„Salinen-Deckel“ für Neubau des Turms in Salzderhelden

In diesen Tagen ist in der großen Politik viel von Bremsen und Deckeln die Rede. Jetzt hat auch Salzderhelden seinen „Salinen-Deckel“. Denn der Bauausschuss hat in seinen Haushaltsberatungen fürs nächste Jahr beschlossen, dass der Neubau des Turms der Saline Salzderhelden maximal 500.000 Euro kosten darf, die Kosten im städtischen Etat also gedeckelt werden. Wenn der Bau teurer wird, muss dies über Spenden und Sponsoren oder über Förderungen bezahlt werden, die dem Kulturförderkreis genehmigt werden, entschied der Fachaussschuss des Stadtrates mehrheitlich bei einer Gegenstimme von Dietmar Bartels (Grüne) und einer Enthaltung von Hilmar Kahle (FDP).

Kurzzeitig stand das gesamte Projekt auf der Kippe, in 2023 realisiert werden zu können. Denn Vertreter von SPD und CDU zeigten sich von der aktuellen Kostenschätzung überrascht. Die nun kalkulierte Summe habe sich gegenüber dem Stand bei Vergabe des Planungsauftrages an das Ingenieurbüro Cortnum verdoppelt. Damals waren noch knapp 300.000 Euro veranschlagt, jetzt stehen unterm Strich – freilich mit reichlich Sicherheitspuffer – rund 615.000 Euro. Baudirektor Joachim Mertens begründete die Steigerung mit den nahezu explodierenden Baukosten, aktuell langen und unwägbaren Lieferzeiten und Problemen, an manche Materialien zu kommen, was im Februar noch nicht so absehbar gewesen sei. Dirk Heitmüller (SPD) monierte, dass damals im Architektenwettbewerb Entwürfe herausgefallen seien, weil sie zu teuer gewesen seien, jetzt sei man nahezu bei der Summe. „Sehr schade“ fand er es auch, dass er als Salzderheldener Ortsbürgermeister nicht in die kleine Arbeitsgruppe zur Detailplanung aus Ingenieurbüro, Stadtverwaltung und Kulturförderkreis hinzu gebeten und eingebunden worden sei.

Bei der Detailplanung seien Kubatur und Grundriss den Wünschen des Kulturförderkreises entsprechend angepasst, sodass nun Fördertechnik und Gebäudeplanung gut aufeinander abgestimmt seien, sagte Mertens. Die Grundfläche habe sich gegenüber der Wettbewerbsfassung um etwa vier Quadratmeter minimal erhöht. Neu ist eine schwarze Fassade: Auf die ursprünglich geplante karbonisierte Oberfläche (verkohltes Holz) wird verzichtet. Nun soll es eine vollständig schwarze, veredelte (geflammte) Oberfläche werden.

Die Kostenrechnung für den Salinenturm-Neubau ist komplex. Rund 291.000 Euro hat die Stadt als Versicherungssumme für den abgebrannten alten Salinenturm bereits erhalten. Es fehlen lediglich noch 35.000 Euro Mehrwertsteuer, die die Stadt von der Versicherung erst bekommt, wenn sie bis Ende 2023 entsprechende Projektrechnungen einreichen kann. Möglicherweise werde das nun knapp, gab Kämmerer Christian Rohner bei der von der SPD/CDU-Gruppe gewünschten Kostendeckelung zu bedenken. Zu der ermittelten Kostenschätzung in Höhe von 564.000 Euro kommen 22.000 Euro für bereits abgerechnete Vorleistungen (beispielsweise Reinigung des Geländes von Asbest-Rückständen nach dem Brand). Der Architektenwettbewerb schlägt mit 16.000 Euro zu Buche. Zu diesen rund 602.000 Euro hat die Stadt in ihrer Kalkulation für die Haushaltsberatungen noch einmal 12.000 Euro Sicherheitspuffer einberechnet, wodurch unterm Strich die Summe von 615.000 Euro stand. Auch wenn die Stadt bereits die Versicherungssumme erhalten hat, sollte zur Klarheit in den Haushalt 2023 die komplette Summe von 615.000 Euro eingestellt werden, was der Fachausschuss jetzt auf 500.000 Euro reduziert hat. Abschließend entscheiden Finanzausschuss und Stadtrat im November/Dezember über den Haushalt 2023. Möglicherweise sind bis dahin schon Sponsorenzusagen eingegangen, die Stadt selbst werde jedoch keinen Förderantrag mehr stellen, das müsse jetzt der Kulturförderkreis machen, der auch an ganz andere Töpfe herankomme, erläuterte der Ausschussvorsitzende Andreas Fillips.

So soll der neue Salinenturm in Salzderhelden jetzt aussehen. (c) Ingenieurbüro Cortnum.

Nachtrag 26.11.2022: Der Fachausschuss für Bauen und Stadtentwicklung hat einstimmig bei zwei Enthaltungen von Dirk Heitmüller (SPD) und Hilmar Kahle (FDP) empfohlen, den Entwurf aus dem Architektenwettbewerb aus Kostengründen nicht umzusetzen. Die Verwaltung hatte nach dem Deckel-Beschluss keine wesentlichen Einsparmöglichkeiten gefunden, deshalb waren der Politik die Kosten für das Projekt zu hoch. Die Versicherungssumme (291.000 Euro plus 35.000 Euro Mehrwertsteuer in 2023) und die im Haushalt bereits enthaltende Summe von 100.000 Euro müssten für eine Umsetzung ausreichen, hieß es, dafür sollen neue Vorschläge erarbeitet werden. Abschließend entscheidet der Stadtrat mit dem Haushaltsbeschluss.

Kulturminister mit dem CDU-Kandidaten auf der Heldenburg und im PS-Speicher

Zwei kulturelle Schwergewichte der Region besuchte Niedersachsens Kulturminister Björn Thümler (CDU) mit dem Landtagskandidaten der Christdemokraten, Dr. Andreas Kroll: die Heldenburg in Salzderhelden, unter anderem die Wiege des Landeswappens mit dem markanten Pferd, sowie die geballte Sammlung von Pferdestärken, das größte Oldtimermuseum Europas – den PS-Speicher in Einbeck.

Modell vom Modell der Heldenburg (v.l.): Dirk Heitmüller, Kim Kappes, Dr. Andreas Kroll, Jürgen Nitsche, Björn Thümler.

Auf der Heldenburg präsentierte Förderverein-Vorsitzender Dirk Heitmüller „seine“ Burgruine dem eigentlichen Hausherrn der Liegenschaft, dem Vertreter des Landes Niedersachsen. Der fachlich auch für Denkmalpflege zuständige Landesminister ließ sich die aktuellen Ruinensicherungen an den Mauern erläutern, die wichtig, aber sichtbar wenig spektakulär seien, wie es vom Förderverein und dem fachlich zuständigen Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege hieß. Bei der unteren Burgmauer sind bereits 350.000 Euro verbaut worden, weitere 350.000 Euro werden in diesem Jahr noch in die Sanierung der Kapellenmauer investiert. Das Geld stammt jeweils zur Hälfte von Bund und Land. Und auch für das kommende Jahr erhofft sich der 475 Mitglieder starke Förderverein eine weitere Förderung, um das für die Kapelle projektierte Dach realisieren zu können. Dann könnten dort wetterunabhängig etwa 80 Besucher zu Kulturveranstaltungen empfangen werden, wo heute schon fleißig geheiratet wird.

In der Burgkapelle sollen einmal rund 80 Besucher an Veranstaltungen teilnehmen können, sobald ein Dach drauf und der Sockel verschwunden ist.

Den PS-Speicher besuchte Kulturminister Björn Thümler ebenfalls erstmals. In der Sanierungsphase vor der Eröffnung habe er bereits schon einmal mit dem Projekt Kontakt gehabt, erzählte der CDU-Politiker. Nun bekam Thümler zusammen mit CDU-Landtagskandidat Dr. Andreas Kroll und weiteren Christdemokraten bei einer kurzen Führung einen kleinen Eindruck von der 2014 eröffneten Oldtimersammlung im ehemaligen Kornhaus. „Hier ist Sensationelles aufgebaut“, zeigte sich Thümler im Anschluss begeistert. „Der PS-Speicher ist ein echtes Markenzeichen.“ Der Kulturminister dankte dem gesamten Team des Oldtimermuseums für die Leistung und Arbeit. „Das fällt ja alles nicht vom Himmel“, sagte Thümler. Nach dem kurzen Rundgang nutzten Vertreter des PS-Speichers mit dem neuen Vorstand der Stiftung PS-Speicher, Jan Kalbfleisch, an der Spitze die Gelegenheit, mit dem Minister über aktuelle Probleme und Fragestellungen zu sprechen. Nach der schwierigen Corona-Zeit mit zurückhaltenden Besucherzahlen stehe nun mit der Energiekrise eine weitere Herausforderung bevor. Wertvolle Kulturgüter wie die in Ausstellung und Depots versammelten mehr als 2500 Oldtimer müssten gleichbleibende Temperaturen und Klimabedingungen haben, schilderten Kalbfleisch und Ausstellungsleiter Sascha Fillies. Kulturminister Björn Thümler deutete an, über diese Fragen mit dem Bund bereits in Gesprächen zu sein, es seien hier in Fragen des Kulturgut-Schutzes aber noch weitere Diskussionen notwendig, wer die Finanzierung übernehme.

Hatten Spaß auf Oldtimer-Motorrädern: Kulturminister Björn Thümler (links) und CDU-Landtagskandidat Dr. Andreas Kroll.
Ausstellungsleiter Sascha Fillies (r.) zeigte Kulturminister Björn Thümler auch die neue Erzählspur „Der grüne Faden“.
Jürgen Nitsche (CDU Seesen), Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek (CDU), Ratsfrau Maren Root (CDU), Lars Müller (CDU-Mitglied), CDU-Kreisvorsitzender David Artschwager, Kultur- und Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU), CDU-Landtagskandidat Dr. med. Andreas Kroll, Kim Kappes (Gebietsreferent Landesamt für Denkmalpflege), Dirk Heitmüller (Vorsitzender Förderverein Heldenburg).

Dr. Reinhard Binder (1949-2022)

Dr. Reinhard Binder ist tot. Bis diese Nachricht fassbar wurde, hat es ein wenig gedauert, denn der FDP-Kommunalpolitiker hatte sich doch gerade erst vehement im Streit um den Wiederaufbau des Salinenturms in Salzderhelden zu Wort gemeldet. Deutlich hatte er Position bezogen. So wie Beobachter das seit Jahrzehnten von dem 72-Jährigen kannten. Diese Stimme ist nun verstummt. Am 17. Februar 2022 ist der Allgemeinmediziner in Salzderhelden gestorben.

Dr. Reinhard Binder (1949-2022).

Er war nicht immer bequem, aber blieb seinen Prinzipien treu. Die Freien Demokraten nennen Dr. Binder in einem Nachruf einen Liberalen mit eigenem Kopf, der mit Herzblut Kommunalpolitiker war. Das stimmt: Dr. Reinhard Binder vertrat seine Position auch dann, wenn es Gegenwind gab. Oftmals war seine Gegenstimme die Einzige. Gestört hat Binder das nie. Er nahm sich die Freiheit. Er hatte die Unabhängigkeit. Er hatte sein Koordinatensystem, seinen Erfahrungsschatz und sein Wissen, auf dem er seine Haltung fußen konnte.

Dr. Reinhard Binder war 32 Jahre Mitglied der FDP. Seit 1991 war er Ratsherr der Stadt Einbeck, seit 1996 Vorsitzender der FDP-Fraktion. Von November 2001 bis Mai 2002 und seit November 2021 war Binder Abgeordneter im Kreistag des Landkreises Northeim. Dem Ortsrat des Fleckens Salzderhelden gehörte er mit einer Unterbrechung von einer Wahlperiode seit dem Jahr 1991 an. Dr. Reinhard Binder war von 2010 bis 2017 Vorsitzender des FDP-Ortsverbandes Einbeck und von 2017 bis 2021 stellvertretender Vorsitzender. In die Arbeit des Kreisvorstandes brachte er sich seit 2006 als Beisitzer ein. Als Delegierter war er auf Landesparteitagen aktiv und arbeitete viele Jahre im Landesfachausschuss Soziales und Gesundheit sowie im Bundesfachausschuss Gesundheit mit.

Mit Reinhard Binder verliert die Einbecker Kommunalpolitik einen der prägendsten Köpfe der vergangenen Jahrzehnte.

Sein Platz bleibt leer: Sichtbares Gedenken in der jüngsten Sitzung des Stadtrates am 16. März.

Salinen-Salzturm-Entwurf: Mehrheiten im Ortsrat und im Verwaltungsausschuss

Über Geschmack lässt sich bekanntlich trefflich streiten. Und genau das geschieht seit wenigen Wochen im zweitgrößten Einbecker Ortsteil – teils sachlich, teils emotional und mit harten Bandagen. Dabei geht es um den Entwurf für einen neuen Salinenturm in Salzderhelden, der bei einem Architekturwettbewerb gewonnen hat. In dieser Woche gab es nach bereits breiter Zustimmung im Bauausschuss weitere Zustimmungen sowohl im Ortsrat Salzderhelden als auch im Verwaltungsausschuss. Dabei wurde allerdings auch deutlich gemacht, dass für die nächsten Schritte eine breitere Beteiligung vorgesehen werden soll.

Wie Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek heute auf Anfrage aus dem Verwaltungsausschuss berichtete, habe der Entwurf des Büros Cortnum auch im VA wie schon im Ausschuss für Bauen und Stadtentwicklung und im Ortsrat eine Mehrheit bekommen. Der VA hat sich dafür ausgesprochen, dass bei der Detailplanung die Belange der Anwohner und des Naturschutzes stärker berücksichtigt werden sollen. Auch soll zunächst ermittelt werden, wie teuer die Restaurierung der Fördertechnik kommt, um nicht am Ende einen neuen Turm ohne technisches Innenleben zu riskieren. Als notwendig erachtet der Verwaltungausschuss auch, dass sich der 90 Mitglieder starke Kultur-Förderkreis zeitnah wieder neu im Vorstand aufstellen soll, um den Betreiber der städtischen Anlage handlungfähig zu sehen. In einer Arbeitsgruppe sollen die weiteren Schritte der verfeinerten Planung besprochen werden, berichtete die Bürgermeisterin. Dieser sollen Vertreter der Stadt, des Ortsrates, des Ingenieurbüros Cortnum und des Kultur-Förderkreises angehören. Ziel bleibe, so Michalek, das Bauvorhaben für den Haushalt 2023 anzumelden.

Zuvor hatte sich der Ortsrat in einer gut besuchten Online-Sitzung mehr als eine Stunde lang intensiv mit dem Thema beschäftigt. Dr. Reinhard Binder (FDP) erneuerte seine Kritik am Vorgehen und die späte Beteiligung des Ortsrates bei dem Thema. Die große Mehrheit des Ortsrates sah das jedoch anders. Binders Antrag, mit einer Entscheidung zu warten, bis sich der Kultur-Förderkeis-Vorstand neu gebildet und ein Nutzungskonzept für die Räume vorgelegt hat, folgte der Ortsrat nicht, sondern fasste mit deutlicher 9:1-Mehrheit gegen Binders Stimme im Wesentlichen einen Beschluss, dem sich später der VA anschloss.

Der Ortsrat war sich nahezu einstimmig einig, dass bei dem Entwurf noch Veränderungen vorgenommen werden müssten, damit dieser realisiert werden kann. Die Beleuchtung solle so konzipiert werden, dass das stilisierte beleuchtete Salzkristall nicht zur Falle für Insekten und Vögel werden soll. Der Turm werde ganz sicher auch nicht jeden Tag in bunten Farben leuchten, sagte Ortsbürgermeister Dirk Heitmüller, und die ursprüngliche Planer-Idee, eine Beleuchtung „auf Abruf“ beispielsweise per Handy zu realisieren, ist vom Tisch. Eine verträgliche Lösung mit den unmittelbarten Anliegern wurde zugesichert. Heitmüller verwies auf einen ähnlichen Turm, der in Lüdenscheid im dortigen Technikmuseum Phaenomenta entstanden sei.

Deutlich wurde im Ortsrat jedoch auch, dass den meisten Mitgliedern klar ist, es mit einem Entwurf wie dem vorliegenden als Ersatz für den abgebrannten Holz-Bohrturm nicht allen recht machen zu können. Über Geschmack lässt sich eben vortrefflich streiten. Doch klar ist: selbst bei einer Ortsversammlung in Salzderhelden oder einer Befragung der Bevölkerung würde es nie eine hundertprozentige Zustimmung geben. Bei keinem Entwurf.

Ansicht von Norden. (C) Ingenieurbüro Cortnum
Schnittzeichnung des Entwurfs. (C) Ingenieurbüro Cortnum

Deutliche Mehrheit für Salinenturm-Siegerentwurf

Mit deutlicher 11:2-Mehrheit hat der Ausschuss für Bauen und Stadtentwicklung den Entwurf für einen neuen Salinenturm in Salzderhelden zur Kenntnis genommen. Dr. Reinhard Binder (FDP) und Dietmar Bartels (Grüne) stimmten gegen den Entwurf. Vorbehaltlich einer Diskussion und Zustimmung des Ortsrates Salzderhelden am 15. Februar hat der Fachausschuss außerdem mit noch größerer Mehrheit und lediglich noch gegen die Stimme von Dr. Reinhard Binder (FDP) das im Architektenwettbewerb siegreiche Ingenieurbüro Cortnum mit der weiteren Detailplanung beauftragt. Sollte sich nicht noch im Ortsrat größerer Widerstand regen, gilt die abschließende Zustimmung des Verwaltungsausschuss als sicher.

