Das politische Nachspiel der dreitägigen Wasserunterbrechung am Hainberg in Kreiensen nach zwei Rohrbrüchen wird nach der Debatte im Stadtrat noch im Fachausschuss für Feuerwehr und Katastrophenschutz fortgesetzt – und auch im Aufsichtsrat der Stadtwerke Einbeck GmbH thematisiert. Wobei es jetzt und auch künftig in der Aufarbeitung weniger um den eigentlichen Wasserrohrbruch und die Technik der Beseitigung geht, sondern eher um die Kommunikation eines solchen Ereignisses, bei dem in diesem Fall über 500 Menschen mehrere Tage nicht nur ohne Wasser, sondern viel zu lange auch ohne Information waren. Stadtwerke-Geschäftsführer Bernd Cranen räumte im Stadtrat Fehler ein. Bei der fachlichen Abarbeitung des Rohrbruchs sei man gut gewesen, bei der Kommunikation nicht – vor allem nicht nach dem zweiten Rohrbruch, nach dem eine höhere Eskalationsstufe hätte ausgelöst werden müssen. „Das ist in dem Fall nicht gut gelaufen“, räumte Cranen ein. Im zertifizierten Krisenmanagement sei alles definiert, dadurch wären dann entsprechende Maßnahmen ausgelöst worden. „Da müssen wir besser werden, das gebe ich zu“, sagte Cranen, der außerdem alle Betroffenen erneut um Entschuldigung bat und für die Fehler die Verantwortung übernahm. „Wir waren nicht aktiv genug.“
Die Debatte im Stadtrat am Mittwoch fand auf Initiative der CDU-Fraktion statt. Vorsitzender Dirk Ebrecht bemängelte vor allem die „Verantwortungsdiffusion“ nach dem Wasserrohrbruch in Kreiensen, der eine habe es auf den anderen geschoben, Zuständigkeiten zwischen Stadt und Stadtwerken seien nicht klar geworden. Verantwortlich müsse man sich fühlen. Bei einer so vergleichsweise kleinen Lage schon an die Grenzen zu stoßen, das sollte zu denken geben. „Wenn wir bei dieser kleinen Krise schon überfordert sind…“, den Satz von Dirk Ebrecht konnte jeder selbst vervollständigen. Nach einer Analyse („Was ist falsch gelaufen?“) bei den Stadtwerken müssten diese erklären, wie sie bei nächsten ähnlichen Ereignissen besser vorgehen wollen. Ebrecht fragte auch in Richtung Stadtverwaltung, ob es klare Zuständigkeiten und Notfallpläne gebe. „Ich zweifele daran.“ Es gelte, schneller besser zu werden. Er mochte sich nicht ausmalen wie die Diskussion über Verantwortung laufen würde, wenn jemand persönlich zu Schaden gekommen wäre. Dem Aufsichtsrat der Stadtwerke empfahl Ebrecht, durchaus über Entschädigungen für die betroffenen Kunden nachzudenken und es nicht bei einer Entschuldigung zu belassen.
Auch Beatrix Tappe-Rostalski (CDU) ging mit den Stadtwerken hart ins Gericht. „Das ist wie an der Unfallstelle vorbei zu fahren ohne Hilfe zu leisten“, beschrieb sie das Verhalten. Die Kommunikation sei „Grütze“ gewesen, erst nach zwei Tagen bei sommerlichen Temperaturen ohne Wasser habe sich jemand gemeldet. Das Zusammenspiel zwischen Stadt und Stadtwerken sei schlecht gewesen, da hätte man schnell handeln und sich kümmern müssen. „Die Einwohner hatten das Gefühl, allein gelassen worden zu sein.“ Und das dadurch geschwundene Vertrauen bei den Menschen müsse jetzt wieder aufgebaut werden. Aus den Ereignissen müssten Lehren gezogen werden.
