Nach langen Verhandlungen haben sich die Stadt Einbeck und der DRK-Kreisverband Göttingen-Northeim auf den weiteren Betrieb der Kindertagesstätte Kreiensen verständigt. Damit bleibt die DRK-Kita in der größten Einbecker Ortschaft über den Sommer 2027 hinaus ein Teil des Betreuungsangebots der Stadt Einbeck. Weil aber in zwei Wochen Kommunalwahlen sind, geht es nicht allein um Fakten, sondern um die „politische Überschrift“, wie das die neue Unabhängige Wählergemeinschaft DU formulierte – in einer Mitteilung, in der es DU vor allem um die Überschrift geht. Zuvor hatte auch die SPD mit ihrem Bürgermeisterkandidaten die Einigung begrüßt, kaum war der Kompromiss erzielt. Vergangenen Mittwoch hatte die Bürgermeisterin im nicht-öffentlichen Verwaltungsausschuss über die Einigung berichtet.

Beide Vertragspartner begrüßen den nach intensiven Gesprächen erreichten Konsens und freuen sich auf die weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt Einbeck. Zu Details äußerte sich die Verwaltung nicht. In der Pressemitteilung bekräftigen beide Seiten ihr Ziel, den Familien im Bereich Kreiensen auch künftig ein verlässliches und qualitativ hochwertiges Betreuungsangebot zur Verfügung zu stellen. 2024 hatte es Wünsche des DRK-Kreisverbandes gegeben, über den bestehenden Vertrag zu sprechen, im April 2024 gab es erste Gespräche. Anfang 2025 hatte das DRK einen komplett neuen Vertrag vorgelegt, der für die Stadt nach eigenen Angaben nicht akzeptabel war. Dann hatte das DRK Ende 2025 den Betreibervertrag zum Ende des Kitajahres 2026/27 gekündigt, was zu intensiven Diskussionen auf mehreren Ebenen seit dem Frühjahr geführt hatte. Darüber hatte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek mehrfach im Stadtrat, im Fachausschuss und zuletzt auch im Ortsrat Kreiensen berichtet. Öffentliche Diskussionen über die Vertragsverhandlungen hatte Michalek abgelehnt, um eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht zu gefährden. Ratsfrau Margharet Feldgiebel (FDP/Liberal und klar) hatte damals mehr Informationen über den Sachstand für Mitarbeiter und Eltern gefordert und einen Mediator ins Spiel gebracht. Das hatte die Bürgermeisterin abgelehnt, weil sie von einer zeitnah möglichen Einigung ausging.
Vorgeschichte
In einem Gespräch zwischen dem DRK und der Stadt Einbeck am 18. März hatte die Verwaltung dem DRK zwei Vorschläge unterbreitet, um die Betreuungssituation über das Jahr 2027 zu gewährleisten. Beide Vorschläge wurde mit Schreiben vom 24. April 2026 abgelehnt. Am 5. Mai gab es ein Gespräch zwischen den Vertreterinnen der Elternschaft der Kindertagesstätte Kreiensen und der Bürgermeisterin. Ihre Sorgen und Ängste untermauerten die Eltern mit einer Unterschriftenaktion. Die Bürgermeisterin zeigte sich damals irritiert, dass die Elternvertreterinnen sehr gut über die Inhalte eines Schreibens des DRK vom 24. April 2026 an die Bürgermeisterin gewesen seien, das mit „vertraulich – persönlich“ gekennzeichnet war. Am 18. Mai fand ein weiteres Gespräch zwischen der Bürgermeisterin und Prof. Dr. Carsten Hufenbach, Vorsitzender des Präsidiums des DRK, statt. Im Ergebnis wurde abgestimmt, dass auf Basis des bestehenden Vertrages Änderungswünsche vorgelegt werden und weiterhin konstruktive Gespräche zum weiteren Vorgehen geführt werden sollten.
