Der Northeimer Kreistag hat sich einstimmig bei drei Enthaltungen aus der SPD-Fraktion dafür entschieden, die Bauarbeiten an der Goetheschule an einen Privatunternehmer zu vergeben (ÖPP-Modell). Die Gesamtleistung soll im Februar 2026 ausgeschrieben werden, die Bauarbeiten sollen dann im Sommer 2027 beginnen, sobald die Baugenehmigung vorliegt. Mit einer Fertigstellung wird im Mai 2030 gerechnet. Die seit Jahren geplanten Baumaßnahmen an der Goetheschule Einbeck werden mit rund 49 Millionen Euro voraussichtlich doppelt so teuer wie zuletzt angegeben. Allerdings wird auf Grundlage einer Wirtschaftlichkeitsuntersuchung jetzt auch mit einer rund 1000 Quadratmeter größeren Fläche gerechnet, außerdem mit einem größeren und länger benötigten Interimsbau am Stadion während der mehrjährigen Umbauphase des Gymnasiums.
„Es geht um einen modernen Schulstandort“, begründete Nadine Seifert-Doods (SPD) die umfangreichen Arbeiten, da werde nicht nur ein Gymnasium mit ihrem denkmalgeschützten Altbau „ein bisschen aufgehübscht“, sondern eine zukunftsfähige Schule gebaut. Dem stimmte auch Werner Thiele (CDU) zu, die Variante mit dem Generalunternehmer, an den der Landkreis Planung und Bau delegiere, sei „schneller, billiger und verwaltungsschonender“. Mit einem ÖPP-Modell habe der Landkreis beispielsweise an der BBS Einbeck sehr gute Erfahrungen gemacht, sagte Christian Grascha (FDP). Auch Norbert Nissen (Grüne) sprach sich für die Privatunternehmer-Lösung aus, da gebe es weniger Unwägbarkeiten und man komme schneller zu einem Ergebnis.

Na ja, dass eine am Gewinn der ausführenden Baufirma orientierte Kalkulation eines öffentlichen ausgeschriebenen Bauauftrags anfangs – so gut es eben gerade noch geht – nach unten „angepasst“ wird, ist eine Erfahrung, die nicht neu ist und die am Beispiel der explosionsmäßigen Kostensteigerungen bei der immer noch nicht vollendeten Planungen des Stuttgarter Hauptbahnhofs einer breiteren Öffentlichkeit bekannt sein sollte. In der Diskussion um den nun angeblich zwingend gewordenen nötigen Abriss des Neubauflügels der Goetheschule ist von den echten (und unechten) Experten im Stadtrat und den hier noch meinungsführenden Parteien völlig übersehen worden, dass es vor ein paar Jahren eine öffentliche Diskussion darüber gab, ob der an den ehrwürdigen Altbau der Schule angeflanschte Neubautrakt für zahlenmäßig größer gewordene Klassen und einen anspruchsvolleren und zeitgemäßeren Unterricht aufgerüstet werden könnte. Dieser mit einem sehr viel überschauberen finanziellen und baulichem Aufwand realisierbare Plan ist – wenn ich mich recht erinnere – daran gescheitert, dass – der in Einbecks öffentlichem Bauwesen allgegenwärtige „Pfusch am Bau“ – auch in diesem Fall sein hässliches Gesicht erst gezeigt hat, nachdem festgestellt worden war, dass ein eigentlich aus statischen Gründen zwingend erforderlicher (teurer) Stahlträger von der damals ausführenden Baufirma einfach „vergessen“ worden ist.
Ich hege die eventuell begründete oder evtl. aber auch ungerechtfertigte Hoffnung, dass die professionelle Dienstaufsicht der Stadt und des Kreises bei vergleichbaren und auch kleineren Bauprojekten die Fachaufsicht endlich(!!) so ausführt, dass von einer funktionierenden Aufsicht überhaupt die Rede sein kann!
Bernd Koch