In der Ausschusssitzung stellte Mathias Cortnum den Entwurf seines Büros noch einmal vor. Er habe sich mit seinem Team bewusst für die an ein Salzkristall erinnerende Form eines bespannten, beleuchtbaren Stahlskeletts entschieden, zumal im Wettbewerb auch eine Neuinterpretation des Bohrturmes gefordert war, kein reiner Wiederaufbau nach dem Muster des abgebrannten Holzturms. Dass sein kleines Büro den Wettbewerb habe gewinnen können, erfülle ihn mit Freude und Stolz, sagte Mathias Cortnum. „Jetzt wollen wir auch gerne noch ein paar Hindernisse und Kritikpunkte aus dem Wege räumen.“

Denn klar wurde in der Online-Sitzung des Fachausschusses auch, dass in der folgenden Detailplanung des Turmbaus noch an einigen Stellschrauben gedreht werden wird. Ein Anlieger kritisierte vor allem die intensive Beleuchtungsmöglichkeit: „Es gibt ein Recht auf Dunkelheit.“ Dass es noch Veränderungen geben wird, ist für umgesetzte Planungen nach Architektenwettbewerben nicht ungewöhnlich, siehe Neustädter Kirchplatz.

Dirk Heitmüller (SPD) verteidigte die Entscheidung der Jury für den Entwurf. Diese sei mit sehr deutlichem Vorsprung vor den anderen eingereichten Arbeiten erfolgt. Selbstverständlich wäre eine Aussichtsmöglichkeit, wie es sie in anderen Entwürfen gebe, eine schöne Sache. Die könne sich die Stadt aber nun einmal nicht leisten, man sei angetreten, bei diesem Projekt in etwa mit der von der Brandversicherung erstatteten Summe auszukommen.

Die Kritiker Dr. Reinhard Binder (FDP) und Dietmar Bartels (Grüne) bemängelten vor allem, dass in der Jury die kleinen Fraktionen nicht beteiligt worden seien, auch die Öffentlichkeit sei von den Plänen überrascht worden. Binder erneuerte noch einmal seine Kritik, dass der Ortsrat Salzderhelden vorab nicht habe zu dem Thema diskutieren können. Beide waren auch stilistisch mit dem Siegerentwurf nicht einverstanden, sehen in ihm eine Flamme oder einen brennenden Turm. „Mir ist bei dieser Sache nicht wohl“, sagte Bartels. Warum es nicht einen schlichten Wiederaufbau des Turms in der Art des Vorgängers geben dürfe, bleibe schleierhaft.

(c) Ingenieurbüro Cortnum
Entwurf des neuen Salinenturms. Abbildung: (c) Ingenieurbüro Cortnum

Nachtrag 08.02.2022: Dr. Reinhard Binder (FDP), Fraktionsvorsitzender im Stadtrat und Ortsratsmitglied in Salzderhelden, hat eine Verschiebung der Ortsratssitzung gefordert. Bis dato seien für die Sitzung noch keine Beratungsunterlagen öffentlich zugänglich und auf der Allris-Seite eingestellt worden, argumentiert Binder. Bei einer Verschiebung wäre auch genügend Zeit, inhaltlich zu diskutieren, das werde ohnehin in Zeiten der SPD/CDU-Gruppe immer schwieriger, meint der FDP-Mann. Ohnehin solle doch nach der Entscheidung des Bau- und Stadtentwicklung-Ausschusses mit der nachträglichen Ortsratssitzung „angesichts eines fragwürdigen Entscheidungsprozesses diesem nun im Nachhinein das Mäntelchen der Legitimation übergestülpt werden. Einen Hauch eines demokratischen barrierefreien Entscheidungsprozesses wäre es ja, wenigstens zuzugestehen, die Sitzung in Präsenzform in der Turnhalle durchzuführen. Da könnten sich dann auch die äußern, die nicht internetaffin sind. Die Möglichkeit besteht ja!“, schreibt Dr. Reinhard Binder.

Warum kein Salinenturm mit Aussicht?

Wie soll der abgebrannte Turm der Saline Salzderhelden wieder aufgebaut werden? Dazu gab es einen Architektenwettbewerb mit einem Siegerentwurf, der im Ausschuss für Bauen und Stadtentwicklung morgen präsentiert wird. Dort soll nach Beteiligung des Ortsrates dann auch entschieden werden, wie es an der Saline weiter gehen wird. Bislang unbekannt ist ein Entwurf, der einen Wiederaufbau des Bohrturms mit einer Aussichtsgalerie vorsieht. Ein Beitrag zur Diskussion.

Luftbild vom Salinegelände. Foto: privat/Ochsendorf

Klaus Ochsendorf hat sich am Architektenwettbewerb mit einem eigenen Entwurf beteiligt. Der erfahrene Diplom-Ingenieur und Architekt konnte sich mit seinem Plan im Wettbewerb nicht durchsetzen. Das sieht der Einbecker sportlich. Er hat sich jedoch abseits der Forderungen des Wettbewerbs (u.a. kein Original-Wiederaufbau) und seines dort eingereichten Beitrags noch einmal hingesetzt und hat einen weiteren Planungsentwurf erstellt, den bisher nur wenige kennen. Die bevorstehende Entscheidung sollte jedoch in Kenntnis aller vorhandenen Möglichkeiten getroffen werden, findet Ochsendorf.

Dieser Entwurf sieht einen Bohrturm aus Holz vor, der bestiegen werden kann und der eine Aussichtsgalerie in gut 20 Metern Höhe hat. Ochsendorf hat Fotos von einer Drohne aus etwa dieser Höhe aus der Position direkt über dem Bohrloch machen lassen, die zeigen, welche Aussicht man von der Galerie haben könnte ins Leinetal, auf den Polder, auf Salzderhelden. Ein solcher Turm könnte einen touristischen und kulturellen Wert erlangen, ist der Planer sicher. Auch Naturbeobachter könnten großen Nutzen aus einem Aussichtsturm ziehen. Ochsendorf hat den Turm so konzipiert, dass die Besucher im Besucherzentrum nicht von den Nutzern des Aufgangs zum Turm berührt werden. Zur Ausichtsgalerie gelangt man über eine externe Außentreppe und dann innerhalb des Turmes.

Selbstverständlich wäre ein solcher Turm teurer als die aktuell in Rede stehende Summe von knapp 300.000 Euro. Etwa 725.000 Euro hat der Diplom-Ingenieur und Architekt für seinen Aussichts-Salinenturm errechnet.

Binder (FDP): Ortsrat Salzderhelden wird bei Salinen-Neubau missachtet

Wie soll der Neubau der Saline Salzderhelden aussehen? Bei dieser Frage werde der Ortsrat des Fleckens übergangen, meint jedenfalls Dr. Reinhard Binder (FDP). Er ist nicht nur Fraktionsvorsitzender im Stadtrat, sondern seit November auch stimmberechtigtes Mitglied des Ortsrates Salzderhelden und nach eigenen Angaben empört darüber, dass „viele zum Teil willkürlich zusammengesetzte Gremien beraten, aber im wesentlichen Gremium, dem Ortsrat, darüber bisher nicht gesprochen wurde“. Im Ausschuss für Bauen und Stadtentwicklung werden die aus einem Architektenwettbewerb stammenden Pläne am Donnerstag erstmals öffentlich vorgestellt. Die Entscheidung in dem Wettbewerb hatte eine Jury kurz vor Weihnachten getroffen, der Binder nicht angehörte.

Und zu dieser online stattfindenden Sitzung des Fachausschusses habe er auch alle Mitglieder des Ortsrates eingeladen, ebenso alle interessierten Bürgerinnen und Bürger, und zwar über verschiedene Online-Kanäle, weißt Ortsbürgermeister Dirk Heitmüller (SPD) auf meine Anfrage die Vorwürfe von Binder energisch zurück. Die Diskussion zu dem Thema beginne ja erst. „Schön, dass Herr Dr. Binder aufgewacht ist und das Thema für sich entdeckt hat“, ärgert sich Heitmüller und ergänzt ironisch in Richtung des Freidemokraten: „Bleiben Sie dran, damit Sie zukünftig nicht wieder wichtige Informationen verschlafen!“

FDP-Mann Binder genügt das alles nicht: „Wofür ist denn ein Ortsrat da, wenn nicht für die Diskussion eines solchen Themas, das in die Wurzeln unseres Ortes so tief eingreift wie kaum ein anderes“, ärgert er sich. „Was ist dagegen schon eine Bronzenachbildung der Heldenburg, über die der Ortsrat ausgiebig informiert wurde und beraten durfte. Hier geht es neben dem Gesamterscheinungsbild des Ortes um ein wirtschaftliches Gesamtvolumen von 300.000 Euro, nicht um 30.000 Euro wie in obigem Beispiel – und dass der Ortsrat mit zur Kasse gebeten wird, dürfte wohl klar sein“, schreibt Dr. Reinhard Binder in einer Stellungnahme. „Bevor ein Einbecker Gremium Entscheidungen trifft, ist in dieser für Salzderhelden wichtigen Frage der Ortsrat angemessen zu hören und zu beteiligen, auch unter Einbeziehung des Denkmalschutzes. Der FDP fehlt jedes Verständnis dafür, dass der Ortsbürgermeister seinen eigenen Ortsrat in dieser Weise übergeht, sogar auf Nachfrage keine Auskunft gegeben hat.“ Vor allem Letzteres dementiert Dirk Heitmüller deutlich: Sobald die Pläne öffentlich gewesen seien, habe er breit informiert, alle Informationen seien verfügbar, auch oder gerade den Mitgliedern des Ortrates. Die nächste Ortsratssitzung ist für den 8. März vorgesehen. „Die FDP schläft den Schlaf der Gerechten“, erklärte Heitmüller in einer Reaktion. „Dieses gilt zumindest für Herrn Dr. Binder bei den Sitzungen in Stadt- und Ortsrat.“ Anders sei dessen Pressemitteilung nicht zu erklären, sagt Heitmüller. Als Ortsbürgermeister habe er den Ortsrat am 12. Juli 2021 in öffentlicher Sitzung über das Verfahren bezüglich der Saline informiert. Dies sei auch im Ratsinformationssystem unter der Nummer 2021/0547 nachzulesen. Die Architekturbüros seien im Spätsommer von der Verwaltung mit der Entwurfsplanung beauftragt worden, erläutert der Ortsbürgermeister. Eine Jury, ein von der Verwaltung gebildetes Gremium, bestehend aus Kulturförderkreis (Vorsitzender Karl-Heinz Wessel), Ortsrat Salzderhelden (Dirk Heitmüller und Heinz-Hermann Wolper), dem Vorsitzenden des Fachausschusses (Andreas Fillips), der Denkmalpflege (Krimhild Fricke), dem Baudirektor Joachim Mertens, der Einbecker Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek und weiteren Vertretern der Verwaltung habe im Dezember 2021 einen Favoriten unter den eingereichten Entwurfe mit großer Mehrheit bestimmt, erläuterte Heitmüller das Verfahren.

(c) Ingenieurbüro Cortnum
Entwurf des neuen Salinenturms. Abbildung: (c) Ingenieurbüro Cortnum

Nachtrag 01.02.2022: Am 15. Februar um 20 Uhr findet jetzt doch eine extra Online-Ortsratssitzung zum Thema Salinenturm-Neubau statt. Der Link zur Einwahl kann hier abgefragt werden.

Ein Leuchtturm für Salzderhelden?

Die Nacht zum 4. Juli 2020 gehört zu den dunkelsten Stunden in der Geschichte des Fleckens Salzderhelden, viele werden das lichterlohe Feuer nie vergessen: Der hölzerne Bohrturm der historischen Saline wurde ein Raub der Flammen, ein Wahrzeichen des Ortes brannte bis auf die Grundmauern nieder. Erhält Salzderhelden jetzt ein modernes Wahrzeichen durch einen Neubau, der an einen Leuchtturm erinnert? Im Ausschuss für Bauen und Stadtentwicklung wird am 3. Februar der Siegerentwurf eines Architektenwettbewerbs näher vorgestellt; das Gremium soll eine Grundsatzentscheidung treffen, ob und wie weiter geplant werden soll.

Ziel des Architektur-Wettbewerbs, an dem sich vier Büros beteiligt hatten, war „frische Ideen für eine Neuinterpretation des Ensembles zu erhalten“, umschreibt es die Stadtverwaltung. Vorgegeben war die Maßgabe, dem Ort „Saline Salzderhelden“ durch einen modernen und zeitgemäßen Neubau mit entsprechender Materialität und Form einen eigenen, unverwechselbaren Ausdruck zu verleihen. Die Jury hat Mitte Dezember den Entwurf des Büros Cortnum (Einbeck-Salzderhelden) als Sieger gekürt. Die Jury bestand aus Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, Ortsbürgermeister Dirk Heitmüller, Fachausschuss-Vorsitzenden Andreas Fillips, Heinz-Hermann Wolper (Ortsrat), Karl-Heinz Wessel vom Kulturförderkreis, Denkmalpflegerin Krimhild Fricke, Birgit Tatje (Stadt Einbeck) und Baudirektor Joachim Mertens.

Der neue leuchtende Turm, der wieder direkt über dem Bohrloch stehen soll, soll laut Entwurf des Ingenieurbüros Cortnum Form und Funktion neu interpretieren. Der einstige vierseitige Holzturm soll durch ein Stahlgerüst ersetzt werden, welches auf drei Säulen getragen werde. Mit Hilfe von Stahlseilen soll zwischen die Stahlkonstruktion eine transluzente, witterungsbeständige Membrane gespannt werden, die von Innen illuminiert werden kann, erläutert das Büro Cortnum den Entwurf. Die Stahlkontruktion ähnelt der Form eines rohen Salzkristalls. Neben seiner Schutz- und Beleuchtungsfunktion für den Innenraum der zwei Gebäudeteile zu Füßen des Turms soll der illuminierte Turm nachts mit seiner Strahlkraft als Lichtkunstobjekt fungieren. Über einen Funkknopf könnte ermöglicht werden, bei einer entsprechenden Spende den Turm für kurze Zeit zum Leuchten zu bringen. Die Steuerung könnte auch per App, E-Mail oder Telefon funktionieren, heißt es. Die Leuchtdauer und -farbe könnte sich dabei nach der Höhe der Spende richten. „So kann jeder für jeden sichtbar an einem Stück Geschichte von Salzderhelden teilhaben.“

Die Gebäudeversicherung des alten Bohrturms hat eine Gesamtentschädigungssumme in Höhe von 291.390 Euro berechnet und bis auf den Mehrwertsteueranteil an die Stadt Einbeck bereits ausgezahlt (256.000 Euro). Der Mehrwertsteueranteil wird von der VGH erst dann gezahlt, wenn die Stadt bis Ende 2023 entsprechende Projektrechnungen vorlegen kann. Das Büro Cortnum berechnet Baukosten für das Projekt in Höhe von rund 290.000 Euro brutto, womit zur Realisierung der Planung nach heutigem Stand noch etwa 58.000 Euro aus dem städtischen Haushalt zu finanzieren wären. Bei allem geben Planer und Verwaltung jedoch zu bedenken, dass es sich um eine grobe Kostenschätzung handelt und die Baukosten angesichts der aktuell schwierigen Marktlage im Bausektor noch einmal intensiv geprüft werden müssen. Die Verwaltung schlägt vor, die Planungen weiter voran zu treiben und das Projekt in den Investitionshaushalt für 2023 aufzunehmen. Fördermöglichkeiten sollen noch geprüft werden.

(c) Ingenieurbüro Cortnum
Entwurf des neuen Salinenturms. Abbildung: (c) Ingenieurbüro Cortnum

Ab Mai sollen Trauungen auf der Heldenburg möglich werden

Ab Mai dieses Jahres soll es auf der Heldenburg in Salzderhelden Trauungen unter freiem Himmel geben. Das hat der Ausschuss für Jugend, Familie und Soziales einstimmig beschlossen. Die SPD-Fraktion hatte im vergangenen Jahr Eheschließungen unter freiem Himmel beantragt und dabei vor allem den Stiftsgarten als Ort des Ringetausches im Blick. Dagegen hatte es jetzt im Fachausschuss vor allem rechtliche Bedenken gegeben. Nachfragen nach Trauungen unter freiem Himmel oder anderen Trauorten würden gegenüber dem Standesamt Einbeck nur sporadisch geäußert, erklärte Standesbeamter Lars Engelke zudem.

Burgkapelle der Heldenburg. Archivfoto

Der Förderverein Heldenburg hatte im Dezember den SPD-Antrag mit einem Schreiben unterstützt und die Burgruine als Kulisse für Trauungen angeboten. Besonders die Burgkapelle eigne sich für Trauungen hervorragend, schreibt Förderverein-Vorsitzender Dirk Heitmüller, der auch SPD-Ratsherr ist. Über der Burgkapelle könne ein Sonnensegel gespannt werden, das kleine Regenschauer abhalten könnte; mittelfristig soll sie ein Dach erhalten. Im Burgkeller sei ein Sektempfang möglich. Sanitäreinrichtungen seien auf der Heldenburg vorhanden, auch die Gaststätte Burgschänke könnte eingebunden werden, schreibt Dirk Heitmüller als Vorsitzender des Förderverein Heldenburg. Das Standesamt Einbeck sei seit längerem mit dem Vorsitzenden des Fördervereins der Heldenburg in Salzderhelden in Vorplanung, dort einen Trauort zu schaffen, der dem Wunsch der Brautpaare nach einem besonderen Trauort und einer Trauung unter freiem Himmel gleichsam erfülle, erklärte Standesbeamter Lars Engelke.

