Städtepartnerschaft mit Thiais: FDP/Kloss fühlt sich ausgegrenzt und erntet dafür scharfe Kritik

Weil er und die von ihm dominierte dreiköpfige Ratsgruppe „Liberal und klar“ nicht mit zur mehrtägigen Thiais-Programmbesprechung nach Straßburg fahren konnte, wittert Ratsherr Alexander Kloss (parteilos) eine bewusste, „unerträgliche“ Ausgrenzung einer unbequem gewordenen „Opposition“ beim Partnerschaftsaustausch mit dem französischen Vorort von Paris, wie er schreibt. Kloss mutmaßt, dass er und seine Mitstreiter in Ungnade bei der SPD/CDU-Gruppe sowie der Bürgermeisterin gefallen seien und sie deshalb nicht mitfahren dürften, wirft ihnen eine Zwei-Klassen-Mentalität im Stadtrat sowie Vetternwirtschaft und Günstlingspolitik vor. Das Echo der Angesprochenen ist deutlich.

Alexander Kloss wählt starke Wort für einen eigentlich Routine versprechenden Vorgang: das jährliche Treffen von Vertretern aus Einbeck und Thiais zur so genannten Programmbesprechung. Immer im Spätherbst bereiten sie das Programm des Austauschs für das folgende Jahr vor – in ihrer Freizeit wohlgemerkt. Alexander Kloss hat persönlich mehrmals in der Vergangenheit an diesen Treffen teilgenommen, damals war er noch Mitglied der SPD-Fraktion. Diesmal war er nicht dabei und ist sauer. Nach meinen Informationen hat es über das Thema auch in der Sitzung des Verwaltungsausschusses unmittelbar vor der Ratssitzung vergangene Woche mächtig Zoff gegeben.

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek hat in der jüngsten Sitzung des Stadtrates über die Programmbesprechung kurz schriftlich berichtet: „Die im Rahmen der Partnerschaft Thiais-Einbeck im Jahr 2023 stattfindenden Begegnungen wurden vom 24. bis 26. November gemeinsam mit jeweils einer Delegation aus Thiais und Einbeck in Straßburg erarbeitet und das Protokoll hierzu unterzeichnet.“ Auf letzteres sowie auf den persönlichen Austausch legen besonders die Franzosen seit Generationen sehr großen Wert. Das weiß eigentlich auch jeder, der sich ein paar Jahre lang in Einbeck mit Kommunalpolitik beschäftigt. Daher verwundert Alexander Kloss‘ Vorschlag, die angeblich 7000 Euro teuren Treffen künftig einzusparen und per Videokonferenz stattfinden zu lassen. Das würden die Franzosen vermutlich als Affront verstehen.

Kloss‘ Kernvorwurf: Für das diesjährige Besprechungstreffen in Straßburg seien die sechs Plätze in der Delegation nach politischem Proporz im Stadtrat zusammengestellt worden. Die Reisegruppe habe aus vier Personen aus der SPD/CDU-Gruppe bestanden, einer Person aus der Gruppe Grüne+ und einer Person aus der Fraktion Bürgerliste GfE.

Alexander Kloss: „Statt dann, wie es eigentlich guter demokratischer Stil wäre, alle sechs Fraktionen und Gruppen des Rates mit jeweils einer Person einzubeziehen, wählte man bewusst eine Sitzverteilung nach politischem Proporz. Das ist kein faires Miteinander und außerdem ziemlich undemokratisch.“ Sein Appell sei leider unerhört verhallt. Kloss wäre es also lieber gewesen, wenn neben seiner Gruppe auch noch ein Vertreter der AfD-Fraktion mit zum Partnerschaftsaustausch gefahren wäre.

In seiner Mitteilung sind noch weitere demokratietheoretisch interessante Formulierungen enthalten. Nicht nur, dass es in einem Selbstverwaltungsgremium wie dem Stadtrat (der bekanntlich wegen nicht gesetzgeberischer Funktion kein klassisches Parlament mit Regierung und Opposition ist) keine „in weiten Teilen schwache bis nicht vorhandene Opposition“, wie er schreibt, geben kann. Kloss attackiert auch die Bürgermeisterin unübersehbar deutlich: Sie habe noch am ehesten die Möglichkeiten, die unterschiedlichen Meinungen zusammenzuführen, profitiere aber offenbar lieber „von dem fragwürdigen und fragilen Konstrukt aus SPD und CDU, das man auch getrost als gigantische Wählertäuschung bezeichnen darf“. Das darf man. Das muss deswegen aber nicht richtig sein.

Bemerkenswert ist, dass Kloss in seiner Rundmail an die Menschen, denen er ein ernsthaftes Interesse an seiner kommunalpolitischen Arbeit unterstellt, die jede seiner Verlautbarungen begleitet, diesmal eine Passage hinzufügt, die es nicht in die Presseinfo geschafft hat. Kloss weitet seinen Blick schon auf 2026 – das Jahr, für das er erst jüngst keine Fördermittel beantragen wollte: „Für die Zeit nach der nächsten Kommunal- und Bürgermeisterwahl bleibt nur die große Hoffnung, dass die dann Gewählten ihre Verantwortung nutzen, um an vielen Stellen Gerechtigkeit wiederherzustellen und den vor allem in den letzten 12 Monaten entstandenen finanziellen Schaden zu behandeln. Allein die Wiederherstellung des ramponierten Image von Stadtverwaltungsspitze und Ratspolitik wird eine Mammutaufgabe und nicht in einigen Monaten zu schaffen sein.“ Das liest sich schon fast wie eine Bewerbungsrede für eine Kandidatur bei der Bürgermeisterwahl 2026.

