Bauarbeiten für Kita im “Wissensquartier” beginnen

Die zwei Jahre dauernden Bauarbeiten für die neue Kindertagesstätte Münstermauer im “Wissensquartier” beginnen. Ziel ist, die neue Kita mit Platz für rund 90 Kinder in drei Kindergartengruppen und einer Krippengruppe zum Kitajahr 2022/23 in Betrieb nehmen zu können, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. Die Baukosten werden auf rund 3,5 Millionen Euro geschätzt, 90 Prozent davon werden aus Bundesmitteln gefördert.

Die Münstermauer ist für die Bauarbeiten gesperrt, im Hintergrund der Turm der Münsterkirche und davor das alte Kita-Gebäude.

Als erster sichtbarer Bauschritt wird das alte Gebäude abgerissen; die Außenspielgeräte waren bereits abgebaut und teilweise eingelagert worden, auch die Hausanschlüsse sind zurückgebaut, und die Baustelle wurde abgesperrt. Bereits im Mai war die Kita in den seit 2016 leer stehenden ehemaligen Kinderhort Auf dem Steinwege in unmittelbarer Nähe umgezogen. Das habe reibungslos funktioniert, lobte Sachgebietsleiter Jörg Mönnig das Mitarbeiterinnen-Team. Ab 22. Juni werden nach Aufhebung der Corona-Beschränkungen auch alle 75 Kinder wieder die Kita besuchen können, allerdings in geteilten Gruppen, was noch eine organisatorische Herausforderung werde.

Die einzige Baustellenzufahrt gibt es über einen kurzen Weg von der Stadtgrabenstraße aus. Dort herrscht jetzt tagsüber umfangreiches Halteverbot, darüber seien die Anlieger frühzeitig informiert worden, sagte Bauamt-Projektleiter Christian Fricke. Vielleicht könne man das je nach Bauablauf während der zweijährigen Bauphase wieder lockern. Man habe auch in der Nachbarschaft eine umfangreiche Beweissicherung an den Gebäuden durchgeführt, um bei eventuellen Schäden durch die Bauarbeiten vorbereitet zu sein. Der Abriss soll bis Mitte Juli erledigt sein, dann folgen die ersten Erdarbeiten und vor allem die archäologischen Grabungen auf einer Fläche von rund 1000 Quadratmetern im geschichtlich interessanten Bereich der ehemaligen Stadtmauer. 80 Arbeitstage bis in den November sind dafür vorgesehen. Danach folgen die Gründungsarbeiten für den Kita-Neubau.

Auf dem für die neue Kita Münstermauer zur Verfügung stehenden halben Hektar Fläche werden etwa zwölf bis zu 50 Jahre alte Bäume weichen müssen, berichtete Christian Fricke. Bis auf einen Haselnussbaum und eine Linde könnten leider keine Bäume stehen bleiben; bei der Linde habe man bereits einen Wurzelvorhang installiert, um den alten Baum während der Erdarbeiten zu schützen.

Vor der einzigen Baustellen-Zuwegung am Bauschild für die neue Kita Münstermauer (v.l.): Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, Sachgebietsleiter Jörg Mönnig, Baudirektor Joachim Mertens, Projektleiter Christian Fricke.

Beim Architektenwettbewerb für die nächsten Schritte im “Wissensquartier” wird Mitte Juli (wegen Corona später als ursprünglich geplant) das Preisgericht tagen und einen Entwurf küren. Laut Baudirektor Joachim Mertens sind 13 Entwürfe eingegangen, 15 Büros waren aufgerufen worden zur Teilnahme, das sei eine gute Quote.

Kirchplatz mit Geschichte

Archäologin Sabine Stoffner putzt die Skelettfunde auf dem Neustädter Kirchplatz.

