Update | Hallenbad Greene geschlossen – und die politischen Wellen schlagen hoch

Das Hallenbad Greene ist geschlossen – aber nicht, weil ohnehin die Winter-Badesaison zu Ende wäre, sondern „wegen dringender baulicher Maßnahmen“, wie auf einem Schild am Eingang zu lesen ist. Das 12-Stunden-Schwimmen am vergangenen Sonnabend konnte laut Medienberichterstattung offenbar noch mit kurzfristig organisierten Sicherungsmaßnahmen stattfinden, nachdem bereits am vergangenen Mittwoch eine eilige Schließung verfügt wurde, weil angeblich drei Stahlbetonstützen nicht mehr tragfähig waren, was bei einer turnusmäßigen Baubegehung aufgefallen sei. Der Landkreis Northeim hat sich am Dienstag auf Anfrage noch nicht offiziell geäußert. An die Landrätin sind derweil bereits mehrere Anfragen aus der Politik gerichtet, die bislang offenkundig auch ohne Antworten blieben. Dabei schlugen intern die politischen Wellen hoch, denn alle drei bisher bekannten Wortmeldungen stammen aus der Gruppe CDU/FDP/Die Unabhängigen, die wenige Monate vor der Kommunalwahl offenbar keine einheitliche, geschlossene Linie mehr fahren kann.

Bereits vom Sonntag datiert die Anfrage der Gruppe CDU/FDP/Unabhängige. Die umgehende Einstellung des Badbetriebs sei „mehr als besorgniserregend“, heißt es dort von den Gruppensprechern Beatrix Tappe-Rostalski und Christian Grascha. Die überregionale Bedeutung des Bades mit dem besonderen Augenmerk auf dem schulischen Schwimmunterricht werde in der Kreistag-Drucksache 1382/20 – anlässlich des Projektaufrufs zum Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ – noch einmal eindrucksvoll unterstrichen, schreibt die Gruppe in ihrer Anfrage an die Landrätin. Der Kreistag habe im Dezember die Sanierung des Hallenbades Greene zum Interessenbekundungsverfahren des Bundesprogramms angemeldet. Voraussichtlich bis Ende Februar 2026 sollten die zur Antragstellung vorzusehenden Projekte durch den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags beschlossen sein. CDU/FDP/Unabhängige fragen daher u.a., ob bereits ein Beschluss vorliege bzw. wann kann damit gerechnet werde? Die Gruppe will außerdem wissen, welche kurzfristige Maßnahmen möglich seien und ob die Arbeiten bis zum Start in die neue Saison im Oktober 2026 abgeschlossen werden können. Schließlich will die Gruppe wissen, ob der Förderverein des Hallenbades regelmäßig informiert bzw. in die Entscheidungen eingebunden werde und ob die Politik flankierende Aktivitäten entfalten könne.

Der Einbecker Ratsherr und Kreistagsabgeordnete Alexander Kloss (parteilos), der im Kreistag Mitglied der Gruppe CDU/FDP/Unabhängige ist, hat heute direkt selbst Fragen zu dem Thema an Landrätin Astrid Klinkert-Kittel und Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek gerichtet. „Mit Erschrecken“ habe er von der Schließung gelesen, „mir war weder als Beigeordneter im Einbecker Stadtrat noch als Kreistagsabgeordneter bekannt, dass es bei dem für den Schul- und Vereinsschwimmbetrieb in und um Greene herum bedeutenden Schwimmbad derartige Mängel bzw. eine Gefährdungssituation gibt“. Deshalb bittet er um zeitnahe Antworten auf sechs Fragen: Seit wann sind die baulichen Mängel bekannt? Welche Maßnahmen wurden im Vorfeld eingeleitet, um eine Einstellung des Schwimmbetriebes zu verhindern? Wann und in welcher Form erfolgt eine Einbindung der Kommunalpolitik? Warum müssen wir so eine Nachricht aus der Presse erfahren? Seit wann laufen seitens Ihres Hauses in der Angelegenheit Gespräche mit den betroffenen Schulen, Kindergärten, Vereinen etc.? In welcher Form kann und sollte die Kommunalpolitik hier unterstützen? Welche Lösungswege sind von Ihrer Seite angedacht, um den Schwimmbetrieb in Greene schnellstmöglich wieder aufzunehmen?

