Update | Denkmal-Musterhaus: Ohne klare Zielsetzung und mit irreführender Kommunikation

Der Fachausschuss für Tourismus und Wirtschaftsförderung (und damit der für das Ende 2026 auslaufende Smart-City-Projekt zuständige Gremium) hat den Abschlussbericht zur Kenntnis genommen – ohne Diskussion. Lediglich Petra Bohnsack (BlGfE) ließ sich kurz zu dem 80-Seiten-Papier ein, nannte den Forschungsbericht der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften Wolfenbüttel mit dem Titel „Denk!Mal – Smart City Benchmark“, der sich unter anderem mit dem Denkmal-Musterhaus in der Knochenhauerstraße beschäftigt, „erfrischend ehrlich“. Dabei wäre es erfrischend lehrreich gewesen, über den Forschungsbericht einmal zu sprechen. Schließlich stand die für die Kommunalpolitik nicht unwichtige Frage im Zentrum, wie Fördermittel effizienter eingesetzt und kommunale Entscheidungen transparenter gestaltet werden können, um Fehlinvestitionen zu vermeiden und den tatsächlichen Nutzen für die Stadt zu maximieren. Mit klar formulierten Aussagen spart die wissenschaftliche Untersuchung nicht, sie ist eine erfrischende Lektüre (hier zum Download erfügbar).

Die Forscher wollten eine so genannte ex-ante-Bewertungsmatrix entwickeln, also eine im Voraus erkennbare Bewertung, um künftige kommunale Stadtentwicklungsmaßnahmen beurteilen und konfigurieren zu können. Fördermittel und Förderrichtlinien seien für kommunale Projekte unerlässlich, aber oftmals unzweckmäßig und zu eng gefasst, zu komplex. Dadurch gehe die Schere zwischen politischem Willen und Umsetzungsideal weit auseinander. Die Kommunen sollten sorgsamer mit Richtlinien und Fördermitteln umgehen, denen sie sich unterwerfen, lautet der Ratschlag. Bei ihrem Forschungsbericht haben sich die Wissenschaftler nicht allein das Projekt „Denkmal-Musterhaus“ angesehen, sondern die Smart-City-Strategie insgesamt. Ob die Maßnahmen, wie sie in der Zukunftsstrategie konfiguriert waren, für die Stadt Einbeck tatsächlich einen Mehrwert darstellen – oder ob sie nicht vielmehr den Auflagen der Förderrichtlinie geschuldet sind, wie sie Forscher formulieren.

Die „Smart City Benchmark“ bietet ein wissenschaftlich fundiertes Werkzeug, um datenbasierte Entscheidungen zu treffen und Fehlinvestitionen zu vermeiden, lautet eine der Lehren. Der Bericht plädiert dafür, Fehlerkultur zu stärken und aus gescheiterten oder unpassenden Maßnahmen zu lernen, um künftige Projekte effizienter und zielgerichteter umzusetzen. Im Fall des Projekts „Denk!Mal-Musterhaus“, die Sanierung der denkmalgeschützten beiden Fachwerkhäuser in der Knochenhauerstraße, zeigte die Analyse, dass die ursprüngliche Zielsetzung nicht realistisch war, ein Leuchtturmprojekt für andere Kommunen zu schaffen. Die erwarteten Sanierungskosten von 5000 bis 6000 Euro pro Quadratmeter wären für private Investoren unattraktiv, und selbst die Kommune müsste langfristig hohe Instandhaltungskosten tragen, ohne dass eine Amortisation möglich wäre, lautet das Fazit.

Wenn eine Maßnahme (oder Planung) durch die entwickelte „Smart City Benchmark“ sinnvoll und wertschöpfend konfiguriert worden sei, dürfe sie nicht mehr durch Anpassungen an Förderrichtlinien oder durch Druck einzelner Personen modifiziert werden, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Studie. „Hier müssen alle Beteiligten Rückgrat und Härte beweisen.“ Natürlich könnten sich Bedingungen, Gegebenheiten und Perspektiven ändern. Dies müsse sich jedoch durch neue Daten oder neuen Datenanalysen widerspiegeln und dürfe nicht die Meinung Einzelner sein, fordern die Ostfalia-Forscher. „Im Projekt Denk!Mal konnten wir darlegen, dass die Projektkonfiguration zum einen ohne klare Zielsetzung und mit einer irreführenden Kommunikation nach außen erfolgt ist. Zum anderen ist es ein typisches Beispiel einer unzweckmäßigen Anpassung an Fördertöpfe um der Fördersummen Willen. Denn das Implementieren von Sensorik und regenerativen Energiesystemen verkompliziert erwartbar die ohnehin unklare Zielsetzung – gleichzeitig ist keine smarte Komponente dabei, die nicht bereits in einem denkmalpflegerischen Kontext getestet wurde, sodass selbst die Marke ‚Pilotstudie‘ nicht greift.“

Nachtrag 02.06.2026: Wie die Stadt Einbeck auf Nachfrage erläuterte, werde die Baumaßnahme in Anlehnung an das ursprüngliche Konzept fortgesetzt, es erfolgten aber Abstriche beim Ausbau der technischen Gebäudeausstattung (TGA) und im Innenausbau. Das Projekt ist bis Mai 2028 verlängert worden, selbst wenn Smart City eigentlich schon Ende 2026 ausläuft. Derzeit sind die Rohbauarbeiten ausgeschrieben, Dachdeckungs- und Zimmerarbeiten befinden sich in Vorbereitung. Je nach Ausschreibungsergebnis sollen die Arbeiten mit den Rohbauarbeiten im (Spät-) Sommer fortgesetzt werden, dann werde das auch für die Öffentlichkeit sichtbar, heißt es aus dem Rathaus. Innerhalb des Gesamtprojekts Smart City sind für das Musterhaus knapp 2,2 Millionen Euro vorgesehen. Darin ist der Eigenanteil der Stadt Einbeck in Höhe von rund 210.000 Euro enthalten. Die Fördersumme einschließlich des Eigenanteils der Stadt Einbeck soll nicht überschritten werden.

(c) Foto: Frank Bertram
Fassade des Hauses Knochenhauerstraße 4 nach der Farbabnahme. Links vermutlich das Wappen eines Schneiders/Tuchmachers, rechts ein Familienwappen, oben der Brauerstern.

2 Kommentare zu „Update | Denkmal-Musterhaus: Ohne klare Zielsetzung und mit irreführender Kommunikation

  1. Kann man diesen Beitrag nochmal für mich in eine Form bringen, so das ich den auch verstehe. Hier wird viel Fachgesimpelt mit Bezug zu Wissenschaftlern. Ich verfolge diesen Umbau seit Beginn und würde gerne wissen wie es weiter geht, Vielleicht helfen die 10 Millionen von Frau Frauke Heiligenstadt. Ach ne, die sind ja schon für den Neustädter Kirchplatz.

    1. Vielleicht hilft Ihnen der soeben angefügte Nachtrag weiter. Alles andere in Ihrem Kommentar lasse ich lieber unkommentiert.

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