen mit ihrem Partner FDP/GfE stellt. Profitieren würde davon neben dem Oldtimer-Museum und dem benachbarten Hotel vor allem auch die Schüler der in unmittelbarer Nähe liegenden Berufsbildenden Schulen, die durch das breite Fächerspektrum der BBS aus weiten Teilen der Region stammen. Und mit dem in Planung befindlichen Haltepunkt an der Otto-Hahn-Straße (nahe KWS) würde die Regionalbahn 86 dann in der Einbecker Kernstadt drei Stationen bedienen und über den Bahnhof Einbeck- Salzderhelden weiterführende Ziele auf dem Schienenweg erreichbar machen. „Es wäre ein weiterer wichtiger Schritt bei der Reduzierung des Individualverkehrs und der strukturellen Stärkung des ländlichen Raums“, schreibt die SPD/FDP/GfE in ihrem Antrag. Der Auftrag hierzu müsse von der Landesnahverkehrsgesellschaft ausgehen, wobei es die Antragsteller-Fraktionen für sinnvoll erachten, wenn ähnlich wie der Rat der Stadt Einbeck auch der Kreistag sein Interesse an diesem Schritt bekundet. Eben ein Signal senden.

Von der Zuckerrübe bis zum Wolf

Die SPD hört sich beim Projektsommer um, besucht verschiedene Einrichtungen wie hier das Haus des Jugendrotkreuzes. Archivfoto.

Die Einbecker SPD hat als erste der hiesigen Parteien ihr Sommerprogramm vorgestellt (SPD Projektsommer 2017), auch die CDU hat bereits sommerliche Besuche in Firmen und Institutionen angekündigt, allerdings bislang noch ohne konkrete Termine. Die Sozialdemokraten laden jeden Dienstag in den Ferien um 18 Uhr zu ihrem inzwischen traditionellen Projektsommer alle Interessierten ein, nicht ausschließlich Mitglieder. Unter dem Motto „Wir hören uns um“ reicht die Besuchspalette in diesem Jahr von der Zuckerrübe bis zum Wolf: Am 27. Juni besuchen die Genossen die KWS Saat SE, Treffpunkt Grimsehlstraße 31 vor dem Eingang des Unternehmens. Am 4. Juli laden die Sozialdemokraten zum Technischen Hilfswerk (THW) am Tiedexer Tor 6 ein; Beginn ist hier ausnahmsweise erst um 18.30 Uhr. Am 11. Juli steht ein Besuch der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in der Grimsehlstraße 10 auf dem Programm, wo die vielfältige Angebotspalette des Wohlfahrtsverbands vorgestellt wird. Am 18. Juli gibt es die Gelegenheit, das Wolfsgehege in der Nähe von Brunsen am „Lietgrund“ kennenzulernen und interessante Informationen zu erhalten. Eine Präsentation des Haus der Jugend an seinem neuen Standort sowie einen Einblick in die Planungen des Jugendgästehauses werden am 25. Juli die Projektsommer-Besucher am Kohnser Weg 3 b erhalten können; das Jugendgästehaus wird gerade umgebaut. Zum Abschluss der SPD-Besuchsreihe am 1. August ist ein Besuch der SVG Einbeck und ein Stadionrundgang an der Schützenstraße geplant. Im Anschluss soll der Projektsommer mit Bratwurst und Getränken seinen Ausklang finden. „Die SPD freut sich, wie in der Vergangenheit auch, über eine rege Teilnahme an dem Projektsommerprogramm und wünscht eine gute Sommerzeit“, erklärte SPD-Kernstadt-Vorsitzender René Kopka.

Buslinie 230 nicht einfach preisgeben

Bushaltestelle bei KWS.

Auf der Grimsehlstraße unterwegs: die Linie 230 in Höhe Bushaltestelle bei KWS.

Die Stadt Einbeck spricht sich gegen die von der Ilmebahn GmbH beantragte Entbindung von der Betriebspflicht für die Buslinie 230 aus und wird eine negative Stellungnahme an die Landes-Nahverkehrsgesellschaft (LNVG) abgeben. Das hat der Stadtentwicklungausschuss des Stadtrates gestern Abend einstimmig beschlossen. Und auch der Landkreis Northeim sowie der Zweckverband Süd-Niedersachsen (ZVSN) teilten die Ansicht der Stadt Einbeck, sagte Bauamtsleiter Frithjof Look. Hoffnung also für die so wichtige Buslinie mit Haltestellen in Industrie- und Wohngebieten, die Einbeck-Zentrum mit dem Bahnhof Salzderhelden und weiter Vogelbeck und Northeim verbindet. Sie komplett mit Beginn der reaktivierten Schienenstrecke zwischen Einbeck-Mitte und Salzderhelden ab 10. Dezember 2017 aufzugeben, ist für viele kaum vorstellbar. Allenfalls eine Ausdünnung der Taktung, sobald parallel der Zug pendelt, könnten sich die meisten vorstellen, das sei von vorneherein ja auch klar gewesen, das wurde in der Debatte im Fachausschuss des Einbecker Stadtrates deutlich.

Atmosphärisch und kommunikativ hat sich in den vergangenen Tagen hinter den Kulissen einiges getan, Verbesserung tat hier auch dringend Not. Im nicht-öffentlichen Kreisausschuss des Northeimer Kreistages wie auch im Verwaltungsausschuss des Einbecker Stadtrates waren in dieser Woche hochrangige Vertreter der Ilmebahn persönlich anwesend, antworteten dort auf Fragen der Politik, berichteten den Sachstand der Reaktivierung. Besonders von der CDU war zuletzt immer wieder die „absolute Geheimniskrämerei“ kritisiert worden, wie es Beatrix Tappe-Rostalski am Donnerstag noch einmal sagte. Der Stadtrat hätte sich wohler gefühlt, wenn er rechtzeitig informiert worden wäre und wenn Ilmebahn-Vertreter dort schon Rede und Antwort gestanden hätten. Die CDU hatte die Unterrichtung in Kreisausschuss und Verwaltungsausschuss zum Thema gemacht. Vor allem der Unterschriften-Termin am Tag nach der Ratssitzung ist einigen bis heute übel aufgestoßen. Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek erklärte im Ausschuss auf Nachfrage von Karsten Armbrecht (CDU) und Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU), sie sei über den am Tag nach der Stadtrat-Sitzung stattgefundenen Hannover-Termin nicht vorher informiert gewesen. Die Nachfrage Armbrechts, warum die Bürgermeisterin (die im Aufsichtsrat der Ilmebahn sitzt) als 30-Prozent-Beteiligung nicht zu dem Termin eingeladen war, blieb gestern offen. Sicher ist, dass sich der Aufsichtsrat der Ilmebahn mit der Materie in seiner Juni-Sitzung beschäftigen wird.

