Das Rennen um die Nachfolge von Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek ist nun auch offiziell eröffnet: Die Einbecker CDU hat als erste Partei ihre Kandidatin aufgestellt und wählte am Mittwoch Antje Sölter (52) aus Vardeilsen mit großer Mehrheit zur Bürgermeisterkandidatin. Sie erhielt 20 von 23 Stimmen, es gab eine Nein-Stimme und zwei Enthaltungen. Weitere Bewerber gab es bei der Aufstellungsversammlung im Hotel Panorama nicht. „Ich sehe die Aufgabe der Bürgermeisterin als Brückenbauerin“, sagte Sölter, „zwischen Verwaltung und Politik, zwischen Ehrenamt und Stadtgesellschaft, zwischen Tradition und Zukunft, zwischen Rathaus und Ortsräten.“ Sie möchte Türen öffnen, nicht schließen, sagte die Kandidatin. Sie wolle zuhören und handeln. „Ich verspreche keine Wunder, aber ich verspreche Einsatz, Ehrlichkeit und Leidenschaft für Einbeck, für unsere Menschen, für unsere Zukunft.“ Spannend bleibt nun, wann genau die SPD nachziehen wird und ihren Bewerber öffentlich macht. Der gerade mit seinem Team wiedergewählte Ortsvereinsvorsitzende René Kopka kündigte einen Vorschlag für „Ende November“ an; die offizielle Nominierung ist erst am 7. Februar vorgesehen.

Vor einigen Monaten sei sie gefragt worden, ob sie sich vorstellen könne, als Bürgermeisterkandidatin anzutreten, erzählte Antje Sölter in ihrer rund zehnminütigen Vorstellungsrede freimütig. Damals habe sie spontan „auf keinen Fall, das ist nichts für mich“ geantwortet, doch dann noch einmal darüber nachgedacht und mit einigen Menschen darüber gesprochen, sei von vielen angesprochen worden, die eine Kandidatur als logische Konsequenz für eine stellvertretende Bürgermeisterin von Sabine Michalek geschildert haben, die sich für eine Nachfolge zur Wahl stellen sollte. Eine solche Chance gebe es wahrscheinlich nur einmal im Leben, sagte Sölter. „Wenn andere Menschen an dich glauben, die dich aus dem Ehrenamt in der Kommunalpolitik dieser Stadt schon kennen, warum sollte ich das nicht auch tun“, habe sie sich dann gefragt. Und deshalb stehe sie zur Wahl, mit Überzeugung und Herz: „Ich will Bürgermeisterin unserer Stadt werden.“ Sie werbe um Unterstützung und Vertrauen, auch bei denen, die vielleicht noch zweifeln. „Gute Politik entsteht nicht durch Beifall, sondern durch Austausch, durch Kritik, durch Miteinander“, meint Antje Sölter. „Lassen sie uns gemeinsam nach vorne schauen, wer nach vorne sehen will, darf nicht nach hinten denken.“
Die heute 52-Jährige ist gebürtige Einbeckerin und in Vardeilsen aufgewachsen. Nachdem sie sich in ihrer Ehe als Partner unterschiedlich entwickelten, wie sie das formulierte, blieb Antje Sölter alleinerziehend in ihrem Elternhaus mit ihren Kindern und mit Großmutter wohnen, zusammen mit ihrer inzwischen erwachsenen Tochter und ihrem heute ebenso erwachsenen Sohn, der inzwischen auf Norderney lebt. Abenteuer Großfamilie sei das gewesen, vier Generationen unter einem Dach, beschreibt sie es. Beruf, Familie und Ehrenamt sei nicht immer leicht, aber es habe sie geerdet. Und sie wisse jetzt, was Zusammenhalt bedeute.
Seit 14 Jahren ist Antje Sölter Ortsbürgermeisterin von Vardeilsen und Avendshausen, seit neun Jahren vertritt sie die Stadt als stellvertretende Bürgermeisterin. Mehrere Jahre war sie Schulausschuss-Vorsitzende im Stadtrat, hat sich in die Entwicklung der Schullandschaft eingebracht, über die Elternarbeit und die Kinder-Betreuung war sie auch in die Kommunalpolitik gekommen. Viele tolle, engagierte Menschen und Vereine habe sie in dieser Zeit kennenlernen dürfen, von vielen Seiten Unterstützung erfahren. Mit engagierten, nicht nachlassenden, innovativen Ehrenamtlern könne man Vieles und Gutes bewirken. Vertrauen, Offenheit, Ehrlichkeit und Menschlichkeit – „das sind keine Schlagworte, das ist mein Kompass – im Leben und in der Politik.“
Seit über 30 Jahren arbeite sie mit Menschen, in Arztpraxen, im Einbecker Bürgerspital und in der Sozialstation. Sie gehöre dort seit einigen Monaten zum Leitungsteam, habe als Koordinatorin Führungsverantwortung im Bereich Verwaltung. In den mehr als drei Jahrzehnten habe sie von vielen Schicksalen gehört. „Ich weiß, was Menschen bewegt“, sagte Antje Sölter. „Ich höre zu, ich will verstehen, und ich will gestalten.“
Die Haushaltslage erlaube keine Visionen oder Versprechungen, so ehrlich müsse man sein. Die Wege weiterzugehen, die bislang geebnet worden seien von der Politik und der Bürgermeisterin mit ihrer Verwaltung, Bewährtes zu erhalten, das sei die Aufgabe. Die bevorstehenden Herausforderungen schaffe man nur gemeinsam, appellierte Antje Sölter. Die Vernetzung zwischen den 46 Ortschaften müsse verbessert, die medizinische und pflegerische Versorgung für eine älter werdende Gesellschaft erhalten werden, Einbeck aber auch für junge Arbeitskräfte und Familien attraktiv bleiben, nannte die CDU-Bürgermeisterkandidatin bewusst zunächst nur wenige Beispiele. Einbeck müsse in Zeiten von Fachkräftemangel und Digitalisierung überlegen, wie der Wirtschaftsstandort noch besser vermarktet und die Vorteile der guten Pendel-Möglichkeiten und die Nähe zur Natur noch besser transportiert werden könne. Bei der Priorisierung von Projekten müsse man genau hinsehen, was die Zuwendungen von Bund und Land wirklich bringen. „Was wir vor allem brauchen, ist eine transparente Kommunikation“, sagte Antje Sölter. „Nicht alles kann sofort erfolgen, es müssen sinnvolle Schritte gemacht werden.“


Eine gute Entscheidung, damit habe ich gerechnet.