Politiker ohne Angst vor großen Tieren

Keine Angst vor großen Tieren, weder vor Dinosauriern noch vor Zebras, hatten bei der offiziellen Eröffnung des „Circus Land“ auf dem Gelände des Zirkus Charles Knie die teilnehmenden Kommunalpolitiker, an der Spitze Northeims Landrätin Astrid Klinkert-Kittel (SPD) und Einbecks stellvertretender Bürgermeister Marcus Seidel (SPD). Bevor sie gemeinsam und mit Abstand das rote Band durchgeschnitten haben, spendete der Zirkusseelsorger den Segen für den Freizeitpark mit Streichelzoo, der bis 30. August in Volksen geöffnet ist.

Zebra-Flüsterer: Landrätin Astrid Klinkert-Kittel, Erster Kreisrat Jörg Richert und stellvertretender Bürgermeister Marcus Seidel (v.r.).

Pfarrer Sascha Ellinghaus aus Hagen ist Vertreter der Katholischen Circus- und Schaustellerseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz mit Sitz in Bonn. Er wünschte nicht nur viel Erfolg für die Unternehmung des in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie keine Tournee durchführenden Zirkus Charles Knie. Der Geistliche, auf dessen Stola über dem Gewand unter anderem Clowns und wilde Tiere zu sehen sind, spendete auch Gottes Segen, segnete mit Weihwasser den Torbogen des Gutshofes.

Die Landrätin konnte sich gemeinsam mit ihrem Ersten Kreisrat Jörg Richert während eines Rundgangs mit Zirkusdirektor Sascha Melnjak einen Eindruck verschaffen. „Es ist toll, wie aus einer Krise eine so gelungene Idee entstanden ist, die Familien und Kindern in unserem Landkreis und darüber hinaus große Freude machen wird“, sagte Klinkert-Kittel.

Hohe COPD-Fallzahlen: Erklärbar oder nicht?

Dr. med Andreas Kroll. Foto: Einbecker Bürgerspital

Der Einbecker Lungenfacharzt Dr. Andreas Kroll, Chefarzt am Einbecker Bürgerspital, hat für die hohe Fallzahlen von COPD-Kranken in Südniedersachsen eine Erklärung. Auslöser für die Lungenkrankheit COPD, auch chronische Bronchitis genannt, sei an erster Stelle mit 90 Prozent das Rauchen, erklärte Kroll in einer Pressemitteilung. Die übrigen zehn Prozent der COPD-Patienten haben nach Auffassung des Lungenexperten entweder andere Stäube oder Schadstoffe inhaliert, insbesondere Bergbauarbeiter und Menschen in Werkhallen mit Metall, Holz und Steinstäuben. Es wundere ihn deshalb nicht, dass im Bereich um Osterode besonders viele COPD-Betroffene lebten: bis vor Kurzem sei hier aktiver Bergbau betrieben worden, erläuterte Kroll.

Die SPD-Kreistagsfraktion war erschrocken über die hohe Zahl von COPD-Erkrankungen in Südniedersachsen, die im Versorgungsatlas (www.versorgungsatlas.de) beschrieben wird, einem Angebot des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland. Wie Fraktionsgeschäftsführer Peter Traupe auf meine Anfrage mitteilte, halte die SPD die Erklärungen von Dr. Andreas Kroll nicht für schlüssig. Es sei in Osterode nicht erst bis vor Kurzem Bergbau gewesen, außerdem seien in den Gebieten mit Tagebergbau in den neuen Bundesländern oder auch im Ruhrgebiet die Zahlen nicht ansatzweise so hoch. Die SPD-Kreistagsfraktion kann sich auch nicht vorstellen, dass leichtfertig im großen Stil von den Fach- und Hausärzten der falsche ICD-Schlüssel codiert werde. Dass Rauchen eine der Hauptursachen für die Lungenerkrankungen, insbesondere Lungenkrebs sei, werde nicht bestritten, erklärte Traupe. Im Gegenteil, als Fachsprecher der SPD-Landtagsfraktion setze sich Uwe Schwarz seit Jahrzehnten für weitreichende Rauchverbote ein, insbesondere dort, wo Menschen unfreiwillig mitrauchen müssen (Passivrauchen). Allerdings könne sich die SPD nicht vorstellen, dass das Rauchverhalten in Südniedersachsen derart untypisch von anderen Teilen der Bundesrepublik abweiche.

Die SPD-Kreistagsfraktion möchte die Ursachensuche weiter betreiben und hat das Thema auf die Tagesordnung des zuständigen Kreistag-Fachausschusses für Soziales setzen lassen. Auch im Landkreis Göttingen würden die Zahlen im Kreistag von den Sozialdemokraten hinterfragt. Uwe Schwarz und Fraktionsgeschäftsführer Peter Traupe wundern sich besonders, dass das Gesundheitsamt des Landkreises Northeim die Zahlen nicht kenne, wie aus einer ersten Antwort des Ersten Kreisrates Jörg Richert auf ihre Anfrage hervorgeht. Die festgestellte Häufigkeit liege am ehesten an der guten lungenfachärztlichen Versorgung, schreibt Richert. Auch das bezweifeln die Sozialdemokraten und möchten weiter recherchieren.

Feuerwehr-Wechsel

Nachdem das Ergebnis feststand: Bernd Kühle (l.) gratulierte seinem Nachfolger Marko de Klein.

Neuer Kreisbrandmeister: Marko de Klein.

Einen Moment dauerte es, als der Erste Kreisrat Jörg Richert das Ergebnis der Kreisbrandmeisterwahl bekannt gab. Erst dann setzte der Beifall ein, durchaus zunächst zögerlich. Die 151 Stadt-, Gemeinde- und Ortsbrandmeister, die sich im BBS-Forum in Einbeck versammelt und bei dem Wahlgang ihre Stimme abgegeben hatten, waren offenbar vom Ergebnis überrascht. Grundsätzlich. Oder wenigstens von der Deutlichkeit. Direkt im ersten Wahlgang war die absolute Mehrheit, die notwendig war, klar übertroffen. Marko de Klein (42) aus Einbeck-Greene erhielt 86 Stimmen, Bernd Kühle (60) aus Northeim-Langenholtensen erhielt 65 Stimmen. Nach 18 Jahren gibt es damit einen Wechsel an der Spitze der Kreisfeuerwehr, der auch eine regionale Verschiebung von Gewichten ist. Formal muss der Kreistag Ende März den neuen Kreisbrandmeister erst noch auf sechs Jahre ernennen, gilt die Wahl in der Führungskräfteversammlung nur als eine Empfehlung. Doch die Abstimmung im Kreistag gilt als Formsache, eine nicht eindeutige Bestätigung dort wäre eine Überraschung. Die SPD hat bereits schriftlich gratuliert und dem scheidenden Kreisbrandmeister für seine Arbeit gedankt, der Vorsitzende des Kreisbrandschutzausschuss, Karl-Heinz Hagerodt (CDU), war bei der Wahl im Saal.

Feuerwehr ist Ehrenamt. Im Landkreis Northeim gibt es keine Berufsfeuerwehr, alle Feuerwehrleute machen dies in ihrer Freizeit. Auch der oberste Feuerwehrmann. Selbst wenn der Kreisbrandmeister eine vom Kreistag vergebene Ehrenbeamtenstelle mit monatlicher Aufwandsentschädigung und Dienstwagen ist. Der neue Kreisbrandmeister arbeitet für eine Firma für Feuerwehrkleidung und Sicherheitsausrüstung, Kühle bei der Justiz. Feuerwehr ist Politik. Für den Brandschutz werden regelmäßig und in der Regel ohne politischen (Parteien-)Streit oder auch nur Diskussion in kommunalen Haushalten hohe Summen aufgewendet. Deshalb ist die Position des Kreisbrandmeisters auch eine politische, eine politisch gewichtige. Bernd Kühle, der das Amt seit 2001 bekleidet, warf noch kurz vor der Wahl bei seiner Bewerbungsrede unter anderem seinen zweimaligen erfolgreichen Einsatz für den Erhalt der eigenständigen Leitstelle in Northeim gegenüber Göttingen in die Waagschale.

Erstmals seit 2001 hatte es bei der Kreisbrandmeisterwahl wieder zwei Kandidaten gegeben. Marko de Klein hatte seine Kandidatur im Sommer vergangenen Jahres intern angekündigt. Das sei eine echte Wahl, sonst wäre es nur eine Abstimmung, hatte der Erste Kreisrat Jörg Richert zu Beginn der Versammlung der Brandmeister gesagt. Das Ergebnis dieser Wahl ist eindeutig, die Mehrheit will eindeutig eine Veränderung. Für die hatte Marko de Klein geworben – und davor gewarnt, noch einmal in Gewohnheiten zu verharren: „Das Risiko, in sechs Jahren ohne einen geeigneten Kandidaten dazustehen, ist groß.“ Denn in sechs Jahren dürfte Kühle aus Altersgründen nicht noch einmal kandidieren, und de Klein ließ durchblicken, dass er nicht sechs Jahre warten wolle.

Im Vorfeld der Personalentscheidung hat es hinter den Kulissen offenbar einen harten Wahlkampf zwischen beiden Kandidaten und ihren Anhängern gegeben, das ließen jedenfalls Aussagen der beiden Bewerber in ihren Vorstellungsreden vermuten, in die Öffentlichkeit drang nichts: Das, was in den vergangenen zwei Tagen passiert sei, schade dem Amt, sagte Bernd Kühle, ohne Einzelheiten zu nennen. Marko de Klein hatte von emotionalen Diskussionen in WhatsApp- und Mailgruppen gesprochen, auch er nannte keine Details. Er bevorzuge lieber das direkte Gespräch, sagte der neu gewählte Kreisbrandmeister. Seine oberste Aufgabe wird nun sein, die Reihen wieder kameradschaftlich zu schließen, ein 86:65-Ergebnis zeigt durchaus eine Spaltung in der Kreisfeuerwehr. Und die sollte es nicht geben.

Nachtrag 19.02.2019: Nach der unmittelbaren schriftlichen Gratulation der SPD (PM_2_2019_SPD_Neuer_Kreisbrandmeister) hat sich heute auch die CDU nochmal schriftlich geäußert (CDU Dank an Kreisbrandmeister Bernd Kühle und Glückwünsche für seinen Nachfolger Marko de Klein).

Silbernadeln mit voller Landkreiskraft

Landkreis-Pressesprecher Dirk Niemeyer lichtet die Landrätin mit ihren Stellvertretern ab (v.l.) Gudrun Borchers, Christian Grascha, Astrid Klinkert-Kittel und Dr. Bernd von Garmissen.

Es kommt nicht häufig vor, dass bei einer Veranstaltung die Landrätin und alle ihre drei Stellvertreter anwesend sind. Dem Amt entsprechend sind die ehrenamtlichen Vertreter Gudrun Borchers (SPD), Christian Grascha (FDP) und Dr. Bernd von Garmissen (CDU) jeweils dann im Einsatz, wenn Landrätin Astrid Klinkert-Kittel keine Zeit hat. Dass nun bei der Verleihung der Silbernen Ehrennadeln an 23 Frauen und Männer im Landkreis Northeim alle drei Stellvertreter an der Seite der Landrätin agierten und außerdem auch noch der neue Erste Kreisrat Jörg Richert bei den Ehrungen zur Hand ging, können die Geehrten als Zeichen höchster Wertschätzung ansehen. „Wir zeigen, wie wichtig uns ihr Engagement ist“, sagte die Landrätin in Richtung der neuen Silbernadel-Träger. Dass alle da seien für die Ehrung sei eine Wertschätzung für das Wirken der Ehrenamtlichen. Und weil es nicht so häufig vorkommt, dass alle bei festlicher Gelegenheit gleichzeitig zugegen sind, nutzte die Kreishaus-Spitze gleich die Gelegenheit zu aktuellen Gruppenfotos der Landrätin mit ihren drei Stellvertretern. Zwei Männer bekamen binnen zwei Tagen bereits die zweite Silberne Ehrennadel verliehen: Nach der Ehrung durch die Stadt Einbeck im Rathaus erhielten Adolf Everlien und Gerhard Haupt nun im BBS-Forum die Landkreis-Ehrung.

Weniger Flächen für die Windenergie

Windräder bei Dassensen.

In der Einbecker Politik gibt es unverändert eine breite Mehrheit für Windenergie-Vorranggebiete und die dafür notwendige Änderung des Flächennutzungsplanes. Es gibt jedoch eine ebenso deutliche Mehrheit dafür, die bislang in den Planungen vorgesehenen Flächen zu verkleinern. Besonders die großen Flächen bei Dassensen will die Mehrheit reduzieren. In gemeinsamer Sitzung haben deshalb Stadtentwicklungsausschuss und Bauausschuss des Stadtrates gestern mehrheitlich dafür gestimmt, die Planungen noch einmal zu verändern. Ein Beschluss der F-Planänderung wie vorgesehen in der Stadtrat-Sitzung kommende Woche ist deshalb nicht mehr möglich. Denn jetzt müssen die Planer nochmal ans Werk, müssen die veränderten Planungen noch einmal öffentlich ausgelegt werden und dann mit den eingegangenen Einwändungen noch einmal in die gemeinsam tagenden Fachausschüsse. In diesem Jahr wird ein Ratsbeschluss damit unwahrscheinlich.

Das Verfahren ist komplex, denn einfach bestimmte Flächen komplett aus den Planungen zu löschen funktioniert nicht. Das musste die Mehrheit in den Ausschüssen erfahren, von der einige am Liebsten ein Gebiet östlich von Dassensen aus den Vorranggebieten herausgenommen hätte. Doch das wäre ein rechtswidriger Beschluss, der so geänderte F-Plan hätte vor höchsten Gerichten keinen Bestand, warnte Bauamtsleiter Frithjof Look mehr als einmal, weil sich die Erkenntnis bei einigen erst langsam und nur durch Wiederholungen durchsetzte. Möglich sei nur, die Kritierien für die Vorranggebiete zu verändern, machte Look deutlich. Und diese Änderung eines Kritieriums müsse dann auf das gesamte Stadtgebiet neu angewandt werden, gleichzeitig müsse aber der Windenergie substanziell Raum gegeben werden, denn sonst würde man mit einer zu drastischen F-Planänderung die Windräder ja faktisch verhindern. Die schwierige Aufgabe haben jetzt die Fachplaner des beauftragten Büros, die heute mit 120 Grad angegebene Eingrenzung von Ortschaften so zu reduzieren, dass daraus trotzdem immer noch ausreichend Fläche übrig bleibt.

Aufmerksamen Beobachtern war nicht entgangen, dass es am Rande der Breitband-Infoveranstaltung des Landkreises vergangene Woche mehrere kurze, aber deutliche Gespräche zwischen dem Dassenser Ortsbürgermeister Manfred Sudhoff, dem künftigen Ersten Kreisrat Jörg Richert und Einbecks Bürgermeisterin-Stellvertreter Dr. Florian Schröder gegeben hatte. Ortsrats- und Stadtratsmitglied Detlef Martin (SPD) aus Dassensen gab gestern eine öffentliche Auflösung: Mit Einschaltung des Landkreises als Kommunalaufsicht sei Dr. Schröder belehrt worden, dass es die vom Ortsrat im März beantragte Einwohnerversammlung geben müsse, sagte Martin. Andernfalls wäre eine Ratsentscheidung über das Thema Windenergie anfechtbar. Ein vermutlich entsprechendes Aktenstück hat Schröder in Northeim eingesteckt, das war zu beobachten. Zeitgleich tagte vergangene Woche der Verwaltungsausschuss, in dem Detlef Martin laut Rathauschefin seine Kritik eindringlich vorbrachte. Die Versammlung ist nun auf den 18. Juni um 19.30 Uhr im Pfarrsaal Dassensen terminiert. Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek kritisierte, dass gleich die Kommunalaufsicht eingeschaltet worden sei, warum habe man nicht vorher mal direkt im Rathaus gefragt. Sie hätte eine Einwohnerversammlung vor der heutigen gemeinsamen Aussschuss-Sitzung nicht für sinnvoll gehalten, sagte Michalek. Sie hätte ja dieses Vorgehen dem Ortsrat erläutern können, konterte Martin. Der politische Umgangston wird offenbar rauer.

