Nachtragsetat notwendig: Neustädter Kirchplatz wird deutlich teurer und viel später fertig

Der Neustädter Kirchplatz wird deutlich teurer als geplant, die seit Monaten still stehende Baustelle im Herzen der Stadt wird voraussichtlich deutlich später fertiggestellt als ursprünglich vorgesehen. Und die Platzneugestaltung wird nun endgültig zur Belastung für Rathaus und Politik. Denn unabhängig von steigenden Baupreisen und mutmaßlich fehlerhaft ausgeführten Arbeiten und deren (juristischen) Folgen sind offenbar beim Umgang mit dem Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz speziell für den Neustädter Kirchplatz im Zusammenspiel zwischen Verwaltung und Treuhänder gravierende Fehler passiert, die durch einen 2. Nachtragshaushalt technisch korrigiert werden sollen. Der Finanzausschuss berät über den Entwurf am kommenden Dienstag (20. September, 17 Uhr, Alte Rathaus). Eine gute Akustik und eine funktionierende Mikrofonanlage in der Rathaushalle werden bei dieser Sitzung ganz besonders notwendig sein. Denn die Öffentlichkeit hat im Geiste von Transparenz und Ehrlichkeit einen Anspruch auf drei Dinge: Verständliche und lückenlose Aufklärung, eine Korrektur von Fehlern und das Bekenntnis zur Verantwortung.

Seit April ist in der Einbecker Stadtverwaltung beim Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz intensiv nachgerechnet worden. Dabei wurde deutlich, dass es in den Vorjahren Fehler beim so genannten Bruttoprinzip gegeben hat, teilweise waren mehr Haushaltsmittel auf dem für das Förderprogramm eingerichteten Treuhandkonto vorhanden, als es korrekt gewesen wäre, heißt es im Entwurf des Nachtragshaushalts. Vereinfacht gesagt: Obwohl das Projekt teurer wurde, war immer noch ausreichend Geld auf dem Konto. Das machte irgendwann die Finanzexperten im Rathaus stutzig, intern wurde die Sache überprüft. Ein finanzieller Schaden soll der Stadt und damit dem Steuerzahler dadurch allerdings nicht entstanden sein.

Weil die Förderkulisse sehr komplex ist, möchte die Verwaltung das Förderprogramm komplett aufschnüren und neu aufsetzen, um es haushalterisch sauber zu korrigieren. Dabei wird deutlicher denn je, dass die Kosten für den Neustädter Kirchplatz gestiegen sind. Und zwar nicht nur, weil die Baupreise extrem in die Höhe klettern. Sondern auch, weil in den bisher mit knapp vier Millionen Euro angegebenen Gesamtkosten die im Vorfeld der Bauarbeiten entstandenen Kosten, etwa für den Abriss des einstigen Gemeindehauses und für den Architektenwettbewerb, in der Betrachtung gar nicht aufgeführt waren (rund 600.000 Euro).

Für den Neustädter Kirchplatz sind 2,39 Millionen Euro bereits ausgegeben, Kosten von weiteren 3,91 Millionen Euro noch zu erwarten. Der Löwenanteil dieser Kosten (3,42 Millionen Euro) soll durch den 2. Nachtragshaushalt über neue Kredite bereitgestellt werden, weil mit steigenden Steuereinnahmen momentan eher nicht gerechnet werden kann. In Summe dürfte der Neustädter Kirchplatz am Ende gut 6,3 Millionen Euro gekostet haben – vor allem die Stadt Einbeck, denn mit 1,83 Millionen Euro Fördergeld ist die Fahnenstange höchstwahrscheinlich längst erreicht.

Klar dürfte allen Beobachtern indes sein, dass bei diesem Projekt der Punkt, an dem noch alles gestoppt werden könnte, längst überschritten ist. Das muss jetzt kein „Augen zu und durch“ bedeuten, aber bei allen Alternativ-Überlegungen müssen bereits erteilte Aufträge berücksichtigt werden, die nicht mehr kostenneutral rückgängig zu machen sind. Zumal im schlimmsten Fall dann auch Fördergelder wegfallen würden. Den Brunnen als einziges Element, bei dem bislang noch keine Kosten angefallen sind, zu stoppen, ist aus mehreren Gründen heikel. Denn auch wenn mit der 150.000 Euro-Spende des vor wenigen Monaten verstorbenen Ratsherrn Walter Schmalzried die Kosten für den Brunnen (461.000 Euro) nicht komplett gedeckt werden, die Spende hat der Rat bereits zweckgebunden angenommen und kann sie nicht einfach jetzt wieder zurück überweisen. Und auch nicht um eine weitere zusätzliche Spende bitten.

Wie und wann geht’s nun weiter auf dem Neustädter Kirchplatz? Die Stadtverwaltung hat dem für die seit Juli bekannten unzureichenden Bodenverhältnisse verantwortlichen Unternehmen eine Mängelrüge erteilt. Das Unternehmen habe sich jedoch uneinsichtig gezeigt, sodass die Stadt ein so genanntes selbstständiges Beweisverfahren beim Landgericht Göttingen in die Wege geleitet hat. In einem nächsten Schritt wird ein vom Gericht bestellter Gutachter vor Ort die Sachlage ermitteln. „Dafür gibt es momentan noch keinen Termin, es ist aber durchaus möglich, dass dies noch einige Monate dauern wird“, sagte Baudirektor Joachim Mertens. „Bis dahin ist definitiv eine Wiederaufnahme der Bautätigkeit nicht möglich.“ Zudem hat die Stadt wegen der stark steigenden Baukosten einen Baustopp verfügt. Zunächst muss auch aus haushälterischen Gründen zunächst eine Lösung gefunden werden. Die Stadtverwaltung betont, dass in den noch zu erwartenden Kosten für den Neustädter Kirchplatz auch die für eine juristische Auseinandersetzung einkalkuliert sind. „Das soll aber nicht als Bewertung der Erfolgsaussichten im gerichtlichen Verfahren verstanden werden“, erklären Fachbereichsleiter Joachim Mertens und Kämmerer Christian Rohner. „Dringt die Stadt mit der Rüge vor Gericht durch, wären entsprechende Kosten ganz oder teilweise wieder von den Gesamtkosten abzusetzen.“

