Keine vier Tage nach Karnevalsbeginn haben die Narren das Einbecker Rathaus erobert und den Schlüssel in ihren Händen. Der ist zwar längst eine digitale Zugangskarte, fürs Foto macht sich aber der große bunte Schlüssel weiterhin besser. Für Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, die im Januar mit der höchsten närrischen Ehrung in Einbeck ausgezeichnet werden soll, war es die letzte Schlüsselübergabe im Amt, in einem Jahr ist eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger gewählt. „Ich erwarte nun, dass es Euch wieder gelingt, zu regieren die Stadt mit närrischem Plan, damit ich am Aschermittwoch, ausgeruht und beschwingt, in die letzten Monate meiner Amtszeit gehen kann“, reimte die Rathauschefin, die erstmals 2014 den Schlüssel an die Karnevalsfreunde abgegeben hatte. „Keine Angst, Frau Bürgermeisterin, wir gehen mit Sinn und Lächeln hin, wir führen Einbeck, das ist klar, so fröhlich in das nächste Jahr“, versprach das neue Prinzenpaar der Gesellschaft der Karnevalsfreunde Einbeck (GdKE), Prinz Kai I. und Lisa I. Brackmann. „Im Rathaus gibt’s jetzt neuen Klang, da schallt das Lachen, laut und lang, statt Aktenstapel ganz im Blick, kehrt Frohsinn ein, Stück für Stück.“ Seit 2013 habe Michalek als Bürgermeisterin vieles gut gemacht und auf die Stadt achtgegeben, mit viel Geschick, mit Herz und Klarheit. „Doch heut‘, Frau Doktor, soll’s geschehen, wir müssen ihren Schlüssel stehl’n.“ Am Aschermittwoch kehre der Schlüssel aber pünktlich zurück, versprachen sie. Bis dahin „Karneval regiert jetzt hier, mit Frohsinn, Pizza, Tanz und Bier.“
„Ihr Narren, viel Arbeit liegt vor Euch in den kommenden Wochen, ich hoffe, ich hab mir nicht zu viel versprochen, wenn ich sage, ihr werdet es schaffen mit Heiterkeit, zu vertreiben die Sorgen in dunkler Zeit“, richtete sich Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek an die versammelten Karnevalisten. „Liebes Narrenvolk, spart nicht mit Spott und nicht mit Humor, indem ihr haltet uns Politikern den Spiegel vor.“
Die Bürgermeisterin fragte die Narren, ob diese den Schlüssel in diesen Zeiten wirklich wollten. „Die Weltenlage lädt derzeit nicht dazu ein, ausgelassen und unveschwert zu sein“, sagte Michalek. „Inmitten der politischen Debatten, die geführt werden nicht immer filigran, seh ich wenig Licht und sehr viel Schatten, und Populismus zieht so manche in seinen Bann.“ Sie mahnte: „Die Gier nach Beifall, schnell errungen, verlockt zum einfachen, harten Wort, doch wer die Brücken hat zersungen, findet zur Einigung keinen Ort.“
„So wählt die Worte, wohl bedacht, mit Empathie und klarem Sinn, damit in dunkler trüber Nacht, das Licht der Vernunft strahle weiterhin. Vermeidet Hass und Verachtung, das Gift, das tief die Seelen speist, übt Euch in Achtsamkeit und Achtung, wie es ein weiser Geist verheißt“, appellierte sie. „Denn nur im Dialog, dem wahren, liegt uns’re Zukunft, stark und fest, lasst uns die Demokratie bewahren, mit Worten, die uns Gutes lässt.“
Doch genug mit mahnenden Worten, sagte Dr. Sabine Michalek, sie sei ja niemand, die immer nur das Haar in der Suppe finde und der gänzlich die Hoffnung schwinde. Mit dem Aufzug am Alten Rathaus gehe es voran, damit bald jeder ganz bequem ins Rathaus kommen könne. Und wenn man auf dem Neustädter Kirchplatz von weiteren Unwägbarkeiten verschont werde, „dann wird im nächsten Jahr gepflastert und gepflanzt, wenn das klappt, dann wird getanzt“.

