Ein Leuchtturm für Salzderhelden?

Die Nacht zum 4. Juli 2020 gehört zu den dunkelsten Stunden in der Geschichte des Fleckens Salzderhelden, viele werden das lichterlohe Feuer nie vergessen: Der hölzerne Bohrturm der historischen Saline wurde ein Raub der Flammen, ein Wahrzeichen des Ortes brannte bis auf die Grundmauern nieder. Erhält Salzderhelden jetzt ein modernes Wahrzeichen durch einen Neubau, der an einen Leuchtturm erinnert? Im Ausschuss für Bauen und Stadtentwicklung wird am 3. Februar der Siegerentwurf eines Architektenwettbewerbs näher vorgestellt; das Gremium soll eine Grundsatzentscheidung treffen, ob und wie weiter geplant werden soll.

Ziel des Architektur-Wettbewerbs, an dem sich vier Büros beteiligt hatten, war „frische Ideen für eine Neuinterpretation des Ensembles zu erhalten“, umschreibt es die Stadtverwaltung. Vorgegeben war die Maßgabe, dem Ort „Saline Salzderhelden“ durch einen modernen und zeitgemäßen Neubau mit entsprechender Materialität und Form einen eigenen, unverwechselbaren Ausdruck zu verleihen. Die Jury hat Mitte Dezember den Entwurf des Büros Cortnum (Einbeck-Salzderhelden) als Sieger gekürt. Die Jury bestand aus Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, Ortsbürgermeister Dirk Heitmüller, Fachausschuss-Vorsitzenden Andreas Fillips, Heinz-Hermann Wolper (Ortsrat), Karl-Heinz Wessel vom Kulturförderkreis, Denkmalpflegerin Krimhild Fricke, Birgit Tatje (Stadt Einbeck) und Baudirektor Joachim Mertens.

Der neue leuchtende Turm, der wieder direkt über dem Bohrloch stehen sollen, soll laut Entwurf des Ingenieurbüros Cortnum Form und Funktion neu interpretieren. Der einstige vierseitige Holzturm soll durch ein Stahlgerüst ersetzt werden, welches auf drei Säulen getragen werde. Mit Hilfe von Stahlseilen soll zwischen die Stahlkonstruktion eine transluzente, witterungsbeständige Membrane gespannt werden, die von Innen illuminiert werden kann, erläutert das Büro Cortnum den Entwurf. Die Stahlkontruktion ähnelt der Form eines rohen Salzkristalls. Neben seiner Schutz- und Beleuchtungsfunktion für den Innenraum der zwei Gebäudeteile zu Füßen des Turms soll der illuminierte Turm nachts mit seiner Strahlkraft als Lichtkunstobjekt fungieren. Über einen Funkknopf könnte ermöglicht werden, bei einer entsprechenden Spende den Turm für kurze Zeit zum Leuchten zu bringen. Die Steuerung könnte auch per App, E-Mail oder Telefon funktionieren, heißt es. Die Leuchtdauer und -farbe könnte sich dabei nach der Höhe der Spende richten. „So kann jeder für jeden sichtbar an einem Stück Geschichte von Salzderhelden teilhaben.“

Die Gebäudeversicherung des alten Bohrturms hat eine Gesamtentschädigungssumme in Höhe von 291.390 Euro berechnet und bis auf den Mehrwertsteueranteil an die Stadt Einbeck bereits ausgezahlt (256.000 Euro). Der Mehrwertsteueranteil wird von der VGH erst dann gezahlt, wenn die Stadt bis Ende 2023 entsprechende Projektrechnungen vorlegen kann. Das Büro Cortnum berechnet Baukosten für das Projekt in Höhe von rund 290.000 Euro brutto, womit zur Realisierung der Planung nach heutigem Stand noch etwa 58.000 Euro aus dem städtischen Haushalt zu finanzieren wären. Bei allem geben Planer und Verwaltung jedoch zu bedenken, dass es sich um eine grobe Kostenschätzung handelt und die Baukosten angesichts der aktuell schwierigen Marktlage im Bausektor noch einmal intensiv geprüft werden müssen. Die Verwaltung schlägt vor, die Planungen weiter voran zu treiben und das Projekt in den Investitionshaushalt für 2023 aufzunehmen. Fördermöglichkeiten sollen noch geprüft werden.

(c) Ingenieurbüro Cortnum
Entwurf des neuen Salinenturms. Abbildung: (c) Ingenieurbüro Cortnum

Agenda 2022

In diesem Jahr ist alles anders. Habe ich vor einem Jahr schon geschrieben. Ich könnte mich wiederholen, denn noch immer hat uns die Pandemie voll im Griff. Und längst schlägt Corona mit seinen wirtschaftlichen Auswirkungen voll durch auf Planungen, Investitionen, Projekte und (kommunale) Finanzen. Prognosen werden schwieriger. Trotzdem biete ich auch in diesen speziellen Zeiten die kommunalpolitische Agenda 2022 aus meiner Sicht. Sie soll wieder Lese- und Diskussionsstoff für die Tagesordnung des nächsten Jahres sein. Vielleicht sind rechtzeitig zum Jahreswechsel ein paar Anregungen und Denkanstöße dabei.

Das Großprojekt Neustädter Kirchplatz steht 2022 hoffentlich zum letzten Mal auf der Agenda. Soll heißen, dass die Bauarbeiten dort im kommenden Jahr abgeschlossen werden können. Der Plan ist das, aber welche Baustelle lässt sich heutzutage noch planen? Alles dauert länger, alles wird teurer – das ist längst die Maxime. Umso wichtiger ist, dass die in mehreren Abschnitten 2019 gestartete Baustelle Ende 2022 abgeschlossen wird. Und zwar so weit wie möglich so, wie es die Detailplanungen nach dem Architektenwettbewerb 2016 vorgesehen haben. Also inklusive Pavillon und Brunnen. Beim Brunnen hat schon ein großzügiger Spender der Stadt aus klammen Kalamitäten geholfen. Beim Pavillon, der unter anderem das wenig chice Trafohäuschen einhausen wird, dauerte bei der Politik die Erkenntnis angesichts steigender Baupreise etwas länger. Der Pavillon hat seine wichtige Funktion für und auf dem Innenstadt-Platz. Alles weitere Zögern macht alles nur noch teurer. Was nicht heißen soll, dass es während einer mehrjährigen Bauphase nicht zwischendrin neue Erkenntnisse geben kann, die zu Veränderungen der Baupläne führen. Es ist aber ermüdend, manche Diskussion immer und immer wieder zu führen, nur weil bei einigen die Erinnerung an einstige einstimmige Beschlüsse verblasst. Noch schlimmer ist nur, wenn Architekten zu einem Wettbewerb eingeladen werden, sie ihre Ideen aus fachlicher Sicht einreichen dürfen – und dann anschließend jeder meint, auch ohne Architekturstudium der bessere Stadtplaner zu sein.