Spannend wird die politische Bewertung der Angelegenheit, zumal SPD und CDU lange Zeit unterschiedlicher Auffassung bei dem Stadtentwicklungsprojekt waren und jetzt eine gemeinsame Gruppe im Rat bilden. Die aktuellen Meinungen dürften im Finanzausschuss öffentlich werden, am 28. September dann in der folgenden Stadtrat-Sitzung. Bislang sind auf den vorliegenden Entwurf des 2. Nachtragshaushalts noch keine Äußerungen aus dem Kreise des Stadtrats zu hören, so lange das Papier öffentlich ist. Das dürfte sich spätestens am Dienstag ändern.

Dauerbaustelle Neustädter Kirchplatz. Archivfoto März 2022

Ukraine-Flüchtlinge: Bürgermeisterin tauscht sich mit Stadtratsmitgliedern online aus

Gestern waren in Einbeck 202 Menschen registriert, die vor dem Krieg aus der Ukraine geflohen sind. Doch die Lage verändert sich ständig, ebenso die Zahlen oder die Hilfe, die gerade jetzt notwendig ist. Wie ist die Situation vor Ort aktuell? Darüber hat sich heute Abend Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek mit Mitgliedern des Stadtrates in einer Videokonferenz ausgetauscht. Deutlich dabei wurde: Vor allem dauerhafter Wohnraum ist nach wie vor gefragt. Und auch private und persönliche Initiativen, den Menschen direkt zu helfen, werden stärker gefordert sein.

Jeden Mittwoch trifft sich aktuell der Krisenstab zum Thema Ukraine im Einbecker Rathaus, um die Hilfe für die Menschen aus der Ukraine zu organisieren. Vor einer Woche waren 159 Flüchtlinge aus der Ukraine in Einbeck registriert, gestern waren es 202. Im gesamten Landkreis sind mit Stand von gestern 1069 Menschen registriert. Hinzu kommen weitere, die privat nach Deutschland gekommen und hier bei Bekannten oder Freunden untergekommen sind. Auch sie sollten sich registrieren lassen, um einen Überblick bekommen und damit den Menschen staatliche Unterstützung zukommen lassen zu können, appellierte die Bürgermeisterin. Wobei immer wieder deutlich werde, berichtete sie, dass die meisten niemandem zur Last fallen und am liebsten sofort wieder in die Ukraine zurück möchten, sobald der Krieg beendet ist.

In den vergangenen Wochen sei eine lange Liste mit zur Verfügung stehendem Wohnraum in Einbeck und den Ortschaften zusammengekommen, die mittlerweile vom Landkreis koordiniert wird, das Einbecker THW sichtet dabei die Wohnungen. Wobei, berichtete die Bürgermeisterin, die Angebote sich stark unterscheiden: Vom Gästezimmer mit Familienanschluss über die gute, möblierte Wohnung bis zu renovierungsbedürftigen, leeren Wohnungen sei alles dabei. Es werden weiterhin Wohnungen gesucht, vor allem Wohnungen, die mehr sind als ein Gästezimmer, denn nur so können die Menschen dort längere Zeit unterkommen, ruft die Bürgermeisterin dazu auf, sich weiterhin mit Wohnungsangeboten zu melden. Auf der Website des Landkreises gibt es dazu eigens ein Formular. Der Wohnraum werde auch bezahlt, ebenso die Nebenkosten, sagte Michalek.

Bei allen Anfragen bei der Stadtverwaltung oder auch bei der Diakonie-Stiftung, die vor allem Sachspenden koordiniert und beispielsweise Gesprächskreise oder Deutschkurse organisiert, bittet die Bürgermeisterin um Geduld. Die große Hilfsbereitschaft und die Fülle der Anfragen und Mails lassen bis zu einer Antwort manchmal etwas Zeit vergehen. Wer sich als Pate engagieren möchte, kann sich an die Diakonie-Stiftung wenden und mitteilen, wie viele Stunden er beispielsweise Menschen begleiten kann, ob er eventuell übersetzen kann.

In vielen Ortschaften, das wurde in der Videokonferenz deutlich, ist die privat organisierte Hilfe längst angelaufen. Hilfen bei Anträgen oder bei Behördengängen, bei der Eröffnung eines Kontos, bei der Anmeldung in Grundschulen – das alles leisten Ortsräte bereits. Und auch weitere Paten kümmern sich direkt und konkret um die aus der Ukraine geflüchteten Menschen vor Ort. Deren Bedarf ist total unterschiedlich, tauschten sich die Ratsmitglieder aus. Einige seien traumatisiert von Krieg und Flucht, müssten erst einmal zur Ruhe kommen. Andere besuchen gerne direkt bereits Gesprächskreise. Gestern hat erstmals im EinKiFaBü ein Elterngesprächskreis mit 39 Erwachsenen, Kindern und Dolmetschern stattgefunden. Hinter jedem geflüchteten Menschen stehen individuelle Schicksale.

Viele lose Fäden gilt es noch zusammenzubinden, das wurde bei der Diskussion deutlich. Den staatlichen Strukturen müssen private Unterstützungs- und Hilfsangebote zur Seite gehen. Neben dem weiterhin gesuchten Wohnraum ist dieses unter anderem eine Idee, die bei der Videokonferenz entstand: Bei einer Kleidungsbörse sollen sich die Flüchtlinge selbst passende Bekleidung oder Schuhe aussuchen können. Vielleicht lassen sich dafür auch die in den nächsten Tagen und Wochen ohnehin geplanten Basare und Börsen dezentral nutzen, hieß es.

