Die Stadt Einbeck kann auch schnell bauen. Sagen jetzt Spötter. Acht Monate dauerte die Vollsperrung, kurz vor Weihnachten konnte der Verkehr auf der grundsanierten Innenstadtstraße wieder freigegeben werden. Wobei – das gehört ehrlicherweise dazu – auch die Baustelle Sertürnerstraße im vergangenen Jahr länger als geplant dauerte, weil sich Arbeiten am Schmutzwasserkanal als deutlich umfangreicher als gedacht erwiesen hatten. Eigentlich wollte man schon im September fertig sein. Ingesamt aber haben die Verantwortlichen und Beteiligten bei einem Ortstermin in dieser Woche das Projekt Sertürnerstraße als Beispiel gebend für künftige ähnliche Aufgaben bezeichnet. Denn hier wurde sozusagen gemeinsam gebündelt gebaut, wurden nicht Leitungen zunächst und Monate oder Jahre später eine Straßenoberfläche erneuert, sondern unter Vollsperrung alles mit einem Mal innerhalb weniger Monate. Und am Ende gehörte auch ein wenig Glück zum Gelingen: Weil die Asphaltierung gerade noch kurz vor Weihnachten ausgeführt werden konnte, bevor die Bitumenwerke schlossen, blieb der Sertürnerstraße angesichts der Witterung im Januar und Februar eine längere Bauphase mit Winterpause erspart.

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek sagte, Einbeck müsse beim Straßenbau schneller werden, denn es gebe noch viel zu tun in diesem Bereich. Durch den Wegfall der Straßenausbaubeiträge sei das ein finanzieller Kraftakt für die Stadt, den man aber leisten müsse. Die Rathauschefin dankte den Anwohnern für die Geduld. Kritik gebe es natürlich bei jeder Baustelle, hier habe aber durch eine gute Koordination das meiste gut geklappt. Beim Ortstermin gab’s sogar ein spontanes Lob einer Anliegerin. Die Bündelung unter Vollsperrung sei zwar für Anlieger unkomfortabel während der Bauphase, aber die beste Lösung, eine Baustelle abzuarbeiten.
Die Sertürnerstraße könne als Muster für künftige Maßnahmen dienen, sagte Matthias Zaft, Leiter des Straßen- und Grünflächenmanagement bei der Stadt Einbeck. Er erinnerte an ein erstes Koordinierungsgespräch im Oktober 2022: Die Stadtentwässerung Einbeck sah Handlungsbedarf, die Kanäle in der Sertürnerstraße zu erneuern, und wollte eigentlich schon 2023 loslegen. Die Stadtwerke Einbeck wollten ihre Leitungen modernisieren. Als die Stadtentwässerung signalisierte, solange zu warten, bis die Stadt die Vorbereitungen für eine gleichzeitige Straßenerneuerung treffen und die Kommunalpolitik mit entsprechenden Beschlüssen und Finanzierungen im Haushalt ins Boot holen konnte, war das gemeinsame Projekt für das Jahr 2025 absehbar. Die Sertürnerstraße war eine der letzten Straßen in der Kernstadt mit teilweise Kopfsteinpflaster – und sie hatte eine deutliche Wölbung.
Das Investitionsvolumen liegt bei 800.000 Euro, wobei 300.000 Euro von der Stadt Einbeck kommen, 300.000 Euro von der Stadtentwässerung und 200.000 Euro von den Stadtwerken Einbeck. Dafür wurden in der 160 Meter langen Sertürnerstraße die Schmutz- und Regenwasserkanäle inklusive der Hausanschlüsse erneuert, die Stadtwerke haben Gas-, Strom- und Wasserleitungen neu verlegt. Die Telekom hat teilweise ihre Leitungen erneuert, auf Glasfaser aber verzichtet. Die Straße wurde komplett neu aufgebaut, auf beiden Seiten gibt es Parkflächen, die bewusst nicht markiert wurden, um flexibler parken zu können; an der Einmündung zur Grimsehlstraße wurden zwei Behindertenparkplätze in Nähe zu den Arztpraxen markiert. Der Gehweg auf der Ostseite wurde erneuert, der auf der Westseite konnte ausgebessert werden. Asphaltiert wurde auf einer Breite von 9,88 Meter, das ergibt 1750 Quadratmeter Straßenfläche. Hinzu auf der 15 Meter breiten Parzelle kommt der bepflanzte Seitenstreifen auf der Ostseite (Potentillen als Bodendecker, drei Sommerlinden und eine Felsenbirne). Es sei eine gute Zusammenarbeit aller Beteiligten gewesen, hieß es, zwischen Stadtentwässerung, Stadtwerke, Stadt, Ingenieurbüro Ludwig&Partner und Baufirma Bracht (Bovenden).



