Bau des neuen Feuerwehrgerätehauses Kreiensen vorerst gestoppt, Alternativstandorte werden geprüft

(c) Foto: Frank Bertram

Der Bau eines neuen Feuerwehrgerätehauses Kreiensen ist wegen „erheblichen planerischen, finanziellen und zeitlichen Problemen an diesem Standort im Einvernehmen mit der Politik vorerst gestoppt“ worden. Das erklärte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek heute im Stadtrat in ihrem schriftlichen Bericht, den sie in der Sitzung verlesen hat. Die Verwaltung prüfe derzeit alternative Standorte. Sie bat um Verständnis, sich nicht an Spekulationen über mögliche Standorte beteiligen zu wollen, weil es unter Umständen um Grundstücke gehe, die noch nicht im Eigentum der Stadt sind. Zuletzt hatte sich das Rathaus bei dem Projekt bedeckt gehalten und Antworten auf Fragen verweigert – ohne Begründung und nur mit dem Hinweis, die Bürgermeisterin werde sich in der Sitzung des Stadtrates umfassend äußern. Das hat sie heute getan. Noch gestern im Ortsrat Kreiensen kam von der Rathauschefin, die persönlich anwesend war, zu dem Thema nichts. Einige Fragen sind mit ihrer Erklärung beantwortet. Aber nicht alle.

Wegen möglicher Planungsfehler und verspäteter Planunterlagen ist laut Bürgermeisterin geplant, rechtliche Schritte gegen den Außenanlagenplaner einzuleiten. Ein Fachanwalt für Baurecht soll die Leistungen und mögliche Haftungsansprüche bewerten. Bislang wurden für das Gesamtprojekt bereits etwa 637.000 Euro ausgegeben (Grundstückskauf, Planungen, Gutachten und vorbereitende Maßnahmen). Bei einem Abbruch des Projekts würden noch Restzahlungen für bereits geleistete, aber noch nicht abgerechnete Planungsleistungen sowie zusätzlich Entschädigungszahlungen an Auftragnehmer wegen entgangenen Gewinns anfallen, rechnete sie im Stadtrat vor. Der Fördermittelgeber sei über den aktuellen Sachstand informiert.

Während der Ausführungsplanung habe sich herausgestellt, dass die ursprünglichen Planungen des Außenanlagenplaners unvollständig gewesen und wesentliche Anforderungen an die Hangsicherung nicht berücksichtigt worden seien. Die Planungsdefizite sind laut Bürgermeisterin bereits im Februar bei einem Ortstermin festgestellt worden. Neue Erkenntnisse zur Hangstabilität sowie arbeitsschutzrechtliche Vorgaben hätten zusätzliche Maßnahmen erforderlich gemacht, insbesondere habe sich der Hang bei einer Neigung von über 45 Grad als nicht ausreichend standsicher erwiesen. Deshalb müssten zusätzliche Hangsicherungen wie Bodenvernagelungen, Spritzbeton, Bermen und teilweise Sonder-Winkelstützen eingebaut werden. Die Planungsunterlagen hätten mehrfach durch den beauftragten Fachplaner nachgebessert werden müssen, berichtete Michalek.

Daraufhin habe das bereits für das Gewerk Hanghaltung und Baufeldfreimachung für rund 377.000 Euro beauftragte Bauunternehmen Eurovia zwei Nachträge vorgelegt: Einen Nachtrag über 304.237 Euro für Bodenvernagelungen, Entwässerung und weitere Sicherungsmaßnahmen. Zusätzlich wurden für notwendige Spritzbetonarbeiten noch etwa Kosten in Höhe von 170.000 Euro erwartet. Außerdem einen weiteren Nachtrag in Höhe von 395.898 Euro für erweiterte Erdarbeiten und höhere Entsorgungskosten belasteten Bodens. Damit seien die Kosten für Hanghaltung und Baufeldfreimachung von ursprünglich 377.531 Euro auf insgesamt 1.077.667 Euro gestiegen, rechnete die Bürgermeisterin vor. Zusammen mit den noch ausstehenden Freianlagen (mittlerweile auf 320.000 Euro geschätzt) und den zusätzlichen Spritzbetonarbeiten ergeben sich aktuell Gesamtkosten für die Außenanlagen und Freiflächen von rund 1,57 Millionen Euro. Laut Kostenschätzung von August 2025 stehen jedoch lediglich 1,08 Millionen Euro zur Verfügung. „Daraus ergibt sich derzeit ein Mehrbedarf von knapp 500.000 Euro, wobei weitere Kostensteigerungen nicht ausgeschlossen werden können“, erklärte die Bürgermeisterin, warum Verwaltung und Politik bei dem Projekt angsichts der Planungsfehler und der Kostenexplosion jetzt die Reißleine gezogen haben. Der Verwaltungsausschuss hat die Informationen laut Bürgermeisterin in seiner jüngsten Sitzung Ende Mai erhalten, eingehend diskutiert und die Entscheidung getroffen.

Ausführlich nutzten Mitglieder der Feuerwehr Kreiensen im Stadtrat die Einwohnerfragestunde, ihre Erschütterung, ihre Sorgen und Enttäuschungen auszudrücken. „Der Vertrauensverlust in die Verwaltung ist groß“, sagte Ortsbrandmeister Peter Schneider, der von einer „Kernschmelze“ sprach. Gerade auch, weil eine Kommunikation im Vorfeld mit der Feuerwehr nicht stattgefunden habe, die Botschaft zu überbringen habe man dem Stadtbrandmeister überlassen. Um Ruhe in die Ortswehr Kreiensen zu bringen, ist ein Gesprächstermin mit der Verwaltung vereinbart, den die Feuerwehr sich wünscht, bevor es viele Austritte gebe. „Die Botschaft ist angekommen“, signalisierte die Bürgermeisterin. Der Rathausspitze ist die Unzufriedenheit in der Wehr bewusst, dass möglichst schnell etwas passieren muss, „wir arbeiten mit Hochdruck an Alternativen“, sagte Michalek, man wisse um die alten Gebäude, Fahrzeuge und die Ausrüstung. „In Kreiensen ist der Druck enorm hoch“, sagte der zuständige Fachbereichsleiter Marco Heckhoff. Dennoch werden es bis zu einem Neubau voraussichtlich Übergangslösungen wie ein mobiler Duschcontainer sein müssen, mit denen die Einsatzfähigkeit und auch die Motivation der Feuerwehrleute gewährleistet werden soll.

Ursache der Situation sei mangelhafte Planung. Es sei ja schon schwierig gewesen, das Grundstück in Kreiensen zu finden und man habe gewusst, dass es schwierig würde, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. Aber dass es so schwierig werde, das habe der Planer nicht aufgezeigt. Auf den habe man sich verlassen müsse, da eine solche Fachexpertise im Rathaus nicht vorhanden sei, daher habe man ja den Fachplaner beauftragt. Den müsse man möglicherweise zur Verantwortung ziehen, sagte Baudirektor Jens Ellinghaus. Davon habe man aber jetzt kein neues Feuerwehrgerätehaus, das für modernere Fahrzeuge notwendig sei. Die Ortsfeuerwehr Kreiensen wünscht sich, in die Planungen stärker einbezogen zu werden. Bislang habe Kommunikation so gut wie nicht stattgefunden.

(Aktualisiert 20:44 Uhr)

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Auf diesem Hanggrundstück an der Grenze zwischen Kreiensen und Billerbeck soll eigentlich das neue Feuerwehrgerätehaus gebaut werden.