Bei allem politischen Streit über die Umgestaltung des Neustädter Kirchplatzes ist in diesen Tagen die Geschichte sozusagen wieder an die Oberfläche getreten, die in der Diskussion oftmals zu kurz zu kommen scheint. Als der Platz vor ein paar Jahren noch neu bebaut werden sollte, hatte die Denkmalpflege starke Bauchschmerzen – was den modernen Baukörper betraf, aber auch bei einer möglichen Tiefgarage was den Untergrund anging. Der Platz ist nach der 1963 abgerissenen Neustädter Kirche St. Marien benannt, der einst dritten großen Innenstadtkirche Einbecks. Wenn auch vieles bei den Bauarbeiten Ende der 1960-er Jahre zum Waschbeton-Ensemble in der Erde bereits zerstört worden ist, lassen sich auf dem Areal auch heute noch bei archäologischen Grabungen historisch interessante Funde machen. Denn früher wurden die Menschen rund um die Kirchen bestattet, höher gestellte Personen auch in den Kirchen. Der Neustädter Kirchhof um St. Marien war bis Mitte des 18. Jahrhunderts in Gebrauch, bis die Bestattungen rund um Gotteshäuser unüblich wurden und Friedhöfe außerhalb der Stadtmauern entstanden, in diesem Fall St. Crucis am Hohen Weg.

Skelettfunde auf dem Neustädter Kirchplatz.

Bevor kommende Woche die neue Trafostation für den Neustädter Kirchplatz geliefert wird, konnten die Archäologen die Gelegenheit nutzen, nachdem beim Abräumen der Pflasterung erste Knochen sichtbar wurden. Unter der Leitung von Stadtarchäologen Markus Wehmer hat ein fünfköpfiges Team des Göttinger Archäologie-Unternehmens Streichardt & Wedekind eine etwa sechs mal zehn Meter große Fläche untersuchen können und dabei rund ein Dutzend Grabstellen mit ihren Knochenresten entdeckt. Die Skelett-Teile müsse zwar noch genauer anthropologisch untersucht werden, aber nach ersten Vermutungen wurden Beisetzungen aus den letzten Jahren des Friedhofs entdeckt. Zusammen mit weiteren Funden wie Münzen oder Sargnägeln und tieferen Untersuchungen können unter Umständen sogar die im Stadtarchiv erhaltenen Namenslisten des Neustädter Kirchspiels den Skeletten zugeordnet werden. Dabei sind die archäologischen Grabungen jetzt noch nicht die ohnehin geplanten vor einer Umgestaltung. Diese folgen erst noch in den nächsten Monaten.

Zuletzt hatte bei dem politisch hoch umstrittenen Projekt der Verwaltungsausschuss den 90.000-Euro-Auftrag für den Abriss des ehemaligen Gemeinde/Sparkassenhauses und der Waschbeton-Teile vergeben. Die SPD, bekanntlich Anhängerin einer kleinen Lösung, brandmarkte dieses als weitere Verschwendung von Steuergeldern und kritisierte die Bürgermeisterin. Nachdem ein Jahr lang nichts passiert sei, werde der Platz jetzt in eine Dauerbaustelle verwandelt, in der in den nächsten drei Jahren rund vier Millionen Euro vergraben werden, kritisieren die Sozialdemokraten in einer Pressemitteilung. Dabei hätte der Neustädter Kirchplatz bereits mit deutlich weniger Aufwand vernünftig hergerichtet werden können, meint die SPD-Fraktion.

Dort, wo die neue Trafostation gebaut wird, graben in dieser Woche Archäologen.

Eine aktuelle Planung liege bislang nicht vor und sei „nach aktuellen Auskünften auch auf absehbare Zeit nicht zu erwarten“, erklärte die SPD. Eine Sitzung des Bauausschusses, die für heute geplant war und ohne Angaben von Gründen ausgefallen ist, hätte das erhellen können.

Nachtrag 04.12.2019: Wie Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek heute im Stadtrat sagte, werde der Entwurf für die Gestaltung des Platzes derzeit hinsichtlich des neuen Pavillons überarbeitet. Die aktualisierte Planung soll im Bauausschuss dann am 25. Februar Thema sein. Die Abrissarbeiten am einstigen Gemeindehaus sollen spätestens am 16. Dezember beginnen. Zunächst werde das Gebäude entkernt, im Januar dann abgerissen.

Burgsmüller-Grundstein: Finanzminister lobt Wirbel-Pionier

Taten und Worte: Finanzminister Reinhold Hilbers (r.) und Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek griffen bei der Grundsteinlegung zur Kelle. Im Hintergrund v.l. Dr. Michael Ruf und Matthias Sieverding von KraussMaffei sowie VGP-Vorstandschef Darius Scheible.