Für die Trauung gilt nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz der Grundsatz der so genannten Beteiligtenöffentlichkeit. Diese besagt, dass nur die Beteiligten und deren Gäste zur Trauung zugelassen sind, unbeteiligten Zuschauern ist der Zutritt zur Eheschließung zu verwehren. Auch aus Gründen des Datenschutzes (Traurede mit persönlichen Informationen des Brautpaares, Vorlesen der Niederschrift zur Eheschließung mit den persönlichen Daten der Beteiligten) sollte ein Zuhören/Zuschauen von Unbeteiligten unterbunden werden, erläuterte Engelke.

Der Stiftsgarten ist für die Öffentlichkeit frei zugänglich und auch frei einsehbar. Die Trauzeremonie wäre demnach nicht frei von fremden Zuhörern/Zuschauern. „Der Stiftsgarten ermöglicht es nicht, für den Standesbeamten seine Amtshandlung in ordnungsgemäßer Form vorzunehmen“, erklärte Engelke in der Verwaltungsvorlage für den Ausschuss. Dort sei ebenso durch den angrenzenden Straßenverkehr mit einer dauerhaften Lärmbelästigung während der Trauung zu rechnen.

Das Standesamt Einbeck weiß laut Engelke um die Bedeutung von besonderen Trauorten und Trauungen für Brautpaare. Man habe dies in den vergangenen 20 Jahren auch mehrfach unter Beweis gestellt, durch Trauungen am Wochenende als erstes Standesamt der Region, die Hochzeitsnacht als erstes Standesamt in Niedersachsen; es biete als besonderen Trauort den PS-Speicher sowie das Museum in der Domäne im Flecken Greene an.

Das Standesamt kann keine zusätzliche Gebühr für die Trauung an einem Trauort außerhalb des Dienstsitzes des Standesamts erheben. Die niedersächsische allgemeine Gebührenordnung erlaube eine zusätzliche Gebühr nur bei Trauungen außerhalb der üblichen Dienstzeiten, erläuterte Lars Engelke.

Heldenburg in Salzderhelden. Archivfoto

Ein politischer Rückkehrer

Angeblich war der Ort ja reiner Zufall, die politische Symbolik aber war an diesem Spätsommertag unübersehbar. Die FDP stellte ihren Kandidaten für die Bürgermeisterwahl auf dem Dohrenberg vor, mit Panoramablick auf Heldenburg, Salzderhelden und auch Einbeck. Und als Dr. Claudius Weisensee dann auch noch von der FDP-Vorsitzenden Dr. Marion Villmar-Doebeling ein Blumenbukett mit einer großen Sonnenblume überreicht bekam und man weiß, dass der Naturerlebnisraum Dohrenberg ein Herzensprojekt von GfE-Grandseigneur Albert Thormann ist und Weisensee bei ihm anschließend zur Weinprobe war, dann ist das politische Angebot des FDP-Kandidaten an die Grünen und „Gemeinsam für Einbeck“ offenkundig. Die Parteien wollen über ihre Unterstützung in den nächsten Tagen entscheiden.

Claudius Weisensee mit Verlobter Adriana Rodrigues und den symbolträchtigen Blumen.

Seine Kandidatur hat frischen Wind in die beginnende Positionierung der Bewerber um das Bürgermeisteramt in Einbeck gebracht, ohne Zweifel. Die FDP sieht in Claudius Weisensee einen politischen Rückkehrer, der nach ersten beruflichen Erfahrungen andernorts nun wieder in seine Heimatstadt kommt, in der er aufgewachsen ist, auch politisch. Und der nach einem politischen Ausflug zur SPD („Das war nicht die beste Idee meines Lebens“) nun wieder zurückkehrt und bei der FDP Politik machen möchte, wie schon in den vergangenen 24 Jahren. Er habe sich im Februar massiv geärgert, dass Lindner, Kubicki & Co. die Wahl von Thomas Kemmerich (FDP) mit Stimmen der AfD nicht sofort verdammten. Spontan ist Weisensee deshalb damals bei den Freien Demokraten ausgetreten. Weil er sich schon immer als sozialliberal sieht und auch familiär eher sozialdemokratisch geprägt war, wurde Weisensee Mitglied bei der SPD. Er sei dort in Karlsruhe freundlich aufgenommen worden, habe aber schnell gemerkt, dass seine politische Heimat doch die FDP sei und sei wieder bei den Sozialdemokraten ausgetreten. In den nächsten Tagen ist der 40-Jährige dann zurück bei den Freien Demokraten.

Die Einbecker FDP-Mitglieder entscheiden über die Kandidatur formal am kommenden Freitag. Eine breite Zustimmung gilt jedoch als ausgemacht: Die FDP geht mit Dr. Claudius Weisensee ins Rennen, der Vorstand hat den 40-Jährigen schließlich als einzigen vorgeschlagen. Neben Amtsinhaberin Dr. Sabine Michalek (CDU) tritt bislang Dirk Heitmüller (SPD) bei der Direktwahl an. Bei beiden hatte die FDP überlegt, diese zu unterstützen, und sich nach den Gesprächen mit ihnen dann doch für einen eigenen Kandidaten und Dr. Claudius Weisensee entschieden, wie Einbecks FDP-Vorsitzende Dr. Marion Villmar-Doebeling sagte. 

Im Kandidatenfeld könne er eigene Akzente setzen, sagte Weisensee. Er bringe den Blick von Innen und Außen mit. Auch wenn er seit zehn Jahren nicht mehr hier lebe, sondern jetzt im fünf Autostunden entfernten Karlsruhe, sei er immer mit einem Auge und Ohr in Einbeck gewesen, „und mit dem Herzen sowieso“, sagte der 40-Jährige. Sein Ziel ist, zunächst in die Stichwahl zu kommen. „Ich möchte Bürgermeister werden“, macht er deutlich, für eine reine Zählkandidatur wäre er nicht zu haben gewesen, als ihn FDP-Kreisvorsitzender Christian Grascha im Juli angerufen hat. „Wir freuen uns, dass Claudius Weisensee zurückkehrt“, sagte Grascha. „Er ist einfach ein guter Typ.“ Er kenne ihn seit gemeinsamer Zeit bei den Jungen Liberalen vor 23 Jahren. Und er habe Weisensee nicht nur wegen seiner Verwaltungs- und Fachkompetenz gefragt, sondern weil er ein echtes Angebot für alle Bürger und alle politischen Lager des demokratischen Spektrums sei, mit seiner positiven Art Menschen zusammenführen und sich blockierende parteipolitische Grabenkämpfe beenden könne. Christian Grascha: „Für Einbeck ist seine Kandidatur eine echte Chance.“

Claudius Weisensee hat sein Wahlprogramm selbst geschrieben, möchte den Wahlkampf zu einem Wettbewerb der Ideen machen, wie Einbeck 2030 aussehen soll. „Eine Stadt, 46 Ortschaften, 37 Seiten, 719 Zeilen voller Ideen“, hat der Volljurist sein Programm überschrieben und bereits auf seiner Website hochgeladen.

Sich selbst wählen wird Claudius Weisensee nicht können. Der zurzeit als Oberregierungsrat in der Verwaltung des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe arbeitende promovierte Verwaltungsjurist kann bis zur Wahl nicht mehr fristgerecht seinen Wohnsitz nach Einbeck verlegen, um hier selbst seine Stimme bei der Wahl abgeben zu können. Für den Wahlkampf hat der Bundesbeamte sich freimachen können, wird den gesamten Oktober in Einbeck sein, außerdem die zwei Wochen bis zur möglichen Stichwahl am 15. November. Im September werde er, wie schon zuletzt, an den Wochenenden in Einbeck weilen und für sein Ziel kämpfen. Auch wenn der Wahlkampf in Corona-Zeiten anders aussehen wird und viele Online-Angebote auch aus Karlsruhe möglich wären. Als bislang einziger Bürgermeisterkandidat hat Weisensee die Vorstellung seiner Kandidatur live bei Facebook ins Internet übertragen, die komplette Aufzeichnung ist dort weiterhin abrufbar.

„Ich möchte Bürgermeister werden“: Dr. Claudius Weisensee (r.) mit der Einbecker FDP-Vorsitzenden Dr. Marion Villmar-Doebeling und FDP-Kreisvorsitzenden Christian Grascha.

An der bröselnden Heldenburg-Mauer

Er kennt die Heldenburg, natürlich. Thomas Oppermann ist in Edemissen aufgewachsen, dort vier Jahre lang zur Schule gegangen, hat 1975 an der Goetheschule Abitur gemacht. „Hier war ich bestimmt 100 Jahre nicht mehr“, entfuhr es dem Bundestagsvizepräsidenten dann auch eher im übertragenden Sinne, als er von seinem Parteifreund Dirk Heitmüller am Fuße der Burg begrüßt wurde. Es ging um die weitere Sanierung der Heldenburg, die Unterstützung des Bundes, aber natürlich ging es auch um die Bürgermeisterwahl in Einbeck.

Blick auf Salzderhelden: SPD-Bürgermeisterkandidat Dirk Heitmüller (l.) im Gespräch mit Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann (SPD).
Vor der Burg-Kapelle, die ein Dach bekommen soll: Dirk Heitmüller (l.) mit Thomas Oppermann.

Rund 1,5 Millionen Euro sollen in den nächsten Jahren in die Heldenburg fließen, insgesamt in fünf Bauabschnitten. Für den ersten sollen möglichst noch in diesem Jahr die Arbeiten ausgeschrieben werden, hier soll die untere Stützmauer zu den Grundstücken am Heldenberg saniert werden. Bund und Land geben jeweils 175.000 Euro für diese Maßnahme. Oppermann konnte sich in Berlin für die Förderung einsetzen. Nun zeigte ihm Dirk Heitmüller am oberen Mauerteil, wie der Mörtel von den Mauern bröselt. „Die Heldenburg ist eine prägende Anlage, sie ist schon von weitem zu sehen“, sagte Oppermann, das habe er erst jetzt wieder bei der Anfahrt aus Richtung Stöckheim vor Augen gehabt. Die Heldenburg sei von großer Bedeutung, vermittele sie doch das Bewusstsein geschichtlicher Zusammenhänge, sagte der SPD-Politiker mit Wahlkreis in Göttingen. Deshalb sei auch eine Sanierung wichtig.

Beim geschichtlichen Wissen konnte SPD-Bürgermeisterkandidat Dirk Heitmüller, der auch Vorsitzender des Fördervereins Heldenburg und Ortsbürgermeister in Salzderhelden ist, seinem Gast noch etwas auf die Sprünge helfen: Das Niedersachsen-Ross habe hier seinen Ursprung, berichtete Heitmüller. 1361 hat Herzog Albrecht I. erstmals ein nach links springendes Pferd als Wappensymbol verwendet. Von 1320 bis 1596 diente die Heldenburg der Welfenlinie von Braunschweig-Grubenhagen als Residenz.

Salzderhelden habe nichts mit Helden zu tun, auch das war Thomas Oppermann nicht mehr so präsent. Der Ortsname bedeute so viel wie Salzwerk am steilen Bergabhang, einer „helde“. Natürlich hatte Oppermann von dem zerstörenden Feuer der Saline gehört, erkundigte sich bei Heitmüller nach dem Sachstand von Ermittlungen und Aufbauplänen. Die Saline gehöre zur Identität des Ortes ebenso wie die Heldenburg, sagte Thomas Oppermann.

Schnell noch ein Handy-Foto vom Blick in Richtung Edemissen: Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann (SPD) auf der Heldenburg.

Als finaler Sanierungsschritt bei der Heldenburg ist ein Dach auf der Burgkapelle geplant, auch dieses Vorhaben erläuterte Heitmüller Oppermann vor Ort und überreichte ihm die Nutzungsstudie und die aktuellste Buchveröffentlichung über die Heldenburg. Schon heute werde die Heldenburg von vielen Gästen besucht, berichtete Heitmüller, der auch selbst in historischem Gewande Führungen anbietet. Ein Dach über der Burgkapelle könne aber die Nutzung noch intensivieren, beispielsweise auch für Hochzeiten. Und eine Nutzung sei für die Anlage am Wichtigsten, um sie erhalten zu können.

Zum Abschluss tauschten sich Heitmüller und Oppermann zur bevorstehenden Bürgermeisterwahl in Einbeck aus. Der Kandidat schilderte seinen begonnenen Wahlkampf mit intensiven Bereisungen aller Ortschaften. Die Amtsinhaberin habe es ja leider bis heute nicht zu einer einzigen Ortsratssitzung in Salzderhelden geschafft, bedauerte er. Präsenz bei den Menschen sei wichtig, sagt der Kandidat, selbst unter schwierigen aktuellen Corona-Bedingungen, bei denen man den Bürgern ja noch nicht mal einen Kugelschreiber überreichen dürfe, ohne ihn zu desinfizieren. Thomas Oppermann nimmt Einbeck als eine Stadt mit einer guten Mischung zwischen Stadt und ländlicher Gegend wahr, das hätten nicht viele Orte vorzuweisen. Und nicht zuletzt dank PS-Speicher als Stadt auf dem aufsteigenden Ast. „Einbeck gehört zu den Hoffnungsträgern“, sagte der Bundestagsvizepräsident aus Göttingen. Durch die jetzt guten Zugverbindungen könnten Menschen, die in der Unistadt arbeiten, auch in der Umgebung von Einbeck wohnen und pendeln.

SPD-Bürgermeisterkandidat Dirk Heitmüller wollte die ursprünglich bereits früher geplante Visite Oppermanns zwar am Liebsten als Infobesuch beim Förderverein Heldenburg verstanden wissen, dessen Vorsitzender er ist. Das wird jedoch schwierig, wenn im Gefolge mehr Sozialdemokraten zu sehen sind als Mitglieder des Fördervereinvorstandes.

Der Mörtel an der Mauer bröselt, zeigte Dirk Heitmüller (l.) seinem Besucher Thomas Oppermann.

Die Tour beginnt

Dirk Heitmüller will Bürgermeister in Einbeck werden. Langsam, aber immer deutlicher spürbar beginnt in diesen Sommer-Tagen die Wahlkampf-Tour des SPD-Kandidaten. Zu der gehören in den Wochen bis zum 1. November auch Parteiveranstaltungen, auch die Firmenbesuche bei klassischen Sommertouren. Die sind zwar in Coronazeiten schwieriger und kleinteiliger, aber dennoch gut geeignet, sich in den eigenen Reihen zu positionieren. Heitmüller startet mit einem klug gesetzten Heimspiel: Mitglieder der SPD-Kreistagsfraktion und Landrätin Astrid Klinkert-Kittel (SPD) sind in Salzderhelden zu Gast, dem Ortsteil, in dem Dirk Heitmüller Ortsbürgermeister ist.

Auf dem Hof (v.l.): Landrätin Astrid Klinkert-Kittel, Ingrid Priesmeier, Dirk Heitmüller sowie die Geschäftsführer Dirk Haberzettel und Mario Lambrecht.

Aber nicht die nahe liegende Heldenburg ist Ziel der Kreistagspolitiker. Bewusst ausgesucht hat sich Heitmüller den Fahrzeugbauer Förstermann, direkt an der B3 gelegen. Keine 100 Meter entfernt wohnt der SPD-Bürgermeisterkandidat. Die Wahl fiel auf den Spezialisten aber, weil das Unternehmen mit 13 Mitarbeitern bislang in der Corona-Krise keine Förderung in Anspruch genommen und auch keine Kurzarbeit angemeldet hat. Als Handwerksbetrieb wolle man in Krisenzeiten solidarisch mit den Mitarbeitern sein, sagte Geschäftsführer Mario Lambrecht. Die Schwierigkeiten zeigt ein Blick auf den fast leeren Hof: Wo sonst immer mehrere Lkw in unterschiedlichen Stadien des Fahrzeugaufbaus stehen und auf Vollendung warten, fehlt es im Moment an Fahrgestell-Nachschub von den Herstellern. Förstermann baut vor allem individuelle Aufbauten auf Lkw und Anhänger nach Kundenwunsch, immer in Einzelanfertigung. Zwischen 80 und 100 Fahrzeuge schafft das Team in guten Jahren. Dieses Jahr wird kein gutes.

Die kleine Politiker-Delegation schaut sich in der Halle um. Förstermann, ursprünglich 1926 als Schmiede mitten im Ort gegründet und in den 1970-er Jahren an den heutigen Standort gewechselt, ist zertifizierter Partner von Mercedes und MAN. Dadurch ist der Spezialist, der im Landkreis Northeim und darüber hinaus im Umkreis keine Konkurrenz hat, auf dem technisch neuesten Stand. Mario Lambrecht und sein Geschäftsführer-Kollege Dirk Haberzettel kommen beim Besuch auch schnell darauf, wo ihnen der Schuh drückt. Die Regulierungen und Auflagen seien für einen Betrieb ihrer Größenordnung bald nicht mehr zu leisten, zu viele Schulungen und Zertifikate würden von der Bürokratie gefordert. Dabei sollte man doch eher darauf vertrauen, dass die Karosserie-Fahrzeugbauer und Mechatroniker durch ihre geleistete Qualitätsarbeit genug Zeugnis gegenüber ihren Kunden ablegen. Durch schlanke Verwaltung sei man flexibel und krisenfest.