Die SPD hätte gerne in die Buslinien-Stellungnahme der Stadt Einbeck an die LNVG eine Formulierung eingebaut, dass alle grundsätzlich die Reaktivierung der Bahnstrecke Einbeck-Salzderhelden begrüßen. Am Ende konnten sich die Sozialdemokraten damit nicht durchsetzen, dieses Bekenntnis sei bekannt, selbstverständlich und inhaltlich am Thema vorbei, beschied die Mehrheit und auch die Verwaltung. Man solle jetzt nicht so überrascht tun, sagte SPD-Fraktionschef Rolf Hojnatzki, dass die Schienenverbindung für die Buslinie 230 nicht folgenlos bleiben werde, sei lange bekannt. Die Ilmebahn sei nur den formalen Schritt gegangen, zuständig sei der ZVSN, nahm Hojnatzki die Ilmebahn in Schutz. Er hatte die Angst, dass in Hannover falsch zum Ausdruck komme, dass die 230 so toll und wichtig sei, dass die Bahnstrecke dabei aus dem Auge verloren werde. Daher die Bekenntnis-Bitte. Wunsch müsse sein, so Hojnatzki, die Buslinie so lange (eingeschränkt getaktet) zu erhalten, bis die Zug-Durchbindung von Mitte bis Göttingen realisiert sei – und möglichst, bis der zusätzliche Haltepunkt Otto-Hahn-Straße bei KWS umgesetzt ist.

Wann dieser zusätzliche Haltepunkt jedoch Realität wird, ist derzeit völlig offen. Die Stadt ist mit dem Ausschuss-Beschluss jedenfalls aufgefordert, in ihrer Stellungnahme darauf hinzuweisen, dass der Haltepunkt notwendig ist. Die seit 2015 gewünschte Haltestelle bei KWS ist nicht mit in die Planungen einbezogen worden. An wem liegt das? Keine Antwort. Sie muss jetzt mit einem separaten Planfeststellungsverfahren umgesetzt werden, was jedenfalls KWS erst seit Herbst vergangenen Jahres bekannt ist. Vor 2020 dürfte das also nichts werden. Georg Folttmann, Leiter Logistik, Technology & Real Estate bei der KWS Saat SE, machte im Stadtentwicklungsausschuss unmissverständlich deutlich, dass Einbecks größter Arbeitgeber den öffentlichen Haltepunkt unverändert wolle – und bis zu einer Summe von 250.000 Euro auch bezahlen wolle. 20.000 Euro an Planungskosten habe man schon ausgegeben, bereits im September 2015 schriftlich erklärt, die damals genannte Summe für den Haltepunkt in Höhe von 50.000 Euro tragen zu wollen. Inzwischen habe der KWS-Vorstand auch für die aktuellsten Kostenschätzungen in Höhe von 250.000 Euro für den Haltepunkt signalisiert, diese übernehmen zu wollen. Dann sei aber auch mal Schluss. Das jüngste Ansinnen, die für das Unternehmen an der Grimsehlstraße so wichtige Buslinie 230 streichen zu wollen, habe KWS alarmiert. Sollte das der Fall sein, würden nicht wie immer versprochen die hoch frequentierten Stellen in Einbeck angebunden an den öffentlichten Nahverkehr. Folttmann: „Das wäre eine echte Katastrophe.“ Pendelnde und dienstreisende Mitarbeiter und Unternehmens-Besucher gleichermaßen könnten bei Wegfall der Buslinie 230 KWS so gut wie nicht mehr erreichen außer mit dem Auto oder zu Fuß vom Bahnhof Mitte. Die Verantwortung werde von Behörde zu Behörde geschoben, anscheinend gebe es keine Institution, die das Gesamtprojekt steuere, einen direkten Ansprechpartner im Wirtschaftsministerium zu bekommen, sei zäh und schwierig, ärgerte sich KWS-Mann Folttmann.

Schwellen und Schienen liegen neu am Bahnhof Einbeck-Mitte. Nächste Woche kommt der Schotterreinigungszug. Anschließend wird Schotter ergänzt und das Gleis ausgerichtet und gestopft, informiert die Ilmebahn via Facebook.

Dann kämpf‘ mal schön…

Bernd Althusmann (l.) mit örtlichen CDU-Vertretern im Gewächshaus bei KWS, rechts Forschungsleiter Dr. Jürgen Schweden.

Bei seinem letzten KWS-Besuch war Bernd Althusmann noch niedersächsischer Kultusminister. Das war 2011, und der CDU-Politiker hat bei dem Einbecker Saatzuchtunternehmen den Schulpreis verliehen. Seitdem ist eine Menge passiert, auch politisch. Jetzt ist Althusmann, der nach der Wahlniederlage 2013 einige Zeit in Südafrika der Politik adé gesagt hatte, seit wenigen Monaten Landesvorsitzender der niedersächsischen Christdemokraten und möchte am 14. Januar 2018 nächster Ministerpräsident werden. In dieser Woche informierte sich Bernd Althusmann in Einbeck im Rahmen seiner „Frühlingstour“ beim weltweit in 70 Ländern agierenden Saatguthersteller. Und hörte viel zu. Der Besuch war verhältnismäßig kurzfristig zustande gekommen, nachdem Althusmann in Hannover KWS-Vorstandschef Dr. Hagen Duenbostel getroffen hatte. „Dann kämpf‘ mal schön“, verabschiedete sich der CDU-Spitzenkandidat beim örtlichen CDU-Landtagskandidaten Joachim Stünkel in Richtung Lüneburg, wo am Abend die Bundesverteidigungsministerin auf den CDU-Mann wartete. Der Lüthorster nahm’s mit Humor. Er weiß aus langer Landtagserfahrung, dass es im Landkreis viele Unternehmen gibt, die es politisch zu hegen und pflegen gilt, wie Althusmann forderte. Mit in der Entourage der Altmann-Visite bei KWS dabei waren neben den örtlichen Christdemokraten auch Vize-Kreisvorsitzender und Landwirt Dr. Bernd von Garmissen (Dassel-Sievershausen), der Stünkel bei der Nominierung unterlegen war, sowie der Northeimer CDU-Landtagskandidat Lukas Seidel und an der Spitze der Kreisvorsitzende und CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Roy Kühne.

CDU-Landesvorsitzender Bernd Althusmann (l.), hier mit KWS-Forschungsleiter Dr. Jürgen Schweden (r.), KWS-Vorstandschef Dr. Hagen Duenbostel (Mitte) und CDU-Kreisvorsitzenden Dr. Roy Kühne (ganz links).

Bernd Althusmann war beeindruckt: „Ich habe viel gelernt“, sagte der CDU-Landesvorsitzende nach seinem Besuch bei der KWS. Er hatte sich unter anderem über modernste Züchtungsmethoden, das „Genome Editing“, informiert. Diese Methoden erlauben laut KWS schnellere und präzisere Pflanzenzüchtung. Das Unternehmen gab dem Politiker mit auf den Weg, dass die Genome-Editing-Methoden differenziert bewertet werden sollten. Methoden, die ohne Transfer von artfremden Genen auskommen, sollten regulatorisch wie traditionelle Züchtungsverfahren und nicht wie Gentechnik eingestuft werden, erklärte KWS-Forschungsleiter Dr. Jürgen Schweden. „Das ist eine sehr sensibel zu führende Diskussion, bei der Ängste und Sorgen ernst zu nehmen sowie Pro und Contra abzuwägen sind“, plädierte Bernd Althusmann.

Um auf dem globalen Markt mithalten zu können, sei für ein Unternehmen wie KWS mit seinem Hauptsitz in Niedersachsen eine Forschungsfreiheit auch und gerade bei den modernsten Züchtungsmethoden wichtig, erfuhr Althusmann. Immer schwieriger werde es, Mitarbeiter für das Forschungszentrum am Standort Einbeck zu gewinnen, weil in Deutschland zum Beispiel anders als in den USA Feldversuche nur unter hohen Auflagen möglich seien, erklärte Dr. Jürgen Schweden. KWS beschäftigt in Einbeck rund 1400 Mitarbeiter, davon etwa die Hälfte im Bereich Forschung.