Ob eine Einwohnerversammlung am Montag in Dassensen zum jetzigen Zeitpunkt mit den neuen Änderungsbeschlüssen sinnvoll ist, bleibt dahingestellt. Denn mehr als noch einmal der Besorgnis vieler Bürger Raum und Platz zu geben, kann eine solche Versammlung aktuell ja nicht bieten. Und alle Kritikpunkte an der Windenergie generell, hier vor Ort und speziell die Kritik an den Planungen vor allem rund um Dassensen kam bereits in der 100-minütigen, ausführlichen Einwohnerfragestunde der Ausschuss-Sitzung zur Sprache. Der amtierende Sitzungsleiter beider Fachausschüsse, Rolf Hojnatzki (SPD), gab den zahlreichen Bürgern in so breiter Art und Weise die Möglichkeit, noch einmal in sämtlichen Details die Sorgen und Ängste vorzubringen und darzustellen, dass es einigen Auschussmitgliedern schon zu lange dauerte. Eckhard Uhde von der Bürgerinitiative „Gegenwind“ aus Dassensen jedenfalls bedankte sich am Ende der Sitzung für die Möglichkeit, dass die Bürger so ausführlich sprechen konnten. Während Fachplaner und Rathaus durch die vogelkundliche Nachkartierung keine neuen Erkenntnisse sahen, die zu Veränderungen der Planungen hätten führen müssen, machten zahlreiche Anlieger vor allem aus Dassensen noch einmal deutlich, dass sie die Windenergie in massiver Dichte so nicht vor ihrer Haustür und mehr Abstand zu Dörfern haben möchten. Da war von den Brutgebieten der Weihe wieder ebenso die Rede wie von Gefahren durch Infraschall oder die vermeintlich nicht auskömmliche Wirtschaftlichkeit von neuen Windrädern bei Dassensen, weil dort die Windhöffigkeit nicht sehr groß sei. Deutlich nahmen Bauamtsleiter und Bürgermeisterin zu Vorhaltungen Stellung, es gebe doch bereits potenzielle Betreiber, die Windräder im Stadtgebiet von Einbeck bauen wollten. „Die Stadt hat keine Unterlagen zur Genehmigung vorliegen“, sagte Dr. Sabine Michalek. Vorprojektierungen und Gespräche mit Grundeigentümern müssten Investoren der Stadt nicht anzeigen. Da möge es etwas geben und möge es rumoren, sagte Look. „Aber wir können uns als Verwaltung nicht an Spekulationen beteiligen.“

Nachtrag 14.06.2018: Der Verwaltungsausschuss hat den Beschluss der Ausschüsse bestätigt. Beim Termin der Einwohnerversammlung am Montag bleibt es. Der Ortsrat habe die aktuelle Lage nach der gemeinsamen Ausschuss-Sitzung kurz diskutiert, erklärte Detlef Martin. Die Brisanz sei natürlich zunächst raus, die Versammlung könne aber auch als eine gewisse Wertschätzung gegenüber den Bürgern in Dassensen und dem Ortsrat und deshalb zum jetzigen Zeitpunkt als sinnvoll angesehen werden, dass sich die Bürgermeisterin den Fragen der Bürger stelle.

Nachtrag 18.06.2018: Der Ortsrat Dassensen hat heute Abend einen offenen Brief an alle Ratsmitglieder veröffentlicht und während der Einwohnerversammlung an die Bürgermeisterin übergeben. In diesem detaillierten Schreiben (Wortlaut: Offener Brief an die Ratsfrauen und Ratsherren des Einbecker Stadtrates) appelliert der Ortsrat an die Ratsmitglieder, sich bei der Änderung des F-Planes stärker als bislang einzubringen. „Der nächste Entwurf sollte nicht wie aus dem Handbuch für Planungsbüros aussehen, sondern den Willen des Einbecker Rates widerspiegeln“, heißt es in dem vom stellvertretenden Ortsbürgermeister Detlef Martin unterzeichnen offenen Brief.

Knochenloyal in den Ruhestand

Abschied im Northeimer Kreistag: Dr. Hartmut Heuer und Ehefrau Anne mit Landrätin Astrid Klinkert-Kittel (l.).

Mit vielen guten Wünschen ist der Erste Kreisrat des Landkreises Northeim, Dr. Hartmut Heuer (67), vom Kreistag in den Ruhestand verabschiedet worden. Der gebürtige Einbecker war 32 Jahre beim Landkreis Northeim beschäftigt. „Das war nie nur ein Job, das war eine Lebensaufgabe“, sagte Heuer. Der seiner Heimatstadt nach dem Jura-Studium in Göttingen immer verbunden gebliebene Einbecker war 1986 als Leiter des Rechtsamtes in der Kreisverwaltung gestartet, seit 1993 war er dort Kreisdirektor, was seit 1996 Erster Kreisrat genannt wurde. Stets bescheiden und unaufdringlich sei er, würdigte Landrätin Astrid Klinkert-Kittel den Wahlbeamten. Seinen Ruhestand zum 31. Juli 2018 habe Heuer weit hinausgezögert, schon 2013 sei dieser möglich gewesen, zuletzt habe sie ihn noch einmal gebeten, seinen Erfahrungsschatz während ihrer ersten Zeit als Landrätin einzubringen. Dr. Hartmut Heuer habe drei Hauptverwaltungsbeamte in seinen 32 Jahren im Northeimer Kreishaus erlebt und allen loyal zur Seite gestanden, sagte die Landrätin. „Besonders die zweieinhalb Jahre, in denen ich es selbst war“, merkte Heuer humorig-trocken an. Ein Jahr musste Heuer als Kreishaus-Chef ran, nachdem Oberkreisdirektor Ralf-Reiner Wiese ging und noch kein eingleisiger Nachfolger da war, eineinhalb Jahre war Heuer faktischer Chef während des langen Ausscheidens von Landrat Michael Wickmann.

„Wir werden sie vermissen“, sagte Heiner Hegeler für die CDU-Fraktion. Ruhig und stets freundlich und verbindlich habe er sich für seinen Landkreis Northeim eingesetzt. „Ich kann mir den Landkreis ohne ihn nicht vorstellen“, sagte Uwe Schwarz für die SPD-Fraktion über den baldigen Ruheständler. Alle in der Kreispolitik habe Heuer „knochenloyal“ und überparteilich aus einer neutralen Position heraus beraten. Der Erste Kreisrat habe „alle roten OKD und Landräte am Leben erhalten und die schwarzen Brüder und Schwestern beraten“, sagte Schwarz. Dem zum 1. August gewählten Nachfolger Jörg Richert hinterlasse Hartmut Heuer ziemlich große Fußspuren.

„Mit ihrem Lob haben sie mir meinen Eintritt in den Ruhestand ein bisschen leichter gemacht“, dankte Dr. Hartmut Heuer. Drei Mal sei er einstimmig in seine Position gewählt worden, er danke für dieses große Vertrauen. Er habe sich immer als Mittler und dabei stets den Menschen im Vordergrund gesehen. In strittigen Fragen habe er sich versucht in die Situation beider Seiten zu versetzen – und es bei wichtigen Entscheidungen immer so gehalten, eine Nacht darüber zu schlafen. Viele Anekdoten könnte er aus mehr als drei Jahrzehnten im Kreishaus erzählen, merkte Heuer an. „Aber da verweise ich auf meine Memoiren.“

Applaus im Stehen im Kreistag für den scheidenden Ersten Kreisrat Dr. Hartmut Heuer.

Schnürsenkel-Schuldenabbau

Landrätin Astrid Klinkert-Kittel sprach beim fünften, gut besuchten FDP-Schlossempfang im einstigen Äbtissinnensaal…

FDP-Kreisvorsitzender Christian Grascha, Bürgermeisterin Franziska Schwarz und FDP-Kreistagsfraktionschef Irnfried Rabe.

Gut besucht wie nie, mit politischen Vertretern vom Bundestag bis zum Ortsrat sowie Interessierten des politischen Lebens, war der Liberale Schlossempfang, wie die FDP im Landkreis Northeim ihr Neujahrstreffen im ehemaligen Äbtissinnensaal von Kloster (und Sommerschloss) Brunshausen seit fünf Jahren nennt. „2013 waren wir noch deutlich weniger“, freute sich Kreisvorsitzender Christian Grascha (Salzderhelden) über den guten Zuspruch zum politischen Start ins Jahr 2018, rund 70 Gäste freuten sich auf gewürzte Reden ebenso wie auf Gespräche, Grünkohl, Bregenwurst und (Einbecker) Senf. „Die FDP ist wie der Senf, wir bringen die Würze in die politische Diskussion“, begrüßte Grascha unter anderem Landrätin Astrid Klinkert-Kittel (die zwei der künftigen Dezernenten ihrer Verwaltung, Uljana Klein und Jörg Richert, mitbrachte, Richert wird als Erster Kreisrat zudem ab 1. August erster Mann unter der Landrätin in der Kreisverwaltung), Bad Gandersheims Bürgermeisterin Franziska Schwarz (SPD) sowie den Northeimer Bundestagsabgeordneten, Kreistagsabgeordneten und CDU-Kreisvorsitzenden Dr. Roy Kühne. Mit dabei auch Siegfried Kappey (Einbeck) vom FDP-Gruppenpartner GfE im Kreistag, der den GfE-Kreistagsabgeordneten Marc Hainski vertrat. „Wir sind ja auch ein regionales Produkt“, scherzte Christian Grascha, ist Kappey schließlich nicht nur Mitgründer der Einbecker Senfmühle, sondern aktuell vor allem Vorsitzender des Regionalen Erzeugerverbandes Südniedersachsen.

In einem waren sich Landrätin Astrid Klinkert-Kittel und der FDP-Landtagsabgeordnete und Kreistagsabgeordnete Christian Grascha (der auch Klinkert-Kittels ehrenamtlicher Stellvertreter ist) schnell einig: Schuldenabbau. „Wir dürfen die Probleme nicht auf Kosten der späteren Generationen abwälzen“, sagte die Landrätin, die erstmals einen Doppelhaushalt 2018/19 vorgelegt und durch den Kreistag gebracht hatte, sie erwartet die Genehmigung des Etats in den nächsten Tagen, wie sie sagte. Klinkert-Kittel: „Ich bin fest entschlossen, die Konsolidierung weiter zu betreiben“, lächelte sie: „Einmal Kämmerin, immer Kämmerin“, spielte die Landrätin auf ihre frühere berufliche Tätigkeit in Nörten-Hardenberg an. Auch für FDP-Finanzpolitiker Grascha ist der Schuldenabbau Herzensthema. „Zwar ist das wie Schnürsenkel einfädeln eine langweilige Sache“, sagte der Landtags- und Kreistagsabgeordnete, „aber wenn man’s nicht macht, kommt man ins Stolpern“. Außerdem sei jetzt bei niedrigen Zinsen die beste Gelegenheit dafür. Grascha: „Die Zeit war noch nie so günstig.“

Beim „Feiertags-Bingo“, wie Christian Grascha die aktuelle Diskussion über einen weiteren Feiertag in Niedersachsen nannte, in der jeder offenbar einen anderen Tag ins Spiel bringen dürfe, bevor der Landtag entscheide, plädierte der FDP-Abgeordnete für einen zusätzlichen gesetzlichen Urlaubstag, für jeden individuell einsetzbar. Ob das ernst gemeint war? Die klassische Klientel der FDP, die Selbstständigen, kann damit schließlich nichts anfangen.

Grascha wünschte sich mehr Digitalisierung (und das nicht nur, damit er beim Pendeln zwischen Salzderhelden und Hannover nicht mehr so viele Funklöcher hat und auch mal telefonieren kann). „Millionen Stunden verschwenden wir durchs Nummern ziehen auf dem Amt“, sagte der FDP-Politiker. Ob Reisepass beantragen oder Steuerbescheid, das müsse für den Bürger einfacher werden. Auch hier lief er bei der Landrätin offene Türen ein, könne doch die Digitalisierung auch in der Verwaltung auf komplexe Fragen eine schnellere Antwort geben, sagte Klinkert-Kittel. Sie baut außerdem zurzeit ihr Kreishaus organisisatorisch um, aktuell läuft die Umstrukturierung im „Unterbau“, unterhalb der Dezernentenebene, bei der sie hofft, möglichst viele der knapp 1000 Beschäftigen mitnehmen zu können. Bei der Voraussetzung aller Digitalisierung, dem Breitbandausbau, ist die Landrätin optimistisch, 2018 endlich mit dem Tiefbau beginnen zu können, alle Voraussetzungen und Vorverträge sind nach ihren Worten geschaffen, man warte nur noch auf den Fördermittelbescheid. So wie diesmal dürfe das beim Breitbandausbau auch nicht nochmal laufen, machte Klinkert-Kittel deutlich. „Das muss anders werden, reibungsloser und schneller.“

FDP-Kreistagsfraktionsvorsitzender Irnfried Rabe bot Landrätin Astrid Klinkert-Kittel im Kreistag nicht nur mit Augenzwinkern die weitere Zusammenarbeit an. „Wir werden hart ringen mit der Landrätin, aber mit einem freundschaftlichen Unterton“, kündigte Rabe an. An einem Ort, wie der FDP-Mann lächelnd hinzu fügte, an dem früher die Damen das Sagen hatten. Im Kloster Brunshausen.

…rund 70 Teilnehmer waren im Rosencafé in Kloster Brunshausen bei Bad Gandersheim dabei.

Erster Kreisrat: Einbecker folgt Einbecker

Jörg Richert (l.) folgt Dr. Hartmut Heuer.

Jörg Richert wird zum 1. August 2018 neuer Erster Kreisrat des Landkreises Northeim. Das hat heute der Kreistag einstimmig beschlossen. Ein Einbecker folgt also einem Einbecker. Der 50-Jährige aus dem Ortsteil Salzderhelden wird Nachfolger von Dr. Hartmut Heuer, der dann in den Ruhestand geht. Die breiteste Zustimmung bei der Wahl heute zeigt das Vertrauen, das der Kreistag in Richert setzt. Landrätin Astrid Klinkert-Kittel setzte sich mit ihrem Vorschlag durch, auf eine öffentliche Ausschreibung der Wahlbeamtenstelle zu verzichten. Ein solches Verfahren sei entbehrlich, „da ich nicht mit einer noch besseren Bewerbung rechne“, sagte die Landrätin. Richert habe sich in den vergangenen 17 Jahren in der Northeimer Kreisverwaltung und vor allem zuletzt bei den Vakanzen im Kreishaus „durch herausragende Leistungen bestens bewährt“. Zustimmende Worte kamen auch von SPD-Fraktionschef Simon Hartmann: „Eine öffentliche Ausschreibung würde kein besseres Ergebnis bringen.“ CDU-Fraktionsvorsitzender Heiner Hegeler war ebenso überzeugt: „Jörg Richert ist ein genauso lösungsorientierter Jurist wie Dr. Hartmut Heuer.“

Ebenso hat der Kreistag heute wie erwartet einen strukturellen Umbau der Kreisverwaltung beschlossen. Künftig wird es im Sinne von flachen Hierarchien als Führungsteam vier Dezernenten unterhalb der Landrätin geben, einer davon ist Jörg Richert als Erster Kreisrat. Das Quartett soll ab August 2018 die Kreishauschefin vertreten können. Verantwortung werde auf mehrere Köpfe verteilt, sagte die Landrätin. Die heutige Struktur mit 38 Fachdienstleitern, neun Fachbereichsleitern und vier Stabsstellen sei nicht praktikabel für die Zukunftsaufgaben.