Kloss‘ Einschätzung zur Städtefreundschaft scheint sich zuletzt verändert zu haben. Auf seiner Website schreibt er aktuell: „Ich bin Träger der Goldenen Ehrenmedaille unserer französischen Partnerstadt für besondere Verdienste um die Freundschaft zwischen den beiden Städten und wurde außerdem von der Stadt Einbeck mit der Partnerschaftsmedaille ausgezeichnet. Viel wichtiger als diese Ehrungen sind mir jedoch die Begegnungen, die intensiven Gespräche, die gelebten Momente der Freundschaft und des gegenseitigen Respekts mit unseren Freunden aus den Partnerstädten.“

Ich habe die Bürgermeisterin und die Fraktionsvorsitzenden der an dem Treffen beteiligten Fraktionen um Stellungnahmen zu Kloss‘ Äußerungen und Vorwürfen gebeten. Hier die Antworten im O-Ton:

Bürgermeisterin

„Bestürzt, traurig und fassungslos habe ich die Pressemitteilung der Gruppe ‚Liberal und klar‘ zur Kenntnis genommen“, schreibt Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek in einer ausführlichen Stellungnahme. „Bestürzt weil neben einigem Richtigen so viel Unwahres geschrieben ist. Richtig ist: Die Städte Einbeck und Thiais pflegen seit über 60 Jahren eine intensive und herzliche Städtefreundschaft. Richtig ist auch, dass sich in der Regel im November Delegationen der beiden Stadträte wechselseitig in ihren Ländern empfangen, um die Austausche des kommenden Jahres zwischen den Bewohnerinnen und Bewohnern vorzubereiten – die so genannte Programmbesprechung. Verschwiegen wird, dass neben der Arbeit am Austauschprogramm des nächsten Jahres auch die langjährige Freundschaft zwischen den Mitgliedern beider Stadträte gepflegt wird und ein kulturelles Programm auf der Tagesordnung steht.

Falsch ist die Aussage, dass die Einbecker Delegation erstmals nach politischem Proporz besetzt wurde. Seit mindestens 2007 (soweit reichen die digitalen Protokolle im ALLRIS zurück) nahmen regelmäßig maximal 5 Ratsmitglieder neben amtierendem/r Bürgermeister bzw. Bürgermeisterin und maximal 3 weiteren Verwaltungsmitgliedern an den Programmbesprechungen teil – die Ratsmitglieder wurden dabei immer nach dem jeweiligen Proporz der jeweiligen Wahlperiode besetzt durch Benennung durch ihre jeweiligen Fraktionen oder Gruppen.

Das wurde Alexander Kloss auch durch die Verwaltung am 9.12.2022 so mitgeteilt. Im Übrigen hätte er es auch ohne diese Mitteilung wissen können, wurde er doch selbst von seiner damaligen Partei des Öfteren als Delegationsmitglied vorgeschlagen.

Traurig machen mich die in der Pressemitteilung daraus abgeleitete Schlussfolgerung einer vermeintlichen Ausgrenzung der Gruppe ‚Liberal und klar‘ und die Wortwahl des Gruppensprechers. Ab dieser Wahlperiode sind Mehrheitsverhältnisse im Rat bekanntlich sehr deutlich durch Bildung der Gruppe SPD/CDU. Deshalb hat die Verwaltung der Politik vorgeschlagen, die Anzahl der Ratsmitglieder der Einbecker Delegation auf sechs Ratsmitglieder zu erhöhen (plus Bürgermeisterin plus 1 Person aus der Verwaltung plus den Partnerschaftsbeauftragten für Thiais), um auch den kleineren (nicht allen!) Fraktionen oder Gruppen eine Teilnahme zu ermöglichen. Dieses Vorgehen wurde von allen Fraktionen oder Gruppen – außer der Gruppe ‚Liberal und klar‘ – so akzeptiert. Eine demokratische Mehrheitsentscheidung also. Weiterhin zeugt die Wortwahl des Gruppensprechers von Verbitterung und Enttäuschung eines Einzelnen über eine Mehrheitskonstellation im Rat, die nicht nach seinem Gusto ist, aber die Wählerinnen und Wähler im vergangenen Jahr so festgelegt haben. Wer sich dabei als Opfer stilisiert und glaubt, dabei Worte wie „Vetternwirtschaft“, „Günstlingspolitik“, „gigantische Wählertäuschung“ oder „zertrümmern“ verwenden zu müssen, bewegt sich meiner Ansicht nach mit hoher Geschwindigkeit an den Rand der demokratischen Gepflogenheiten und Umgangsformen.

Fassungslos macht mich schließlich der ‚Lösungsvorschlag‘. Ja, wir haben während der Pandemie alle die Vorzüge digitaler Kommunikationswege zu schätzen gelernt. Die Gruppe ‚Liberal und klar‘ fordert nun aber allen Ernstes, über Generationen gewachsene, persönliche Treffen einzustellen und durch eine Videokonferenz zu ersetzen. Zumindest der Gruppensprecher dürfte wissen, wie wichtig der französischen Delegation diese Programmbesprechung ist und wie sensibel dieses Thema in der Vergangenheit war und immer noch ist. Hier wird mit einer beispiellosen Gefühlskälte unter dem Deckmäntelchen der Gerechtigkeit und Transparenz gehandelt. Ich ziehe ein gesprochenes Wort an einem Tisch mit Blickkontakt zu allen Teilnehmenden einer Videokonferenz immer vor, wenn es sich um so ein wichtiges Thema wie den Erhalt einer Städtefreundschaft handelt.

