
Grau ist alle Theorie. Sagt das Sprichwort. Grau sind auch die Stromkästen, die an der Straße stehen. Aber Theorie ist nicht viel notwendig. Eher eine handfeste, praktische Begabung und der Wille, konkret anzupacken und nicht nur Konzepte ausarbeiten zu lassen. Hullersen hat jetzt vorgemacht, wie es geht. Schon 2013 hatte Ortsbürgermeisterin Eunice Schenitzki erste Kontakte zum Stromversorger Eon aufgenommen und das Projekt initiiert. Nach vielen Gesprächen, auch mit den Berufsbildenden Schulen Einbeck, konnte es in diesem Jahr konkret werden: Rund 20 Schülerinnen und Schüler der BBS Einbeck im Berufsvorbereitungsjahr-Farbtechnik aus den Klassen von Karin Beinsen und Thorsten Espe haben seit Ende Mai mehrmals in der Woche die grauen Kästen verschönert. Richtige Kunstwerke sind entstanden. „Das habt ihr toll gemacht“, dankte heute Eunice Schenitzki den Schülerinnen und Schülern für ihren Einsatz. „Von jedem, der hier mitgemalt hat, ist das Selbstbewusstsein um mindestens 20 Zentimeter gewachsen“, sagte Beinsen. Alle von den BBS-Schülern gemalten Bildmotive auf den Stromkästen haben einen Bezug zur Umgebung, in der die Stromkästen im Dorf steht. Auch die Anwohner wurden in das Projekt mit einbezogen. Neben der Imkerei sind Bienen, neben einer Ferienwohnung beispielsweise ist eine Weltkugel zu sehen, neben der alten Amtsmühle ein Müller-Motiv, neben der Feuerwache ein auf dem Schlauch stehender Feuerwehrmann.
Und während in Hullersen schon der Malerpinsel geschwungen und konkrete Fragen nach Spezialfarbe geklärt waren, kam in der Juni-Ratssitzung die CDU mit einem Antrag „Kunst an Kästen“ um die Ecke. Die Stadtverwaltung wurde gebeten, „einen Vorschlag zur Herangehensweise und Umsetzung für die künstlerische Gestaltung der Verteilerkästen im gesamten Stadtgebiet zu entwickeln und dieses im Ausschuss für Kultur, Tourismus, Wirtschaftsförderung vorzustellen“, wie es in dem von Ratsfrau Heidrun Hoffmann-Taufall begründeten CDU-Antrag heißt. Im jüngsten Kulturausschuss hat Fachbereichsleiter Dr. Florian Schröder als erste Wasserstandsmeldung mitgeteilt, dass im Bereich innerhalb der Wallanlagen die Verteilerkästen einheitlich grau gestaltet seien, um nicht vom Stadtbild der Innenstadt mit dem Fachwerk abzulenken. Fortsetzung offen, wann es ein Konzept gibt, wie die Kästen gestaltet werden können, sollen und dürfen. Vor allem, von wem. Allein die Stadtwerke haben 1000 Stromkästen, da könnten sich einige Schulklasse austoben.
Sie freue sich sehr, dass die CDU-Fraktion ihre Idee mit ihrem Antrag aufgenommen habe, erklärte Hullersens Ortsbürgermeisterin Eunice Schenitzki, die für die SPD im Stadtrat sitzt. Sie lädt die Christdemokraten und alle Interessierten dazu ein, zur Besichtigung und Erläuterung der Details gern nach Hullersen zu kommen. Von Hullersen lernen, heißt anpacken zu lernen.
In ganz anderem Zusammenhang hat CDU-Ratsfrau Heidrun Hoffmann-Taufall übrigens genau das gemacht: Konkret in einem Kreis von Mitstreiterinnen eine ansehnliche Willkommensplattform im Internet für Flüchtlinge und Migranten mitkonzipiert und mit Inhalt gefüllt. Da musste kein Konzept in Auftrag gegeben werden, doch mal eine solche Website zu konzipieren. Da haben sie einfach angepackt.