Besuch bei Fahrzeugbau Förstermann (v.r.): Geschäftsführer Mario Lambrecht, Dirk Heitmüller, Peter Traupe, Ingrid Priesmeier.

Dirk Heitmüller wird Mitglieder des SPD-Kreistagsfraktion im Sommer noch einmal im Stadtgebiet begrüßen: Mitte August lassen die sich den Neubau der Leine-Brücke zwischen Olxheim und Garlebsen erläutern. Und bei einer weiteren traditionellen SPD-Sommertour war der Bürgermeisterkandidat dabei, die in diesem Jahr durch Corona-Auflagen und kleine Gruppen auch eher zur parteiinternen Veranstaltungsreihe ohne große Bürgerbeteiligung wird: Der SPD-Projektsommer der Kernstadt-SPD startete im Märchenwald. Bis Ende August stehen hier noch Visiten im Zirkus Charles Knie, bei Stadtwerken und im Schwimmbad sowie in der umgesiedelten Weinhandung Jörns auf dem Programm. Und die Heldenburg.

Politische Unterstützung für Salinen-Ersatzbau

Die Kommunalpolitik hat ihre Unterstützung für einen Ersatzbau des bei einem Feuer komplett zerstörten Salinenturms in Salzderhelden signalisiert. Einstimmig hat der Kulturausschuss heute in einem Dringlichkeitsantrag beschlossen, die Verwaltung mit entsprechenden Weichenstellungen zu beauftragen, mit dem Kultur-Förderkreis zusammenzuarbeiten, Fördermittel zu suchen und das Thema wieder im Ausschuss auf die Tagesordnung zu setzen, sobald politische Entscheidungen zu treffen sind. „Wir würden den Akteuren Mut machen“, hatte Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU) den Antrag ihrer Fraktion begründet.

Wie Baudirektor Joachim Mertens nach einem Ortstermin mit der Versicherung berichtete, ist die Brandruine weiterhin polizeilich beschlagnahmt und werde nach Freigabe auch für weitere Untersuchungen der Versicherung zunächst abgesperrt bleiben. Das Denkmal Salinenturm ist laut Mertens vollständig vernichtet. Die Versicherung habe heute angekündigt, den Zeitwert zu ersetzen. Dieser werde nun von zwei Sachverständigen ermittelt, mit einem Ergebnis sei in etwa vier Wochen zu rechnen. Das Gelände der Saline gehört der Stadt Einbeck und ist an den Kultur-Förderkreis Salzderhelden verpachtet.

Der Kultur-Förderkreis sei noch immer sprachlos über das Schicksal des Salinenturms, dessen aus dem Jahr 1884 stammende Technik erst 2011 wieder gangbar gemacht worden sei, sagte Vorsitzender Karl-Heinz Wessel im Kulturausschuss. „Unsere viele Arbeit und ein Wahrzeichen sind nicht mehr da.“ Der Kultur-Förderkreis hoffe auf die Brandversicherung, um mit dieser Hilfe ein neues Gebäude für die alte, nicht vernichtete Technik errichten zu können. „Wir engagieren uns weiter“, machte Wessel deutlich. Ein Spendenkonto werde außerdem eingerichtet.

„Salzderhelden hält zusammen“, sagte Kulturausschussmitglied und Ortsbürgermeister Dirk Heitmüller (SPD), der auch Bürgermeisterkandidat seiner Partei ist. Er freue sich, dass die CDU das Thema für sich entdeckt habe. Der Ortsrat sei bereits ebenfalls vor Ort gewesen und aktiv. Die CDU hatte bereits am Mittwoch Abend in einer Pressemitteilung eine politische Initiative zu dem Thema Salinenturm-Neubau „im Konsens mit den anderen Fraktionen und Parteien“ angekündigt und inklusive Foto mitgeteilt, dass man sich vor Ort ein Bild vom Ausmaß des Schadens gemacht habe. In Sachen Fördermittel-Einwerbung habe man bereits Kontakt zur Bürgermeisterin und zum Bundestagsabgeordneten Dr. Roy Kühne (CDU) aufgenommen, heißt es in der Presseinfo.

Mitglieder der CDU und der Ratsfraktion an der Brandruine des Salinenturms in Salzderhelden. Foto: CDU Einbeck
Die Brandruine des Salinenturms in Salzderhelden, aufgenommen am 5. Juli.

Strategie-Streit erreicht Ortsräte

Das sind die Handlungsfelder, über die zurzeit diskutiert wird. Jeder Bürger kann übrigens am 18. August von 10 bis 13 Uhr in der Sparkassenpassage seine Meinung zum Entwurf der Gesamtstrategie sagen und zu Protokoll geben. Foto: Stadt Einbeck

Der Streit über die künftige Strategie der Stadt Einbeck zwischen SPD und allen anderen Stadtratsfraktionen hat eine neue Ebene erreicht: Eine Einladung aus dem Rathaus zu dem am 17. August stattfindenden „Ortschaftsdialog im Rahmen der Zukunftswerkstatt ‚Strategie Einbeck'“ heute hat Salzderheldens Ortsbürgermeister Dirk Heitmüller (SPD) mit einer als offenen Brief gekennzeichneten E-Mail an die Bürgermeisterin, alle anderen Ortsbürgermeister und die Medien beantwortet. Eine Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Opperhausens Ortsbürgermeisterin Beatrix Tappe-Rostalski (CDU), wie Heitmüller auch Mitglied des Stadtrates, drückte bei der E-Mail auf „Allen antworten“ an den großen Ortsratsverteiler. Dirk Heitmüller möchte das Thema Strategie in jedem Ortsrat behandelt sehen, nicht in einer separaten Veranstaltung für alle Ortsräte. „Zu Themen wie Leitbild und Nachtabschaltung hat es jeweils eine Beteiligung der Ortsräte gegeben. Wenn eine Strategie für die Stadt Einbeck auf den Weg gebracht wird, dann kann das nicht ohne die 46 Ortsräte erfolgen.“ (Heitmüller meint sicherlich 46 Ortschaften, es gibt 25 Ortsräte) Für Salzderhelden soll das am 27. August in der nächsten Ortsratssitzung im Flecken erfolgen, für die Sitzung beantragte Heitmüller einen eigenen Tagesordnungspunkt „zu der von der Verwaltung und den mehrheitlichen Ratsfraktionen als sehr wichtig eingestuften Strategie“. Die SPD ist bekanntlich gegen die bisherige Art und Weise des Strategieprozesses und möchte unter anderem die Thematik in den gewählten Gremien der Stadt behandelt sehen. „Für einen der größten Ortsräte aus dem Stadtgebiet möchte ich abgebildet haben, in wieweit die Ortsteile der Stadt Einbeck in der Strategie Beachtung finden? Welche Auswirkungen hat eine Verabschiedung der Strategie in der September-Ratssitzung für die Ortsräte? Welche Vorteile sind zu erwarten? Finden Themen wie Daseinsvorsorge, Bevölkerungsverlust, Mobilität genügend Beachtung?“, schreibt der Salzderheldener Ortsbürgermeister in seiner offenen E-Mail an die Bürgermeisterin und zählt außerdem weitere wichtige Zukunftsaufgaben in den Dörfern auf. „Ich denke, auch für die anderen Ortsräte zu sprechen, wenn ich diese Art der demokratischen Mitgestaltung wünsche.“ Das ärgerte Beatrix Tappe-Rostalski, wie sie in ihrer Antwort deutlich erkennen lässt. „Der Ortsrat Opperhausen spricht immer noch für sich! Wir werden in den Dialog einsteigen…denn das ist genau die demokratische Mitgestaltung, die wir uns wünschen.“ Was Heitmüller schreibe, sei vermessen. Viele der von Heitmüller aufgezählten Punkte seien in den strategischen Oberzielen schon abgebildet. Der Termin am 17. August sei keine Infoveranstaltung, sondern eine Dialog-Veranstaltung, also Rede und Gegenrede, der Austausch von Fragen und Antworten, eine wechselseitige Kommunikation. Im Übrigen sei im laufenden Strategieprozess nichts in Stein gemeißelt. Tappe-Rostalski: „Strategische Steuerung ist ein fortlaufender Prozess…“ Von der mit dem offenen E-Mail-Brief angesprochenen Bürgermeisterin ist heute nur eine indirekte Reaktion auf die Heitmüller-Mail und die Antwort Tappe-Rostalskis bekannt geworden: sie hat die Medien zu einem Pressegespräch zum Thema „Strategie Einbeck“ eingeladen.

Finale für die Stützmauer

Die abschließenden Bauarbeiten für die Zufahrt zur Heldenburg in Salzderhelden haben begonnen.

Die abschließenden Bauarbeiten für die neue Stützmauer der Heldenburg-Zufahrt in Salzderhelden haben begonnen. Bis Ende Juli soll das Teilstück gebaut sein; Ende 2016 war der erste Abschnitt termingerecht abgeschlossen worden. Mit Abschluss der Arbeiten des zweiten Bauabschnitts ist dann die Gesamtbaumaßnahme für die 2015 eingestürzte Stützwand insgesamt fertiggestellt, wie die Stadt Einbeck mitteilt. Im vergangenen Jahr musste die Stadt die Ausschreibung ohne Vergabe der Arbeiten beenden, weil die eingegangenen zwei Angebote deutlich über dem kalkulierten Budget lagen. Jetzt wird die bisherige, provisorische Absturzsicherung zurückgebaut und die eigentliche Stahlbetonstützwand in einer Dicke von circa 40 Zentimetern hergestellt. Außerdem wird auf einer Länge von zehn Metern ein Teil der im unteren Zufahrtsbereich zur Heldenburg befindlichen Natursteinmauer abgerissen, damit die Zufahrt weiter wird und besser befahren werden kann. Der entstehende Geländesprung soll künftig mit einer Gabionenwand abgesichert werden. Außerdem wird die Fahrbahn von der Einbecker Straße bis auf die Höhe Parkplatz der Burgschänke auf die künftige Verkehrsbelastung abgestimmt mit Asphalt versehen, Nebenflächen teilweise gepflastert. Durch die Stadtwerke und die Stadtentwässerung Einbeck werden parallel dazu Ver- und Entsorgungsleitungen umverlegt oder neu verlegt. Dann wird auch zusätzlich eine trockene Steigleitung für Feuerlöschzwecke gelegt.

Die Zufahrt zur Burganlage und zur Burgschänke ist laut Stadt während des zweiten Bauabschnitts weitestgehend für den Fahrzeugverkehr nutzbar. Jedoch ist für die Dauer der Leitungsverlegungen eine Vollsperrung von drei Wochen erforderlich; wann diese sein wird, ist noch nicht bekannt. In der Ortsdurchfahrt Einbecker Straße wird die Straße halbseitig gesperrt und mit einer Ampel geregelt. Die Salinen- und die Bäckerstraße wurden durch eine Verkehrsabsperrung getrennt und jeweils zu Sackgassen umgeändert.

Nachtrag 26.04.2018: Da es von Anliegern und von Bewohnern Salzderheldens immer wieder Nachfragen gab, teilte heute das Straßen-und Grünflächenmanagement mit: „Im Rahmen der Bauarbeiten für die Ausführung des zweiten Bauabschnitts der Stützwand in Salzderhelden sind in den vergangenen Tagen unter anderem Stemmarbeiten an der im ersten Bauabschnitt hergestellten Betonwand durchgeführt worden. Hierbei handelte es sich um den Rückbau eines provisorisch hergestellten Betonbalkens, der seinerzeit zusätzlich an die neu hergestellte Betonwand auf einer Länge von circa 11 Meter angebracht worden ist. Das Provisorium war zwingend erforderlich, um eine Fahrbahnverbreiterung an einer Engstelle im unteren Abschnitt der Zufahrt zur Heldenburg zu erhalten. Nur so konnte gewährleistet werden, dass für die Übergangsphase zwischen dem 1. und 2. Bauabschnitt (Zeitraum 2017/2018) eine einwandfreie Befahrbarkeit der Zufahrt für Rettungs- und Einsatzkräfte sowie den Schwerlastverkehr zur Heldenburg und zum Gasthaus Burgschänke  gewährleistet werden konnte.“

Die Einbecker Straße wird während der Bauphase halbseitig gesperrt und mit einer Ampel geregelt.

Heldenburg-Zufahrt wird erst 2018 fertig

Stützmauer für die Zufahrt zu Heldenburg und Burgschänke in Salzderhelden.

Weil die die Angebote für den zweiten Bauabschnitt für die Zufahrt zur Heldenburg in Salzderhelden erheblich über den veranschlagten Kosten lagen, verzögert sich die Fertigstellung. Wie die Stadtverwaltung mitteilt (PM_Salzderhelden_31052017), lässt sie den Zeitplan durch das beauftragte Ingenieurbüro jetzt überarbeiten und führt im Winter 2017/2018 ein neues Vergabeverfahren durch. Die Zufahrt zur Heldenburg und zur Burgschänke sei aber weiterhin problemlos möglich und gewährleistet, betont Bauamtsleiter Frithjof Look in einer Pressemitteilung von gestern Abend. Die Bauarbeiten für den ersten Bauabschnitt waren Ende 2016 termingerecht fertiggestellt worden. Planmäßig wurde im Frühjahr der zweite Bauabschnitt öffentlich ausgeschrieben. Bei der am 23. Mai stattgefundenen Submission haben sich insgesamt zwei Firmen beteiligt, informiert Look. „Die eingegangenen Angebote haben die für den zweiten Bauabschnitt veranschlagten Kosten erheblich übertroffen, sodass die Finanzierung der Maßnahme nicht mehr gesichert ist und eine Auftragsvergabe daher nicht durchgeführt werden kann.“ Um wie viel höher dien Angebote lagen, sagte Look nicht. Die Kostenschätzung der Stadtverwaltung und des Ingenieurbüros seien sorgfältig gewesen. Gleichwohl zeige bereits die geringe Beteiligung von Firmen an der Ausschreibung, dass diese aufgrund der konjunkturellen Lage volle Auftragsbücher haben, erklärte der Bauamtsleiter. In Abstimmung mit dem Land Niedersachsen (50-prozentiger Kostenträger der Baumaßnahme) sowie dem Rechnungsprüfungsamt des Landkreise Northeim wird das förmliche Vergabeverfahren aufgehoben, da die Angebote unangemessen hohe Preise enthalten und somit den Ausschreibungsbedingen nicht entsprechen.

Nachtrag 02.06.2017: Die Sanierungsarbeiten an einem beschädigten anderen Teilstück der Stützmauer in Salzderhelden, nämlich im Bereich Heldenberger Straße, sind laut Mitteilung der Stadt Einbeck (PM_Salzderhelden_01062017) abgeschlossen, die Gefahr ist beseitigt. Die seit Ende Dezember 2016 teilweise gesperrte Heldenberger Straße ist ab sofort wieder für den Verkehr frei.

Salzderheldener Stahlbeton-Stützkonstruktion

(c) fb Frank Bertram

Armin Hinkelmann, Thomas Kreykenbohm, Bernd Grundmann, Frithjof Look, Willi Teutsch, Alexander Schneider, Heinz-Hermann Wolper, Carola Schneider, Dirk Heitmüller.

Die Salzderheldener Heldenburg und die „Burgschänke“ sind wieder für Pkw- und Schwerlastverkehr erreichbar, der erste Bauabschnitt der neuen Stützmauer für die Zufahrt ist nach einer Bauzeit von 13 Wochen termingerecht fertiggestellt worden. Ein Teil der Stützmauer war im Oktober 2015 aus weiterhin unbekannten Gründen eingestürzt, die Zufahrtböschung weggerutscht. Über die Art der dauerhaften Erneuerung war zwischenzeitlich diskutiert worden, nachdem Notmaßnahmen ergriffen worden waren. Letztlich haben sich die Stadt Einbeck und das Land Niedersachsen, deren gemeinsame Baumaßnahme das ist, für eine Stahlbeton-Stützkonstruktion entschieden. Die Kosten blieben bislang im Rahmen von 230.000 Euro für den ersten Bauabschnitt, die Summe teilen sich Stadt und Land. Nach der Winterpause soll die Erneuerung der Stützmauer dann bis Oktober 2017 abgeschlossen werden. Eigentümer Armin Hinkelmann, „Burgschänke“-Pächter Carola und Alexander Schneider sowie Salzderheldens Ortsbürgermeister Dirk Heitmüller bedankten sich bei der Stadtverwaltung für eine zugesagte, planmäßige Umsetzung. Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft ist die Zufahrt zur Gastronomie jetzt wieder ohne (Tonnagen-) Einschränkungen für Besucher-Pkw frei. Auch die Teilsanierung der Heldenburg (Zugangstreppe, Mauern, Turm), die unterbrochen werden musste, kann jetzt wieder fortgesetzt werden.

