Wie die SPD ihren Bürgermeisterkandidaten nominierte

Der Spannungsbogen war lang. Jetzt ist die Entscheidung gefallen – gut so. Es wurde Zeit. Die verantwortlichen Sozialdemokraten werden erstmal durchatmen, dass sie ihr aufwändiges, basisdemokratisches Nominierungsverfahren abschließen konnten. Trotz Corona-Hürden. Drei Stunden dauerte allein die Veranstaltung am Sonnabend unter hohen Hygiene-Auflagen mit viel Abstand und Platz in der großen Sporthalle. Zwei weitere Vorstellungsrunden hatte es schon gegeben, im Februar in Billerbeck und im März in Iber. Viele Sozialdemokraten, die nun abgestimmt haben, waren bei allen drei Treffen dabei, die formal nahezu identisch abliefen: Die drei Kandidaten stellten ihre Person und ihr Programm vor, antworteten auf Fragen. Die SPD-Mitglieder, jedenfalls die interessierten, dürften jetzt sehr viel über alle drei Kandidaten wissen, die sich zur Abstimmung gestellt hatten. Am Ende war das Ergebnis deutlich – und das bereits im ersten Wahldurchgang: Dirk Heitmüller ist nun der Bürgermeisterkandidat bei der SPD. Fast 60 Prozent der Mitglieder wollten ihn.

Verhaltener kurzer Jubel mit roten Rosen unter dem Basketballkorb: Dirk Heitmüller ist SPD-Kandidat, links Michaela Schnepel und Marcus Seidel aus dem Parteivorstand.

Der bestens vernetzte Salzderheldener Ortsbürgermeister fordert jetzt am 1. November die Amtsinhaberin heraus. Schwierig wird diese Wahl, das weiß der 50-Jährige. Aber er geht es zuversichtlich an – mit seiner Partei im Rücken. „Einer von uns, einer für uns“, das soll sein Slogan sein, sagte Heitmüller bei der Wahlkonferenz am Mittag. Und nur wenige Stunden nach der Entscheidung waren die dazu passenden Facebook- und Twitter-Seiten der SPD schon online. Eine kleine Social-Media-Gruppe hatte alles rechtzeitig vorbereitet.

Was hat den Ausschlag bei den 82 Mitgliedern gegeben, die ihre Stimmzettel abgegeben haben? Bei einer geheimen Wahl wird man das nicht so leicht herausfinden können. Doch es wurde spätestens am Sonnabend beim Treffen in der Sporthalle überdeutlich, was sich bereits in Iber angedeutet hatte. Die Mehrheit der SPD-Mitglieder setzt auf einen Kandidaten, der sich am stärksten einbinden lässt, der im höchsten Maße parteiinterne Solidarität verspricht. Der Parteidisziplin übt. Zu viel Selbstständigkeit mögen Sozialdemokraten nicht, die in Gremien denken, die immer mitgenommen und einbezogen werden wollen.

Deshalb wurde nicht Alexander Kloss der SPD-Kandidat. Er wurde bei der Versammlung in Einbeck noch viel deutlicher als bereits in Iber von einigen Genossen scharf kritisiert: Ratsfrau Eunice Schenitzki, Altbürgermeister Martin Wehner, Hanneliese Traupe und Michaela Schnepel gingen Kloss hart und teils emotional aufgebracht an. Da ging es um vermeintliche Einzelheiten (wer hat an wie vielen Parteitreffen teilgenommen und wer nicht) oder um den Slogan „Klare Kante Kloss“ und die persönliche Website und die Farben dort, die zu wenig Rot enthalten. SPD-Rot. Diese Kritik war ganz kleines Karo.

Viel entscheidender dagegen war die Antwort auf die Frage, wie stark ein SPD-Kandidat einen eigenen Kopf in den Parteistrukturen haben darf. Andere Genossen haben in der Vergangenheit schon mal von Beinfreiheit gesprochen. Es kam noch einmal zur Sprache, warum Kloss denn in seinem Vorstellungspapier schreibe, er stehe ohne Parteiämter an der Seitenlinie und sei neutral. Wie könne er da Teil des Teams SPD-Ratsfraktion sein? Ironischerweise wurde die Entscheidung über die Kandidatur nun auf einem Spielfeld in einer Sporthalle entschieden, mit Mitgliedern, die auf der Tribüne saßen. Alexander Kloss machte den Fehler, dass er auf diese Debatte seiner Kritiker zu intensiv einstieg. Das war schon in Iber so. Dass er alte Rechnungen wie die Nichtberücksichtigung als stellvertretender Bürgermeister jetzt begleichen mochte, verschüttete Milch wieder in die Flasche bekommen wollte. Das musste schief gehen. Die innerparteilichen Kritiker waren zu zahlreich und zu mächtig. Sie holten wie beispielsweise Ratsfraktionschef Rolf Hojnatzki flugs alte Protokolle hervor und zitierten Abstimmungsergebnisse bei der Vize-Bürgermeisterwahl vor vier Jahren. Das verfing bei vielen Genossen. Alexander Kloss machte deutlich, dass sein Herz für Einbeck schlage und seine politische Heimat die SPD sei. Er plane keine Alleingänge, sagte er. „Wir als SPD schaffen den Wechsel im Rathaus nicht allein, sondern wir brauchen Verbündete“, sagte Kloss. Und diese schaffe man nicht mit Betonkopfdenken, mit Aggression oder mit Taktik, sondern mit Aufrichtigkeit und Vertrauen.