Der offizielle Grundstein für den neuen Produktionsstandort der Burgsmüller GmbH im Einbecker Gewerbegebiet am Butterberg ist gelegt. Dort entsteht auf einem etwa zwei Hektar großen Grundstück ein neues Werk für die Metallverarbeitung in einem rund 8000 Quadratmeter umfassenden Hallen- und Bürokomplex. Im zweiten Quartal 2020 will das Unternehmen aus dem heutigen Standort Kreiensen nach Einbeck umziehen. „Hier entsteht die modernste Fertigungsstätte Europas, um international wettbewerbsfähig Verschleißteile für Kunststoffmaschinen zu produzieren“, begrüßte Jens Biel, Geschäftsführer der Burgsmüller GmbH, seine Gäste. Der neue Standort bietet Arbeitsplätze für bis zu 125 Mitarbeiter. Aktuell hat das 1876 in Kreiensen gegründete eigenständige Tochterunternehmen der KraussMaffei Extrusion GmbH 95 Beschäftigte.

Aber nicht nur Vertreter von KraussMaffei und Politik griffen zur Kelle, die eigentlichen “Grundsteinleger”, die die Kupfer-Kapsel mit Zeitungen, Münzen, Plänen und Broschüren gefüllt im gemauerten Grundstein versenkten, waren die Auszubildenden Felix Korzen und David Hoffmann, die gerade erst im August ihre Ausbildung bei Burgsmüller begonnen haben.

Finanzminister Reinhold Hilbers lobte Burgsmüller als regionalen Beispielgeber.

„Sie sind wirklich Pionier und regionaler Beispielgeber, ein Wegbereiter für die regionale Wirtschaft und setzen Impulse“, sagte der niedersächsische Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU). Er freute sich, dass Burgsmüller mit einer vernetzten, effizient angeordneten Fertigung – einer „smart factory“ – auf zukunftsträchtige Digitalisierung setze, den Industriestandort Niedersachsen stärke und sich zum Standort Einbeck bekannt habe. Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek war froh, dass man gemeinsam eine Lösung im Gewerbegebiet am Butterberg gefunden habe, dafür habe man Fläche arrondieren müssen: „Wir mussten schnell sein, hatten nur ein kleines Zeitfenster.“ Auch die Archäologie sei hier tätig gewesen, erinnert sie. Gut sei, dass Einbeck Industrie-Know-how am Standort habe halten können. Jetzt müsse man sich Gedanken machen, wie in Zukunft der frei werdende Standort in Kreiensen entwickelt werden könne, sagte die Bürgermeisterin.

Der Burgsmüller-Standort in Kreiensen. Archivfoto

Die KraussMaffei Extrusion GmbH möchte aus Burgsmüller in Einbeck den weltweit wettbewerbsfähigsten Standort machen, sagte Vorstandschef Matthias Sieverding bei der Grundsteinlegung. Heute werden in Kreiensen jährlich mehr als 40.000 Schneckenelemente für Kunststoffmaschinen sowie Schaftwellen und Zylinder gefertigt. Ziel ist laut Sieverding, im ersten Schritt 55.000 Teile pro Jahr und in einer weiteren Ausbaustufe 100.000 Teile jährlich zu fertigen, um sich den Wettbewerbern vor allem in China zu stellen. Burgsmüller hat zahlreiche Patente, unter anderem gehen das Innen- und Außenwirbelverfahren, das heute Hersteller von Spindeln einsetzen, auf das Unternehmen zurück. “Hier wird gewirbelt”, freute sich Finanzminister Hilbers augenzwinkernd.

Geschäftsführer Jens Biel (l.) begrüßte zur Grundsteinlegung Vertreter von KraussMaffei, VGP, der Politik und Verwaltung sowie die Mitarbeiter.

Bauherr des Neubaus ist die VGP, ein in zwölf europäischen Ländern aktiver Entwickler, Betreiber und Eigentümer von hochwertigen Gewerbeimmobilien. Das Unternehmen verfügt nach eigenen Angaben über 7,3 Millionen Quadratmeter Fläche. Bei dem Neubau in Einbeck wird modernste Haustechnik installiert, die durch mehrere Rückgewinnungsanlagen eine sehr hohe Energieeffizienz ausweist. VGP-Vorstandschef Darius Scheible lobte das Bauamt der Stadt Einbeck für die gute Zusammenarbeit, das erlebe man nicht so oft. Über die Höhe der Investitionssumme machten die beteiligten Unternehmen auch auf Nachfrage keine Angaben.

