Was passiert mit der alten Schule?

Heute Außenstelle der Goetheschule in Einbeck am Langen Wall/Ecke Seminarstraße.

Wenn auch der Kreisausschuss am kommenden Montag seinen Segen gibt und der einstimmigen Empfehlung des Kreis-Schulausschusses von dieser Woche folgt, bekommt die Goetheschule Einbeck für rund 3,2 Millionen in Richtung Süden einen vierstöckigen Anbau. Die prognostierten Schülerzahlen bleiben in den kommenden Jahren zwar gleich, die bisherige Außenstelle des Gymnasiums in der einstigen Grundschule ist jedoch sanierungsbedürftig. Barrierefrei ist sie ohnehin nicht. Erforderlich wäre für den jetzt empfohlenen An- und Umbau am Hauptstandort der Goetheschule der Abriss der auf dem Grundstück befindlichen Hausmeisterwohnung. In diesem Bereich sollen allgemeine Unterrichtsräume oder kleinere Kursräume sowie ein Aufzug und eine Toilettenanlage entstehen. Der Anbau wäre durch den Aufzug vollständig barrierefrei erschlossen. Gleichzeitig sieht die auch von Landrätin Astrid Klinkert-Kittel und der Schulleitung bevorzugte Variante vor, den an den Altbau angrenzenden Bereich um eine Etage aufzustocken. Durch einen zu installierenden Schrägaufzug wäre dann auch das zweite Obergeschoss des Altbaus, in dem sich unter anderem die Aula befindet, barrierefrei zu erreichen. Die bisherige Außenstelle am Langen Wall würde dann überflüssig. Der Landkreis Northeim sieht nach der zwischen der Stadt Einbeck und dem Landkreis Northeim 2009 geschlossenen Vereinbarung (Rückübertragung der Schulträgerschaft) einen Rückübertragungsanspruch, falls der Landkreis Northeim die schulische Nutzung eines Gebäudes aufgeben sollte. Das wäre bei dem sanierungsbedürftigen Gebäude Langer Wall 16 der Fall. Im Einbecker Rathaus sieht man zwar die Möglichkeit einer Rückübertragung, jedoch keinen Anspruch. “Der Landkreis ist noch nicht an die Stadt Einbeck herangetreten, um über eine mögliche Rückübernahme oder anderweitige Nutzung des Objekts zu sprechen”, erklärte Fachbereichsleiter Frithjof Look heute auf meine Anfrage. “Es gibt daher auch keine Pläne zu oder Überlegungen über eine Nachnutzung des Gebäudes.”

Westlich des Altbaus und direkt anschließend an den Neubau (hier grau) anstelle des Hausmeisterhauses (hier weiß) soll die Goetheschule Einbeck vergrößert werden, wenn der Kreisausschuss den Empfehlungen zustimmt.

Für Forschungsfreiheit

Pflanzentechnologie erlernen, das kann man an der BBS in Einbeck - auch das lernte Thomas Oppermann bei seinem jüngsten KWS-Besuch.

Pflanzentechnologie erlernen, das kann man an der BBS in Einbeck – auch das lernte Thomas Oppermann bei seinem jüngsten KWS-Besuch.

Der Sozialdemokrat kennt KWS schon seit seinen Schülertagen in Edemissen: Damals habe auch er in den Ferien auf dem Feld „Rüben verzogen“, erinnert sich Thomas Oppermann. In Einbeck an der Goetheschule hat der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion sein Abitur gemacht. Bis heute ist Thomas Oppermann mit Einbeck verbunden: Er ist eines der Gründungsmitglieder des Vereins der Förderfreunde des PS-Speichers, dessen Vorsitzender der Aufsichtsratschef der KWS Saat SE, Andreas J. Büchting, ist. Man kennt sich, man duzt sich. Bei seinem jüngsten KWS-Besuch war Oppermann in Begleitung von rund zwei Dutzend Hauptstadtjournalisten. Nach einem Besuch des Weltkulturerbes Fagus-Werk in Alfeld (wo auch Schuhe von Oppermann in der Ausstellung zu sehen sind) stand tags darauf eine Brocken-Wanderung auf dem Programm der mehrtägigen Sommertour. Die Journalisten-Kollegen aus Berlin sorgten bei der 90-minütigen Visite bei KWS für eine höhere Twitter-Aktivität in Einbeck.