Eine solche Angriffsfläche hat Dirk Heitmüller den SPD-Mitgliedern nicht geboten. Er präsentierte sich den Sozialdemokraten als erfahrener Kommunalpolitiker mit hohen Zustimmungswerten, mit einem beeindruckend großen, weit verzweigten Netzwerk in Salzderhelden und darüber hinaus, als gemütlicher Familienmensch mit Dackel Rudi. Und er war eine deutliche Spur bissiger bei seiner Kritik an der Bürgermeisterin. Das mögen die Genossen. Die meisten jedenfalls.

Am Sonnabend hatten die Abteilung Attacke noch Fraktionschef Rolf Hojnatzki und Kernstadt-Co-Vorsitzender Peter Traupe übernommen mit ihrer Kritik an der Bürgermeisterin. Das wird in Zukunft der Job von Dirk Heitmüller als Herausforderer von Dr. Sabine Michalek sein. Und zwar allein seiner. Er ist der Kandidat.

Die Wahl war aufwändig: Jeder holte sich mit Mundschutz seinen Zettel, ging in die Wahlkabine, warf dann den Stimmzettel in die Box. Helfer achteten darauf, dass die Mitglieder zwischeneinander genügend Abstand ließen.

Hojnatzki, der lange Zeit auch als potenzieller Kandidat galt, erinnerte in seiner zwölfminütigen Rede an die „unsägliche Rolle“ der Bürgermeisterin bei der Klage gegen die 380-kV-Trasse. Sie hätte Ratsmitglieder in Regress nehmen lassen für eine Solidarität mit den Bürgern der Stadt. „Wer seine Fehler nicht kennt und seine Schwächen nicht erkennt, kann daraus auch nicht lernen, das setzt sich in der aktuellen Krise fort“, sagte Hojnatzki in Richtung Bürgermeisterin. „Sie produziert täglich neue Bilder in der Zeitung, sehr freundlich lächelnd.“ Das sei in der Krise grundsätzlich nicht verkehrt, aber die Konsequenzen auf den Haushalt der Stadt Einbeck ließen sich nicht weglächeln. „Unsere Beteiligung als Stadtrat ist nicht erwünscht“, bedauerte er. Für Michalek gehe es doch nur darum, den Wahltermin zu überstehen. „Dass wir jetzt auf den 1. November gekommen sind, war schwer errungen“, sagte Hojnatzki. Am Liebsten wäre vielen gewesen, den 13. September „durchzuziehen“. Weil die konkreten Auswirkungen der Krise erst danach offenbar werden. „Und dann sind Leute gefragt, die das können, und nicht Leute, die in Krisenzeiten schon Probleme haben.“ Die SPD-Fraktion wünsche sich von einem neuen Bürgermeister „Respekt und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Rat, Achtung der Rechte, Schutz statt Regress, Beratung statt Bevormundung, frühzeitig Information“, sagte der Fraktionschef. „Wenn wir von Verwaltung sprechen, dann meinen wir ganz spezielle Leute, dann meinen wir nicht die Mitarbeiter, denn die leisten hervorragende Arbeit.“

Glückwünsche in Zeiten von Corona: Ulrike Schwartau gratuliert Dirk Heitmüller per Ellenbogen-Check.

Keine Experimente: Was einst ein Wahlkampf-Slogan von Konrad Adenauer war, gilt gewissenmaßen auch für die Einbecker SPD. Die Mehrheit entschied sich auch gegen einen viel Spannung versprechenden Wahlkampf Frau gegen Frau. Die Sozialdemokraten täten gut daran, die Überraschungskandidatin Ulrike Schwartau jetzt wenigstens für die nächste Kommunalwahl im kommenden Jahr aufzubauen und für die Ratsarbeit begeistert zu halten. Das sollten die Platzhirsche und Platzrehe in der Partei und in der Fraktion zulassen, schließlich wollen die Sozialdemokraten doch 2021 stärkste Fraktion im Stadtrat bleiben.

Abstimmung gewonnen (v.l.): Dirk Heitmüller ist Kandidat, Ulrike Schwartau und Alexander Kloss schafften es am Ende deutlich nicht.
Viel Platz für viel Abstand war in der Stadionhalle. Gut 30 Teilnehmer saßen auf der Tribüne, knapp 60 konnten auf dem Spielfeld sitzen.

Wer für die SPD bei der Bürgermeisterwahl kandidiert

Die Mitglieder der Einbecker SPD haben entschieden, wer für die Sozialdemokraten bei der Bürgermeisterwahl in Einbeck am 1. November kandidiert. Bei der Stadtwahlkonferenz in der Stadionsporthalle hat sich die Mehrheit für Dirk Heitmüller ausgesprochen (49 Stimmen). Alexander Kloss erhielt 22 Stimmen, Ulrike Schwartau bekam 11 Stimmen. 82 Stimmberechtigte konnten ihre Stimmen schriftlich auf Zetteln abgeben – in Corona-Zeiten war das eine besondere Herausforderung.

Heitmüller dankte für die Wahl und für das Vertrauen, nahm einen Strauß roter Rosen entgegen. „Ich traue es mir zu“, hatte der 50-jährige Sozialdemokrat aus Salzderhelden bei der Vorstellungsrunde gesagt. „Einer von uns, einer für uns“ – das werde sein Wahlslogan sein.

Ursprünglich war die Nominierung bereits für den 19. März vorgesehen, doch dann brach die Corona-Pandemie aus und alle Zeitpläne gerieten ins Wanken. Im Februar und März hatten sich die drei Kandidaten bereits in zwei Versammlungen in Billerbeck und Iber den Mitgliedern präsentiert. Die dritte Vorstellungsrunde in Einbeck am Sonnabend Vormittag in der Stadionhalle war nun auch gleichzeitig die Wahlkonferenz für die offizielle Nominierung. Die SPD musste aus rechtlichen Gründen bei einer Kandidatenkür in einer Präsenzveranstaltung bleiben, so dass Briefwahl oder Onlineabstimmungen ausschieden. Das machte Ortsverein-Vorsitzender Marcus Seidel zu Beginn der Veranstaltung noch einmal deutlich.

