Stadt: Rathaus-Riss ist bekannt, bereits begutachtet und keine Gefahr

(c) Foto: Frank Bertram

Die Standsicherheit der Außenwand des historischen Rathauses ist gewährleistet. Das hat die Stadtverwaltung heute auf Nachfrage erklärt. Es bestehe keinerlei Anlass für einen sofortigen Baustopp für die Arbeiten am künftigen Außenfahrstuhl, das Alte Rathaus könne auch unverändert genutzt werden, es bestehe laut fachlicher Einschätzung eines Statikers keine Gefahr für Leib und Leben, erklärte Bauen-Fachbereichsleiter Jens Ellinghaus. Gestern Abend hatte der Ratsherr Alexander Kloss (parteilos) in einer Mitteilung auf Risse in der Südwand des Alten Rathauses hingewiesen und gefordert, sofort einen Sachverständigen hinzu zu ziehen und falls notwendig einen Baustopp und eine Sperrung des Rathauses zu verfügen.

„Obwohl ich kein Baufachmann bin, vermute ich, dass es durch die Ausschachtungs- und Bohrarbeiten für den Fahrstuhl in den vergangenen Wochen zu einer massiven Beschädigung der historischen Bausubstanz und einer Gefährdung der Standsicherheit des Alten Rathauses gekommen ist“, hatte Ratsherr Alexander Kloss geschrieben. Die Stadtverwaltung tritt dem eindeutig entgegen: „Die von Herrn Kloss dokumentierten Risse in der Wandoberfläche sind der Stadtverwaltung bekannt und bereits von einem örtlichen und sachverständigen Statiker begutachtet“, erklärte heute Fachbereichsleiter Jens Ellinghaus auf meine Nachfrage. Die Politik sei über diesen Sachverhalt auch bereits am 4. Juni im nicht-öffentlichen Verwaltungsausschuss informiert worden; regelmäßig werde in diesem Gremium über den Sachstand berichtet.

Der Bereich, in dem die Unterfangung der Südwand durchgeführt wurde, habe sich um insgesamt circa drei Millimeter gesetzt, sagte der Bauen-Fachbereichsleiter. Das sei bei Maßnahmen dieser Art – insbesondere unter schwierigen Baugrundverhältnissen und in Verbindung mit historischer Bausubstanz – nicht gänzlich auszuschließen, erläuterte Ellinghaus. Bei einer Ortsbegehung Ende Mai 2025 mit dem Statiker sei festgestellt worden, dass der Riss keine Auswirkungen auf die Standsicherheit des Gebäudes habe. Der Riss werde gemäß der Empfehlung des Statikers mit einem so genannten Rissmonitoring überwacht.

Ellinghaus: „Es besteht keinerlei Anlass, einen sofortigen Baustopp für alle, den künftigen Fahrstuhlbau betreffenden Arbeiten zu verfügen. Die Stadtverwaltung wird gemeinsam mit dem beauftragten Architekten und den Baufirmen die Baumaßnahme weiter fortsetzen.“ Zurzeit laufen die Rohbauarbeiten für das Schachtbauwerk unterhalb der Geländeoberfläche. Diese Arbeiten sollen inklusive der Herstellung der Pflasterfläche bis zum Eulenfest abgeschlossen sein. Nach dem Eulenfest erfolge die Installation des Fahrstuhls mit dem Schachtgerüst.

Das Alte Rathaus werde nicht für Nutzungen gesperrt, denn gemäß der fachlichen Einschätzung des Statikers bestehe keine Beeinträchtigung der Standsicherheit und keine damit einhergehende Gefahr für Leib und Leben, antwortete Ellinghaus auf Forderung des Ratsherrn Kloss. Der Sommerempfang vergangenen Donnerstag habe „ohne Bedenken“ stattfinden dürfen, sagte Ellinghaus.

Bei dem Sommerempfang war Kloss nach eigener Darstellung ein großer Riss in der Südwand aufgefallen. Mit mehreren Fotos hatte der Ratsherr gestern Abend einen breiten Adressatenkreis alarmiert und die Stadtverwaltung zu einer „beherzten Reaktion, die weiteren Schaden von unserem fast fünfhundertjährigen Wahrzeichen fernhält“, aufgefordert. Außer alle Ratsmitglieder versorgte Kloss auch die Kommunalaufsicht beim Landkreis Northeim und das Landesamt für Denkmalpflege mit seiner Darstellung und Forderungsliste.

Eine Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege sei nicht erforderlich, die Maßnahme werde bereits in enger Abstimmung durchgeführt, kommentierte Jens Ellinghaus. „Das Landesamt tritt nicht als Genehmigungsbehörde auf, sondern steht den Behörden und Kommunen als beratendes Fachamt zur Verfügung.“

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Ein großer Riss ist in der Südwand der Rathaushalle sichtbar.
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Der große Riss zieht sich von der Decke bis zum Boden.

5 Kommentare zu „Stadt: Rathaus-Riss ist bekannt, bereits begutachtet und keine Gefahr

  1. „….Außer alle Ratsmitglieder versorgte Kloss auch die Kommunalaufsicht beim Landkreis Northeim und das Landesamt für Denkmalpflege mit seiner Darstellung und Forderungsliste….“. Darüber hinaus auch Veröffentlichung auch in seinem Newsletter und heute auch in der „Einbecker Morgenpost“ zu lesen.
    Also großes Kino.
    Wenn es so gefährlich ist, hat er dann nicht direkt mit den Verantwortlichen sprechen können/sollen/müssen ?! Vielleicht hätte sich dann nach einer fachlichen Antwort die ganze Aufregung schnell gelegt ?! Oder ist es doch „nur“ politischer Zank um diese Baustelle und der Riß geht weiter tiefer als durch die Wand, nämlich durch die ganze Stadt……

  2. Zuvor in der Ratssitzung gab es den Bericht der Bürgermeisterin und die Anfrage eines Ratsmitglieds. Mal wieder eine Chance verpasst pro-aktiv Transparenz herzustellen, auch bzgl. der tatsächlichen Kosten. Ach da gibt es ja noch den Geheimausschuss, das muss reichen! Und dann gibt es demnächst das Projekt museale Nutzung des Obergeschosses, damit der Fahrstuhl nachträglich seine Berechtigung hat; nur kostet das weitere Millionen, um im Wettbewerb mit dem PS-Speicher eine Chance zu haben!

  3. Ist doch schön zu lesen, wie Rathaus und journalistische Arbeit Hand in Hand laufen. Dass alles lt. Bürgermeisterin im VA berichtet wurde, ist eine Schimäre, die auch der Autor zu glauben scheint. Und wenn es so gewesen wäre, warum nur dort? Alle sehen die Risse….

    1. Eine Schimäre ist laut meinem Fremdwörterbuch ein Trugbild, ein Hirngespinst.
      Ach, Herr Breuker, unterlassen Sie doch bitte Ihre Unterstellungen.
      Apropos Risse, ich zitiere da gerne mal die Bibel, sie kennen als CDU-Politiker ja ihre Bergpredigt hoffentlich: „Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht? “ (Matthäus 7,3)

  4. Schimäre passt doch, ein Trugbild, das vorgaukeln von Transparenz mit Verweis auf den VA, aus dem nur das eigene Narrativ dringen darf, sonst werden Ratsmitglieder öffentlich gerügt und diszipliniert! Wo ist eigentlich die journalistische Thematisierung dazu nachzulesen?

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