Ebenso schwach wie beim Neustädter Kirchplatz scheint bei manchem die Erinnerung zu sein, welche Diskussionen und Planungen bei der Sanierung des Rathauskellers längst ausgiebig geführt worden sind. Kleiner Tipp: Ein Blick in alte Protokolle kann helfen. Diese sind alle öffentlich zugänglich übrigens. Kann man also finden, wenn man suchen möchte. Ist aber natürlich viel einfacher, auf das löchrige Gedächtnis der Öffentlichkeit zu setzen und lieber immer neue Ideen aus dem Keller zu holen. Nun wird offenbar ein Fahrstuhl zum Problem. Nur mal zur Erinnerung (und fast die gleiche Debatte könnte man auch für den Pavillon am Neustädter Kirchplatz führen): Der Fahrstuhl ist kein Luxus; er soll dort nicht eingebaut werden, weil irgend jemand Geld zuviel hat. Sondern weil jeder Bürger und jede Bürgerin das Rathaus im Herzen der Stadt gut und barrierefrei erreichen können soll. Für öffentliche Veranstaltungen in der Rathaushalle zum Beispiel. Vorträge oder Sitzungen können dann dort von jedem, auch im Rollstuhl oder mit Rollator selbstständig erreicht werden. Und der Fahrstuhl soll gleichzeitig auch öffentliche Toiletten für jeden zugänglich machen. Damit wird dann auch die Forderung nach erreichbaren WCs zu Recht erfüllt. Nur: Wer A sagt, muss auch B sagen. In historischen Gebäuden wie dem Alten Rathaus ist eine barrierefreie Erschließung nun mal schwieriger als in einer eingeschossigen Multifunktionshalle am Rande der Stadt mit Parkplatz vor der Tür. Das kann doch dann aber nicht dazu führen, alles in der multifunktionalen, ausschließlich zweckmäßigen Halle durchzuführen und die historische Verantwortung für das gebaute Erbe dieser Stadt aus fadenscheinigen Gründen außer acht zu lassen. Achso, wer mit offenen Augen durch die Stadt geht und vor dem Alten Rathaus steht, sieht auf den ersten Blick selbst als Laie, dass es mit der vorgesehenen Sanierung innen inklusive Lift nicht getan ist. Die Fassade ist längst eines Rathauses in einer sich Tourismus wünschenden Stadt unwürdig.

Intelligent, pfiffig, clever, elegant und schick – so erklärt mir mein Wörterbuch das Adjektiv „smart“. Einbeck profitiert vom Förderprogramm „Smart City“, in den nächsten Jahren fließt viel Geld in die Stadt, damit diese digitaler wird – eben intelligenter. Im neuen Jahr startet auch der Smart-City-Koordinator bei der Stadtverwaltung seinen Job, dessen vornehmste erste Aufgabe es sein wird, eine Digitalisierungsstrategie gemeinsam mit den Menschen in Einbeck zu erstellen, wie das Stadtleben in Zukunft aussehen soll. Mehr wird im ersten Jahr kaum zu schaffen sein. Bleibt zu hoffen und zu wünschen, dass viele Menschen aus Einbeck mitmachen wollen und sich nicht vom Wortgeklingel abschrecken lassen, das diesem Projekt leider viel zu häufig zu eigen ist. Kostprobe gefällig: „Kernstück soll die Eröffnung eines Digital Hubs in der Einbecker Innenstadt sein.“ Also, ich wüsste, wie meine Großmutter „Digital Hub“ ausgesprochen hätte, und verstanden hätte sie nicht, was damit überhaupt gemeint sein soll. Deshalb meine Bitte an Smart City: Wir glauben alle, dass die Verantwortlichen mit vielen modernen, englischen Begriffen um sich werfen können. Kann ich auch, wenn ich will. Will ich aber nicht, weil mich die meisten Menschen verstehen sollen.

Apropos verstehen: Ich bleibe auch 2022 in froher Erwartung und guter Hoffnung, dass Online-Videokonferenzen irgendwann einmal normaler werden und jedes Ratsmitglied wenigstens eine technische Grundausstattung für diese Art der Kommunikation besitzt und benutzen kann. Dass nicht jedes Mal ein Gezeter angestimmt wird, wenn – aus welchen Gründen auch immer – eine Sitzung im digitalen Raum stattfinden muss. Das persönliche Treffen muss die Regel bleiben, keine Frage. Aber digitale Sitzungen müssen irgendwann einmal zu einer selbstverständlichen Möglichkeit, zu einer möglichen Option werden. Spart manchmal viel Zeit und umweltschädliche, lange Wege. Das ist ziemlich smart übrigens.

In der Einbecker Kommunalpolitik dürfte 2022 die spannende Frage sein, wie lange das SPD/CDU-Ratsbündnis hält, das erst seit wenigen Wochen im Stadtrat mit großer Mehrheit gemeinsame Sache macht. Nach einem ersten, gemeinsam durchgezogenen Haushaltsplan lautet mein Tipp: Könnte ziemlich lange halten. Brüchig könnte die Große Koalition nur werden, wenn einer der Partner bei einem Projekt eine absolut abweichende Meinung hat. Solche Projekte zeichnen sich angesichts leerer Kassen aber nicht ab. Deshalb muss es nicht gleich langweilig werden in der Ratspolitik. Längst haben sich einige gefunden, die die Rolle der Opposition allzu gerne übernehmen.

Natürlich sind Personen in der Politik wichtig. Auch sie könnten übrigens Gründe für eine GroKo-Scheidung werden. Erkennbar ist das freilich nicht. Im kommenden Jahr steht eine einzige Wahl auf der Agenda – die Landtagswahl am 9. Oktober 2022: Ziemlich zügig werden sich die Parteien damit beschäftigen, wer kandidiert (wieder)? Da müssen sich einige mehr Gedanken machen als andere. Bei der CDU stellt sich die bislang unbeantwortet gebliebene Frage, wer im Wahlkreis Einbeck antreten will. Hier können die Christdemokraten nicht wieder (wie bei der Landratswahl in diesem Jahr) den FDP-Mann Christian Grascha nehmen. Sie werden einen eigenen Kandidaten präsentieren müssen. Die Wahl eines neuen CDU-Kreisvorsitzenden, die schon seit Monaten pandemiebedingt vor sich her geschoben wird, könnte erste Anhaltspunkte für die Landtagskandidatur geben.