(Aktualisiert: 27.06.2020, 15:17 Uhr)

Rote Rosen für den Kandidaten: Dirk Heitmüller dankte für das Vertrauen.
Dirk Heitmüller (l.) konnte sich gegen Ulrike Schwartau und Alexander Kloss bei der Wahlkonferenz der SPD in der Stadionhalle durchsetzen.

SPD wählt in der Sporthalle

Die Einbecker SPD hat einen Termin gefunden, an dem sie ihren Kandidaten für die Bürgermeisterwahl wählen will. Es soll der 27. Juni sein, ein Sonnabend. Als Ort geben die Sozialdemokraten in einer Mitteilung die Sporthalle am Stadion in Einbeck an. Laut Statuten der SPD muss die Nominierung in einer Präsenzveranstaltung stattfinden. Andere Varianten, beispielsweise online oder per Briefwahl, sind ausgeschlossen. Damit waren die Genossen in der Corona-Pandemie mit ihren Kontakt- und Abstandsregeln unerwartet vor große Herausforderungen gestellt worden.

Sporthalle am Stadion in Einbeck.

Die Sporthalle sei „groß genug, um einen ausreichenden Abstand zwischen allen Teilnehmenden zu ermöglichen und damit die Erfüllung dieser und aller weiteren Auflagen zum Infektionsschutz zu gewährleisten“, schreiben die Sozialdemokraten. Alle Einbecker SPD-Mitglieder werden im Juni zu dieser Konferenz noch schriftlich eingeladen, kündigen sie an. Eine Uhrzeit für den 27. Juni nannten die Sozialdemokraten in ihrer Mitteilung zunächst nicht. Den Termin hatte die SPD kurzfristig vereinbaren können, erst seit dem 25. Mai und der an diesem Tage in Kraft getretenen Niedersächsischen Verordnung sind Versammlungen dieser Art überhaupt wieder erlaubt, „wenn sichergestellt ist, dass jede Person beim Betreten und Verlassen der Einrichtung sowie beim Aufenthalt in der Einrichtung einen Abstand von mindestens 1,5 Metern zu jeder anderen Person, die nicht zum eigenen Hausstand gehört, einhält“ (§1 Abs. 5b).

Die SPD nutzt mit dem Ort ihrer Wahlkonferenz auch die Gunst der Stunde, weil am gleichen Ort in der Stadionsporthalle drei Tage vorher eine Sitzung des Einbecker Stadtrates stattfinden soll. Damit sind wesentliche Vorarbeiten bereits von der Stadtverwaltung geleistet, die die Sozialdemokraten nutzen können.

Die Einbecker SPD bereitet sich bereits seit Monaten auf die Nominierung des Bürgermeisterkandidaten vor und war tragisch kurz vor dem Ziel ausgebremst worden. Den ursprünglichen Wahl-Termin am 19. März musste die Partei drei Tage vorher wegen der beginnenden Einschränkungen in der Corona-Pandemie wegen des hohen Infektionsrisikos absagen. Um die Bürgermeisterkandidatur der Einbecker SPD bewerben sich unverändert Dirk Heitmüller, Alexander Kloss und Ulrike Schwartau. Alle drei hatten sich bereits in zwei Vorstellungsrunden vielen Mitgliedern bekannt gemacht. Damit werden sie nach dann mehr als drei Monaten Pause wieder von vorne beginnen können – und müssen zusätzlich die Folgen einer Pandemie für Einbeck in ihre Programmatik mit einbeziehen.

So ganz scheinen die Genossen indes noch nicht zu glauben, dass in Einbeck am 13. September tatsächlich eine Bürgermeisterwahl stattfindet. „Zum jetzigen Stand soll die Bürgermeister*in-Wahl gemäß Beschluss des Stadtrates am 13. September 2020 stattfinden“, schreiben die Sozialdemokraten vorsichtig in ihrer Pressemitteilung und beziehen sich dabei auf Überlegungen des Landesgesetzgebers, die sich nach der wahrscheinlich übereilten Wahl-Absage von Uslar ergeben haben. Fest steht jedoch, wie auch immer in Hannover entschieden wird: Es wird eine Bürgermeisterwahl mit einem Wahlkampf werden, wie ihn noch keiner zuvor erlebt hat.

So eng wie hier werden die Sozialdemokraten bei ihrer Wahlkonferenz nicht wieder zusammen sitzen, wenn sie unter den drei Bewerbern den Bürgermeisterkandidaten wählen. Archivfoto

Wann die SPD ihren Kandidaten für die Bürgermeisterwahl nominiert

Die Corona-Pandemie hat das Leben bei allen Menschen durcheinander gebracht. Und bei der Einbecker SPD hat sie die Nominierung eines Kandidaten oder einer Kandidatin für die Bürgermeisterwahl kurz vor der Entscheidung ausgebremst. Die ursprünglich für den 19. März vorgesehene dritte Vorstellungsrunde inklusive der abschließenden Wahl durch die Mitglieder hatte die SPD in der sich extrem dynamisch entwickelnden Lage zu Beginn der Corona-Pandemie drei Tage vorher absagen müssen. Bislang gibt es auch noch keinen Ersatztermin, teilte jetzt Ortsverein-Vorsitzender Marcus Seidel mit.