Im ersten Bauabschnitt wurden die provisorisch eingebauten Gabionen schrittweise entfernt, die Böschung wurde mit sieben bis acht Meter langen Verpresspfählen und bewehrtem Spritzbeton gesichert. Der zweite Bauabschnitt sieht 2017 vor, nachdem die provisorische Absturzsicherung entfernt worden ist, die eigentliche Stahlbetonwand als Stützmauer in einer Dicke von 40 Zentimeter herzustellen. Die Betonoberfläche wird aus ästhetischen Gründen farblich an das bestehende Teilstück der verbliebenen Natursteinmauer angepasst. Außerdem sollen Versorgungsleitungen erneuert und eine trockene Steigleitung für Feuerlöschzwecke innerhalb der Zufahrt verlegt werden. Ein zehn Meter langes Teilstück der Natursteinmauer wird abgerissen, um eine breitere Zufahrt über die gesamte Länge möglich zu machen. Die Zufahrt wird komplett asphaltiert. Der Ortsrat Salzderhelden überlegt, ob er aus eigenen Mitteln im nächsten Jahr im Zuge der ohnehin stattfindenden Bauarbeiten den Parkplatz der Burg und der „Burgschänke“ auf dem Burgplatz erneuern lässt.

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Salzderheldener Stützmauer: Sanierung startet

Die Ampel steht, die Bauarbeiten haben begonnen.

Die Ampel steht, die Bauarbeiten zu Füßen der Heldenburg haben begonnen.

Die Baustelle ist eingerichtet, es kann losgehen, zu Füßen der Heldenburg und der „Burgschänke“ in Salzderhelden regelt jetzt auf der Einbecker Straße eine Ampel den Verkehr für eine Fahrspur. Bis Ende November soll nach einer Mitteilung der Stadt Einbeck der erste Teil der Stützmauer-Sanierung erledigt werden; der Rest folgt im nächsten Jahr. Ein Teil der Mauer für die Zufahrt war im Oktober vergangenen Jahres unvermittelt eingestürzt (warum ist bislang noch nicht kommuniziert worden, zumindest nicht öffentlich), seitdem stützen Gabionen die Zuwegung zu Burg und „Burgschänke“. Über die Art und Weise, wie die Sanierung erfolgen soll, wurde ausführlich diskutiert. Als künftige Stützkonstruktion ist nun eine Stahlbetonwand mit Rückverankerung vorgesehen.

Laut Bauamtsleiter Frithjof Look sind bislang Kosten in Höhe von rund 330.000 Euro entstanden. Dazu zählen die Sicherungs- und Aufräumarbeiten beim Einsturz, das Bodengutachten nebst Laboruntersuchungen des Erdbefundes, die Ingenieurleistungen und die aktuellen Baumaßnahmen. Die Kosten werden je zur Hälfte vom Land Niedersachsen (Eigentümerin der Burg) und von der Stadt Einbeck getragen.

Beim ersten Bauabschnitt werden die an der Einsturzstelle provisorisch eingebauten Gabionen schrittweise zurück gebaut. Die Böschung wird zwischenzeitlich durch Verpresspfähle sowie mit bewehrtem Spritzbeton gesichert. Der dadurch entstehende Baugruben- und Böschungsbereich wird anschließend mit unbewehrtem Beton aufgefüllt und ebenfalls an die
Verpresspfähle angehängt. Die eigentliche Stahlbetonwand folgt im zweiten Bauabschnitt (Mai/Juni bis Juli/August 2017). Zwischen den Bauabschnitten werden die Arbeiten an der Heldenburg durch das Land Niedersachsen weitergeführt, teilt die Stadt Einbeck mit. Diese Arbeiten mussten zwischenzeitlich ruhen.

Pkw können die Zufahrt zur Burg und zur “Burgschänke“ während des ersten Bauabschnitts weitestgehend nutzen. Danach kann auch wieder der Schwerverkehr die Zufahrt befahren. In der Ortsdurchfahrt Einbecker Straße (K 524) wird der Verkehr im Baustellenabschnitt unter halbseitiger Sperrung mit einer Ampel geführt. Die Salinen- und Bäckerstraße wird durch eine Absperrung getrennt und jeweils zur Sackgasse gemacht, sodass Schleichverkehre verhindert werden. Diese waren von Anliegern bei den Sicherungsbauarbeiten im vergangenen Herbst kritisiert worden.

Gabionen sichern bislang die Zufahrt, nachdem ein Teil der Stützmauer aus bislang ungeklärter Ursache im Oktober 2015 eingestürzt war.

Eine Gabionen-Mauer sichert bislang die Zufahrt, nachdem ein Teil der Stützmauer für die Zufahrt zur Heldenburg in Salzderhelden aus bislang ungeklärter Ursache im Oktober 2015 eingestürzt war.

Mauer-Meisterleistung?

Drahtkörbe, gefüllt mit Steinen, so genannte Gabionen, stützen jetzt Zufahrt und Hang.

Drahtkörbe, gefüllt mit Steinen, so genannte Gabionen, stützen Zufahrt und Hang. Archivfoto

Deutsche Ingenieurskunst wird ja zu Recht gelobt und geschätzt – in den meisten Fällen jedenfalls. Wer sich allerdings die Unterlagen für die nächste Sitzung des Ortsrates Salzderhelden durchliest (4. April, 19 Uhr, Gemeinschaftsraum Bahnhofsgebäude), wird sich beim Tagesordnungspunkt „Neubau eines Teilstücks der Stützmauer an der Zufahrt zur Heldenburg“ mehrere Fragen stellen. Ob da jemand seine Meisterarbeit erbringen will? Ob es nicht vielleicht auch eine Nummer kleiner (und damit vor allem schneller) geht? Ob es nicht doch eine Alternative gibt? Ich tue das jedenfalls, wenn ich dort lese, dass drei (!) Ingenieurbüros Alternativlösungen zu einer gutachterlich empfohlenen Bohrträgerbohlwand ausarbeiten sollen. Das wird Wochen dauern. Die Begründung klingt zwar stichhaltig (für die Bohlwand-Bauarbeiten müssten die Straße gesperrt werden, für wie lange steht leider nicht in der Vorlage), und jeder Tag ohne Zufahrt zur Heldenburg ist ein schlechter Tag nicht allein für die Burgruine (und ihre geplante Nutzung durch Veranstaltungen des Fördervereins beispielsweise), sondern vor allem eine schlechte Zeit für die Pächter der Gaststätte „Burgschänke“. Im Oktober 2015 war ein Teilabschnitt der Stützwand der Heldenburg-Zufahrt unvermittelt eingestürzt, die Ursache ist bis heute unklar – und sie muss noch geklärt werden, wie ich nach wie vor finde. Die Burganlagen-Zufahrt und die Einbecker Straße mussten im Oktober einige Tage gesperrt werden, provisorisch wurde eine so genannte Gabionen-Sicherungsmauer gebaut, um die Zufahrt wieder gewährleisten zu können. Jetzt geht es um eine dauerhafte Lösung. Die kann aber bitte nicht darin bestehen, monatelang zu planen, ein Gutachten nach dem nächsten in Auftrag zu geben – um am Ende im schlimmsten Falle zu dem Ergebnis zu kommen, dass es ohne Sperrung doch nicht gehen wird. Von Kosten für alles dies will ich gar nicht reden.

Nachtrag 06.04.2016: Bauamtsleiter Frithjof Look hat jetzt in einer umfangreichen Pressemitteilung (PM_Mauer Salzderhelden_05042016) u.a. begründet, warum die Stadt Einbeck so vorgeht. Momentan seien drei Ingenieurbüros aufgefordert, bis zum 15. April 2016 ein Honorarangebot für Ingenieurleistungen abzugeben, um Alternativlösungen für die
empfohlene Bohrträgerbohlwand auszuarbeiten, bei denen die Straße und die Zufahrt genutzt werden können. „Kosten entstehen hierfür nicht“, schreibt Look. Nein, der Stadt Einbeck sicherlich nicht, aber wenigstens zwei Ingenieurbüros erbringen ihre Leistungen für das Angebot, ohne dass sie am Ende einen Auftrag erhalten werden; ihnen entstehen Kosten. Laut Look ist es vorgeschrieben, für freiberufliche Leistungen drei geeignete Bieter zur Abgabe von Angeboten aufzufordern. Nach Prüfung und Auswertung der Honorarangebote sollen die Ingenieurleistungen kurzfristig beauftragt werden, heißt es. Die „eigentliche Ausführungsplanung“ dauere dann noch mal vier bis fünf Wochen, schreibt Look. Wie lange die konkreten Bauarbeiten voraussichtlich dauern werden, schreibt er nicht. Ich schreibe dann jedenfalls schon Juni…

Nachtrag 12.04.2016: Der Ortsrat Salzderhelden hat in seiner jüngsten Sitzung die Ungewissheit bei den Planungen kritisiert. Laut Protokoll hat Ortsbürgermeister Dirk Heitmüller (SPD) bemängelt, dass zurzeit niemand wisse, wann die Baumaßnahmen abgeschlossen sein werden. Er gehe davon aus, dass diese nicht mehr in diesem Jahr beendet werden könnten. Heitmüller hat dem Sitzungsprotokoll zufolge darauf hingewiesen, dass sowohl der Besitzer als auch der Betreiber der „Burgschänke“ auf einen Zeitplan warteten, der ihnen eine längerfristige Planung ermögliche.

Nachtrag 24.06.2016: Im Ortsrat Salzderhelden hat es laut Protokoll während der jüngsten Sitzung neue Informationen zu der Thematik gegeben (auch hier nachzulesen). Die Planung wurde an das Ingenieurbüro Dr. Borg (Hildesheim) vergeben. Nach Abschluss des Vergabeverfahrens ist vorgesehen, die Bauleistungen bis Ende Juli zu vergeben. Da lag ich mit meiner Zeitschätzung (siehe oben) gar nicht so daneben… Die Baumaßnahme soll wegen der bis zum Eintreten der Winterperiode nur noch verbleibenden Bauzeit in zwei Abschnitten durchgeführt werden. Anfang August sollen die Betonarbeiten starten und im ersten Abschnitt bis spätestens Ende November abgeschlossen sein. Die Zufahrt (Straßenbau- und Nebenarbeiten) sollen dann zwischen März/ April und Mai/Juni 2017 hergestellt werden. Als Bauweise wird eine Stahlbetonwand mit Rückverankerung realisiert. Dadurch können während der Bauarbeiten sowohl die Einbecker Straße (K 524) als auch die Zufahrt zur Burganlage genutzt werden. Die an der Einsturzstelle im vergangenen Herbst als vorübergehende Sicherung eingebauten Gabionen werden schrittweise entfernt, die Böschung durch so genannte Verpresspfähle und bewehrtem Spritzbeton gesichert. Die Zufahrt zu Burg und Burgschänke wird im unteren Abschnitt aufgeweitet. Dafür muss eine Natursteinmauer dort auf einer Länge von etwa zehn Metern abgerissen werden. Zur Sicherung werden dort wieder Gabionen eingebaut.

Heldenburg: Neues über alte Mauern

Mit einer interessanten Stellungnahme hat sich heute der Förderverein Heldenburg Salzderhelden bei Facebook zu Wort gemeldet. Interessant vor allem, weil es seit der provisorischen Abstützung der im Oktober eingestürzten Zufahrt-Mauer so gut wie keine Informationen mehr zu dem Thema gegeben hatte.

Bauarbeiten im WinterschlafIm Frühjahr 2015 war die frohe Kunde zu vernehmen, dass das Land Niedersachsen einen…

Posted by Heldenburg Salzderhelden on Sonntag, 21. Februar 2016

 

Wie der Förderverein bei Facebook schreibt, seien die Untersuchungen des Mauerwerks weitgehend abgeschlossen. 2016 soll getestet werden, wie der Verfall am Besten zu stoppen ist. Es sei müßig darüber zu diskutieren, ob die Bauarbeiten für die neuen Treppenzugang-Stufen ein Grund für den Einsturz der Mauer gewesen seien, schreibt der Förderverein. Denn im Frühjahr 2015 seien ja auch z.B. die Kastanien oberhalb der Mauer gefällt worden, die nun kein Wasser mehr aus dem Boden ziehen. Stadt und Land, denen die Auffahrt zu je 50 Prozent gehört, seien seit 30 Jahren keinerlei Verkehrssicherungspflicht nachgekommen. Wiederholt habe der Förderverein Heldenburg bei Ortsterminen auf die Spurrillen in der Auffahrt und die Ausbeulung der Mauer hingewiesen. Die Auffahrt habe jahrelang dem Lieferverkehr der Burgschänke und dem Baustellenverkehr standgehalten: bei der Instandsetzung der Burg vor 30 Jahren, beim Einbau der Treppe in den Turm, bei den Ausgrabungen in der Kapelle, beim Einbau der Zwischendecke in die Kapelle sowie dem Bau der Toilettenanlage – immer wurde Material über die Auffahrt transportiert. Bis zum Oktober 2015.

Ich weiß nicht, ob es müßig ist, über die Ursachen zu sprechen. Ich habe schon nach dem Einsturz hier geschrieben, dass sobald die Zukunftslösungen klar sind, die Ursachensuche intensiviert werden muss. Da geht es schließlich unter Umständen auch um Haftungsfragen und Kostenübernahmen. Geld für die Sanierung der Mauer ist für dieses Jahr eingeplant im städtischen Haushalt. Die Bauarbeiten an der Auffahrt sollen im Frühjahr beginnen, schreibt der Förderverein heute. „Zwar handelte die Stadt Einbeck schnell, um wenigstens ein provisorisches Erreichen der Burgschänke zu ermöglichen – die eigentliche Arbeit liegt allerdings noch vor ihr.“ Dazu gehört auch die Ursachen-Suche.

Die neue Mauer

In der "Burgschänke" fand heute die außerordentliche Ortsratssitzung statt - vor großer Besucherkulisse.

In der „Burgschänke“ fand heute die außerordentliche Ortsratssitzung statt – vor großer Besucherkulisse.

Die Nachrichten war positive, die Zufriedenheit und das Lob daher allendhalben groß, der Diskussionsbedarf gering: Bei der 25-minütigen, außerordentlichen Ortsratssitzung in Salzderhelden konnte Einbecks Bauamtsleiter Frithjof Look am Abend vermelden, dass nach dem Abrutschen der Stützmauer an der Heldenburg-Zufahrt vorvergangenen Sonntag die Bauarbeiten der Sicherungsmaßnahmen am Freitag beendet werden können. Der Hang ist aktuell mit einer Gabionen-Mauer abgestützt worden, also mit Drahtkörben, die mit Steinen gefüllt werden. Der Verkehr auf der Einbecker Straße und damit auf der Salzderheldener Ortsdurchfahrt wird am Wochenende wieder fließen können – und zwar ohne Beeinträchtigungen, eine einspurige Verkehrsführung mit Ampelschaltung, wie ursprünglich vermutet, ist laut Look doch nicht notwendig. Innerhalb der nächsten zwei Wochen werde auch wieder möglich sein, die Zufahrt zur Heldenburg und damit auch zur „Burgschänke“ mit Pkw zu nutzen. Wie es perspektivisch mit Mauer, Hang und Zufahrt weiter geht, werde ein für den 3.November angesetztes Gespräch mit Vertretern des Landes Niedersachsen ergeben, sagte der Bauamtschef. Das Land ist Eigentümerin der Heldenburg. Die Stadt Einbeck jedenfalls sei an einem zügigen Verfahren interessiert, allerdings seien der kommende Winter und die Planungs- und Ausschreibungszeiträume nur schwerlich zurzeit kalkulierbar. Ein Zeitplan lasse sich daher aktuell nicht nennen, sagte Look. Wie Tiefbauamtsleiter Thomas Kreykenbohm ergänzte, müsse das Bodengefüge noch geprüft und die Statik weiter erkundet werden, erst dann lasse sich sagen, wie eine dauerhafte Lösung aussehen könne. Bei einer neuen Stützmauer werde dann die Zufahrt auch wieder mit 7,5-Tonnen-Transportern befahren werden können, aber erst dann.

Am Freitag sollen die Bauarbeiten an der vorübergehenden Gabionen-Stützmauer abgeschlossen sein.

Am Freitag sollen die Bauarbeiten an der vorübergehenden Gabionen-Stützmauer abgeschlossen sein.

Großes Lob bekam das Rathaus von Dr. Reinhard Binder (FDP), die Lösung des Bauamtes sei mittelfristig tragbar, damit könne der Ort der Heldenburg und auch die Gaststätte leben. „Danke, dass es so schnell gegangen ist“, sagte auch Jörg Brödner (CDU). Dass die Stadtverwaltung richtig und so schnell gehandelt habe, das sei ihr Job, meinte Klaus Haendel (SPD). Dafür sei imgrunde kein Extra-Treffen des Ortsrates notwendig gewesen. Ortsbürgermeister Dirk Heitmüller (SPD) verteidigte die außerordentliche Sitzung, sie sei sicherlich auch dem ersten Schrecken geschuldet. Das öffentliche Interesse sei bei dem Thema aber da, das zeige die Besucherresonanz in der bis auf den letzten Platz besetzten „Burgschänke“. Und wenn es nicht wie geschehen so optimal in der Verwaltung gelaufen wäre, hätte man von der Sitzung eine Botschaft senden können.

Schade, dass einige trotzdem nicht widerstehen konnten, die Sitzung für Scharmützel zu nutzen. FDP-Mann Dr. Reinhard Binder zweifelte erst die ordnungsgemäße Ladung zur Sitzung an, dann mäkelte er an der Dringlichkeit und überhaupt am Antrag von Jörg Brödner (CDU) zur Bäckerstraße herum, die viele Autofahrer mit hohem Tempo als Schleichweg missbraucht hatten. Brödner wollte geregelt wissen, dass für die enge Ortsstraße von der Verwaltung in Zukunft entsprechende verkehrsberuhigende Maßnahmen veranlasst werden, wenn wieder an der Mauer gearbeitet werde und die Einbecker Straße gesperrt werden muss. Was der Ortsrat am Ende auch mit großer Mehrheit so sah. Nur Dr. Binder nicht: Man sei „nicht der Ortsrat der Bäckerstraße“, wie der Verkehr dort zu regeln sei bei Bauarbeiten, das sei Aufgabe der Verwaltung.