Und auch in diesen so unvorhersehbaren Zeiten freue ich mich wieder auf Unvorhergesehenes, auf das, was heute noch niemand auf dem Zettel hat. Es werden erwartungsgemäß kommunalpolitische Themen auf die Tagesordnung schaffen, die noch keiner ahnt. Auch 2022 lesen Sie davon im Einbecker Politikblog.

VA entscheidet: Pavillon auf dem Neustädter Kirchplatz wird gebaut

Der Pavillon auf dem Neustädter Kirchplatz wird gebaut. Das hat der Verwaltungsausschuss des Einbecker Stadtrates in einer Sondersitzung gestern beschlossen. Wie Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek im Anschluss auf Anfrage mitteilte, habe der VA den Auftrag für die Rohbauarbeiten vergeben. Zuvor habe das Gremium noch einmal alle Fakten und Argumente erörtert und abgewogen. Zuletzt hatte der Pavillon, der die Trafostation einhausen soll, vor allem aus Kostengründen auf der Kippe gestanden.

Mit der Entscheidung, den Auftrag für die Rohbauarbeiten im Volumen von rund 400.000 Euro zu vergeben, hat der Verwaltungsausschuss die Entscheidung getroffen, dass es einen Pavillon auf dem Neustädter Kirchplatz geben soll. Dieser soll unter anderem ein öffentliches barrierefreies WC und Fahrradboxen enthalten.

Die Politik hatte über einen der sichtbarsten Bestandteile des neu gestalteten zentralen Innenstadt-Platzes zuletzt noch einmal nachgedacht, weil bei der Ausschreibung des Pavillons die günstigsten Bieter schon 170.000 Euro über den eingeplanten Kostenschätzungen lagen. Insgesamt sind 800.000 Euro für den Pavillon kalkuliert. Nach der Vergabe des Rohbaus soll nun noch einmal geschaut werden, wie und unter Umständen wo noch gespart werden könnte bei der Ausführung.  

Die Rohbauarbeiten sollen im neuen Jahr beginnen, sobald die Witterung dies zuläst. Das gilt ebenso für die Pflasterarbeiten für die Platzfläche und den Brunnenbau auf dem Neustädter Kirchplatz. Ende 2022 sollen die Bauarbeiten auf und rund um den Innenstadt-Platz abgeschlossen sein.

Der Pavillon soll den neu gestalteten Neustädter Kirchplatz an der Hullerser Straße baulich abschließen. (c) Planungsbüro Planorama Berlin

Neustädter Kirchplatz: Bauarbeiten verzögern sich und werden deutlich teurer

Die seit Tagen herrschende Ruhe auf dem eigentlich als Baustelle ausgewiesenen Neustädter Kirchplatz hat Ratsmitglieder zu mehreren Fragen in der jüngsten Sitzung des Stadtrates gebracht. Da die Sitzung ohnehin mit kurzer Pause gut vier Stunden dauerte, wurden die schriftlichen Anfragen von Ratsmitgliedern schriftlich beantwortet und nicht mündlich vorgetragen. Im Kern ergibt sich aus den Antworten der Verwaltung jedoch eindeutig: Weil das Granitsteinpflaster aus China nicht an Land kommt und die Preise förmlich explodieren, verzögern sich die Bauarbeiten und werden unter dem Strich deutlich teurer.

Baustelle Neustädter Kirchplatz mit Informationstafel und Stromhäuschen, das in den neuen Pavillon integriert werden soll.

Gefragt hatten Rolf Hojnatzki (SPD) und Albert Eggers (CDU) nahezu identisch. Weil das Granitmaterial für den noch anstehenden Ausbau der Papenstraße aus China geliefert wird, ist die Baustelle am Neustädter Kirchplatz stark von dem zurzeit in der Corona-Pandemie knappen Frachtraum für Waren aus Asien sowie von der jüngsten Blockierung des Suezkanals betroffen, schreibt die Verwaltung. Derzeit habe auf der Baustelle eine Pause eingelegt werden müssen, weil das Pflaster für die Papenstraße fehle. Das Natursteinmaterial werde voraussichtlich so geliefert, dass der Ausbau der Papenstraße Anfang August begonnen werden könne.

Durch die Steigerung der Kosten bei den Seeraten für den Transport des Granitpflasters um das Neunfache hat das Rathaus nach eigenen Angaben die Ausschreibung für die Arbeiten auf dem Platz im Moment nicht forciert. Allein durch die gestiegenen Frachtkosten sei mit Mehrkosten in Höhe von rund 150.000 Euro zu rechnen. Das beauftragte Büro Planorama erarbeitet derzeit eine aktuelle Kostenschätzung. „Die Kosten für den Platzbereich werden sich auf jeden Fall durch die dramatische Steigerung der Transportkosten für das Granitpflaster und die Steigerung der Baupreise im letzten Jahr erheblich erhöhen“, schreibt das Rathaus in der Antwort auf die Anfragen der Ratsherren.

Die Baugenehmigung für den Pavillon liegt vor und die Ausschreibung der Rohbauarbeiten läuft zurzeit. Mit den Bauarbeiten soll Anfang September begonnen werden. Der Straßenbau in der Hullerser Straße und der Benser Straße ist bis auf den westlichen Gehweg abgeschlossen. Der Abschluss der Gesamtmaßnahme, zu der auch noch ein gespendeter Brunnen auf dem Platz gehört, ist im nächsten Jahr geplant.

Die derzeit beauftragte Bausumme beläuft sich laut Stadtverwaltung auf rund 1,23 Millionen Euro. Zurzeit gebe es einen Nachtrag in Höhe von 36.714,63 Euro. „Die Kosten bewegen sich im Moment im Rahmen des zur Verfügung stehenden Budgets“, heißt es aus dem Rathaus. „Für die Ausführung des Platzbereiches muss allerdings mit erheblichen Kostensteigerungen gerechnet werden.“

Neue Fahrbahnmarkierungen auf der Benser Straße in Richtung Löwenkreuzung.