Die Einbecker SPD hoffe auf ein Abflachen der Pandemie, um ohne Gefährdung für die Teilnehmer in den nächsten Monaten zu einer erneuten Nominierungskonferenz einladen zu können, erklärte Seidel. Ziel der Sozialdemokraten sei, auch unter den erschwerten Bedingungen ein möglichst zeitnahes und zugleich rechtssicheres Nominierungsverfahren durchzuführen, an welchem die Mitglieder der Einbecker SPD ohne Gefährdung ihrer Gesundheit teilnehmen können. Schriftliche Verfahren wie Briefwahl oder aber Online-Abstimmungen sind für das parteiinterne Nominierungsverfahren aktuell nicht zugelassen. Die Sozialdemokraten gehen aber davon aus, dass nach Überwindung der Krise entsprechende Verfahren in den Regelwerken etabliert werden.

Die SPD muss für die am 13. September terminierte Bürgermeisterwahl ihren Kandidaten spätestens bis 27. Juli um 18 Uhr nominiert haben, da bis zu diesem Zeitpunkt der Wahlvorschlag beim Wahlleiter eingegangen sein muss. Sollte die Corona-Pandemie den Sozialdemokraten überhaupt keine Möglichkeit lassen, bis zu diesem Zeitpunkt einen Kandidaten ordnungsgemäß aufzustellen, hoffen sie aus Fairnessgründen im Extremfall wegen höherer Gewalt auf eine Verschiebung des gesamten Wahltermins. Doch soweit sei es noch nicht, betonte der SPD-Vorstand. Nach Ostern soll es hier weitere interne Gespräche bei den Sozialdemokraten geben, die – wie viele andere – derzeit in ihren Gremien vor allem per Telefon, Mail oder Konferenzschaltungen kommunizieren. Momentan liegt ja auch das politische Leben auf Eis, Einbeck hatte im Gegensatz zu anderen Städten im Landkreis ihre jüngste Ratssitzung gerade noch (am 11. März) vor Beginn der Pandemie-Lage mit ihren zunehmenden Beschränkungen durchführen können, wichtige Ausschusssitzungen standen zunächst nicht an, zurzeit wäre ohnehin ganz normal Osterpause. Je später aber der offizielle SPD-Kandidat feststeht, desto später kann sich dieser auch politisch profilieren und vor allem bekannt machen bei den Wählern.

Für die Bürgermeisterwahl in Einbeck am 13. September haben sich bei der SPD zwei Männer und eine Frau zur Wahl und vorgestellt (Dirk Heitmüller, Alexander Kloss und Ulrike Schwartau), bislang in zwei gut besuchten Versammlungen in Billerbeck und in Iber konnten diese ihre Persönlichkeit und ihre politischen Ideen für Einbeck vorstellen.

SPD-Ortsverein-Vorsitzender Marcus Seidel bei der Vorstellungsveranstaltung in Iber mit den drei Kandidaten Alexander Kloss, Ulrike Schwartau und Dirk Heitmüller (v.l.). Archivfoto

Runde 2 für die drei SPD-Bewerber

Mehr Fragen, mehr Diskussion: die drei Bewerber stellten sich in Iber ihren Parteifreunden.

Lag’s am näher rückenden Termin der Entscheidung? Lag’s an der diskussionsfreudigeren Zuhörerschaft? Die zweite, wieder knapp zweistündige Vorstellungsrunde der drei sich um die SPD-Bürgermeisterkandidatur Bewerbenden am Donnerstag Abend in Iber im gut besuchten Saal des Gasthauses Arndt bot Beobachtern mehr als in Billerbeck eine Woche zuvor. Mehr über die Bewerber. Mehr und andere Themen. Mehr Debatte. Mehr Unterschiede zwischen den drei Bewerbern. Die Spannung für die entscheidende Runde am 19. März steigt.

Der formale Ablauf war vergleichbar: Wieder durfte jeder Bewerber fünf Minuten über seine Person erzählen, nach einer ersten Fragerunde folgten je weitere fünf Minuten über die Themen und dann wieder die zweite Fragerunde. SPD-Ortsvereinsvorsitzender Marcus Seidel hatte zu Beginn erneut das Kandidatenauswahlverfahren skizziert, zur Transparenz die Medienvertreter begrüßt, SPD-Fraktionschef Rolf Hojnatzki wieder am Beispiel des Stadtradio-Interviews die Frontalattacke auf die Bürgermeisterin geritten – aktualisiert nur um Bemerkungen zum Bund der Steuerzahler, der sich in den Regress-Streit um die 380-kV-Klage eingemischt hatte. Da werde „ein Mysterium aufgebaut, die Beigeordneten hätten sich selbst entlastet“. Die Klage sei notwendig und rechtmäßig und im Interesse der Bürger gewesen, unbeanstandet auch von der Bürgermeisterin, die damit in Mithaftung sei. Und im Verwaltungsausschuss hätten sich eben nicht die selben Ratsherren des VA entlastet, wie der Steuerzahlerbund unterstelle.

Dann konnten diejenigen, die den Vergleich aus persönlicher Anschauung anstellen können, Unterschiede zwischen den drei Bewerbern bemerken, die für die SPD in die Bürgermeisterwahl am 13. September ziehen wollen.

Nur ein paar Beispiele und Anmerkungen:

Ulrike Schwartau präsentierte sich deutlich persönlicher, beschrieb ihren Lebensweg von Einbeck nach Göttingen und wieder zurück in ihre Heimatstadt emphatischer, mit mehr Details und Motiven. Jetzt wissen wir, dass sie nicht ewig „die Tochter vom Lehrer“ sein wollte und deshalb nach Göttingen ging, dass sie Leistungssportlerin und Turniertänzerin war und ihren langen Atem schon in zwei OB-Wahlkämpfen in Göttingen auch politisch eingebracht hat. Und sie verriet auf Nachfrage zur Leerstelle im Lebenslauf, dass sie ledig ist und keine Kinder hat. Trennschärfer ebenfalls ihr Bekenntnis zur Sozialdemokratie: Sie möchte den Schwächeren eine Chance geben, ihnen helfen. „Zuerst bin ich Christin, als Zweites bin ich Gewerkschafterin und als Drittes SPD.“ Wer Nächstenliebe befürworte, könne nur in dieser Partei sein. Ihr Motto sei, nah an die Leute heran zu gehen, ihnen zuzuhören und dann deren Probleme durch aktive Taten zu lösen.