Althusmann informierte sich außerdem über die Saatgutproduktion, für die KWS bis 2019 seine Zuckerrüben-Saatgutaufbereitung ausbaut und ingesamt dafür etwa 41 Millionen Euro am Standort Einbeck investiert. Die 5600 Quadratmeter große Logistikhalle an der Ecke Grimsehlstraße/Otto-Hahn-Straße steht bereits. Bei der Saatgutaufbereitung gaben KWS-Vertreter dem Besucher aus Hannover unter anderem auch Sorgen vor dem Verbot des Insektizids Neonikotinoide mit auf den Weg, einem bewährten Beizmittel im Zuckerrübenanbau. Ein Verbot durch die EU-Kommission hätte Auswirkungen auch auf die Saatgutaufbereitung bei KWS, erfuhr Althusmann.

Althusmanns Eintrag ins Gästebuch bei KWS: Alles erdenklich Gute für eine erfolgreiche Zukunft der KWS.

Bestand gepflegt

Gespräch: Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek (mit Fachbereichsleiter Frithjof Look und Wirtschaftsförderer Frank Seeger) mit Karl-René und Hendrik Biel.

Gespräch im neuen Biel-Backhaus Barumstraße in Einbeck: Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek (hier mit Fachbereichsleiter Frithjof Look und Wirtschaftsförderer Frank Seeger, v.r.) mit Karl-René und Hendrik Biel.

Froh, dass sie da geblieben sind: Bürgermeisterin und Wirtschaftsförderer über Biels-Backhaus-Beständigkeit.

Froh, dass sie da geblieben sind: Bürgermeisterin und Wirtschaftsförderer über Biels-Backhaus-Beständigkeit.

Eine wichtige Aufgabe von städtischer Wirtschaftsförderung ist die Pflege des Bestandes – das sich Kümmern im Rathaus um diejenigen Unternehmen, die am Standort Einbeck seit Jahren ihre Geschäfte betreiben. Und in diesem Fall viele Einbecker mit Brot, Brötchen und Kuchen versorgen. Vom jährlichen Osterklöben ganz zu schweigen. Die Delligser Bäckerei Biel war seit mehr als 20 Jahren mit einer Filiale im kleinen Gewerbegebiet an der Ecke Grimsehlstraße/Otto-Hahn-Straße präsent. Bis für die boomende nahe KWS der Zeitpunkt gekommen war, die Erweiterungspläne in die Tat um zu setzen. An der Stelle, wo einst Bäcker Biel (und Aldi und Getränkemarkt und mehrere andere) seine Verkaufsfläche hatte, steht mittlerweile eine 5600 Quadratmeter große, wuchtige Logistikhalle für die Aufbereitung von Zuckerrübensaatgut. Wohin mit der Bäckerei-Filiale? Mit einem Jahr Vorlaufzeit konnten sich Karl-René und Hendrik Biel ihre Gedanken dazu machen, am verkehrsgünstigen Standort am östlichen Stadtrand wollten sie gerne festhalten, auch wenn sie noch mit zwei weiteren Filialen (Marktstraße, Kohnser Weg) im Einbecker Stadtgebiet vertreten sind. Mit Unterstützung der Wirtschaftsförderung im Rathaus konnte die mittlerweile 20. Filiale der Delligser Traditionsbäcker fast am gleichen Standort bleiben, in der Barumstraße, wenige Hundert Meter nur vom alten Ort entfernt. Bei der Grundstückssuche für einen 120-Quadratmeter-Neubau war Wirtschaftsförderer Frank Seeger tatkräftig tätig, unterstützte die Biel-Brüder und sondierte mit ihnen gemeinsam mehrere Alternativen. Schließlich Barumstraße: Wo einst die 80-er Jahre Kultdisco Bierdorf stand, gibt es nach drei Monaten Bauzeit und Übergangsphase in einem kleinen Container seit wenigen Tagen frische Brötchen, Brot und manches mehr in der neuen Filiale, einem 10×12 Meter großen Industriehallen-Neubau. Das Grundstück für den Pavillon mit bodentiefen Fenstern, retro-stylischer Einrichtung und 30 Sitzplätzen konnten Biels vom nahen Autohaus Hermann erwerben, das seinerseits zurzeit den Standort aufwertet und auf der bisherigen Brachfläche zwischen Barumstraße und Kälbertalsgraben einen neuen Gebrauchtwagenplatz für maximal 150 Fahrzeuge baut. Biels freuen sich über ihr neues Backhaus, das das Einbecker Unternehmen Gerlach als Generalunternehmer erstellt hat. Die Wirtschaftskraft blieb also in der Region. „Wir sind froh, dass sie da sind“, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, „dass sie da geblieben sind.“ Die Rathauschefin überreichte Salz und Pfeffer mitsamt Einbecker Zeitreise-Lektüre als Willkommensgeschenk, als sie am Rosenmontag zum Biel-Besuch mit Fachbereichsleiter Frithjof Look und Wirtschaftsförderer Frank Seeger vor Ort war. „Frisch, jung, dynamisch, das passt zu Einbeck“, lobte Michalek das Biel-Engagement an der Barumstraße.

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Nächster Halt…

Freie Fahrt für den neuen Haltepunkt am PS-Speicher (v.l.): Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, Landrätin Astrid Klinkert-Kittel, Kulturstiftung-Kornhaus-Vorstand Holger Eilers, Stifter-Ehepaar Gabriele und Karl-Heinz Rehkopf sowie Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel und Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Minkner.

Freie Fahrt für den neuen Haltepunkt am PS-Speicher (v.l.): Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, Landrätin Astrid Klinkert-Kittel, Kulturstiftung-Kornhaus-Vorstand Holger Eilers, Stifter-Ehepaar Gabriele und Karl-Heinz Rehkopf sowie Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel und Ilmebahn-Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Minkner.

Viele der 1800 Besucher bei der Eröffnung des PS-Depots im Otto-Hahn-Park im Osten Einbecks haben am Sonnabend die bequeme Anreise direkt vom PS-Speicher genutzt und sind einmal mit dem „Ilmeblitz“-Triebwagen der Ilmebahn GmbH quer durch die Stadt gefahren. Das Unternehmen hat gemeinsam mit der Kulturstiftung Kornhaus nach langer Planungs- und Genehmigungszeit den 40 Meter langen Haltepunkt-Bahnsteig zwischen dem PS-Speicher und dem Hotel Freigeist am Tiedexer Tor eröffnet. Für rund 80.000 Euro ist dort ein Außenbahnsteig gebaut worden, der kombiniert auch als Geh- und Radweg der benachbarten Fichtestraße genutzt wird. „Der Haltepunkt ist neben Ausstellung, Hotel Freigeist und bald der PS-Halle ein weiterer Baustein, der den neu entstandenen Stadtteil langsam komplett macht“, sagte Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek.