„Ich bin zutiefst beeindruckt von den zahlreichen Initiativen in verschiedenen Ortschaften der Stadt Einbeck in dieser schwierigen Situation – sei es Unterstützung bei der ersten Orientierung, Behördenangelegenheiten, Spendenaktionen oder materielle Unterstützung. Ich möchte darauf hinweisen, dass nach aktueller Information der VGH-Versicherungen aufgrund eines Rahmenvertrags zwischen der VGH und dem Land Niedersachsen alle ehrenamtlichen HelferInnen haftpflichtversichert sind“, schreibt Dr. Sabine Michalek in einem Infobrief an die Flüchtlingshelfer.

Der Landkreis Northeim bündelt alle Informationen hier auf seiner Website.

Die Stadt Einbeck informiert hier über Hilfen für Flüchtende aus der Ukraine.

Die Diakonie-Stiftung Nächstenliebe „Neue Nachbarn“ ist hier erreichbar.

Vor dem Neuen Rathaus in Einbeck wehen die Einbecker Stadtflagge und die Flagge der Ukraine.

Walter Schmalzried spendet Brunnen für Neustädter Kirchplatz

Walter Schmalzried spendet den Brunnen auf dem Neustädter Kirchplatz. Dieses Geheimnis lüftete heute die Stadt Einbeck auf der Baustelle gemeinsam mit dem Spender. „Ein Brunnen ist ein Zeichen der Kultur und der Begegnung“, sagte Schmalzried zu seiner Motivation. Der Kaufmann aus Einbeck hat sich bewusst für diesen gemeinsam mit den Planern entwickelten Brunnenentwurf mit Sitzring um die Wasserfläche entschieden, weil er sich den Brunnen als einen Treffpunkt von Jung und Alt wünscht, der das Stadtbild prägt.

Der Bauausschuss des Stadtrates hatte im Oktober sein grundsätzliches Ja für die vorgesehene Brunnengestaltung gegeben, im Dezember soll der Stadtrat die Spende noch offiziell annehmen. Erst dann soll auch die Höhe der Spendensumme bekannt werden. In der Diskussion über die Neugestaltung des Neustädter Kirchplatzes war der im Architektenwettbewerb vorgesehene Brunnen aus Kostengründen zunächst weggefallen.

Brunnen-Entwurf mit runder, flacher Wasserfläche und schräg verlaufendem Sitzring und Schriftzug in Baubronze-Verblendung. Visualisierung: (c) Planorama Berlin

Walter Schmalzried möchte mit seiner Spende auch an seine verstorbene Ehefrau Waltraud erinnern. Sie sei in der Kirche konfirmiert worden, welche einst und bis 1963 auf dem Platz stand und ihm seinen Namen gegeben hat. Seine Frau habe immer einen starken Platz an seiner Seite gehabt und unverändert in seinem Bewusstsein. Das Erbe mit dem Verkauf des Modehaus-Unternehmens möchte Schmalzried sichtbar und erlebbar in Einbeck einbringen. 1964 ist der gebürtige Ravensburger nach Einbeck gekommen, in seiner süddeutschen Heimat gebe es in jedem Dorf einen Brunnen. Wie eine Kirche ein Zeichen des Lebens sei, stehe fließendes Wasser eines Brunnen für Erneuerung, Erfrischung und Quelle der Inspiration. Gerade weil er sich den Brunnen als Treffpunkt wünsche, habe er mit den Planern von Planorama diesen Entwurf entwickelt und möchte keine aus dem Boden sprudelnden Wasserspiele, sagte der Modekaufmann, der auch in der CDU-Stadtratsfraktion sitzt. Walter Schmalzrieds Brunnenkonzeption mit einem Sitzring in unterschiedlicher Höhe legt wert auf Sitzmöglichkeiten rund um die Wasserfläche für alle Menschen, junge und ältere, kleinere und größere.

Aus der Wasserfläche soll sich eine satte Fontäne erheben. Visualisierung (c) Planorama Berlin

Vorgesehen ist ein Brunnen mit einem Durchmesser von sechs Metern. Material und Farbe orientieren sich an den Betonfertigteilen des Pavillons und des Pflasters in der Platzfläche. Die Sitzelemente (Sitzring) werden mit Beton in einer Terazzo-Optik geplant. Die flache Wasserfläche liegt auf einer runden Terazzo-Scheibe und hat eine Baubronze-Verblendung. Eine „satte“, kegelförmige Fontäne erhebt sich aus der Mitte des Brunnens.

Auf der Baubronze-Verblendung wird ein Schriftzug stehen. Welche Worte das sein werden, möchte Walter Schmalzried erst mit Fertigstellung des Brunnens preisgeben, die Ende 2021 vorgesehen ist.

Am Baumhain vor dem Amtsgericht soll der Brunnen stehen. Ausschnitt aus der Visualisierung des Büros Planorama Berlin.
Baudirektor Joachim Mertens, Spender Walter Schmalzried, Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek und Sachgebietsleiter Thomas Keykenbohm (v.l.) auf dem Neustädter Kirchplatz, im Hintergrund das Amtsgericht.

Spende ermöglicht Brunnen auf Neustädter Kirchplatz

Durch die Spende eines bislang ungenannten Einbecker Bürgers soll der neugestaltete Neustädter Kirchplatz doch noch einen Brunnen bekommen. Bislang war dieses Element der Neugestaltung bei den Planungen aus Kostengründen gestrichen worden. Der Bauausschuss hat gestern den Weg geebnet, dass ein spendenfinanzierter Brunnen den Platz beleben kann. Bei der Abstimmung gab es ungewöhnliche Mehrheitsverhältnisse: Mit 6 Ja-Stimmen bei sieben Enthaltungen (die nicht zählen) hat der Ausschuss dem vorgestellten Brunnenentwurf zugestimmt – vorbehaltlich, dass der Stadtrat im Dezember die Spende annimmt.

