Rathaus-Reime

Da hat sie ihn noch, den Schlüssel: Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek mit den Ratsmitgliedern Heidrun Hoffmann-Taufall, Beatrix Tappe-Rostalski und Eunice Schenitzki (v.l.).

Da hat sie ihn noch, den Rathaus-Schlüssel: Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek mit den Ratsmitgliedern Heidrun Hoffmann-Taufall, Beatrix Tappe-Rostalski (beide CDU) und Eunice Schenitzki (SPD, v.l.).

Im Karneval ist vieles erlaubt, was an weniger närrischen Tagen gar nicht gut käme. Warum sollten nur die Narren in der Bütt die Politiker derblecken dürfen? Geht das nicht auch mal anders, ist das nicht ebenso Politikern mal erlaubt? Das sagte sich offenbar die Bürgermeisterin und meinte sicherlich nicht allzu bierernst, was sie vom Rathausbalkon ins Mikrofon dichtete. Bei der närrischen Schlüsselübergabe an die Karnevalisten nutzte Dr. Sabine Michalek jedenfalls ihre Entmachtungsrede, um noch einmal mit närrischem Augenzwinkern auf die heftig diskutierte politische Entscheidung der jüngsten Wochen zurück zu blicken: den Kauf des Neuen Rathauses. Erst dann gab die Verwaltungschefin, die bekanntlich gegen den Kauf der Rathausimmobilie ist und stimmte und den von der Ratsmehrheit im Dezember beschlossenen Erwerb nun umsetzen muss, den städtischen Schlüssel für die nächsten 31 Tage bis Aschermittwoch an Maria II. und Michael II. und ihr Gefolge.

Sie gebe den Schlüssel ab, was solle das zaudern, aber ein wenig möchte sie schon noch plaudern über die Zeit, die gerade hinter der Politik in Einbeck liege. Bevor die Verklärung darüber obsiege, reimte die Bürgermeisterin in der Balkon-Bütt, wolle sie noch einmal sagen, dass es im Stadtrat jüngst so einige Narretei gegeben habe. “Schuldenberge, leere Kassen, aber neun Millionen soll ich jetzt verprassen für das Rathaus. Schön anzusehen, ein schmuckes Haus, doch schaut man auch mal hinter die Fassade, und betrachtet von allen Seiten die Lage, dann fällt mein Urteil leider anders aus. Heute sage ich es einmal noch: So viel ist es nicht wert.” Einmal noch wolle sie es sagen, der Preis sei zu hoch. Leider sei ihre Idee, einen kleinen, funktionellen Neubau am ZOB zu errichten, auf dem Abstellgleis gelandet. “Die Mehrheit im Rat, ob sie wohl wusste was sie tat? Ob sie auch hätte gehoben die Hand in dieser Seelenruhe, wenn es ihr privates Geld gewesen wäre und nicht das aus der städtischen Truhe”. Die Antwort müsse jeder für sich finden, erklärte die karnevalistisch entmachtete Rathauschefin, ein bitterer Nachgeschmack bleibe, aber sie wolle sich ihr Herz nicht mehr schwer machen damit, die Entscheidung sei getroffen worden. Mit Humor lasse es sich besser regeln, und das zudem noch gesünder.

Apropos regeln: Als die Bürgermeisterin eher rhetorisch fragte, ob die Stadtrat-Mehrheit beim Rathauskauf auch die Hand gehoben hätte, wenn es ihr privates Geld gewesen wäre, fiel zweimal das Mikrofon aus… wer da wohl am Regler saß? Ein Narr? Ein Roter? So unkten jedenfalls sofort humorvolle Zeitgenossen. Schnell war ein Ersatzmikro bereit und die Bürgermeisterin konnte ihren Satz so verstärkt beenden, dass ihn jeder auf dem Marktplatz hören konnte.

Und nur, damit keine närrische Verwechslung aufkommt: Die Stadt kauft das Neue Rathaus, nicht das Alte, das gehört ihr nämlich schon. Und auf dessen Balkon standen Bürgermeisterin und Karnevalsfreunde, und alle hörten die Worte der Rathauschefin, man solle doch mal hinter die Fassade des schmucken Hauses werfen… das gilt allerdings auch für das Alte Rathaus. Einbecks Wahrzeichen am Marktplatz hätte es nötig, nicht nur im Karneval… aber da laufen ja auch schon Förderanträge, dann ist’s ja alles gut. Einbeck Helaaf!

Die Karnevalsfreunde haben den Schlüssel.

Die Karnevalsfreunde haben den Schlüssel erobert, mit ihnen ist jetzt bis Aschermittwoch die närrische Macht.

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