Die Sanierung des Lehrschwimmbeckens der Geschwister-Scholl-Schule in Einbeck mit Anbau wird teurer als geplant und länger dauern. Damit wird sich der zuständige Ausschuss für Kultur, Schule und Sport in seiner letzten Sitzung vor der Kommunalwahl beschäftigen (7. September, 17 Uhr, Altes Rathaus). Die „vertiefte planerische Prüfung“ des Vorentwurfs, so die Verwaltungsvorlage für die Sitzung, sowie eine Begehung des Lehrschwimmbeckens durch das Gesundheitsamt des Landkreises Northeim haben zu geänderten Planungen geführt, über die der Fachausschuss entscheiden soll. Statt wie bisher 3,65 Millionen Euro werden vermutlich weitere 1,5 Millionen Euro für das Vorhaben zu Buche schlagen. Vielleicht wird es auch noch teurer, sollten Baugrunduntersuchung und statische Nachweise weitere Änderungen erforderlich machen. Diese liegen bislang nicht vor. Die Sanierung wird mit 2,8 Millionen Euro vom Land Niedersachsen gefördert, vor knapp einem Jahr war der Förderbescheid überreicht worden.
Auf dem Tisch liegen drei Varianten für das weitere Vorgehen. Das Problem, das sich laut Verwaltung erst jetzt herausgestellt hat: ein Fahrstuhl sollte für die barrierefreie Erschließung so eingebaut werden, dass sich Nass- und Trockenbereiche gekreuzt hätten, die Verwaltung warnt vor absehbar erhöhtem Instandhaltungsaufwand und verkürzter technischer Lebensdauer des Lifts. Die neue Favoriten-Variante sieht nun vor, dass sich Trocken- und Nassbereich nicht mehr kreuzen, der Aufzug soll vollständig außerhalb des Nass- und Barfußbereichs an einem bisher nicht in die Planung einbezogenen Gebäudeteil liegen. Weiterer Vorteil: In die Bestandsgebäude soll nur noch gering eingegriffen werden, es geht im Wesentlichen um eine Aufstockung.
Insgesamt wird das Projekt jetzt mit rund 5,2 Millionen Euro kalkuliert. Davon stehen 3,65 Millionen Euro in den beschlossenen Haushalten bereits zur Verfügung. Das Delta von rund 1,5 Millionen Euro soll mit 700.000 Euro aus der investiven Deckungsreserve 2027 und noch 2028 zu veranschlagenden Haushaltsmitteln von 770.000 Euro gedeckt werden.
Nachtrag 07.09.2026: Der Ausschuss hat mit deutlicher Mehrheit entschieden, zunächst die Verwaltung zu beauftragen, nach Einsparmöglichkeiten, weiteren Einahmequellen und zusätzlichen Fördermöglichkeiten zu suchen, bevor der Verwaltungsausschuss noch in dieser, bis Ende Oktober dauernden Wahlperiode den finanziellen Rahmen für die Fortsetzung des Projekts beschließen soll. Ein Antrag der BlGfE, das Thema zunächst auf Eis zu legen und dem neu gewählten Rat die Entscheidung zu überlassen, fand mit 5:7-Stimmen bei vier Enthaltungen keine Mehrheit. Mathias Cortnum vom gleichnamigen Planungsbüro erläuterte im Ausschuss die Gründe für die Planungsänderungen. Bei der bevorzugten Variante der Aufstockung des Bestandsgebäudes, bei der die Umkleiden auf gleicher Ebene wie das 8×16 Meter große Schwimmbecken sein werden und der Aufzug außen angebracht wird, schlagen allein die vom Gesundheitsamt geforderten Veränderungen beim Rohwasserspeicher, bei Fugen und beim Becken mit Mehrkosten von rund 450.000 Euro zu Buche. Bei der Baugrunduntersuchung liegt laut Cortnum inzwischen die mündliche Zusage vor, dass die Statik möglich ist; ein Schadstoffgutachten soll in vier Wochen vorliegen. Während der für Mai 2027 bis Februar 2029 kalkulierten Bauzeit kann wahrscheinlich die meiste Zeit der Badbetrieb aufrechterhalten werden. Vertreter von SPD, CDU, BlGfE und FDP zeigten sich schockiert von der überraschenden Kostensteigerung. „Ich bin mehr als erschrocken“, sagte Detlef Martin (SPD). „Wir haben alle mit dem Kopf geschüttelt, wie kann ein Vorentwurf so Grütze sein“, formulierte es Beatrix Tappe-Rostalski (CDU). „Ich bin extrem geplättet bei der Kostensteigerung“, sagte Margharet Feldgiebel (FDP). Sie fragte nach den Kosten für einen kompletten Neubau, den auch Dirk Strohmeyer (BlGfE) „sympathisch“ fand. Sebastian Lange (CDU) warnte vor einer Standortsuche für einen Neubau und jahrelanger Schließung des ausgebuchten Bades. Fachbereichsleiter Marco Heckhoff informierte, dass Einbeck die bewilligten Fördermittel nur für eine Sanierung erhalte, nicht für einen Neubau. Petra Bohnsack (BlGfE) ärgerte sich vor dem „echten Kuckucksei für den nächsten Stadtrat“, das Projekt sei so nicht finanzierbar. SPD und CDU appellierten aber, bei der einmal getroffenen Grundsatzentscheidung der Sanierung zu bleiben und jetzt lieber nach Kürzungs- und Einsparmöglichkeiten zu suchen. Darum bat auch Anja Sehlen, Leiterin der Geschwister-Scholl-Schule: „Das Schwimmbad ist ein Schatz.