Neustädter Kirchplatz: „Schandfleck“ oder attraktiver Stadtplatz auch für künftige Feste?

(c) Foto: Frank Bertram

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek hat zwei schriftliche Anfragen zum Neustädter Kirchplatz in der jüngsten Sitzung des Stadtrates dazu genutzt, einmal grundsätzlich persönlich auf die Dauerbaustelle einzugehen – „wo wir bei diesem Projekt herkommen und wo wir hinwollen“, wie sie sagte. „Es entsteht ein multifunktionaler Stadtplatz für Veranstaltungen und Feste, der zugleich ein Ort des Ankommens und Verweilens für unsere Gäste ist sowie als Entrée zur Stadt und als Tor zur Fußgängerzone dient.“ Anschließend antwortete die Rathauschefin auf die Fragen von Ratsherr Alexander Kloss (parteilos) und der Gruppe „Liberal und Klar“ zu den Kosten sowie die Anfrage der SPD-Ratsfraktion nach der Nutzung des Pavillons.

Der nach dem Abriss der Neustädter Kirche St. Marien nach 1963 entstandene Platz in Waschbetonarchitektur habe seine Aufenthaltsqualität verloren und sei zuletzt in die Jahre gekommen, lange sei diskutiert worden, was mit dem Platz geschehen solle. 2014 habe der Stadtrat die Umgestaltung beschlossen, 2016 sei ein städtebaulicher Wettbewerb für den zentralen und städtebaulich bedeutsamen Platz durchgeführt worden. „Ich erinnere mich noch gut an die Bürgerbeteiligung im Alten Rathaus, bei der gemeinschaftlich und konstruktiv Anregungen für die Ausgestaltung erarbeitet wurden“, sagte Michalek. Sowohl Preisgericht als auch Politik hätten den Sieger-Entwurf einstimmig beschlossen, der jetzt umgesetzt werde, erinnerte die Bürgermeisterin.

In sozialen Netzwerken müsse sie nun lesen, dass die Baumaßnahme ein „Einbecker Dauerärgernis“ sei, der Pavillon gar ein „Schandfleck“. Diese Begriffe würden der Bedeutung des Platzes für die Stadt nicht gerecht. Der Neustädter Kirchplatz sei ein zentraler und städtebaulich bedeutsamer Platz. Es entstehe ein multifunktionaler Stadtplatz für Veranstaltungen und Feste, der zugleich ein Ort des Ankommens und Verweilens für Einbecks Gäste sei sowie als Eingang zur Stadt und als Tor zur Fußgängerzone diene.

Ja, die Umsetzung des großen Projektes habe sich verzögert. Alle wüssten, warum das so sei. Ja, auch die Kosten hätten sich als höher herausgestellt als zu Beginn kalkuliert. Auch dafür kenne jeder die Gründe. „Wer aufmerksam durch die Welt geht, der weiß, dass sich in den vergangenen Jahren die Rahmenbedingungen für Bauprojekte fundamental verändert haben“, sagte die Bürgermeisterin. „Die Kostensteigerungen sind enorm und sie sind oft schwer kalkulierbar und vorhersehbar. Hier müssen immer Annahmen getroffen werden. Seien Sie mal ehrlich: Hätten Sie Mitte Februar die Mineralölpreise von dieser Woche richtig kalkuliert?“

Kosten

Den Gesamtstand der Ausgaben gab die Verwaltungschefin (Stand Ende Februar 2026) mit exakt 3.819.212,32 Euro an. In der jüngsten Sitzung des Verwaltungsausschusses am 25. Februar sei den Mitgliedern des Gremiums der gegenwärtige Stand der Planung und Umsetzung dargelegt und mitgeteilt worden, dass angesichts noch verbleibender Unwägbarkeiten endgültige Zahlen erst im Mai vorliegen und dann auch veröffentlicht werden sollen. Michalek: „Wir informieren transparent über die Sachstände und auch die Kosten – aber erst dann, wenn wir seriöse Aussagen treffen können.“ Kloss hatte in seiner Anfrage wissen wollen, ob die im 2. Nachtragshaushalt des Jahres 2022 beschlossenen 3,9 Millionen Euro zusätzlich zu den bis dahin schon verplanten 2,4 Millionen Euro ausreichend seien, um die Gesamtmaßnahme fertigzustellen.

Pavillon-Nutzung

Die SPD-Ratsfraktion hatte parallel angefragt, wer den Pavillon auf dem Neustädter Kirchplatz mit Leben füllen werde und wie das Nutzungskonzept für dieses Gebäude aussehe. „Sollte es bereits ein Konzept geben, wann wird es der Öffentlichkeit und der Politik offiziell vorgestellt?“, fragte die SPD die Bürgermeisterin. Dr. Sabine Michalek verwies in ihrer Antwort auf die Sitzungen des Ausschusses für Stadtentwicklung und Bauen sowie des Verwaltungsausschusses im Juli 2024. Der öffentlichen Vorlage 2024/1537 „Grundsatzbeschluss zum Weiterbau am Neustädter Kirchplatz“ liege u.a. das Kurzkonzept der Harz-Weser-Werke „Mittendrin in Einbeck – eine inklusive und barrierefreie Begegnungsstätte“ vom 1. August 2022 bei. Dieses Konzept sei mit dem Fördermittelgeber abgestimmt und bilde unverändert die Grundlage für die künftige Nutzung des Pavillons auf dem Neustädter Kirchplatz. Seit Beginn des Jahres befinde sich die Stadt Einbeck wieder im Austausch mit den Harz-Weser-Werken, um in die Umsetzungsplanung des bestehenden Konzeptes einzusteigen. Ein nächstes Treffen ist für kommende Woche geplant. Geplant sei aktuell ein Start der Begegnungsstätte zu Beginn des Jahres 2027, teilte die Bürgermeisterin mit.

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Dauerbaustelle Neustädter Kirchplatz mit Pavillon. In wenigen Wochen sollen die Pflasterarbeiten beginnen.