Die SPD/CDU-Gruppe im Einbecker Stadtrat möchte an der ursprünglichen Umbauvariante am Alten Rathaus trotz sechsstelliger Kostensteigerung festhalten. Im Vorfeld der nächsten Bauausschuss-Sitzung am Donnerstag, bei der das Thema auf der Tagesordnung steht, hat die Ratsmehrheit drei denkbare Fortsetzungsmöglichkeiten nach dem monatelangen Baustillstand rechnen lassen – und sich innerhalb der Gruppe für die Variante der Vollausführung entschieden. Für die anderen beiden erwogenen Variationen sei zwar weniger Geld nötig, man bekomme dann aber auch eine unbefriedigende Lösung. Bei einem Pressegespräch machten Dirk Heitmüller und Klaus-Reiner Schütte für die SPD-Fraktion sowie Dirk Ebrecht und Beatrix Tappe-Rostalski für die CDU-Fraktion heute deutlich, dass es durchaus unterschiedliche Auffassungen innerhalb der Gruppe gegeben habe, letztlich aber alle Preis-Leistung-Vorteile für die Vollausführung wie ursprünglich geplant sprechen würden. Die Gruppenvertreter räumen ein, die Problematik zeitweilig unterschätzt und sich zu sehr auf die Fachleute verlassen zu haben. Ein Baustopp, wie ihn andere Fraktionen fordern, sei jedoch die schlechteste Lösung, meinen SPD/CDU.
Der SPD/CDU-Ratsmehrheit ist auch bewusst, dass es bis zur Fortsetzung der Bauarbeiten am Hallenplan noch dauern werde. „Wir müssen das aushalten“, sagte Beatrix Tappe-Rostalski (CDU) zähneknirschend. Denn die Arbeiten können erst fortgeführt werden, sobald der notwendige Nachtragshaushalt genehmigt und die Fördermittel bewilligt seien. Überlegt werden soll jedoch, hieß es heute, zwischenzeitlich an der offenen Baugrube wenigstens die Engstelle des Durchgangs vom Hallenplan zum Marktplatz zu verbreitern. Sie ist und bleibe ein Ärgernis.
Der Fahrplan für den Ausweg aus dem monatelangen Stillstand wegen Problemen mit dem Rathausfundament sieht folgende Schritte vor: Inhaltlich wird am Donnerstag (29. Februar, 17 Uhr, Rathaushalle) der Fachausschuss für Bauen und Stadtentwicklung entscheiden, wie es weitergehen soll. Durch die Kostensteigerung wird ein 1. Nachtragshaushalt 2024 notwendig, der am 4. März im Finanzausschuss und am 6. März im Stadtrat beschlossen werden soll. Die Mehrkosten für die Baustelle Altes Rathaus sind der Löwenanteil dieses Nachtragsetats. Sobald der Nachtrag dann von der Kommunalaufsicht (Landkreis Northeim) genehmigt und die damit zusammenhängenden Änderungen bei den Fördermitteln entschieden sind, können die Bauarbeiten fortgesetzt werden. Wann das sein wird, wollte heute niemand prognostizieren.
Die Kellerwand des Alten Rathauses muss unterfangen werden, um Bauwerksschäden zu vermeiden. Dies wurde laut einem Baugrundgutachten bekannt, das im Zuge der Tiefbauarbeiten für den Lichtschacht zum Kellerzugang sowie die Aufzugsunterfahrung erstellt wurde. Der vorhandene Baugrund hat eine maximal mögliche Bodenpressung von 44,90 kN pro Quadratmeter. Gemäß statischer Berechnung ist jedoch eine Bodenpressung von 280 kN pro Quadratmeter notwendig. Um dieses zu erreichen, soll eine so genannte Düsenstrahlunterfangung durchgeführt werden, bei der nachträglich Betonpfähle erschütterungsfrei unter den Außenwänden eingebracht werden, wie es in der Beschreibung des Verfahrens heißt.
Die Kostenprognose für die Vollausführung liegt bei 1,772 Millionen Euro, was insgesamt rund 622.000 Euro Mehrkosten gegenüber der bisherigen Kostenschätzung von April 2022 (1,15 Millionen Euro) ergibt. Bei der Minimal-Ausführung würde die Bauausführung verändert, vor allem würde das Kellergewölbe nicht mehr vom Fahrstuhl angesteuert, dadurch würde eine einfachere Systemschacht-Ausführung für den Fahrstuhl zum Einsatz kommen. Hierfür wurde eine Kostenprognose von 1,468 Millionen Euro errechnet. Bei der Null-Ausführung (1,186 Millionen) würde der Aufzug komplett entfallen und auch kein neuer Zugang zum Gewölbekeller vom Hallenplan aus entstehen. Die Baugrube würde verfüllt, das Alte Rathaus bliebe dann weiterhin nicht barrierefrei erreichbar.
Auch der Fördermittelgeber DSK, aus dessen Programm „Lebendige Zentren“ das Fördergeld stammt, empfiehlt die Vollausführung weiter zu verfolgen, angesichts der bereits laufenden Arbeiten und des Baufortschritts erziele man so den wirtschaftlichsten Einsatz der Haushaltsmittel. Rein finanztechnisch sollen für den Erweiterungsanbau der Turnhalle Holtensen bewilligte Fördermittel zunächst fürs Alte Rathaus verwendet werden, da in Holtensen ohnehin noch nicht 2024 angefangen werden könne zu bauen. Die dort notwendigen Finanzmittel sollen deshalb in den Haushalt und das Förderjahr 2025 geschoben werden – mit einer klaren so genannten Verpflichtungsermächtigung im 1. Nachtragsetat 2024.


Wenn man sich zu weit aus dem Fenster lehnt. Da helfen auch keine PR-Besuche. Das mit dem Baugrund war Fachleuten bekannt. Und dass es Alternativen für einen barrierefreien Zugang zum Obergeschoss gibt auch…die Ratssitzung verspricht Spannung…
„PR-Besuche“ ?! Ich empfinde das anders. Mal abgesehen von der Ursachenforschung, ob wer wann was falsch gemacht hat bzw. wider besseres Wissens („war Fachleuten bekannt“) gehandelt hat – worüber ich mir kein Urteil anmaßen kann, stellt sich doch nun erstmal die Frage, wie am besten nun weiter agiert wird. Also Möglichkeiten/Varianten aufzählen und dabei eruieren, bei welcher Variante mit welchen Fördermöglichkeiten kommt man am besten weiter. Genau dies wurde doch beschrieben und diesen Informationsfluß erwarte ich auch und sicher viele andere auch. Wenn das als „PR-Besuch“ bezeichnet wird, trifft es nicht so ganz und bekommt eher einen negativen Touch.
Gleiches erwarte ich im übrigen bei der anderen Dauerbaustelle…..
also: zuerst mal schauen, wie geht es am besten und schnellsten weiter – dann sicher auch die Ursachen für das Dilemma aufarbeiten.