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Landrätin und Landrat bringen Idee einer gemeinsamen Wirtschaftsförderung-Region auf den politischen Weg

Da sind sich zwei einig und von ihrer Sache überzeugt, das wird in dem Pressegespräch heute Mittag im Northeimer Kreishaus ziemlich deutlich. Von vertrauensvoller, guter Atmosphäre ist die Rede, von vielen Gesprächen in den vergangenen Monaten zwischen Northeims Landrätin Astrid Klinkert-Kittel und Göttingens Landrat Marcel Riethig. Und von einem Meilenstein der verstärkten Zusammenarbeit, den man anvisiert. Mit dem Ziel, die regionale Wirtschaft beider Landkreise weiter zu stärken, haben beide Hauptverwaltungsbeamten die Idee einer gemeinsamen Wirtschaftsförderungsgesellschaft auf den politischen Weg gebracht.

„Gemeinsam sind wir stärker“, sagt Astrid Klinkert-Kittel. „Wir müssen weiter als bis zum eigenen Kirchturm denken und können auf die Kooperation nicht verzichten“, sagt Marcel Riethig. Der Wirtschaftsausschuss des Northeimer Kreistages hat heute Nachmittag von den Einzelheiten der Pläne erfahren, der zuständige Ausschuss des Göttinger Kreistages trifft sich am 26. September zu den bislang ausgehandelten Eckpunkten. Gestern Abend haben alle Bürgermeisterinnen und Bürgermeister im Landkreis Northeim die Idee einer gemeinsamen Wirtschaftsförderung, an der sich auch die Städte und Gemeinde beteiligen können sollen, vorgestellt bekommen. Das Feedback sei positiv gewesen, sagte heute die Landrätin. Bis zum 1. November sollen die Kommunen nun ihr Interesse bekunden, ob sie mitmachen wollen.

Landrätin und Landrat setzen sich dafür ein, dass die bestehende WRG Wirtschaftsförderung Region Göttingen GmbH (WRG) in eine Wirtschaftsförderungsgesellschaft Göttingen Northeim (WRGN) umbenannt und um den Landkreis Northeim sowie die Städte und Gemeinden aus dem Landkreis Northeim erweitert wird. Die WRGN soll die gemeinsame Plattform für die beiden Landkreise mit ihren Kommunen bilden, so der Plan. Geplant sind Büros an drei Standorten, Northeim, Göttingen und Osterode. Der handelsrechtliche Hauptsitz soll dabei von Göttingen nach Northeim verlegt werden. Aktuell handelt es sich um eine Initiative, die noch die Zustimmung der entsprechenden Gremien und Genehmigungen erfordert. Angestrebt wird, dass im ersten Quartal 2024 von der aktuellen Gesellschafterversammlung der WRG der Beschluss gefasst wird, einen Zusammenschluss mit dem Landkreis Northeim zur WRGN zu realisieren. Nachdem auch der Kreistag sowie die jeweiligen Räte der neuen Gesellschafter zugestimmt haben, in die neue Gesellschaft einzutreten, soll die Wirtschaftsförderung Region Göttingen Northeim GmbH möglichst zum 1. Januar 2025 ihre Tätigkeit aufnehmen.