Negiert wird durch die Gruppe ‚Liberal und klar‘ zudem der kulturelle Wert dieser Treffen: Wer einmal als Deutsche in der Nähe von Cherbourg am Strand der Landung der alliierten Truppen 1944 gestanden hat, wer einmal als Deutsche die Erhabenheit des Straßburger Münsters mit eigenen Augen sehen durfte oder wer gemeinsam mit unseren französischen Freunden das Brandenburger Tor durchschritten hat, den Grenzverlauf der Berliner Mauer abgegangen ist und ergriffen das Holocaust Memorial besucht hat, der weiß, dass eine Digitalkonferenz dies nie ersetzen kann, sondern dass nur Nähe, dass nur Freundschaft, dass nur persönliche Treffen den Frieden zwischen Menschen, Städten und Ländern sichern können.“

SPD

„Jahrelang war Alexander Kloss immer der Erste, der sich in die Mitfahrer-Listen eingetragen hat, wenn es um Treffen mit den Partnerstädten ging“, schreibt SPD-Fraktionsvorsitzender Dirk Heitmüller. „Jetzt sieht er sich einmal mehr in der Opferrolle. Zwei Drittel seines Antrages lamentiert er darüber, wie böse alle anderen zu ihm sind, um dann bockig zu fordern: ‚Wenn ich nicht mitdarf, soll gar keiner fahren.‘ Es zeigt einmal mehr, dass es ihm nicht um die Sache geht, sondern nur um seinen Vorteil. Es geht ihm auch nicht um harmonische Ratsarbeit, sondern vielmehr darum, wieder einmal zu versuchen, einen Keil zwischen Bürgermeisterin und der Mehrheitsgruppe im Rat zu treiben. Wie lange will die FDP dieses trotzige Verhalten noch stützen?“

CDU

„Wer in dieser Zeit die Notwendigkeit von intensiver deutsch-französischer und damit europäischer Partnerschaft und Freundschaft infrage stellt, handelt ohne jede Verantwortung“, schreibt CDU-Fraktionsvorsitzender Dirk Ebrecht. „Dass nun gerade Herr Kloss als derjenige Ratsherr, der an den allermeisten dieser Austausche teilgenommen hat, seinen Unmut just zu dem Zeitpunkt entwickelt, an dem er mal nicht mitfahren konnte, bedarf keines weiteren Kommentars. Dass zudem die Sorge um städtische Finanzen als Grund herhalten muss, wirkt dabei ebenso durchsichtig wie scheinheilig. Der Zusammenhalt und die Partnerschaft in Europa gehört intensiviert und gestärkt, das gilt auch und besonders für die jahrzehntelange Freundschaft zu unserer französischen Partnerstadt.“

Artern und Einbeck: Neue Beauftragte mit neuen Ideen

Es kann ein Neustart sein im 30. Jahr der Wiedervereinigung und der Städtepartnerschaft zwischen Einbeck und Artern: Nach ersten ausschließlich telefonischen und digitalen Kontakten wegen der Corona-Pandemie haben sich jetzt die beiden neuen Partnerschaftsbeauftragten aus Einbeck und Artern persönlich getroffen – auf quasi halbem Wege in Göttingen. Bei diesem Gedankenaustausch haben Alexander Kloss (Einbeck) und Frank Meyer (Artern) drei Ideen herausgefiltert, an denen sie in den nächsten Monaten weiterarbeiten wollen.

Seit diesem Jahr sind sowohl in Einbeck als auch in Artern neue Partnerschaftsbeauftragte aktiv. Der Stadtrat hat Ratsherrn Alexander Kloss (parteilos) gewählt, die Stadt Artern hat den Beigeordneten Frank Meyer (SPD) bestimmt.

Bei ihrem ersten persönlichen Treffen unter Beachtung der geltenden Hygienevorschriften haben sich Kloss und Meyer auf drei Themen verständigt, die sie in den nächsten Monaten anstoßen wollen, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt Einbeck. Das erste persönliche Treffen sollte der Auftakt einer vertrauensvollen, herzlichen Zusammenarbeit sein, sind sich Kloss und Meyer einig. Gegenbesuche in den jeweiligen Partnerstädten sollen im kommenden Jahr stattfinden, wenn die Infektionslage dieses hoffentlich wieder zulässt. Zudem haben sich beide verständigt, möglichst den jeweils anderen zu bedeutenden Stadtfesten oder sonstigen wichtigen Anlässen durch die Rathäuser einladen zu lassen.

Da eine Städtefreundschaft immer vom Generationen übergreifenden Austausch und der Begeisterung junger Menschen daran lebt, soll ein Schwerpunkt die gegenseitige Begegnung von Schülern und Jugendlichen beider Städte sein. Die Finanzierung der Beförderungskosten stellt die Schulen vor eine große Herausforderung. Das aktive Einwerben von Sponsorengeldern ist hier ein erster Lösungsansatz, dem sich die beiden Partnerschaftsbeauftragten nun widmen wollen. Den zweiten Fokus möchten sie auf der Vernetzung der Kunst- und Kulturszenen beider Städte legen. Sowohl in Artern als auch in Einbeck gibt es Interesse an gegenseitigen Ausstellungen. Das Ziel ist hier, Kontakte zu vermitteln und Netzwerke miteinander zu verknüpfen. Der dritte Punkt beschäftigt sich mit der Musik. Das in Artern und weit über die Kyffhäuserregion hinaus bekannte Schalmeienorchester soll auch die Einbecker mit seiner außergewöhnlichen Musik begeistern. Überlegt werden Auftritte beispielsweise beim Eulenfest oder bei Schützenumzügen.