Vor allem in den Reihen der SPD-Fraktion gab es Vorbehalte. Rolf Hojnatzki sprach sich dafür aus, zunächst den Stadtrat die Spende im Dezember annehmen zu lassen und erst dann den Brunnen-Planungen zuzustimmen. Man kenne den Spender bislang nicht. Sein Fraktionskollege Dirk Heitmüller befürchtete, dass auf dem ja zweitweise auch als Parkfläche genutzten Platz die Gefahr bestehe, dass unachtsame Autofahrer beim Zurücksetzen gegen den massiven Brunnen fahren könnten. Sachgebietsleiter Thomas Kreykenbohm entkräftete das, es werde die zum Parken erlaubte Teilfläche ja mit Pollern abgegrenzt. Heitmüller und Hojnatzki regten an, mit dem Spender noch einmal über die Form des Brunnens zu sprechen, sie plädierten gegen feste Brunnenbecken und würden sich eher für aus dem Boden sprudelnde Düsen aussprechen. Auch die Folgekosten von zurzeit kalkulierten 4000 Euro pro Jahr waren Gegenargumente. Dietmar Bartels (Grüne) warnte ebenfalls vor nicht unerheblichen Folgen für die Stadt bei einer teuren Wartung des Brunnens und wünschte sich, darüber mit dem Spende nochmal zu reden.

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek sagte, der spendende Bürger wolle nicht eher öffentlich in Erscheinung treten, bevor die Politik nicht Ja zu dem Brunnenentwurf gesagt habe. Der Spender habe sehr genaue Vorstellungen. Eine ebenerdige Düsenlösung habe man mit diesem und mit den Planern diskutiert und verworfen.

Armin Hinkelmann (GfE) appellierte, die Aktion eines Einbecker Bürgers, der die Stadt schöner machen wolle, zu unterstützen. Wenn man jetzt Nein sage, überlegten sich künftige Spender wahrscheinlich sehr genau, ob sie sich überhaupt noch engagieren wollen. Albert Thormann (GfE) sagte, erst mit Brunnen sei der neu gestaltete Platz komplett. Baudirektor Joachim Mertens erklärte, der Brunnen stehe an der geplanten Stelle vor dem Amtsgericht in Nähe des neuen Baumhains „goldrichtig“. Dadurch entstehe auch eine „Spannung“ zwischen Brunnen und Pavillon.

Die Kosten für den Brunnen wurden in der Sitzung nicht genannt, die Spende des Einbecker Bürgers werde die Investition jedoch komplett decken, hieß es.

Der Brunnenentwurf ist vom Büro Planorama (Berlin) geplant worden, das auch für den Gesamtentwurf verantwortlich zeichnet. Auf einer runden Terrazzo-Scheibe soll eine Wasserfläche mit einer Baubronze-Verblendung liegen, aus der sich eine „satte“ Fontäne erhebt. Ein schräg umlaufender Sitzring aus Beton in einer Terrazzo-Optik soll mit seiner unterschiedlichen Sitzhöhe Jung und Älter ein angenehmes Sitzen ermöglichen. Ein Schriftzug wird in die Baubronze-Verblendung gearbeitet und an der niedrigeren Sitzgelegenheit sichtbar. Dabei handelt es sich um eine Option: Ob ein und welcher Satz hier stehen wird, blieb zunächst offen. Die Brunnentechnik wird in einem Pumpen- und Ablaufschacht am Brunnen sowie im Technikraum des Pavillon untergebracht.

Wie Baudirektor Joachim Mertens mitteilt, besteht für die vorgesehenen Bäume entlang der viel befahrenen Hullerser Straße in Verlängerung des Pavillons auf dem Neustädter Kirchplatz auch keine Gefahr durch den Straßenverkehr. Noch laufende Messungen hätten in einem Zwischenbericht ergeben, dass der Kohlendioxid-Grenzwert deutlich um die Hälfte unterschritten werde.

Die Bauarbeiten auf den Straßen rund um den Platz sollen in der kommenden Woche beginnen.

Der Brunnen soll auf dem neu gestalteten Neustädter Kirchplatz in der Nähe des Baumhains vor dem Amtsgericht stehen. (c) Planungsbüro Planorama Berlin

Spielplatz mit Betreuung

Der in wenigen Tagen fertig gestellte neue Aktivspielplatz an der Langen Brücke in Einbeck soll ein Betreuungsangebot erhalten. Der Jugendausschuss des Stadtrates stimmte einstimmig dafür, das vorgelegte Nutzungskonzept umzusetzen und nach Fördermöglichkeiten für pädagogische Mitarbeiter zu suchen. Der Spielplatz, der am 23. Oktober eröffnet werden soll, wird von der Stadt Einbeck in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis für Christliche Sozialarbeit (ACS) betrieben und durch die alleinige finanzielle Förderung der Firma Reichenbach ermöglicht. Das Konzept sieht unter anderem vor, in den Sommermonaten von Montag bis Freitag zwischen 14 und 17 Uhr zwei Fachkräfte mit besonderer Eignung für die Kinderbetreuung vor Ort zu haben. Der Ausschuss wünschte sich, auch am Sonnabend zu Wochenmarktzeiten die Betreuerinnen anbieten zu können.

Ortstermin des Jugendausschusses: In der Brandlücke von 2005 entsteht ein neuer Spielplatz.

Der „Innenstadtspielplatz Lange Brücke“ soll laut Konzept selbstbestimmtes und angeleitetes Spielen ermöglichen und zur Entwicklung von sozialer Verantwortung beitragen. „Die pädagogischen Mitarbeiter stehen den Kindern als partnerschaftliche Betreuerinnen und Betreuer zur Seite, um ihnen ein „soziales Übungsfeld“ zu ermöglichen, in dem sie eigenständig handeln können und Erfahrungen sammeln dürfen, ohne allein gelassen zu sein“, heißt es in dem Konzept. Die Betreuer sollen pädagogische Angebote konzeptionieren und gestalten sowie Kooperationen mit anderen Institutionen fördern. Ausgestattet ist der Spielplatz in der 2005 nach einem Großbrand entstandenen Bebauungslücke mit einer Boulderwand, einer Farbscheibe, einer Sitzgarnitur zum kreativen Basteln und Werkeln, einem Drehmännchen, einer Fläche zum Freispiel und im hinteren Bereich einer vielseitigen Spielhausanlage aus Holz mit integrierter Rutsche. Der Spielplatz sollte eigentlich schon früher fertig sein, verzögerte sich dann aber mehrfach.