Diese Umstrukturierung sei ein „kluger Weg“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Simon Hartmann. Die Zahl der heutigen Führungsköpfe nahezu zu halbieren sei „ein mutiger Schritt“, aber gut mit den handelnden Personen umsetzbar, sagte CDU-Fraktionschef Heiner Hegeler in Richtung Landrätin. „Ich bin mir sicher, dass sie wissen, was sie tun.“ Andere Landkreise hätten schon solche Strukturen, kam auch von Karen Pollok (Grüne) Zustimmung. Irnfried Rabe (FDP) erklärte, offenbar habe man „aus der Geschichte gelernt“, schon zu seinen eigenen Zeiten im Kreishaus 13 Jahre lang habe es Dezernenten gegeben. Noch nie erlebt habe er einen solchen Weg wie den der Gleichstellungsbeauftragten Uljana Klein, die jetzt Dezernentin werde. Er hoffe, sagte Rabe, diese habe auch die notwendigen Laufbahnvoraussetzungen. Das erzürnte Frauke Heiligenstadt (SPD), sie hielt diese Aussagen Rabes für „frauenfeindlich“, wenn ausschließlich bei der Frau die Frage nach der Qualifikation für die Dezernentenstelle hinterfragt werde. „Das regt mich richtig auf, und das zeigt: Wir haben die Gleichberechtigung noch lange nicht erreicht.“ Irnfried Rabe verwahrte sich dagegen „in eine Ecke gestellt zu werden“. Er habe lediglich danach gefragt, weil die drei betroffenen Herren schon länger im Kreishaus tätig seien, während die Frau erst noch relativ neu in der Northeimer Kreisverwaltung sei. „Zufällig“ habe also seine Frage nach der Qualifizierung die Frau betroffen. Immerhin sei es ja auch eine Besonderheit, dass eine Gleichstellungsbeauftragte in die allgemeine Verwaltung in eine solche Position wechsele.

Die neuen Dezernenten in der Northeimer Kreisverwaltung: Uljana Klein, Ralf Buberti, Jörg Richert, Harald Rode mit Landrätin Astrid Klinkert-Kittel und dem scheidenden Erste Kreisrat Dr. Hartmut Heuer (v.l.).

Wieder ein Einbecker als Erster Kreisrat?

Umbau des Kreishauses: Jörg Richert soll Erster Kreisrat werden. Archivfoto

Landrätin Astrid Klinkert-Kittel will ihre Kreisverwaltung umbauen. Der heutige Erste Kreisrat Dr. Hartmut Heuer (Einbeck) geht zum 31. Juli nächsten Jahres in den Ruhestand. Auf eine öffentliche Ausschreibung der Stelle möchte die Landrätin verzichten, sie wünscht sich eine Dezernenten-Struktur, einer dieser Wunsch-Dezernenten (Bereich Sicherheit und Ordnung) und gleichzeitig neuer Erster Kreisrat soll Jörg Richert (50) werden. Das geht aus Plänen hervor, die die Landrätin heute öffentlich gemacht hat und über die der Kreistag in seiner nächsten Sitzung am 8. Dezember (15 Uhr, Kreishaus Northeim) befinden soll. Völlig überraschend kommt dieser Vorschlag nicht. Jörg Richert war in der jüngsten Landratswahl 2016 als von der FDP unterstützter Einzelbewerber angetreten und hatte im ersten Wahlgang beachtliche 26 Prozent geschafft. Beobachter hatten schon damals für möglich gehalten, dass Richert neuer Wahlbeamter werden könnte, sobald Dr. Heuer (66) in den Ruhestand geht. Volljurist Richert arbeitet seit 2001 im Northeimer Kreishaus, zurzeit als Fachbereichsleiter, und lebt mit seiner Familie in Einbeck-Salzderhelden.

Landrätin Astrid Klinkert-Kittel möchte ihre Kreisverwaltung so strukturieren, dass die Verantwortung auf mehreren Schultern ruht. Bislang vertritt in der Regel der Erste Kreisrat die Chefin, künftig sollen vier Dezernenten dies tun. „Der bisherige Verwaltungsaufbau mit einer relativ hohen Anzahl von Stabsstellen und Fachbereichen bindet mich zeitlich sehr stark und gibt mir zu wenig Raum für die wesentlichen strategischen Themenstellungen der Kreisverwaltung“, erklärt die Landrätin zur Begründung. „Um mich den wesentlichen strategischen Belangen des Landkreises Northeim intensiver als bislang widmen zu können, benötige ich vor dem Hintergrund der genannten Herausforderungen zu meiner Entlastung Personen, die mich auch nach außen in größeren Verantwortungsbereichen vertreten können.“ Klinkert-Kittel meint mit den Herausforderungen die steigenden Ansprüche der Bevölkerung an eine moderne Kreisverwaltung und die Erwartung von schnellen und effektiven Lösungen.

Auch die übrigen Personalien lassen aufmerken. Uljana Klein, heute Gleichstellungsbeauftragte, soll Dezernentin für den Bereich Kreisentwicklung werden. Harald Rode, aktuell Finanzen-Fachbereichsleiter im Kreishaus, soll Dezernent für Jugend und Soziales und gleichzeitig Leitender Kreisverwaltungsdirektor (A16) und damit befördert werden. Ralf Buberti bleibt im Dezernat Bauen und Umwelt für seine Themen zuständig.

Landrätin Astrid Klinkert-Kittel (Mitte) mit  Jörg Richert (r.) und CDU-Mann Dr. Bernd von Garmissen (l.) nach der jüngsten Landratswahl im Jahr 2016. Archivfoto.

Es ist ein Mädchen

Glückwünsche an die Siegerin: Dr. Bernd von Garmissen gratuliert Astrid Klinkert-Kittel im Kreishaus.

Glückwünsche an die Siegerin: Dr. Bernd von Garmissen gratuliert Astrid Klinkert-Kittel im Northeimer Kreishaus zur Landratswahl.

An der Spitze des Landkreises Northeim steht erstmals eine Landrätin: Bei der Stichwahl setzte sich die SPD-Kandidatin Astrid Klinkert-Kittel aus Nörten-Hardenberg mit 52,48 Prozent gegen Dr. Bernd von Garmissen (CDU) aus Dassel-Friedrichshausen durch, der auf 47,52 Prozent der Stimmen kam. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 36 Prozent. Alle Ergebnisse im Detail sind hier zu finden. Glückwünsche erhielt Astrid Klinkert-Kittel im zum Wahlzentrum umfunktionierten Sitzungssaal des Northeimer Kreishauses von ihrem unterlegenen Mitbewerber, Dr. Bernd von Garmissen. „Passen Sie gut auf den Landkreis auf“, gab der Rechtsanwalt und Landwirt der bis 2021 gewählten neuen Landrätin mit auf den Weg. Wenige Minuten später gab Kreiswahlleiter Dr. Hartmut Heuer das offizielle vorläufige Endergebnis bekannt, nach dem Klinkert-Kittel mit einem Vorsprung von 2001 Stimmen gegen von Garmissen gewonnen hat. Der Erste Kreisrat überreichte der neuen Landrätin einen Blumenstrauß in den Farben des Landkreises gelb und blau und gratulierte zur Wahl. Es gebe stapelweise Arbeit im Kreishaus, merkte Heuer augenzwinkernd an. Klinkert-Kittel wird vermutlich noch in dieser Woche ihr Amt antreten, nachdem der Kreiswahlausschuss das Ergebnis offiziell am Mittwoch bestätigt hat. Nur wenige Tage bleiben der heutigen Bürgermeisterin von Nörten-Hardenberg, ihre Amtsgeschäfte dort zu übergeben. Die 52-Jährige freut sich auf die Arbeit im Kreishaus, wie sie am Wahlabend in die Mikrophone und Kameras sagte. „Jetzt können wir loslegen mit der eigentlichen Arbeit, das liegt mir mehr als Wahlkampf, die nächsten fünfeinhalb Jahre werden bestimmt spannend.“

Kreiswahlleiter Dr. Hartmut Heuer gratuliert mit Blumen der neuen Landrätin Astrid Klinkert-Kittel (SPD).

Kreiswahlleiter Dr. Hartmut Heuer gratuliert mit Blumen der neuen Landrätin Astrid Klinkert-Kittel (SPD).

Einer der ersten Gratulanten der neuen Landrätin war am Telefon Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Der Landtagsabgeordnete und SPD-Vorsitzende Uwe Schwarz hatte die Verbindung hergestellt. An der Seite von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) hatte Astrid Klinkert-Kittel am Wahlabend das Northeimer Kreishaus betreten. Die neue, bislang parteilose Landrätin dankte ihren Unterstützern, vor allem der SPD. „Ich habe mich gut aufgenommen gefühlt.“

Die Wählerinnen und Wähler wollten offenbar eine Verwaltungsfachfrau, die ihr gesamtes berufliches Leben in der öffentlichen Verwaltung verbracht hat. Und niemanden mit dem Blick von außen, der auch einmal frischen Wind ins Kreishaus hätte bringen können. Mit Blick auf die „historische“ Wahl, nach der erstmals in der Geschichte des Landkreises eine Frau an der Spitze steht, habe ich mir die Überschrift hier erlaubt, die an die mittlerweile legendäre taz-Schlagzeile nach dem ersten Wahlsieg Angela Merkels erinnert.

Spekulativ muss bleiben, warum diejenigen, die vor zwei Wochen Jörg Richert gewählt haben, immerhin 26 Prozent, nicht alle brav der FDP folgend Bernd von Garmissen gewählt haben, und ob alle Grünen bei Astrid Klinkert-Kittel ihr Kreuz gemacht haben. Oder ob manche von ihnen gestern einfach nur zuhause geblieben sind. Dafür fehlt bei der Landratswahl jegliche Datengrundlage. Deutlich wird anhand der Zahlen, dass Klinkert-Kittel mehr mobilisieren konnte, ihr Stimmenanteil wuchs prozentual in allen Gemeinden außer in Dassel stärker als der von Dr. Bernd von Garmissen. Das ist besonders bitter für den unermüdlichen Wahlkämpfer aus Friedrichshausen, der seit Wochen das Bürgergespräch suchte wie kaum ein zweiter. Dem 49-Jährigen gebürt Respekt für das zweimalige Erreichen einer Landrats-Stichwahl. Am Ende fehlten 2000 Stimmen, die seine Mitbewerberin mehr auf ihrem Konto aufweisen konnte. Und am Ende hieß es eben 2:0 für AKK vs. BvG. Aber wie weiland Wickmann, der bis Oktober 2014 bis zu seinem gesundheitsbedingten Ausscheiden amtierende Landrat im Oktober 2013 nach seinem Wahlsieg gegen von Garmissen sagte: Wichtig ist am Ende das Ergebnis auf dem Platz, wie knapp es auch sei. Vom Spielverlauf spricht niemand mehr nach einiger Zeit.

Wie beim ersten Wahldurchgang am 28. Febuar konnte Astrid Klinkert-Kittel neun der elf Gemeinden im Landkreis Northeim für sich entscheiden, allein Dassel und Einbeck bleiben BvG-Land. Bemerkenswert: Diesmal war BvG in seiner Heimatgemeinde stärker als AKK in ihrer. Er kam in Dassel auf 64,61 Prozent und in Sievershausen gar auf stolze 86,38 Prozent, sie in Nörten-Hardenberg auf 63,33 Prozent und in ihrem Wohnort Bishausen auf 71,63 Prozent. Aber auch das half am Ende dem CDU-Mann nichts.

Woran hat’s gelegen? Mit ein paar Tagen zeitlichem und inhaltlichem Abstand erst wird die Analyse klarer werden. Können es auch zu viele Plakate und Zeitungsanzeigen gewesen sein? War nicht vielleicht doch die verbale Umarmung des Jörg Richert mit kaum verklausuliertem Posten-Versprechen kein „normaler Vorgang“, den einige böse skandalisiert haben, wie das die CDU meint. Sondern schlicht eines: ein Fehler. Menschen machen Fehler. Sie zuzugeben zeigt Größe.

Und abschließend noch ein Wort zur Wahlbeteiligung. Natürlich sind knapp 36 Prozent kein Ruhmesblatt. Aber, und das habe ich schon beim ersten Wahldurchgang geschrieben, es hätte schlimmer kommen können. Das darf freilich niemanden trösten, es muss alle gemeinsam anspornen, Wahlen wieder attraktiver zu machen. Und: Wenn Journalisten dabei helfen können, helfen sie. Alarmsignale sind zu erkennen, wer sie erkennen mag: Wenn in mehreren Dörfern (im Bereich der Stadt Einbeck waren das Andershausen, Bartshausen, Holtershausen, Avendshausen, Buensen, Haieshausen) die Auszählung mit anderen Ortschaften gemeinsam erfolgen musste, weil sonst ob der wenigen Stimmzettel das Wahlgeheimnis nicht mehr gewahrt gewesen wäre, sollte das uns alle hellhörig werden lassen.

(Aktualisiert 14.03.2016, 16:10 Uhr)

FDP für BvG

Die FDP spricht sich bei der Landrat-Stichwahl am 13. März für den CDU-Kandidaten Dr. Bernd von Garmissen aus. Der Kreisvorstand habe am Montag Abend einstimmig diese Empfehlung ausgesprochen, teilte Kreisvorsitzender Christian Grascha heute mit. Inhaltlich sehe man größere Schnittmengen mit dem CDU-Mann als mit SPD-Kandidatin Astrid Klinkert-Kittel. Die Freien Demokraten haben lange mit ihrer Entscheidung über eine Wahlempfehlung gerungen, alles mit beiden Seiten ausgelotet, jetzt ist also die FDP für BvG (parteiinternes Kürzel für Bernd von Garmissen). Dass der von ihnen am 28. Februar unterstützte parteilose Kandidat Jörg Richert selbst keinen der beiden Stichwahl-Kandidaten empfiehlt, können die Liberalen gut verstehen.

Zwei Dinge sind an der Begründung der FDP (2016-03-07 PM Stichwahl FDP) bemerkenswert: Zum einen sagt die FDP, die Richert-Wähler aus dem ersten Wahlgang seien „keine Verfügungsmasse, die man beliebig verteilen kann“. Das ist ganz gewiss so, aber warum dann eine Empfehlung? Zum zweiten halten es die Freien Demokraten für ihre „staatspolitische Verantwortung“, einen der beiden verbliebenen Kandidaten zu empfehlen, damit die Wahlbeteiligung bei der Stichwahl nicht sinkt. Das ist lobenswert, dass offenbar auch die FDP nochmal alle Register ziehen will, um möglichst viele Menschen für die Landratswahl am 13. März zu begeistern.

Was Jörg Richert empfiehlt

Jörg Richert.

Verspricht niemandem die unterstützende Leiter: Der ehemalige Landratskandidat Jörg Richert.

Der mit einem 26-Prozent-Ergebnis am 28. Februar unterlegene Landratskandidat Jörg Richert hat heute eine Wahlempfehlung für die Stichwahl am 13. März abgegeben – die einzig richtige. Nämlich die, keine Empfehlung für einen der verbleibenden Kandidaten abzugeben. Der Salzderheldener bleibt seiner unabhängigen Linie treu und vertraut seinen Wählern, sich ein eigenes Bild von Astrid Klinkert-Kittel (SPD) und Dr. Bernd von Garmissen (CDU) zu machen und dann selbstständig zu entscheiden, wen von beiden sie wählen. Ob auch die FDP, die den 48-jährigen Leitenden Kreisverwaltungsdirektor beim Landkreis Northeim im Wahlkampf unterstützt hatte, so enthaltsam wie Richert sein wird, ist nach wie vor offen.

