Leitbild: Anregungen und keine Allgemeinplätze, bitte!

Zugegeben: Ein Leitbild verleitet zum Floskeln. Am Ende des Tages sind wir auf einem guten Weg, und immer ist noch Luft nach oben. Das alles ist menschlich. Aber trotzdem ist es nicht schön. Einbeck gibt sich zurzeit ein neues Leitbild. Wenn wir die Frage mal beiseite lassen, ob das überhaupt sein muss, ein Leitbild, erwarte ich am Ende von einem Leitbild für die Stadt Einbeck deutlich mehr als die Ansammlung von Allgemeinplätzen. Der erste öffentliche Entwurf, der jetzt vorliegt, bietet leider nur an wenigen Stellen auf den acht Seiten ausreichend konkrete Formulierungen, hält sich viel lieber im Ungefähren auf und enthält Passagen, über die man auch Northeim schreiben könnte. Beispiel gefällig? „Unter Wahrung der dauerhaften finanziellen Leistungsfähigkeit der Stadt Einbeck sollen die Lebensqualität und das Wohl der Menschen unserer Stadt langfristig gewährleistet und dabei die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Ressourcen nachhaltig entwickelt werden.“

Das muss bitte an möglichst vielen Stellen noch sehr viel konkreter werden. In einigen Kapiteln gibt es dafür schon gute Ansätze. Wenn ich beispielsweise auf Seite 4 vom Haus der Jugend, von Jugendgästehaus und Funsporthalle lese, sind das Postulate, die für ein über den Tag hinaus formuliertes Leitbild konkret genug sind. Die Notwendigkeit eines beständigen demokratischen Forums für die Einbecker Jugend sehe ich auch; wo es einen Seniorenrat gibt, muss es auch etwas Ähnliches für Jugendliche geben. Auf eine Erläuterung des erklärten Ziels, „eine bessere Jugendgastronomie“ in der Stadt zu etablieren, die „den Aufenthaltswert für einheimische und auswärtige junge Gäste“ unterstützt, bin ich gespannt.

Gebannt warte ich auch auf die abschließende Formulierung im Kapitel Stadtverwaltung als Dienstleistungsunternehmen für die Bürger. Dort heißt es heute: „Transparenz und Kooperation sind der rote Faden, der Verwaltung, Bürgerschaft, Wirtschaft, Politik und Gäste zu Partnern eines respektvollen und wertschätzenden Miteinanders werden lässt.“ Chapeau! Transparenz ist in einer Demokratie grundlegend dafür, sich eine eigene Meinung bilden zu können. Dafür ist der freie, ungehinderte Zugang zu Informationen existenziell. Erst durch Transparenz können Bürger Probleme wahrnehmen und sie benennen. Intransparente Gremien wie Aufsichtsräte verleiten dazu, heikle Themen nur in diesen, kaum öffentlich kontrollierbaren Gremien zu behandeln. Und nicht öffentliche Sitzungen verleiten zum Verkündigen. Falls überhaupt etwas mitgeteilt wird. Sobald öffentliches Geld, unser aller Steuergeld, im Spiel ist, hört mein Verständnis für ein Handeln im Verborgenen sehr schnell auf.

Der vollständige Entwurf des Leitbildes (PDF) ist hier zum Download zu finden: Entwurf Leitbild Stadt Einbeck

Die Vorarbeit für den jetzt vorliegenden Entwurf haben eine aus allen Ratsfraktionen bestehende Projektgruppe und eine Steuerungsgruppe geleistet, zu der neben der Ratspolitik auch die Bürgermeisterin sowie die vier Fachbereichsleiter im Rathaus gehören.

Bürgermeinung ist nun am Donnerstag, 18. Juni, ab 18 Uhr im Alten Rathaus am Marktplatz gefragt, bevor sich alle Ortsräte und der Kernstadtausschuss mit dem achtseitigen Entwurfspapier beschäftigen sollen. Bis Mitte September soll zudem für die Bürger die Ideenbörse für Anregungen geöffnet sein. Jeder könne sich mit einer E-Mail am Leitbild-Prozess beteiligen, heißt es. Ziel ist, das Leitbild im Stadtrat im Dezember zu beschließen – ein Jahr später als ursprünglich beim im März 2014 erteilten Auftrag geplant.

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek ruft außerdem zu zündenden Ideen für einen Leitbild-Slogan auf. Dem Gewinner winkt ein Besuch im PS-Speicher mit anschließendem Genuss in der kulinarischen Werkstatt. Ein Beispiel-Slogan-Vorschlag (außer Konkurrenz) lautet: Einbeck – aus Tradition den EINen Schritt voraus.

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