Der Ortsbürgermeister von Greene, der Kreistagsabgeordnete Frank-Dieter Pfefferkorn (BlGfE), war nach eigenen Angaben nicht im Vorfeld über die Schließung des Hallenbades Greene informiert. Die BlGfE veröffentlichte heute ein Statement zur Thematik, weil „unter dem Statement der CDU/FDP und die Unbesiegbaren unser Fraktionsvorsitzender nicht berücksichtigt wurde. Darüber hinaus veröffentlichte Herr Kloss, obwohl er namentlich genannt wurde, einen eigenen, auf ihn zugeschnittenen Artikel“, wie Dr. Andreas Kroll für die BlGfE-Stadtratsfraktion mitteilte.

Das folgende ausführliche Statement gebe die Position der Fraktion wieder:

Die Schließung des Hallenbades Greene ist ein harter Schlag für Greene und für die gesamte Region. Für uns als Bürgerliste Gemeinsam für Einbeck ist klar: Dieses Bad ist keine Nebensache, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil der öffentlichen Infrastruktur. Hier geht es nicht nur um Freizeit, sondern um Schwimmunterricht, Vereinsleben, Gesundheitsangebote und Daseinsvorsorge. Gerade in einer Zeit, in der immer mehr Kinder Schwierigkeiten haben, sicher schwimmen zu lernen, darf ein Hallenbad wie in Greene nicht einfach zur Disposition gestellt werden. Wer es mit dem Schutz unserer Kinder und mit einer vernünftigen kommunalen Infrastruktur ernst meint, muss alles dafür tun, dass dieses Bad erhalten bleibt. 

Besonders Frank-Dieter Pfefferkorn hat sich dafür mit Nachdruck eingesetzt. Als Ortsbürgermeister von Greene und als Fraktionsvorsitzender der BlGfE steht er seit langem klar an der Seite des Hallenbades und der Menschen vor Ort. Er weiß, was dieses Bad für Greene bedeutet, und er hat immer deutlich gemacht, dass man eine so wichtige Einrichtung nicht kaputtsparen, kalt abwickeln oder politisch auf Verschleiß fahren darf. Es ist gut und richtig, dass er sich hier klar positioniert und für den Erhalt des Hallenbades kämpft. 

Dabei darf auch eines nicht vergessen werden: Hinter dem Hallenbad Greene steht seit Jahren ein außergewöhnliches bürgerschaftliches Engagement. Der Förderverein Hallenbad Greene trägt das Bad seit Jahrzehnten mit großem ehrenamtlichem Einsatz. Ein solches Engagement verdient Anerkennung, Respekt und politische Rückendeckung — und nicht Unsicherheit über die Zukunft. 

Auch die tatsächliche Nutzung zeigt, wie wichtig das Bad ist. Der öffentliche Belegungsplan weist für die Saison 2025/2026 einen intensiven Betrieb aus: Schulschwimmen, Frühschwimmen, öffentliches Schwimmen, Vereinsangebote, Kurse und Kinderschwimmangebote laufen dort eng getaktet nebeneinander. Genau das zeigt doch, dass das Hallenbad Greene eben kein Luxus ist, sondern ein stark genutzter und fest verankerter Standort. Wenn Kinder schwimmen lernen sollen, wenn Schulen ihren Auftrag erfüllen sollen und wenn Vereine verlässliche Trainingszeiten brauchen, dann braucht es genau solche Einrichtungen vor Ort. 