Gefördert wurde das Haltepunkt-Projekt am PS-Speicher von der Kultur- und Denkmalstiftung des Landkreises Northeim, da vorerst nur Tourismus-Sonderzüge dort abgewickelt werden sollen. Durch den Haltepunkt können größere Besuchergruppen direkt vom Netz der Deutschen Bahn AG bis vor die Tür des Oldtimer-Ausstellungshauses PS-Speicher fahren. „Mit dem Haltepunkt wird der PS-Speicher noch fortschrittlicher und überregional erschlossen und vernetzt“, freute sich Landrätin Astrid Klinkert-Kittel. „Die reaktivierte Bahnstrecke bis Salzderhelden rückt bald Einbeck wieder ein Stück näher an das nationale Schienennetz heran“, sagte der Vorstand der Kulturstiftung Kornhaus, Holger Eilers. „Das ist gut für Einbeck und für den PS-Speicher.“ Künftig wird an jedem ersten Sonnabend im Monat das PS-Depot für Besucher öffnen; vom Haltepunkt am PS-Speicher fährt dann der „Ilmeblitz“ dorthin. Für angemeldete Gruppen soll es einen ähnlichen Service geben – auch während der Woche, kündigte Eilers an.

Und wer weiß, deutete der Vorstand der Kulturstiftung Kornhaus an, vielleicht werde der neue Haltepunkt ja mal zum regulären Zuganschluss für Schüler der nahen BBS Einbeck, wenn erst wieder regelmäßig die Züge zwischen Göttingen/Salzderhelden und Einbeck-Mitte fahren… Auch Einbecks größter Arbeitgeber KWS baggert ja kräftig, einen Halt an der reaktivierten Bahnstrecke nach Salzderhelden zu bekommen…

Bei aller Euphorie für eine wieder regelmäßig genutzte Bahntrasse: Wenn der Zug zwischen Einbeck und Salzderhelden zu oft zwischenhält, ist der zeitliche Vorteil gegenüber dem Bus schnell wieder aufgebraucht. Außerdem dürften auch die öffentlich gemachten 600 Personen pro Werktag, die ab 2018 am Bahnhof Einbeck in den Zug ein- und aussteigen sollen, mit all den Infrastruktur-Überlegungen danach berechnet worden sein, dass nicht noch ein oder zwei andere stark frequentierte Zustiegmöglichkeiten zwischendrin geschaffen werden.

Parken am Friedhof

Rund um die Friedhofskapelle wird es oftmals eng mit freien Parkplätzen für Besucher.

Rund um die Friedhofskapelle wird es oftmals eng mit freien Parkplätzen für Besucher.

Wer zu einer Beerdigung den Einbecker Zentralfriedhof ansteuert oder auch unabhängig von Bestattungsanlässen die dortigen Gräber besuchen will, findet oftmals für sein Auto kaum einen freien Parkplatz in der Nähe der Friedhofskapelle und der letzten Ruhestätte von Angehörigen oder Freunden. SPD-Ratsherr Alexander Kloss hat in der jüngsten Stadtratssitzung auf die schwierige Parksituation in Weinbergsweg, Kapellenstraße und Köppenweg aufmerksam gemacht. Die Straßen würden während der Werktage intensiv von Mitarbeitern des benachbarten großen Einbecker Unternehmens genutzt, was Friedhofsbesucher häufig vor die Frage stelle: Wohin mit meinem Auto? Das Unternehmen KWS stehe Einschränkungen der dortigen Parkmöglichkeiten offen gegenüber, berichtete Kloss aus seinen Gesprächen mit dem Arbeitgeber vieler Parkender und schlug eine Parkscheiben-Regelung vor: Bei zwei Stunden Parkdauer könne die Fläche nicht mehr während des gesamten Arbeitstages von Beschäftigten blockiert werden. Die Verkehrskommission habe einschränkende Schilder jüngst verneint, entgegnet Fachbereichsleiter Arnd Severidt. Die schwierige Situation im Friedhofs-Quartier sei der Stadt bekannt und werde von der Ordnungsbehörde ebenso wie von der Polizei beobachtet. Es gehe ihm nicht um das Beobachten, sondern darum zu handeln, sagt Ratsherr Alexander Kloss. „Das sieht auch das Unternehmen so.“ CDU-Ratsherr Jörg Brödner unterstützte den Vorstoß Kloss‘. Der Köppenweg sei durch dort parkende Autos für Gegenverkehr häufig zu eng, vor allem im Bereich der Bahnunterführung, er forderte ein beidseitiges Parkverbot. Brödner: „Hier besteht absoluter Handlungsbedarf.“

Auch der Köppenweg ist für Autofahrer in beide Richtungen schwer zu passieren, wenn auf einer Seite Autos parken.

Auch der Köppenweg ist für Autofahrer in beide Richtungen schwer zu passieren, wenn auf einer Seite Autos parken.

Nachtrag 25.08.2016: Wie Ratsherr Alexander Kloss (SPD) in einer Antwort auf seine Ratsanfrage erfuhr, ist für den Bereich der Parkplätze gegenüber vom Hauptzugang des Friedhofs eine Parkscheiben-Regelung (zwei Stunden) angeordnet worden. Die Halteverbote im Knotenpunktbereich Kappellenstraße/Köppenweg würden durch Polizei und Ordnungsdienst der Stadt Einbeck verstärkt kontrolliert, heißt es in der Antwort.

Ab sofort nur noch mit Parkscheibe: Parken gegenüber vom Friedhof-Hauptzugang.

Ab sofort nur noch mit Parkscheibe: Parken gegenüber vom Friedhof-Hauptzugang. Foto vom 25.08.2016

Flüchtlingssituation: Durchatmen und dranbleiben

Die Zahl der neu in Einbeck eintreffenden Flüchtlinge hat aktuell merklich nachgelassen, rund 400 leben zurzeit im Gebiet der Stadt Einbeck, die Flüchtlinge dezentral in Wohnungen unterzubringen ist derzeit nach den Worten von Rathaus-Fachbereichsleiter Arnd Severidt kein Problem. Gelegenheit zum Durchatmen für die Helfer. Aber auch zum Dranbleiben. „Die Flüchtlingszahlen im Herbst und Winter waren nicht einfach zu verkraften, das war eine Riesenaufgabe“, sagt Michael Büchting, Kuratoriumsvorsitzender der Diakonie-Stiftung „Nächstenliebe in Einbeck“. Jetzt aber habe man auch mal Zeit dafür, Dinge aufzuarbeiten, die liegen bleiben mussten. Und man habe sich personell mittlerweile besser aufstellen können, berichtete Büchting im Sozialausschuss des Einbecker Stadtrates. „Wir sind zurzeit besser in der Lage zu helfen.“ Das Projekt „Neue Nachbarn“ der Diakonie-Stiftung wird von der Stadt Einbeck finanziell unterstützt, seit 1. März arbeitet nach einem Beschlusses des Stadtrates Roland Heimann in Vollzeit (38,5 Stunden) als Flüchtlingsbetreuer. Neben Koordinatorin Zsuszanna Bényei-Büttner (25 Stunden), die von der Diakonie-Stiftung bezahlt wird. Heimann ist Schnittstelle zu Behörden, Unternehmen, Schulen, Kindergärten und (Sport-) Vereinen. Außerdem waren und sind Praktikanten und Bundesfreiwilligendienstleistende im Bereich der Flüchtlingshilfe beschäftigt. Neben den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern. Und Martina Bode ist für das Haushaltslager im ehemaligen Aldi-Markt an der Otto-Hahn-Straße tätig, pflegt Daten und Listen, kümmert sich um den Facebook-Auftritt der „Neuen Nachbarn“. Wie Michael Büchting im Sozialausschuss ankündigte, wird das Spendenlager im früheren Aldi-Markt ab Mai nicht mehr genutzt werden können, da KWS auf diesem seit geraumer Zeit dem Unternehmen gehörenden Gelände dann mit Erweiterungsbauarbeiten beginnen will. Dies sei vorher bekannt gewesen, und man habe auch inzwischen dank Vermittlung der Stadt Einbeck einen neuen Ort für ein Haushaltslager gefunden – im Bereich der ehemaligen Stadtgärtnerei am Deinerlindenweg. Auch das Museumscafé wird als Treffpunkt für Helfende mittlerweile zu klein. Damit Integration gelingen könne, benötige man Raum für Begegnung und Austausch, zwischen den Flüchtlingen, zwischen Flüchtlingen und Helfern sowie unter den Helfenden. Wünschenswert sei, hierfür Räume im Rheinischen Hof nutzen zu können, sagte Büchting. Die Gespräche dazu laufen.