„Wirtschaft macht nicht an Kreisgrenzen halt“, sagt Astrid Klinkert-Kittel. In der IHK gibt es bereits einen gemeinsamen Wirtschaftsausschuss für die Kreis Göttingen und Northeim. „Wir sitzen alle in einem Boot, haben die gleichen Probleme, beispielsweise beim Fachkräfte oder Arbeitskräftemangel“, ergänzt Marcel Riethig. Durch eine enge Zusammenarbeit soll die Wirtschaftsförderung noch effektiver gestaltet werden, begründen die Landrätin und der Landrat ihre Pläne. Die gebündelten Ressourcen und das erweiterte Netzwerk würden die Basis dafür schaffen, dass die Stärken beider Landkreise auch im Landesvergleich noch besser sichtbarer werden. Zudem steigere eine Zusammenarbeit die Standortattraktivität, für potenzielle Neuansiedelungen von Firmen und das Anwerben von Fachkräften. Die WRGN werde Unternehmen einen vielfältigen Service bieten, Investoren beraten, bei der Suche nach Gewerbeflächen und -immobilien unterstützen, bei der Akquise von Fördermitteln behilflich sein, den Standort vermarkten und als Schnittstelle zwischen Unternehmen, Politik und Verwaltung agieren. Die heute 8,5 Stellen der WRG sollen durch die vier Stellen der Wirtschaftsförderung des Landkreises Northeim addiert zu 12,5 Stellen werden. Wobei zwei Stellen im Kreis Northeim aktuell unbesetzt sind. Der Landkreis Northeim soll der neuen WRGN rund 250.000 Euro pro Jahr zahlen. Auch die Kommunen, die die Dienstleistungen in Anspruch nehmen wollen, müssen für ihre Mitgliedschaft zahlen, von rund 20.000 Euro pro Jahr ist die Rede.

Und weil Landrat Marcel Riethig die naheliegende Frage ahnt, beantwortet er sie gleich direkt: Nein, die WRGN soll kein neuer Start einer Diskussion über eine Kreisfusion werden. Das wäre der vierte Schritt vor dem ersten, stehe in den nächsten 15 Jahren nicht zur Debatte, macht er klar. Was nicht ausschließen soll, dass die beiden Landkreise künftig auch noch auf anderen Gebieten enger zusammenarbeiten können wollen. Das Regionalmarketing wäre hier ein gutes Beispiel. Landrätin Astrid Klinkert-Kittel ist da offen: Die WRGN „soll nicht unser letzter Coup gewesen sein“.

Wollen die Wirtschaftsförderungsregion (v.l.): Kreisentwicklung-Dezernent Jan-Christopher Linck, Northeims Landrätin Astrid Klinkert-Kittel und Göttingens Landrat Marcel Riethig.

Nachtrag 10.10.2023: Der Ausschuss für Wirtschaftsförderung des Einbecker Stadtrates hat sich mit großer Mehrheit bei einer Gegenstimme (Maurice Christ/Grüne) dafür entschieden, dass die Stadt Einbeck Mitglied mit einem Stammkapital von 1000 Euro bzw. 1,8 Prozent der Wirtschafts-Region-Göttingen-Northeim (WRGN) ab 1. Januar 2025 werden soll. Der Finanzierungsanteil von 16.000 Euro werde ab 2024 bereitgestellt und im Haushalt 2024 eingeplant, lautet der Beschluss. Nahezu einig waren sich die Ausschussmitglieder, dass eine Beteiligung der Stadt Einbeck einen Mehrwert für die Stadt haben werde. „Wir sollten den Weg unbedingt gehen, das bringt für uns Chancen“, sagte Alexander Kloss (parteilos). „Wir sollten auf jeden Fall mitmachen“, stimmte Ulrich Minkner (SPD) zu. Er fand ebenso wie Kloss gut, dass die (kleinen) Gemeinden einbezogen werden. Er sei angenehm über die Augenhöhe von Göttingen überrascht, sagte Kloss. Beatrix Tappe-Rostalski (CDU) wünschte sich, dass Göttingens Landrat Marcel Riethig das neue Konstrukt nochmal in einer Ratssitzung persönlich vorstellen möge. Der könne das dort anschaulicher darstellen als dies eine rein schriftliche Vorlage vermöge. Auch Wirtschaftsförderer Frank Seeger plädierte zu Beginn der Debatte für den Beitritt. „Wir unterstützen das“, sagte er für die Verwaltung. Die kommunale Wirtschaftsförderung bleibe ja erhalten, die Wirtschaftsregion könne aber als überregionale Einheit vieles zusätzlich bewirken.

Nachtrag 12.10.2023: Der Verwaltungsausschuss hat den Beschluss des Fachausschusses laut Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek bestätigt, die Stadt Einbeck gibt fristgerecht eine Willenserklärung ab, der Gesellschaft beitreten zu wollen.

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