Von den zwei pädagogischen Mitarbeitern soll eine Stelle über die Stadt Einbeck finanziert werden, die andere wird über den ACS (refinanziert durch Firma Reichenbach) abgedeckt. Die Stadt suche aber bereits nach Förderprogrammen, um die Personalkosten des einen Mitarbeiters decken zu können und nicht aus dem Haushalt bezahlen zu müssen, sagte Stadtjugendpfleger Henrik Probst.

Das Spielhaus (hinten) steht schon, am 23. Oktober soll Eröffnung des Spielplatzes sein.

Politiker aller Fraktionen lobten das entstehende Konzept und dankten der Firma Reichenbach für die Spende. Wie bereits bei früheren Sitzungen wurden mit Hinweis auf die Spendenfinanzierung Investitionssummen nicht genannt. Dietmar Bartels (Grüne) merkte an, dass er sich bei aller Begeisterung für den neuen Spielplatz im Nachhinein unter Druck gesetzt fühle, denn bei der Annahme der Spende sei von Folgekosten wie dem Betreuungspersonal keine Rede gewesen. Er bat, für den städtischen Teil nach Sponsoren zu suchen, eventuell könnten auch entsprechende Fachschülerinnen der BBS als Praktikanten unterstützen, schlug Bartels vor. Das sei eine gute Idee, sagte Probst zu. Gitta Kunzi (SPD) regte an, dass der von der Stadt bezahlte Betreuer an die neue Multifunktionshalle personaltechnisch „angedockt“ werden könne und sich auch um Jugendarbeit in den Ortschaften kümmern könnte. Henrik Probst erklärte, man denke da eher an eine Kooperation mit dem Familienservicebüro am Hallenplan, das sei nicht nur nicht weit entfernt, sondern dort könne man eventuell auch für das dort angesiedelte „Mobilo“-Projekt Synergien nutzen.

Man habe „aus der Geschichte das Beste gemacht“, resümierte Dirk Heitmüller (SPD). Leider habe man es nicht geschafft, dass dort wieder ein Haus stehe. Letztlich habe das der Gewölbekeller und der Denkmalschutz verhindert. Dieser Keller, mit Flüssigerde für die Stabilität verfüllt, sei jetzt gut versteckt und integriert.

Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU) hofft, durch den neuen Spielplatz mehr junge Menschen in die Innenstadt ziehen zu können und die Aufenthaltsqualität im Stadtkern zu verbessern. Dafür müsse man auch Geld in die Hand nehmen.

Joachim Dörge (CDU) fragte nach den Vorkehrungen gegen Vandalismus und die Beleuchtung nachts. Bei einem unbeaufsichtigen Spielplatz habe er Bedenken, dass diesen abseits der Betreuungszeit die falschen Leute unsachgemäß nutzen. Für die Antworten auf diese Fragen sei der Fachbereich Bauen zuständig, der in diesem Fachausschuss nicht zuständig und daher nicht anwesend sei, sagte Probst. Deshalb blieb in der Sitzung zunächst auch offen, ob es einen (abschließbaren) Zaun am Zugang von der Langen Brücke haben werde.

Christine Jordan (SPD) sah durch die Betreuungsangebote auf diesem neuen Spielpatz die Chance, auf andere Jugendpflege-Angebot aufmerksam machen zu können, auch in den Ortschaften. Der Spielplatz könne zur Vernetzung in diesem Bereich beitragen. Und wenn dann auch noch sonnabends zur Marktzeit eine Betreuung für Kinder vorhanden sei, „dann ist das ein Selbstläufer“.

Ortstermin am Bauzaun: Der Jugendausschuss traf sich an der Langen Brücke.

Nachtrag 08.10.2020: Der Verwaltungsausschuss hat gestern den Beschluss des Fachausschusses bestätigt, aber auch noch einmal präzisiert, wie Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek auf Anfrage sagte. Beschlossen wurde, dass der Stellenplan der Stadt Einbeck nicht belastet werden darf. Die Betreuungskraft muss aus Förder- oder Sponsorenmitteln finanziert werden und nicht aus dem städtischen Etat. Die zweite Kraft hatte bereits der ACS bzw. der Sponsor Reichenbach Wirkstoffe zugesagt.

Sie dreht sich wieder – nur noch auf einer Säule

Die Drehscheibe in der Erde hat ausgedient.
Von der Einbecker Firma Weißenborn stammt die neue Konstruktion, hier wird die alte entfernt.

Das vor einem Jahr eingeweihte Kunstwerk „Von Null bis unendlich“ von documenta-Konzeptkünstler Timm Ulrichs dreht sich wieder. Das von einem Motor angetriebene gebogene Edelstahlrohr, das sich permanent von einer geformten Null in eine liegende Acht, das Zeichen für Unendlichkeit, verändert, lief nur wenige Wochen, bis Anfang des Jahres ein Liefer-Lkw die nördlich der Marktkirche in der Fußgängerzone stehende Skulptur beschädigte. Bei diesem Crash war nach Angaben der Initiatoren der unterirdische Motor mit seiner Zahnräder-Drehkonstruktion so schwer beschädigt worden, dass das auf zwei je 2,5 Meter hohen Ständern montierte Kunstwerk still stehen musste und nur mit großem Aufwand wieder gängig zu machen gewesen wäre.

Acht Betonpoller stehen jetzt um die Säule der Skulptur „Von Null bis unendlich“.