Flüchtlinge: So lange es geht dezentral

Seit September sind 138 geflüchtete Menschen vor allem aus Syrien, Afghanistan und der Russischen Förderation aus Erstaufnahmeeinrichtungen der Stadt Einbeck zugewiesen worden. Bis Weihnachten werden weitere 22 Flüchtlinge in Einbeck erwartet. Diese aktuellen Zahlen nannte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek in der Sitzung des Stadtrates am Mittwoch. Die Stadt Einbeck wolle die für alle im Sinne einer Integration vorteilhafte dezentrale Unterbringung der geflüchteten Menschen in Wohungen so lange wie möglich realisieren. Deshalb würden städtische Wohnungen in Odagsen und Holtensen hergerichtet. Außerdem werden neun Wohnungen in der Kolberger Straße in Einbeck so instandgesetzt, dass sie beheizbar sind. Nach Einschätzung der Bürgermeisterin zeige das große ehrenamtliche Engagement, dass Willkommenskultur in Einbeck nicht nur ein Schlagwort sei, „sondern in Einbeck und den Ortschaften tatsächlich gelebt wird“. Michalek: „Ich darf mich ganz herzlich bei den vielen Menschen bedanken, die sich haupt- und ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit in unserer Stadt einbringen, Wohnraum zur Verfügung stellen, Kleidung und Hausrat spenden oder durch tatkräftiges Anpacken vielfältigster Art unsere neuen Nachbarn das Ankommen und Einleben erleichtern.“

Roland Heimann.

Roland Heimann.

Der Stadtrat hat dabei auf Initiative der SPD ein Zeichen gesetzt, als dieser im September entschieden hatte, die Flüchtlingssozialarbeit finanziell zu unterstützen. Zunächst in Teilzeit, ab 1. März dann in Vollzeit wird das Diakonische Werk einen Flüchtlingsbeauftragten einstellen. Diese zweite Stelle beim Projekt „Neue Nachbarn“ der Diakonie-Stiftung wird Roland Heimann besetzen. Der 54-Jährige soll eine starke Stütze für Zsuszanna Bényei-Büttner sein, die das Projekt leitet. Heimann ist seit 2014 in der Flüchtlingsbetreuung in Kreiensen und Greene aktiv, hat dort Deutschkurse initiiert und kommt deshalb mit viel Erfahrung und dennoch mit einem hilfreichen Blick von außen zum Projekt „Neue Nachbarn“. Der Kreienser war 15 Jahre beim Bundesgrenzschutz, hat eine eigene Versicherungsagentur in Kreiensen aufgebaut. Heimann ist gut mit allen Behörden im Landkreis vernetzt und bringt klare Konzeptvorstellungen mit, wie Integration der Flüchtlinge gelingen kann, heißt es in einer Pressemitteilung der Diakonie-Stiftung. Roland Heimann ist hinzugewähltes CDU-Mitglied im Stadtentwicklungsausschuss des Einbecker Stadtrates und im Vorstand der Vereinigung Handel & Gewerbe der Region Kreiensen.

KWS-Mitarbeiter dürfen sich vier Stunden pro Woche für ihr Engagement aufschreiben. Das motiviert zusätzlich und kann Beispiel für andere Unternehmen sein.

Und in ihrem Weihnachts- und Neujahrsgrußwort (Weihnachtsgruß Presse 2015) hat die Bürgermeisterin in diesem Jahr das Thema Flüchtlinge auch erwähnt. Dann kann ja die Bescherung kommen…

Rodel frei

Dr. Carl-Ernst Büchting (1915-2010). Foto: KWS Saat SE

Dr. Carl-Ernst Büchting (1915-2010). Foto: KWS Saat SE

Auf ihr haben seit Jahrzehnten Generationen von Einbeckerinnen und Einbeckern viel Spaß auf ihrem Schlitten im Winter gehabt, sich mutig „talwärts“ gewagt… Und das, obwohl die rund 12.000 Quadratmeter große Fläche imgrunde Privatgelände war. „Büchtings Wiese“ wird das Grünland nördlich der Eichendorffallee östlich des Hubewegs im Volksmund schon immer genannt. Wie Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek heute auf Anfrage aus dem Verwaltungsausschuss berichtete, hat das Gremium einer Sachspende des Grundstücks (Wert: 10.000 Euro) zugestimmt, abschließend entscheidet nächste Woche der Stadtrat darüber. Die KWS Saat SE spendet „Büchtings Wiese“ der Stadt Einbeck in dem Jahr, in dem ihr langjähriger Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzender 100 Jahre alt geworden wäre. Sie soll öffentlich nutzbare Rodelwiese bleiben, geplant ist ein Unterstand am Waldrand und eine Hinweistafel auf Dr. Carl-Ernst Büchting (1915-2010). Für die nächsten zehn Jahre ist eine Pflege der Wiese durch KWS vereinbart.

"Büchtings Wiese": Wenn Schnee liegen würde, wäre hier Rodel frei. Und es bleibt dabei.

„Büchtings Wiese“: Wenn Schnee liegen würde, wäre hier Rodel frei. Und es bleibt dabei.

Nachtrag 17.12.2015: Der Stadtrat hat der Schenkung zugestimmt.

Nachtrag 18.12.2015: Wie die KWS in einer Presseinfo (62_Buechting-Wiese) mitteilt, wird im oberen Teil im Frühjahr 2016 eine Aussichtsplattform mit Schutzhütte entstehen, von der aus die Spaziergänger den Blick auf die Stadt genießen können – im Sommer ein Ort der Ruhe und des Verweilens und im Winter der Startpunkt für so manche Schlittenfahrt.

So soll die Aussichtsplattform aussehen, die im Frühjahr 2016 auf "Büchtings Wiese" entstehen soll. Grafik: KWS Saat SE

So soll die Aussichtsplattform aussehen, die im Frühjahr 2016 auf „Büchtings Wiese“ entstehen soll. Grafik: KWS Saat SE

Mitmach-Magistrale

Großes Interesse an der Magistrale, rechts Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek bei der Begrüßung

Großes Interesse an der Magistrale, rechts Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek bei der Begrüßung

Bauamtsleiter Frithjof Look moderierte die Diskussion.