Wie das Hotel aussehen soll und wieso ein Supermarkt dazu gehört

Wo das Low-Budget-Hotel in Einbeck entstehen soll, ist seit einigen Tagen nach der Vorstellung der Pläne im Verwaltungsausschuss bereits offiziell in der Öffentlichkeit bekannt. Wie das Gebäude aussehen soll und warum ein Supermarkt dazu gehört, wird Thema in der nächsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am 8. Juni. Dort geht es formal um den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Nummer 84. In den Beratungsunterlagen für die hybrid stattfindende Sitzung finden sich auch erste weitere Details des Projekts der Siebrecht-Unternehmensgruppe an der Dreieck-Einmündung der Hullerser Landstraße in die Hannoverschen Straße.

So soll das Hotel mit dem Supermarkt im Erdgeschoss an der Ecke Hannoversche Straße/Hullerser Landstraße in Einbeck aussehen. Visualisierung (c) Guder Hoffend Architekten für Siebrecht Unternehmensgruppe.

Auf einem rund 6150 Quadratmeter großen Grundstück im Dreieck zwischen Hannoversche Straße und Hullerser Landstraße in Einbeck plant Siebrecht ein Low-Budget-Hotel mit circa 55 Zimmern. Das Gebäude sieht dabei einen Supermarkt mit rund 1600 Quadratmeter Verkaufsfläche im Erdgeschoss vor, inklusive Bäckerei-Filiale mit Sitzplätzen. Die ist auch wichtig für das Hotel-Konzept, das selbst keine Gastronomie anbieten wird, sondern auf die bestehenden Angebote in Einbeck verweist sowie fürs Frühstück auf den ortsansässigen Bäckerbetrieb im Erdgeschoss.

Der zweigeschossige Hotel-Gebäuderiegel liegt auf dem östlichen Teil des Supermarkts, der laut den Unterlagen ein Rewe-Markt sein wird, der dritte Standort in Einbeck neben Hubeweg und Marktstraße. Das Sortiment als neuer Nahversorger im Hotel-Neubau wird dem Bedarf der Hotelgäste angepasst, inklusive Convenience-Sortiment, Salattheke und Bedientheken für Fleisch, Wurst und Käse mit Schwerpunkt Regionalität.

Die Dachhöhe des Hotels wird mit 12,60 Meter angegeben, der Supermarkt soll sieben Meter hoch sein, die Dachfläche soll begrünt sein und eventuell eine Photovoltaikanlage bekommen. Die vorhandenen Bäume auf dem Areal, von dem die Dreieck-Spitze der Stadt Einbeck selbst gehört, sollen soweit wie möglich erhalten bleiben. Für den Supermarkt sind 85 Stellplätze geplant, für das Hotel 16. Insgesamt werde ein deutlicher Anteil der Grundstückfläche – heute eine Brache – entsiegelt, heißt es in den Plänen. Nächtliche Supermarkt-Aktivitäten soll es mit Rücksicht auf die Hotelgäste nicht geben. Das Zwei-Sterne-Hotel soll rein digital buchbar sein und ebenso funktionieren – papierlos, ressourcenschonend und verzichtend auf energetisch-ineffiziente Geräte wie Minibar oder Klimaanlage.

Die Stadt Einbeck wünscht sich an dem exponierten Standort an der westlichen Einfahrt zur Innenstadt eine städtebaulich angemessene Baugestaltung. Vor allem muss die Politik darüber entscheiden, ob der Supermarkt in die Einzelhandelsstrategie der Stadt passt. Schließlich sind es zum Poser-Park mit seinem Kaufland nur wenige Meter. Mit der Ansiedlung von etwa 1600 Quadratmetern weiterer Verkaufsfläche sprechen die Pläne bislang gegen den rechtkräftigen Bebauungsplanes Nummer 80 „Hannoversche Straße“ aus dem Jahr 2017, in dem die Errichtung von Einzelhandelsbetrieben mit zentren- und nahversorgungsrelevanten Kernsortimenten gemäß „Einbecker Sortimentsliste“ am geplanten Standort ausgeschlossen ist. Laut Beratungsunterlagen für den Stadtentwicklungsausschuss wurden das Hotel/Supermarkt-Vorhaben und der Standort aus Einzelhandelssicht bereits gutachterlich untersucht. Mit dem Ergebnis, dass aus dem Nahbereich des geplanten Marktes (zehn Minuten Gehzeit) rund 60 Prozent des Umsatzes generiert werden, womit die Anforderungen an einen Betrieb der wohnortbezogenen Nahversorgung erfüllt sind. Notwendig ist aber noch eine umfassende fachgutachterliche Einzelhandelsuntersuchung, die die Verträglichkeit des Vorhabens nach einschlägigen Vorgaben darlegt, schreiben die Planer im Rathaus in den Beratungsunterlagen für die Politik. Weitere Einzelheiten sollen in der Sitzung am 8. Juni präsentiert werden. „Mit der nun geplanten Ansiedlung kann es gelingen, einen wünschenswerten fußläufig erreichbaren Nahversorgungsmarkt für den Bereich westlich der Innenstadt anzusiedeln“, heißt es in den Unterlagen aus der Stadtverwaltung. Dies trage wesentlich zur Verkehrsvermeidung bei und verbessere die Versorgungsmöglichkeiten auch für weniger mobile oder ältere Einwohner.

Auf diesem Grundstück soll das Budget-Hotel entstehen, dafür muss zunächst Planungsrecht geschaffen werden. Archivfoto

Baudenkmal-Liste zeigt gewaltigen Sanierungsstau

Sie ist eine Liste, die Sorgen machen muss. Und jeder weiß, dass diese bereits vor einigen Wochen erstellte Auflistung längst nicht alle baufälligen Gebäude in Einbeck enthält, sondern nur einen Teil. Einen vermutlich kleinen Teil. Sozusagen die Top 19 besonders sanierungsbedürftiger Baudenkmale – vom Fachwerkhaus über den Pulverturm bis zum Rathaus. Die Bauverwaltung hat diese Liste als Auftrag aus einem SPD-Antrag in einer Prioritäten-Reihenfolge zusammengestellt. Baudirektor Joachim Mertens bemerkte dazu, dass diese Prioritäten natürlich nicht in Stein gemeißelt seien, nur eine Richtung angeben sollen und veränderbar seien.

Baudenkmal-Sorgenkinder: Häuser Münsterstraße 10 an der Ecke zur Wolperstraße und im Hintergrund der „Schusterkrug“.