Jörg Richerts heutige aktuelle Stellungnahme im Wortlaut:

„In den Tagen nach der Landratswahl am 28. Februar 2016 haben mich viele Anfragen erreicht, ob ich meinen Wählerinnen und Wählern empfehlen werde, ihre Stimme in der Stichwahl Astrid Klinkert-Kittel oder Dr. Bernd von Garmissen zu geben. Über diese Frage habe ich zusammen mit meiner Familie und meinem Unterstützerteam intensiv nachgedacht und diskutiert.

Ich habe mich letztlich dafür entschieden, keine Empfehlung abzugeben. Meine Entscheidung beruht auf drei Gründen:

Erstens halte ich meine Wählerinnen und Wähler für mündig, sich selbst ein Bild von den verbliebenden Kandidaten zu machen und eine eigene Entscheidung zu treffen. Sie mögen hierbei nach persönlicher Sympathie, nach sachlich-fachlichen Kriterien, persönlicher Bekanntheit oder sonstigen Gründen votieren. Es werden gute Gründe sein, die jeder Demokrat zu akzeptieren hat.

Zweitens habe ich im Wahlkampf stets betont, dass ich mir als Mitarbeiter der Kreisverwaltung eine gute Zusammenarbeit sowohl mit Frau Klinkert-Kittel als auch mit Herrn Dr. von Garmissen vorstellen kann. Beide bringen die persönlichen Fähigkeiten und Voraussetzungen für das verantwortungsvolle Amt des Landrates mit.

Drittens verstehe ich mich als parteipolitisch unabhängig. Diese Unabhängigkeit möchte ich mir bewahren.“

Wer hat diese Umarmung empfohlen?

Gratulation am Wahlabend: Dr. Bernd von Garmissen (l.), Jörg Richert.

Gratulation am Wahlabend: Dr. Bernd von Garmissen (l.), Jörg Richert.

Eine Umarmung kann freundschaftlich sein, herzlich, sie kann dem Umarmten aber auch die Luft nehmen. Mit seiner überschwänglichen verbalen Umarmung via Pressemitteilung hat Dr. Bernd von Garmissen imgrunde Jörg Richert keine Wahl mehr gelassen. Dass der Salzderheldener nun noch den CDU-Mann aus Dassel-Friedrichshausen in der Stichwahl empfiehlt, halte ich für wenig wahrscheinlich. Warum? Bernd von Garmissen bringt in seiner Pressemitteilung unverhohlen ins Spiel, dass er sich im Falle seines Wahlsieges als neuer Landrat vorstellen könne, „Jörg Richert als möglichen Nachfolger des vermutlich innerhalb der nächsten zwei Jahre in den Ruhestand tretenden Ersten Kreisrats Dr. Hartmut Heuer aufzubauen“. Wird da das Fell schon verteilt, bevor das Tier überhaupt erlegt ist, werden da schon Posten verteilt? Welche Berater haben denn eine solche öffentliche Umarmung empfohlen? Bei der gleichzeitig noch dem aktuellen Ersten Kreisrat ein Tritt vors Schienbein verpasst wird: Garmissen hofft zwar, sicherlich auch im eigenen Interesse, „dass Dr. Heuer der Kreisverwaltung noch möglichst lange erhalten bleibt und somit ein gelungener Übergang erreicht werden kann“. Wenige Zeilen vorher allerdings versucht er sozusagen schon dessen Nachfolge zu regeln. Das vor einigen Monaten zu hörende CDU-Beklagen einer angeblichen Führungsvakanz an der Landkreis-Spitze nach dem krankheitsbedingten Ausfall des bisherigen Landrates haben manche bis heute nicht vergessen. Da nutzen auch die aktuellen Beteuerungen der geleisteten Verdienste desjenigen, der mit seinem Team die Kreisverwaltung gerade angesichts der Flüchtlingsfragen gut am Laufen gehalten hat, nicht mehr viel.

Wenn Richert nun von Garmissen empfehlen würde, wäre das nicht nur eine Steilvorlage für die Mitbewerberin, ein gefundenes Fressen. Es würde immer ein fader Beigeschmack bleiben, sollte von Garmissen gewinnen – und Richert irgendwann mal Erster Kreisrat werden. Jörg Richert wäre jetzt klug beraten, wenn er keine Empfehlung ausspricht.

Die Grünen haben sich unterdessen jetzt mit einem Mal doch für eine Wahlempfehlung entschieden, nachdem sie keinen eigenen Kandidaten aufgestellt und sich vor der Landratswahl am 28. Februar einer Empfehlung enthalten hatten. In einer Mitgliederversammlung haben sich die Grünen in dieser Woche für eine Unterstützung von Astrid Klinkert-Kittel (SPD) entschieden. Ausschlag gebende Argumente seien die langjährige Erfahrung als Führungskraft in der öffentlichen Verwaltung gewesen, außerdem seien die politischen Zielsetzungen Klinkert-Kittels an vielen Stellen mit den Vorstellungen der Grünen deckungsgleich. Und dann zog da noch das Argument Frau, wie die Grünen mitteilten: „Außerdem befürwortet der Kreisverband der Grünen die Aufstellung einer Kandidatin für das Amt in einer Führungsposition“. Nachdem Jörg Richert bei der Stichwahl nicht mehr im Rennen ist, konnten sich bei den Grünen offenbar die Kräfte nicht mehr durchsetzen, die sich für den leitenden Kreishaus-Mitarbeiter stark gemacht hatten. Dass sich die Grünen nun für CDU-Mann Bernd von Garmissen ausgesprochen hätten, war kaum zu erwarten, dann war doch eher wahrscheinlich, keine Empfehlung abzugeben. Aber dem Verlangen aus dem Lager ihres Gruppenpartners im Kreistag, der SPD, konnten die Grünen am Ende wohl auch nicht mehr widerstehen.

Nachtrag 07.03.2016: Die Kreis-SPD hat sich heute zu der Pressemitteilung von Garmissens geäußert. Das öffentliche Buhlen des CDU-Bewerbers nach dem Ausscheiden von Jörg Richert im ersten Wahlgang sei durchsichtig, meinen die Sozialdemokraten. „Wenn jetzt wegen der zweifellos vorhandenen Verwaltungskompetenz Angebote für den Posten eines zukünftigen Ersten Kreisrates gemacht werden, so ist das erstens durchschaubar und zweitens unseriös. Die Besetzung liegt gar nicht in der Zuständigkeit eines Landrates, sondern ist Aufgabe des Kreistages. Wenn es mal soweit ist, wird sicherlich auch Herr Richert für den dann gewählten Kreistag eine Rolle spielen, aber nicht vorher“, heißt es in einer ausführlichen Pressemitteilung (PM Buhlen um Verwaltungskompetenz durchsichtig 07-03-16). SPD-Unterbezirksvorsitzender Uwe Schwarz wird zitiert mit den Worten: „Allein der Respekt ihm (Dr. Heuer) gegenüber gebietet es, nicht aus rein wahltaktischen Gründen eine Debatte über seine gar nicht spruchreife Nachfolge zu starten“. Richtig und wichtig ist der Hinweis, dass der Kreistag einen Ersten Kreisrat wählt. Richtig ist aber auch, dass diese Wahlbeamten-Position der Kreistag auf Vorschlag des Landrates wählt (§ 109 NKomVG). Und der Kreistag, der einen neuen Ersten Kreisrat dann auf Vorschlag des künftigen Landrats wählen wird, wird am 11. September dieses Jahres neu gewählt – seine Zusammensetzung und Mehrheitsverhältnisse sind also noch völlig offen. Genauso, ob die Stelle öffentlich ausgeschrieben wird oder ob der Kreistag im Einvernehmen mit dem Landrat darauf verzichtet.

Nachtrag 10.03.2016: Die CDU hat heute die Äußerungen des SPD-Unterbezirksvorsitzenden Uwe Schwarz mit Befremden und entschieden zurück gewiesen. „Hier soll ein ganz normaler Vorgang skandalisiert werden“, heißt es in einer Pressemitteilung des CDU-Kreisverbandes (PM CDU 100316 Landratswahl) zu den Aussagen Schwarz‘. „Die Öffentlichkeit hat geradezu ein Anrecht darauf zu wissen, wie sich ein Kandidat im Falle seiner Wahl zu positionieren gedenkt, mit wem er sich eine enge Zusammenarbeit vorstellen kann und mit wem nicht“, meint die CDU. Die SPD erachte es offenbar für notwendig, auf den letzten Metern des bislang äußerst fair verlaufenen Wahlkampfs persönliche Angriffe gegen den Mitbewerber lancieren zu müssen.

Keine Empfehlung – noch nicht

Gratulieren, aber zögern noch (v.l.): Torge Gipp, Dr. Reinhard Binder, Marion Villmar-Doebeling, Reiner Jordan, Hans-Martin Glasing, Jörg Richert, Burkhard Grube, Christian Grascha, Dr. Christian Eberl, Eckhard Ilsemann und Irnfried Rabe. Foto: FDP

Gratulieren, aber zögern noch (v.l.): Torge Gipp, Dr. Reinhard Binder, Marion Villmar-Doebeling, Reiner Jordan, Hans-Martin Glasing, Jörg Richert, Burkhard Grube, Christian Grascha, Dr. Christian Eberl, Eckhard Ilsemann und Irnfried Rabe. Foto: FDP

Toll, mehr als respektabel, auf Augenhöhe: Gratuliert mit großen, lobenden Worten hat die FDP dem von den Freidemokraten unterstützten Landratskandidaten Jörg Richert zu seinem 26-Prozent-Ergebnis. Eine Wahlempfehlung für die Stichwahl hat die FDP indes nicht abgegeben – noch nicht. Ob die Liberalen eine Empfehlung zugunsten von Dr. Bernd von Garmissen (CDU) oder Astrid Klinkert-Kittel (SPD) aussprechen werden und wenn ja, für wen, hat die FDP gestern Abend im Vorstand „besprochen, aber noch nicht entschieden“, wie Kreisvorsitzender Christian Grascha heute mitteilte. Man habe noch Beratungsdarf… Spätestens Mitte nächster Woche wolle man sich aber äußern. Und damit wenige Tage vor der Stichwahl am 13. März. Wenn das Taktik sein sollte, mit einer Wahlempfehlung bis fast unmittelbar vor der entscheidenden Abstimmung abzuwarten, dann könnte diese bei vielen Wählern ins Leere laufen. Falls sich Wähler überhaupt nach Empfehlungen richten. Wie gesagt, ist eine Rechnung x+y=z hier zu schlicht kalkuliert. Bei der Stichwahl werden die Karten neu gemischt, und die politischen Akteuren müssen in erster Linie ihre Energie darauf verwenden, die Wahlberechtigten überhaupt zur erneuten Stimmabgabe zu motivieren – auch diejenigen, die sich im ersten Durchgang bereits für die jetzt noch zur Wahl stehenden zwei Kandidaten entschieden hatten.

Wer sticht?

Dr. Bernd von Garmissen (l.) und Astrid Klinkert-Kittel bestreiten die Stichwahl, Jörg Richert schaffte einen Achtungserfolg.

Dr. Bernd von Garmissen (l.) und Astrid Klinkert-Kittel bestreiten die Stichwahl, in die sie der Achtungserfolg von Jörg Richert zwingt.

Die ganz große Überraschung ist ausgeblieben: Wer im achten Stockwerk des Northeimer Kreishauses im seit Monaten verwaisten Chefbüro Platz nehmen wird, entscheidet sich erst in einer Stichwahl am 13. März zwischen Astrid Klinkert-Kittel (SPD) und Dr. Bernd von Garmissen (CDU). Keiner von beiden erreichte die erforderliche absolute Mehrheit, am Ende lag Klinkert-Kittel mit 38,23 Prozent vor von Garmissen (35,64 Prozent). Und doch gab es bei der Landratswahl im Landkreis Northeim kleine Überraschungen am gestrigen Wahlabend. Dass sich alle drei Kandidaten und ihre politischen Unterstützer irgendwie als Sieger sehen, ist keine Überraschung, sondern üblich nach Wahlen. Die FDP, die Jörg Richert als Einzelbewerber unterstützt hat, will sich am Dienstag Abend im Kreisvorstand dazu positionieren, ob es eine offizielle Wahlempfehlung für die Stichwahl geben wird. Die 26 Prozent des Salzderheldeners Jörg Richert nun freilich schlicht der einen Kandidatin oder dem anderen Kandidaten hinzuzurechnen, wäre zu kurz gesprungen, da ist kein Automatismus. Die Karten bei der Stichwahl werden neu gemischt. Zu viele Faktoren spielen eine Rolle, die Zahlen vom Sonntag sind da allenfalls Anhaltspunkte.

Ein Blick auf die Einzelergebnisse in den Städten und Gemeinden macht deutlich, dass die Wähler durchaus regional gewählt haben:

Astrid Klinkert-Kittel ist die Siegerin des Abends, sie erreichte insgesamt die meisten Stimmen. In neun von elf Gemeinden ist die 52-Jährige vorn, nicht aber im Westen. Dass die Bürgermeisterin von Nörten-Hardenberg in ihrer Heimat mit 58,1 Prozent absahnt, überrascht nicht, in ihrem Wohnort Bishausen sind es sogar 66,9 Prozent.

Dr. Bernd von Garmissen erzielte in Dassel und Einbeck seine besten Ergebnisse und konnte sich gegen Klinkert-Kittel als Sieger durchsetzen, hier ist der 49-Jährige bekannter als im östlichen Kreisgebiet. Dass der Landwirt und Rechtsanwalt in seiner Heimat Dassel lediglich auf 56,3 Prozent kommt, ist schon ein bisschen enttäuschend. Das macht auch das starke Ergebnis in seinem Wohnort Sievershausen (81,3 Prozent) nicht wett.

FDP-Kreisvorsitzender Christian Grascha (l.) und Nachbar Jörg Richert.

FDP-Kreisvorsitzender Christian Grascha (l.) und der von den Freidemokraten unterstützte Salzderheldener Jörg Richert.

Jörg Richert erzielte ein Ergebnis, mit dem er selbst hoch zufrieden sein kann. Als Einzelbewerber aus dem Stand kreisweit 26 Prozent der Stimmen zu erreichen, ist eine starke Leistung, in seinem Wohnort Salzderhelden waren es 58,6 Prozent. In Einbeck, Northeim und Kalefeld schaffte Richert es auf Platz 2, in Einbeck hinter von Garmissen, in Northeim und Kalefeld hinter Klinkert-Kittel. Interessant sind die Glückwünsche der beiden Mitbewerber, die Jörg Richert zu seinem Ergebnis gratulieren und im gleichen Atemzug dieses als Beleg dafür anführen, dass die Wähler einen Verwaltungsfachmann wollen (Klinkert-Kittel) und sie diese Kompetenz ja ebenso aufweisen könne bzw. sich überrascht vom Ergebnis Richerts geben (von Garmissen) und dessen Stimmen bei der Stichwahl schon mal quasi vereinnahmen. So einfach ist das aber nicht, Richert hat nicht ausschließlich in konservativem Milieu gefischt, sondern auch (und vor allem im Bereich Kreiensen) auf traditionell sozialdemokratischem Terrain. Das sollte die Parteien für die Kommunalwahl im Herbst hellhörig werden lassen.

Abschließend noch ein Wort zur Wahlbeteiligung. Sie lag knapp unter 40 Prozent. Keine heldenhafte Zahl, aber auch nicht die befürchtete Katastrophe. Viel spannender wird jetzt sein, wie dieser Wert wenigstens gehalten werden kann bei der Stichwahl am 13. März. Die Mobilisierung der Wähler wird entscheidend dafür sein, wer am Ende im achten Stockwerk des Kreishauses sein Namensschild an die Tür dübeln lassen darf.