Die Partnerschaftsbeauftragten Frank Meyer (Artern, links) und Alexander Kloss (Einbeck) bei ihrem Treffen in Göttingen. Foto: privat

Wieselburgs Wurzeln in der Kernstadt

Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek und Wieselburgs Vizebürgermeister Dieter Reiter haben das Schild enthüllt.

Mit einer Hopfenbuche (lat. ostrya carpinifolia) schlägt Einbecks niederösterreichische Partnerstadt Wieselburg jetzt auch in der Kernstadt nicht nur sprichwörtlich Wurzeln. Die Städtepartnerschaft hat Einbeck ja mit der Gemeinde Kreiensen bei der Fusion 2013 „geerbt“. Ein Schild an dem Baum am Ostertor vor der Mendelssohn-Musikschule und in unmittelbarer Nähe des Neues Rathauses haben am Wochenende Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek und Wieselburgs Vize Dieter Reiter enthüllt. „Wir hoffen, dass dieser Baum wächst und starke Wurzeln bekommt, damit wir uns im Schatten treffen und aufhalten können, wenn wir alle älter geworden sind“, wünschte sich die Einbecker Rathauschefin. „Möge er ein Zeichen für unsere lange und intensive Freundschaft sein.“ Wieselburgs Vizebürgermeister Dieter Reiter wies darauf hin, dass der Hopfen für beide Städte gut passend sei, beide sind schließlich Bierstädte. Er möchte die Enthüllung des Schildes und den gestifteten Baum als einen Startschuss begreifen für ein gemeinsames Umweltprojekt beider Gemeinden. „Wir schauen, was draus wird“, sagte Reiter – und meinte damit vor allem die Hopfenbuche, die die Wieselburger bei ihren zweijährlichen Visiten im Auge behalten werden.

Beim Arbeitsgespräch zwischen den Delegationen aus den Räten und Verwaltungen beider Gemeinden haben die Teilnehmer über vielfältige Themen gesprochen. Im Mittelpunkt des Austausches habe die unterschiedliche Organisation der Kommunalen Bauhöfe gestanden, berichte Michalek im Anschluss. Überlegt worden sei außerdem, ein gemeinsames Klimaschutz- bzw. Umweltprojekt auf die Beine zu stellen. Immerhin habe Einbeck als Ratsvorsitzenden einen Umwelt-Staatssekretär (Frank Doods), sagte Michalek. Wieselburg ist als baldige so genannte E5-Stadt deutlich weiter als Einbeck. „Wir sind noch lange nicht so weit“, sagte die Einbecker Bürgermeisterin. Aber es seien unglaublich gute Ansätze da, bei denen man weiter voneinander lernen könne. Schon beim Bücherschrank oder beim „Zehner“ habe Einbeck von Wieselburg Ideen bekommen.

Über das Himmelfahrt-Wochenende war eine Delegation aus dem niederösterreichischen Wieselburg in Einbeck, hier an der gestifteten Hopfenbuche am Ostertor.

Gemeinsam stark: Paczkow-Partnerschaft erneuert

Paczkows Bürgermeister Artur Rolka, Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek und Miroslaw Bogdiun aus Ejszyszki (Litauen), mit dem Ort hat die Stadt Paczkow eine neue Städtepartnerschaft begründet. Foto: Stadt Einbeck

In Zeiten, in denen die Demokratie in Polen zunehmend in Gefahr ist, hat die Stadt Einbeck anlässlich des 25-jährigen Partnerschaftsjubiläums mit dem polnischen Paczkow ein Zeichen gesetzt – und die Partnerschaft mit der Stadt Paczkow erneuert. „Nur gemeinsam können wir unseren Kontinent so gestalten, dass der Wohlstand und das europäische Wertegerüst bewahrt werden“, sagte Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek vor der Unterzeichnung einer entsprechenden Urkunde (Partnerschaftsurkunde 25 Paczkow) im Rahmen einer Sondersitzung des Rates der Stadt Paczkow laut einer Mitteilung des Stadtverwaltung. „Dazu brauchen wir unabdingbar den europäischen Binnenmarkt, ebenso wie die vier Grundfreiheiten: Meinungsfreiheit, Redefreiheit, Pressefreiheit, Religionsfreiheit. Das macht uns gemeinsam stark.“ Außerdem brauche es Begegnungen zwischen den Menschen – „so wie zwischen uns“, sagte Michalek, die an der Spitze einer Delegation aus Einbeck stand, die Ende Juni Paczkow zum Jubiläum der Städtepartnerschaft besucht hat. Die Stadt Paczkow wird beim Eulenfest im Oktober erstmals auf der Landmeile einen Stand mit polnischen Spezialitäten betreiben, und eine Band wird auf der Jugendbühne auf dem Möncheplatz auftreten. Die Einbecker Delegation in Paczkow bestand nach Mitteilung der Stadt aus Ratsmitgliedern, dem Partnerschaftsbeauftragten Gerhard Jünke, einer Dolmetscherin und Verwaltungsmitarbeitern sowie dem ehemaligen Einbecker Stadtdirektor Bernd Röll als Mitbegründer der Partnerschaft. Auch Vertreter des Heimatvereins Patschkau und Umgebung waren dabei. Die Stadt Einbeck hatte schon 1954 eine Patenschaft für die Heimatvertriebenen aus dem schlesischen Patschkau übernommen, von denen viele nach dem Krieg in Einbeck geblieben sind. Ende der 1980-er Jahre entwickelten sich intensivere Kontakte zwischen Einbeck und dem heute polnischen Paczkow. Am 13. Dezember 1989 beschloss der Rat der Stadt Einbeck, eine Schülergruppe aus Paczkow zu einem 14-tägigen Aufenthalt in Einbeck einzuladen. Daraus ist ein gegenseitiger Schüleraustausch zwischen der Goetheschule und BBS Einbeck sowie dem Lyzeum in Paczkow entstanden. Am 20. Mai 1992 hat der Rat der Stadt Einbeck einstimmig der Begründung der Städtepartnerschaft zwischen Paczkow und Einbeck zugestimmt, am 12. September 1992 wurde die Urkunde beim Besuch einer offiziellen Delegation in Paczkow unterzeichnet. Heute haben Patschkauer Heimatstube und Patschkauer Archiv im Einbecker Stadtarchiv ihren Platz. Wie bereits 1992 überlegt, in einem kleinen Gästehaus in Paczkow Zimmer zur Verfügung zu stellen und das Haus als Begegnungsstätte für Einbecker und Paczkower anzusehen, gibt es seit 2002/2003 eine Drei-Zimmer-Wohnung in der Ul. Slowakiego 4 in Paczkow; diese Wohnung wird genutzt, um Einbecker Delegationen, Gruppen und Vereinen unterzubringen sowie als Ferienwohnung an Einbecker vermietet.