Auf Platz 1 der Liste steht ein Objekt, in dem sich bereits etwas tut, um das Baudenkmal zu erhalten: Das Haus Knochenhauerstraße 2, im städtischen Eigentum, soll in unmittelbarer Nähe zum Eicke’schen Haus nicht nur ein Fahrrad-Parkhaus für Touristen und Einbecker werden, sondern auch im Rahmen der Smart-City-Bewerbung zu Ehren kommen. In Verbindung mit der benachbarten Hausnummer 4 (Privatbesitz) in der Knochenhauerstraße könnten hier Wohnungen mitten in der City entstehen.

Mit Platz 2 der Liste beginnen dann aber die Sorgenkinder, bei denen sich noch keine Lösungen abzeichnen, und von denen hier nur exemplarisch einige erwähnt seien. Die komplette Liste steht unten zum Download bereit. Das Gebäude Altendorfer Straße 13, das ehemalige Hotel Zur Traube, „hat heute einen enormen Sanierungsstau“, schreibt die Stadt Einbeck. Vor allem habe die „Sanierung“ in den 1990-er Jahre eher weitere Schäden beschert als geholfen.

Auch Platz 3, wie die „Traube“ in Privatbesitz, macht immer größere Sorgen: Die gesamte Anlage von Münsterstraße 10 an der Ecke zur Wolperstraße wird als „stark gefährdet“ eingeschätzt. Dieses Beispiel verdeutlicht eine weitere Problematik: Mehrfach habe sich die Hofstelle mit mehreren Gebäuden, eine der letzten dieser Art in der Innenstadt, in städtischem Besitz befunden, sei dann aber in der Hoffnung auf Sanierung mehrfach privatisiert worden, schreibt die Stadt. Erfolglos. Seit fünf Jahrzehnten habe sich die Sanierungsbedürftigkeit nun massiv aufgestaut. Statische Probleme seien offensichtlich, schreibt die Bauverwaltung in der Liste und vergleicht das Gebäude mit der dramatischen Situation des Eicke’schen Hauses Ende der 1990-er Jahre. „Die notwendigen Maßnahmen sind so umfangreich, dass ein privater Eigentümer nicht in der Lage ist, eine durchgreifende Sanierung durchzuführen“, heißt es in der Liste. Fördergelder, städtisches und privates Engagement seien dringend erforderlich.

Die Tiedexer Straße ist mehrfach mit Häusern in der Liste vertreten. Und die Bemerkungen des Bauamtes lesen sich eindringlich. „Brandschutztechnisch bestehen große Defizite“ heißt es beispielsweise bei Hausnummer 27. Die beiden Gebäude Nummer 42 und 44 sind laut Bauverwaltung gute Beispiele für den Zustand vieler Fachwerkhäuser in Einbeck: Zur Vorderseite erscheinen die Häuser im guten Zustand, auf der Rückseite sieht das ganz anders aus.

Dringend notwendig sieht das Bauamt auch die Sanierung der Benser Straße 3, nicht zuletzt mit dem bald fertiggestelltem Umbau des Neustädter Kirchplatzes. Allerdings, und das macht ein weiteres Problem für Gebäude im Privatbesitz deutlich: „Die Eigentümerin entzieht sich jeder Kontaktaufnahme, scheint nicht erreichbar und ohne jegliches Interesse an ihrer Immobilie.“

Und selbst bei namhaften Besitzern kommt die Stadt offenbar mancherorts nicht weiter, wie beispielsweise bei Knochenhauerstraße 23. „Bisher konnte die Sparkasse nicht von einer Sanierung des Gebäudes überzeugt werden.“ Die Eigentümerin möchte das leer stehende Haus lieber abbrechen und Stellplätze schaffen, schreibt das Bauamt.

Baudenkmale Hullerser Straße 9 und 11 in Einbeck.

Die Häuserzeile Hullerser Straße 5-17 bereitet der Stadt auch große Sorgenfalten: „Die Sanierung des historischen Braudielenhauses Hullerser Straße 9 könnte, direkt an die Brauerei angrenzend, als Beispiel für Bier brauen im 16. Jahrhundert dienen. (…) Als Anlaufpunkt für Touristen könnte es ein Magnet werden, die Brauerei verfolgt aber andere Interessen.“

Richtig ist, dass die Liste besonders sanierungsbedürftiger Baudenkmale ohne den ursprünglichen SPD-Antrag, der keine Mehrheit gefunden hatte, nun keine unmittelbare Wirkung entfaltet, sondern eher in der Schublade zu verschwinden droht. Doch das muss und darf nicht so sein. Es wäre schließlich kein Problem, einen entsprechenden Folgeantrag zu stellen, der mit seinen Forderungen vielleicht auch etwas klarer formuliert sein und nicht zu viel auf einmal wollen sollte. Die Gewölbekeller sind durchaus ein eigenes Kapitel…

Ehemaliges Hotel Zur Traube in der Altendorfer Straße.

Deinerlindenweg: Einfamilienhäuser und Mehrfamilienhäuser geplant

Im geplanten neuen Baugebiet am Deinerlindenweg in Einbeck soll es Einfamilienhäuser und Mehrfamilienhäuser geben. Das hat der Stadtentwicklungsausschuss einstimmig mit einem Städtebaulichen Konzept für das Areal der früheren Stadtgärtnerei auf den weiteren Planungsweg gebracht. Details werden in der nun folgenden weiteren Planung noch präzisiert. Im Ausschuss war man sich aber bereits einig, dass es für die Einfamilienhäuser eine größere Gestaltungsvielfalt geben soll, beschlossen wurde die vom Planungsbüro vorgelegte Variante, die maximal zwei Vollgeschosse vorsieht.

So könnte das Baugebiet Deinerlindenweg einmal aussehen. (c) Stadt Einbeck / Planungsgruppe Puche

Am Deinerlindenweg soll ein Baugebiet mit bis zu zwölf Grundstücken für Einfamilienhäuser entstehen. Hinzu kommen vier Mehrfamilienhäuser, für die drei Geschosse sowie ein Staffelgeschoss bei einer Flachdach-Bauweise vorgesehen sind. Für diese Mehrfamilienhäuser hat nach Aussagen des Planungsbüros die Einbecker Wohnungsbaugesellschaft (EWG) ihr Interesse bekundet. Die vier Gebäude sollen entlang des Mühlenkanals am östlichen Rand des neuen Baugebiets stehen, der über einen Sackgassen-Straße mit Wendehammer verkehrlich erschlossen werden soll. Zum Mühlenkanal soll es einen zehn Meter breiten Gehölz-Grünstreifen geben.