Auf Facebook bedanken sich die Kandidaten heute bei ihren Wählern.

Astrid Klinkert-Kittel (454 Fans):

Montag, 29. Februar 2016 „Heute ist immer der Tag, an dem die Zukunft beginnt.“- Hans Kudszus – Die erste Hürde…

Posted by Astrid Klinkert-Kittel on Sonntag, 28. Februar 2016

Dr. Bernd von Garmissen (476 Fans):

Gestern war ein spannender und ereignisreicher Tag! Ich danke allen sehr herzlich für Ihre Unterstützung – Im Wahlkampf…

Posted by Dr. Bernd von Garmissen on Montag, 29. Februar 2016

Jörg Richert (442 Fans):

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!Für mich ist der Wahlkampf vorbei, nun möchte ich gerne Danke sagen. Danken möchte…

Posted by Jörg Richert on Montag, 29. Februar 2016

Live-Ticker Landratswahl

Noch bis 18 Uhr sind die 209 Wahllokale im Landkreis Northeim geöffnet.

Heute noch bis 18 Uhr sind die 209 Wahllokale im Landkreis Northeim geöffnet.

Herzlich willkommen zum Live-Ticker für die Landratswahl im Landkreis Northeim am 28. Februar 2016. Hier erfahren Sie die Zwischenergebnisse, Stimmen, Stimmungen und natürlich das Endergebnis am heutigen Abend direkt aus dem Kreishaus in Northeim.

14:00 Uhr

Noch bis 18 Uhr sind die 209 Wahllokale im Kreisgebiet geöffnet. Zur Wahl stehen Astrid Klinkert-Kittel (SPD), Dr. Bernd von Garmissen (CDU) und Jörg Richert (Einzelbewerber).

Wahlberechtigt ist jeder Deutsche oder EU-Bürger, der mindestens 16 Jahre alt ist und seit mindestens drei Monaten im Landkreis Northeim seinen Wohnsitz hat. Jeder Wähler sollte seine Wahlbenachrichtigungskarte zum Wahllokal mitbringen. Wo das Wahllokal ist, steht auf der Wahlbenachrichtigungs­karte. Wer wählen will, sollte seinen Personalausweis dabei haben, um sich ausweisen zu können.

14:02 Uhr

Die Anhänger der drei Kandidaten treffen sich heute Abend nach Schließung der Wahllokale in verschiedenen Gaststätten in der Northeimer Innenstadt: die SPD in der Klosterschänke St. Blasien am Münster, die CDU im Café Ahrens am Münster, die des von der FDP unterstützten Einzelbewerbers Jörg Richert in der „Schere“ in der Breiten Straße.

14:40 Uhr

Wie Kreiswahlleiter Dr. Hartmut Heuer mitteilt, hatten bis 12 Uhr in den Wahllokalen kreisweit im Durchschnitt etwa 12,9 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Von der Möglichkeit der Briefwahl hatten im Vorfeld rund 5,3 Prozent der Wählerinnen und Wähler Gebrauch gemacht. Nach 18 Uhr beginnen die Wahlvorstände in den Wahllokalen mit der öffentlichen Auszählung der abgegebenen Stimmen. Die Gemeinden fassen die Ergebnisse zusammen und übermitteln sie an den Landkreis, wo Kreiswahlleiter Dr. Hartmut Heuer das Gesamtergebnis am Wahlabend verkünden wird.

18:03 Uhr

Die Wahllokale sind geschlossen. Die Auszählung beginnt. Im Moment im Kreishaus in Northeim mehr Journalisten als interessierte Bürger und Politiker.

18:10 Uhr

Relliehausen hatte als erstes Wahllokal ausgezählt.

18:14 Uhr

Erste Trends. Garmissen knapp vorne bei 56 von 225 Lokalen.

18:28 Uhr

Es ist hauchdünn zwischen Garmissen und Klinkert-Kittel. 156 von 224 Lokale: 37,75 % für Garmissen. 37,51 % für Klinkert-Kittel.

18:30 Uhr

Eine Stichwahl ist angesichts des Trends wahrscheinlich.

18:38 Uhr

Jetzt liegt Klinkert-Kittel vorn. 38,18 % zu 36,79 % Garmissen. Bei 182 von 225 Lokalen.

18:44 Uhr

Als erster Kandidat ist Jörg Richert im Kreishaus eingetroffen. Er wirkt mit seinen bisher knapp 25 % hoch zufrieden.

19:11 Uhr

Alle Wahllokale sind ausgezählt. Die meisten Stimmen hat Astrid Klinkert-Kittel. Vor Garmissen und Richert. Es kommt zu einer Stichwahl.

19:19 Uhr

Der Kreiswahlleiter hat das vorläufige Endergebnis bekannt gegeben.
Astrid Klinkert-Kittel 38,23 %
Bernd von Garmissen 35,64 %
Jörg Richert 26,13 %
Stichwahl am 13. März

(c) KDG / Landkreis Northeim

(c) KDG / Landkreis Northeim

Die Wahl wählen!

Musterstimmzettel Landratswahl.

Musterstimmzettel Landratswahl.

Die 209 Wahllokale öffnen in diesen Minuten, 62 davon im Bereich der Stadt Einbeck. Seit 8 Uhr haben rund 114.000 wahlberechtigte Frauen und Männer ab 16 Jahren im Landkreis Northeim die Wahl: Wer soll bis zum Jahr 2021 ihr neuer Landrat werden oder ihre neue Landrätin? Drei Kandidaten treten an. Heute um 18 Uhr nach Schließung der Wahllokale werden wir wissen, wer’s wird. Oder wahrscheinlicher: Wir werden wissen, wer in zwei Wochen in einer Stichwahl noch einmal gegeneinander antritt. Denn dass einer der drei Bewerber heute bereits im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit schaffen wird, ist relativ unwahrscheinlich. Ausgeschlossen ist das natürlich nicht. Aber es wäre eine (mathematische) Sensation. Hinter den Kulissen präparieren sich auch die drei Kandidaten-Gruppierungen schon dafür, weitere zwei Wochen Winterwahlkampf durchzustehen und noch einmal alles zu mobilisieren. Zu beneiden sind die Kandidaten und ihre Unterstützer angesichts winterlicher Temperaturen nicht, im direkten Bürgerkontakt in den Fußgängerzonen und vor den Einkaufsmärkten auf Stimmenfang gehen zu müssen. Dafür gilt allen mein hoher Respekt. Entscheidend wird sein, dass wir Wähler heute die Wahl wählen! Dass möglichst viele Wahlberechtigte ihr eines Kreuz auf dem Stimmzettel machen. Vor drei Jahren lag die Wahlbeteiligung bei der Stichwahl knapp unter 40 Prozent, die 70 Prozent Beteiligung beim ersten Wahlgang 2013 ist der gleichzeitig stattgefundenen Bundestagswahl geschuldet. Die Wahl eines neuen Landrates mag schwierig sein (weil nicht jeder weiß, was der überhaupt macht), jeder Wähler mag seine eigenen Kriterien haben, nach denen er sich entscheidet. Wichtig ist aber vor allem, dass jeder wählt, wen auch immer von den drei antretenden Bewerbern. Denn nur eine hohe Wahlbeteiligung adelt diese demokratische Entscheidung. Sein Wahlrecht nicht wahrzunehmen ist zwar eine freie Entscheidung, aber es führt gleichzeitig dazu, seine Möglichkeit aus Bequemlichkeit oder warum auch immer zu vergeben. Nur wer die Wahl wählt, hat sich eine Legitimation zum Kritisieren erhalten.

Wer sich noch einmal einen Überblick über Personen und inhaltliche Aussagen der Kandidaten verschaffen will, dem empfehle ich gerne den Podcast des Stadtradio Göttingen. 40 Minuten zum entspannten Hören am Sonntag. Witzig übrigens die Musiktitel, die sich die drei Kandidaten gewünscht haben: Astrid Klinkert-Kittel mag Enrique Iglesias „Hero“, Dr. Bernd von Garmissen hört gerne Doris Day „Que Sera Sera“, und Jörg Richert hat sich für Fury in the Slaughterhouse „Won’t forget these days“ entschieden.

Die aktuellen Zahlen und Ergebnisse sind heute Abend ab 18 Uhr hier zu finden. Der Einbecker Politikblog wird in einem Live-Ticker berichten, wie die Wahl ausgegangen ist.

Landratswahl-Comedy

So etwas habe ich mir schon lange gewünscht, und ich würde mich freuen, wenn wir das in der Region durchaus häufiger erleben dürften: Frische Comedy und freches Kabarett über regionale Politik und Kommunalpolitiker. Dennie Klose aus Einbeck hat sich bei der Premiere seiner Mixshow „Einbeck lacht!“ am 20. Februar 2016 im Weinhaus Jörns die bevorstehende Landratswahl und den aktuellen Wahlkampf mit Plakaten, Flyern und Kandidaten vorgenommen. Gefällt mir! Danke, Dennie, und weiter so. Hier ein Video des Openers.

Wer wird’s werden?

Wer steht am Ende vorne? Das ist noch nicht ausgemacht.

Wer steht am Ende vorne – nicht nur auf dem Plakat? Das ist zwischen den drei Kandidaten noch nicht ausgemacht. Prognosen sind schwierig, weil sie die Zukunft betreffen.

Noch zwei Wochen. Nur noch zwei Wochen. Doch das ist kein Grund für Schnappatmung. 14 Tage bis zur Landratswahl am 28. Februar können noch eine lange Zeit sein. Eine entscheidende vor allem. Bis jetzt war alles eher Geplänkel, der Wahlkampf ist irgendwie noch nicht so richtig in Fahrt gekommen, auch wenn seit Wochen an den Laternenmasten die Plakate hängen. Es fehlen die kontroversen Themen, solche, bei denen wirklich inhaltliche Unterschiede zwischen den drei zur Wahl stehenden Landratskandidaten erkennbar werden. Unterschiede gibt es bislang eher bei den Personen und ihren bisherigen beruflichen Erfahrungen. Und eine Landratswahl ist ja eine Persönlichkeitswahl, bei der es auf den Mensch ankommt. Der Landrat leitet und beaufsichtigt die Kreisverwaltung und gehört zu den Entscheidungsorganen des Landkreises Northeim, er hat Sitz und Stimme im Kreistag. Der Landrat be­reitet die Beschlüsse des Kreisausschusses und des Kreistages mit seinen Mitarbeitern im Kreishaus vor und führt diese aus. Der Landrat vertritt die Verwaltung und den gesamten Landkreis Northeim nach außen, ist ihr oberster Repräsentant. Der Landrat ist nicht der erste Sachbearbeiter, aber auch nicht der über den Dingen schwebende kleine König. Er ist im besten Falle ein guter Moderator, vermittelnd, anschiebend, wenn es sein muss auch mal vorpreschend.

Nach welchen Kriterien wählen Wähler? Nach Inhalt und Programm? Nach Performance, wie jemand ankommt? Danach, ob ich ihn schon längere Zeit kenne? Weil der Kandidat aus dem eigenen Wohnort kommt? Warum soll ich Astrid Klinkert-Kittel wählen? Weil sie das kann? Weil sie Herz und Kompetenz hat und immer möglichst alle einbinden möchte? Weil sie sich als unabhängig bezeichnet, aber für die SPD antritt? Weil sie schon immer in der Verwaltung gearbeitet hat? Warum soll ich Bernd von Garmissen wählen? Weil er abwechselnd mit Telefonhörer, Baby oder Hund sich an einen Baum lehnt und vom Plakat lächelt? Weil er einer ist, der den unverstellten Außenblick hat und nicht schon ewig in Verwaltungshierarchien und ihren Abläufen denkt? Weil er für die CDU antritt? Warum soll ich Jörg Richert wählen? Weil er der einzige der drei Kandidaten ist, der noch eine Unterschriften-Ochsentour unternehmen musste, als unabhängiger Einzelbewerber antritt, die Unterstützung der FDP aber nicht scheut? Weil der Mann aus Salzderhelden kommt, dort mit Familie lebt und die Kreisverwaltung als einer der leitenden Mitarbeiter seit vielen Jahren in sämtlichen Verästelungen kennt?

Die drei Kandidaten mühen sich redlich, ackern, absolvieren einen Termin nach dem anderen, besuchen Firmen und Institutionen, laden die Bürger zu Informationsabenden ein, gehen in das direkte Gespräch mit den Wählern auf der Straße, den Wahlflyer in der Hand. Doch warum wählen einen die Menschen? Weil der Kandidat vor Ort eine Hose kauft und mit den Bürgern Gulaschsuppe, Grünkohl oder Schinkenspezialitäten isst? Es gibt schlechtere Kriterien für seine eigene persönliche Wahlentscheidung.

Wähler werbende Websites

Drei Menschen möchten am 28. Februar im Landkreis Northeim neuer Landrat werden, die eine Kandidatin und die zwei Kandidaten, deren Namen auf den Wahlzetteln zu finden sind, stehen fest. Wahrscheinlich wird es einer von ihnen ohnehin erst am 13. März bei der Stichwahl schaffen, die meisten Stimmen auf sich zu vereinigen, denn ein Sieg eines Kandidaten gleich im ersten Durchgang wäre (schon rein mathematisch) eine ganz große Überraschung. Nun sind die drei in diesen Tagen landauf landab in der Region unermüdlich unterwegs, stellen sich auf verschiedenen Veranstaltungen und bei Terminen persönlich den Menschen, kommen in den Printmedien vor. Wie werben aber die drei Kandidaten im Internet um Wähler, um Wählerstimmen? Ich habe mir das mal angesehen. Übrigens sind alle drei (natürlich) auch auf Facebook präsent und kommunzieren dort mit ihrem Wahlvolk. Hier ist das Rennen zurzeit äußerst knapp, liegt Jörg Richert mit 409 Fans vor Dr. Bernd von Garmissen (404 Fans „Gefällt das“) und Astrid Klinkert-Kittel (377); Stand heute (08.02.2016, 18 Uhr). Auf anderen Social-Media-Kanälen wie Twitter sind die Kandidaten nicht zu finden. Alle drei Seiten sind auch auf mobilen Endgeräten angenehm zu lesen, das sollte freilich heute auch selbstverständlicher Standard sein.

Screen AKK 080216Astrid Klinkert-Kittel, 52, ist die Kandidatin der SPD. Die Bürgermeisterin des Fleckens Nörten-Hardenberg präsentiert sich unter www.astrid-kann-das.de als Kandidatin mit Herz und Verwaltungskompetenz, das zeigt schon optisch gleich das „Herzlich willkommen“ in Herz-Schriftform. Die Website setzt unübersehbar auf (textlichen) Inhalt, Fotos findet der Besucher außer im Seiten-Header ausschließlich bei den unter „Aktuell“ aufgelisteten Aktivitäten der Kandidatin im Wahlkampf. Dafür gibt sie neben Angaben zu ihrer Vita ausführlich Auskunft über ihre inhaltichen Ziele und wofür sie sich einsetzt. „Sozial, weltoffen, familienfreundlich, zukunftsorientiert, solide, generationenfreundlich, Vertrauen“ heißt das dann bei Astrid Klinkert-Kittel. Unter „Weltoffen“ begegnet einem wieder die Kandidatin als „Zusammenarbeiterin„, wie ich das nach ihrer Nominierung mal genannt habe: „Ich bin ein absoluter Teamplayer und möchte diese Stärke auch im Kreishaus ausspielen“, schreibt Klinkert-Kittel. „Verschiedene Ansichten und Gedanken im Team abwägen, strukturiertes Denken und Handeln sowie  ein respektvolles Miteinander  bestimmen mein Handeln.“ Wer möchte, kann sich auf der Website als Unterstützer der SPD-Kandidatin outen und seinen Namen in eine Liste eintragen, 107 Unterstützer (Stand: 08.02.2016, 18 Uhr) haben das bereits getan. Auf Facebook, aber auch auf ihrer Internetseite in der rechten Spalte hat Astrid Klinkert-Kittel eine „Tagesbotschaft“ platziert, die je mit einem Zitat garniert den jeweiligen Wahlkampftag umreißt.