Bei einer Sondersitzung des Rates der Stadt Paczkow mit der Delegation aus Einbeck in feierlichem Rahmen ist mit vielen Bürgern das 25-jährige Partnerschaftsjubiläum gefeiert und die Partnerschaft erneuert worden. Foto: Stadt Einbeck

Florierende Partnerschaft 26+4

Ehrennadel in Gold im Gasthaus Ludwig Ernst in Ahlshausen beim offiziellen Empfang der Stadt Einbeck für Wieselburgs Bürgermeister Magister Günther Leichtfried, die Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek überreichte.

Goldene Ehrennadel für Günther Leichtfried, Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek verliest die Urkunde.

Glückwunsch! Am Ende hatten alle dicht gehalten, die Überraschung war gelungen, selbst wenn Günther Leichtfried nicht gerade sprachlos war, aber dafür ist der 68-Jährige zu sehr erfahrener Politiker, bis 2013 saß er für die SPÖ im Landtag. Der Bürgermeister der Partnerstadt Wieselburg ist beim Besuch einer Delegation aus Niederösterreich in Ahlshausen auf’m Saale mit der Ehrennadel in Gold der Stadt Einbeck für seine außergewöhnlichen Verdienste um die Partnerschaft von Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek ausgezeichnet worden; im Gasthaus Ludwig Ernst findet traditionell der Empfang der Gemeinde statt. Einstimmig hatte der Einbecker Stadtrat die Ehrung in öffentlicher Sitzung am 17. Mai beschlossen – und seitdem vertraulich behandelt. Leichtfried ist seit 1997 Bürgermeister von Wieselburg, hat die Städtepartnerschaft in diesen zwei Jahrzehnten persönlich gestärkt und wesentlich geprägt. Vor allem in der Übergangszeit, denn Einbeck hat die Städtepartnerschaft mit Wieselburg von Kreiensen bei der Fusion 2013 geerbt. „Ohne deinen persönlichen Einsatz wäre es schwer geworden“, würdigte Michalek die Verdienste Leichtfrieds. Der dankte herzlich für die Ehrung, und dass Einbeck die seit 1987 mit Kreiensen bestehende Parterschaft anerkannt habe. Dadurch sei das Band zwischen Einbeck/Kreiensen und Wieselburg ein besonderes geworden, 26+4 sozusagen. Ohne große Probleme habe man den Übergang nach erstem Beschnuppern und weiterem Besuch hinbekommen, die florierende Partnerschaft habe jetzt ein anderes Gewand. Günther Leichtfried bedankte sich bei den vielen Menschen, die der Partnerschaft Leben eingehaucht haben und dies weiterhin mit viel Herzblut tun. Im Einbecker Rathaus sei dies vor allem Ralf Köhler, der habe die Partnerschaft aus dem Rathaus in Kreiensen sozusagen mit hinüber genommen.

Auch Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek betonte, dass es wichtig bleibe, die Städtepartnerschaft von Bürgern zu tragen, nicht allein von ihren gewählten Repräsentanten. Viele Vereine und die Feuerwehr vor allem im Bereich der ehemaligen Gemeinde Kreiensen erfüllen seit drei Jahrzehnten die Partnerschaft mit Leben, besuchen sich gegenseitig regelmäßig. Gemeinsame Themen kommen seit einiger Zeit hinzu, das Bier zum Beispiel (der 4000-Einwohner-Ort Wieselburg ist Bierstadt wie Einbeck), aber auch die Auto- und Mobilitätsbranche. Die offizielle Wieselburg-Delegation, die an diesem Wochenende in Einbeck ist, besteht aus 22 Stadt- und Gemeinderäten mit Partnern mit Bürgermeister Magister Günther Leichtfried an der Spitze. Außerdem sind auch Jugendfußballer des SC Raika Wieselburg auf Einladung des PSV Kreiensen zu Besuch, die 13 Jugendlichen tragen gegen die U14-Jugendmannschaft des FC Kreiensen/Greene ein Match um den „Bürgermeister-Ronny-Rode-Wanderpokal“ aus.