 

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Thomas Oppermann wünscht sich eine „rationale Debatte“ über moderne Methoden der Pflanzenzüchtung, wie er bei seinem Besuch sagte. „Die Forschungsfreiheit muss verteidigt werden, sie muss man Ihnen als Unternehmen lassen“, erklärte der 61-Jährige. KWS investiert rund 15 Prozent des Umsatzes jährlich in Forschung und Entwicklung – was dem Etat von zwei mittelgroßen Max-Planck-Instituten entspreche, sagte Thomas Oppermann. Der SPD-Politiker wünschte sich, dass der Saatguthersteller mit guten Forschungsergebnissen weiterhin an der Spitze liegen möge – und dabei keine unangemessenen Behinderungen ertragen müsse. Dass die KWS im strukturschwachen Bereich Einbeck und Südniedersachsen ihren Sitz habe und hier 1700 Mitarbeiter beschäftige, sei besonders wertvoll. Von KWS-Vorstandssprecher Hagen Duenbostel und dem Leiter Forschung & Entwicklung, Jürgen Schweden, ließ sich Oppermann über Züchtungsmethoden und die Saatgutproduktion informieren. Oppermann bestärkte das Unternehmen im  Bestreben nach mehr Transparenz bei der Etikettierung von Lebensmitteln. „Denn nur so wird dem Verbraucher klar, dass bereits bis zu 70 Prozent der Lebensmittel im Supermarkt in ihrer Entstehungskette mit Biotechnologie, also auch mit Gentechnik, in Berührung kommen“, erklärte KWS-Vorstandschef Hagen Duenbostel. Und das sei ja nichts Schlimmes. Bisher wüssten große Teile der Öffentlichkeit das nicht, sagte der 45-Jährige. Die Branche, aber auch die Politik habe eine wichtige Verantwortung, das Bewusstsein dafür zu schärfen.

Moderne Pflanzenzüchtung im Gewächshaus (v.l.): SPD-Bundestagsfraktionschef Thomas Oppermann, KWS-Vorstandsprecher Hagen Duenbostel und der Leiter Forschung & Entwicklung bei KWS, Jürgen Schweden.

Moderne Pflanzenzüchtung im Gewächshaus (v.l.): SPD-Bundestagsfraktionschef Thomas Oppermann, KWS-Vorstandsprecher Hagen Duenbostel und der Leiter Forschung & Entwicklung bei KWS, Jürgen Schweden.

Schulschließungsszenarien

Symbolfoto Archiv.

Symbolfoto Archiv.

Sie kommen so pünktlich und regelmäßig wie die Pausen-Klingel in der Schule: die Schuldebatten in der Politik. Der hiesigen Kommunalpolitik steht jetzt die nächste Welle einer Debatte über Schulstandorte bevor. Welche sind angesichts zurück gehender Schülerzahlen noch vertretbar? Darauf muss Politik eine Antwort finden, einfach ist das nicht, beliebt machen sich Kommunalpolitiker mit solchen Themen auch selten. Heute hat der Kreistag nicht nur den Schulentwicklungsplan für den gesamten Landkreis Northeim in die in den nächsten Monaten folgende Diskussion in den Kreistagsausschüssen gegeben, sondern auch einen Bericht des Landesrechnungshofes (LRH) zur Kenntnis genommen, der in Kürze auch komplett veröffentlicht werden soll. Im Kern sagt die im Frühsommer dieses Jahres erstellte Untersuchung (also noch vor dem Start der neuen Integrierten Gesamtschule in Einbeck), dass sieben weiterführende Schulen im Kreisgebiet ab 2021 überflüssig sind. Zwei sollten laut LRH sofort “aufgehoben”, d.h. geschlossen werden (Roswitha-Gymnasium Bad Gandersheim, Haupt- und Realschule Greene), fünf weitere zum Schuljahr 2017/18 (unter anderem Rainald-von-Dassel-Schule und Auetalschule Altes Amt). Und eigentlich hätte der Landkreis schon viel Geld sparen können (417.900 Euro jährlich), so die Aufsichtsbehörde. Der Landkreis habe jedoch “schulorganisatorische Maßnahmen”, sprich Schulschließungen unterlassen, obwohl die Schülerzahlen rückläufig seien und unter denen der Schulorganisationsverordnung liegen würden. Das Schulzentrum in Greene etwa hätte der Schulträger Landkreis schon 2012 “aufheben” sollen, die Schüler könnten andere vorhandene Schulen in der Region aufnehmen. Und der Landkreis könnte so jährlich rund 188.000 Euro sparen sowie einmalig 1,3 Millionen Euro (an vorgesehenen Investitionen). Warum die Löns-Realschule weitergeführt werden und nicht in die neue IGS Einbeck überführt werden soll, versteht der LRH nicht. Beide Schulen würden um die gleichen Schüler konkurrieren.