Wie schon gesagt: Was die lokalste Lokalpolitik überhaupt nicht braucht, sind solche parteipolitischen und formalistischen Diskussionen, die heute im Ortsrat wesentliche Zeit der 25 Minuten Dauer einnahmen. Ihre Energie sollten sich einige dafür aufsparen, wenn später einmal nach der Ursachensuche darüber debattiert wird, wie das überhaupt passieren konnte mit dem Mauerfall…

Nachtrag 03.11.2015: Wie Bauamtsleiter Frithjof Look am Nachmittag per Presseinformation (Pressemitteilung_Salzderhelden_3) mitteilte, ist ab sofort die Zufahrt zur „Burgschänke“ für Pkw bis 2,5 Tonnen gewährleistet. Die Verwaltung sei jetzt bemüht, gemeinsam mit dem Land Niedersachsen zügig eine Lösung zum Wiederaufbau der Stützmauer zu erarbeiten. Look: „Wir werden über weitere Ergebnisse den Ortsrat, die politischen Gremien und die Pächter der „Burgschänke“ informieren.“

Drahtkörbe, gefüllt mit Steinen, so genannte Gabionen, stützen jetzt Zufahrt und Hang.

Drahtkörbe, gefüllt mit Steinen, so genannte Gabionen, stützen jetzt Zufahrt und Hang zur Heldenburg in Salzderhelden.

Die Mauer

Aufnahme vom 21.10.2015

Aufnahme vom 21.10.2015

Ohrenzeugen berichten von einem lauten Krachen. Dann lagen mehrere Meter der Stützmauer für die Zufahrt zur Salzderheldener Heldenburg auf der Straße, waren die Mauer am Sonntag eingestürzt, die Steine inklusive Zaun, Laterne und Rohren abgestürzt. Gottlob ist niemand dabei verletzt worden und zu Schaden gekommen. Und dennoch gibt es einen Schaden: Für die Gastronomie auf der Heldenburg ist eine Zufahrt wichtig, existenziell. Vor allem im jetzt beginnenden Vorweihnachtsgeschäft. Die „Burgschänke“ ist aktuell ausschließlich zu Fuß erreichbar. „Für den Pächter ist das eine unglückliche Situation, dessen sind wir uns bewusst“, sagte mir heute Frithjof Look, der Einbecker Bauamtsleiter. Die Stadt werde ihn ebenso wie die Politik fortlaufend informieren, wie es weitergehe. Durch den geplanten zusätzlichen Abtrag von Erde an der Einsturzstelle zur Stabilisierung des Hanges könne die Stadt aber vorerst keinen Autoverkehr auf der Zufahrt zulassen. Die Stadt Einbeck will zügig den Gehweg, über den die „Burgschänke“ zu erreichen ist, beleuchten und so den Vorschlag des Pächters umsetzen. Rettungs- und Feuerwehrfahrzeuge können die Burg derzeit nicht anfahren. Auch die seit Sommer laufenden Sanierungsarbeiten des Landes Niedersachsen auf der aus dem 13. Jahrhundert stammenden Heldenburg ruhen. Das Land Niedersachsen ist Eigentümerin der Heldenburg.

Kommende Woche findet zu dem Thema eine außerordentliche Ortsratssitzung in Salzderhelden statt. Das Treffen ist für den 29. Oktober um 19 Uhr direkt in der „Burgschänke“ terminiert. Was die lokalste aller Lokalpolitik jetzt ganz sicher nicht benötigt, ist Parteipolitik, wie sie in einer Pressemitteilung des FDP-Ortsratsmitglieds Dr. Reinhard Binder heute anklingt (Wortlaut: FDP 211015 Burgmauer Salzderhelden). Niemand braucht bei diesem Thema Streit untereinander und Schuldzuweisungen. Die Menschen wollen Lösungen, die direkt Betroffenen brauchen Zukunftsoptionen. Die eine Zufahrt zur Heldenburg wieder ermöglichen. Ideen gibt es. Dabei ist aber ein wenig Flexibilität von mehreren Beteiligten gefragt. In Abstimmung mit dem Land Niedersachsen arbeitet die Stadt „zügig“ an Bauplänen zum Wiederaufbau der Mauer, wie mir der Bauamtsleiter heute erklärte und auch am Abend in einer Pressemitteilung verbreitete (Wortlaut: Pressemitteilung_Salzderhelden_1). Look: „Dieses wird jedoch Zeit brauchen.“ Baumaßnahmen müssen ausgeschrieben werden. Keine Frage. Vielleicht tun es aber auch praktikable Übergangslösungen.

Und wenn die Zukunftslösungen klar sind, kann und muss danach auch die Ursachensuche intensiviert werden, aber erst dann. Dabei wird zu fragen sein, wie eine solche Mauer einfach so einstürzen kann. Welche Belastungen den Absturz der Mauer ausgelöst oder mindestens befördert haben könnten. Und was unter Umständen der sprichwörtliche Wassertropfen war, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Auch hier geht es nicht darum, billige Schuldzuweisungen zu verteilen und „Ich habe es ja schon immer vorher gewusst“-Aussagen. Es geht schlicht um Verantwortung (und damit auch um die Frage, wer für den Schaden aufkommt). Bereits Anfang Oktober waren Vertreter der Stadt Einbeck und des Staatlichen Baumanagements Südniedersachsen vor Ort, um die Mauer zu begutachten. Risse seien zu sehen gewesen, auch Auswölbungen heißt es. Nach dem Ortstermin sind ein Gehweg zur Burg gesperrt und vor allem Sicherungsmaßnahmen ergriffen worden, um die Mauer vor eintretendem Niederschlagswasser zu schützen. Dafür wurde Beton und Asphalt auf die Mauerkrone und damit die Zufahrt aufgetragen, diese außerdem auf eine Pkw-Breite begrenzt. „Wir sind davon ausgegangen, dass das ausreichend ist“, sagt Frithjof Look.

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Nachtrag 22.10.2015: Heute teilt die Stadt Einbeck ergänzend mit (Pressemitteilung_Salzderhelden_2), dass die Baustelle zur Sicherung der Gefahrenstelle ab morgen, 23. Oktober, eingerichtet wird und die Sicherungsmaßnahmen selbst am kommenden Montag, 26. Oktober, beginnen werden. Ausdrücklich hat Bauamtsleiter Frithjof Look in seiner Mitteilung noch einmal darauf hingewiesen, dass die „Burgschänke“ über den vorhandenen Gehweg erreichbar sei und der Pächter über die weiteren Schritte informiert werde. Die Beleuchtung des Weges soll umgehend von einer Fachfirma wieder hergestellt werden.

Bahnhofsviertel

Der Zentrale Omnibus-Bahnhof (ZOB) in Einbeck heute, im Hintergrund der Bahnhof Einbeck-Mitte.

Der Zentrale Omnibus-Bahnhof (ZOB) in Einbeck heute, im Hintergrund der Bahnhof Einbeck-Mitte, von dem ab 2017 wieder regelmäßig Personenzüge abfahren sollen.

Das Einbecker Bahnhofsviertel soll schicker werden, und vielleicht sogar rechtzeitig, bis der erste reguläre Personenzug den Kernstadt-Bahnhof wieder ansteuert… naja, man soll ja die Hoffnung nicht aufgeben, sie segnet bekanntlich das Zeitliche final. Ende 2017 soll die Trasse zwischen Mitte und Salzderhelden wieder regelmäßig von Personenzügen befahren werden. Und sobald das so ist, genügt nicht nur ein Durchfegen des Bahnhofsvorplatzes und ein Unkraut zupfen auf dem Bahnsteig und umzu. Deshalb soll auch der Bereich rund um den Bahnhof „beplant“ werden, wie das Experten gerne formulieren. Der ZOB ist damit gemeint, aber auch Parkplätze für Pendler sind notwendig, damit der Zugverkehr ab Einbeck-Mitte Sinn macht. Pendler-Parkraum könnte in Verlängerung der Parkplätze für das Neue Rathaus entstehen (respektive die vorhandenen stärker genutzt werden). Nach einem Antrag der SPD im Mai hat der Stadtentwicklungsausschuss zur Kenntnis genommen, dass die Planungen für den ZOB voran getrieben wurde. Im Februar 2016 sollen jetzt die renommierten Planer des Planungsbüros ppb (Hannover), die laut Stadtverwaltung mit dem Bau des Bahnhofes in Eschwege oder Hofgeismar hervorragende Referenzen und Erfahrungen im Bau und Umbau von Verkehrseinrichtungen haben, entsprechende Planungsvarianten für das Einbecker Bahnhofsviertel inklusive Förderprogramm-Möglichkeiten, Prioritätenliste und Zeitplan vorlegen. Zurzeit macht das Büro eine Bestandsaufnahme. Bei der hoffentlich, nein sicherlich auch die Überlegungen zum nahen Stukenbrokpark und die aktuell für Fußgänger und Autofahrer wenig befriedigende Überquerungssituation der Dr.-Friedrich-Uhde-Straße an der Einmündung zur Ball-Ricco-Straße berücksichtigt wird.

Der Stadtrat hat vergangene Woche mit großer Mehrheit beschlossen, dass sich die Stadt Einbeck mit 300.000 Euro an der Reaktivierung der Bahnstrecke von Salzderhelden nach Einbeck-Mitte beteiligt. Das Geld wird im nächsten Haushaltsjahr als Kapitalerhöhung der Ilmebahn GmbH bereit gestellt, die Stadt ist neben dem Landkreis Northeim Hauptgesellschafterin der Ilmebahn. Die einzige Gegenstimme kam von Willi Teutsch (CDU). Der Ahlshäuser bemängelte die Höhe der Gesamtkosten für die Strecke: „Die acht Millionen Euro wären für die Verbesserung der Anbindung der Ortschaften besser aufgehoben.“ Für acht Millionen Euro soll die 4,4 Kilometer lange Bahnstrecke komplett erneuert  werden. Insgesamt eine Million davon tragen Landkreis Northeim und Stadt Einbeck über die Ilmebahn-Kapitalerhöhung, der Landkreis muss seine 700.000 Euro noch beschließen. Die Hauptkosten trägt das Land Niedersachsen.

Dietmar Bartels (Grüne) betonte, beides sei gleich wichtig, eine Bahnstrecke von der Kernstadt nach Salzderhelden und die Anbindung der Ortschaften. Ein besserer Personennahverkehr sei der nächste, folgende Schritt. Für 300.000 Euro als Stadt eine durchsanierte Bahnstrecke zu erhalten „ist ein Schnäppchen, das kann man nicht ablehnen“, sagte Marcus Seidel (SPD). Auch er sieht in der wieder aktiven Bahnstrecke den ersten Schritt zu weiteren Verbesserung des ÖPNV. Einbeck brauche die Kernstadt-Bahnanbindung, sagte Frank-Dieter Pfefferkorn (Bürgerliste/GfE), dürfe aber auch die Ortschaften nicht aus dem Auge verlieren, forderte der Greener.

Und noch ein weiteres Bahn-Projekt nähert sich allmählich der Vollendung: Zurzeit liegt im Neuen Rathaus der Planfeststellungsbeschluss für den Haltepunkt „PS-Speicher“ an Bahnkilometer 5,560 der Nebenbahnstrecke Einbeck-Salzderhelden – Einbeck-Sachsenbreite öffentlich aus. Das lange Genehmigungsverfahren soll bald abgeschlossen werden können. Dann wird es möglich sein, dass die Besucher der Oldtimer-Ausstellung direkt zwischen Ausstellung und Hotel mit dem Zug vorfahren und bequemer aussteigen, als das bei Provisorien jetzt der Fall ist.

Nachtrag 12.10.2015: Am Freitag hat der Northeimer Kreistag einstimmig die Beteiligung des Landkreises zugesagt, die 700.000 Euro in Form einer Kapitalerhöhung bereitzustellen. Die Zusage steht unter dem Vorbehalt, dass für einen Teilbetrag von 250.000 Euro noch die notwendige Genehmigung für den Haushalt 2016 aussteht.

Nachtrag 17.10.2015: Ein wenig irritierend ist die gestern verschickte Pressemitteilung (151016_PM-Streckenreaktivierung SPD Schwarz) des SPD-Landtagsabgeordneten und Kreistagsabgeordneten Uwe Schwarz (Bad Gandersheim) zur Reaktivierung der Bahnstrecke. Auf den ersten Blick könnte der Eindruck entstehen, dass Landkreis und Stadt Einbeck jetzt mit einem Mal nur noch die Hälfte bezahlen müssen. In Wirklichkeit will Schwarz aber nur deutlich machen, dass eine Million Euro bei dem Projekt aus dem Südniedersachsenprogramm der Landesregierung stammt, andernfalls hätten die Kommunen das Doppelte aufbringen müssen. Es bleibt also bei den Kosten 700.000 Euro für den Landkreis und 300.000 Euro für die Stadt, die als Kapitalerhöhung für die Ilmebahn GmbH beschlossen sind.

Lösungen für Schularbeiten

Mancher hat beim Blick auf die Tagesordnung zuletzt skeptisch geschaut, ob er überhaupt die aktuelle Einladungsversion für die Schulausschuss-Sitzung zur Hand hatte. Denn seit Monaten fanden sich beinahe ausschließlich identische Themen auf der Agenda des Stadtrat-Gremiums: Lehrschwimmbecken Geschwister-Scholl-Schule, Mensaerweiterung in der Grundschule Vogelbeck/Salzderhelden und der Anbau an die Grundschule in Kreiensen. In rekordverdächtiger Zeit von nicht einmal einer halben Stunde Sitzungsdauer hat der Schulausschuss gestern diese drei Dauerbrenner-Themen abgeräumt und abschließend entschieden. In der Grundschule in Vogelbeck wird die Mensa für rund 62.000 Euro erweitert. Der Umbau kann während des laufenden Schulbetriebs geschehen, weil die umzubauenden Räume (Duschraum, Umkleidekabine) derzeit von der Schule nicht genutzt werden. Als Nachteil dieser Variante sah Dr. Reinhard Binder (FDP), dass der Mensabereich nicht über 32 Plätze erweiterbar ist. Er stimmte deswegen als einziges Ausschussmitglied dagegen, weil seiner Meinung nach nicht vorab ein Bedarf abgefragt werde.

Nach monatelanger Debatte gibt es auch für die Grundschule Kreiensen eine Lösung gegen die Raumnot: Sie bekommt zum nächsten Schuljahr 2016/17 vier zusätzliche Klassenräume. Sie sollen als flexibler Systembau entstehen, der einem künftigen weiteren Raumbedarf angepasst werden kann. Das hat der Schulausschuss einstimmig beschlossen; einzig die vier Lehrer- und Eltern-Vertreter im Ausschuss enthielten sich der Stimme. Wie die Erweiterung konkret aussehen und was sie genau kosten wird, will sich der Schulausschuss erst in seiner nächsten Haushalts-Sitzung am 12. Oktober zeigen lassen. An ihrem nach vorheriger Absprache zwischen den Fraktionen getroffenen Beschluss wollen die Schulpolitiker aber nicht mehr rütteln, sie rechnen für die beschlossene Lösung mit Kosten in mittlerer sechsstelliger Höhe. Einmütig hat sich der Schulausschuss gegen einen 1,1 Millionen Euro teuren massiven Anbau, eine 570.000 Euro kostende Containerlösung und ebenso gegen eine Holzrahmenbau-Variante ausgesprochen. Ein zwischenzeitlich vorgeschlagener Umzug einiger Klassen in das Schulzentrum Greene war schon vor den Sommerferien vom Tisch.

Und schließlich: Für das Lehrschwimmbecken in der Geschwister-Scholl-Schule in Einbeck ist der Auftrag für eine neue Pumpe erteilt, sie soll im Herbst eingebaut werden, bis dahin ist das Schulschwimmbad geschlossen.

Bahnhof-Begeisterung

Auf den modernisierten Bahnhof in Salzderhelden: Bürgermeisterin und Bahnhofsmanager.

Ein Gläschen auf den modernisierten Bahnhof in Salzderhelden: Bürgermeisterin und Bahnhofsmanager mit Politikern.

Kein Band wurde durchschnitten, kein Knopf gedrückt, kein Signal auf Grün gestellt: Ein paar Worte („Ich bin ganz begeistert“) von Bahnhofsmanager Detlef Krusche und Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek sollten genügen, hatten sich offenbar die Planer dieser Veranstaltung gedacht, dann noch ein Glas Sekt, O-Saft und eine Bratwurst – und schon war der Bahnhof Einbeck-Salzderhelden heute Nachmittag nach dem Ende der seit 2012 währenden Bauarbeiten offiziell in Betrieb genommen. Die Deutsche Bahn AG drückte es in ihrer Einladung so aus: Offizielle Inbetriebnahme der modernisierten Verkehrsstation Einbeck-Salzderhelden, bitte finden Sie sich hierzu am Empfangsgebäude ein. Dort fanden sich dann Vertreter aus Stadtrat und Ortsrat ein. Gut, so richtig nach Feiern war nach dem ganzen Ärger in den vergangenen Monaten höchstwahrscheinlich auch niemandem so wirklich. Gute Miene zum anstrengenden Spiel. Die Zahl der Anfragen und Nachfragen in Rats- und Ausschusssitzungen, wie denn der Stand der Bauarbeiten sei, ist rückblickend nur noch schwer ermittelbar, einige waren es aber auf jeden Fall. Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek hätte die Inbetriebnahme gerne an einem Sonnabend gesehen, nicht am Freitagnachmittag, gab sie heute zu Protokoll. Am Wochenende wäre vermutlich ein kleines Bahnhofsfest drin gewesen. Vielleicht hätte dann auch wenigstens jemand eine Signal-Kelle der Bahn oder etwas ähnliches Symbolisches zur Hand gehabt, um die ganze Veranstaltung wenigstens etwas mediengerechter zu machen. Ein Bild sagt mehr als Tausend Worte, wissen PR-Experten.

