Glasfaseranbieter Goetel gibt sich im Ausschuss stets bemüht

(c) Foto: Frank Bertram

Zeitweise hatte die Debatte etwas von einem Vertriebsgespräch zwischen Anbieter und Kunden – da ging es um Tarife, Datenvolumen, Preise und Kündigungsfristen. Wobei sich der Anbieter als stets bemüht gab, der Kunde jedoch eher ernüchtert wirkte ob der Erfahrungen der vergangenen Monate und Jahre. Im Fachausschuss für Bauen und Stadtentwicklung des Einbecker Stadtrates stand ein „Sachstandsbericht Glasfaserausbau im Stadtgebiet Einbeck“ durch die Firma Goetel auf der Tagesordnung. Und anders als in der Vergangenheit, als die Goetel-Spitze lediglich im vertraulichen Verwaltungsausschuss der Kommunalpolitik berichtete und Rede und Antwort stand, stellten sich Geschäftsführer Dr. Dennis Kremer und Vertriebschef (CCO) Bastian Körber diesmal öffentlich den Fragen der Lokalpolitiker, vor allem der Vertreter aus den Ortschaften, in denen Goetel in den vergangenen Jahren Glaserfaseranschlüsse verlegt hat. Da bis heute das Projekt nicht überall abgeschlossen ist, entzündete sich viel Kritik an der Geschäftspolitik. „Es gibt eine komplizierte Vergangenheit von Goetel“, räumte Kremer ein, richtete aber den Blick nach vorn. Goetel habe sich umstrukturiert und neu aufgestellt. „Wir wollen so schnell wie möglich die Baustellen abschließen und die Kunden anschließen“, sagte Körber.

Ziel von Goetel ist es, in den nächsten ein bis zwei Jahren die begonnenen Projekte fertigzustellen und die Mängel zu beseitigen. Die aktuelle Situation ist nach den Worten von Geschäftsführer Dr. Dennis Kremer auch der Tatsache geschuldet, dass das Unternehmen in den vergangenen Monaten massiv umstrukturiert hat, um wieder wirtschaftlich zu sein. Dafür wurde auch Personal abgebaut. Mit mehreren mit dem Ausbau beauftragten Bauunternehmen ist Goetel in Auseinandersetzungen, wie einzelne Orte abgeschlossen werden können. Goetel könne aber aus rechtlichen Gründen nicht einfach ein neues Unternehmen beauftragen, um weiter bzw. fertig zu bauen. Neben dem finanziellen Risikoaspekt der Mehrkosten habe ein Subunternehmen die Möglichkeiten innerhalb von Fristen, nachzubessern. Kremer räumte ein, dass dies eine unbefriedigende Situation sein könne. Man sei aber dabei, die der Stadt vorliegende Mängelliste abzuarbeiten. Goetel habe als Glasfaseranbieter bewusst auch den Ausbau in kleinen Ortschaften angegangen, während andere Unternehmen nur die öffentlich geförderten Orte in den Fokus nehmen.

Für die Ortschaften Salzderhelden, Hullersen, Wenzen und Vogelbeck schilderten die Ratsmitglieder bzw. Ortsbürgermeister den Goetel-Vertretern die Lage. Dirk Heitmüller und Eunice Schenitzki bemängelten die mangelnde Möglichkeit der Kontaktaufnahme zu Goetel. Es dauere lange, bis jemand an der Hotline ans Telefon gehe, wenn überhaupt. Zunächst habe sie in Hullersen einen direkten Ansprechpartner von Goetel gehabt, da sei es gut gelaufen, berichtete Schenitzki. Doch jetzt habe sie seit einem Jahr keinen Kontakt mehr bekommen, werde nur vertröstet. „Das ist unglücklich, wie das gelaufen ist.“ Noch immer sei der Parkplatz am Sportplatz mit Kabeltrommeln belegt. Als Ortsbürgermeisterin stehe sie jetzt gegenüber ihren Bürgern so da, dass die ursprünglichen Zusagen nicht eingehalten worden seien, dass das nicht gestimmt habe, was sie gesagt habe, da fühle sie sich allein gelassen, ärgerte sich Eunice Schenitzki. Dirk Heitmüller und Andreas Filipps kritisierten, dass Goetel mit einem günstigen Datentarif die Kommunen gelockt habe, beispielsweise Turnhallen, Dorfgemeinschaftshäuser oder Feuerwehrhäuser mit WLAN auszustatten. Doch statt 19 Euro koste das jetzt mehr als das Doppelte, was dazu geführt habe, dass alle Feuerwehren (bis auf zwei) die Verträge wieder gekündigt hätten. Auch Horst Jürgens (Vogelbeck) störte sich an diesem jetzt deutlich teurer gewordenen „Feuerwehr-Tarif“. Man habe nach der 24-monatigen Mindestlaufzeit den Tarif der Marktlage angepasst, hieß es von Goetel. „In Wenzen graben sie auch schon seit drei Jahren herum“, ärgerte sich Carsten Pape. Dort und auch in anderen Orten „Auf dem Berge“ schauten noch immer Leerrohre aus der Erde, wann werde das endlich mal beseitigt? Hier müsse der Nachunternehmer ausgetauscht werden, antwortete Kremer. Er könne keinen konkreten Termin nennen, bis wann die Arbeiten erledigt seien. Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek erklärte noch einmal, dass die Stadt Einbeck seit mehreren Monaten bereits keine weiteren Ausbaugenehmigungen mehr erteile, solange es immer noch offene Baustellen in Ortschaften gebe.

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Leerrohr für Glasfaserkabel.

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