Starker politischer Rückenwind für Hotel-Pläne

Einstimmig hat der Stadtentwicklungsausschuss die Pläne für ein Low-Budget-Hotel in Einbeck auf den planerischen Weg gebracht. Für die Fläche an der Ecke Hullerser Landstraße / Hannoversche Straße wird ein Bebauungsplan aufgestellt und mit dem Investor ein städtebaulicher Vertrag abgeschlossen. Die Pläne der Siebrecht-Unternehmensgruppe, dort ein Budget-Hotel verbunden mit einem Supermarkt errichten zu wollen, fanden im Ausschuss einhelligen Beifall, teils euphorische Zustimmung. Die weitere Planungsphase wird vermutlich rund eineinhalb Jahre in Anspruch nehmen. „Wir werden das Verfahren im Rahmen der Notwendigkeiten möglichst kurz halten, damit Firma Siebrecht schnell an den Start gehen kann“, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek.

So soll die Ecke Hannoversche Straße/Hullerser Landstraße in Einbeck mit dem Hotel aussehen. (c) Guder Hoffend Architekten

Sie hatte zu Beginn der Sitzung für das Projekt geworben, sich bei Siebrecht für das Investionsvorhaben bedankt, seit Jahren suche die Stadt Einbeck nach einem Budget-Hotel-Standort, in dem beispielsweise die Gäste eines kompletten Reisebusses übernachten können. Außerdem fehle in der südlichen Stadt ein fußläufig erreichbarer Nahversorgungsmarkt.

Auf dem rund 6150 Quadratmeter großen Grundstück plant Siebrecht ein Low-Budget-Hotel mit circa 55 Zimmern auf zwei Etagen, fünf davon werden größere Familienzimmer sein. Das Gebäude sieht einen Rewe-Supermarkt mit rund 1600 Quadratmetern Verkaufsfläche im Erdgeschoss vor, inklusive Bäckerei-Filiale mit Sitzplätzen. Das Hotel wird selbst keine Gastronomie anbieten, sondern auf die bestehenden Angebote in Einbeck verweisen und den Bäcker im Erdgeschoss nutzen.

Maik Siebrecht skizzierte die Pläne für das Projekt. Seine Unternehmensgruppe werde das Hotel auch selbst betreiben unter der Marke „Echt-Hotel“, ein Wortspiel mit dem Namen Siebrecht. Ein solches Hotel sei für Einbeck touristisch und auch gewerblich sehr wichtig, eine Marktanalyse bescheinige den Bedarf. Die Kombination mit dem Supermarkt im Erdgeschoss passe zum innovativen, kontaktlosen, nachhaltigen Hotel-Konzept. Der Rewe-Markt mit seinem Cafébereich sei für die Versorgung der Hotelgäste u.a. für das Frühstück und sozusagen als „Wohnzimmer“ sehr wichtig. Viel Wert lege man auf nachhaltige Bauweise mit grüner Architektur, zum Beispiel bei der Bedachung, sagte Siebrecht. Am Hotel werde es Bike-Boxen für Radtouristen geben, inklusive Lademöglichkeiten für E-Bikes und Zubehör. Die etwa 25 Quadratmeter großen Doppelzimmer in einer jungen, frischen Optik sollen wahrscheinlich 79 Euro kosten, in jedem Fall unter 100 Euro.

Katharina Staiger von der GMA (Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mbH) ordnete den Supermarkt als verträglichen Nahversorger ein. Er werde mehr als 60 Prozent seines Umsatzes aus dem Nahbereich generieren mit maximal zehn Minuten Gehzeit. Die Experten sehen in diesem Radius lebende rund 3500 Einwohner mit einer Kaufkraft von elf Millionen Euro. Damit sei der Markt zwar großflächig, aber nicht raumbedeutsam im Sinne der Raumordnung, sagte Staiger. Natürlich werde es eine Umverteilung geben, die geschätzten sechs Millionen Euro Umsatz für den neuen Rewe würden durch wettbewerbliche Wirkung entstehen, wie Staiger es formulierte. Sie prognostizierte eine Umverteilung von den anderen vorhandenen Märkten (Kaufland, Marktkauf, Rewe), aber nur zu einem geringen Anteil vom kleinen Rewe in der Marktstraße. Der neue Rewe am Hotel solle außerdem von der gleichen in Einbeck vorhandenen Kauffrau geführt werden.

Der neue Rewe am Hotel werde den Rewe-Markt in der Marktstraße nicht in Gefahr bringen, sagte auch Maik Siebrecht und trat damit den einzigen kritischen Nachfragen aus der Politik entgegen. Rewe werde nach seinen Informationen die Sortimente seiner drei Märkte in Einbeck entsprechend angleichen und den Mietvertrag in der Marktstraße erfüllen. Der Supermarkt im Hotelbau werde eindeutig auf die Notwendigkeiten ausgerichtet, beispielsweise mit seinem Convenience- und Freshcut-Sortiment sowie einer Salattheke und Bedientheken für Fleisch, Wurst und Käse, auch mit Schwerpunkten Regionalität und Bioprodukte.

„Ich bin begeistert von dem Hotel, wir stehen hinter den Gedanken“.

Dr. Reinhard Binder (FDP)

„Danke, dass sie für Einbeck dieses Projekt machen, die CDU kann sich mit dem Nahversorger gut anfreunden“.