Die Baustelle schreitet schon weiter voran: Offizielle Grundsteinlegung bei Burgsmüller in Einbeck im Gewerbegebiet am Butterberg mit Geschäftsführer Jens Biel (links) und weiteren Firmenvertretern sowie Finanzminister Reinhold Hilbers (5.v.l.) und Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek.

Neustädter Kirchplatz: Abriss erst ab Oktober

Wird abgerissen: das einstige Sparkassen- und Gemeindehaus auf dem Neustädter Kirchplatz. Archivfoto März 2019

Die Bauarbeiten auf dem Neustädter Kirchplatz werden erst ab Oktober starten. Zeitweilig war bei dem bis heute politisch hoch umstrittenen Projekt einmal von einem Abrissbeginn ab Mai die Rede gewesen. Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek erklärte gestern im Stadtrat, dass im Rathaus der Bauablauf derzeit so geplant sei, dass die Trafostation auf Straßenniveau in den Bereich des geplanten Pavillons verlegt werden soll, dann das ehemalige Gemeindehaus abgerissen werden könne, ebenso die Toilettenanlage sowie die Waschbetonteile und die Treppen in der Parkanlage. Auch die archäologischen Arbeiten sollen noch in diesem Jahr beginnen. Durch diesen Ablauf blieben alle Parkplätze zunächst weiter erhalten. Noch 2019 wolle man außerdem die Entwurfsplanung abschließen, um dann 2020 die Straßenzüge Hullerser Straße, Benser Straße und Papenstraße auszubauen. 2021 soll der Platz neu gebaut werden, erklärte die Bürgermeisterin.

Bauamtsleiter Joachim Mertens hatte bereits in der jüngsten Finanzausschuss-Sitzung angedeutet, dass es Probleme bei der Verlegung der derzeitig unterirdischen Trafostation gebe, es gebe Lieferschwierigkeiten bei Trafostationen. Beginnen könne man erst im vierten Quartal dieses Jahres.

Noch in diesem Jahr indes soll es eine öffentliche Veranstaltung für alle Anlieger rund um den Neustädter Kirchplatz geben, bei der die bereits in der Tiedexer Straße heftig umstrittene Frage der Straßenausbaubeiträge auch für dieses Projekt besprochen werden soll. Einen Fachanwalt hat die Stadt Einbeck bereits hinzu gezogen.

Bald Bauarbeiten auf Brache?

Die Senfmühle will sich erweitern.

Viele Menschen fragen sich, wann (endlich) auf der Brache an der Ecke Knochenhauerstraße/Neue Straße im Herzen der Innenstadt etwas passiert. Seit dem Abriss der Gebäude sind bereits einige Monate vergangen. Viel gehört oder gelesen hat man seitdem nicht mehr. Bald könnte indes Bewegung jedenfalls in die seit langem geplante Erweiterung der Einbecker Senfmühle kommen. Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek sagte außerdem gestern im Stadtrat, dass die archäologischen Untersuchungen auf dem Areal nach dem Abriss der Gebäude abgeschlossen seien. Die Stadt erwarte nunmehr den Bauantrag für einen Neubau auf der Straßenecke. Vor dem Abriss der maroden Häuser an der Ecke hatte die Stadt Einbeck aus Sicherheitsgründen ein Betretungsverbot für das direkt an die Senfmühle anschließende Grundstück Knochenhauerstraße 24 ausgesprochen. Durch die daher eingetretene Verzögerung und letztlich nun notwendige Planänderung ist der bereits 2018 vorgesehene Erweiterungsbau bislang noch nicht realisiert. Laut Bürgermeisterin ist aktuell eine Fortsetzungs- und Feststellungsklage des Eigentümers anhängig. Solche Klagen dienen in der Regel dazu, eventuell entstandenen Schaden festzustellen, um dessen Ersatz auf seriöser Grundlage einfordern zu können.

Das Grundstück an der Ecke Neue Straße/Knochenhauerstraße.

Bauen am Weinberg

Hier soll das neue Baugebiet am Weinberg an den Alfred-Nobel-Ring anschließen. Archivfoto.