Mit Hilfe der Einbecker Firma Weißenborn und heimischer Ingenieurkunst wurde die Antriebskonstruktion neu konzipiert: Das rote Edelstahlrohr wird nun aus nur noch einer Säule heraus von einem neuen wartungsarmen Motor angetrieben, nicht mehr über die Drehscheibe im Boden. Diese wurde entfernt, die Fläche neu gepflastert und außerdem mit acht Pollern versehen, die das Kunstwerk künftig vor Fahrzeugen schützen sollen, aber auch als Sitzmöglichkeit dienen können. Sollte das sich tagsüber permanent drehende Kunstwerk einmal stehen, bekommt Bernd Weißenborn automatisch eine Nachricht aufs Handy und kann sie auf kurzem Wege wieder in Gang bringen. Die Kosten für die Neukonstruktion der so genannten Ein-Säulen-Lösung, die den Segen des Konzeptkünstlers Timm Ulrichs und seiner Konstrukteure hat, liegt im fünfstelligen Euro-Bereich und übernimmt komplett der gleiche private Unterstützerkreis, der auch ursprünglich „Von Null bis unendlich“ bezahlt hatte. Der Einbecker Stadtrat hatte die Spende damals einstimmig angenommen. Eine Fehlkonstruktion sei die ursprüngliche Version nicht gewesen, weil sie sich ja gedreht und funktioniert habe, dementiert Gesamtorganisator Günter Dietzek. Auch der Standort sei unverändert richtig. Die runden Markierungen auf dem Gehweg (am Parkplatz in der Pastorenstraße und auf dem Marktplatz vor der Rats-Apotheke), von denen aus der Betrachter die Null und die Acht am besten sehen kann, sind ebenfalls neu auf dem Boden aufgebracht worden.

Von hier aus kann man den Effekt „Von Null bis unendlich“ der sich drehenden Skulptur am Besten sehen: Betrachter-Standort in der Pastorenstraße.
Eine Säule statt zwei: Das neue „Von Null bis unendlich“ nördlich der Marktkirche.

Brandlücken-Spielplatz erst 2020

Der neue Spielplatz in der Brandlücke an der Langen Brücke mitten in Einbeck wird erst 2020 Realität werden. Ursprünglich sollten hier schon in diesem Sommer Kinder spielen und klettern können. Das Projekt, das komplett spendenfinanziert realisiert wird, ist fertig geplant, sagte Sachgebietsleiter Thomas Kreykenbohm gestern im Bauausschuss. Den zweiten Teil der Spende werde der Einbecker Stadtrat aber erst 2020 annehmen können. Die Ausschreibungen für die Anschaffung der vorgsehenen Spielgeräte könne man aber schon vorbereiten.

Die Baulücke in der Langen Brücke 5. Archivfoto

Ob der Stadtrat den zweiten Teil der Spende wieder wie bei der ersten Tranche in nicht-öffentlicher Sitzung annehmen wird, ist zunächst offen. Die Summe der Investition durch die private zweckgebundene Spende sollte damals nicht genannt werden. Ein Blick in den Haushaltsplan-Entwurf für 2020 verrät jedoch, dass für das Projekt 65.000 Euro im Jahr 2020 verbucht sind, weitere 55.000 Euro im Haushaltsjahr 2021, so dass eine spendengedeckte Summe von insgesamt 120.000 Euro kalkuliert ist.

Immerhin soll für den zurzeit gerade in der Beratung befindlichen Haushalt 2020 die pauschale Summe für Spielplätze in Einbeck auf jährlich 30.000 Euro angehoben werden. Bei den aktuellen Preisen für Spielgeräte ist auch das nur ein Tropfen auf heißem Stein. Ich bleibe aber dabei, dass in dieser Brandlücke ein neues Haus in bester Innenstadtlage besser wäre als ein Spielplatz. Welch ein Wahnsinn, dort einen neuen Spielplatz entstehen zu lassen, nur weil jemand mit dem Spendenscheck wedelt, gleichzeitig aber nicht das Geld zu haben, um vorhandene innenstadtnahe Spielplätze (wie beispielsweise am Tiedexer Tor) vernünftig in Schuss zu halten oder sich beispielsweise – wie in meiner Kindheit – noch Spielgeräte in der Fußgängerzone leisten zu können oder zu wollen.

Brandlücken-Spielplatz kommt später

Hier soll ein Spielplatz entstehen: Baustelle an der Langen Brücke 5.

Dieser Sommer wird noch ohne den neuen Spielplatz in der Brandlücke Lange Brücke 5 vorüber gehen. Das war einmal anders geplant. Wie Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek gestern im Stadtrat sagte, haben im Juni Gespräche mit den Eigentümern der beiden angrenzenden Grundstücke stattgefunden, nachdem die archäologischen Ausgrabungen abgeschlossen seien. Durch die Gespräche mit den Nachbarn werde in Teilbereichen eine Umplanung der Spielplatzanlagen notwendig, sagte Michalek. Die Kletterwand soll niedriger werden. Bis Ende Juli sollen nun laut Bürgermeisterin die Unterlagen fertiggestellt werden. Dann könnten die restlichen Spendengelder angefordert und die Bauarbeiten ausgeschrieben werden. Der Gewölbekeller ist bereits verfüllt, erste Baumaßnahmen haben bereits stattgefunden. Teurer soll die Maßnahme aber nicht werden, heißt es, jedenfalls nicht für den Steuerzahler. Das Projekt wird durch eine zweckgebundene Spende finanziert. Die Höhe der Spende ist deshalb nicht bekannt, weil der Stadtrat in nicht-öffentlicher Sitzung deren Annahme beschlossen hat.

Einbeck für Notre-Dame

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek und Michael Heraeus mit einem Gastgeschenk von 1988 zur Städtefreundschaft zwischen dem Pariser Vorort Thiais und Einbeck.

