Das Thema stand gar nicht auf der Tagesordnung heute Abend im Ortsrat Kreiensen. Und doch drehte sich die Hälfte der Sitzungszeit alles um den jüngsten Wasserrohrbruch am Hainberg in Kreiensen – genauer um die mangelhafte Kommunikation der dreitägigen Wasserunterbrechung für rund 550 Menschen in etwa 80 Haushalten. Das Thema bewegt auch fast zwei Wochen nach den Ereignissen viele Menschen, vor allem wie Stadtwerke und Stadt mit ihnen umgegangen sind. Rund 30 Bürgerinnen und Bürger brachten ihren Unmut über das „vollkommene Versagen“, über die „Katastrophe“ bei der desaströsen Kommunikation des Rohrbruchs in der Einwohnerfragestunde vor. Viele kündigten ihre Anwesenheit in der morgigen Ratssitzung an, wo das Thema auf der Tagesordnung steht. Ärgerlich waren manche, dass sich die Stadtwerke nicht persönlich der Kritik stellten, allerdings war auch niemand von den Stadtwerken zur Ortsratssitzung eingeladen worden, wie auf Nachfrage eingeräumt wurde. Den Zorn der Bürger in Kreiensen bekam Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek unmittelbar zu spüren, sie war eigentlich wegen eines anderen Themas (DRK-Kindergarten Kreiensen) mit Fachbereichsleiter Marco Heckhoff persönlich vor Ort.
Mehrere Bürger äußerten die Vermutung, dass die Angelegenheit bei einem ähnlichen Wasserrohrbruch in Einbeck anders gelaufen wäre, sie fühlen sich in Kreiensen als fünftes Rad am Wagen, als Bürger zweiter Klasse und nicht ausreichend wahrgenommen. Es sei beschämend gewesen, wie sich gerade viele ältere Menschen in dem Wohngebiet mühsam zu den Wasserentnahmestellen quälen mussten, einige hätten trotz der Sommerhitze absichtlich weniger getrunken, um nicht so oft auf die Toilette gehen zu müssen, die sie nicht spülen konnten. Als das Wasserrohr am Mittwoch Abend beim Wiederanfahren das zweite Mal gebrochen sei, die Stadtwerke aber nicht über Nacht weitergearbeitet hätten, habe das die Wut noch gesteigert, hieß es in der Einwohnerfragestunde. Die Stadtwerke hätten offenbar „Null Interesse am Bürger“.
Kreiensens Ortsbürgermeister Oliver Rieger kritisierte die Stadtwerke scharf. Diese hätten zu wenig initiativ getan, die Wasserunterbrechung zu überbrücken. Hinzu sei die schlechte Kommunikation gekommen. In solchen Fällen müssten die Stadtwerke besser vorbereitet sein, forderte er. „Da muss ein Plan her“, sagte Rieger. Es müsse mehr in Wartung und Erneuerung investiert werden. Denn es werde angesichts des alten Wassernetzes in Kreiensen nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ein Rohr platze, meinte Rieger. Ortsbrandmeister Peter Schneider kritisierte die schlechte Information durch die Stadtwerke, die Feuerwehr hätte helfen und unterstützen können, sie müsse aber alarmiert werden, was nicht der Fall gewesen sei. Ortsratsmitglied Axel Ambrosy konstatierte ein „vollkommenes Versagen“ der Stadtwerke, das müsse auch personelle Konsequenzen dort haben, forderte er. Bisher habe er nichts über eine Entschädigung oder eine Entschuldigung von den Stadtwerken gehört.
Direkt nachdem die Wasserversorgung wieder hergestellt war, habe man ein Gespräch mit den Stadtwerke-Verantwortlichen geführt, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. „In der Kommunikation waren sehr große Schwächen, das darf nicht wieder passieren“, sagte sie. Grundsätzlich sei ein Wasserrohrbruch zunächst eine Angelegenheit der Stadtwerke als Versorgungsunternehmen, die Stadt sei da nicht mit im Boot, die 100-prozentige Stadt-Tochter sei ein Eigenbetrieb, betonte Michalek. Die Stadtverwaltung habe zunächst auch keine weiteren Information von den Stadtwerken gehabt, bis zum Mittwoch sei das ein „normaler“ Wasserrohrbruch gewesen. Es sei von den Stadtwerken der Kipppunkt versäumt worden, sich Hilfe zu holen (beispielsweise bei THW oder Feuerwehr), den Meldekreis zu vergrößern. Mittlerweile sei man bei den Stadtwerken sensibilisiert, habe die Kommunikationswege verbessert festgelegt. Die Bürgermeisterin bat die Bürger, doch aber auch die technische Leistung zur Kenntnis zu nehmen, dass die Stadtwerke mal so eben in kürzester Zeit eine neue Leitung unter der B64 durchgeschossen haben.


Moin, die Stadtwerke Einbeck GmbH ist KEIN Eigenbetrieb, das wird auch Frau Dr. Michalek so nicht gesagt haben.
Mit freundlichem Gruß
Dietmar
Ich bin mir – auch angesichts meiner Notizen – sicher, dass zunächst die Protokollführerin und daraufhin auch Frau Dr. Michalek den Begriff Eigenbetrieb gesagt haben, den zuvor auch Einwohner verwendet haben. Alle werden vermutlich damit nicht den Rechtsbegriff gemeint haben, sondern deutlich machen wollen (so war jedenfalls der Sinnzusammenhang in der Diskussion), dass die Stadtwerke ein eigener Betrieb sind (mit eigenständigen Entscheidungen) und nicht zur Stadtverwaltung gehören sozusagen. Nach § 136 NKomVG sind Eigenbetrieb und Eigengesellschaft natürlich zwei unterschiedliche Rechtsformen wirtschaftlicher Betätigung von Kommunen.