Bauamtsleiter Frithjof Look moderierte die Diskussion.

So, wie es heute ist, kann es nicht bleiben. Das haben die Beschreibungen des Ist-Zustandes sehr gut gezeigt, welche die Mitarbeiter des Planungsbüros „Schöne Aussichten“ in der Einbecker Rathaushalle vorgestellt haben: Zu schmale und nicht barrierefreie Gehwege, ein schlechter Zustand von Mobiliar und Straßenoberfläche, so genannte Übermöblierung durch Werbetafeln, fehlende Orientierung an manchen Stellen. Bis die Verbindung zwischen Tiedexer Tor und Möncheplatz zu einer zusammenhängend verstandenen „Magistrale“ wird, muss noch einiges geschehen. Die Planer wollen die Strecke in drei Abschnitte, so genannte Stadträume, gliedern und ihr Augenmerk dabei auch auf von ihnen so bezeichnete Gelenke legen: auf die Start- und Zielpunkte PS-Speicher und Möncheplatz sowie die Straßenkreuzungen am historischen Stadttor und an Tiedexer Straße/Marktstraße/Marktplatz/Pastorenstraße. „Schöne Aussichten“ sieht noch nicht gehobene Potenziale, beispielsweise die Innenhöfe, und fragt, wohin die Planungsreise hingehen soll: Mehr Touristen? Mehr Gastronomie? Mehr Handel? Mehr Wohnen? Mehr Parken? Oder aber weniger?

Wie hoch das Beharrungsvermögen einiger vor Ort sein kann, hat die Veranstaltung ebenfalls gezeigt. Wer als erstes immer nur fragt, was ihn das als Anlieger kostet, erschwert eine ergebnisoffene Diskussion. Ein Brötchen kostet Geld, aber es stillt auch meinen Hunger. Eine Neugestaltung der Straße kostet möglicherweise (das ist noch gar nicht entschieden) auch die Anlieger Geld, aber dafür verschönert es auch die Umgebung der Immobilien, steigert ihren Wert. Und damit die Straße möglichst in der Form umgestaltet wird, wie das die Anlieger sich wünschen, müssen diese mitreden und sagen, wie sie es gerne hätten. Bei diesem Projekt können die Bürger sich beteiligen. Sie sollten es rege tun.

Groß war das Interesse bei der Auftaktveranstaltung am 5. November im Alten Rathaus.

Groß war das Interesse bei der Auftaktveranstaltung zur „Magistrale der Baukultur“ am 5. November im Alten Rathaus.

Den Menschen muss es wieder Freude machen, sich in der Tiedexer Straße aufzuhalten. Wie das gehen kann, und trotzdem genügend vitalisierende Parkplätze erhalten bleiben können? Erste, ausbaufähige Ansätze hat es dazu bei der Auftaktveranstaltung des Projekts „Magistrale der Baukultur“ bereits gegeben. Mit ihr hat der Dialogprozess begonnen, wie die Verbindung zwischen PS-Speicher und Möncheplatz/ZOB gestaltet werden soll. Die Mitarbeiter von „Schöne Aussichten“ werden in den nächsten Tagen einige gesellschaftliche Gruppen und wichtige Akteure interviewen, so die Ankündigung. Jeder kann aber selbst mitmachen bei den Magistrale-Planungen: Bei der Stadtverwaltung gibt es unter magistrale@einbeck.de extra eine E-Mailadresse für Anregungen. Auch Fotos dürfen dort eingereicht werden, „Zeigen Sie uns, was Sie sehen!“ (maximal zwei Bilddateien in niedriger Auflösung, bitten die Empfänger im Rathaus), etwa mit positiven, aber auch mit negativen Beispielen, die unbedingt verändert werden sollten. Gespannt bin ich auch auf die Workshops Ende des Monats mit betroffenen Gruppierungen wie zum Beispiel Gewerbetreibende – und natürlich auf die Ergebnisse dieser Treffen.

Bei der Eröffnung der "Art Lounge Newcomer". Foto: KWS Saat SE

Bei der Eröffnung der „Art Lounge Newcomer“. Foto: KWS Saat SE

Erste Impulse sind bereits gesetzt – von den zwei großen Playern in Einbeck: PS-Speicher und KWS. Die Kulturstiftung hat im Sommer den Weg vom Tiedexer Tor zum Marktplatz mit dem PS-Pfad aufgewertet. KWS hat vor ein paar Tagen in der Tiedexer Straße 20 eine Galerie eröffnet. Die „Art Lounge“ mit Namen „Newcomer“ soll mit zeitgenössischer Kunst als junges und frisches Element zur Stärkung des kulturellen Angebots in Einbeck beitragen und ein deutliches Signal sein, dass KWS die Idee einer lebendigen und attraktiven Verbindung zwischen dem PS-Speicher und der Innenstadt unterstützt, teilt das Unternehmen mit. „Wir hoffen, dass dies eine Initialzündung für weitere Initiativen ist“, sagte KWS-Vorstandssprecher Dr. Hagen Duenbostel bei der Eröffnung. Das ist kann man sich in der Tat sehr wünschen. Die erste, bis Mitte Dezember laufende Ausstellung heißt „Gute Aussichten“. „Schöne Aussichten“ knüpfen dann mit ihren Planungen an…

Für Forschungsfreiheit

Pflanzentechnologie erlernen, das kann man an der BBS in Einbeck - auch das lernte Thomas Oppermann bei seinem jüngsten KWS-Besuch.

Pflanzentechnologie erlernen, das kann man an der BBS in Einbeck – auch das lernte Thomas Oppermann bei seinem jüngsten KWS-Besuch.

Der Sozialdemokrat kennt KWS schon seit seinen Schülertagen in Edemissen: Damals habe auch er in den Ferien auf dem Feld „Rüben verzogen“, erinnert sich Thomas Oppermann. In Einbeck an der Goetheschule hat der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion sein Abitur gemacht. Bis heute ist Thomas Oppermann mit Einbeck verbunden: Er ist eines der Gründungsmitglieder des Vereins der Förderfreunde des PS-Speichers, dessen Vorsitzender der Aufsichtsratschef der KWS Saat SE, Andreas J. Büchting, ist. Man kennt sich, man duzt sich. Bei seinem jüngsten KWS-Besuch war Oppermann in Begleitung von rund zwei Dutzend Hauptstadtjournalisten. Nach einem Besuch des Weltkulturerbes Fagus-Werk in Alfeld (wo auch Schuhe von Oppermann in der Ausstellung zu sehen sind) stand tags darauf eine Brocken-Wanderung auf dem Programm der mehrtägigen Sommertour. Die Journalisten-Kollegen aus Berlin sorgten bei der 90-minütigen Visite bei KWS für eine höhere Twitter-Aktivität in Einbeck.

