Analyse der Wahlergebnisse: Wer wo gewonnen und verloren hat

Nicht das Neue Rathaus, sondern der Saal des Hotel Panorama entwickelte sich im Laufe des Wahlabends zu dem Ort, an dem Sieger und Verliererin nebeneinander standen, sich gegenseitig einen fairen Wahlkampf bescheinigten. In jenem Hotelsaal, in dem für beide Kandidaten das Streben auf das höchste Amt in der Stadt Einbeck mit den jeweiligen Aufstellungsversammlungen auch begonnen hatte. Letztlich hatte sich ebenfalls die Gemeindewahlleiterin auf den Weg ins Hotel gemacht, Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek trat nach fast 14 Jahren im Amt nicht wieder zur Wahl an, sorgte mit ihrem Team im Rathaus stattdessen für einen reibungslosen Ablauf der Kommunalwahlen in Einbeck. Und gratulierte ihrem Nachfolger René Kopka, hatte freundliche Worte für die Stimmenkönigin bei den Stadtratswahlen, Antje Sölter. Außergewöhnliche Vorkommnisse bei den Wahlen in Einbeck hatte Bürgermeisterin-Stellvertreter Dr. Florian Schröder nicht zu verzeichnen. Bis 1.30 Uhr in der Nacht waren die ehrenamtlichen Helfer aktiv, um auch die letzten Stimmbezirke auszuzählen.

(c) Foto: Frank Bertram
Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek (l.) gratulierte am Wahlabend ihrem Nachfolger René Kopka (SPD), in der Mitte Mitbewerberin Antje Sölter (CDU).

René Kopka wird neuer Bürgermeister der Stadt Einbeck. Der 48-jährige SPD-Landtagsabgeordnete aus Einbeck setzte sich bereits im ersten Wahlgang deutlich mit 55,45 Prozent gegen seine beiden Mitbewerber Antje Sölter (CDU) und Omid Najafi (AfD) durch. Sölter erreichte 28,85 Prozent, Najafi 15,7 Prozent der Stimmen. Einen solchen Durchmarsch gleich im ersten Durchgang hatten die meisten nicht erwartet. „Ich freue mich über dieses Traumergebnis“, sagte Kopka. „Ich bin total begeistert.“ Das Ergebnis sei ein Vertrauensvorschuss für die nächsten acht Jahre. Der SPD-Mann entschied 53 der 60 Wahlbezirke für sich, gewann alle drei Briefwahlbezirke mit jeweils über 60 Prozent. Die CDU-Mitbewerberin hatte in sechs Wahlbezirken die Nase vorn. In Kohnsen gab es ein 62:62-Stimmen-Unentschieden. AfD-Kandidat Omid Najafi gewann keinen Wahlbezirk. Die Wahlbeteiligung lag bei 66,42 Prozent.

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Glückwünsche bei der SPD-Wahlparty für den neuen Bürgermeister René Kopka.

Bei der Bürgermeisterwahl hatte Sieger René Kopka seine Hochburg in seinem Geburtsort Andershausen, hier schaffte er sein bestes Ergebnis mit 72 Prozent. CDU-Frau Antje Sölter hatte ihre stärksten Ergebnisse in ihrer Heimatgegend, blieb aber in Vardeilsen (56 Prozent), Avendshausen (61 Prozent), Rengershausen (58,18 Prozent) und Bartshausen (53,25 Prozent) hinter den Erwartungen zurück.

Er habe nicht damit gerechnet, gleich im erste Wahlgang zu gewinnen, sagte René Kopka. Sein Team sei auch auf eine Stichwahl eingestellt gewesen, umso wertvoller sei für die Planung der nächsten Wochen bis zum Amtsantritt am 1. November die frühe Klarheit. Schließlich muss er sein MdL-Mandat nun abwickeln. Einbeck bekommt einen Bürgermeister mit vielen Kontakten in der Landeshauptstadt und verliert gleichzeitig einen direkt gewählten Landtagsabgeordneten in Hannover. Kopkas Nachrückerin im Landtag kommt aus dem Norden Niedersachsens.

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„Prickelnde Zukunft“ (Sekt) und Gratulation von Antje Sölter an René Kopka.

Bereits früh am Wahlabend zeichnete sich ein direkter Wahlsieg Kopkas ab, um 20.50 Uhr waren dann alle Bezirke ausgezählt. Antje Sölter fuhr gemeinsam mit CDU-Parteifreundin Beatrix Tappe-Rostalski zur SPD-Wahlparty und gratulierte dem Sieger, dankte ihm für einen fairen Wahlkampf. „Einbeck hatte die Wahl und hat sich sich so entschieden“, sagte Sölter, die sich eigentlich auf eine Stichwahl eingestellt hatte. Leider habe es dafür nicht gereicht, sie würde aber ihren Wahlkampf wieder so nahbar-authentisch machen und sich nicht verbiegen lassen, sagte die CDU-Kandidatin. Offenbar trauten die Wähler ihr nicht zu, das Rathaus zu führen, bedauerte die Vardeilserin. Sie habe aber eine breite Unterstützung gespürt, was sich ja auch in ihrem persönlichen Ergebnis für die Stadtratswahl ausdrücke. Hier erreichte Antje Sölter mit 2260 Stimmen das beste Einzelergebnis aller Kandidaten in allen Gruppierungen; hier hatte sie auch mehr Stimmen als René Kopka (2136), der ebenfalls für den Rat kandidiert hatte (hier wird nun jemand nachrücken). Bemerkenswert: Andreas Jakob (AfD) konnte sein Stimmenergebnis verdoppeln (1275 Stimmen, 2021: 664), Beatrix Tappe-Rostalski (CDU) halbierte ihre Stimmenzahl nahezu (585 Stimmen, 2021: 1011).