Bei einem einstündigen Arbeitsgespräch im Neuen Rathaus in Einbeck war unter anderem der „Wieselburger Zehner“ Thema, ein Geld-Gutscheinsystem, das auf Antrag der CDU ähnlich auch in Einbeck eingeführt werden soll. Außerdem stand für die Delegation aus Österreich ein Besuch in Fürstenberg (Schloss und Porzellan-Museum) sowie beim Verkehrssicherheitstag in der Einbecker Innenstadt auf dem Programm, bevor eine abendliche Naturscouts-Führung am Leinepolder mit anschließender Visite der Salzderheldener Heldenburg in Einbecks zweitgrößtem Ortsteil die Visite beendete. Über das dortige Malheur bei der Zufahrt sind die Gäste aus Österreich übrigens bereits bestens im Bilde, unter anderem durch den im Wieselburger Rathaus gerne gelesenen Einbecker Politikblog…

Gruppenbild vor der Brauerei-Besichtigung zum Auftakt des Wieselburg-Besuchs in Einbeck.

Nachhilfe aus der Partnerstadt

MdB Roy Kühne erklärte Schülern aus Keene auf Englisch das politische System in Deutschland. Foto: Büro Dr. Roy Kühne

MdB Roy Kühne erklärte Schülern aus Keene auf Englisch das politische System in Deutschland. Foto: Büro Dr. Roy Kühne

Durch den Austausch mit anderen Ländern, mit Partnerstädten gar auf verschiedenen Kontinenten, lernt man immer etwas dazu. Der Blick weitet sich. Das hat jetzt auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Roy Kühne erfahren, wie er selbst in einer Pressemitteilung schreibt. Im Bundestag empfängt der Parlamentarier während des Jahres zahlreiche Besuchergruppen, viele aus seinem Wahlkreis. Jetzt war bei ihm in Berlin eine Schüler-Gruppe aus Einbecks Partnerstadt Keene (USA) zu Gast – gemeinsam mit Schülern der BBS Einbeck. Der Bundestagsabgeordnete erklärte bei einem einstündigen Gespräch im Paul-Löbe-Haus „souverän in englischer Sprache“, wie Kühne selbst erwähnt, wie Bundestag und Bundesrat sich zusammensetzen, wer die Kanzlerin oder den Bundespräsidenten wählt. Die Schüler hätten erkannt, dass das System in den USA „ein wenig anders läuft“. Roy Kühne zog abschließend seinen eigenes Bildungsfazit: „Ich habe mich sehr über den Besuch der deutsch-amerikanischen Gruppe gefreut und konnte mein Englisch hinsichtlich von politischen Fachwörtern ein wenig aufbessern.“

In großer Anteilnahme und tiefer Freundschaft

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek mit ihren Amtskollegen (v.l.) Richard Dell'Agnola (Thiais), Peter Reiter (Wieselburg), Wolfgang Koenen (Artern), Artur Rolka (Paczkow) und Kendell W. Lane (Keene).

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek Mitte Oktober mit ihren Amtskollegen (v.l.) Richard Dell’Agnola (Thiais), Peter Reiter (Wieselburg), Wolfgang Koenen (Artern), Artur Rolka (Paczkow) und Kendell W. Lane (Keene) in Einbeck. Archivfoto

Nach den Terroranschlägen in Paris hat Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek heute ein Kondolenzschreiben (2015-11-16Thiais_Kondolenz) an ihren Amtskollegen Richard Dell’Agnola in der französischen Partnerstadt Thiais gerichtet. Bereits am Sonnabend hatte sie Kontakt aufgenommen zu den französischen Freunden. „In großer Anteilnahme und tiefer Freundschaft“ schreibt die Bürgermeisterin im Namen von Verwaltung, Rat und Bürgern: „Wir Einbecker stehen an Ihrer Seite, wir trauern mit Ihnen, und wir sind ebenso bereit, unsere gemeinsamen Werte zu verteidigen.“ In dieser Woche werden sich Delegationen aus Einbeck und Thiais turnusmäßig treffen, um die Programm-Einzelheiten des Partnerschaftsaustauschs im kommenden Jahr zu besprechen. Nach einer Schweigeminute heute um 12 Uhr vor dem Neuen Rathaus in Einbeck, an der zahlreiche Beschäftigte der Verwaltung teilgenommen haben, erklärte die Bürgermeisterin anschließend via Facebook: „Wir sind in dieser schweren Stunde an der Seite unserer französischen Freunde und gedenken der Opfer der Attentate und ihrer Angehörigen. Dass Menschen im Namen eines islamistischen Fundamentalismus andere Menschen wahllos ermorden, erschüttert uns in unserem Innersten. Unsere Demokratie ist verwundbar. Aber der weltoffene Umgang zwischen allen Menschen und mit allen Kulturen ist gerade in diesen Tagen auch unsere Stärke. Wir stehen zusammen, wir empfinden gemeinsam Trauer, Wut und Unverständnis. Wir zeigen, dass wir mit Mitmenschlichkeit und Liebe gerade in diesen schweren Stunden bei unseren Freunden in Frankreich, bei unseren Freunden in Thiais sind. Wir werden uns vom Terror nicht besiegen lassen und gemeinsam gestärkt aus der Trauer hervorgehen.“