 

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Thomas Oppermann wünscht sich eine „rationale Debatte“ über moderne Methoden der Pflanzenzüchtung, wie er bei seinem Besuch sagte. „Die Forschungsfreiheit muss verteidigt werden, sie muss man Ihnen als Unternehmen lassen“, erklärte der 61-Jährige. KWS investiert rund 15 Prozent des Umsatzes jährlich in Forschung und Entwicklung – was dem Etat von zwei mittelgroßen Max-Planck-Instituten entspreche, sagte Thomas Oppermann. Der SPD-Politiker wünschte sich, dass der Saatguthersteller mit guten Forschungsergebnissen weiterhin an der Spitze liegen möge – und dabei keine unangemessenen Behinderungen ertragen müsse. Dass die KWS im strukturschwachen Bereich Einbeck und Südniedersachsen ihren Sitz habe und hier 1700 Mitarbeiter beschäftige, sei besonders wertvoll. Von KWS-Vorstandssprecher Hagen Duenbostel und dem Leiter Forschung & Entwicklung, Jürgen Schweden, ließ sich Oppermann über Züchtungsmethoden und die Saatgutproduktion informieren. Oppermann bestärkte das Unternehmen im  Bestreben nach mehr Transparenz bei der Etikettierung von Lebensmitteln. „Denn nur so wird dem Verbraucher klar, dass bereits bis zu 70 Prozent der Lebensmittel im Supermarkt in ihrer Entstehungskette mit Biotechnologie, also auch mit Gentechnik, in Berührung kommen“, erklärte KWS-Vorstandschef Hagen Duenbostel. Und das sei ja nichts Schlimmes. Bisher wüssten große Teile der Öffentlichkeit das nicht, sagte der 45-Jährige. Die Branche, aber auch die Politik habe eine wichtige Verantwortung, das Bewusstsein dafür zu schärfen.

Moderne Pflanzenzüchtung im Gewächshaus (v.l.): SPD-Bundestagsfraktionschef Thomas Oppermann, KWS-Vorstandsprecher Hagen Duenbostel und der Leiter Forschung & Entwicklung bei KWS, Jürgen Schweden.

Moderne Pflanzenzüchtung im Gewächshaus (v.l.): SPD-Bundestagsfraktionschef Thomas Oppermann, KWS-Vorstandsprecher Hagen Duenbostel und der Leiter Forschung & Entwicklung bei KWS, Jürgen Schweden.

Wirtschaftsminister-Ingenieur

Wirtschaftsminister Olaf Lies im Porsche-Fahrsimulator auf der Grand-Prix-Strecke in Brasilien.

Wirtschaftsminister Olaf Lies im Porsche-Fahrsimulator des Einbecker PS-Speichers, unterwegs auf der Grand-Prix-Strecke in Brasilien.

Der Mann weiß, wovon er spricht. Wenn er über Motorräder, alte Autos und Maschinen spricht. Olaf Lies (48) ist Diplom-Ingenieur, der Wilhelmshavener hat Elektrotechnik studiert, während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fachhochschule an mehreren Entwicklungsprojekten der Automobilindustrie mitgewirkt. Heute ist Lies Minister für Wirtschaft, Verkehr und Arbeit in Niedersachsen – und jedes Mal leuchteten bei seinem Besuch in Einbeck seine Augen, wenn er in der Ausstellung des PS-Speichers ein Fahrzeug entdeckte, zu dem er eine Verbindung hatte (etwa der goldene Achilles-Motorroller aus den 50-ern, dem ersten Fahrzeug seiner Schwiegereltern). Und das war öfter bei dem Mann der Fall, der als erstes Auto einen Opel Kadett C fuhr. Olaf Lies versprach, wieder zu kommen in die Erlebnisausstellung. Er habe noch nicht alles sehen können (was nicht allein an der 55-minütigen Verspätung des diesmaligen Einbeck-Besuchs lag). Der SPD-Politiker ist Mitglied im Kuratorium der Kulturstiftung Kornhaus, außerdem Mitglied bei den Förderfreunden und schon deshalb ein Fan des PS-Speichers. „Sie können sehr stolz sein, was Sie hier geschaffen haben“, sagte der Minister an die Adresse von Karl-Heinz Rehkopf und seinem Team, würdigte die 25-Millionen-Euro-Investition, die das Land gefördert hat. „Danke, dass Sie es in Niedersachsen gemacht haben.“

Olaf Lies (r.) mit Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel im "Ilmeblitz" auf dem Weg von Salzderhelden nach Einbeck.

Olaf Lies (r.) mit Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel im „Ilmeblitz“ auf dem Weg von Salzderhelden nach Einbeck.

Zum zweiten Mal fuhr Wirtschaftsminister Olaf Lies mit dem „Ilmeblitz“-Triebwagen der Ilmebahn GmbH die 4,4 Kilometer von Salzderhelden nach Einbeck-Mitte. Anders als vor zwei Jahren, ließ der SPD-Politiker am Ende seiner diesjährigen Sommerreise keine Zweifel mehr aufkommen: „In zwei Jahren fahren wir planmäßig auf dieser Strecke.“ Rund acht Millionen Euro kostet das Projekt, die Bahntrasse für den regelmäßigen Personenverkehr zu reaktivieren: Schienen, Schotter, Weichen – alles wird neu. Der Wirtschaftsminister denkt schon weiter, wie er nach seinem Besuch der Erlebnisausstellung PS-Speicher in Einbeck sagte: Optimal sei eine wieder aktive Bahnstrecke, um das am 1. November eröffnende Hotel Freigeist, das Oldtimer-Museum und die im nächsten Jahr fertig gestellte, 750 Menschen Platz bietende Event-Halle mit dem Zug zu erreichen. Dass es einen Bahn-Haltepunkt zwischen Salzderhelden und Einbeck-Mitte am Firmenstandort der KWS Saat SE in Einbeck geben soll, sagte Unternehmensvertreter Georg Folttmann bei der von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Göttingen organisierten Abschluss-Veranstaltung. „Wir sind da dran.“

Welchen besseren Ort könne es geben, eine Mobilität-Reise zu beenden als im PS-Speicher in Einbeck, in der vor einem Jahr eröffneten Oldtimer-Erlebnisausstellung zur Geschichte der individuellen Mobilität mit bislang mehr als 75.000 Besuchern. „Alte Motorräder, alte Autos ansehen – das freut mein Ingenieur-Herz“, sagte Olaf Lies dann auch zufrieden. Zuvor hatte er im Porsche-Fahrsimulator souverän die Kurven gemeistert.

IHK-Diskussion als Abschluss: Uwe Schwarz MdL (l.), Dr. Florian Schröder mit Minister Olaf Lies im Victoria-Saal des PS-Speichers in Einbeck.

IHK-Diskussion als Abschluss: Uwe Schwarz MdL (l.), Fachbereichsleiter Dr. Florian Schröder (2.v.l.) mit Wirtschaftsminister Olaf Lies im Victoria-Saal des PS-Speichers in Einbeck.

Den für Verkehr zuständigen Minister treibt bei seiner viertägigen sommerlichen Reise quer durch Niedersachsen auf Straße, Schiene und Schiff eine Sorge um: „Mir fehlt die Aufbruchstimmung, wenn Verkehrsinfrastruktur gebaut wird“, sagte Olaf Lies. Viele würden nur die Bedenken sehen, wenn beispielsweise eine neue Straße gebaut werde. Bei Investitionen dürfe der ländliche Raum nicht vernachlässigt werden, nur so könne dieser an die Metropolen angebunden werden. Schließlich könnten und sollten nicht alle Menschen nach Hannover umziehen.