Wichtig ist deshalb auch der Blick auf die beantragten Bundesfördermittel. Der Kreistag hat beschlossen, die Sanierung des Hallenbades Greene für die erste Förderstufe des Bundesprogramms „Sanierung kommunaler Sportstätten“anzumelden. Dieses Programm fördert umfassende Sanierungen und Modernisierungen kommunaler Sportinfrastruktur; antragsberechtigt sind auch Landkreise, wenn sie Eigentümer der Einrichtung sind. Damit ist klar: Greene ist politisch nicht aufgegeben, sondern ausdrücklich als sanierungswürdiger und förderfähiger Standort benannt worden. 

Genauso klar ist aber auch: Diese Förderung ist kein Selbstläufer. Bundesweit sind für das Programm nach offiziellen Angaben mehr als 3.600 Interessenbekundungen eingegangen; einem Bedarf von rund 7,5 Milliarden Euro standen nur 333 Millionen Euro gegenüber. Das Verfahren ist also massiv überzeichnet. Umso wichtiger ist es, dass der Landkreis und alle politisch Verantwortlichen jetzt mit voller Kraft für Greene eintreten, statt die Menschen mit Unklarheiten und Verzögerungen abzuspeisen. Wer eine Förderung beantragt, muss anschließend auch den politischen Willen haben, dieses Projekt entschlossen zu vertreten. 

Für uns als BlGfE ist deshalb klar: Das Hallenbad Greene braucht eine Zukunft — und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt. Wir stehen an der Seite des Fördervereins, der Nutzerinnen und Nutzer, der Schulen, der Vereine und der Familien in unserer Region. Und wir sagen ebenso klar: Frank-Dieter Pfefferkorn hat sich in dieser Frage glaubwürdig und mit Nachdruck für Greene eingesetzt. Jetzt erwarten wir vom Landkreis Transparenz, einen belastbaren Fahrplan und den ernsthaften politischen Einsatz dafür, dass die beantragten Fördermittel tatsächlich nach Greene geholt werden. Denn Kinder müssen schwimmen lernen, Vereine brauchen verlässliche Bedingungen, und Greene hat ein Hallenbad verdient, das eine echte Zukunftsperspektive erhält.

Nachtrag 25.03.2026, 12:03 Uhr: Der Landkreis Northeim hat sich heute Mittag zum Sachverhalt geäußert: „Bei der Baubegehung im Schwimmbad Kreiensen-Greene wurden im Kellerbereich unterhalb des Schwimmbeckens bauliche Mängel festgestellt. Betroffen sind drei Stahlbetonstützen, deren Tragfähigkeit nach statischer Bewertung nicht mehr gegeben ist. Aus Gründen der Sicherheit wurde der Betrieb deshalb am 18.3.2026 eingestellt. Der zu dem Zeitpunkt kurz vor dem Ende stehende Schwimmkurs konnte noch beendet werden. Die folgenden Schwimmkurse mussten jedoch abgesagt werden. Zwischenzeitlich wurden die vom Statiker empfohlenen kurzfristigen Sicherungsmaßnahmen durchgeführt, sodass der Schwimmbetrieb noch bis zum Ende der regulären Schwimmsaison am 22.03.2026 fortgeführt werden konnte. Hinweise auf entsprechende Mängel lagen in dieser konkreten Ausprägung bislang nicht vor. Es werden nun weitere fachliche Prüfungen und Bewertungen erfolgen. Es gilt zunächst das Ergebnis der Untersuchungen abzuwarten. Es liegt hierbei im Bestreben des Landkreises, eine Eröffnung des Hallenbades zur nächsten Saison zu ermöglichen.“