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Zwei SPD-Bürgermeister: Ulrich Minkner (2006-2013) und René Kopka (ab 2026) am Wahlabend.

Überhaupt die Stadtratswahl: Im neuen 36-köpfigen Einbecker Stadtrat ist jede der acht angetretenen Parteien und Wählergemeinschaften vertreten, es bleibt also bunt. Klare Wahlgewinnerin ist dabei die AfD, die ihre Sitzzahl verdreifachen konnte (jetzt 6). Die größte Fraktion bleibt die SPD (12 Sitze), gefolgt von der CDU (7), BlGfE (4), Grüne (3), Unabhängige (2), FDP (1), Linke (1). Viel spricht dafür, im Sinne von stabilen (Haushalts-)Mehrheiten auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit zwischen SPD und CDU im Stadtrat, jetzt unter einem SPD-Bürgermeister, zu setzen. Die neuen Unabhängigen, die auf klassische Wahlkampfstände auf dem Marktplatz oder anderswo verzichtet hatten, schafften den Einzug in den Stadtrat nur mit ihren bereits im Rat sitzenden Kandidaten Alexander Kloss und Helmar Breuker. Damit können sie nicht zufrieden sein. Kloss erreichte dabei lediglich etwa halb so viele Stimmen (1259) wie noch vor fünf Jahren (2136). AfD-Hochburgen bei den Stadtratswahlen sind Beulshausen (33,55 Prozent), Orxhausen (27,88 Prozent), Rittierode (27,57 Prozent) und Berufsschule I (26,24 Prozent). Die BlGfE schaffte lediglich noch in Billerbeck (46 Prozent) und Erzhausen (40,8 Prozent) Ergebnisse in dieser Größenordnung. Die neuen Unabhängigen erreichten ihre besten Ergebnisse in der Gartenkolonie Sonnenblick (15,61 Prozent) und Vardeilsen (13,1 Prozent), zeigten sich auch bei den Briefwahlstimmen relativ stark.

Und auch bei den Ortsratswahlen sind bemerkenswerte Ergebnisse zu verzeichnen, besonders in den Ortschaften, in denen mehr als eine Wählergemeinschaft antrat. Gingen im Ortsrat Buensen, Dörrigsen, Iber, Strodthagen 2021 noch alle Sitze an die Wählergemeinschaft (wobei Andreas Jakob, AfD, damals auf der WG-Liste kandidiert hatte) sowie zwei Einzelbewerber, schaffte die AfD jetzt unter eigener Liste zwei Ortsratsmandate (neben sieben Mandaten für die Wählergemeinschaft). Der Ortsrat Kreiensen besteht jetzt nur noch aus sieben Mitgliedern der Wählergemeinschaft, vor fünf Jahren schaffte es die FDP noch mit einem Sitz in das Gremium. In Negenborn/Volksen schaffte es die AfD mit eigener Liste mit einem eigenen Sitz (Dirk Küpper) in den Ortsrat; 2021 waren alle sieben Sitze noch an die Wählergemeinschaft gegangen. Auch in Opperhausen/Osterbruch gelang der AfD über eine eigene Liste der erstmalige Einzug in den Ortsrat mit einem Sitz; neben der Wählergemeinschaft (5 Sitze) zog noch Einzelbewerber Karsten Paduck in den Ortsrat ein. Für den Ortsrat Salzderhelden gab es mit vier Listen das vielfältigste Angebot bei den Ortsratswahlen – und alle schafften es mit Sitzen in das Gremium: Die SPD erzielte 6 Sitze (minus 1), die CDU 3 Sitze, die BlGfE 1 Sitz (Maren Sprenger) und der Einzelbewerber Stefan Gattermann. Vor fünf Jahren war im Ortsrat noch die FDP vertreten, sie trat nicht mehr an. Im Ortsrat Vogelbeck schob sich das Gewicht weiter in Richtung Wählergemeinschaft: Die SPD verlor einen Sitz, hat jetzt noch 2. Und ganz neu ist der Ortsrat Rengershausen, der auf eigenen Wunsch des Dorfes erstmals gewählt wurde, bisher gab es nur einen Ortsvorsteher. Das fünfköpfige Gremium besteht aus Stephanie Kram, Melanie Fricke, Matthias Lotz, Jens Fricke und Holger Papenberg. Die Wahlbeteiligung lag hier bei fast 95 Prozent!

Vorläufiges Endergebnis der Stadtratswahl in Einbeck. (c) Votemanager.de

3 Kommentare zu „Analyse der Wahlergebnisse: Wer wo gewonnen und verloren hat

  1. Man kann aber aus allem was (negatives) machen…..
    Ich habe es komplett anders wahrgenommen: eine unterlegene Kandidatin, die damit so überhaupt nicht gerechnet hatte, kam sehr zeitig ins Hotel Panorama und gratulierte. Das – zusammen mit einem fairen Wahlkampf – empfand ich als eine gute Geste (übrigens auch von Herrn Dirk Strohmeyer). Es gab auch dementsprechend Applaus aus der Versammlung. Das „Präsent“ ist doch nur eine kleines Zeichen (war wohl auch noch mit Wahlkampfslogan beklebt) – was soll da noch ein Blumenstrauß ? Wie teuer soll der denn sein, damit es „angemessen“ wirkt ? Blumen gabs ja übrigens ausreichend…..

  2. Liebe Renate Leuschner. Beschämend ist dein Kommentar. Das geht gar nicht! Antje Sölter hat als Wahlverliererin Rückrat bewiesen und René Kopka zum Wahlsieg gratuliert. Womit ist doch völlig egal. Das Zeichen und der Wille zählt.

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