Die Stadt Einbeck wird ein rund 12.600 Quadratmeter großes Areal im Nordosten der Stadt als Bauland neu erschließen. Das Baugebiet “Weinberg II”, für das sich die Politik im Stadtentwicklungsausschuss einstimmig ausgesprochen hat, schließt mit seinen 16 Bauplätzen von je 600 bis 700 Quadratmetern unmittelbar an das vorhandene Gebiet am Weinberg an – in östlicher Verlängerung des vorhandenen Straßenansatzes des Alfred-Nobel-Rings. Das neue Baugebiet soll durch den Erschließungsträger Niedersächsische Landgesellschaft mbH (NLG) entwickelt werden, der die Flächen jetzt von der Stadt kaufen wird. Im kommenden Jahr werden archäologische Ausgrabungen in dem Gebiet stattfinden, um den bereits sondierten Untergrund näher zu erforschen, weil das neue historische Erkenntnisse verspricht. Das wird rund 250.000 Euro kosten und damit wahrscheinlich den Ertrag, den die Stadt durch den Grundstücksverkauf erzielt, komplett aufbrauchen. Erste Häuser könnten ab 2019 nach den dann abgeschlossenen Grabungen am neuen Weinberg entstehen. Laut Beschluss des Stadtentwicklungsausschusses soll die Stadtverwaltung jetzt alle Bauinteressierten anschreiben und sie davon in Kenntnis setzen.

Vor dem Beschluss hatte sich im Fachausschuss des Stadtrates eine Debatte entsponnen, die nicht neu war und noch einmal deutlich vor Augen geführt hat, wie dringend notwendig neue Bauplätze auf der grünen Wiese zu sein scheinen. Denn imgrunde seien die 16 neuen Häuser schon zu wenig, so hoch sei die Nachfrage, hieß es. Was ja durchaus die Frage erlaubt, ob nicht bereits das alte Baugebiet am Weinberg zu klein dimensioniert war, der Stadtrat jetzt viel zu spät neues Bauland in der Kernstadt ausweist und die Entwicklung über Jahre falsch eingeschätzt hat. Weil beispielsweise jeder Ortsbürgermeister in den vergangenen Jahrzehnten am Liebsten sein eigenes Baugebiet im Dorf wollte und damit Bauwillige aus der Kernstadt abzog. Jetzt steuert die Politik hektisch nach und stößt dabei an Grenzen. Denn zum einen lässt sich neues Bauland am Rande der Stadt nicht einfach so neu ausweisen, zum anderen geht es nicht so schnell wie gewünscht. Und der Effekt, vor dem Bauamtsleiter Frithjof Look beinahe schon gebetsmühlenartig warnt, wird schnell achtlos beiseite geschoben: Bei einem Donut ist in der Mitte ein Loch, und wenn sich eine Stadt nur um stärkere Ränder kümmert, nicht aber ums Zentrum, dann wird hier mal ein Loch entstehen. Wenn die Politiker nach der Sitzung das Rathaus am Marktplatz verlassen und ringsum auf die wenigen erleuchteten Fenster in den Obergeschossen schauen, könnten sie die Entwicklungen erkennen, die Look meint. Von der zeitlich nach hinten geschobenen Erschließung und Entwicklung eines Potenzialgebietes am Deinerlinden- und Walkemühlenweg ganz zu schweigen. Oder hat das nur deshalb in der Politik keine Priorität, weil es in der Südstadt ist?

Die reichlich bizarre Diskussion über die Frage, wer wann wie wen informieren soll und was nun eine Bring- oder Holschuld ist, mündete in die Ergänzung des Beschlusses, dass jetzt alle Bauinteressierten von der Stadt Einbeck angeschrieben werden sollen, und werte ich als weiteres Anzeichen dafür, dass das Schwarze-Peter-Spiel zwischen Politik und Verwaltung immer heftiger gespielt wird. Aber vielleicht empfinden ja einige auch regelmäßige Mails an Bauinteressierte mit dem Hinweis, dass die Stadt Einbeck leider weiterhin kein Bauland in der Kernstadt hat, als gute Standortwerbung.

Nachtrag 22:00 Uhr: Wie Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek heute Abend im Stadtrat mitteilte, sind im nicht-öffentlichen Sitzungsteil Beschlüsse vorgesehen über einen Grundstückstausch zwischen der Stadt und den Einbecker Hospitalstiftungen. Mehrere Flurstücke müssen für die Erschließung als Baugebiet wertneutral getauscht werden, weil die Hospitalstiftungen eine Nutzung nur für ältere, behinderte und sozial benachteiligte Menschen erlauben würde, allgemeine Wohngebiete wären nicht möglich. Dasgleiche betrifft das künftige Baugebiet am Deinerlindenweg. Getauscht wird mit städtischen Ackerland-Grundstücken am Benser Feld und in Negenborn.