Doch diesen sich alarmistisch lesenden Aussagen, die allein auf Zahlen beruhen, muss der politische Verstand nicht folgen. Diese Bedenken hat das Kreishaus auch bereits formuliert – und hat damit recht. Denn was nutzt es, wenn der Landkreis als Schulträger Kosten bei Personal, Sachkosten und Investitionen einspart, dadurch aber zum einen die Kosten für Schülerbeförderung steigen und leer stehende Schulgebäude auf dem Markt nicht verwertbar sind, totes Kapital werden. Und zum anderen durch veränderte Schülerströme einige Schulen baulich erweitert werden müssten, was haushalterisch gar nicht darstellbar ist. Dann würde Schulpolitik endgültig zum großen Mikado. Schließlich: Manche Vorschläge (z.B. Schließung Roswitha-Gymnasium Bad Gandersheim) dürften vor allem (regional-)politisch nicht durchsetzbar sein. Zumal zudem die Gymnasien in Einbeck und Northeim die Schüler aus der Kurstadt räumlich aktuell gar nicht komplett aufnehmen könnten. Womit wir wieder beim Mikado wären. Wer sich zuerst bewegt, hat verloren.

Und wenn dies alles noch nicht genug Stoff für schulpolitische Diskussionen gibt, haben CDU und FDP in diesen Tagen weitere Aspekte zur Debatte beigetragen. Dabei stets im attackierenden Oppositionsblick: die Schulpolitik der SPD-geführten Landesregierung, maßgeblich vertreten von ihrer Kreistagskollegin und Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD).

Der FDP-Landtagsabgeordnete und Kreistagsabgeordnete und Kreisvorsitzende Christian Grascha hat von der Landesregierung erfahren, dass fünf mehrzügige Grundschulen im Landkreis Northeim derzeit ohne einen Schulleiter auskommen müssen. Welche Schulen konkret das sind, teilt der Liberale in diesem Zusammenhang zunächst nicht mit (auch die Landesregierung nennt die Schulen nicht Antw zu 2096_06.11). Grascha will den Schulleitern mehr Geld geben und weniger Unterrichtsstunden gewähren.

Heute bereicherte der FDP-Mann die schulpolitische Debatte um die Aussage, dass seine Partei und Fraktion die Gymnasien in Niedersachsen stärken wolle (Wortlaut: FDP 2014-11-14 Gymnasium Besuch Goethe). Seine Mitteilung fußt auf einem Besuch des FDP-Bildungsexperten Björn Försterling im Einbecker Gymnasium, der Goetheschule. Im Fokus der FDP: die IGS und die neuen Pläne der rot-grünen Landesregierung, die Gesamtschulen zukünftig zur ersetzenden und nicht mehr nur ergänzenden Schulform umzuwandeln. Denn das würde bedeuten, befürchtet die FDP, dass keine andere Schulform vor Ort angeboten werden müsste. Gymnasien brauchten nur noch mit einer Stunde Fahrzeit erreichbar sein. Christian Grascha: „Das kann für den Landkreis Northeim bedeuten, dass nur noch ein Gymnasium im ganzen Landkreis erhalten bleibt.” Wie realistisch das im Landkreis geopolitisch durchsetzbar sein soll (siehe oben), steht auf einem ganz anderen Blatt Papier, das Grascha offenbar nicht vorgelegen hat.

In der Goetheschule (v.l.): Schulleiter Hartmut Bertram, Björn Försterling, Marion Villmar-Doebeling, Christian Grascha.

In der Goetheschule (v.l.): Schulleiter Hartmut Bertram, Björn Försterling, Marion Villmar-Doebeling, Christian Grascha.

Grascha, Villmar-Doebling, Lindner

Grascha, Villmar-Doebling, Lindner.

Pikant an der Pressemitteilung der FDP von heute ist freilich, wer beim Besuch der FDP-Landtagsabgeordneten Grascha und Försterling neben dem Schulleiter noch dabei war und sich politisch-inhaltlich in der Presseinfo äußern durfte: Dr. Marion Villmar-Doebeling. Sie wird in der Mitteilung als “Elternvertreterin” tituliert. Was nicht im Text steht: Sie ist als Vorsitzende des Elternrates Mitglied des Schulvorstandes der Goetheschule, der weitreichende Befugnisse für die inhaltliche Weiterentwicklung des Einbecker Gymnasiums hat. Und: Villmar-Doebeling ist FDP-Mitglied! Erst seit ein paar Monaten, das aber bereits verhältnismäßig öffentlichkeitsbewusst. Im Februar war sie auf einem Pressefoto der neu aufgenommenen Mitglieder in Hannover zu sehen, erst vor wenigen Tagen lächelte sie an der Seite des FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner am Rande eines Strategietreffens zur Neuaufstellung der Liberalen in die Kamera. Da stellt sich mir die Frage: Als was hat sie denn an dem Besuch des FDP-Bildungspolitikers Försterling in der Goetheschule teilgenommen? Oder macht die Elternvertretung der Goetheschule jetzt FDP-Politik? (Anmerkung: Der Autor dieses Blogs ist ehrenamtlich Vorsitzender des Ehemaligen-Vereins der Goetheschule VE2R; mit dem Schulleiter besteht lediglich Namensgleichheit).

