Von 14 Magnolien, sieben Millionen Euro und der Schlussrechnung, die schon alle kannten

(c) Foto: Frank Bertram

Der Boden war bereitet, der wohltuende Regen am vergangenen Sonntag kam punktgenau. Sage noch jemand, auf dem Baustelle Neustädter Kirchplatz würde alles schief gehen. Besser konnte es für die Gartenbauer kaum sein, in das vorbereitete, gut durchfeuchtete Substrat die 14 Bäume zu setzen, die auf der Nordseite den Platz zur Hullerser Straße abgrenzen sollen. In zwei Reihen wurden die Kobushi-Magnolien auf den Zentimeter genau ausgerichtet, jeder der etwa fünf Meter hohen Bäume hat eine Drainage erhalten, damit die Wurzeln gut mit Wasser versorgt werden. Zwischen den beiden Baumreihen wurde inzwischen Mineralgemisch eingebracht, über den Wurzeln direkt wird nicht gepflastert. Im Schatten der Bäume sollen mehrere Sitzbänke aufgestellt werden. Die 14 Magnolien-Bäume, die einmal 25 Meter hoch werden können, wurden am Dienstag per Lkw angeliefert und einzeln mit dem Bagger und speziellen Halterungen von der Benser Straße auf den Platz gefahren. Geordert wurden die Kobushi-Magnolinen bereits Ende 2021, durch die vielen und langen Verzögerungen auf der Baustelle konnten sie bislang nicht gepflanzt werden, sondern warteten bei den Garten- und Landschaftsbauern der Firma Boymann auf ihren Einsatz.

Das waren die positiven Nachrichten in dieser Woche von der Dauerbaustelle Neustädter Kirchplatz. Wobei: Es wird sich schon noch jemand finden, für den es die falsche Baumart mit wahlweise zu wenig Laub oder zu vielen Blüten sein werden, die zu viel oder zu wenig Schatten spenden, deren Blüten zu wenig oder zu viel blühen, zu stark oder zu schlapp duften. Irgendwas ist ja immer.

Früher als gedacht (weil die verbleibenden Bauabschnitte so gut laufen) hat sich indes der Verwaltungsausschuss am Mittwoch mit der Schlussrechnung für die Baumaßnahme und die Baukostensteigerung beschäftigt. Die Bürgermeisterin wollte damit bewusst die letzten Unwägbarkeiten der verbliebenen Gewerke abwarten, denn sie wollte seriöse, belastbare Zahlen vorlegen, nicht immer nochmal Nachforderungen. Eine Salami ist eine leckere Wurst, aber eine untaugliche Taktik. Wie sie jetzt auf Nachfrage sagte, habe sich der VA in dieser Woche mit der Finanzierung des Neustädter Kirchplatzes beschäftigt; die noch notwendigen Beschlüsse stehen auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung des Rates am 6. Mai (17 Uhr, online und Multifunktionshalle).

In der Schlussrechnung findet sich ein Fehlbedarf in Höhe von rund 650.000 Euro, der zu wesentlichen Teilen (400.000 Euro) durch eine überplanmäßige Ausgabe aus der investiven Deckungsreserve des Doppelhaushalts 2026/27 bezahlt werden soll. Den anderen Teil der Summe (bis zu 200.000 Euro) kann man durch eine veränderte Zuordnung der eingesparten Mittel der Teilmaßnahmen (Platzherstellung, Wasserspiel, Archäologie, Verkehrsanlage) decken, teilweise (100.000 Euro) auch durch den günstiger als geplant gewordenen Straßenbau rund um den Platz. Die Mehrkosten von 650.000 Euro stammen aus Baukostensteigerungen (seit 2022 sind laut Index 40 Prozent normal, hier sind es rund 10 Prozent) verursacht zu 500.000 Euro durch Mehrausgaben für den Platz und die Wasserspiele, zu 250.000 Euro für den Pavillon, der wegen des zu verbessernden Baugrundes teurer wurde. Unterm Strich wird die gesamte Maßnahme am Ende knapp sieben Millionen Euro kosten.

Diese Schlussrechnung inklusive Fehlbedarf von 650.000 Euro und die Gesamtsumme 6,95 Millionen Euro war bereits am 25. Februar allen Kommunalpolitikern im Verwaltungsausschuss bekannt, von dort stammt auch eine auf den 18. Februar datierte Tabelle „Kostenentwicklung Neustädter Kirchplatz“ als Anlage zur vertraulichen Vorlage 2026/2094, die im März nach der Ratssitzung geleakt und damit öffentlich wurde. In der Ratssitzung ging es unter anderem um eine Kosten-Anfrage des Ratsherrn Alexander Kloss (parteilos), die die Bürgermeisterin wie genannt beantwortet hat. Wie gesagt wollte man im Rathaus die Zahlen zunächst gerne intern halten, um im schlimmsten Fall (der nun nicht eingetreten ist) salamitaktisch nicht immer neue Nachforderungen kommunizieren zu müssen. Den Kritikern des Platzes war das egal, stützte die Schlussabrechnung-Tabelle doch ihre These eines „Millionengrabes“ Neustädter Kirchplatz. Da meinen offenbar manche, Vertraulichkeiten nicht so eng sehen zu müssen. Aber Vertrauen ist bekanntlich der Anfang von allem.

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Die Bäume sind deswegen bereits verhältnismäßig groß, weil sie bereits Ende 2021 bestellt worden waren und seitdem in einer Baumschule auf ihre Verwendung auf dem Neustädter Kirchplatz warteten.
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Bei bestem Wetter exakt ausgerichtet wurden die 14 Magnolien-Bäume auf der Nordseite des Neustädter Kirchplatzes.

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