Dirk Heitmüller wirkte ebenfalls lockerer als bei Runde 1, vom Rednerpult mochte er sich im Gegensatz zu seinen zwei Mitbewerbern allerdings nicht lösen und war so ehrlich, das dortige Gefühl von Sicherheit nicht zu verschweigen. Er hielt sich oft auch enger an seine thematischen Stichworte – und begründete, warum er noch nicht so viel zum Programm aufgeschrieben habe. Zum einen solle man nicht alles jetzt schon verpulvern, „wir würden es ihr zu einfach machen“, sagte Heitmüller in Richtung Bürgermeisterin, die sich sonst zu früh auf Themen der Gegner einstellen könne. Zum anderen werde das Programm natürlich in Zusammenarbeit mit der Partei aufgestellt. Beim mehrfach thematisierten Verhältnis Kernstadt/Ortschaften monierte er, dass die Amtsinhaberin es in den vergangenen Jahren bis heute trotz mehrfacher Einladung nicht geschafft habe, eine Ortsratssitzung in Salzderhelden zu besuchen – wie auch nicht in anderen Orten. Da könne man sich schon abgehängt fühlen. Heitmüller will bei allem Verständnis für die Belange der Kernstadt, denen er ebenfalls Rechnung tragen möchte, das Ohr deutlich öfter an der Bevölkerung in den 46 Ortschaften haben.

Alexander Kloss zeichnete seine Person ebenfalls mit weiteren Details – vom erfahrenen Gästeführer über den Münzsammler bis zum Naturliebhaber mit eigener Hütte am See im Solling. Kloss gab sich deutlich kantiger, sagte bei aller „Moderation statt Konfrontation“ auch Sätze, die den Willen zum Wechsel an der Rathausspitze eindeutiger auf den Punkt brachten. Auf Nachfrage, was denn seine Formulierung bedeute, er begleite die Arbeit der Partei und Fraktion „kritisch von der Seitenlinie“, wo er als Ratsherr doch eigentlich Mitspieler sei, machte Kloss deutlich, dass es bei allem Bekenntnis zur Sozialdemokatie auch in der SPD erlaubt sein müsse, kritische Fragen zu stellen. Das werde er sich bewahren. Die SPD müsse sich moderner aufstellen, sich anderen Themen als der „reinen Lehre“ öffnen. Unverändert empfinde er außerdem das Abserviert-worden-sein als Vize-Bürgermeister nach der jüngsten Kommunalwahl als menschlich nicht fair abgelaufen.

Einen Überraschungsmoment gab es kurz, als sich SPD-Fraktionschef Rolf Hojnatzki zur Frage von Dorferneuerungsprogrammen meldete, länglich antwortete und auch prompt die Bemerkung erntete: Bist Du der Kandidat? Nein, nein, wiegelte er ab.

Zweite Vorstellungsrunde der SPD-Bewerber, diesmal in Iber im Gasthaus Arndt.

Runde 1 für die drei SPD-Bewerber

Sie wollen Bürgermeisterkandidat/in werden (v.l.): Alexander Kloss, Ulrike Schwartau, Dirk Heitmüller, hier vor einem Banner mit den bisherigen SPD-Bürgermeistern in Einbeck.

Runde 1 für die drei Bewerber um die SPD-Kandidatur für die Bürgermeisterwahl: Im gut besuchten Saal der „Schinkenscheune“ in Billerbeck stellten sich am Donnerstag Abend bei einer rund zweistündigen parteiinternen Veranstaltung Dirk Heitmüller, Alexander Kloss und Ulrike Schwartau den Mitgliedern vor. Die Sozialdemokraten wollen – nach einer weiteren Vorstellungsrunde in Iber – am 19. März ihren Kandidaten oder ihre Kandidatin aufstellen. In Einbeck finden am 13. September Bürgermeisterwahlen statt.

SPD-Ortsverein-Vorsitzender Marcus Seidel skizzierte in seiner Begrüßung die seit langem vorbereitete Form der Nominierung, die bereits seit 2018 mit jeweils einstimmigen Parteibeschlüssen untermauert worden sei. Jedes Mitglied habe sich bewerben können, bis zum Stichtag hätten sich die drei Genannten gemeldet. An drei Abenden habe jedes Mitglied die Möglichkeit, die drei Bewerber kennenzulernen und ihnen Fragen zu stellen. Seidel: „Das ist ein ehrliches, offenes und transparentes Verfahren, das Maßstäbe setzt in der Region.“ Dadurch, dass man die Medien zu den parteiinternen Veranstaltung einlade, zeige man auch, dass man nichts zu verbergen habe. Der Vorsitzende der gastgebenden SPD-Abteilung Kreiensen/Auf dem Berge, Frank Doods, nannte es ein „Statement in dieser Zeit“, in der Kommunalpolitiker vielfach angefeindet würden und nicht immer alles Freude bereite, mit gleich drei Bewerbern aufwarten zu können.

Ortsverein-Vorsitzender Marcus Seidel (stehend) sammelte die Fragen der Mitglieder an die drei Bewerber um die Bürgermeisterkandidatur.

Jeweils fünf Minuten hatten die drei Bewerber Zeit, ihre Person vorzustellen. Nach einer ersten Fragerunde folgten weitere je fünf Minuten pro Bewerber, um inhaltliche und programmatische Aussagen treffen zu können. Auch daran anschließend waren Fragen möglich. Jeder Bewerber hatte die Möglichkeit, den anwesenden Mitgliedern in einem mehrseitigen Bewerbungspapier ausführlicher Infos zu Person und Programm mitzugeben.