Screen BvG 080216Dr. Bernd von Garmissen, 49, ist der Kandidat der CDU. Der Rechtsanwalt und Landwirt aus Dassel-Friedrichshausen hat seine bereits bei der Landratswahl 2013 eingesetzte Internetseite www.garmissen.de aktualisiert und angepasst. Im Design ist sie dem CDU-Style angelehnt, arbeitet auf der Startseite mit großen, verschiedenen durchwechselnden Fotos im Seitenkopf, die den Kandidaten in verschiedenen Situationen zeigen (unter anderem mit einem Baby, übrigens der zehn Monate junge Ludwig, das ist auch eines der großflächigen Plakatmotive, die im gesamten Landkreis zu sehen sind). „Unser Landrat für Northeim“, verkündet die Internetseite selbstbewusstes Ziel. Als einziger der Kandidaten hat von Garmissen auch ein Video im Angebot, ein (nach meinem Geschmack etwas zu ehrerbietig geführtes) Interview, das sowohl über Themen und Amt, aber auch über Mensch und Person Auskunft geben will (und das mal mehr und mal weniger gut schafft). Auf seiner Website informiert Bernd von Garmissen über seine Person und auch über einige Themen/Antworten auf Fragen, ein starker Fokus liegt aber auf den aktuellen Wahlkampfaktivitäten, die den Kandidaten unterwegs bei den Menschen zeigen. Er umschreibt sich als „eine echte Alternative zu den anderen, rein aus der Kommunalverwaltung stammenden Kandidaten“, der sich mit Zuverzicht und ganzem Herzen für den Landkreis einsetzen möchte, in dem seine Familie seit 800 Jahren zuhause ist.

Screen JR 080216Jörg Richert, 48, ist parteiloser Einzelbewerber. Der Leitende Kreisverwaltungsdirektor und Jurist beim Landkreis Northeim aus Salzderhelden ist unter www.wahl-joerg-richert.de zu finden. Dass er von der FDP unterstützt wird, ist auf der Website nicht zu erkennen. „Ich gehöre keiner Partei an“, schreibt Richert auf der Startseite. „Die Überparteilichkeit ist mir deshalb so wichtig, um in schwierigen und umstrittenen Fragen die Fraktionen des Kreistages zusammenführen zu können.“ Richert präsentiert sich als „Der Unabhängige“, der seine Unterstützungsunterschriften noch sammeln musste (und dabei deutlich mehr zusammen bekam als er benötigte), als die anderen beiden Kandidaten über ihre Parteitickets bereits den Weg auf den Wahlzettel gelöst hatten. Die Website von Jörg Richert arbeitet stark mit Bildelementen und -motiven, Jörg Richert zeigt sich mit aufgekrempelten Hemdärmeln, will zuhören, entscheiden und anpacken, wie er schreibt. Wie die anderen beiden Kandidaten auf ihren Websites auch um Spenden und finanzielle Unterstützung (über ihre jeweiligen Parteien) bitten, wirbt auch Richert mit einem „Button“ darum, ihn finanziell zu unterstützen. Schließlich ist der Wahlkampf des Einzelbewerbers vor allem sozusagen ein „Familienunternehmen“, Ehefrau Silke managet beispielsweise die Termine. Inhaltlich bietet der Einzelbewerber Informationen über seine Person, zu aktuellen Themen und seinen Besuchen/Terminen im Wahlkampf sowie Antworten auf Themen.

(Aktualisiert: 09.02.2016) In einer ersten Version dieses Beitrages war fälschlicherweise die Rede davon, dass der Kandidat Jörg Richert nicht wie die anderen beiden auch um Spenden wirbt. Ich hatte seinen „Spenden-Button“ auf der Website leider übersehen. Entschuldigung.

Die Wahl ist eröffnet…

Im Neuen Rathaus ist Briefwahl möglich.

Im Neuen Rathaus ist Briefwahl möglich.

Der Muster-Stimmzettel klebt an der Tür.

Der Muster-Stimmzettel mit den drei Namen klebt an der Tür.

Seit heute ist im Neuen Rathaus in Einbeck die Briefwahl für die Landratswahlen am 28. Februar möglich. Das Wahllokal im Zimmer 115 ist eröffnet, die ersten Wählerinnen und Wähler mit Wohnsitz Einbeck und Ortsteile haben bereits ihren Umschlag in die Urne geworfen. Die Briefwahl für die Landratswahl ist ganz einfach: Die in den vergangenen Tagen per Post erhaltene Wahlbenachrichtigung mitbringen, der Rathaus-Mitarbeiterin ein Ausweisdokument zeigen, dann gibt’s den umgehend den Stimmzettel mit den drei Kandidatennamen in der Reihenfolge Astrid Klinkert-Kittel (SPD), Dr. Bernd von Garmissen (CDU) und Jörg Richert (parteilos). Hinter einem Sichtschutz kann dann der Besucher des Briefwahllokals seine Wahl in Ruhe und geheim treffen. Der mit einem (!) Kreuz versehene Zettel kommt in einen blauen Umschlag, dann zusammen mit dem Wahlschein in einen roten Umschlag – und diesen wirft der Wähler dann in die Wahlurne. Schon ist das demokratische Grundrecht wahrgenommen. Dauert keine fünf Minuten. Das Wahllokal für die Briefwahl im Neuen Rathaus ist problemlos während der Öffnungszeiten der Stadtverwaltung erreichbar, im ersten Stockwerk des Altbaus, aber direkt über den Fahrstuhl vom Nebeneingang am Teichenweg aus barrierefrei erreichbar.

Die Briefwahl ist eröffnet, die ersten roten Umschläge mit den ausgefüllten Stimmzetteln liegen in der Urne.

Die Briefwahl ist eröffnet, die ersten roten Umschläge mit den ausgefüllten Stimmzetteln liegen bereits in der Urne.

Nicht empfehlenswert

Karoline

Karoline Otte (l.) und Hans Harer (r.) von den Grünen mit den Landratskandidaten Dr. Bernd von Garmissen, Astrid Klinkert-Kittel und Jörg Richert bei der Mitgliederversammlung.

Akribisch hatten sich die Grünen vorbereitet. Den drei Landratskandidaten hatten sie einen umfangreichen Fragenkatalog mit zehn Fragen geschickt und auf ihre Bitte ausführliche, schriftliche Antworten von Dr. Bernd von Garmissen, Astrid Klinkert-Kittel und Jörg Richert erhalten. Das alles soll in den nächsten Tagen auf der Website des Grünen-Kreisverbandes online gestellt werden. Zu vier der zehn Fragen haben die zwei Dutzend anwesenden Grünen bei einer Mitgliederversammlung in Northeim den Kandidaten dann nochmal mündlich ergänzend auf den Zahn fühlen können. Wie halten die es mit der interkommunalen Zusammenarbeit mit anderen Landkreisen, wie kann sich der Landkreis für die Einhaltung des 1,5-Grad-Klimaschutz-Ziels engagieren, wie stehen die Kandidaten zur IGS als ersetzenden Schulform und was sollte sich im Landkreis beim Thema Mobilität bewegen? Aber auch andere Fragen ließen die Grünen-Vorstandsmitglieder Karoline Otte und Hans Harer in der Befragung zu. Ein wenig zu kurz kamen mir die Personen, die Kandidaten als Menschen. Das mag aber auch an den Grünen gelegen haben, die traditionell etwas gegen Personalisierungen haben. Das ist bei Persönlichkeitswahlen wie einer Landratswahl dann allerdings schwierig.

Wie politisch die jeweiligen Kandidaten als Landrat dann sein wollen, wollten die Grünen wissen. „Ich werde nicht der verlängerte Arm der CDU sein“, sagte CDU-Kandidat Dr. Bernd von Garmissen. „Ich bin ein unabhängiger Denker.“ Die SPD-Kandidatin Astrid Klinkert-Kittel, derzeit als Bürgermeisterin in Nörten-Hardenberg zur Neutralität angehalten, sieht ihren Job als Landrätin im Falle einer Wahl als Umsetzerin von politischen Mehrheiten und nicht ihrer eigenen Meinung, wie die Verwaltungsfachfrau sagte. Unabhängig will auch sie sein: „Die Gedanken sind frei.“ Jörg Richert sieht sich ebenfalls als neutraler Umsetzer, das sei der Job eines Hauptverwaltungsbeamten, des Landrates. Der von der FDP unterstützte parteilose Einzelbewerber gab sich wenig politisch, dafür aber durch seinen aktuellen Job als Fachbereichsleiter mit den Interna des Kreishauses bestens vertrauter Verwaltungsfachmann. Auch auf hartnäckiges Nachfragen blieb Richert dabei, er sei parteipolitisch neutral.

Das Fragenfeuerwerk sollte den Grünen dazu dienen, sich von den drei bei der Landratswahl am 28. Februar antretenden Kandidaten ein Bild zu machen, davon wie sie politisch ticken – und vielleicht einen der drei zu unterstützen. „Wir haben lange und ernsthaft gerungen“, sagte mir Grünen-Sprecher Hans Harer dann nach der anschließenden nicht-öffentlichen Debatte in der Mitgliederversammlung. Zu einer Wahlempfehlung haben sich die Grünen allerdings am Ende nicht durchringen können. Das ist für eine Partei, deren Fraktion mit der SPD gemeinsam seit Jahren die Mehrheitsgruppe im Northeimer Kreistag bildet, schon einigermaßen erstaunlich. Bei der jüngsten Landratswahl 2013 hatten die Grünen noch einen eigenen Kandidaten aufgestellt; Jörg Wolkenhauer erreichte im ersten Wahlgang knapp zehn Prozent der Stimmen. Bei der Stichwahl damals hatte eine Grünen-Wahlempfehlung mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Im Februar 2016 unterstützen die Grünen im Landkreis Northeim noch nicht einmal die Kandidatin ihres Kreistags-Gruppenpartners SPD, Astrid Klinkert-Kittel. Nicht durchsetzen konnten sich offenbar Stimmen, die gerne Jörg Richert unterstützen wollten. Das aber war wohl der Mehrheit aus Rücksicht auf den Koalitionspartner SPD nicht zu vermitteln. Und so bleibt den Grünen-Mitgliedern nur die eigene Überlegung, bei wem sie ihr Kreuz am 28. Februar machen. Ganz ohne Empfehlung.

Väter und Mütter der Bahnstrecke

Hier soll im Dezember der erste planmäßige Personenzug nach 42 Jahren Pause fahren.

Vom Bahnhof in Einbeck-Mitte soll im Dezember 2017 der erste planmäßige Personenzug nach 42 Jahren Pause wieder nach Salzderhelden fahren.

Hätte Verkehrsminister Olaf Lies eingestehen müssen, dass das nun doch nichts wird mit den Personenzügen auf der Bahnstrecke von Einbeck nach Salzderhelden – er hätte vermutlich allein dagestanden vor den Medienvertretern auf den Gleisen am Bahnhof in Einbeck-Mitte. Nein, er wäre dann persönlich sicherlich gleich in Hannover geblieben, hätte allenfalls eine dürre Pressemitteilung verschicken und ansonsten seine Pressesprecher interpretieren lassen, wie schade es doch alles sei… So aber gab es Schönes und Positives zu verkünden. Deshalb stand nicht nur der Verkehrsminister vor dem Bahnhofsgebäude und lächelte in die Kameras. Sondern neben ihn drängten die Mitglieder des Aufsichtsrates der Ilmebahn GmbH, der Landesbeauftragte Matthias Wunderling-Weilbier, die Landtagsabgeordneten Uwe Schwarz (SPD) und Christian Grascha (FDP), Vertreter der Stadtverwaltung Einbeck und des PS-Speichers. Der Erfolg, über viele Jahre von vielen hartnäckig errungen, er hat bekanntlich viele Väter und Mütter. Und die waren bei dem Pressetermin dabei. Und noch ein paar andere… einige, die am 28. Februar eine Wahl gewinnen möchten.

Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) und Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel (r.) haben eine Finanzierungsvereinbarung für die Reaktivierung der Trasse unterzeichnet.

Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) und Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel (links) haben eine Finanzierungsvereinbarung für die Reaktivierung der Trasse unterzeichnet.

Ab Dezember 2017 sollen nach dann 42 mehr als 30 Jahren Pause wieder regelmäßig Personenzüge den Einbecker Bahnhof in Richtung Salzderhelden verlassen, in Hauptverkehrszeiten ohne Umstieg bis Göttingen. Gerechnet wird mit 600 Fahrgästen pro Werktag. Damit die Reaktivierung der 4,4 Kilometer langen Bahnstrecke zwischen Einbeck und Salzderhelden konkreter geplant werden kann, haben Verkehrsminister Olaf Lies und Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel eine Finanzierungsvereinbarung unterzeichnet. Bis Mitte dieses Jahres sollen die Einzelheiten für die notwendigen Bauarbeiten feststehen. Die ersten sollen noch im Jahr 2016 starten. Auch soll im Sommer klar sein, ob es bei den kalkulierten Gesamtkosten von rund acht Millionen Euro bleibt. „Wir haben viel Arbeit vor uns, aber wenig Zeit“, sagte Verkehrsminister Olaf Lies über den ambitionierten Plan. Der passt gut zu den derzeit parallel laufenden Planungen, wie der ZOB vor dem Bahnhofsgebäude in Einbeck neu gestaltet werden soll. Sprechen andere auch schon mal von Anfang 2018 als Zeitpunkt, an dem der erste Zug fahren kann, bleibt der Minister bei Dezember 2017 als Starttermin. Das ist verständlich, denn das Startsignal zu geben, wäre eine nächste öffentlichkeitswirksame Gelegenheit für jeden Politiker. Und das wenige Tage vor der nächsten Landtagswahl im Januar 2018. Ein Schelm, der Böses dabei vermutet…

Karl-Heinz Rehkopf, Stifter des PS-Speichers mit einem eigenen, in diesen Tagen endlich nach langer Planungs- und Genehmigungsphase entstehenden Bahnhaltepunkt am Tiedexer Tor, bis zu dem auf der Bahnstrecke dann auch die Züge besser fahren können, konnte einen Bautipp nicht verschweigen. Mit dem ist die Kulturstiftung Kornhaus bislang gut gefahren – die so genannte retrograde Baumethode: Man nehme einen fixen Eröffnungstermin (beispielsweise die Eröffnungsveranstaltung der Niedersächsischen Musiktage am 3. September 2016 in der gerade entstehenden PS-Halle) und sage den Planern und Handwerkern, dass sie bis zu diesem Termin fertig werden müssten – wie auch immer.

In der unterschriebenen Vereinbarung für die Bahntrasse sind für die Planungsphase insgesamt Kosten in Höhe von 450.000 Euro vorgesehen. Diese werden zu einem Großteil (394.000 Euro) vom Land Niedersachsen getragen, die verbleibenden 56.000 Euro übernimmt die Ilmebahn GmbH, die Eigentümerin der Strecke ist und die zu 70 Prozent dem Landkreis Northeim und zu 30 Prozent der Stadt Einbeck gehört. Von den Gesamtkosten stammen sieben Millionen Euro aus Regionalisierungsmitteln des Landes, unter anderem aus dem Südniedersachsenplan. Eine Million Euro wird durch die Ilmebahn-Gesellschafter getragen (700.000 Euro Landkreis Northeim, 300.000 Euro Stadt Einbeck).