Neue Parkplätze entlang der Vogelbecker Straße.

Neue Parkplätze entlang der Vogelbecker Straße.

Ein Dauerbrenner-Thema ist (und bleibt vermutlich noch auf längere Zeit) die Diskussion über ausreichende P&R-Parkfläche am Salzderheldener Bahnhof. Bald, von Mai ist die Rede, sollen 20 zusätzliche Parkplätze in Schräganordnung gegenüber vom Bahnhofsgebäude in Richtung Spedition neu entstehen. Seit ein paar Tagen gibt es bereits 22 neue zusätzliche Parkplätze, frisch markiert entlang der Vogelbecker Straße. Das ist allerdings nicht gerade direkt neben dem Bahnhof. Sondern eher auf der anderen Seite. Gedacht sind diese Parkplätze für Pendler und Langzeitparker, die dann mehr als 600 Meter Fußweg über die Vogelbecker Straße, an der es keinen Bürgersteig gibt, über die Bahnhofsbrücke absolvieren müssen, um auf der „richtigen“ Bahnhofsseite mit ihrem vermutlich vorhandenen Gepäck anzukommen. Dort können sie dann immerhin barrierefrei zum Gleis gelangen.

Der Weg sei nicht weiter als vom Bahnhof-nahen Parkhaus in Göttingen zum dortigen Bahnhof, betonte heute die Bürgermeisterin. Das mag ja so sein. Allerdings ist der Weg zum Zug dort für ortsfremde Reisende logischer erschließbar. Der erste Zug in Salzderhelden fährt um 4:29 Uhr, der letzte um 0:29 Uhr. Da stelle ich es mir (vor allem im Winter, im Dunkeln, gar im Schnee?) sehr Trecking-mäßig vor, von einem Parkplatz an der Vogelbecker Straße mit Trolley seinen Zug zu erreichen.

Park-Possen

Am Ende zählt, was als Ergebnis herauskommt. Vor allem für die Menschen, die zum Zug wollen und nur ihr Auto parken möchten. Es geht nicht darum, wer (politisch) recht hat oder die erste, die beste Idee hatte. Und doch ist es reichlich merkwürdig. Die in Spitzenzeiten knapp bemessenen Parkfläche am Bahnhof in Salzderhelden beschäftigt Politik schon seit Monaten, wenn nicht Jahren. Kürzlich hieß es noch, die Landesnahverkehrsgesellschaft habe einen Zuschuss abgelehnt. Immer neue Ideen wurden geboren, unter anderem von den Grünen (Wortlaut: Grüne 201114 Pressemitteilung Parkplätze Sdh), der Ortsrat tagte erneut zu der Frage. Heute nun übermittelt der FDP-Landtagsabgeordnete Christian Grascha ein Schreiben (Wortlaut: Antw zu 2335_03.12) des niedersächsischen Wirtschaftsministers Olaf Lies (SPD) zur Salzderheldener Parkplatz-Frage. Und die damit amtliche Antwort, dass es nie eine Ablehnung gegeben habe…

„Ich freue mich sehr über die Antwort der Landesregierung, dass eine Förderung der Erweiterung des Parkplatzes nun in Aussicht gestellt wurde“, wird Grascha in seiner Pressemitteilung zitiert (Wortlaut: 2014-12-05 Bahnhof Salzderhelden). Nach Prüfung des Antrags und der eingegangenen Unterlagen schlägt die Landesnahverkehrsgesellschaft laut Minister-Antwort vor, die Erweiterung des Parkplatzes in das ÖPNV-Flächenprogramm 2015 mit aufzunehmen. Die Entscheidung werde das Ministerium zum Jahreswechsel treffen, heißt es.

Ausweislich des Protokolls der jüngsten Ortsratssitzung in Salzderhelden hat die Bauverwaltung der Stadt Einbeck berichtet, dass die Landesnahverkehrsgesellschaft eine Förderung abgelehnt habe. Auch die Bürgermeisterin war in Medienberichten so zitiert worden. Was aus dem aktuellen Ortsratsbeschluss nach der angekündigten Förderung durch das Land wird, dürfte offen sein. Der Ortsrat Salzderhelden hatte vor dem Hintergrund der Förderablehnung und der hohen Kosten für eine Nutzung von Bahngelände (Bhf Sdh Flaechenberechnung) für 35 neue Parkplätze (121.000 Euro) beschlossen, zunächst zügig zusätzliche Parkpätze beim Bahnhof zu schaffen, indem Stellplätze in der Vogelbecker Straße und Am Stauwerk mit entsprechenden Hinweisschildern gekennzeichnet werden sollen. Langzeitparker sollen, so das Ziel, vom Bahnhof in die Vogelbecker Straße umgeleitet werden. Auch Schrägparkplätze im Straßenseitenbereich der Zufahrt zur Firma Vollmer und auf dem Bahngelände will der Ortsrat weiter verfolgen, heißt es in dem Beschluss.

Nachtrag 10.12.2014: Auch der Verwaltungsausschuss hat sich für Parkplätze an der Vogelbecker Straße und Am Stauwerk ausgesprochen, sie sollen umgehend im neuen Jahr markiert werden, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek heute. Die Schaffung weiterer Parkplätze am Bahnhof Salzderhelden ist ferner im Haushalt 2015 vorgesehen, den die Verwaltungschefin heute in den Stadtrat eingebracht hat und der jetzt in den Ausschüssen beraten wird.

Nachtrag 18.01.2015: Die Erweiterung des Bahnhof-Parkplatzes Salzderhelden wird vom Land Niedersachsen mit 40.000 Euro gefördert, teilten Wirtschaftsminister Olaf Lies und Landtagsabgeordneter Uwe Schwarz (beide SPD) übereinstimmend mit. „Das ist eine gute Nachricht für die vielen Pendlerinnen und Pendler in unserer
ländlichen Region“, erklärt Schwarz in einer Pressemitteilung: „Ich bin sehr erfreut, dass ich in Gesprächen mit Wirtschaftsminister Olaf Lies auch die Wichtigkeit dieses Projektes für die Infrastruktur der Stadt Einbeck deutlich machen
konnte. Wir können sehr zufrieden mit der nun erteilten Förderzusage sein. Mit der Finanzierung der Erweiterung des Parkplatzes am Bahnhof Salzderhelden wird nun sichergestellt, dass der ÖPNV in unserer Region zukunftsfähig weiterentwickelt wird. Das ist ein sehr gutes Signal.“

 

Parkplatz-Probleme

Voller Parkplatz am Bahnhof Salzderhelden. Archivfoto 2013

Voller Parkplatz am Bahnhof Salzderhelden. Archivfoto 2013

Diese Logik wäre in der Tat von einer ganz exklusiven Dialektik: Nach übereinstimmenden Berichten lehnt es die Landesnahverkehrsgesellschaft offenbar ab, weitere Parkplätze am Bahnhof Salzderhelden finanziell zu fördern unter anderem mit der Begründung, dass wegen der viel zitierten demografischen Entwicklung ja in Zukunft weniger Pendler zu erwarten sind. Und weil die Bahnstrecke nach Einbeck-Mitte reaktiviert werden soll

Aus eigenem Erleben weiß ich: Der Bahnhofs-Parkplatz ist mit Autos oft voll, manchmal voller und immer öfter voller als voll. Einen Platz für sein Fahrzeug zu finden, kann zu einigen Zeiten zur Lotterie werden…

Heute hat sich der Salzderheldener FDP-Landtagsabgeordnete Christian Grascha in die grotesk anmutende Ablehnungs-Angelegenheit eingeschaltet und Klarheit gefordert. „Wir arbeiten hier vor Ort gegen den Bevölkerungsrückgang und die Landesnahverkehrsgesellschaft stellt uns ein Bein und teilt mit, dass sie deswegen die Bedingungen für Pendler verschlechtert“, schreibt der Politiker in einer Presseinformation (Wortlaut: 2014-11-04 Bahnhof Salzderhelden FDP Grascha). „Das ist widersinnig und bringt uns in eine Spirale, die dazu führt, dass sich der Bevölkerungsrückgang noch verstärken könnte.“ Stadt Einbeck und Ortsrat Salzderhelden bemühen sich seit Monaten, das Problem zu lösen, vor dem jeden Tag aufs Neue die Pendler am Bahnhof stehen – und im nahen Winter noch öfter stehen werden, weil dann noch mehr mit dem Auto zum Bahnhof fahren: zu wenige Stellplätze. Dem Bahnhof Einbeck-Salzderhelden komme für zahlreiche Arbeitnehmer aus der Region um Einbeck und Dassel eine zentrale Bedeutung zu, die Bahnanbindungen nach Hannover und Göttingen zu nutzen, um an ihren Arbeitsplatz zu gelangen, teilte Grascha mit. Laut Bahn AG hat der Bahnhof Einbeck-Salzderhelden durchschnittlich 1000 Reisende bei 54 Zughalten pro Tag.

Der FDP-Abgeordnete hat heute eine Kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt (Wortlaut: 2014-11-04 Kleine Anfrage Bahnhof Salzderhelden). Grascha möchte wissen, ob die rot-grüne Regierung die ablehnende Auffassung der Landesnahverkehrsgesellschaft teilt. Er fragt außerdem, ob die Landesregierung denn nicht der Meinung sei, dass sich eine bessere Anbindung für Pendler positiv auf die Bevölkerungsentwicklung auswirken kann? Schließlich möchte der Liberale wissen, warum eine mögliche Reaktivierung der Bahnstrecke von Einbeck-Salzderhelden nach Einbeck-Mitte ein Ablehnungsgrund für die Förderung zur Erweiterung des Parkplatzes sein könne, obwohl dadurch insgesamt mehr Nutzer des Schienenpersonennahverkehrs gewonnen werden sollten.

Langer Bahn-Atem

Der Ilmeblitz am PS-Speicher mit dem Ratsvorsitzenden (und ehemaligen Ilmebahn-Geschäftsführer) Bernd Amelung.

Der Ilmebahn-Ilmeblitz am PS-Speicher mit dem Ratsvorsitzenden (und ehemaligen Ilmebahn-Geschäftsführer) Bernd Amelung.

Als Signal, dass auch die Bürger hinter den Plänen stehen, die Bahnstrecke Einbeck-Mitte bis Salzderhelden für den Personenverkehr zu reaktivieren, wollen die Grünen die jetzt einstimmig vom Stadtrat verabschiedete „Resolution“ zu dem Thema verstanden wissen. Eine aktive Bahntrasse entspreche den verkehrs-, wirtschafts- und energiepolitischen Zielsetzungen der Grünen, erklärte Fraktionsvorsitzender Dietmar Bartels. Der Rat beschloss nicht nur, alle Bestrebungen zu unterstützen, die zur wieder befahrbaren Strecke Salzderhelden bis Einbeck-Mitte und darüber hinaus zum PS-Speicher führen. Der Rat hält nicht nur eine so genannte Durchbindung (also Verlängerung) der sonst in Kreiensen stehenden Züge bis Einbeck-Mitte für zielführend, sondern auch eine weitere Verbindung direkt zur Kreisstadt Northeim für wünschenswert. Der Rat hat sich mit der Abstimmung auch bereit erklärt, sich finanziell an einer Reaktivierung der Strecke zu beteiligen, wenn das Land Niedersachsen 75 Prozent bezahlt. Beschlossen hat der Stadtrat, sich im zuständigen Fachausschuss weiter mit dem Thema zu beschäftigen.

Ulrich Minkner (SPD) fühlt sich durch die Pläne bestätigt. Es zeige, sagte der Altbürgermeister, dass man manchmal einen langen Atem haben müsse. Minkner erinnerte daran, dass der frühere Oberkreisdirektor als Gesellschafter der Ilmebahn schon vor Jahren die Strecke habe stilllegen wollen. Dagegen habe sich die Stadt gewehrt. Die Schiene endet heute wenige Hundert Meter hinter der Stadtgrenze in Richtung Solling an der so genannten Sachsenbreite, in Richtung Salzderhelden ist sie ohne Mühe und Aufwand voll befahrbar. Minkner: „Schade, dass Dassel diesen langen Atem nicht hatte.“

Beim Eulenfest in wenigen Tagen kann jeder selbst ausprobieren, von Einbeck nach Salzderhelden mit dem Zug zu fahren: Die Ilmebahn GmbH setzt dann wieder ihren historischen Ilmeblitz-Triebwagen ein.

Baustellen-Report

Baustelle Bahnhof Kreiensen. Aufnahme vom 17.09.2013

Baustelle Bahnhof Kreiensen. Aufnahme vom 17.09.2013

Irgendwie wird in jüngster Zeit jede Sitzung eines politischen Gremiums zu einem Update der aktuellen Baustellen in Einbeck. Schön ist ja, dass sich in Zeiten leerer Kassen überhaupt noch etwas dreht, und wenn es dann Kräne sind, umso schöner. Unschön ist es nur, wenn sich Baustellen zu niemals enden wollenden Geschichten entwickeln. Von „der Brücke“ habe ich ja hier schon oft genug geschrieben. Dort am Tiedexer Tor ist offenbar aber jetzt ein Ende absehbar, die Arbeiten haben freilich auch lange genug gedauert.

Baudirektor Gerald Strohmeier berichtete, dass der gegossene Beton jetzt sorgfältig aushärten müsse. In der 41. Kalenderwoche soll der Kran demontiert werden. Dann werden auch die Stadtwerke die Gas- und Wasserleitungen in der neuen Brücke verlegen können; die Strom- und Telekommunikationsverbindungen liegen bereits in der Fußgängerbrücke.

Für die 42. bis 45. Kalenderwoche sind die Straßenbauarbeiten für die Anschlüsse an die Tiedexer Straße/Langer Wall und Tiedexer Tor geplant, in der KW 45 sollen auch die Brückengeländer montiert werden, danach könne die Straße dann freigegeben werden. Das ist dann Anfang November (und nicht Oktober, wie zuletzt immer angegeben). Ob dieser Zeitplan so realisiert werden kann, wird auch vom Wetter abhängen. „Die letzten Tage und Wochen geben uns Hoffnung, dass wir es schaffen werden“, sagte Strohmeier.

In der Fragestunde tauchte die Frage auf (unter anderem von Margrit Cludius-Brandt SPD), warum denn bei solchen Bauarbeiten keine Strafzahlungen in die Vereinbarungen aufgenommen werden, die dann fällig werden, wenn die Arbeiten nicht bis zu bestimmten Terminen erledigt sind. Solche Klauseln aufzunehmen sei laut VOB und Vergabe-Handbuch nicht üblich, sagte Strohmeier. Es dürfte auch die Preise nach oben treiben, wenn Firmen solche Gefahren mit einkalkulieren müssen. Trotzdem wäre es sicherlich ein wirksamer Hebel für zögerliche Baufirmen.

Nicht wirklich viel Neues gibt es zum Projekt der SEPA am Neustädter Kirchplatz zu berichten. Der Stadt liege eine neue, geforderte Gestaltungsvariante des Baus auf dem Innenstadtplatz vom Investor noch nicht vor, daher gebe es auch noch keinen Termin für eine Bürgerinfo, die dann geplant sei, sagte Strohmeier. „Wir stehen ein bisschen auf der Stelle.“ Bemerkenswert ist, dass sich der Baudirektor zu diesem Thema auf Nachfrage eines Bürgers (Dr. Ewald Hein-Janke) in der Einwohnerfragestunde äußerte. Von einer entsprechenden Frage beispielsweise des CDU-Ratsherrn Bernd Huwald kein Ton. Der hatte schon jüngst in der Fachausschuss-Sitzung bei dem Thema hart nachgefragt, dann aber offenbar keine Eile für Antworten an den Tag gelegt. Ihm reicht die nächste Fachausschuss-Sitzung am 1. Oktober.

Wer nicht oft mit Bahn-Baustellen zu tun hat, konnte in diesen Tagen ein neues Wort lernen: Sperrpausen. Diese sind bei Arbeiten „unter dem rollenden Rad“, also bei genutzter Bahnstrecke, notwendig. Die seit Monaten dauernden (und auch seit Monaten immer wieder für Ärger sorgenden) Baustellen auf den Bahnhöfen Salzderhelden und Kreiensen sollen im ersten Quartal 2014 abgeschlossen sein. Das konnte Strohmeier von einem Ortstermin mit DB-Bahnhofsmanager Detlef Krusche berichten. Einige Nacharbeiten könnten allerdings noch nach diesen Terminen stattfinden, weil beantragte Sperrpausen nicht so schnell genehmigt werden wie gedacht. Das (alte und nur modernisierte) Bahnsteigdach in Salzderhelden soll noch eingekürzt werden, das geht aber nur gefahrlos, wenn kein Zug fährt und die Oberleitungen ohne Strom sind. Interessant war beim Ortstermin zu hören, dass es bei der Modernisierung des Bahnhofs in Salzderhelden eine Besonderheit ist, wenn hier überhaupt Bahnsteigdächer erhalten bzw. gebaut werden. Bei der Frequenz in Salzderhelden (immerhin fast 1000 Fahrgäste täglich mit 54 Zügen) sei das nach DB-Standard nicht normal, sagte Krusche.