Die CDU-Kreistagsfraktion sieht die Schulpläne von Ministerin Heiligenstadt als “massiven Angriff auf die Schulvielfalt im Landkreis Northeim”, wie sie in einer Presseinformation schreibt (Wortlaut: CDU PM 23.2014 Auswirkungen des Schulgesetzes auf den LK Northeim). Und nennt “als kurzfristig extrem gefährdet” genau diejenigen Schulen, die auch der Landesrechnungshof erwähnt hat. Ein bisschen dürften die Christdemokraten aber auch darauf spekulieren, aus finanziellen Gründen notwendige Schulschließungen dem politischen Gegner in die Schuhe schieben zu können. Darauf deuten einige Aussagen in der Pressemitteilung hin: Die SPD im Kreistag habe ja die Beschlussfassung über die Schulentwicklungsplanung immer wieder verschoben, bis der Gesetzentwurf für den Landtag auf dem Tisch lag, meint die CDU. Der Landkreis Northeim sei offenbar “das Versuchslabor der SPD”, aus dem Kultusministerin Frauke Heiligenstadt “ein SPD-Vorzeigeprojekt” mit Einheitsschulen machen wolle.

Weniger Tempo bis 16.16 Uhr?

Am Langen Wall bis 16 Uhr: Tempo 30.

Am Langen Wall werktags bis 16 Uhr gilt: Tempo 30.

Vor Schulen oder Kindergärten sollten Autofahrer besonders achtsam mit ihrem Fahrzeug unterwegs sein, eine Geschwindigkeits-Beschränkung auf Tempo 30 kann hier helfen, Unfälle zu vermeiden. Dass dies auch für chauffierende Eltern gilt, die ihren Nachwuchs zur Schule bringen oder denselben abholen und dabei die Sprösslinge möglichst mit ihrem Fahrzeug direkt aus dem Klassenzimmer abholen wollen, soll hier nicht das Thema sein. Eine vor Schulen geltende Geschwindigkeitsbegrenzung dürfte ebenso schnell mehrheitsfähig sein wie regelmäßige Tempo-Messungen dort, um die Wirksamkeit zu kontrollieren. Die SPD-Stadtratsfraktion hat heute ihren Finger auch nicht allein auf diesen Punkt gelegt (Wortlaut: SPD_Tempo 30_PM 041114), sondern auf die widersprüchlichen Regelungen vor Einbecker (Ganztags-)Schulen hingewiesen. Während am Langen Wall werktags Tempo 30 von 7 bis 16 Uhr gilt, ist auf der Schützenstraße Tempo 30 montags bis freitags jeweils von 7 bis 17 Uhr ausgeschildert. Da muss man als Autofahrer schon genau auf die Uhr schauen, um sich nicht einer Geschwindigkeitsübertretung schuldig zu machen. „Für Autofahrer ist diese Regelung eher verwirrend als hilfreich“, meint SPD-Ratsherr Rolf Hojnatzki. Und er hat recht damit. Das Argument der Stadtverwaltung, nach den unterschiedlichen Betriebszeiten von Goetheschule und Pestalozzi-Schule zu beschildern, findet die SPD verständlicherweise so nicht nachvollziehbar. Und das Gymnasium grenzt nicht nur auch an den Langen Wall an, wie die SPD richtig erläutert, ein Teil des Goetheschule-Unterrichts findet ja sogar in der alten Grundchule am Langen Wall/Ecke Seminarstraße statt. Hier muss dringend eine einheitliche Uhrzeit her. Tempo 30 von 7 bis 17 Uhr kann nicht schaden.

Auf der Schützenstraße, zumindest auf einem Teil von ihr, gilt das Tempo 30 bis 17 Uhr.

Auf der Schützenstraße, zumindest auf einem Teil von ihr, gilt das Tempo 30 werktags bis 17 Uhr.