Wer bewirbt sich?

Hier die „Basisdaten“ der drei Bewerber (wie immer genannt ohne Wertung in alphabetischer Reihenfolge, die Reihenfolge, in der die Bewerber sprechen durften wurde für das erste Statement ausgewürfelt):

Dirk Heitmüller, Jahrgang 1969, verheiratet, 1 Sohn, 1 Tochter, SPD-Mitglied seit 2010, seit 2013 Ratsherr: Der gelernte Kommunikationselektroniker ist seit 2013 Mediaberater beim Verlag Wolff & Sohn (Die Eule) und dort verantwortlich für den Anzeigen- und Beilagenverkauf. Neben seinen biografischen Daten des Lebenslaufs nannte er in der Vorstellungsrunde sein Elternhaus mit teilweise vier Generationen unter einem Dach als prägend. Zu seinen Hobbys zählt er Multimedia/Social Media sowie Kochen insbesondere Grillen und die mittelalterliche Geschichte der Heldenburg Salzderhelden. Seit 2013 ist er Vorsitzender des dortigen Fördervereins, an dieses Amt habe ihn Vorgänger Helmut Giesel herangeführt, ebenso wie an den Ortsrat, in dem er seit 2006 zunächst parteilos saß.

Alexander Kloss, Jahrgang 1976, verheiratet, keine Kinder, SPD-Mitglied seit 1995, seit 2001 Ratsherr: Der gelernte Sparkassenkaufmann ist seit 2011 bei der Kulturstiftung Kornhaus (PS-Speicher) tätig, aktuell als Leiter Marketing/Vertrieb/Shop. Die Funktion des Pressesprechers habe er mit Beginn seiner Bewerbung dauerhaft und unabhängig vom Ausgang des Verfahrens abgegeben, um Spekulationen vorzubeugen, er nutze seine berufliche Position für Wahlkampf. Er stehe mit ganzem Herzen für die Kandidatur und sei auch nicht käuflich, dementierte er offensiv Spekulationen, Karl-Heinz Rehkopf finanziere seinen Wahlkampf. Es seien Vorbilder wie Paul Traupe oder Burghard Jablonski als aufrichtige, glaubhafte Kommunalpolitiker gewesen, warum er sich politisch engagiere, sagte er.

Ulrike Schwartau, Jahrgang 1966, keine Angaben zum Familienstand, SPD-Mitglied seit 2005: Die gelernte Verwaltungsfachangestellte ist seit 2006 in unterschiedlichen Fakultäten der Universität Göttingen tätig. Seit 2017 lebt die gebürtige Einbeckerin wieder in Einbeck. Ursprünglich habe sie Tanzlehrerin werden wollen, sie habe sich dann aber doch zum Studium der Fächer BWL, VWL, Sozialwissenschaften, Politikwissenschaften, Pädagogik und Germanistik entschlossen und dieses erfolgreich abgeschlossen. Tanzen ist heute ihr Hobby, sie ist Dozentin und Trainerin. In die SPD eingetreten sei sie, um das linke Profil der Partei zu schärfen. Sie war in der Friedensbewegung aktiv, ebenso bei Robin Wood und Greenpeace. Zeitweilig habe sie zu den Grünen tendiert, die seien ihr aber damals zu zerstritten gewesen.  

Aufmerksam hörten die Bewerber die Fragen aus der anwesenden Mitgliedschaft.

Folgende inhaltlichen Schwerpunkte setzten die drei Bewerber in den ihnen zur Verfügung stehenden fünf Minuten:

Ziele der Bewerber

Dirk Heitmüller: Er konzentrierte sich auf drei Themen aus seinen sieben aufgeschriebenen Zielen. Zum einen auf gleichwertige Lebensverhältnisse in den Ortschaften und in der Kernstadt. Als Ortsbürgermeister wisse er da, wo der Schuh drücke. Die Themen Friedhöfe und Feuerwehr seien in den Dörfern sensibel. Formulierungen wie „Alt-Kreiensen“ und „Alt-Einbeck“ müssten sieben Jahre nach der Fusion der Vergangenheit angehören. Zum anderen möchte er stets ein offenes Ohr für Bürger, Mitarbeiter der Stadt, Fraktionen und Medien auf Basis einer vertrauensvollen Zusammenarbeit und transparenter Kommunikation haben – und dies besser umsetzen als die jetzige Bürgermeisterin, bei der sich die Sozialdemokraten von Infos stark abgeschnitten fühlten, wie er sagte. Wirtschaftsförderung und die Stärkung des Tourismus sind für ihn Chefsachen, bei denen sich die Verwaltung als Dienstleister sehen müsse.

Alexander Kloss: Er griff aus seinem aufgeschriebenen 20-Punkte-Arbeitsprogramm zwei Themen beispielhaft heraus. Zum einen „Moderation statt Konfrontation“: In den vergangenen Jahren sei viel Porzellan zerschlagen worden zwischen den politischen Gruppierungen und der Verwaltung. Als Verwaltungschef möchte er seinen Beitrag dazu leisten, Gräben wieder zuzuschütten. Das sei ein großes Stück Arbeit, das nicht per Knopfdruck geschehen könne. Streit sei natürlich in der Sache notwendig, aber es müsse Vertrauen und Verlässlichkeit vorhanden sein. Zum anderen nannte er einen „Masterplan Dorfinfrastruktur“: Einbeck verliere jedes Jahr so viele Einwohner wie etwa Vardeilsen Bewohner habe. Notwendige Einschnitte in den 46 Ortschaften möchte er durch Schwerpunktsetzung begegnen, es werde nicht mehr überall alles möglich sein.