Die CDU-Ratsfraktion hat heute eine Stellungnahme (CDU-Fraktion Einbeck Stellungnahme Terror Paris) nach den Terroranschlägen von Paris veröffentlicht. „Unseren Freunden und Partnern in Thiais übermitteln wir stellvertretend für alle Franzosen und damit auch für alle Menschen unseres Wertekanons in Europa unser starkes und festes Mitgefühl. Wir verbinden damit auch das Signal von Stärke und Gemeinsamkeit, um allen Feinden von Frieden und Freiheit entgegenzutreten.“ Die westliche Wertegemeinschaft werde sich mit allen demokratischen und rechtstaatlichen Mitteln entschlossen wehren. „Dabei werden wir nicht aus den Augen verlieren, dass die Menschen, die vor Verblendung, Hass und Gewalt zu uns geflohen sind, sich auch zukünftig auf unseren Schutz und unser Mitgefühl werden verlassen können“, heißt es in der Positionierung der Christdemokraten. Der Stadtrat vertrete alle Einbecker Bürgerinnen und Bürger und sehe sich auch als Anwalt der neuen Nachbarn.

L’Hôtel de Ville aux couleurs de la France

Posted by Richard DELL’AGNOLA on Montag, 16. November 2015

Partner aus fünf Städten empfangen

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek mit ihren Amtskollegen (v.l.) Richard Dell'Agnola (Thiais), Peter Reiter (Wieselburg), Wolfgang Koenen (Artern), Artur Rolka (Paczkow) und Kendell W. Lane (Keene).

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek mit ihren Amtskollegen (v.l.) Richard Dell’Agnola (Thiais), Peter Reiter (Wieselburg), Wolfgang Koenen (Artern), Artur Rolka (Paczkow) und Kendell W. Lane (Keene).

Premiere gelungen! Zum ersten Mal waren einige Vertreter aus den Partnerstädten Einbecks am Eulenfest-Wochenende nicht nur unter anderem bei der Eröffnungsfeier auf der Bühne mit dabei. Es fand zum ersten Mal ein gemeinsamer Empfang von Stadt Einbeck und Stadtfest-Veranstalter Einbeck Marketing GmbH in der Rathaushalle statt – und aus allen fünf Partnerstädten Einbecks waren Gäste dabei, auch das eine Premiere. An diesem Abend wurde gelebte Städtepartnerschaft greifbar, weil menschlich. Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek konnte offizielle Vertreter aus Thiais/Frankreich, Artern/Thüringen, Wieselburg/Niederösterreich, Paczkow/Polen und Keene/USA willkommen heißen. Mehr als 50 Jahre besteht die Freundschaft zum französischen Thiais (bei Paris) bereits, Bürgermeister Richard Dell’Agnola würdigte den Austausch auf vielen Ebenen. Zur Tradition geworden ist seit Jahren der Weinstand aus Thiais beim Eulenfest (in diesem Jahr zugunsten des Kunsthaus Einbeck), ebenso der Besuch der Einbecker zum Karneval oder zum Gärtnerfest in Thiais. Seit 25 Jahren in diesem Jahr besteht die Städtepartnerschaft mit Artern, der scheidende Bürgermeister Wolfgang Koenen ist im Sommer mit der Goldenen Ehrennadel der Stadt Einbeck ausgezeichnet worden, regelmäßige Besuche im wiedervereinigten Deutschland sind heuer wesentlich leichter möglich als noch zum Beginn im Wendejahr 1989/1990. Mit Patschkau, dem heutigen Paczkow in Polen, besteht seit 1992 eine offizielle Städtepartnerschaft, die ihre Wurzeln in der Verbindung zu den Vertriebenen aus Schlesien hat. Der neue Bürgermeister von Paczkow, Artur Rolka, war erstmals in Einbeck zu Besuch und sprach beim Eulefest-Empfang der Partnerstädte eine herzliche Einladung aus, um die gegenseitige Verbundenheit zu pflegen. Eine geerbte Partnerstadt für Einbeck ist Wieselburg in Österreich, seit 1987 mit der ehemaligen Gemeinde Kreiensen verbunden. Stadtrat Peter Reiter freute sich schmunzelnd, dass Einbeck das Erbe bei der Fusion mit Kreiensen nicht ausgeschlagen habe. Wieselburger Bier hatte der in Vertretung von Bürgermeister Günther Leichtfried nach Einbeck gekommene Reiter im Gepäck. Das müsse als Gastgeschenk auch in einer Bierstadt wie Einbeck erlaubt sein, sagte Peter Reiter.

Ehre für Bürgermeisterin: Schlüssel aus Keene.

Ehre für Bürgermeisterin: Schlüssel aus Keene.

Den weitesten Weg hatten die Freunde aus Keene in New Hampshire zurück gelegt. Doch in Zeiten von Mails, Skype und Facebook lässt sich auch zu der seit 2002 bestehenden Partnerstadt in Amerika über den großen Teich einfach regelmäßig Kontakt halten. Bürgermeister Kendell W. Lane hatte als besondere Auszeichnung einen symbolischen Schlüssel der Stadt Keene im Gepäck, den er Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek überreichte  – eine spezielle Ehre. Michalek ist nach Jörg Meister (Sportaustausch) erst die zweite Einbeckerin, die dergleichen ausgezeichnet worden ist. Sie sei jederzeit herzlich willkommen in Keene, sagte Lane. Keene freue sich auf viele Einbecker Besucher. Die US-Amerikaner sind in diesen Tagen mit einer großen Delegation in Einbeck, besuchen Bürgerspital, Polizei, PS-Speicher. Nach Sport und Kultur werden in Zukunft auch Schüleraustausch-Programme die Städtepartnerschaft mit Keene weiter beleben.