Die Grundstücke für die Einfamilienhäuser werden wie im erweiterten Baugebiet am Weinberg von der Niedersächsischen Land-Gesellschaft (NLG) vermarktet, ab Sommer 2022 könnte mit der Erschließung Baubeginn am Deinerlindenweg sein, hörten die Ausschussmitglieder. Archäologische Grabungen haben auf der Fläche bereits im vergangenen Jahr stattgefunden.

Die etwa zwölf Grundstücke für die Einfamilienhäuser sind jeweils zwischen 600 und 800 Quadratmeter groß. Der Stadtentwicklungsausschuss entschied sich gegen die Variante, die den Bauherrn im nördlichen Bereich des Gebiets maximal eine Bungalow-Bebauung erlaubt hätte und nur im Westen eine mit zwei Vollgeschossen.

Parkplätze für die benachbarten Seniorenheime soll es im Gebiet des Bebauungsplanes nicht geben. Diesen Bedarf könne man nicht im Baugebiet lösen, sagte Wolfgang Pehle von der Planungsgruppe Puche. Dafür sei das Gebiet auch zu klein.

Gestaltungsplan des Baugebiets am Deinerlindenweg, oben das Alloheim, links die Deinerlinde.(c) Stadt Einbeck / Planungsgruppe Puche
Hier sollen Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser am Deinerlindenweg (links) gebaut werden können, im Hintergrund das Alloheim.

Wo soll in Opperhausen bauen möglich werden?

Wenn bei einer virtuellen Ortsratssitzung zeitweise mehr als 80 Teilnehmer online dabei sind, zeigt das zweierlei: Es muss ein Thema geben, das viele Menschen im Ort interessiert. In Opperhausen war das jetzt die Ausweisung von neuen Bauplätzen. Und vermutlich hätten sich diese 80 Besucher nicht auf den Weg in einen Sitzungssaal gemacht, um persönlich an dem Treffen teilzunehmen. Der bequeme Zugang vom heimischen Küchentisch oder Sofa aus via Datenleitung hat mehrere Bewohner dazu veranlasst, einige haben das am Ende auch eingeräumt und die technische Möglichkeit gelobt. Was durchaus zu weiteren Überlegungen führen müsste, ob nicht auch nach Corona-Einschränkungen ein leichterer Zugang zu kommunalpolitischen Gremien, zum Beispiel über Live-Streams, machbar sein sollte.

Westlich des Sportplatzes am Ortsrand liegt das geplante neue Baugebiet „Im Sieke“. Abbildung: Stadt Einbeck

Das Thema, das in Opperhausen die Bewohner des östlichsten Einbecker Ortsteils förmlich elektrisierte, war ein mögliches neues Baugebiet. Vor allem dessen Lage im Ort interessierte die meisten Menschen: Wird es vor meinem eigenen Grundstück sein? Inklusive Veränderung der Nachbarschaft und des Ausblicks aus dem eigenen Garten? Müssen Straßen verbreitert werden? Werde ich zu Kosten herangezogen, Stichwort Straßenausbaubeiträge? Der Ortsrat votierte nach dreistündiger Sitzung am Ende einstimmig für die vorgeschlagene Variante „Im Sieke“ westlich des Sportplatzes. Dieses geplante Baugebiet mit acht zwischen rund 600 und 900 Quadratmeter großen Baugrundstücken habe eine vertretbare Dimension und einen geringen Erschließungsaufwand. Für diese Lage am nordwestlichen Ortsrand habe es auch schon konkrete Nachfragen gegeben. Aktuell seien ihr unabhängig von der Lage des Baugebiets zwischen acht und zehn Interessenten für Bauplätze bekannt, sagte Ortsbürgermeisterin Beatrix Tappe-Rostalski, darunter auch so genannte Rückkehrer als Familiengründer. Wobei man immer abwarten müsse, wie belastbar das Interesse in einigen Monaten weiterhin sei.

Ortsbürgermeisterin Beatrix Tappe-Rostalski trat dem Eindruck vehement entgegen, dass Informationen zum neuen Baugebiet unter der Decke gehalten werden sollten. Bereits seit 2018 gebe es einen transparenten, öffentlichen und für alle nachlesbaren Prozess im gesamten Einbecker Stadtgebiet, bei dem zunächst vorhandene Baulücken und Leerstände recherchiert wurden. Und konkrete Infos, belastbare Aussagen und Fakten zu konkreten Standorten möglicher neuer Baugebiete in Opperhausen – die könne man nun mal erst jetzt öffentlich machen, wo wenigstens ein paar Parameter vorab geklärt sind, sagte Tappe-Rostalski.

Sachgebietsleiter Jürgen Höper vom Planungsamt der Stadt Einbeck stellte die ersten konkreteren Pläne in der Ortsratssitzung vor und machte deutlich, dass 2022 der notwendige Bebauungsplan und vielleicht auch schon die Erschließung realisiert werden könnten, erste Häuser frühestens 2023. Und dass während des ausführlichen Planungsprozesses noch mehrmals die Gelegenheit sei, Bedenken zu äußern und sich in die Planungen einzubringen. Im Mai soll das geplante Baugebiet auf der Tagesordnung des Stadtentwicklungsausschusses stehen.

Eine mangelhafte Informationspolitik im Ort hatten im Vorfeld einige Anlieger bemängelt, zur Sitzungsteilnahme geradezu aufgerufen und auch schon Unterschriften gegen den Standort „Im Sieke“ gesammelt – und am Ortsrat vorbei direkt an die Stadtverwaltung geschickt. Einige von ihnen favorisieren eher Bauplätze im Ortsteil Osterbruch.

Bei allen Neubaugebieten am Ortsrand müssen der Ortskern und dessen Stärkung im Auge behalten werden, seine heutigen und möglicherweise künftigen Leerstände sowie Baulücken in integrierter Lage, wie Planer das gerne nennen. Sonst entstehen die berühmten Donuts, von denen hier und hier schon öfter die Rede war: Am Rande ist alles schick, im Kern fällt alles zusammen. Dieses städtebauliche Süßgebäck zu vermeiden, ist Ziel des so genannten klimagerechten Flächenmanagements, bei dem seit 2018 in allen Ortschaften der Stadt Einbeck die Baulücken und Leerstände innerhalb der 46 Ortschaften recherchiert wurden. Nach Gesprächen mit Grundstücks- und Hauseigentümern waren dabei in der so genannten Phase A drei verwertbare Lücken in Opperhausen herausgekommen. Dass sowas immer nur eine Momentaufnahme sein kann und sich dynamisch weiterentwickelt und kontinuierlich im Auge behalten werden muss, liegt auf der Hand.