Nachtrag 28.01.2016, 20:40 Uhr: Der letzte Personenzug zwischen Einbeck und Salzderhelden fuhr laut Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel im Jahr 1984, es sind dann also nur gut 32 Jahre Pause, wenn Ende 2017 wieder regelmäßig ein Personenzug fährt. Ich hatte mich auf die Angaben in der Pressemitteilung des Wirtschaftsministeriums verlassen.

Nachtrag 30.01.2016: Bei einem „Treffen am Gleis“, wie es in der anschließend verbreiteten Pressemitteilung heißt, hat Landratskandidat Jörg Richert die Chance genutzt und mit dem Minister über die Reaktivierung des Bahnstrecke gesprochen, wie der von der FDP unterstützte Einzelbewerber aus Salzderhelden mitteilte. Um die touristischen Potenziale optimal zu nutzen, sei eine Weiterführung der Bahnstrecke bis zum PS-Speicher wichtig. Dies ist geplant, die Bauarbeiten zum Haltepunkt haben in diesen Tagen begonnen. Als Landrat werde er sich dafür einsetzen, so Jörg Richert, dass auch ein Haltepunkt bei der KWS Saat SE, also zwischen den Bahnhöfen Einbeck-Mitte und Salzderhelden, realisiert werde. Dies stärke die Betriebe vor Ort und die Wettbewerbsfähigkeit um gutes Personal, meint der Landratskandidat. Jüngst hatte auch nochmal KWS-Vorstandssprecher Dr. Hagen Duenbostel beim Neujahrsempfang der Einbeck Marketing GmbH den Wunsch des Saatzuchtunternehmens bekräftigt: „Wir hätten gerne eine Haltestelle.“

Minister statt Ministerpräsident

Kreishandwerksmeister Hermann-Josef Hupe und Geschäftsführer Hans-Joachim Nüsse begrüßten Finanzminister Peter-Jürgen Schneider (r.).

Kreishandwerksmeister Hermann-Josef Hupe und Geschäftsführer Hans-Joachim Nüsse begrüßten Finanzminister Peter-Jürgen Schneider.

Eigentlich sollte und wollte der Chef selbst kommen. Hatte er vor über einem Jahr schon versprochen. „Und mir persönlich im Sommer bei einem Treffen in Berlin nochmal bekräftigt“, sagt Kreishandwerksmeister Hermann-Josef Hupe. Und klang ein wenig verschnupft: „Nun hat er kurzfristig seine Prioritäten anders gesetzt.“ Statt Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sprach Finanzminister Peter-Jürgen Schneider (SPD) beim Gildentag des heimischen Handwerks im Landkreis Northeim im Forum der BBS Einbeck. Weil musste am Montag zum Windenergie-Gipfel nach Wismar mit seinen Ministerpräsidenten-Kollegen der Nordländer. „Die Absage kam gerade noch so rechtzeitig, dass wir die Einladungen nochmal neu drucken konnten“, berichtet Hupe von den Vorbereitungen der Veranstaltung. Verschickt waren die Briefe an die Teilnehmer des Gildentages gottseidank noch nicht, sie erhielten gleich die richtige Einladungskarte mit Peter-Jürgen Schneider als Festredner. Schneider referierte auführlich zur Situation des Landeshaushalts unter dem Eindruck der aktuellen Flüchtlingssituation, ging aber auch auf das Handwerk interessierende Aspekte ein. Bei einer steuerlichen Förderung des sozialen Wohnungsbaus müsse man darauf achten, dass es keine Mitnahmeeffekte durch Luxus-Wohnungsbau gebe. Der Finanzminister, der auch für den Hochbau in Niedersachsen zuständig ist, sprach sich für Modernisierung von Landesgebäuden aus. „Wenn wir nicht sanieren ist das wie Schulden machen, das holt uns irgendwann ein.“ Außerdem: „In Finanzämter darf es nicht hineinregnen, weil ja sonst die Steuererklärungen nass werden“, scherzte der Finanzminister. Schneider erhielt aus den Händen des Kreishandwerksmeister als Dank für seinen Besuch eine XXL-Flasche Hardenberg-Korn. „Damit kann ich das ganze Finanzministerium besoffen machen“, witzelte der Minister.

Kreishandwerksmeister Hermann-Josef Hupe (r.) begrüßte die Landratskandidanten Jörg Richert und Astrid Klinkert-Kittel.

Kreishandwerksmeister Hermann-Josef Hupe (r.) begrüßte die Landratskandidanten Jörg Richert und Astrid Klinkert-Kittel.

Die jährlichen Gildentage des Handwerks sind immer auch politische Veranstaltungen. Wer ist da? Wer fehlt? Seit einiger Zeit schon werden gottlob bei der Begrüßung auf meine vor Jahren geäußerte Kritik hin nicht mehr alle Ehrengäste namentlich willkommen geheißen, sondern eine Liste mit allen Namen der Personen, die zugesagt haben, liegt für Interessierte aus. Das spart Zeit. Da in wenigen Wochen Landratswahlen stattfinden, war mit besonderem Interesse beobachtet worden, ob alle Kandidaten anwesend waren. Sie waren. Der Kreishandwerksmeister ließ gar alle drei bei seiner Rede einmal kurz aufstehen, damit die Festgäste die Kandidaten sehen und applaudieren konnten. „Das Handwerk ist gespannt, wie sie sich zur Zukunft unseres Landkreises aufstellen werden, denn das hat direkt Auswirkungen auf unsere Handwerksorganisation“, sagte Hupe.

Auffällig war, dass niemand das „offizielle Einbeck“ beim Gildentag in Einbeck vertreten hat. Zwar saßen mehrere Ratsmitglieder (vor allem der SPD) im BBS-Forum und wertschätzten damit die Arbeit des Handwerks. Doch während beispielsweise Bürgermeister aus Dassel, Moringen, Nörten-Hardenberg und Kalefeld vor Ort waren, fehlte die Rathauschefin aus Einbeck. Auch kein ehrenamtlicher Stellvertreter oder sonstiger offizieller Vertreter aus dem Rathaus konnte gesichtet werden, trotz Anmeldung und daher in der ausliegende Liste notiert. Freilich hatte auch die Kreisstadt keinen Vertreter zur Festkundgebung der Handwerksorganisation entsandt.

Großen Respekt für einen besonderen Premiere-Marathon: Erstmals wurden beim Gildentag die Reden (und auch die Musiktexte) von einer Dolmetscherin in Gebärdensprache übersetzt, sie hielt die komplette gut zweieinhalbstündige Veranstaltung nonstop durch.

Nicht mehr als drei

Es bleibt bei drei Bewerbern um den Landratsposten bei der Wahl am 28. Februar, formal feststellen muss dies allerdings noch der Kreiswahlausschuss am kommenden Donnerstag, 28. Januar, ab 11 Uhr im Northeimer Kreishaus, doch das ist eher eine Formalie. Zumindest werden es nicht mehr als drei Kandidaten: Bis zum Ablauf der Frist für das Einreichen von Wahlvorschlägen (heute Montag, 18 Uhr) liegen Kreiswahlleiter Dr. Hartmut Heuer die bekannten drei Wahlvorschläge vor: Wahlvorschlag der SPD mit der Bewerberin Astrid Klinkert-Kittel, Wahlvorschlag der CDU mit dem Bewerber Dr. Bernd von Garmissen und Einzelwahlvorschlag Richert mit dem Bewerber Jörg Richert. Spekuliert worden war im politischen Raum zwischenzeitlich noch über eine vierte Bewerbung. Doch diese ging nicht ein.

Winter-Wahlkampf

Wahlplakate in Schnee und Eis, hier eines von Bernd von Garmissen in Einbeck.

Wahlplakate in Schnee und Eis, hier eines von Bernd von Garmissen in Einbeck.

Jörg Richert: Im Original mit Jacke, auf dem Plakat trotz Winter hemdsärmelig.

Jörg Richert: Im Original mit Jacke, auf dem Plakat trotz Winter hemdsärmelig.

Sieger bei der Landratswahl am 28. Februar wird nicht automatisch derjenige sein, der das erste Plakat an die Laterne gehängt hat. Auch sicherlich nicht derjenige, der versucht, an nahezu jede Laterne ein Plakat zu hängen und in jeden Vorgarten einen Bauzaun mit Plakatwand zu stellen. Ob die Gelassenheit, die die SPD an den Tag legt, am Ende erfolgversprechend ist, wird allerdings erst das Ergebnis zeigen. Die Sozialdemokraten werden ihre Landratskandidatin Astrid Klinkert-Kittel erst ab 1. Februar auf Plakaten auf die Straße bringen, während dort der CDU-Kandidat Dr. Bernd von Garmissen und der parteilose, von der FDP unterstützte Einzelbewerber Jörg Richert bereits seit einigen Tagen sichtbar sind. SPD-Chef Uwe Schwarz argumentiert mit einem festen Zeitplan, einer nur sinnvollen kurzen Winterwahlkampfdauer. Bereits bei der Nominierung der SPD-Kandidatin habe man sich nicht irritieren und vom politischen Mitbewerber aus der Ruhe bringen lassen. Es gebe nun einmal Fristen, die einzuhalten seien, sagt Schwarz. Die parteilose Kandidatin, die die Sozialdemokraten dann aufs Schild gehoben haben, stand allerdings auch im SPD-Vorstand überhaupt erst eine Woche vor der Delegiertenkonferenz fest… Innerhalb der SPD hat sich die Bürgermeisterin aus Nörten-Hardenberg vor Weihnachten intensiv versucht, bekannter zu machen.

Astrid Klinkert-Kittel vor ihrem Privat-Audi, der jetzt beklebt als Wahlkampfauto dient.

Astrid Klinkert-Kittel vor ihrem Privat-Audi, der jetzt beklebt als Wahlkampfauto dient.

Ein Wahlkampf im Winter hat ganz bestimmt seine eigenen Gesetze. Nicht nur, dass Freiluft-Kundgebungen ausfallen, alles im Saale stattfinden muss. Auch das immer gerne Canvassing genannte Werben der Kandidaten mit dem bunten Faltblatt in der kalten Hand vor Supermärkten, auf Marktplätzen oder in Fußgängerzonen ist bei Minusgraden und Schneefall eine besondere (gesundheitliche) Herausforderung, um bis zum Wahltag durchzuhalten und bei Stimme zu bleiben, um jede Stimme werbend. Da ist es unter dem Strich sicherlich sinnvoll, keinen Frühstart hinzulegen, damit einem nicht die Luft ausgeht. Auf der anderen Seite geht es bei der Landratswahl als Persönlichkeitswahl darum, dass die Menschen im Landkreis die Bewerber erst einmal kennenlernen. Alle drei sind ja schließlich keine Kommunalpolitiker, die seit Jahren schon regelmäßig in der ersten Reihe der Lokalpolitikbütt stehen und allein durch diese Funktion landkreisweit bekannt wären. Um bekannt(er) zu werden, kann jeder zusätzliche Tag wichtig sein, denn nicht jeder Wähler beschäftigt sich jeden Tag, jede Stunde so intensiv mit Kommunalpolitik, dass eine kurze Erinnerung, ein kurzes ins Gedächtnis zurück bringen allein genügen würde. Viele wissen noch gar nicht, dass am 28. Februar überhaupt Landratswahlen stattfinden! Die Mobilisierung der Menschen wird daher auch zu einer zentralen Aufgabe aller Beteiligten, eine die Wahlbeteiligung unterstützende „Hilfswahl“ (Bundestag-, Landtag- oder Kreistag- und Stadtratswahlen) gibt es am letzten Februar-Sonntag nicht. Astrid Klinkert-Kittel, die SPD-Kandidatin, gerade zurück von einer dreiwöchigen Australien-Reise und in dieser Woche in den Wahlkampf eingestiegen, sieht die Mobilisierung als große Herausforderung. Sie möchte den Menschen klar machen, dass sie eine große demokratische Gestaltungsmöglichkeit haben, wenn sie bei der Landratswahl ihr Kreuz auf dem Stimmzettel machen. Eine, die viele Menschen in anderen Ländern nicht haben. Nicht im Winter und nicht im Sommer.

Enthüllung

Silke und Jörg Richert und Günter und Anni Beckmann sowie Nachbar Huseyin Dalka.

Silke und Jörg Richert in Salzderhelden vor dem ersten Großflächen-Plakat mit den Eltern des Kandidaten, Günter und Anni Beckmann.

Er hat als unabhängiger Landratskandidat „keinen Parteiapparat im Rücken“, wie er sagt. Maßgeblich wird der Wahlkampf von seiner Familie gestützt. So haben Jörg Richerts Eltern Anni und Günter Beckmann selbst zu Nadel und Faden gegriffen und zwei Bettlaken zusammengenäht, die das erste Großflächen-Plakat am Ortseingang von Salzderhelden noch verdeckt hatten. Bevor Jörg Richert es enthüllte. Die dann sichtbar gewordene Großfläche zeigt den von der FDP unterstützten Landratskandidaten als „entspannten Macher“, wie sein Team es beschrieben hat. Das Plakat ist eines von insgesamt 20 im gesamten Landkreis. Hinzu kommen 600 Laternen-Masten, an denen das Konterfei Richerts ab diesem Wochenende hängen wird. Von seinen Mitbewerbern Dr. Bernd von Garmissen (CDU) und Astrid Klinkert-Kittel (SPD) wird es deutlich mehr Plakate geben, davon ist auszugehen. Jörg Richert will den Landkreis nicht mit Richert-Plakaten „zupflastern“, wie er sagt. „Ich will keine Materialschlacht. Es gewinnt nicht der mit den meisten Plakaten, sondern der, der das Vertrauen der Menschen gewinnt“, lässt sich der unabhängige Landratskandidat zitieren. Nicht zuletzt deshalb hat der Salzderheldener den Wahlkampf-Start ein wenig mehr zelebriert als dies seine Mitbewerber (die mit starken Parteien im Rücken) tun.

Ein Video dazu:

Kandidaten-Kennenlernen

Wer die drei Kandidaten für die Landratswahl am 28. Februar persönlich kennenlernen möchte, hat dazu in Einbeck am Sonnabend vor Nikolaus (5. Dezember) in der Innenstadt eine sehr gute Gelegenheit. Der parteilose Einzelbewerber Jörg Richert, der von der FDP unterstützt wird, verteilt ab 9 Uhr auf dem Marktplatz Süßes zum Nikolaus. „Natürlich müssen auch die Geschenke besorgt werden. Wenn bei allem Weihnachtstress Zeit für den ein oder anderen Gedankenaustausch ist, freue ich mich“, erklärte der Salzderheldener, der sich als Bürgerkandidat sieht. Die Verteilaktion startet um 9 Uhr auf dem Marktplatz in Einbeck; um 11 Uhr will Richert in Northeim sein. „Ich möchte die Gelegenheit nutzen, mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch zu kommen“, sagt Richert. Es seien schließlich die Bürger, die mit ihrer Unterschrift die Kandidatur des unabhängigen Verwaltungsfachmannes möglich gemacht hätten.

In der Zeit von 10 bis 12 Uhr haben Interessierte dann die Möglichkeit, zwischen Lange Brücke und Weihnachtsmarkt auf dem Einbecker Marktplatz bei Kaffee und Keksen den CDU-Landratskandidaten Dr. Bernd von Garmissen kennen zu lernen. Wer möchte, kann mit der Einbecker CDU auch über das Thema „Rathauskauf“ ins Gespräch kommen.