“ Die stellvertretende Bauen-Fachbereichsleiterin Birgit Tatje informierte grundsätzlich, wie die Planung bei einem Bauprojekt in der Verwaltung abläuft. Wenn bei Sonderbauten wie einem Schwimmbad früh besser und mit verlässlicheren Zahlen geplant werden solle, müsse die Politik früher auch Planungskosten bereitstellen. Die Mittel dafür seien unabhängig von der Expetise im Haushalt nicht automatisch vorhanden. Unabhängig von der Sanierung wird in den Herbstferien im Oktober der neue Hubboden eingebaut, der schon vor vielen Monaten beauftragt worden war.

Wer hätte das auch bloß nur ahnen können? Gibt es irgendeine größere öffentliche Baumaßnahme der letzten Jahre, bei der die tatsächlichen Kosten sich in einer noch akzeptablen Nähe zu den zuvor aufgestellten Kalkulationen und zu den auf dieser Grundlage bewilligten Haushaltmitteln bewegten?
Mir fällt dazu nur der finanziell, architektonisch und „bildungstechnisch“ höchst gelungene Wiederaufbau des historischen Bohrturms in Salzderhelden ein! Dessen Wiederaufbau fördert im Nebeneffekt und in Kombination mit dem inzwischen weltweit bekannten „PS-Speicher“ unsere Attraktivität als touristischer Zielort übrigens noch weiter, vor allem jetzt auch noch für Familien mit Kindern, Wanderern und Naturfreunden.
Diesen qualitativen Sprung nach vorn verdanken wir ausschließlich dem mutigen Heimatverein dort, der in enormer Eigeninititiative und unter Übernahme aller damit verbundenen Risiken als Bauherr aufgetreten ist – und dem es gelungen ist, noch unter dem ursprünglichen offiziellen Anschlägen zu bleiben.
Ach, ich weiß nicht: natürlich kann man gerne auf die Verwaltung schimpfen, das kommt immer gut. Wenn aber neuere Erkenntnisse und/oder bessere Varianten bzw. Erfordernisse aufkommen und es vorher „nur“ Vorplanungen/-kalkulationen waren und diese wahrscheinlich auch schon eine Weile her sind, ist es doch kein Wunder ?! Um so wichtiger ist es doch, bei genauer und konkreter Planung als Vorbereitung für Ausschreibungen höhere Kosten zu benennen. Das ist die Aufgabe der Verwaltung. Dabei gilt: „schieß nicht auf den Boten der schlechten Nachricht“
Das jedenfalls ist meine Meinung als Laie, der nicht im Thema ist. Das das wird ja auch erst im zuständigen Ausschuß nächste Woche bearbeitet.
Wenn es hier Zukunftsseher/Wahrsager gibt, die mögen mir bitte den Heizölpreis für 3 Monate im voraus sagen.
Na klar, kommt das immer gut an! Vor allem dann, wenn sich bestimmte Verhaltensmuster unabhängig vom Anlass regelmäßig und in unterschiedlichen Varianten und Größenordnung wiederholen! Und wenn dann in den bewilligenden Fachausschüssen der zuständigen parlamentarischen Gremien nicht genügend Know How vorhanden ist oder – ich nenne es einmal: die Bereitschaft – dazu fehlt, sich in komplexe Zusammenhänge einzuarbeiten oder einarbeiten zu lassen, dann passiert es, dass die in der ursprünglich bewilligten niederpreisigen Waschbetonplatten durch viel edlere und teurere Materialien vom anderen Ende der Welt – wenigstens nicht per Luftfracht, sondern „nur“ per Frachter und LKW – importiert werden müssen, weil sonst der künstlerisch-ästhetische Eindruck des Gesamtkunstwerks leiden könnte. Die Expertise dieses ausgewiesenen Fachmanns hatte vorher natürlich „niemand auf dem Schirm!“
Dieses ist nur natürlich nur ein fiktives Beispiel und hat mit der Einbecker Realität überhaupt nichts zu tun!! Ehrlich!