Laut, lauter, liberal?

Christian Grascha (l.), hier bei er Wahlveranstaltung mit Parteigranden im Januar.

Christian Grascha (l.), hier bei er Wahlveranstaltung mit Parteigranden Rösler, Kubicki und Birkner im Januar.

Man könnte es positiv formulieren: Nahezu nahtlos hat der FDP-Landespolitiker Christian Grascha aus Einbeck von der eher gedämpften, lobend, verteidigend staatstragenden Rolle des Politikers einer Regierungsfraktion nach den verlorenen Wahlen im Januar zu der eines Oppositionspolitikers umgeschaltet. Abteilung Attacke heißt jetzt das Arbeitsfeld des 34-jährigen parlamentarischen FDP-Geschäftsführers im Landtag. In hoher Taktzahl haut die FDP und oftmals davon Grascha eine Pressemitteilung nach der nächsten raus. Je zugespitzter, je schriller der Vergleich und Tonfall, so denkt sich wohl die FDP, desto besser.

Erst heute hat er es wieder „getan“: Haushaltspolitiker Grascha warnt vor Zuschüssen für ein bekanntes Museum in Hannover, spricht dabei angelehnt an den Namen der Institution von „Sprengel 21“. Das Museum dürfe kein Finanzdesaster wie der Bahnhof Stuttgart 21 werden, malt der FDP-Mann in düsteren Farben und mit Seitenhieb auf den neuen Ministerpräsidenten und ehemaligen hannoverschen Oberbürgermeister.

Erst jüngst hatte Christian Grascha die – zugegeben nervige – Brückenbaustelle am Tiedexer Tor in Einbeck mit dem Mega-Bau-Flop in Berlin beim Flughafen BER verglichen. Hallo? Geht’s vielleicht eine Nummer kleiner?

Vielleicht verutschen ja einem im Landtag und in der Kreistagspolitik agierenden Politiker manchmal die verbalen Maßstäbe beim Umschalten von einer Ebene auf die andere.

Legitim ist es da schon wieder, wie Grascha in einem Facebook-Kommentar gestern ankündigte, eine Anfrage an die Landesregierung betr. Brücke zu stellen, um „Licht ins Dunkle“ bei den Zuschüssen zu bringen, es würden ja auch Landesgelder gezahlt. Interessant dürfte die Antwort der (jetzt neuen) Landesregierung zweifellos sein, den Bewilligungsbescheid für den Landeszuschuss erhielt die Stadt Einbeck Mitte Februar. Warum den nicht schon die alte (u.a. von der FDP mit getragene) Regierung ausstellte…?

Es ist ja richtig, dass oftmals nur der medial Gehör bekommt, der besonders originell, besonders gewagt und laut formuliert.

Doch: Verbale Lautstärke nutzt sich leicht ab.

Denn: Wenn es einem zu laut wird, hält man sich die Ohren zu…

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