Wechsel in der FDP-Fraktion: Marlies Grascha hat ihr Ratsmandat niedergelegt. Der Stadtrat hat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig zugestimmt, dass der freiwerdende Sitz auf die zweite Ersatzperson übergeht, das ist Margharet Feldgiebel. Die jedoch fehlte entschuldigt bei der Dezember-Ratssitzung, weshalb Feldgiebel noch nicht förmlich verpflichtet werden konnte. Das kann aber bei der nächsten Gelegenheit, auch bei einer Ausschusssitzung, nachgeholt werden, hieß es aus dem Rathaus. Der Sprecher der FDP/Kloss-Gruppe im Stadtrat, Alexander Kloss, verabschiedete Marlies Grascha und dankte ihr für die Mitarbeit in den vergangenen zwei Jahren. Die 75-Jährige habe zu Beginn der Wahlperiode als ältestes Ratsmitglied die konstituierende Sitzung eröffnen dürfen und sich danach in ihren Ausschüssen für Jugend, Familie und Soziales sowie für Kultur, Schule und Sport eingebracht. Frei nach Herbert Grönemeyer könne man sagen, sie habe durch ihre empathische Art den Rat mit Sonne geflutet. Kloss überreichte Grascha Blumen und einen Kaffee-Gutschein.
Weitere große Worte wurden vor Ort in der Multifunktionshalle nicht gemacht. Weder ergriff Marlies Grascha selbst das Wort noch ging Alexander Kloss auf das ein, was er nur wenige Minuten nach der Sitzung des Stadtrates per Pressemitteilung schriftlich verbreitete. Er, Kloss, bedauere das Ausscheiden von Marlies Grascha, könne ihre Beweggründe aber gut nachvollziehen, schreibt er: „Marlies Grascha hat mit ihrer empathischen Art einen neuen Maßstab in Sachen Fairness und Offenheit innerhalb der örtlichen Kommunalpolitik gesetzt. Oft gibt es leider auch hier vor Ort die Ellenbogen ins Gesicht, werden sachliche Argumente nicht gehört oder weggelächelt. Das frustriert und nicht jeder Mensch möchte sich dieses Verhalten in seiner Freizeit antun müssen. Marlies wird uns sehr fehlen!“ Grascha werde ihre Aufgaben in der FDP fortsetzen, heißt es in der Pressemitteilung. Für die Ratsarbeit habe ihr zum Schluss die notwendige Kraft und Freude gefehlt, lässt sich Marlies Grascha in der Mitteilung zitieren: „Der Umgang im Rat, insbesondere mit uns als kleiner Oppositionsgruppe, hat mich oft nachdenklich und traurig gemacht.“


Vielen Dank an Frau Grascha! Der Frau Feldgiebel wünschen wir viel Erfolg. Wir schätzen sehr ihren Scharfsinn und hoffen, dass sie ihren Sachverstand zum Wohl der Einbecker Bürger einbringt. BI EINBECK PASS UP i. V. Walter-Wilhelm Funcke
Als zugewähltes Fraktionsmitglied der habe ich nach Absprache unseres Fraktionsvorsitzenden mit Rat und Verwaltung der Stadt Einbeck den Dank der FDP-Fraktion und der Partei für die Tätigkeit in den Ratsgremien an Frau Grascha überbracht. Ich habe ihr einen Blumenstrauß überreicht, weil ich wußte, dass sie sich darüber sehr freuen würde. Als hätte ich geahnt, dass die Stadtverwaltung nicht bereit oder in der Lage sein würde, ein Wort des Dankes für die ehrenamtliche Tätigkeit des ältesten Ratsmitgliedes auszusprechen.
Die lange Geschichte, warum es von Ende August bis Anfang Dezember dauern musste, bis die Rechtmäßigkeit des Ausscheidens von Marlies Grascha durch den Rat festgestellt werden konnte, möchte ich hier nicht vorstellen. Nach Einschalten der Kommunalaufsicht war jedenfalls klar, dass Frau Grascha nicht zum von ihr vorgesehenen Termin am 1.10. ausscheiden konnte. Sie musste bis zum 6.12. Mitglied des Rates bleiben.
Die Umgangsformen im Rat hatte Marlies Grascha des öfteren moniert. Auch aus diesem Grunde wollte sie ihr Mandat vorzeitig niederlegen. Ich selber habe erlebt, was es bedeute, herabwürdigend behandelt zu werden. Als ich in die Fraktion zugewählt worden war, wollte mich am Rande der für mich ersten Ratssitzung ein Pressevertreter, den ich seit Jahrzehnten kenne, einem Ratsmitglied vorstellen. Dieses machte eine abwehrende Handbewegung und stellt fest, dass ich dafür sorgen sollte, dass dem Kloss ordentlich auf die Füsse getreten werde. Ohne mich auch nur angesehen zu haben, ging er grußlos davon.
Hartwig Lorenz
Zugewähltes Mitglied in der FDP Ratsfraktion
Vorsitzender desFDP Ortsverbandes Einbeck