Grabungen am Weinberg

Baugebiet am Weinberg. Archivfoto

Dies ist erst die Vorstufe zur Vorstufe: Ein neuer Bebauungsplan ist noch keine aktuelle Beschlusslage, er muss erst noch aufgestellt werden. Und ob vor all diesem eventuell noch ausführliche archäologische Grabungen stattfinden müssen, das sollen jetzt Voruntersuchungen des Stadtarchäologen Markus Wehmer ergeben, die kommende Woche geplant sind. Erinnert sei in diesem Zusammenhang noch einmal an die erschreckend entlarvenden Debatten in den politischen Gremien Ende 2015, als es um neue Baugebiete in und für Einbeck ging. Vor 2020 dürfte am Weinberg ohnehin kein weiteres Haus gebaut werden, weil die Ausweisung von neuem Bauland an allen möglichen Standorten im Stadtgebiet viel Arbeitskraft im städtischen Planungsamt bindet, war damals die Ansage. Die SPD drängte trotzdem darauf, auch am Weinberg weiteres Bauland zu erschließen. Und dann war da ja mal was mit Erschließungsbeiträgen in dem bereits bestehenden Baugebiet am Weinberg…

Kommenden Montag (13. März) jedenfalls beginnen die archäologischen Voruntersuchungen am Weinberg in Einbeck. Die Stadt Einbeck beabsichtige gemeinsam mit einem Erschließungsträger die Schaffung von neuem Bauland für Einfamilienhäuser, teilte Bauamtsleiter Frithjof Look mit. Um im Vorfeld des aufzustellenden Bebauungsplanes den Untersuchungsaufwand einschätzen zu können, eventuell weiter graben zu müssen, soll mit zunächst vier
Suchschnitten der Erhaltungszustand und die Besiedelungsdichte von hier vermuteten Siedlungsgruben und Hausgrundrissen untersucht werden. Die notwendigen Baggerarbeiten werden voraussichtlich eine Woche dauern, im direkten Anschluss daran erfolgt die Dokumentation und Ausgrabung der dabei entdeckten archäologischen Hinterlassenschaften, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt. Unmittelbar nördlich des zu erschließenden Baugebietes, am Negenborner Weg, fanden bereits zwischen 1990 und 1993 Ausgrabungen statt (“Kugenhusen”). Dabei konnte eine hochmittelalterliche Töpferei aus dem Zeitraum 1140 bis 1220 mit insgesamt elf Töpferöfen großflächig untersucht werden. Die überregional bedeutsamen Grabungsergebnisse wurden vom damaligen Einbecker Stadtarchäologen Dr. Andreas Heege veröffentlicht. Eine Auswahl der hier hergestellten, zeittypischen Töpfereierzeugnisse – Kugelbodentöpfe, Kannen und Schalen – kann im Einbecker Stadtmuseum besichtigt werden. Neben der mittelalterlichen Töpferei wurde vor 25 Jahren auch der Randbereich einer Siedlung aus der älteren Eisenzeit (800 bis 400 vor Zeitrechnung) entdeckt, welche sich in das geplante Baugebiet am Weinberg erstrecken dürfte, so die Vermutung der Experten.

Nachtrag 13.03.2017: Die Grabungen haben heute wie geplant begonnen.

Grabungsbeginn am Weinberg.

Archäologen-Ausschreibung

Einbeck sucht einen neuen Stadtarchäologen. Nach Gesprächen mit den Bürgermeister-Kollegen im Fachwerk-Fünfeck haben sich Überlegungen zerschlagen, dass sich die fünf Städte eine Archäologenstelle teilen könnten. Das sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek nach der jüngsten Verwaltungsausschuss-Sitzung. Aktuell passe es bei den anderen Städten nicht. Deshalb sucht jetzt die Stadt Einbeck allein eine Nachfolge für Dr. Stefan Teuber, der nach 15 Jahren zum Jahresende geht; er wird ab Januar 2017 neuer Museums- und Archivleiter in Northeim und hatte Anfang Juni gekündigt. Das hatte für eine politische Kontroverse gesorgt: Besonders die SPD ärgerte sich in der letzten Stadtrat-Sitzung vor der Neukonstituierung des Gremiums, von der Personalie aus dem „Einbecker Politikblog“ im Internet erfahren zu haben. Ratsherr Alexander Kloss (SPD) hat die Informationspolitik des Rathauses als inakzeptabel bezeichnet. Bürgermeisterin-Stellvertreter und Personal-Fachbereichsleiter Dr. Florian Schröder räumte nach einer Nachfrage der bisherigen SPD-Fraktionschefin Margrit Cludius-Brandt ein Versäumnis zerknirscht ein: Die Verwaltung hätte in den Sitzungen des Personalausschusses am 1. August und des Verwaltungsausschusses am 10. August darüber informieren müssen. Das Schweigen sei aber keine böse Absicht gewesen, erläuterte Schröder.