Der Ortsrat Opperhausen votierte in seiner Online-Sitzung am 7. April einstimmig für ein neues Baugebiet „Im Sieke“. Screenshot

Einbeck Marketing: Wie soll es jetzt weitergehen?

Die Überraschung ist noch nicht ganz verdaut. Die Einbeck Marketing GmbH wurde sozusagen kalt erwischt von der Nachricht, die der Aufsichtsrat selbst erst wenige Tage vor den Mitgliedern erfahren hat: Geschäftsführerin Anja Barlen-Herbig möchte „eine neue berufliche Herausforderung annehmen“, wie es in einer blumigen Mitteilung von gestern heißt, die eigentlich nur für die Mitglieder bestimmt war und dennoch sofort öffentlich wurde. Die 51-Jährige verlässt Einbeck Marketing „im Herbst“, wahrscheinlich im Oktober. Bis dahin bleibe sie noch an Bord, heißt es, begonnene Projekte würden abgearbeitet. Anja Barlen-Herbig war seit Januar vergangenen Jahres Geschäftsführerin der Gesellschaft für Stadtmarketing und Standortmarketing in Einbeck.

Anja Barlen-Herbig.

„Die Gesellschafter Einbeck Marketing Initiativgemeinschaft e.V. und Stadt Einbeck bedauern den Weggang von Frau Barlen-Herbig, danken ihr für die Erreichung der ambitionierten Ziele und werden nun die Weichen stellen, um das moderne Konzept für Einbeck erfolgreich fortzusetzen“, heißt es in der Mitteilung. Wann und wie die Position neu ausgeschrieben werden soll, ist bislang nicht klar, so frisch ist noch die überraschende Personalie.

Der im Frühjahr 2020 begonnene Prozess zur inhaltlichen Neuaufstellung der Einbecker Stadtmarketing-Gesellschaft sei im herausfordernden Umfeld einer Pandemie mit ihren Einschränkungen für das wirtschaftliche und öffentliche Leben sehr erfolgreich vorangetrieben worden, man sei mit der Arbeit von Anja Barlen-Herbig zufrieden, heißt es. Mit der neuen Geschäftsführerin seien ein neues, ganzheitliches Konzept eingeführt, Aufgaben und Angebote kritisch hinterfragt und optimiert worden. „Mit Erreichen dieses Meilensteins möchte Anja Barlen-Herbig den Staffelstab in der Einbeck Marketing GmbH weitergeben.“

Anja Barlen-Herbig selbst mochte aktuell keine Stellungnahme auf meine Anfrage zu den Gründen ihres Ausscheidens abgeben.

Die nun notwendige Neubesetzung bei Einbeck Marketing bietet den Gesellschaftern der GmbH eine große Chance. Vielleicht sogar die letzte große Chance. Denn die vor gut zehn Jahren gegründete privat-öffentliche Unternehmung hat in dieser vergleichsweise kurzen Zeit schon so manchen Wandel erlebt – strukturell und finanziell. 2010 war Einbeck Marketing als GmbH mit öffentlichen und privaten Gesellschaftern eine Vorbildkonstruktion, auf die andere Städte neidisch blickten. Seitdem haben nicht nur die Mehrheitsverhältnisse gewechselt (heute hat nicht mehr wie zum Start die Stadt Einbeck, sondern die Wirtschaft selbst mit dem Verein InitatiativGemeinschaft die Anteilsmehrheit in der Gesellschaft). Seit Gründung gab es insgesamt inklusive der scheidenden Chefin fünf verschiedene Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer. Im Durchschnitt hielt es also niemand länger als zwei Jahre aus, wobei die Zeitspanne zum Schluss nochmal kürzer wurde.

Und seit 2017 gehören die Bereiche Tourismus und Kulturring, die die Stadt 2010 in die neue GmbH eingebracht hatte, nicht mehr zur Einbeck Marketing GmbH, sondern sind wieder bei der Stadtverwaltung angesiedelt. Hinzu kommt die Parallelität im Bereich Wirtschaftsförderung, die es für ein paar Themen einmal bei der Einbeck Marketing GmbH gibt, für andere Themen direkt in der Stadtverwaltung. Das alles hat lange zum Gegenteil von Ruhe und Kontinuität geführt. Das alles hat auch zu viel Doppelarbeit geführt, zur unnötig Zeit fressenden notwendigen Koordinierung. Ich habe es von Beginn an kritisiert und das nie verstanden, warum Einbeck sich solche Doppelstrukturen leistet.

Jetzt ist wie gesagt die Gelegenheit, die Struktur den Notwendigkeiten und den (finanziellen) Möglichkeiten anzupassen. Erste Überlegungen soll es auch schon geben. Selbst in Monaten vor der Kommunalwahl sollte jedoch der Kommunalpolitik die Sache und Einbeck wichtiger sein als eine vermeintliche, kurzfristige politische Profilierung bei dem Thema. Die Geschäftsführung hat einen beratenden Sitz im städtischen Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Kultur. Ohnehin gilt jedoch der Grundsatz: Wer die Musik zahlt, sagt was gespielt wird. Bis zum Herbst ist auch ausreichende Gelegenheit, in dieser Stadt einmal zu schauen, wer die notwendigen verschiedenen Themen kann und wer schon hier ist. Nicht hilfreich sind neue Importe, die immer Importe bleiben wollen.

Wenn Einbeck es bis zum Herbst nicht schafft, die Strukuren von Einbeck Marketing so zu optimieren, dass in der herausfordernden Zukunft etwas Gutes für Einbeck entstehen kann, könnte es sein, dass wir am Ende dieses Jahres neidisch nach Northeim blicken. In der Kreisstadt läuft zurzeit ein (längst überfälliges) ambitioniertes Update des dortigen Stadtmarketing. Und so könnte es sein, dass sich Northeim ein viel praktischeres Modell bastelt als es in Einbeck gibt.

Anmerkung: Der Autor dieses Blogs ist Mitglied im Verein Einbeck Marketing InitiativGemeinschaft, der Mehrheitsgesellschafter der Einbeck Marketing GmbH ist.  