Frank-Dieter Pfefferkorn und Petra Bohnsack (beide BlGfE) erinnerten an die klassischen Maßnahmen, die Menschen zu informieren und zu warnen: ein Lautsprecherwagen, der durch die Straßen fährt, Zettel, die an alle Haushalte verteilt werden mit einer Telefonnummer, unter der Hilfe erreichbar ist. Bei allem Digitalen wie Warn-Apps und Whatsapp-Gruppen dürfe man gerade für ältere Menschen das Analoge nicht vergessen, sagte Bohnsack, die als Ortsbürgermeisterin von Erzhausen häufiger mit Wasserrohrbrüchen zu tun hat. Für Pfefferkorn war die Stadtverwaltung zu wenig aktiv, im Fall von Kreiensen hätte ein Notfallanlaufpunkt (NAP) eingerichtet werden müssen. Man habe vergleichsweise Glück gehabt. „Stellen Sie sich nur mal vor, es wäre ein Stromausfall gewesen…“
Stadtwerke-Geschäftsführer Bernd Cranen sagte, man sei persönlich von Haus zu Haus gegangen, aber Zettel wären tatsächlich besser gewesen, räumte er ein, schließlich treffe man nie alle Anwohner an. Die Stadtwerke seien davon ausgegangen, dass mit der Warnung durch die Biwap-Warnapp alle relevanten Köpfe alarmiert, informiert und aktuell auf dem Laufenden gehalten würden, das sei offenbar nicht so gewesen. Man habe mittlerweile intern und auch mit der Stadtverwaltung Gespräche geführt, wie künftig in solchen Fälle kommuniziert werden soll.
Der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Stadtwerke Einbeck GmbH, Ratsherr Ulrich Minkner (SPD), kündigte an, dass sich das Aufsichtsgremium mit der Thematik beschäftigen werden. „Die Nachbereitung wird den Aufsichtsrat intensiv beschäftigen“, sagte er.
In der Einwohnerfragestunde steuerten noch mehrere Vertreter der Feuerwehr Kreiensen wichtige Informationen bei und brachten eigentlich ganz einfache, naheliegende Möglichkeiten ins Spiel, wie die Menschen am Hainberg hätten informiert werden können. Bei der Kreisfeuerwehr gibt es Spezialisten für die Bevölkerungswarnung, dort gibt es mobile Sirenen. In Moringen habe man jüngst nach einem Wasserrohrbruch besser reagiert, die Feuerwehr früh informiert und eingebunden, dort sei gar ein Amtshilfeersuchen ans Land Niedersachsen gestellt worden, damit große Trinkwassertankwagen zur Versorgung angefordert werden konnten, sagte Vincent Sömmer vom Fachzug Bevölkerungswarnung und Öffentlichkeitsarbeit des Landkreises Northeim. Auch eine Radiomeldung hätte weitergeholfen und wäre möglich gewesen.
In der gesamten Diskussion wurde deutlich, die Strukturen verbessern zu wollen. Öffentlich reden über Einzelheiten mochten viele jedoch nicht, angesichts der betroffenen kritischen Infrastruktur wie Wasser- und Stromleitungen ist das verständlich, da legt man ungerne alle Karten auf den Tisch. Aber es geht – wie so oft – um Vertrauen, in Institutionen und Menschen. Das ist in Kreiensen momentan arg strapaziert – nicht nur, aber auch bei der Feuerwehr angesichts des gestoppten dringenden Neubaus des Gerätehauses. Das Vertrauen muss wieder aufgebaut werden, um in bevorstehenden Notlagen wirkungsvoll zusammenarbeiten zu können. Das ist mühsam und dauert. Aber es ist unumgänglich. Was die aktive Informationspolitik nach solchen Ereignissen wie Wasserrohrbrüchen betrifft ist mein persönlicher Wunsch bescheiden: Eine schlichte Presseinformation, eine einfache E-Mail an die ja überschaubare Zahl von regionalen Medien mit den Basisinfos, die man mitteilen kann, genügt schon. Für eine schnelle Online-Information sind wir da.
(Aktualisiert: 12.06.2026, 17:24 Uhr)