Erstmals fand beim Eulenfest in der Rathaushalle ein Empfang für alle fünf Partnerstädte Einbeck statt.

Erstmals fand beim Eulenfest in der Rathaushalle ein Empfang für Vertreter aus allen fünf Partnerstädten Einbecks statt.

Wieselburgs Neugier auf Einbeck

Vor zwei Jahren war noch alles neu. Und auch beim Besuch aus dem niederösterreichischen Wieselburg in Einbeck an diesem Wochenende ist noch vieles neu. Umso größer ist die Neugier bei unserer „geerbten“ Partnerstadt nach der Fusion Einbecks mit Kreiensen. Das wird nicht zuletzt daran deutlich, dass sich die Größe der Delegation nahezu verdoppelt hat: 29 Frauen und Männer, vor allem Ratsmitglieder, haben nach gut neun Busstunden Einbeck erreicht. Aus der Vorfreude vor zwei Jahren sei eine Freude geworden, sagte Wieselburgs Bürgermeister Günther Leichtfried heute am Willkommensabend in der wohl schönsten Jugendstilvilla Einbecks, dem einstigen Wohnhaus des Fahrrad-Versandkönigs August Stukenbrok. Und möge die Struktur zwischen der als Verein organisierten Einbecker Einrichtung und der städtischen Musikschule Wieselburg auch unterschiedlich sein, so Leichtfried: Musikalisch müsse sich Einbeck keinesfalls hinter Österreich verstecken, lobte der Bürgermeister nach mehreren Kostproben durch Mendelssohn-Musikschüler: „Sie leben Musik.“ Da mochte sich seine Einbecker Amtskollegin Dr. Sabine Michalek nur anschließen. Die Wieselburg-Partnerschaft mit der ehemaligen Gemeinde Kreiensen besteht bereits seit 1987. Das Besuchsprogramm startete mit einem Empfang in der Mendelssohn-Musikschule, auf der weiteren Agenda stehen Besuche bei KWS, im PS-Speicher und auf der Heldenburg, außerdem eine Fahrt mit dem „Ilmeblitz“-Triebwagen auf der bald wieder für regelmäßigen Personenverkehr reaktvierten Schienentrasse von Einbeck nach Salzderhelden. Der traditionelle Empfang der Gemeinde findet im Gasthaus Ernst „auf’m Saale“ in Ahlshausen statt.

Sören Schirmer am Flügel beim Auftaktempfang in der Mendelssohn-Musikschule.

Sören Schirmer am Flügel beim Auftaktempfang für die Wieselburg-Delegation in der Mendelssohn-Musikschule.

Schwarz-rote Würstchen

v.l.: Ulrich Minkner, Angelika Hüneburg, Dany Beucher (stellv. Bürgermeister Thiais), Richard Dell’Agnola (Bürgermeister Thiais), Dirk Ebrecht, Bernd Behlau, Wolfgang Thies vor dem Geschenk der Stadt Einbeck an die französische Partnerstadt.

Ulrich Minkner, Angelika Hüneburg, Dany Beucher (Vize-Bürgermeister Thiais), Richard Dell’Agnola (Bürgermeister Thiais), Dirk Ebrecht, Bernd Behlau und Wolfgang Thies (v.l.) vor dem Geschenk der Stadt Einbeck an die französische Partnerstadt, dem Holz-Fass.

Dass Kommunalpolitik nicht immer nur bierernst und die Berichterstattung über diese nicht ausschließlich Bratwurstjournalismus sein muss, beweisen die folgenden erfreulichen Fakten: 500 Bratwürste gegrillt und 480 Liter Einbecker Brauherren Pils ausgeschenkt haben aus Einbeck in die französische Partnerstadt Thiais bei Paris gereiste Politiker mit roten und schwarzen Parteibüchern. Bleibt zu hoffen, dass die Würstchen nicht zu schwarz wurden, aber ebenso nicht zu rot blieben. Die Einbecker verkauften Bratwurst & Bier auf dem Fest der Amateurgärtner in der Partnerstadt. Und das zugunsten eines sehr guten Zweckes: Aus dem Verkaufserlös stand am Ende der zwei Tage ein Überschuss von 1100 Euro zur Verfügung, der vom Partnerschaftsbeauftragten Gerhard Jünke an I.M.E. „L’ARC-EN-CIEL“-THIAIS übergeben wurde. Diese Organisation bemüht sich um die Förderung von Kindern mit Behinderung; im Juni dieses Jahres waren erstmals Kinder bei der Lebenshilfe in Einbeck zu Besuch. „Alle Teilnehmer dieses Treffens freuen sich schon jetzt auf den Besuch in der Partnerstadt im nächsten Jahr“, sagte Jünke. Die Einbecker Delegation (neben dem Partnerschaftsbeauftragten Gerhard Jünke waren das Dirk Ebrecht, Ulrich Minkner, Bernd Behlau, Wolfgang Thies und Angelika Hüneburg) freut sich bereits auf den Gegenbesuch der Thiaiser zum Eulenfest im Oktober. Der Erlös des Weinstandes, wie üblich zu finden in der Altendorfer Straße aus der „Landmeile“, wird dann einer Einbecker Einrichtung zugute kommen.