Der Kreistag hat den Northeimer Bernard Krzepina einstimmig zum neuen Kreisbrandmeister des Landkreises Northeim ernannt. Der 46-Jährige wird die Funktion ab dem 2. Juli zunächst kommissarisch übernehmen. Sobald er alle erforderlichen Lehrgänge absolviert hat, soll Krzepina vom Kreistag für die Dauer von sechs Jahren zum Ehrenbeamten ernannt werden. Einen zunächst fehlenden Lehrgang zum Verbandsführer hat Krzepina bereits erfolgreich abgeschlossen. Zwei weitere Lehrgänge – „Einführung in die Stabsarbeit“ sowie „Leiter einer Feuerwehr“ – stehen laut Kreisverwaltung noch aus. Er wird als Kreisbrandmeister Nachfolger von Marko de Klein (Greene).
Vertreter aller Fraktionen wünschten sich in der kurzen Diskussion im Kreistag, dass die entstandene „flächendeckende Unruhe“ (Uwe Schwarz, SPD) der vergangenen Monate nun beendet ist und wieder Ruhe bei den Feuerwehren einkehrt. Für die Unruhe sei aber nicht die Politik verantwortlich. Wer immer dafür verantwortlich sei, habe der Feuerwehr einen Bärendienst erwiesen, sagte Schwarz. Es gebe keinen Gewinner, sondern ausnahmslos Verlierer. Den Versuch jedoch, die Schuld für dieses Desaster der Politik in die Schuhe zu schieben, könne er nicht akzeptieren, sagte der SPD-Fraktionschef. Die Politik habe Krzepinas demokratisch zustande gekommenes Wahlergebnis nicht in Frage gestellt und die verwaltungsintern einzuholende kritische Stellungnahme des Regierungsbrandmeisters öffentlich gemacht.
Die Wahl eines Kreisbrandmeisters alle sechs Jahre sei eigentlich ein formaler, „administrativer Punkt“ für den Kreistag, sagte Dirk Ebrecht (CDU). Doch weil es diesmal anders gewesen sei, habe man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen können. „Ein paar Dinge werden da nochmal nachzuarbeiten sein, möglicherweise auch politikintern.“ Einige Posts und Kommentare in sozialen Netzwerken seien weit unter die Gürtellinie gegangen. Jetzt gelte es aber im Sinne einer weiterhin schlagkräftigen, gut funktionierenden Feuerwehr nach vorne zu schauen. Seine Fraktion habe sich in persönlichen Gespräche einen Eindruck verschafft und sei zu der Erkenntnis gekommen, wenigstens eine wohlwollende, aber kritische Begleitung anzuregen, damit die handelnden Akteure möglichst gut und reibungslos miteinander harmonieren. Erfreulich sei, dass sich alle dazu bereit erklärt hätten. „Ich hoffe nicht, dass wir an irgendeiner Stelle eingreifen müssen.“
Bernard Krzepina habe standhaft eine „Schmutzkampagne“ unter anderem in den sozialen Netzwerken durchgestanden, sagte Maik Schmitz (AfD). „Du hast Dich nicht unterkriegen lassen und einen starken Willen.“ Man habe in der Debatte den Eindruck nicht verlieren können, dass einige ein unliebsames Wahlergebnis rückgängig machen wollten. Die AfD-Fraktion habe das Ergebnis von Beginn an akzeptiert, auch wenn es ein knappes Votum gewesen sei. „Man hätte sich vieles ersparen können, wenn die Verwaltung und auch einige Protagonisten aus der Kreispolitik diese Wahl von vorherein so akzeptiert hätten“, sagte Schmitz. Dem trat Landrätin Astrid Klinkert-Kittel sofort vehement entgegen: „Die Behauptung, die Verwaltung habe die Wahl nicht akzeptiert, ist falsch. Aber es gehört auch zu einer guten Demokratie, wenn uns Hinweise und Bedenken vorgetragen werden, dass es eine bewusste Abwägung aller Interessen gibt. Das haben wir gemacht und uns für die Entscheidung etwas Zeit gelassen.“ Die Verwaltung habe gleich nach der Wahl mit Krzepina gesprochen.
Auch Karen Pollok (Grüne) war über die Aussagen von Maik Schmitz erstaunt: „Mir selber ist nicht eine einzige Stimme eines Kreistagsabgeordneten bekannt, der irgendwann zwischendurch gesagt hätte, wir akzeptieren hier irgendwas nicht.“ Es sei aber ein dickes Brett gewesen, das zu bohren gewesen sei. „Wir waren vor eine Situation gestellt, die wir so bisher nicht kannten.“ Es sei Aufgabe der Politik, sich vernünftig mit den gegebenen Signalen auseinander zu setzen, und die Grundlagen von Informationen abzuwägen. Alle im Kreistag hätten Gespräche und eine Lösung gesucht. Die der Grünen sehe etwas anders aus als bei der AfD, gemeinsam mit CDU/FDP/Unabhängige habe man noch mal ein Angebot der Mediation und Begleitung durch die Politik formuliert. „Wir haben aber ganz klar gesagt, dass wir die Verantwortung gerade innerhalb der Feuerwehr sehen“, sagte Pollok. „Wir wollen, dass dieses Signal angekommen ist.“ Die Arbeit in der Feuwehr müssen vom Miteinander, Respekt, Vertrauen und offener Kommunikation getragen sein müsse.
Die Geburt sei schwierig gewesen, aber habe am Ende auch gezeigt, die Demokratie funktioniere, sagte Frank-Dieter Pfefferkorn (BlGfE). Was von der Basis nach oben komme, werde nicht einfach durchgewunken, weil eine Mehrheit da sei, man setze sich kritisch mit den Dingen auseinander. Es sei gut, dass alles einen vernünftigen Abschluss gefunden habe, und wenn es noch ein wenige Begleitung bedürfe, dann sei das eben so: „Wir kümmern uns.“ Pfefferkorn machte dem neuen Kreisbrandmeister und der Feuerwehr das Angebot, immer ein offenes Ohr zu haben.
In einer Versammlung der 134 Stadt-, Gemeinde- und Ortsbrandmeister waren 64 Stimmen auf den bisherigen Amtsinhaber Marko de Klein (Greene) und 69 Stimmen auf Bernard Krzepina (Northeim) entfallen; eine Stimme war ungültig. Die ursprünglich bereits für April vorgesehene Ernennung hatte der Kreistag verschoben, nachdem es öffentlich Kritik unter anderem der vier Brandabschnittsleiter an der fachlichen und persönlichen Eignung des gewählten neuen Kreisbrandmeisters gab.
Der Kreisbrandmeister ist ein Bindeglied zwischen Kreisfeuerwehr und Kreisverwaltung und den Gemeinden. Er erhält eine monatliche Aufwandsentschädigung und einen Dienstwagen. Der Kreisbrandmeister leitet die Kreisfeuerwehr mit allen Einheiten, die nicht einer Ortsfeuerwehr angegliedert sind, sondern zum Landkreis gehören, darunter die Feuerwehrbereitschaften und die Technische Einsatzleitung.