Zu Pfingsten werden wieder mehr als 100 Einbecker aus verschiedenen Gruppen und Vereinen ihre Freunde in Thiais besuchen. Seit 1962 besteht die Städtepartnerschaft zwischen dem Vorort von Paris und Einbeck. Jeder Einbecker, der Thiais besucht hat, hat auch bereits mindestens einmal Notre-Dame in Paris besucht. Auch aus diesem Grund sind viele Einbecker bestürzt vom schweren Brand in der Kathedrale Notre-Dame am Montag Abend, auch Michael Heraeus aus Drüber. Von ihn stammt die Idee, einen Spendenaufruf für den Wiederaufbau des Gotteshauses zu starten. Mit der Initiative „Einbeck für Notre-Dame“ solle jeder Bürger und jedes Unternehmen in Einbeck die unkomplizierte Möglichkeit bekommen, am Wiederaufbau mitzuwirken. „Seit 55 Jahren sind wir Einbecker mit unserer Partnerstadt Thiais im Großraum Paris eng verbunden und haben zusammen auch die Kathedrale Notre-Dame de Paris als gemeinsamen Ort der deutsch-französischen und europäischen Geschichte besucht“, sagt Michael Heraeus. Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek unterstützt die Initiative gerne. „Die Bilder der brennenden Kirche haben mich sehr berührt“, sagt sie. „Ich würde mich sehr freuen, wenn wir mit der Einbecker Initiative einen kleinen Beitrag zum Wiederaufbau leisten können, auch das ist deutsch-französische Freundschaft.“ Bereits nach den Terroranschlägen 2015 in Paris hatten sich die Einbecker solidarisch gezeigt mit ihren Freunden in der Partnerstadt Thiais.

Die Bürgermeisterin hat Kontakt mit der Deutschen UNESCO-Kommission in Bonn aufgenommen. Dort wurde bereits ein spezielles Spendenkonto für Notre-Dame eingerichtet, um dringend notwendige Arbeiten an der weltberühmten Kathedrale zu unterstützen. Wer die Initiative „Einbeck für Notre-Dame“ unterstützen möchte, kann folgendes Spendenkonto nutzen:
Spendenkonto-Kontoinhaberin: Deutsche UNESCO-Kommission e.V., Stichwort: Einbeck für Notre Dame, IBAN: DE71370501981914191414 (BIC: COLSDE33 Sparkasse Köln-Bonn). Auf Überweisungsträgern wird um vollständige Angabe der Adresse gebeten, heißt es in einer Pressemitteilung von heute.

Warum die geschenkte Skulptur still steht

Skulptur „Von Null bis unendlich“, jetzt mit vier Pfosten. Zurzeit dreht sie sich nicht.

Warum dreht sich die erst Mitte Dezember eingeweihte Skulptur „Von Null bis unendlich“ des Künstlers Timm Ulrichs zurzeit nicht? Das interessiert nicht nur viele Menschen, die an dem Kunstwerk nördlich der Marktkirche fragend vorbei gehen, sondern auch Kommunalpolitiker. Denn der Einbecker Stadtrat hat im September 2017 die Skulptur als Spende in Höhe von 97.000 Euro zur Förderung von Kunst und Kultur einstimmig angenommen und im öffentlichen Raum aufstellen lassen. Bei Zuwendungen im Wert von mehr als 2000 Euro muss der Rat über die Annahme von Spenden entscheiden. In dem bei solchen Zwecken auszufüllenden Formular ist die Spalte „einzugehende Verpflichtung der Stadt (Folgekosten)“ leer geblieben. Welche Kosten entstehen also unter Umständen dem Steuerzahler? Ich habe einmal nachgefragt.

Die notwendige Reparatur wird der Kreis von Förderern tragen, der auch die Skulptur insgesamt bezahlt hat, sagte Günter Dietzek, der Gesamtorganisator des Projektes, auf meine Anfrage. Die Kosten für „Von Null bis unendlich“ in Höhe von knapp 100.000 Euro wurde von der AKB-Stiftung, der Bürgerstiftung Einbeck, der Kultur- und Denkmalstiftung des Landkreises Northeim und mehreren einzelnen Bürgern finanziert. Ein Lkw war vor Wochen gegen die Skulptur gefahren und hatte diese beschädigt. Zwischenzeitlich lief der unterirdische Motor zwar wieder. Bei einer Diagnose haben sich jedoch umfangreichere Schäden herausgestellt als zunächst vermutet. Deshalb habe man sich auch entschlossen, den Skulptur-Motor nicht mehr laufen zu lassen bis der Schaden endgültig beseitigt sei, sagte Dietzek. Einen Zeitpunkt, wann „Von Null bis unendlich“ wieder laufen werde, könne man derzeit nicht nennen. Ohne Zeitdruck solle alles repariert werden, was notwendig sei – die Unwuchten beseitigt, Zahnräder repariert werden. Das erledigt die Werkstatt von Axel Rößling aus Berlin, die auch die Skulptur gefertigt hat, auch der TÜV werde wieder eingebunden. Wenn das alles abgeschlossen sei, werde es eine technische Übergabe der Skulptur an die Stadt Einbeck geben, sagte Fachbereichsleiter Joachim Mertens. Die in Zukunft aus dem städtischen Haushalt zu tragenden Betriebskosten beziffert die Stadt auf rund 250 Euro pro Jahr, dabei handelt es sich um die Stromkosten (für den Motor und die Beleuchtung) und die jährliche Wartung des Motors (Schmierung).

Das eigentlich kontinuierlich sich bewegende, gebogene rote Edelstahlrohr steht nach dem Unfall mit einem Lkw vor einigen Wochen still: Das Fahrzeug war rückwärts gegen die Skulptur in der Fußgängerzone gefahren und hatte diese massiv beschädigt, unter anderem auch die Zahnräder des unterirdischen Motors aus den Lagern verschoben. Zum Schutz vor weiteren Lkw-Konflikten im Lieferverkehr der Fußgängerzone hat die Stadt Einbeck jetzt vier Pfosten rund um die Skulptur aufgestellt. Rund 150 Euro habe das die Stadt gekostet, sagte Tiefbauamtsleiter Thomas Kreykenbohm, die Pfosten seien noch beim Bauhof vorhanden gewesen.

Der dritte und letzte Baum ist inzwischen komplett entfernt; hier steht nur noch der Baumrest. Archivfoto.