Wo in den Dörfern welche Bauplätze vorhanden sind oder entstehen können

Das Thema Baugebiete gehört zu den Evergreens der Kommunalpolitik. Welche Ortschaft wie viele Bauplätze für Bauwillige hat und welche nicht und wo neue Baugebiete ausgewiesen oder bestehende vergrößert werden sollen, ist häufiger Thema des für Stadtentwicklung zuständigen Ratsausschusses. Es wird auch im Sommer garantiert wieder ein Schlager im Kommunalwahlkampf, wenn Ortsräte und Stadtrat neu gewählt werden. Da ist es ein geschickter Zug gewesen, die schon mal eskalierte Debatte eingefangen zu haben mit einer gemeinsam mit den Ortsräten diskutierten Baulückenerhebung. Der Verwaltungsausschuss hatte im Oktober sieben Ortschaften für weitere Untersuchungen und Gespräche festgelegt. Zwischenergebnisse nahm der Stadtentwicklungsausschuss jetzt zu Kenntnis. „Wir sind den richtigen Weg gegangen“, sagte Andreas Filipps (SPD).

Nach weiteren Abstimmungen mit Grundstückseigentümern und Bauwilligen sowie ersten Vorplanungen sollen zeitnah differenzierte Ergebnisse und Flächenvorschläge für die relevanten Ortschaften präsentiert werden, kündigte die Stadtverwaltung an.

In Opperhausen beispielsweise sei man noch „in der der Ideenfindung“, sagte Baudirektor Joachim Mertens. Man könne bislang nicht öffentlich über konkrete Flächen sprechen, sondern müsse erst die vorhandenen Parameter klären, bevor eine öffentliche Diskussion möglich sei, ergänzte Stadtplaner Jürgen Höper. In Opperhausen gibt es laut Verwaltung drei Leerstände, die aktiv vermarktet werden, insgesamt drei Baulücken in unterschiedlicher Lagequalität, sowie aktuell vier Interessenten („Rückkehrer“) für Baugrundstücke.

In Drüber hat die Stadt Einbeck für das mit dem Landkreis Northeim vereinbarte Projekt „Im Klappenfeld“ Planungsaufträge (Erstellung Bebauungsplan, Gutachten) erteilt. Aktuell gibt es laut Stadtverwaltung sieben Bauinteressenten für Drüber.

In Edemissen soll der letzte Abschnitt des Baugebietes Schäferkamp erschlossen werden. Es gibt laut Stadtverwaltung drei Bauinteressenten für Edemissen. Der Bauausschuss hat die entsprechenden Mittel für den Haushalt 2021 in seiner jüngsten Sitzung eingeplant.

In Holtensen gibt es insgesamt drei von den Eigentümern zur Verfügung gestellte Baulücken, allerdings in unterschiedlicher Lagequalität. Der Ortsrat wird die Eigentümer zu Vermarktungsaktivitäten motivieren und im Rahmen seiner Möglichkeiten vermitteln. Regelmäßig werden laut Stadtverwaltung Anfragen von Bauinteressenten an den Ortsrat Holtensen herangetragen.

In Hullersen sind derzeit keine Baulücken verfügbar. Laut Stadtverwaltung werden Gespräche und Abstimmungen zu geeigneten Entwicklungsflächen geführt. Es gebe regelmäßig Anfragen von Bauinteressenten in Hullersen.

In Vardeilsen stehen derzeit keine Baulücken für Bauwillige zur Verfügung, ebenso keine Leerstände. Es finden aktuell Prüfungen und Gespräche zu geeigneten Entwicklungsflächen statt, schreibt die Stadtverwaltung.

In Wenzen schließlich gibt es vier Leerstände in teilweise schwieriger Lage und Bausubstanz. Zwölf Eigentümer haben sich laut Stadtverwaltung bereit erklärt, ihre Baulücken zur Verfügung zu stellen, worauf insgesamt etwa 16 Bauplätze möglich wären. Davon haben sechs oder sieben Baugrundstücke vergleichsweise eine gute Lage und gute Rahmenbedingungen für eine zeitnahe Bebauung. In Wenzen gibt es aktuell zwei Interessenten für Bauplätze. Wenzen habe vergleichsweise viele Potenzialgrundstücke, die jedoch deutlich stärker beworben werden müssten, meint die Stadtverwaltung. Zentrale Aufgabe in Wenzen sei es daher, die Eigentümer zu aktiven Schritten der Vermarktung zu bewegen. Einen Planungsbedarf zu einer neuen Flächenausweisung sieht die Stadtverwaltung aktuell nicht.

Der Stadtentwicklungsausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung ein Baugebiet auf den weiteren Weg gebracht und ein anderes beerdigt. Der Bebauungsplan Nr. 1 „Auf dem Lehmhof“ in Wenzen hat seine nächste Hürde genommen. Abschließend entscheidet der Stadtrat. Für einen etwa 0,1 Hektar großen Bereich an der Straße „Lehmhof“ sollen die planungsrechtlichen Voraussetzungen für den Bau eines „tiny-house“ aus drei zusammenhängenden Modulen für Wohnen, Catering-Betrieb und Hobby im rückwärtigen Gartenbereich geschaffen werden. Dieses wäre nach den bisherigen Festsetzungen des Bebauungsplanes nicht möglich. Mit der privaten Initiative sind keine Maßnahmen und Investitionen in die öffentliche Infrastruktur erforderlich. Für die Stadt Einbeck entstehen mit der Planung keine Kosten. Das Planungsverfahren beendet hat die Stadt, ebenfalls ohne das ihr selbst Kosten entstanden wären, beim Bebauungsplan Nr. 15 „Tokebusch“ in Salzderhelden. Die Planung war auf Initiative des Grundeigentümers im Sommer 2018 begonnen worden, vorgesehen waren bis zu vier Bauplätze. Im Juni hat der Eigentümer erklärt, die Planung nicht weiterführen zu wollen. Die Landesforsten hatten bei der öffentlichen Auslegung des Bebauungsplanes die heranrückende Bebauung an den nördlich angrenzenden Wald thematisiert und auf Abstand bestanden. Die Konzeption des Bebauungsplanes habe sich jedoch durch die örtlichen Gegebenheiten nicht ändern lassen. Der Eigentümer der geplanten Baugrundstücke und die benachbarte Realgemeinde konnten laut Stadtverwaltung nach langwierigen Verhandlungen keine Einigung erzielen. Diese Entwicklung sei zu Planungsbeginn nicht absehbar gewesen, sagt die Stadt. Somit sind lediglich an der Straße „Roter Weg“ direkt zwei Baugrundstücke möglich, erläuterte Baudirektor Joachim Mertens.

Baugebiet Weinberg II (im Vordergrund) in Einbeck. Symbolbild/Archivfoto 2020