Die Stelle ist im bisherigen Umfang (halbe Stelle = 19,5 Stunden) öffentlich ausgeschrieben (stellenausschreibung-archaeologe). Der Plan ist, die Position zum 1. Januar 2017 wieder zu besetzen. Dr. Stefan Teuber räumt sein Büro bereits einige Wochen vorher. Eine persönliche Übergabe kann es damit nicht mehr geben. Es wird damit entscheidend sein, welche Vorkenntnisse der Nachfolger und die Nachfolgerin haben wird. “Detaillierte Kenntnisse der Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie Südniedersachsens, Nordhessens, Westthüringens und Ostwestfalens” seien “von Vorteil” heißt es in der Ausschreibung. Ein paar Kenntnisse der Archäologie Einbecks wären noch vorteilhafter. Diese hätten durch eine persönliche Übergabe der Stelle ausgeglichen werden können. Hätten.

Wer gräbt in Zukunft in Einbecks Vergangenheit?

Dr. Stefan Teuber (l.) bei seiner jüngsten Ausgrabung am Petersilienwasser in Einbeck.

Dr. Stefan Teuber (l.) bei seiner jüngsten Ausgrabung am Petersilienwasser in Einbeck.

Nach 15 Jahren als Stadtarchäologe in Einbeck wird Dr. Stefan Teuber die Stadtverwaltung Ende des Jahres verlassen und in Northeim als Museums- und Archivleiter arbeiten. Wer gräbt dann in Zukunft in Einbecks Vergangenheit und schreibt Stadtgeschichte mit dem Spaten? Wird die (aktuell halbe) Stelle des Stadtarchäologen neu besetzt? Oder fällt sie dem Rotstift zum Opfer? Werden dann die Aufgaben der Stadtarchäologie von anderen erledigt, von Archäologen aus dem Landkreis oder Land? Dies zu entscheiden, ist Aufgabe der Politik. Die Zeit drängt, damit nicht wertvolles Wissen verloren geht, weil keine persönliche Übergabe der Dienstgeschäfte mehr möglich ist. “Es ist vorgesehen, die Stelle wieder zu besetzen – zumal sie auch im Stellenplan enthalten ist”, erklärte der zuständige Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Bauen, Frithjof Look, heute auf meine Anfrage. “Vorab müssen noch die städtischen Gremien beteiligt werden.” Das wird, nicht zuletzt wegen der bevorstehenden Kommunalwahl, allerdings mehrere Wochen dauern. Auf der Tagesordnung der nächsten (und letzten) Ratssitzung am 24. August ist (zumindest im öffentlichen Teil) die Stelle kein Thema, der am 11. September neu gewählte Stadtrat (mit dann möglicherweise anderen Mehrheiten oder Meinungen zu der Stadtarchäologen-Stelle) wird erst wieder Anfang November arbeitsfähig sein. Einbeck (und sein Tourismus) lebt zu großen Teilen von seiner Geschichte, von Erkenntnissen aus der Vergangenheit. Diese kann ein im Rathaus arbeitender Stadtarchäologe schneller und besser gewinnen als fachlich zweifellos ebenso kompetente Kollegen, die allerdings heute hier und morgen andernorts im Boden nach Erkenntnissen forschen, Einbecker Zusammenhänge aber nur mühsam herstellen können. “Wie hältst Du’s mit der Historie?” Das könnte eine interessante Vergleichsfrage zwischen den Parteien im gerade startenden Kommunalwahlkampf werden…