Joachim Dörge (CDU)

„Das Angebot trifft den Wandel der Zeit, eine Brache wird nachgenutzt und das lange geforderte Budget-Hotel entsteht. Hotel und Supermarkt gehen nur zusammen. Das ist eine rein marktwirtschaftliche Entscheidung.“

Rolf Hojnatzki (SPD)

„Was uns hier geboten wird, da müssen wir zugreifen. Daumen hoch! Das ist alles ganz großartig.“

Beatrix Tappe-Rostalski (CDU).
So soll das Hotel mit dem Supermarkt im Erdgeschoss aussehen. (c) Guder Hoffend Architekten

5 Gedanken zu „Starker politischer Rückenwind für Hotel-Pläne

  1. Das ist so was von unrentabel. Ein Hotel da hin zu bauen für Touristenbusse die in Einbeck übernachten wollen.Hallo, wann kommen denn Touristenbusse die über Nacht bleiben. Die sind allemal nur Tagesgäste.Und wer länger bleibt der sucht sich im Vorfeld eine Übernachtung , wo er auch im Hotel frühstücken kann und nicht erst ins nächste Cafe gehen nuss.In Einbeck gibt es genügend Übernachtungsmöglichkeiten.Man sollte sich hier genau überlegen ob das Sinn macht .In meinen Augen ist dieses, wenn auch nicht von der Stadt Einbeck bezahlt,nicht von Vorteil. Eher ein No go.
    Das Projekt sollte man sich nochmal gründlich und sinnvoll überlegen.Aber wenn man nicht hier in Einbeck wohnt weiß man auch nicht was wichtiger ist.Jedenfalss so ein Hotel mit Sicherheit nicht

  2. Bei 99,x% Zustimmung bekomme ich immer ein Störgefühl, weil mich so etwas an DDR-Wahlergebnisse erinnert. Da gibt es einen Investor, der in Einbeck investieren will und das ist zunächst auch gut so! Ein Investor wird ein solches Projekt in Einbeck nicht aus altruistischen Gründen initiieren oder weil er Einbeck etwas Gutes tun will; er will Geld verdienen. Legitim, muss aber nicht euphorisch wie ein Heilsbringer beklatscht werden. Insoweit m.E. richtig hinschauen. Würde sich ein Low-Budget Hotel in Einbeck rechnen, wäre es schon längst da. Das eigentliche Investment ist ein REWE-Markt mit Hoteldach. Bedenklich ist allerdings, dass der Investor die Einzelhandelsverträglichkeit durch ein GMA-Gutachten gleich mitgeliefert hat (so habe ich das als Zuhörer trotz schlechter Akustik verstanden). Das erinnert mich nun wieder an die alte Skatspielerregel „wer schreibt der bleibt“ oder hat jemand erwartet, dass das vom Investor beauftragte GMA Gutachten anders hätte ausfallen können? Die dargestellten Verlagerungseffekte erhöhen nicht die Nahversorgungs-Kaufkraft in Einbeck, sondern gehen zu Lasten des vorhandenen Einzelhandels, letztlich auch zu Lasten der Innenstadt. Das kann man natürlich mit entsprechenden Berechnungsannahmen kleinrechnen; wenn es aber nicht Lidl, Kaufland, Marktkauf, Aldi oder REWE selbst trifft, sondern den kleinen Einzelhandel, dann wird das existenzbedrohend und generiert ggf. weiteren Leerstand, der mit Stube statt Shopping oder Schlaufenstern aufgepeppt werden kann. Bezeichnenderweise wurden in der GMA-Analyse die Kaufkraftverlagerung von dem nur wenige Meter entfernten und noch vor kurzem gefeierten Konzept „Cut & Coffee“ nicht betrachtet. Also bitte sich kein X für ein U vormachen lassen, ein unabhängiges Gutachten und mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung und dann bewußt entscheiden und zu etwaigen Konsequenzen stehen.
    Apropos Low-Budget, für 79€ bekommt man in attraktiven Großstädten leicht ein Doppelzimmer ohne Frühstück in einem 3-4 Sterne Hotel.

  3. Mit Verlaub: Welche belastbaren Fakten gibt es denn eigentlich über längerfristige (mindestens eine Nacht oder mehr) Aufenthalte von auswärtigen Besuchern in Einbeck und deren Interessen?

    a) Meine amerikanischen Freunde wohnen kostenlos bei mir und brauchen sich nicht ums Frühstück oder um andere Mahlzeiten zu kümmern. Das beruht auf Gegenseitigkeit.
    Ich empfehle dem PS-Speicher, sich mehr um diese nationalen und internationalen Kontakte unterhalb der Mercedes S-Klasse zu bemühen und Markenpartnerschaften auf der Grundlage einer relativ billig zu erstellenden und zu pflegenden Datenbank zu vermitteln. Der Rest kommt dann von selbst.

    b) Als ehemaliger zertifizierter Einbecker Stadtführer weiß ich, dass es wenige (überwiegend männliche) Tagestouristen gibt, die sich gerade noch eben für die Besichtigung der Brauerei interessieren, aber den Besuch des inzwischen kostenpflichtigen Urbock-Kellers als ihr eigentliches Reiseziel betrachten. Was können wir tun, um wenigstens den Begleiter(innen) am Tag 2 noch etwas Interessantes bieten zu können?

  4. Vielen Dank an die mutigen Investoren!
    Dieses Hotel wird dringend benötigt und hat eine Zielgruppe, die bisher nahezu vernachlässigt wurde. Monteure, Zeit- und Projektarbeiter, Pendler, Handelsvertreter usw. – dass sich das Hotel nebenbei als „Reserve“ für Kurzurlauber mit schmalem Geldbeutel anbietet, ist ein i-Tüpfelchen. Auch für das Konzept mit dem Bäcker und dem Rewe werden viele Übernachtenden, aber auch die nicht mehr so mobilen Anwohner sehr dankbar sein. Die Politik hat dies Gott sei dank erkannt und nach all den Scharmützeln die Entwicklung unserer wunderschönen Stadt unterstützt.

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