Sie wollen gekonnt sein, sollten sie doch im besten Falle mit dem verbalen Narrenflorett ihre Treffer versenken und nicht mit dem Säbel: Büttenreden im Karneval. Nach vier Jahre langer Pause ist jetzt (endlich) wieder der Einbecker Bierorden verliehen worden: diesmal an den FDP-Bundestagsabgeordneten Konstantin Kuhle. Der in Eilensen aufgewachsene 35-Jährige schaute mit Scholz’scher Augenklappe vor allem auf die Bundespolitik (und berief gleich Karnevalspräsident und Bürgermeisterin zum Bundeskanzler und Außenministerin). Bei der Veranstaltung in der Multifunktionshalle stiegen ebenfalls wieder Bierkutscher Albert Eggers und „Till Eulenspiegel“ (Markus Henze) in die Bütt und spotteten humorvoll gereimt über die Kommunalpolitik. Immer bis Aschermittwoch daran denken: Es ist Karneval. Da ist nicht jedes Wort allzu bierernst zu nehmen.
Er wäre ja fast zur Bierordenverleihung am neuen Ort in der Multifunktionshalle zu spät gekommen, weil er dachte, dass diese wie immer in der Rathaushalle stattfindet, war „Till Eulenspiegel“ noch ganz außer Atem. „Doch als ich dort vor verschlossenen Türen stand, fiel mir wieder ein, so naiv kann man doch auch gar nicht sein. Man soll zwar nie die Hoffnung verlieren, aber dass Bauprojekte in Einbeck pünktlich abgeschlossen werden, wird niemals passieren.“ Und weil man ständig bei Ausgrabungen neue Knochenreste und Prägestempel entdecke, werde auch das Alte Rathaus zum Never-Ending-Bauprojekt.
„Till Eulenspiegel“ sorgte sich grundsätzlich um das Verhalten „dieser Strategen“ im Stadtrat, das widerspreche jeglicher konstruktiven Streitkultur. „Immer öfter knallt es im Rat der Stadt, und das sind keine Fake-News, die jemand erfunden hat.“ Dass unterschiedliche Parteien mal unterschiedlicher Meinung seien, das sei nicht das Problem. Wichtig jedoch sei, dass sich niemand unterhalb der Gürtellinie duelliere. „Till“ hatte da eine Diskussion zwischen Dirk Heitmüller (SPD) und Alexander Kloss (parteilos) im närrischen Auge: „Vor kurzem flogen wieder die Fetzen, bei der Verteilung des Windpark-Geldes wollte einer von beiden eine Bürgerbefragung durchsetzen. Das ganze versetzt mich in eine missliche Lage, denn schließlich stellt sich für mich folgende Frage: Wer ist denn nun der Gute und wer der Schlechte bei beiden? Schließlich kann ich doch beide gut leiden.“
„Klare Kante Kloss“ sei für sein kommunalpolitisches Engagement sehr anerkannt, würdigte Markus Henze als „Till Eulenspiegel“ dessen Arbeit. „Er brennt für Einbeck und das, was er tut, aber ist das auch immer rechtens und gut? Ich gebe zu, was er bisweilen bewirkt hat ist allerhand, doch manchmal wirkt er wie ein kleiner Querulant.“

Auch Bierkutscher Albert Eggers nahm sich den omnipräsenten Einzelkämpfer vor. „Und dann lief mir auf dem Flur noch unser Schattenbürgermeister über den Weg. Der soll ja mächtig eitel sein. Angeblich stellt er sich immer öfter vor seinen Spiegel und fragt: Spieglein, Spieglein an der Wand. Wer ist der beste Politiker im Einbecker Land? Darauf antwortet der Spiegel: Alex, du bist wirklich klug und clever, aber der beste Politiker bist zu never, denn wer immer nur glaubt, er habe sehr großes politisches Gewicht, den darf nicht wundern, wenn manch einer meint, der ist doch nicht ganz dicht.“
Über die Zusammenarbeit zwischen dem „fidelen Heinrich Mirabilis von Salzderhelden“ und dem „umtriebigen Jäger aus Stroit“ kam der Bierkutscher schnell grundsätzlich auf das Wirken des Einbecker Rates zu sprechen. „Was im Stadtrat, unserer hoch motivierten Innovationsschmiede, alles so verzapft wird. Beispielsweise die Einrichtung einer Fahrradstraße unter Missachtung aller bürgerfreundlicher Einbahnstraßenregelungen. Und dann noch der gläserne Fahrstuhl bis ins Kellergewölbe des Alten Rathauses. Obwohl doch alle wissen, dass es gewissermaßen auf Sand gebaut ist.“ Der Beifall der Narrenschar war dem Bierkutscher gewiss. „Aus gut unterrichteten Kreisen wurde mir zugetragen, dass unsere Bürgermeisterin in den letzten Wochen alle möglichen ‚Harry-Potter-Filme‘ angesehen hat. Besonders hat es ihr der Film ‚Harry Potter und der Stein der Weisen‘ angetan. Wie Insiderkreise weiter berichten, will sie wohl in die Jahrhundertbaugrube am Alten Rathaus hinabsteigen, für sie als geübte Bergwanderin kein Problem, um dort vielleicht einen Stein der Weisen zu finden in der Hoffnung, damit die Erleuchtung für die Lösung der städtischen Bau- und Finanzierungsprobleme zu bekommen.“