Zum Abschluss seiner Tour zur Verkehrsinfrastruktur hat der Wirtschaftsminister mit rund 50 Gästen in Einbeck über Infrastrukturprojekte in Südniedersachsen diskutiert. Gekommen waren vor allem Vertreter von Unternehmen, aber auch Bürgermeister und Bürgerinitiativen. Vize-Rathauschef Dr. Florian Schröder nutzte die Gelegenheit, beim Besuch aus Hannover für das Thema Breitbandversorgung zu werben, die virtuelle Mobilität des ländlichen Raumes. Der Minister machte jedoch wenig Hoffnung, dass zusätzliches Geld vorhanden sei, um das schnelle Internet in der Provinz fördern zu können.

Mobiler Ministerpräsident

Ministerpräsident Stephan Weil: Den Bierorden der der Karnevalsfreunde Einbeck hat er seit Januar dieses Jahres.

Ministerpräsident Stephan Weil: Den Bierorden der Karnevalsfreunde Einbeck hat er im Januar dieses Jahres erhalten.

Die Botschafter dieser Stadt kennt er schon, die kulinarischen jedenfalls. Und als ausgezeichneter Ordensträger ist er selbst ein Einbeck-Botschafter, als bekennender Biergenießer sowieso. Wenn da nicht immer dieser Gerstensaft aus der Landeshauptstadt wäre… Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), dem erst im Januar dieses Jahres der Bierorden des Einbecker Karnevals verliehen wurde und dem Bier, Bockwurst und Bockbiersenf aus Einbeck erst kürzlich geschmeckt haben, besucht am Freitag zwei Einbecker Leuchttürme. Der Regierungschef ist auf Sommerreise durch Niedersachsen, und auch „Leuchtturm“ klingt ja ein wenig nach Urlaub und Strand. Doch die Visite Weils dürfte (angesichts des Wetterberichts und des eng getakteten Programms) durchaus schweißtreibend werden.

Der Ministerpräsident eröffnet am Mittag den PS-Speicher im Kornhaus, die Erlebnisausstellung individueller Mobilität. Und eine Stunde später ist Weil beim nächsten Einbecker Leuchtturm zu Gast, wie die wirtschaftlichen Schwergewichte, die über die Stadt hinaus strahlen, gerne genannt werden: Bei der KWS soll sich der Gast aus Hannover unter anderem im Gewächshaus informieren. Irgendwie scheint der Ministerpräsident immer heißes Sommerwetter mitzubringen, wenn er in der Bierstadt ist. Bei seiner Sommerreise 2012, damals noch im Wahlkampf als Herausforderer, hatte er seinen Besuch im Einbecker Brauhaus bei 30 Grad zu absolvieren.

Vom Ministerpräsidenten wird bei der PS-Speicher-Eröffnung erwartet, dass er die hohe Bedeutung hervorheben wird, die in einem Flächenland wie Niedersachsen die Mobilität schon immer besessen hat. Schließlich ist zudem der
Fahrzeugbau mit seinen (auch in Einbeck beheimateten) Zulieferern die Schlüsselbranche der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg. Vor allem aber dürfte Stephan Weil, bevor er das offizielle Eröffnungsband vor nach Angaben der Staatskanzlei rund 800 geladenen Gästen durchschneiden wird, dem Stifter und Initiator des PS-Speichers, Karl-Heinz Rehkopf, für langjähriges, beharrliches und überaus erfolgreiches Engagement danken. Vier Jahre lang wurde am PS-Speicher geplant und gebaut, ab Freitag soll der Leuchtturm Licht senden und Menschen anziehen.

Eine runde Stunde ist der Regierungschef beim PS-Speicher eingeplant, bevor er sich mit Entourage vom Westen der Stadt in den Osten aufmachen wird: Bei der KWS Saat AG wird Stephan Weil kurz nach Mittag von Vorstandssprecher Philip von dem Bussche und Vorstand Hagen Duenbostel erwartet. Beide wollen laut Staatskanzlei dem Ministerpräsidenten den zurzeit entstehenden Neubau eines Forschungsgebäudes zeigen und ihm im Gewächshaus die züchterischen Aktivitäten des größten Arbeitgebers in Einbeck nahe bringen.

Bevor sich Stephan Weil übrigens um gespeicherte Pferdestärken in Einbeck kümmern wird, hat er sich bei seiner Sommerreise-Station zuvor über Elektromobiltät informiert. Weil besucht am Freitag Vormittag in Goslar den Energie-Campus, dort geht es unter anderem darum, Elektrofahrzeuge innerhalb von unter 30 Minuten von 0 auf 100 Prozent aufzutanken. Wenn das keine thematische Vorlage für Einbeck ist…

Bier-Botschafter: Barbara und Lothar Gauß, Stephan Weil, Sabine und Wolfgang Michalek.

Bier-Botschafter: Barbara und Lothar Gauß, Stephan Weil, Sabine und Wolfgang Michalek.

Botschafter-Besuch (v.l.): Carsten Ilsemann, Heiko Jörns, Stephan Weil, Kalle Eikenberg, Rainer Koch und Siegfried Kappey.

Botschafter-Besuch (v.l.): Carsten Ilsemann, Heiko Jörns, Stephan Weil, Kalle Eikenberg, Rainer Koch und Siegfried Kappey.

Ohne Schlagzeilen zurücktreten? Undenkbar…

Sonja Jakob, Dr. Sabine Michalek.

Ex-Grüne Sonja Jakob (links), Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek.

Einfach so das Amt niederlegen – und niemand bekommt es mit? Das darf doch nicht sein. Sagte sich offenbar Sonja Jakob von den Grünen. Mit einer eigenen Pressemitteilung hat die Grüne bzw. Ex-Grüne aus dem Einbecker Ortsteil Iber jetzt noch einmal öffentlich gemacht, dass sie ihr Vorstandsamt bei den Einbecker Grünen niedergelegt hat – „etwas zeitverzögert, aber dafür mit Nachdruck“, wie sie selbst einräumt.

Und auch mit (nicht ganz überraschender) Begründung: Sie könne eine Zusammenarbeit der Grünen-Fraktion in Einbeck mit der neuen Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren. Ein Affront gegen die Grünen-Wähler sei das. Denn die Bürgermeisterin, die zuvor die Öffentlichkeitsarbeit der KWS Saat AG geleitet hatte, sei Befürworterin einer Agro-Gentechnik, habe jahrelang gezielt desinformiert über die Gefahren und Risiken dieser Technologie. Und vielleicht, mutmaßt Jakob, missbrauche die Bürgermeisterin ihr Amt für eine Positionierung der Stadt Einbeck im Sinne der Gentechnik. Beleg: der Masterplan, bezahlt von der Einbeck Marketing GmbH (und damit indirekt auch von KWS).

Sonja Jakob ist erklärtermaßen seit Jahren in der Öffentlichkeit wiederholt gegen die grüne Gentechnik und explizit auch gegen die der KWS eingetreten. Aus der Partei ausgetreten sei sie wegen des Netzwerk-Schmusekurses deshalb auch gleich, teilte Jakob mit.

Die Einbecker Grünen freilich hatten schon Anfang März, also vor zwei Monaten, im Bericht über ihre Mitgliederversammlung die Information verbreitet, dass Sonja Jakob Ende Februar von ihrer Vorstandstätigkeit zurückgetreten sei. Aber nach dem Geschmack mancher ging das damals vielleicht zu wenig schlagzeilenträchtig im Text unter…