Nachtrag 25.08.2016: Offenbar hat die Politik vom Weggang des Stadtarchäologen erst aus diesem Blog erfahren. Ratsherr Alexander Kloss (SPD) hat bei der Ratssitzung gestern die Informationspolitik des Rathauses als inakzeptabel bezeichnet und die Verwaltung gefragt, seit wann dort bekannt war, das Dr. Stefan Teuber die Stadtverwaltung verlässt und ob die Stelle ausgeschrieben werden soll. Bürgermeisterin-Stellvertreter und Personal-Fachbereichsleiter Dr. Florian Schröder räumte nach einer weiteren Nachfrage von SPD-Fraktionschefin Margrit Cludius-Brandt, die Verwaltung hätte in den jüngsten Sitzungen des Personalausschusses und des Verwaltungsausschusses darüber informieren müssen, ein Versäumnis zerknischt ein. Es sei aber keine böse Absicht gewesen, vielmehr der Gedanke innerhalb der Verwaltung, der Politik bereits ein Ergebnis präsentieren zu wollen, wie die Nachfolge geregelt werden könnte, beispielsweise durch interkommunale Zusammenarbeit innerhalb des Fachwerk-Fünfecks, in dem sich die Städte eine volle Archäologenstelle teilen könnten. Dem sei der Politikblog zuvor gekommen, sagte Schröder.

Nachtrag 30.09.2016: Der Verwaltungsausschuss hat nach Angaben von Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek entschieden, die halbe Stelle eines Stadtarchäologen öffentlich auszuschreiben. Überlegungen, die Position durch eine Kooperation innerhalb des Fachwerk-Fünfecks gemeinsam durch die fünf Städte zu besetzen, habe man nicht umsetzen können, in den anderen Städten passe es derzeit nicht.

Archiv-Lücke

Seit Jahren gibt es eine Lücke in der Bebauung an der Langen Brücke. Archivfoto

Seit Jahren gibt es eine Lücke in der Bebauung an der Langen Brücke. Archivfoto

Der Vorschlag der Grünen hat durchaus Charme. Er verdient genauere Betrachtung. Die Grünen fordern, das Stadtarchiv in der Innenstadt zu belassen und in der Baulücke an der Langen Brücke zu etablieren (Wortlaut der Pressemitteilung dazu: PM Grüne Stadtarchiv 120914). Nächsten Dienstag tagt der Kulturausschuss des Einbecker Stadtrates (im Stadtmuseum, Beginn 17 Uhr) und hat unter anderem darüber zu befinden, ob das räumlich aus allen Nähten platzende Stadtarchiv vom Steinweg in den Otto-Hahn-Park (ehemals Feierabend) umziehen soll. Auch die Stadtarchäologie soll umziehen, vom an die Ilmebahn verkauften Einbecker Bahnhof unter anderem in eben jene Räume im Otto-Hahn-Park, die dereinst einmal die Küche und Kantine der Firma Feierabend waren.

In der Tat erscheint eine Umsiedlung der Archivalien an den Stadtrand auf den ersten Blick wirtschaftlich und auch räumlich vernünftig zu sein. Dort ist genügend Platz für das Gedächtnis unserer Stadt. Allerdings: Ist es auch benutzerfreundlich, das Archiv in ein Industriegebiet zu verlegen, das nur noch mit dem Auto oder einer wenig frequenten Buslinie erreichbar ist? Wie kann man sich die (heute vorhandenen) personellen und inhaltlichen Synergieeffekte zwischen Stadtmuseum und Stadtarchiv in einem fernen Depot vorstellen?

Auf der anderen Seite: So sehr ich den Vorschlag der Grünen auch mag, die Baulücke in der Langen Brücke ist 2005 bekanntlich durch einen der größten Brände in der Geschichte der Stadt entstanden. Kann der Brandschutz in einem (auf dem dort jetzt leeren Grundstück) neu zu errichtenden Gebäude ausreichend sichergestellt werden? Freilich: Schon heute befinden sich die Archivalien am Steinweg in dichter Bebauung. Aber macht es Sinn, die Archiv-Güter auf mehreren Etagen zu verteilen? Ist das barrierefrei? Wohl kaum. Und gibt es von der Grundfläche in der Baulücke überhaupt genügend Platz für die Zukunft des Stadtarchivs?

Die Diskussion könnte inhaltlich spannend werden. Freuen würde ich mich, wenn sich die Überlegungen nicht allein auf die Kosten konzentrieren würden. Und weil das Thema erstmals die politischen Gremien erreicht, ist auch noch genügend Zeit, die Grünen-Alternative in allen Aspekten sorgsam zu prüfen. Da drehen ganz andere Themen, die schnell zu beschließen wären, schon so manche Beratungsschleife…