Nachtrag 26.03.2026, 19:33 Uhr: Der Landkreis Northeim setzt sich nach eigenen Worten dafür ein, das Hallenbad Greene zu erhalten und eine Wiederöffnung zum Start der kommenden Schwimmsaison im Oktober zu ermöglichen. Das schreibt die Kreisverwaltung heute in einer ausführlicheren Presseinformation, mit der das Kreishaus Hintergründe erläutern und den aktuellen Stand einordnen möchte. Bei einer Baubegehung am 18. März 2026 wurden im Kellerbereich unterhalb des Schwimmbeckens bauliche Mängel festgestellt. Dabei zeigte sich, dass die Tragfähigkeit von drei Stahlbetonstützen nicht mehr gegeben ist. Aus Sicherheitsgründen wurde der Badbetrieb deshalb noch am selben Tag zunächst eingestellt. Der zu diesem Zeitpunkt kurz vor dem Abschluss stehende Schwimmkurs konnte noch beendet werden. Die folgenden Schwimmkurse mussten jedoch abgesagt werden. Schulen, die das Hallenbad für den Schwimmunterricht nutzen, wurden laut Kreisverwaltung noch am Abend des 18. März über die Einstellung des Badebetriebs informiert. Um die für den 21. März geplante Veranstaltung im Hallenbad Greene, das „12-Stunden-Schwimmen“, durchführen zu können, waren kurzfristige Maßnahmen zur statischen Absicherung erforderlich. Diese vom Statiker empfohlenen Maßnahmen wurden umgesetzt. Dadurch konnten sowohl die Veranstaltung als auch der reguläre Schwimmbetrieb noch bis zum planmäßigen Ende der Schwimmsaison am 22. März stattfinden. „Uns ist bewusst, dass die kurzfristige Einstellung des Badebetriebs für viele Badegäste, Schulen, Familien und Vereine mit Unannehmlichkeiten verbunden war“, erklärte Landrätin Astrid Klinkert-Kittel. „Das bedauern wir sehr. Für den Landkreis Northeim steht jedoch die Sicherheit aller Nutzerinnen und Nutzer sowie der Beschäftigten an erster Stelle. Wenn ernste bauliche Mängel festgestellt werden, müssen wir verantwortungsvoll und unverzüglich handeln.“ Derzeit laufen fachliche Prüfungen und Bewertungen. Auf dieser Grundlage wird entschieden, welche Maßnahmen erforderlich und umzusetzen sind, um das Hallenbad Greene zu erhalten. „Unser Ziel ist es, das Hallenbad in Greene zu sichern, damit es zum Saisonstart im Oktober 2026 wieder öffnen kann“, erklärte Landrätin Astrid Klinkert-Kittel. „Ob und in welchem Umfang dies möglich ist, hängt vom Ergebnis der laufenden Prüfungen ab. Nach dem derzeitigen Stand gibt es jedoch Hinweise darauf, dass die notwendigen Maßnahmen für einen Weiterbetrieb bis dahin umgesetzt werden können.“ In diesem Zusammenhang verweist die Kreisverwaltung auch auf die bereits angestoßene Anmeldung einer Sanierung des Hallenbades Greene im Interessenbekundungsverfahren des Bundesprogramms „Sanierung kommunaler Sportstätten (SKS)“. Der Kreistag hatte die Anmeldung am 12. Dezember 2025 beschlossen. Nach Angaben des Fördermittelgebers wird die Prüfung der eingereichten Projekte länger dauern als zunächst erwartet. Mit einer Auswahl der Projekte, die eine Bundesförderung erhalten, wird durch den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages voraussichtlich erst nach Ostern gerechnet.

(c) Foto: Frank Bertram
Im Schulzentrum Greene befindet sich das Hallenbad, das vom 1993 gegründeten Förderverein betrieben wird.
(c) Foto: Frank Bertram
Vor Ort ist ein handgeschriebener Hinweis zu finden: „Das Hallenbad ist ab sofort geschlossen! Es sind dringende bauliche Maßnahmen erforderlich. Wir bitten um Euer Verständnis.“

Hier kannst Du einen Kommentar verfassen