Ulrike Schwartau: Sie nannte einen ganzen Strauß von Themen aus ihren sechs aufgeschriebenen Punkten für ein „Einbeck lebenswert mit Zukunft“. Eine älter werdende Bevölkerungsstruktur mit vielen allein Lebenden erfordere andere Konzepte für Wohnquartiere und deren Versorgung dort auf kurzen Wegen. Sie plädierte für einen auf den Prüfstand zu stellenden Denkmalschutz mit Augenmaß, um Leerstand und Gebäudeverfall zu verhindern, und möchte einen Runden Tisch mit Gewerbetreibenden und Hausbesitzern initiieren, um Sanierungskonzepte zu entwickeln. Sie sprach sich für ein aktives Anwerben von Unternehmen aus und möchte ein Quartier für junge Startup-Unternehmen einrichten. Günstiger Wohnraum solle in Zusammenarbeit mit der EWG entstehen. Für Attraktivität von Arbeitsplätzen seien neben Wohnungen auch ausreichende Kitas notwendig, die oftmals am Ende über Unternehmensansiedlungen entscheiden könnten.

Alle drei Bewerber nannten die soziale Gerechtigkeit als zentrales Motiv für sie, Bürgermeisterkandidat der SPD werden zu wollen. Ulrike Schwartau, die erst seit knapp drei Jahren wieder in Einbeck lebt, wurde als „Überraschungskandidatin“ gezielt nach ihrer Motivation für eine Kandidatur gefragt: Als sie nach 27 Jahre in ihre Geburtsstadt zurück gekommen sei, hätten ihr viele Dinge nicht gefallen, die sie gesehen habe. So wie vorher in Göttingen sei für sie daraus die Konsequenz, sich nun in Einbeck zu engagieren und zu versuchen, die Stadt zukunftsfähig zu gestalten.

Kritik an Bürgermeisterin

Die Aufgabe Attacke übernahm vor der Bewerbervorstellung der Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion, Rolf Hojnatzki. Die Bewerber selbst hielten sich mit Bemerkungen zur amtierenden Bürgermeisterin weitestgehend zurück. Hojnatzki hingegen kritisierte am Beispiel eines Interviews der Bürgermeisterin mit Stadtradio Göttingen zum Jahreswechsel ausführlich eine „verschönernde Sichtweise“ von Amtsinhaberin Dr. Sabine Michalek. Diese lebe wohl in einem „Paralleluniversum“, denn so prima wie sie in dem Radiointerview vorgebe sei nicht alles gelaufen. Zur Wahrheit und Aufrichtigkeit gehöre einzugestehen, wie Projekte in Wirklichkeit zustande gekommen seien. An der Reaktivierung der Bahnstrecke etwa sei die heutige Bürgermeisterin gar nicht beteiligt gewesen, im Gegenteil wäre diese an ihr beinahe gescheitert, erklärte Hojnatzki mit Hinweis auf den Denkmalschutz für eine Bahnbrücke, für den sie ihren damaligen Baurat losgeschickt habe. „Die eigentlichen Väter sind ganz andere“, nannte er den einstigen Bürgermeister Martin Wehner und den SPD-Minister Olaf Lies. Den Kindergarten-Neubau in Vogelbeck habe damals erst der von der SPD-Fraktion auf den Weg gebrachte Nachtragshaushalt ermöglicht. Rolf Hojnatzki: „Kaum auszumalen, wenn die Verwaltung allein unterwegs gewesen wäre.“ Auch bei der Strategie-Debatte habe erst die SPD für ein transparentes Verfahren gesorgt, durch das die Abstimmung in öffentlicher Ratssitzung erfolgt sei. Und beim Ausbau der Tiedexer Straße habe die SPD ja viel Verständnis für die Einsicht, den Ausbau von der Tagesordnung zu nehmen, die Pirouetten der Bürgermeisterin bei dem Thema seien jedoch nicht mehr nachvollziehbar. Sie halte den Stadtrat wohl für „die letzten Deppen“, die das nicht merken würden. Hojnatzki: „So funktioniert das nicht.“ Einbeck brauche einen neuen Bürgermeister, eine bessere Debattenkultur und Stimmung im Stadtrat, und die SPD könne diesen Wechsel herbeiführen, sagte der SPD-Fraktionschef.

Vorstellungsrunde 1 in der Billerbecker „Schinkenscheune“, die zweite folgt in Iber.

Till spricht in der Narren-Bütt zur Bürgermeisterwahl

Nahm bei der Bierordenverleihung die bevorstehende Bürgermeisterwahl aufs närrische Korn: Till Eulenspiegel alias Markus Henze bei seinem Prolog.

Bei der Verleihung des Einbecker Bierordens am Freitag hat sich Till Eulenspiegel (im Kostüm des Schalk seit mehr als zehn Jahren Markus Henze) die in diesem Jahr bevorstehende Bürgermeisterwahl in Einbeck mit närrischem Blick vorgenommen. „Jetzt ist es ja raus, ich kann es verraten, es gibt tatsächlich drei Bewerber von den Sozialdemokraten“, reimte Till in der Bütt. Bei der Schlüsselübergabe habe er etwas geahnt: „Ach, was wurde unsere Bürgermeisterin von zwei Bewerbern schon mächtig umgarnt.“ Till machte kein Geheimnis daraus, ein Fan der heutigen Bürgermeisterin zu sein. Und sie scheine auf ihn sogar zu hören, denn zur Sessionseröffnung am 11.11. habe er gesprochen: „Für mich wäre es der größte Gewinn, unsere jetzige wird auch die neue Bürgermeisterin.“ Und prompt am nächsten Tag sei das öffentliche „Ja, ich kandidiere“ von Dr. Sabine Michalek gekommen.