In der Stadtratssitzung quasi durchgewunken wurden potenzielle neue Baustellen. Sie haben alle in den vergangenen Monaten intensiv die entsprechenden Ausschüsse bereits beschäftigt, alle Unterlagen haben öffentlich ausgelegen. Jetzt kann’s losgehen. Einstimmig jeweils gab der Rat grünes Licht jeweils für den Bebauungsplan PS-Speicher (inkl. Hotelneubau), für die Erweiterung des Rewe-Supermarkts am Neuen Rathaus, für den B-Plan für die Umsiedlung der Firma Valenta Aquaristik an die Hannoversche Straße unweit des Poser-Parks sowie für die Nachnutzung des bald leer stehenden Medialand am Butterberg. Genug Stoff für neue Baustellen und neue Nachfragen nach dem aktuellen Stand der Dinge in den politischen Gremien also.

Vorsicht an der Bahnsteigkante, der fahrende Zug fährt ab

Am Zug: Heiner Hegeler, Petra Kersten, Christian Gabriel, Dr. Bernd von Garmissen, Dirk Ebrecht, Helmar Breuker. Foto: CDU

Am Zug: Heiner Hegeler, Petra Kersten, Christian Gabriel, Dr. Bernd von Garmissen, Dirk Ebrecht, Helmar Breuker. Foto: CDU

Am Ende zählt das Ergebnis. Auch wenn man hier durchaus den Eindruck gewinnen kann, da springe jemand auf einen fahrenden Zug auf… Hoffentlich gibt es wenigstens nicht wieder diese unerquicklichen Ricola-Debatten, wenn das Projekt schlussendlich abfahrbereit am Bahngleis steht. Denn dass die Chancen nicht schlecht stehen und Einbeck wieder an den Schienenverkehr angebunden werden kann, hatten schon früher und unlängst die Sozialdemokraten mit direktem Draht zum niedersächsischen Verkehrsminister erkannt und mitgeteilt.

Nun hat sich auch die CDU-Kreistagsfraktion mit dem Geschäftsführer der Ilmebahn Einbeck GmbH, Christian Gabriel, zu einem Informationsaustausch über die Möglichkeit der Reaktivierung des Schienenpersonennahverkehrs von Salzderhelden nach Einbeck-Mitte getroffen. Und heute lässt Petra Kersten, Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Northeimer Kreistag, per Pressemitteilung wissen: „Dies ist eine gute Chance für Einbeck und seine Ortschaften.“ Die CDU werde nun auf Landkreisebene und in Hannover für dieses Projekt werben und sicherte der Ilmebahn ihre Unterstützung zu, heißt es. Na dann.

Aus Sicht der CDU-Kreistagsfraktion ist es eine einmalige Gelegenheit, die sich durch die neue Ausschreibung ergebene Linienführung im Stundentakt von Bad Harzburg nach Kreiensen als Weiterführung nach Einbeck-Mitte zu nutzen. Petra Kersten: „Das von der Ilmebahn erläuterte Konzept ist schlüssig und bietet in der Weiterentwicklung die Chance, mit PS-Speicher und der Berufsschule wichtige Bereiche optimal an den öffentlichen Personennahverkehr anzubinden.“

Dass auch der CDU-Landratskandidat Dr. Bernd von Garmissen, bekanntlich ja bislang politisch nur sehr lokal aktiv und nicht Mitglied der Kreistagsfraktion, bei dem Termin dabei war, scheint den Christdemokraten keine Zeile wert zu sein, er wird in der Pressemitteilung mit keinem einzigen Wort erwähnt, ist nur auf dem beigefügten Foto zu sehen (und auch das muss man selbst wissen, denn wer auf dem Bild zu sehen ist, erklärt die CDU selbst nicht). Die Unterstützung für den eigenen Kandidaten ist noch ausbaufähig…

Nachtrag 19.07.2013: Heute hat die CDU-Kreistagsfraktion mitgeteilt, dass sie ihren Landratskandidaten Dr. Bernd von Garmissen „in die Fraktion kooptiert“ habe und den Wahlkampf aktiv und engagiert unterstützen werde. Dadurch, dass von Garmissen als beratendes Mitglied in die Kreistagsfraktion berufen worden sei, sichere man sich seinen Sachverstand für die Beratungen der Fraktion. „Außerdem können wir ihn über die aktuellen Themen aus erster Hand informieren und uns so gemeinsam auf die Wahl am 22. September gut vorbereiten“, erklärte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Timo Dröge (Bad Gandersheim). „Die Wahl zum Landrat ist eine entscheidende Weichenstellung für die kommenden Jahre. Der Landkreis Northeim braucht nach den gescheiterten Fusionsbestrebungen von Rot-Grün einen neuen Steuermann, der mit frischen Ideen die Kreisverwaltung zukunftsfest macht. Dafür ist Dr. Bernd von Garmissen der richtige Mann.“

Der General auf der Heldenburg

Patrick Döring (FDP).

Patrick Döring (FDP).

Dort, wo das niedersächsische Landeswappen 1361 ursprünglich entstanden ist, macht ein liberaler General sommerliche Station: Die FDP im Landkreis Northeim erwartet am Freitag, 5. Juli, ab 18.30 Uhr beim zweiten liberalen Burgfest auf der Heldenburg in Salzderhelden den Generalsekretär der Bundes-FDP, Patrick Döring. Der aus Himmelpforten bei Stade stammende und in Hannover lebende General werde „interessierten Zuhörern einige Punkte vortragen und einen Ausblick darüber geben, welche Ziele sich die Liberalen für die nächsten Jahre gesetzt haben“, schreibt Kreisvorsitzender Christian Grascha, selbst Salzderheldener, in der Ankündigung des FDP-Burgfestes.

Politische Beobachter indes warten gespannt nicht nur auf Klartext zur nahenden Bundestagswahl, sondern auch zur Landratswahl am 22. September. Die FDP hat sich noch nicht öffentlich positioniert, ob sie einen eigenen Kandidaten aufstellen wird, ob sie den Landrat unterstützen will oder den CDU-Kandidaten

Neues zu den Baustellen (2)

Die historische Brücke am Tiedexer Tor wird freigelegt, Aufnahme vom 3.7.2013.

Die historische Brücke am Tiedexer Tor wird freigelegt, Aufnahme vom 3.7.2013.

In der gestrigen Sitzung des Ratsausschusses für Stadtentwicklung war mal wieder Gelegenheit für ein Status-Update der aktuellen Bauarbeiten an verschiedenen Stellen in der Stadt, hier also Neues zu den Baustellen:

Nach Angaben von Baudirektor Gerald Strohmeier sind die Brückenbauarbeiten am Tiedexer Tor zurzeit im vorgegebenen Zeitplan. Ein Ende der Dauerbaustelle mit weiträumiger Umleitung war zuletzt für Mitte Oktober angekündigt.

Entgegen der ursprünglichen Ankündigung, noch im Juni den Bauantrag stellen zu wollen, liegt der Stadt Einbeck laut Strohmeier für das Projekt Neustädter Palais des Investors SEPA bis dato kein Bauantrag vor. Auch für die vorgesehene Bürgerinformation gibt es noch keinen Termin.

Die seit Monaten für Ärger sorgenden Bauarbeiten am Bahnhof in Salzderhelden gehen nach dem Eindruck von Baudirektor Gerald Strohmeier nicht recht voran, der ursprünglich einmal angekündigte Abschluss der Arbeiten im Oktober 2013 werde wohl nicht eingehalten. Die Stadt Einbeck könne jedoch, da sie nicht selbst, sondern die Deutsche Bahn Bauherr sei, nur appellieren. „Die Bahn hat ihre eigenen Gesetze.“

Fährt bald regelmäßig ein Zug?

Fährt bald regelmäßig ein Zug?

Ohne Schnee in der sommerlichen Sonne: Fährt bald am Bahnhof Einbeck-Mitte regelmäßig ein Zug?

Besuch des heutigen Wirtschaftsministers Olaf Lies drei Tage vor den Landtagswahlen am Bahnhof Einbeck im Schnee.

Besuch des heutigen Wirtschaftsministers Olaf Lies drei Tage vor den Landtagswahlen am Bahnhof Einbeck im Schnee.

Auf den buchstäblich letzten Metern des Landtags-Wahlkampfes war der damalige „Schattenminister“ Olaf Lies mit dem SPD- Landtagsabgeordneten Uwe Schwarz im Januar dieses Jahres vor Ort am Einbecker Bahnhof, sprach mit den Beteiligten der Ilmebahn GmbH über die Reaktivierung der Bahnstrecke von Salzderhelden bis nach Einbeck und zum PS-Speicher. Damals lag noch Schnee über den Gleisen, der „Ilmeblitz“ war in Reparatur. Nun ist der Schnee weg, die Sonne scheint, der historische Ilmebahn-Triebwagen fährt wieder (Video).

Und heute sieht Uwe Schwarz nach einem neuerlichen Gespräch mit dem jetzt als Wirtschaftsminister der neuen SPD-Landesregierung agierenden Olaf Lies die Züge förmlich schon rollen, spricht davon: „Wir waren noch nie so nah an der Realisierung des Projektes wie zum gegenwärtigem Zeitpunkt.“ Auch Landrat Michael Wickmann hält eine Reaktivierung der Trasse für den Personenverkehr für möglich, wie er heute erklärte.

Der Wirtschaftsminister habe in einem kürzlich geführten Gespräch deutlich gemacht, schreibt Uwe Schwarz, dass die Reaktivierung von Bahnstrecken in der Koalitionsvereinbarung von SPD und Grünen auf Landesebene enthalten
sei. Gegenwärtig gebe es im Ministerium knapp 60 Anträge für solche Vorhaben. Der Vorteil für die Strecke Einbeck-Salzderhelden sei dabei der relativ geringe Kostenaufwand und der aktuelle Planungsstand. Hinzu komme, dass im normalen Fahrbahnbetrieb ohne großen Aufwand die zweistündige Standzeit eines Zuges in Kreiensen zur Weiterfahrt nach Einbeck genutzt werden könnte. Unter diesen Gesichtspunkten habe Olaf Lies eine neue kurzfristige
Bewertung unter Berücksichtigung der aktuellen Rahmendaten zugesagt, teilte Schwarz mit.

An dem Gespräch im Landtag haben neben den beiden örtlichen Landtagsabgeordneten Uwe Schwarz (SPD) aus Bad Gandersheim und Christian Grascha (FDP) aus Einbeck auch Landrat Michael Wickmann und der Erste Kreisrat Hartmut Heuer teilgenommen, der auch Prokurist der Ilmebahn GmbH ist. Der Landrat habe die Gelegenheit genutzt, den Minister über den gegenwärtigen Stand der Umsetzungen des geplanten PS-Speichers im Einbecker Kornhaus mit direktem Gleisanschluss zu informieren, erklärte der SPD-Landtagsabgeordnete per Pressemitteilung.

Der Landrat hat diese Sichtweise am Mittag in einer eigenen Pressemitteilung seines Hauses gestützt: Sowohl der Wirtschaftsminister als auch die weiteren Vertreter des Ministeriums hätten zu verstehen gegeben, dass es durchaus eine realistische Möglichkeit für eine Wiederaufnahme des Personenverkehrs auf der Ilmebahnstrecke gebe. Die Landesnahverkehrsgesellschaft werde zeitnah Parameter für die für eine Reaktivierung der in Frage kommenden Strecken des Landes Niedersachsen entwickeln, um hier eine entsprechende Bewertung mit Rangfolge vornehmen zu können, teilte der Landrat mit. Wickmann und die Beteiligten gehen davon aus, dass die Einbecker Strecke, wie auch schon vor Jahren, mit an oberster Stelle für eine mögliche Reaktivierung des Personenverkehrs stehen werde. Der Landrat habe in dem Gespräch vor allem die Chance für die strukturschwache Region Südniedersachsens bekräftigt, gerade unter dem Gesichtspunkt der vor kurzem vollzogenen Fusion der Stadt Einbeck mit der Gemeinde Kreiensen, die dann eine umsteigefreie Verbindung Einbeck – Kreiensen im öffentlichen Nahverkehr erhalten würden, heißt es in der Presseinfo aus dem Kreishaus.

Gesprochen wurde bei dem Termin in Hannover offenbar auch über die EU-Förderperiode ab 2014, wie Wickmann anlässlich seiner Landratskandiatenaufstellung mit Seitenhieb auf seinen CDU-Gegenkandidaten erwähnt hatte…

 

(Aktualisiert: 27.06.2013, 12.40 Uhr)

Schulpolitik der schweren Entscheidungen

Die Schulpolitik gehört zu den undankbarsten Themenfeldern der Kommunalpolitik, vergleichbar mit dem der Kindertagesstätten. Denn Zeiten von gloriosen Schul-Einweihungen oder sinkenden Kita-Gebühren sind längst vorbei, eher von Schließungen und Gebührenerhöhungen ist die Rede. Schnell sind Eltern mit ihren Kindern und bunten Transparenten und schrillen Tönen auf der Straße und heizen den Kommunalpolitikern kräftig ein.

Und so ist die Frage, ob der Schulausschuss in seiner Sitzung am Montag (15. April, ab 17 Uhr, Halle des Alten Rathauses) eine Entscheidung bei der künftigen Grundschulstruktur treffen wird, durchaus spannend. Vor der jüngsten Kommunalwahl hatte die Politik das Thema noch elegant in einen Arbeitskreis geschoben. Damals hieß die Schulausschuss-Vorsitzende übrigens Dr. Sabine Michalek.

Drei Alternativ-Beschlussvorlagen zur Abstimmung liegen dem Ausschuss jetzt vor. Eine Möglichkeit, die die Verwaltung vorschlägt, wäre gegenwärtig noch nicht zu entscheiden. Zwei Alternativen beschreiben Schließungspläne zum Ende des Schuljahres 2013/14. Entweder solle die Grundschule Dassensen/Holtensen und die Leinetalschule Drüber schließen (und die Kinder künftig in der Geschwister-Scholl-Schule unterrichtet werden), oder es solle die Grundschule Dassensen/Holtensen und die Grundschule Salzderhelden/Vogelbeck schließen (und die Kinder künftig in der Geschwister-Scholl-Schule unterrichtet werden).

Mutig sind die Grünen gestern mit ihrer Haltung bereits vor der Sitzung an die Öffentlichkeit gegangen. „Zwei der Grundschulen auf den Ortschaften sind dort nicht mehr zu halten“, wird Ratsherr Christian Kuhlmann in einer Pressemitteilung zitiert, es seien einfach zu wenig Kinder in den Dorfschulen, er werde entsprechend abstimmen. „Wir müssen den Mut aufbringen, das auch öffentlich auszusprechen.“

Zügig Baustelle abgearbeitet

Bürgermeisterin am Bahnhof. Foto: Stadt Einbeck

Bürgermeisterin am Bahnhof. Foto: Stadt Einbeck

Gerade noch als Frage eines Bürgers im Ausschuss für Stadtentwicklung angestoßen, zwei Tage später kommuniziert die Bürgermeisterin: Bis Ende September will die Bahn die Bauarbeiten in den Einbecker Bahnhöfen Salzderhelden und Kreiensen fertigstellen. Die Forderung nach einer zügigen Fertigstellung der umfangreichen und schon seit Monaten andauernden Arbeiten an beiden Bahnhöfen sei Inhalt eines kurzfristig anberaumten Gesprächs gewesen, kabelte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek heute Nachmittag per Mail in die Redaktionen.

Am Montag hatte in der Bürgerfragestunde des Ratsausschusses der ehemalige Grünen-Ratsherr Dr. Ewald Hein-Janke mehrere Fragen zum Komplex Bahnhof und Bauarbeiten an Verwaltung und die anwesende Bürgermeisterin gerichtet. Der 80-Jährige gehörte früher selbst dem Gremium an, stellte präzise Fragen. Dr. Hein-Janke ging es nicht allein um die zögerlichen Bauarbeiten. Ihm ging es auch um die Höhe der Bahnsteigkante: Wo sie früher zu niedrig gewesen sei, sei sie heute nach den Bauarbeiten zu hoch bei Metronom-Zügen, schilderte der Einbecker Grünen-Vorsitzende. Diese Frage indes ist nach der heutigen Antwort der Bürgermeisterin noch offen.

Der Parkplatz ist oft voll.

Der Parkplatz am Bahnhof ist oft voll.

Prekär sei auch das Parken am Bahnhof in Salzderhelden, sagte Hein-Janke. In Stoßzeiten werde wild geparkt, der vor Jahren erweiterte Pendler-Parkplatz sei offenkundig schon wieder zu klein. Hier konnte am Montag bereits direkt in der Sitzung Baudirektor Gerald Strohmeier antworten: Das Parkplatz-Problem sei bekannt, Lösungsmöglichkeiten würden bereits erörtert, in Kürze werde sich der Ortsrat Salzderhelden mit dem Thema befassen.