Was die SPD sagt
Die SPD-Ratsfraktion Einbeck begrüßt ausdrücklich die Einigung zwischen der Stadt Einbeck und dem DRK-Kreisverband Göttingen-Northeim über den weiteren Betrieb der Kindertagesstätte in Kreiensen. „Das ist eine sehr gute Nachricht für Kreiensen und insbesondere für die Familien, die auf eine verlässliche Betreuung ihrer Kinder angewiesen sind. Nach den vergangenen Wochen ist es wichtig, dass nun Klarheit und Planungssicherheit bestehen“, erklärte Dirk Heitmüller, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion, laut einer Pressemitteilung. Die SPD-Fraktion würdigt ausdrücklich, dass Stadt und DRK in konstruktiven Gesprächen eine gemeinsame Lösung gefunden haben. Entscheidend sei dabei das Ergebnis: Die Kita bleibt erhalten, die Betreuung der Kinder ist gesichert und die Mitarbeitenden erhalten eine verlässliche berufliche Perspektive. Auch René Kopka, SPD-Landtagsabgeordneter und Bürgermeisterkandidat, begrüßte die Verständigung: „Am Ende muss bei solchen Gesprächen immer im Mittelpunkt stehen, was für die Kinder und Familien vor Ort die beste Lösung ist. Genau deshalb freue ich mich sehr über diese Einigung. Eine gute und verlässliche Kinderbetreuung ist ein zentraler Bestandteil einer familienfreundlichen Stadt und zugleich ein wichtiger Standortfaktor für unsere Ortschaften.“ Kopka betonte zudem die Bedeutung der Beschäftigten: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten jeden Tag wertvolle pädagogische Arbeit. Dass mit der Einigung auch für sie Verlässlichkeit geschaffen wird, ist deshalb ebenso wichtig.“ Heitmüller und Kopka danken allen Beteiligten, die in den vergangenen Wochen an einer tragfähigen Lösung gearbeitet haben. „Unterschiedliche Positionen gehören zu Verhandlungen dazu. Entscheidend ist, dass man miteinander im Gespräch bleibt, Verantwortung übernimmt und schließlich einen Konsens findet. Das ist hier gelungen.“
Was die Unabhängigen DU sagen
Die Unabhängigen für Einbeck danken, dass sie Teil des Prozesses sein durften. DU begrüßen den jetzt getroffenen Kompromiss zwischen der Stadt Einbeck und dem DRK ausdrücklich. „Dass die Kita in Kreiensen erhalten bleibt und damit für Kinder, Eltern und Beschäftigte endlich Planungssicherheit besteht, ist ausdrücklich zu begrüßen. Genau darum ging und geht es“, erklärte Cordula Sauerbrei vom Sprecherteam der Gruppe. Allerdings sollte bei aller Freude über das Ergebnis nicht der Eindruck entstehen, dass andere Personen oder gar Parteien diesen Prozess maßgeblich vorangetrieben haben, heißt es in der Pressemitteilung von DU. „Die entscheidenden Impulse und die treibende politische Kraft auf dem Weg zu dieser Lösung kamen aus unserer Sicht vor allem von den Elternvertretern der DRK Kita Kreiensen und von der Gruppe Die Unabhängigen für Einbeck.“ Als die Gespräche bereits gescheitert schienen, meldeten sich mehrere Elternvertreterinnen bei dem Stadtrats- und Kreistagsmitglied Alexander Kloss, der ebenfalls Mitglied bei DU für Einbeck ist. Schnell war eine Verbindung innerhalb der Gruppe und zum DRK hergestellt. In den folgenden Tagen erfolgten ein Treffen und persönliche Gespräche – unter anderem zwischen Ratsfrau Margharet Feldgiebel und Vertretern des DRK sowie mehrere Videokonferenzen zwischen den Vertretern des DRK, den Elternvertreterinnen, dem StEREK (Stadtelternrat Einbecker Kindertagesstätten) und DU für Einbeck. Hinter den Kulissen machten sich die Mandatsträger der Gruppe, die bereits im Rat sitzen, dafür stark, dass die Stadt Einbeck an den Verhandlungstisch zurückkehrt. Zu diesem Zeitpunkt hatten sämtliche im Stadtrat vertretenen Parteien das Interesse an dem Thema verloren, schreibt DU. „Wir freuen uns natürlich, dass auch andere Parteien und Bürgermeisterkandidaten das nun erzielte Ergebnis ausdrücklich begrüßen – insbesondere, wenn dabei der eigene Anteil am Zustandekommen der Einigung besonders hervorgehoben wird. So viel Selbstbewusstsein kurz vor der Kommunalwahl sei schließlich jedem gegönnt. Politik bedeutet allerdings nicht nur, ein gefundenes Ergebnis anschließend zu begrüßen. Politik bedeutet auch, Probleme frühzeitig aufzugreifen, Verantwortung zu übernehmen, Gespräche einzufordern und sich mit Nachdruck für eine konkrete Lösung einzusetzen“, formulieren die Kandidatinnen und Kandidaten von DU für Einbeck ihre einhellige Meinung in ihrer Stellungnahme. Und ergänzen: „Wir freuen uns jedenfalls darüber, dass die Kita in Kreiensen eine Perspektive hat. Denn für uns steht nicht im Mittelpunkt, wer sich am Ende die politische Überschrift geben kann, sondern dass Kinder betreut werden, Eltern Planungssicherheit haben und die Beschäftigten eine Zukunftsperspektive bekommen. Das ist gute und ehrliche Politik.“