In den Ratsparteien sei das Kandidatenportfolio ja auch eher mau, weshalb die CDU schnell gesagt habe, eine passendere Kandidatin als die Bürgermeisterin sei nicht in Sicht. Nichts Neues von der FDP, da ist die Entscheidungsfreude eher zäh, meinte Till zu den Sondierungen der Freidemokraten. Witzig fände er es, sagte Till, wenn Dennie Klose kandidiere und mit folgendem Slogan Wahlkampf macht: „Wählt mich und ich sorge dafür, dass Einbeck nur noch lacht!“  Und mit einem AfD-Kandidaten brauche man sich erst gar nicht zu befassen, meinte Till, der werde in Einbeck erst gar nicht zugelassen.

Wer nun aber sind die drei Bewerber von der SPD, fragte Till in der Bütt. Da sei Alexander Kloss. „Mit hellem Bier und dunklen Schatten kennt er sich aus, aber macht das allein einen guten Bürgermeister aus?“ Ihn zu wählen könne man nachdenken, wenn er täte als PS-Speicher-Sprecher die horrende Miete der PS-Halle senken, meinte Till. Dann Dirk Heitmüller. „The hero of Salt Lake City“, scherzte Till. Er nenne den Ortsbürgermeister von Salzderhelden ja gerne das Burgfräulein. „Ja, der Dirk könnte für unsere Bürgermeisterin eine echte Bedrohung sein.“ Und bei Ulrike Schwartau, der dritten im Bunde bei der SPD, beschäftigt Till eine Frage permanent: „Bin ich eigentlich der Einzige, der diese Dame überhaupt nicht kennt?“ Sei diese Bewerbung ernst gemeint oder eher Folge der Frauenquote? Tills Antwort: „Aber ich will mein Urteil nicht voreilig abgeben, vielleicht liege ich ja auch völlig daneben.“

Drei Bewerbungen: Wer bei der SPD Bürgermeister werden will

Die Frist war in der Nacht zu Donnerstag punkt Mitternacht abgelaufen. Bis dahin konnten Sozialdemokraten ihre Bewerbungen beim Ortsverein einreichen und signalisieren, dass sie am 13. September bei der nächsten Bürgermeisterwahl in Einbeck für die Sozialdemokraten antreten wollen. Die Einbecker SPD klärt in einem offenen Verfahren, wer ihr Kandidat (m/w/d) gegen Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek (CDU) sein wird.

Drei wollen’s werden: Dirk Heitmüller, Alexander Kloss und Ulrike Schwartau bewerben sich bei der SPD um die Kandidatur für die Bürgermeisterwahl in Einbeck. Das hat der Einbecker SPD-Ortsverein mitgeteilt. Bei diesem Trio hatten selbst kundige Beobachter und selbst viele Sozialdemokraten ihren „Ulrike wer?“-Moment: Während Dirk Heitmüller (50, Beigeordneter/Ratsherr, Ortsbürgermeister von Salzderhelden) und Alexander Kloss (42, Ratsherr, ehemaliger stellvertretender Bürgermeister) langjährige, erfahrene kommunalpolitische Schwergewichte und dementsprechend bekannt sind und ihre Bewerbungen auch allgemein erwartet worden waren, ist Ulrike Schwartau die Unbekannte. Überrascht hat viele, dass SPD-Ratsfraktionschef Rolf Hojnatzki sich nicht bewirbt. Auch er war für die Kandidatur gehandelt worden.

Die SPD veröffentlichte die Bewerbernamen am Donnerstag Abend zuerst und ausschließlich via Facebook und Twitter – ein durchaus moderner, aber auch ungewöhnlicher Weg. Zumal die Einbecker SPD aussschließlich die drei Namen veröffentlichte – und keine weiteren Angaben. Mehr als die Namen habe man nicht mitzuteilen, inhaltlich würden sich die drei bei den zwei Infoverstaltungen am 27. Februar und 5. März vorstellen, hieß es etwas schmallippig zur Begründung.

Ich will mich selbstverständlich keinesfalls um eine Recherche drücken und mich gerne nach Kräften bemühen, schon vor dem 27. Februar etwas mehr über Ulrike Schwartau herauszufinden. Ganz einfach ist das nicht. Ihr Name ist die faustdicke Überraschung, sie ist bislang kommunalpolitisch in Einbeck ein absolut unbeschriebenes Blatt und bis dato auch sonst in der Stadtgesellschaft in Einbeck nirgendwo groß in Erscheinung getreten. Niemand dürfte ihren Namen auf dem Zettel gehabt haben. Das alles muss nicht negativ sein, es kann im Gegenteil sogar zum großen Vorteil in dem Bewerbertrio werden. Ob unbeabsichtigt oder nicht, durch die dürre Art der Veröffentlichung ausschließlich der Namen geben allerdings die SPD-Spitzengenossen der weitgehend unbekannten Bewerberin keine gute Startposition. Die beiden anderen sind bekannt, sie sind auch auf den Kanälen äußerst aktiv, die die SPD für ihre Erstveröffentlichung gewählt hat. Da hätte man fairerweise mit nur ein paar wenigen Angaben zur Person für mehr Chancengleichheit sorgen können, nein müssen.

Ulrike Schwartau. Foto: SPD/privat

Nachtrag 18.01.2020: Heute Nachmittag hat die Einbecker SPD mit einer Presseinfo und Verlinkung auf ihre Website dann doch ein paar Informationen mehr über die Bewerberin und die Bewerber mitgeteilt. Demnach ist Ulrike Schwartau (53) Verwaltungsangestellte an der Universität Göttingen und seit 2005 SPD-Mitglied und in ihrer Freizeit besonders im Tanzsport aktiv.