Anwohner ärgern sich über Tempo und Schmutz: Warum Rotenkirchen seit Jahren eine Baustelle ist

(c) Foto: Frank Bertram

Die Anwohner der Rotdornstraße und der Straße Am Rennen in Rotenkirchen sind genervt: Seit Jahren gibt es vor ihren Haustüren eine Baustelle, die scheinbar nicht enden will, Wasser- und Stromleitungen werden erneuert. Die Arbeiten verzögern sich jedoch immer wieder und werden zur Geduldsprobe. „Das Ortsbild ist massiv beeinträchtigt und das Schneckentempo sorgt im Dorf für Frustration“, sagt Ortsbürgermeister Klaus Lehberger. Seit fast drei Jahren dauere inzwischen der „Ausnahmezustand“, die Schattenseiten dieses Langzeitprojektes belasteten die Anlieger stark, kein Hausbesitzer könne mehr in seine eigenen Wände gelangen, ohne Schmutz hineinzutragen. Offene Löcher seien teilweise nur behelfsmäßig mit Bauzäunen abgesperrt, die Straße „Am Rennen“ sei flächendeckend mit grobem Schotter beispielsweise für ältere Menschen mit Rollatoren kaum noch sicher begehbar, ärgert sich Lehberger. Der anliegende Spielplatz sei seit zweieinhalb Jahren nur noch eingeschränkt nutzbar. Nach einer Baupause in den Sommerferien laufe der Baubetrieb aktuell nur auf Sparflamme. „Dass Ausreden über Personalmangel und interne Abstimmungsprobleme zwischen Stadtwerken und Baufirma auf dem Rücken unserer Bürger ausgetragen werden, ist nicht mehr hinnehmbar“, sagt der Ortsbürgermeister. Gegenseitig werde sich die Schuld für die Verzögerung zugeschoben.

Es handele sich tatsächlich um eine außergewöhnlich große Baumaßnahme, die äußerst komplex für alle Gewerke gewesen sei und noch sei, erklärte Stadtwerke-Geschäftsführer Bernd Cranen auf meine Anfrage. Geplant sei, die Arbeiten in 2026 abzuschließen. Die Stadtwerke haben nach eigenen Angaben massiv in die Infrastruktur investiert und „eine siebenstellige Summe“ für die Wasserleitungen, Verkabelung der Mittelspannungs-Freileitung, Erneuerung der Niederspannungskabel und Hausanschlüsse und die Erneuerung der Straßenbeleuchtung aufgebracht. Nach Fertigstellung der Maßnahmen habe Rotenkirchen eine verbesserte Stromversorgung, sei die störungsanfälligere Freileitung rückgebaut, habe neue Trinkwasserleitungen aus zeitgemäßen PE-Leitungen und viele neue, komplett sanierte Oberflächen und dann hoffentlich für viele Jahre „Ruhe“, sagt Cranen. Auf einer so großen Baustelle, wo viele Handwerker und Planer beteiligt seien, wo viele Absprachen erfolgen müssten, werde sicherlich auch mal was schief gelaufen sein, räumt der Stadtwerke-Chef ein. „Wer und was auch immer dazu beigetragen hat, sofern wir dafür verantwortlich waren, können wir uns für die entstandenen Unannehmlichkeiten nur entschuldigen.“

Die gesamte Maßnahme der Stadtwerke Einbeck wurde in drei Bauphasen 2024, 2025 und 2026 eingeteilt. Auf die Jahre bezogen laufe bisher alles nach Plan, sagte Cranen. In den einzelnen Bauphasen habe es allerdings Bauverzögerungen gegeben. Die Planung der Wasserleitungstrasse wurde bedingt durch Änderungen eines Planungsbüros aktualisiert. Das Planungsbüro hatte die Erneuerung der Straßenoberfläche (Landkreis) zur Aufgabe, bei dieser Gelegenheit hätten die Stadtwerke die Trinkwasser-Leitung mitverlegt. Zu einer größeren Baupause sei es dann durch die Vorgabe des Landkreises Northeim gekommen, die Ortsdurchfahrt (Rotdornstraße) nicht zu behindern, da gleichzeitig eine Baumaßnahme durch den Landkreis in Markoldendorf umgesetzt worden sei. Dies sei den Stadtwerken vorher nicht bekannt gewesen, das hätte man unter Umständen besser koordinieren können, gibt Bernd Cranen zu.

Begonnen haben die Stadtwerke Einbeck 2024 mit der Erneuerung der Trinkwasser-Hauptleitung und Trinkwasser-Hausanschlüssen. Eine Trinkwasserleitung liege frostfrei, also besonders tief, was besonders viel Bodenaushub und besonderes viel „Dreck“ zur Folge gehabt habe, erläuterte Cranen. Baulärm und Schmutz seien für die Anwohner sicherlich kein Vergnügen. Wenn Trinkwasser-Hausanschlüsse erneuert werden, komme natürlich eine große Belastung auf die Anwohner hinzu. Da seien Fragen individuell zu klären, wo man über das Grundstück gehen könne, wo eine offene Bauweise (Graben) möglich sei oder der Anschluss größtenteils mit einer so genannten Pressbohrung umgesetzt werden könne (quasi grabenlos, nur zwei Kopflöcher, Start- und Zielgrube). Das alles sei abhängig von der Bodenbeschaffenheit und dem Platz, den man benötigt, wirbt der Stadtwerke-Geschäftsführer um Verständnis.

Grundsätzlich stimmen die Stadt und die Stadtwerke ihre Maßnahmen so ab, dass sich entsprechenden Synergien ergeben, sagt Baudirektor Jens Ellinghaus. Ziel sei es immer, Straßen nur einmal „anzugehen“. Die Sertürnerstraße in der Kernstadt sei ein entsprechendes Beispiel, bei dem die Leitungsträger den Untergrund mit ihren Leitungen saniert haben und die Stadt mit der Straßensanierung gefolgt sei.

Einen Lichtblick für die Straße Am Rennen und ihre Anwohner gibt es: Sobald die Leitungen verlegt sind, soll die Straße in Teilbereichen neu aufgebaut und komplett asphaltiert werden, kündigte Baudirektor Jens Ellinghaus auf meine Nachfrage an. Der Zustand der Straße habe sich leider in den vergangenen Jahren verschlechtert, es sei größtenteils kein zusammenhängender Verbund als Straßenkörper mehr vorhanden, in dem es in Zukunft durch den unterschiedlichen Aufbau (Altzustand zu neuem Aufbau der Baugruben und Leitungsgräben) immer wieder zu Schäden durch diesen unterschiedlichen Aufbaues kommen werde. Würde man die Sanierung auf später verschieben, hätte die Stadt dann wieder neue Nähte, die als Schwachstelle fungieren würden, erläutert Ellinghaus. Mit der neuen Fahrbahn sollte aus Sicht der Stadt Einbeck als Straßenbaulastträger auf Jahrzehnte erst einmal Ruhe sein. Ortsbürgermeister Klaus Lehberger dankte in der jüngsten Ortsratssitzung dem Mitarbeiter im Tiefbauamt ausdrücklich, dass dieser sich für die Maßnahme eingesetzt habe.

(c) Foto: Frank Bertram
Die Bauarbeiten in der Straße Am Rennen in Rotenkirchen belasten die Anwohner seit Monaten.