Warum der Schulausschuss in Drüber tagte, das aber eigentlich auch egal war

(c) Foto: Frank Bertram

Vielleicht sollte es ein Experiment sein, den Mitgliedern und Besuchern des Ausschusses für Kultur, Schule und Sport vor Ort praktisch zu zeigen, wie hoch die Temperaturen in einem überwärmten Südseiten-Raum in einem Schulgebäude auch im Frühherbst nachmittags noch sein können. Die letzte Sitzung des Fachausschusses heute fand jedenfalls nicht zu dem Zweck in Drüber vor Ort statt, weil sich die Ausschussmitglieder vor ihrem Beschluss einmal gemeinsam die diskutierten möglichen Veränderungen des Schulhofes der Grundschule anschauen wollten. Das taten sie zumindest nicht. Denn anders als in solchen Fällen üblich, gab es keinen gemeinsamen Ortstermin vor Sitzungsbeginn auf dem Schulhof, um den es bei den zu beschließenden Planungen ging. Stattdessen blickten alle im überwärmten Schulgebäude auf Powerpoint-Präsentationen der Vorentwurfsplanung (das ist das allererste Stadium einer langen Planung). Das hätte man auch im Rathaus machen können. Kann man machen, in Zeiten hoher Benzinpreise ist die Fahrt nach Drüber ökologisch und ökonomisch für die meisten Beteiligten wahrscheinlich der gleiche Aufwand (außer für diejenigen, die blöderweise in der Kernstadt leben und arbeiten und zu Fuß ins Rathaus hätten gehen können). Tut mir leid, aber diese Sondersitzung zum Abschluss der Legislaturperiode war keine Glanzstunde.

Die schon damit anfing, dass der beauftragte Planer offenbar in der Kostenschätzung sein eigenes Honorar vergessen hatte einzuberechnen. Auf die Spende dieses Betrages wollte sich der Vertreter des Kasseler Planungsbüros „Stadt + Natur“ aber dann doch nicht einlassen. Dabei waren die Sitzungsvorlagen bereits nach der Einladung verändert worden: Weil die ursprünglich vorgelegten Planungsunterlagen den vorgegebenen Kostenrahmen nicht eingehalten haben, hieß es zur Begründung entschuldigend aus dem Rathaus. Das beauftragte Planungsbüro sei daher um Überarbeitung und Anpassung der Vorplanung gebeten worden. „Die nun vorliegenden Unterlagen zur Vorplanung entsprechen dem vorgegebenen Kostenrahmen und bilden die aktuelle Grundlage für die weitere Beratung“, schreibt die Verwaltung. Ja, kein Wunder, wenn der Planer sein Honorar vergisst einzuberechnen.

Die ausgearbeiteten zwei Varianten sehen Veränderungen auf dem heute vor allem von Asphalt dominierten Schulhof der Grundschule Drüber vor. Der Löwenanteil der Kosten geht jedoch bereits damit drauf, die Asphaltfläche aufzureißen und zu begrünen. Bei Spielgeräten wird es dann schon finanziell arg knapp, um die bislang budgetierte und gerade erst im Nachtragshaushalt 2027 verankerte Summe von 250.000 Euro nicht gleich wieder zu reißen. Darüber echauffierte sich auch Detlef Martin (SPD), der sich für diese Tatsache eine Einschätzung aus dem eigenen Bauamt gewünscht hätte. Rathaus-Teamleiterin Ayla Henne hielt dagegen: Das sei alles Aufgabe einer Vorentwurfsplanung, andernfalls hätte diese gleich das Bauamt machen müssen, wo aber keine Kapazität dafür vorhanden sei. Man habe sich bewusst entschieden, zunächst Geld für eine externe Vorentwurfsplanung in die Hand zu nehmen. Wie gesagt: In der Kostenschätzung des Planungsbüros steht unter Planungshonorar „Position entfällt“.

Einstimmig hat der Fachausschuss schlussendlich entschieden, dass die Verwaltung gemeinsam mit dem Architekten und der Arbeitsgruppe aus pädagogischem Fachpersonal und der Ortschaft aus beiden Varianten eine Version als Entwurfplanung erstellen und damit das Projekt vorantreiben soll. Dafür gibt es einen Kostendeckel von 275.000 Euro, das zusätzlich notwendige Geld soll aus dem Investitionsprogramm Ganztagsschule genommen werden, wo es bislang anderweitig nicht gebraucht werde. Dirk Heitmüller (SPD) mahnte eine scharfe Kostenkontrolle an, schon wieder werde ein Projekt teurer und teuer.

Ortsbürgermeister Andreas Mann lobte beide Varianten-Entwürfe, der Ortsrat könne mit beiden gut leben. Er bat darum, dass auf dem Schulhof asphaltierte Teilflächen erhalten bleiben sollten, die im Ort für Veranstaltungen genutzt werden können. Schulleiterin Sabine Emmendörffer-Bülau plädierte dafür, aus beiden Entwürfen das Beste zu nehmen und im Kostenrahmen zu bleiben; wichtig sei, den Asphalt aufzureißen und für Begrünung und für Schatten zu sorgen, das sei zum Wohle der Kinder, bei hochsommerlichen Temperaturen habe man eine Fürsorgepflicht, mahnte sie zum Tempo. „Für uns ist wichtig, dass wirklich was passiert.“

Wann denn die Bagger rollen, wollte jemand in der abschließenden Einwohnerfragestunde wissen. Eine Antwort traute sich niemand.

(c) Foto: Frank Bertram
Viel Asphalt auf dem Schulhof der Grundschule in Drüber und nur eine Eiche, die Schatten spenden kann – das soll sich ändern.

Ein Kommentar zu „Warum der Schulausschuss in Drüber tagte, das aber eigentlich auch egal war“

Hier kannst Du einen Kommentar verfassen