Und ab 17.30 Uhr ist dann die SPD-Landratskandidatin Astrid Klinkert-Kittel in Einbeck. Sie besucht gemeinsam mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Dr. Wilhelm Priesmeier das „Einbecker Weihnachtsdorf“ (Treffpunkt: Eulenspiegelbrunnen) und steht dort bei dem einen oder anderen Heißgetränk für ein Gespräch zur Verfügung. Wer schon vorher Informations- und Gesprächsbedarf mit den Genossen hat: Die Einbecker Sozialdemokraten sind wie jeden ersten Sonnabend im Monat auch am 5. Dezember von 10 bis 12 Uhr im Bereich des Alten Rathauses erreichbar, um Anregungen aufzunehmen und ihre Politik transparent zu vertreten. Aufgrund des Weihnachtsmarktes wird der Stand in Richtung Marktstraße verlegt. Die SPD will für die Besucher eine Nikolausüberraschung bereit halten. Bei schlechten Witterungsverhältnissen werden die Bürgergespräche in dem genannten Zeitraum in der Ur-Bock-Schänke (bei „Ebby“) stattfinden.

SPD wählt Astrid Klinkert-Kittel zur Landratskandidatin

Beifall für die gewhlte Kandidatin: Astrud

Beifall für die gewählte Kandidatin: Astrid Klinkert-Kittel, hier mit Dassels Bürgermeister Gerhard Melching (links) und MdB Dr. Wilhelm Priesmeier.

Einstimmig haben die Delegierten des SPD-Unterbezirks Northeim-Einbeck heute Abend Astrid Klinkert-Kittel zu ihrer Landratskandidatin gewählt. Im Einbecker Hotel „Panorama“ stimmten 102 der 103 Delegierten für die 51-jährige parteilose Bürgermeisterin von Nörten-Hardenberg, es gab eine Enthaltung. Weitere Kandidaten gab es nicht. Die nächste Landratswahl findet am 28. Februar 2016 statt. „Lassen Sie uns den Erfolg rocken“, dankte Astrid Klinkert-Kittel für die Unterstützung. „Ich bin überwältigt“, sagte sie. Der Unterbezirksvorsitzende der SPD, Uwe Schwarz, hatte den einstimmigen Personalvorschlag des Vorstandes zuvor begründet: „Wir haben eine Fachfrau gefunden, die die Themen kann und den Landkreis kennt.“ Astrid Klinkert-Kittel ist Diplom-Verwaltungswirtin und studierte Betriebswirtschaftlerin. 2011 wurde sie mit mehr als 80 Prozent Zustimmung zur Bürgermeisterin in Nörten-Hardenberg gewählt. Klinkert-Kittel: „Ich wünsche mir einen Landkreis Northeim, der sich familienfreundlich, altersgerecht und weltoffen präsentiert.“ Die 51-Jährige ist verheiratet und Mutter einer Tochter (19) und eines Sohnes (22).

Die CDU hatte am 1. Oktober Dr. Bernd von Garmissen (49) als Kandidat nominiert. Am 6. November hat Jörg Richert (48) seine Kandidatur als parteiloser Einzelbewerber angekündigt. Er wird von der FDP unterstützt.

Nachtrag 23.11.2015: Die CDU-Kreistagsfraktion hat heute mit einer Pressemitteilung (PM CDU 16.2015 zur SPD-Landratskandidatur) auf die Wahl reagiert. Bemerkenswert daran ist erstens, dass die Fraktion (und nicht die Partei, wie das in dem Fall passender wäre) und außerdem der stellvertretende Vorsitzende (und nicht der Vorsitzende) sich äußert. Gibt es eine unterschiedliche Linie, hier die Partei, dort die Fraktion (mit dem Ex-Parteivorsitzenden als Vize-Fraktionsvorsitzenden)? Zweitens spricht die CDU davon, die SPD habe Astrid Klinkert-Kittel zur Kandidatin „erklärt“. Die SPD hat jedoch die gleichen Formalien eingehalten wie am 1. Oktober die CDU und ihre Kandidatin gewählt. Der „erstaunte“ Hinweis, die SPD habe keine Kandidatin in ihren eigenen Reihen gefunden, bestätigt imgrunde die Aussagen von SPD-Chef Uwe Schwarz, der CDU habe nie daran gelegen, eventuell gemeinsam einen Kandidaten für die Landratswahl 2016 zu nominieren, wenn sie heute erklärt, nur ein Kandidat aus den eigenen Parteireihen könne überhaupt ein „richtiger“ Kandidat sein. Womit die CDU allerdings recht hat ist, dass es jetzt für die Wähler eine Auswahl gibt. Gut so.

Einbecker Jörg Richert will Landrat werden

Jörg Richert kandidiert bei der Landratswahl als Unabhängiger, die FDP unterstützt ihn, hier Kreisvorsitzender Christian Grascha und Fraktionschef Irnfried Rabe.

Jörg Richert kandidiert bei der Landratswahl als Unabhängiger, die FDP unterstützt ihn, hier Kreisvorsitzender Christian Grascha und Fraktionschef Irnfried Rabe.

Mit Jörg Richert aus dem Einbecker Ortsteil Salzderhelden gibt es seit heute einen zweiten Kandidaten für die Landratswahl am 28. Februar 2016. Die FDP im Landkreis Northeim unterstützt nach einem einstimmigen Kreisvorstand-Beschluss die Kandidatur des 48-Jährigen, der als parteiloser Einzelbewerber antreten will. Jörg Richert arbeitet seit 2001 beim Landkreis Northeim, der Volljurist ist dort aktuell Fachbereichsleiter Zentrale Dienste und Schulen. Richert und die FDP laden ausdrücklich andere politische Gruppierungen ein, die unabhängige Kandidatur zu unterstützen und sind optimistisch, dass das gelingt: „Wer sich noch einreihen will, werden wir sehen“, sagte heute FDP-Kreisvorsitzender Christian Grascha bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz im Salzderheldener Bahnhofsgebäude. Er geht von drei Kandidaten bei der Landratswahl aus.

„Ich möchte Allianzen für den Landkreis schmieden und diesen eigenständig voranbringen“, sagte Jörg Richert zur Motivation für seine Kandidatur. Er könne nahtlos mit der Sacharbeit starten, müsse sich nicht erst in die Materie einarbeiten. „Durch meine Tätigkeit im Kreishaus kann ich aus nächster Nähe einschätzen, an welchen Stellen Verbesserungsbedarf besteht.“ Um die Eigenständigkeit des Landkreises zu sichern, sei eine solide Finanz- und Haushaltspolitik, eine vielfältige und attraktive Schullandschaft sowie eine moderne Verwaltung erforderlich. Stichwort Haushaltskonsolidierung: Die kleinen Schrauben, an denen gedreht werde könne, erkenne jemand schneller, der aus der Verwaltung komme. Durch eine neue Telefonanlage im Kreishaus beispielsweise lasse sich einsparen, statt 6000 Euro Miete pro Monat schlage eine neue mit nur noch 500 Euro monatlich zu Buche, das sechsstellige Investment rechne sich schnell und spare im Haushalt Geld.

Jörg Richert setzt außerdem, gerade in der aktuellen Flüchtlingssituation, auf eine enge Zusammenarbeit mit den Kommunen im Landkreis. Der 48-Jährige hatte beruflich schon einmal in den 1990-er Jahren mit Flüchtlingen zu tun, damals noch als Stadtinspektor bei der Stadt Osnabrück und dort im Beratungsbüro für rückkehrwillige bosnische Flüchtlinge. In den nächsten Wochen will Richert ein detailliertes Wahlprogramm mit einer Stärken-Schwächen-Analyse vorlegen.

Der Landkreis Northeim kann sich nach Meinung von Christian Grascha nach einem Jahr Vakanz auf dieser Position keinen Landrat leisten, der eine lange Einarbeitungszeit benötigt. Jörg Richert erfülle die Kriterien der Freien Demokraten zu 100 Prozent, beispielsweise überparteiliches Agieren und Zusammenführen der Fraktionen bei schwierigen Fragen, eine klare Zukunftsvision für einen eigenständigen, starken Landkreis Northeim. „Wir freuen uns, dass ein Verwaltungsfachmann für die Verwaltungsspitze kandidiert“, erklärte der FDP-Kreisvorsitzende heute. Jörg Richert hat während seiner beruflichen Tätigkeit für den Landkreis Northeim unter anderem die Veräußerung der EAM-Aktien an die Eon im Jahre 2002 und die aus dem Erlös in Höhe von 54,2 Millionen Euro gespeisten neuen Stiftungen juristisch begleitet. Federführend hat sich Richert gemeinsam mit Fachbereichsleiter Harald Rode im Kreishaus in den Jahren 2012/13 auch um die Rekommunalisierung der Eon Mitte und den Aktien-Rückkauf gekümmert. Richert ist unter anderem Antikorruptionsbeauftragter des Landkreises Northeim, war bis Herbst 2014 Leiter des Katastrophenschutzstabes der Hauptverwaltungsbeamten im Landkreis.

Der gebürtige Osnabrücker Jörg Richert präsentierte sich heute bei der Pressekonferenz mit einer langen Vita, gab auch Privates von sich preis, beispielsweise dass er Fußballfan des VfL Osnabrück (3. Liga) ist. Jörg Richert geb. Beckmann ist verheiratet, hat bei der Hochzeit 1995 den Namen seiner Ehefrau Silke angenommen und Vater von zwei Söhnen (10,14 Jahre). In seiner Freizeit wandert der 48-Jährige gerne mit seiner Familie durch den Höhenzug Ahlsburg und dort vor allem rund um Wellersen, entspannt in der Sauna oder sucht im eigenen Garten (direkter Nachbar in Salzderhelden ist übrigens Christian Grascha) einen körperlichen Ausgleich zu seinem Bürojob – auch gerne mal beim Holz hacken für den heimischen Kamin.

Schon allein aus lokalpatriotischen Gründen gefällt es mir, dass ein Einbecker Chef im achten Stockwerk des Northeimer Kreishauses werden möchte. Noch einer sozusagen: neben dem Ersten Kreisrat Dr. Hartmut Heuer, der zurzeit mangels Landrat die Geschäfte der Kreisverwaltung souverän führt. Zusammen unter anderem mit Jörg Richert.

Dr. Claudius Weisensee, Irnfried Rabe, Jörg Richert und Christian Grascha (v.r.) bei der Pressekonferenz heute.

Dr. Claudius Weisensee, Irnfried Rabe, Jörg Richert und Christian Grascha (v.r.) bei der Pressekonferenz heute.

Ob die Einzelkandidatur Richerts aber erfolgversprechend eingefädelt worden ist, werden erst die nächsten Tage und Wochen zeigen. Denn er wirbt öffentlich um Unterstützung von anderen Parteien (gemeint sind vor allem SPD und GfE, die CDU hat ja ihren eigenen Kandidaten), Jörg Richert hat aber nach eigener Aussage mit keiner vorab gesprochen. Unter anderem, wie er sagt, weil er bis zur heutigen Kreistagssitzung noch Vize-Wahlleiter im Kreishaus und damit zur Neutralität angehalten war, von dem Posten hat ihn der Kreistag erst noch heute Nachmittag entpflichten müssen, um eine Kandidatur Richerts auch offiziell freizumachen. Ob sich da beispielsweise die SPD noch für Richert (aus fachlichen sachlichen Gründen) entscheidet, oder ob sie eher aus Prinzip einen eigenen Kandidaten aufstellt? FDP-Kreistagsfraktionschef Irnfried Rabe jedenfalls lud heute bei der Pressekonferenz die Sozialdemokraten ein, Jörg Richert zu unterstützen. Der 48-Jährige könne quasi ein „amerikanisches Modell“ in der Verwaltung hinlegen: vom Stadtinspektor zum Landrat. Richert kündigte heute an, ein Wahlkampfteam zu berufen, das neben Grascha und Rabe unter anderem aus Dr. Claudius Weisensee als Pressesprecher bestehen werde. Der gelernte Redakteur und Jurist ist aktuell Forschungsreferent an der TU Braunschweig, er war auch schon einmal FDP-Ortsvorsitzender in Einbeck.

Erste parteipolitische Spitzen zur Kandidatur Jörg Richerts gab es wenige Stunden nach der Pressekonferenz bei der Kreistagssitzung in Northeim. Beim Tagesordnungspunkt Anfragen wollte Dirk Ebrecht (CDU) von der Kreisverwaltungsspitze wissen, wie auf die Landratskandidatur Richerts arbeitsorganisatorisch reagiert werde. Der Erste Kreisrat Dr. Hartmut Heuer antwortete, dass dieser noch Resturlaub habe und die Kreisverwaltung im Übrigen so organisiert sei, dass die Qualität nicht unter der Kandidatur leiden werde. Richert hatte zuvor bereits gesagt, dass er für den Wahlkampf im Januar/Februar Urlaub nehmen werde.

Jörg Richert (l.) heute in der Kreistagssitzung, rechts neben ihm

Jörg Richert (l.) heute in der Kreistagssitzung, rechts neben ihm der Kreistagsvorsitzende Peter Traupe (SPD) und der Erste Kreisrat Dr. Hartmut Heuer, beide wie Richert ebenfalls aus Einbeck. Vorn CDU-Kreistagsfraktionschef Heiner Hegeler.

 

 

Nachtrag 08.11.2015: Heute hat die SPD ihre Nominierungskonferenz für den 20. November angekündigt. Sie wird in Einbeck im Hotel „Panorama“ stattfinden. „Wir haben mit vielen herausragenden Persönlichkeiten in den vergangenen Wochen gesprochen“, wird SPD-Unterbezirk-Vorsitzender Uwe Schwarz in der Pressemitteilung zitiert. „Ich bin mir sicher, dass wir den Delegierten einen guten und interessanten Vorschlag vorstellen werden.“ Der SPD-Unterbezirksvorstand will im Vorfeld der Nominierungskonferenz den abschließenden Personalvorschlag für die Landratswahl erarbeiten. Namen wurden bislang nicht genannt.

Der zweite Kandidat

Jörg Richert, Irnfried Rabe, Simon Hartmann und Peter Traupe bei der Bekanntgabe der Ergebnisse der Landratswahl im Oktober 2013. Archivfoto

Jörg Richert, Irnfried Rabe (FDP), Simon Hartmann (SPD) und Peter Traupe (SPD) bei der Bekanntgabe der Ergebnisse der Landratswahl im Oktober 2013. Archivfoto

Die FDP im Landkreis Northeim will auf einer soeben eilig für morgen Vormittag einberufenen Pressekonferenz den von den Freien Demokraten unterstützten Landratskandidaten präsentieren. Ein Name wurde zunächst nicht genannt, der Ort des Geschehens und die Tatsache, dass die Pressekonferenz wenige Stunden vor der nächsten Kreistagssitzung stattfinden wird, verdichten Gerüchte, dass der Kandidat aus dem Einbecker Ortsteil Salzderhelden kommen wird. Der FDP-Kreisvorsitzende Christian Grascha, der selbst in Salzderhelden wohnt, hatte eigene Ambitionen bereits vor Wochen dementiert. Er schreibt in der Einladung zur Pressekonferenz von einem Beschluss des Kreisvorstandes der Liberalen zur Landratswahl am 28. Februar 2016, nach dem sich der Kandidat der FDP jetzt vorstellen werde. Auf der Tagesordnung der Kreistagssitzung ist als Punkt 10 die Berufung eines neuen stellvertretenden Wahlleiters aufgeführt. Im Juli hatte der Kreistag den Leitenden Kreisverwaltungsdirektor Jörg Richert zum stellvertretenden Kreiswahlleiter für die Kommunalwahl 2016 berufen. Richert hat nun erklärt, dass er das Amt aus persönlichen Gründen nicht wahrnehmen könne und daher darum gebeten, ihn von den Verpflichtungen des stellvertretenden Kreiswahlleiters zu entbinden, wie es in der Beschlussvorlage heißt. Jurist Richert wohnt in Salzderhelden.

Die CDU hatte am 1. Oktober ihren Kandidaten für die Landratswahl nominiert: Dr. Bernd von Garmissen. Andere Kandidaturen sind bislang noch nicht bekannt, die SPD hatte ihre Gremienentscheidung für November angekündigt.