Der Unfallfahrer hat sich übrigens damals um den Schaden nicht gekümmert, sondern ist davon gefahren. Zwar haben Zeugen den Vorfall beobachtet und sich auch den Namen der Firma gemerkt, für die der Lkw unterwegs ist, sagte Dietzek. Das Kfz-Kennzeichen haben sich die Zeugen hingegen nicht gemerkt, eine genaue Identifizierung sei deshalb schwierig. Die Stadt Einbeck hat Strafanzeige gestellt. Ermittelt wird wegen Unfallflucht.

Weil bei einer Anleiterübung der Feuerwehr mit der Drehleiter nach Aufstellung der Skulptur klar geworden sei, dass es dort zu eng sei, habe die Stadt aus Gründen des Brandschutzes den verbliebenen dritten Baum auf eigene Kosten entfernt und das Straßenpflaster angeglichen, sagte Kreykenbohm.

Hintergrund:

Zu Füßen der Einbecker Marktkirche St. Jacobi steht seit Dezember 2018 die Skulptur von Timm Ulrichs. „Von Null bis unendlich“ heißt das Kunstwerk des 78-Jährigen, der sich seit 1959 als „Totalkünstler“ bezeichnet und unter anderem 1977 bei der Documenta ausgestellt hat. Timm Ulrichs zählt die Skulptur, die auf eine Installationsidee aus dem Jahr 1986 zurück geht, zu seinen zehn wichtigsten Arbeiten. Als Konzept-Künstler stammt von Ulrichs der Entwurf, die handwerkliche Ausführung haben andere übernommen. 19 Schülerinnen und Schüler der Goetheschule Einbeck und der Paul-Gerhardt-Schule Dassel konnten dank der Zukunftsstiftung Jugend, Umwelt und Kultur die Entstehung im Austausch mit dem Künstler seit dem Jahr 2015 begleiten.

Ein sich bewegendes, gebogenes Edelstahlrohr formt das Unendlichkeitszeichen, die liegende Acht, und verwandelt sich dann in eine Null. Je nach Standort steht der Betrachter entweder dem Nichts oder der Unendlichkeit gegenüber. Ein im Boden eingelassener Motor hält die Skulptur mit 0,7 Umdrehungen pro Minute von 9 bis 21 Uhr langsam, permanent in Bewegung und lässt aus dem Nichts die Unendlichkeit und aus der Unendlichkeit das Nichts immer wieder von Neuem entstehen.

„Diese Skulptur ist die einzige, von der ich annehme, dass sie gewinnt, wenn man weiter weg geht“, appelliert Timm Ulrichs zum Abstand. „Je dichter man dran ist, desto weniger erkennt man das Prinzip.“ Von zwei Beobachtungspunkten vor der Ratsapotheke und am Parkplatz Breil/Pastorenstraße formen sich Null und Acht am Deutlichsten. Bei „Von Null und unendlich“ heben sich laut Ulrichs die scheinbaren Gegensätze auf. „Die Null ist auch der Keim, aus dem etwas sprießen kann, aus dem Nichts wird quasi alles.“ Die grazil-dünne Skulptur sei „eine Denkfigur, die gar nicht so viel optisch hergibt, sondern sich mehr im Kopf abspielt“. Sie solle zu Zweifel, Neugier und Phantasie anstoßen, wünscht sich Ulrichs.

„Passgenaue Kunst für Einbeck“ stecke hinter der Projektidee, deren Umsetzung vier Jahre gebraucht habe, hatte Dietzek bei der Einweihung im Dezember 2018 gesagt, 2014 war mit „Mobilität“ von Hans-Oiseau Kalkmann vor dem PS-Speicher das erste Kunstwerk dazu entstanden. Immer gehe es auch darum, Jugendliche an der Realisierung der Kunst zu beteiligen. Die neue Skulptur „Von Null bis unendlich“ von Timm Ulrichs symbolisiere den Markenkern der Stadt, deshalb passe das „mutige, moderne Kunstwerk“ gut zu Einbeck. Dietzek: „Einbeck hat eine unverwechselbare Tradition und eine lebendige Zukunft“. Die Skulptur stehe auf der Nordseite der Marktkirche, weil diese 1327 erstmals sicher erwähnt und quasi ein Fundament der Stadt sei. Günter Dietzek dankte den politischen Entscheidungsträgern für den Mut, die Schenkung anzunehmen. Passt die Skulptur zu Einbeck? Das sei er gefragt worden, sagte Timm Ulrichs. „Passt denn Einbeck zu meiner Skulptur?“ habe er da geantwortet, passe beispielsweise der schiefe Turm zu Pisa? „Der Platz gewinnt durch die Skulptur und die Skulptur gewinnt durch den Platz, so gratulieren sich beide.“

Timm Ulrichs, 1940 in Berlin geboren, studierte Architektur an der Technischen Hochschule Hannover.  Als „Totalkünstler“ hat Ulrichs die „Werbezentrale für Totalkunst, Banalismus und Extemporismus“ gegründet. 1961 erklärte er sich zum „Ersten lebenden Kunstwerk“. Ulrichs war von 1969 bis 2005 Professor für Bildhauerei und Totalkunst in Braunschweig und Münster. 1977 war er Teilnehmer der Documenta 6 in Kassel. Große Einzelschauen fanden 1984 in Ludwigshafen, 1991 in Madrid und Recklinghausen, 1994 in Budapest, 2001 in Antwerpen (Plastik und Skulpturen) sowie 2002 in Hannover (Druckgrafik) statt.  2010 widmeten das Sprengel Museum und der Kunstverein Hannover dem Pionier der Konzeptkunst eine große Retrospektive unter dem Titel „Betreten der Ausstellung verboten!“.

Bei der Eröffnung am 19. Dezember 2018: Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek mit dem Künstler Timm Ulrichs und Koordinator Günter Dietzek an der Skulptur. Der Baum an der Ecke stand damals noch.